Schon seit Jahren kursiert in verschiedenen Varianten ein Zitat, das angeblich Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums (WEF) und Feindfigur etlicher Verschwörungsgläubiger, gesagt haben soll. Es lautet: „In zehn Jahren wirst du nichts besitzen und du wirst darüber glücklich sein.“ Mitunter wird die Aussage leicht abgewandelt, aber inhaltlich ist sie immer identisch. In einigen Postings findet sich auch eine Datumsangabe: Schwab, soll das beim WEF im Oktober 2020 gesagt haben.

Ursprung der Behauptung ist womöglich ein Werbevideo des WEF, das im Februar 2017 auf dessen Facebook-Kanal veröffentlicht wurde. Darin werden acht Vorhersagen für die Welt im Jahr 2030 gemacht; diese würden auf dem Input von Teilnehmenden des WEF basieren. Die erste: „You’ll own nothing, and you’ll be happy.“ – Du wirst nichts besitzen und glücklich sein.

Wir haben beim WEF nachgefragt, ob Klaus Schwab diesen Satz geäußert hat. Per E-Mail schrieb uns das Presseteam, dass er so etwas nicht gesagt habe. Zudem fand das jährliche Weltwirtschaftsforum in Davos im Jahr 2020 nicht im Oktober statt, wie es in einigen der Beiträge heißt, sondern vom 21. bis 24. Januar.
Das Presseteam des WEF schickte uns auch einen Link zu Videoaufnahmen der Redebeiträge des Treffens. Klaus Schwab ist bei keiner der Veranstaltungen als Redner aufgeführt. Er sprach lediglich beim Pre-Meeting des Treffens am 14. Januar 2020 und hielt eine Eröffnungsrede von knapp zehn Minuten Länge. Das fragliche Zitat fällt darin nicht.
Zitat stammt aus Essay einer dänischen Politikerin von 2016
Wir haben auf Englisch nach dem angeblichen Zitat gesucht und fanden einen Hinweis darauf, dass es aus einem Essay der dänischen Politikerin Ida Auken stammt. In diesem Essay, das im November 2016 erschienen war und das auch auf der Seite des WEF veröffentlicht wurde, geht es um eine Zukunftsvision, in der alltägliche Waren und Güter nicht mehr gekauft werden müssen, weil sie kostenlos sind oder überflüssig wurden. In dieser Fantasie besitzt zum Beispiel niemand mehr ein Auto, weil man sich bei Bedarf ein selbstfahrendes Taxi bestellt.
Die Autorin merkt in einer nachträglich hinzugefügten Fußnote explizit an, dass es sich lediglich um ein Szenario handele, das eine Debatte anstoßen über Vor- und Nachteile aktueller technischer Entwicklungen soll. Dass dieses Szenario realistisch oder eine wünschenswerte Zukunft sei, sagt Auken nicht.
Redigatur: Max Bernhard, Gabriele Scherndl
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