Gesellschaft

Nein, Geflüchtete in Beckum haben keine getrennten Schwimmbäder gefordert

Angeblich hätten syrische Geflüchtete getrennte Schwimmbäder für Männer und Frauen gefordert, heißt es in Beiträgen auf X und Facebook. Doch das stimmt nicht. Ein Verein hatte einen Antrag für ein Männerschwimmen gestellt.

von Sarah Thust

Symbolbild Schwimmbad gentrit-sylejmani-unsplash
In Sozialen Netzwerken machen Falschbehauptungen über Schwimmbäder die Runde (Foto: Gentrit Sylejmani / Unsplash)
Behauptung
Ein TV-Bericht aus Beckum in Nordrhein-Westfalen von 2019 zeige, dass syrische Flüchtlinge getrennte Schwimmbäder fordern würden.
Bewertung
Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Der TV-Bericht ist von 2018 – es geht um einen deutsch-arabischen Verein, der im Hallenbad Beckum einen Antrag auf Badezeiten nur für Männer gestellt hatte. Getrennte Schwimmbäder forderte er nicht. Dem Antrag lag der Grundsatz der Gleichbehandlung zugrunde, da das Hallenbad Schwimmzeiten nur für Frauen anbietet.

„Syrische Flüchtlinge fordern getrennte Schwimmbäder“, kommentiert Anfang Januar der rechte Aktivist Kian Kermanshahi auf X. Er teilt dazu ein altes Video. Seine Behauptung bestätigt es jedoch nicht: Darin geht es um einen arabisch-deutschen Verein in Beckum, der Badezeiten nur für Männer im Hallenbad beantragt haben soll. Der Aktivist erhielt für seinen Beitrag mehr als 5.400 „Gefällt mir“-Angaben – das Video ging viral.

Weiterverbreitet auf Youtube, Facebook und Gettr, wurde auch ein englischsprachiger Influencer auf X darauf aufmerksam. Er kommentierte, ein syrischer Einwanderer hätten in Deutschland beantragt, das gemeinsame Schwimmen von Männern und Frauen in öffentlichen Schwimmbädern aus kulturellen Gründen zu verbieten – und bekam dafür über 12.500 Likes (Stand: 22. Januar 2025).

Es ging in der Debatte in Beckum aber nie um getrennte Schwimmbäder oder ein generelles Verbot von gemeinsamen Schwimmen. Auf Nachfrage, warum er den Beitrag geteilt hat, gab Kermanshahi keine inhaltliche Antwort.

Nutzer kommentiert den Beitrag mit der Überschrift „Syrische Flüchtlinge fordern getrennte Schwimmbäder“
Ein Nutzerkommentar macht deutlich, dass viele Menschen das Video des WDR offenbar nicht angesehen haben. Denn darin wird deutlich, dass es dem deutsch-arabischen Verein, der darin zitiert wird, nicht darum ging, Männer und Frauen in Schwimmbädern dauerhaft zu trennen. (Quelle: X; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

WDR berichtete über Antrag für Schwimmzeiten für Männer, nicht über getrennte Schwimmbäder 

In dem Video sieht man das Logo der „Aktuellen Stunde“ des WDR, laut den Beiträgen ist es angeblich von 2019. Es zeigt einen Mann, der laut WDR-Bericht im arabisch-deutschen Verein Beckum ist und den Antrag auf Badezeiten nur für Männer gestellt hatte. Die Stadt habe kein Problem gesehen und den Antrag genehmigt, heißt es weiter, da es auch ein Frauenschwimmen gebe. Da es aber Kritik gab, liege das Männerschwimmen „erstmal auf Eis“.

Über Google findet sich das Video der Aktuellen Stunde auf Facebook, veröffentlicht wurde es schon im Mai 2018. Nun, Jahre später, wird es mit falschen Behauptungen verbreitet. 

Ein Bericht der westfälischen Lokalzeitung Die Glocke und ein Artikel beim digitalen Stadtportal „Dein Beckum“ liefern weiteren Kontext: Im Vordergrund habe der Grundsatz der Gleichbehandlung von Frauen und Männern gestanden. Im Hallenbad gab es damals Schwimmzeiten für Frauen, aber nicht für Männer. Mit Unterschriften habe der deutsch-arabische Verein im September 2017 den Bedarf begründet und der Antrag sei umgesetzt worden. Der Blog Achgut machte damals daraus ein „Frauen- und Mädchenschwimmverbot“.

Eine Sprecherin des Büros des Bürgermeisters der Stadt Beckum schreibt auf Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck, dass das Männerschwimmen nur einmalig am 15. April 2018 mit zehn Teilnehmern stattgefunden habe. Das Interesse an dem Angebot sei nicht groß genug gewesen. „Wir bieten Mädchen- und Frauenschwimmen an. In der laufenden Hallenbadsaison wurde es bisher zwei Mal angeboten.“

Redigatur: Matthias Bau, Gabriele Scherndl

Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.

Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!

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