Bielefeld: Hinter angeblichem Oberbürgermeister-Kandidaten steckt „KI-Satire“
Es stimmt nicht, dass „Mohammett“ oder „Mohammed Khalid“ als Oberbürgermeister in Bielefeld kandidieren will. Die Ankündigung von April 2026 stammt von einem Profil auf X, das unter dem Deckmantel von Satire anti-muslimische Narrative nährt.
Die Wahl der Oberbürgermeisterin in Bielefeld in Nordrhein-Westfalen fand im September 2025 statt und die nächste steht erst 2030 an. Dennoch sorgt aktuell ein angeblich neuer OB-Kandidat, der mehr „Flüchtlingsheime und eine große Moschee“ bauen will, für allerhand wütende und rassistische Reaktionen auf Facebook, Instagram und Threads. „Dann ist Bielefeld verloren, wenn der gewählt werden sollte“, kommentiert ein Nutzer. Die Beiträge erreichen Zigtausende.
Es gibt jedoch zahlreiche Hinweise, dass der angebliche Kandidat, der in den Beiträgen genannt und gezeigt wird, nicht existiert.

Eine Stichwortsuche bei Google führt zu einem X-Beitrag von einem Profil, das es erst seit Februar 2026 gibt. Unter dem Nutzernamen „@MohammettKhalid“ – eine falsche Schreibweise des arabischen Vornamens – veröffentlicht es laut eigener Angabe „KI-Satire“. Als Profilnamen ist mal die falsche, mal die übliche Schreibweise von „Mohammed“ angegeben sowie der gesamte Name auf Arabisch. Der Nutzer gibt an Muslim, syrischer Flüchtling und Aktivist zu sein.

Mehrere Hinweise, dass das Bild vom angeblichen OB-Kandidaten Khalid KI-generiert ist
Eine Bilder-Rückwärtssuche mit dem Bild aus dem X-Beitrag liefert keine Treffer für einen „Mohammed Khalid“ aus Bielefeld – ebenso wenig eine Suche mit dem Namen und dem Stichwort „Aktivist“. Die Google-KI identifiziert den Mann auf dem Bild fälschlicherweise als den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa.
Wir haben einige KI-Tools nach ihrer Einschätzung gefragt: Google’s KI Gemini und Perplexity AI kommen zu keinem klaren Ergebnis. Die Webseite Imagewhisperer holt Einschätzungen von weiteren KI-Tools ein – demnach kommen zwei von ihnen zu dem Schluss, dass das Bild mit hoher Wahrscheinlichkeit manipuliert ist, ein weiteres stuft es als „Verdachtsfall“ ein. Ein typisches Problem bei KI-Tools: Sie sind noch nicht so präzise und kommen häufig zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Bei genauerem Hinsehen lässt sich jedoch mindestens ein für KI typischer Logikfehler erkennen: Die Knopfleisten an den Ärmeln passen nicht zusammen – links sind drei Knöpfe nebeneinander zu sehen, rechts vier Knöpfe, die sich überlappen.

X-Beitrag über angebliche OB-Kandidatur in Bielefeld für viele nicht als Satire erkennbar
Auf Nachfrage, ob der angebliche Kandidat der Stadt Bielefeld bekannt sei, verwies eine Mitarbeiterin auf einen Faktencheck der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Sie ergänzte, dass – angesichts der erst kürzlich abgeschlossenen Wahl – eine Kandidatur für das OB-Amt aktuell nicht möglich sei.
Der DPA-Faktencheck zeigt auch, dass das Profil schon häufiger manipulierte Bilder veröffentlicht hat, etwa von Treffen mit Annalena Baerbock oder Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Bilder des angeblichen OB-Kandidaten kursieren dennoch weiterhin in Sozialen Netzwerken – ohne jeglichen Hinweis auf Satire oder KI.
Auf X hält auch das Profil die Täuschung aufrecht: Der Betreiber streitet ab, dass es sich um eine Parodie handelt oder KI zum Einsatz kam. Es veröffentlicht zudem weitere Beiträge, die rassistische Kommentare anfachen.
In einem X-Beitrag ordnete die Grünen-Politikerin und Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor das so ein: „Solche Inhalte schüren gezielt Ressentiments, indem sie erfundene muslimische Figuren nutzen, um Hass und Empörung auszulösen. KI-Satire ist nicht harmlos, wenn sie stereotype Narrative bedient und Vorurteile verstärkt.“ Darunter kommentiert das Profil „Mohammed Khalid“, Kaddor brandmarke KI-Satire als Gefahr und betreibe Zensur. Für eine Anfrage war das Profil nicht zu erreichen.
In unserer Satire-Richtlinie erklären wir, wann Satire zu Desinformation wird: Wird es Menschen zu schwer gemacht, einen satirischen Beitrag als solchen zu erkennen, kann es sein, dass mit Vorsatz getäuscht werden soll.
Redigatur: Paulina Thom, Gabriele Scherndl
CORRECTIV im Postfach
Lesen Sie von Macht und Missbrauch. Aber auch von Menschen und Momenten, die zeigen, dass wir es als Gesellschaft besser können. Täglich im CORRECTIV Spotlight.