Gesundheit

Doch, deutsches Leitungswasser gilt weiterhin als Trinkwasser

Angeblich haben Gesundheitsbehörden ihre Empfehlungen geändert, heißt es auf Facebook und Tiktok: Leitungswasser sei ab Frühjahr 2026 nicht mehr als Trinkwasser empfohlen. Das ist falsch.

von Steffen Kutzner

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Leitungswasser in Deutschland ist mit das sauberste der Welt und wird auch weiterhin als Trinkwasser empfohlen (Foto: com77380 / Pixabay)
Behauptung
Leitungswasser werde in Deutschland nicht mehr uneingeschränkt als Trinkwasser empfohlen. Ab April oder Mai 2026 gebe es neue Warnhinweise, etwa wegen erhöhter Rückstände von Mikroplastik oder von Medikamenten.
Bewertung
Falsch. Laut Umweltbundesamt ist keine solche Empfehlung geplant – Leitungswasser wird nach wie vor als Trinkwasser empfohlen.

Geht es um die Qualität von Leitungswasser, ist Deutschland einer der Spitzenreiter. Umso überraschender erscheint da eine Behauptung, die seit Monaten immer wieder online auftaucht. 

In Videos auf Facebook und Tiktok heißt es, ab Februar, April oder Mai gebe es neue Warnhinweise, wonach Leitungswasser nicht mehr uneingeschränkt als Trinkwasser empfohlen sei. Gründe seien angeblich Mikroplastik- und Medikament-Rückstände – Gesundheitsbehörden würden stattdessen Wasserfilter oder abgefülltes Wasser empfehlen. Die Behauptungen sind jedoch erfunden.

Auf der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit finden sich keinerlei Hinweise auf Meldungen, die diese Behauptungen bestätigen würden. Auch Google liefert keinen solchen Hinweis

Ein Facebook-Beitrag mit der Falschbehauptung (Quelle: Facebook / Deutsche Nachrichten; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Umweltbundesamt hat keine derartige Empfehlung ausgesprochen 

Der zuständige Fachgebietsleiter Hendrik Paar vom Umweltbundesamt (UBA) schreibt uns, dass das UBA keine Empfehlung gegen Leitungswasser herausgegeben habe. „Weiterhin ist dem Umweltbundesamt auch keine derartige Empfehlung durch die Landesbehörden/-ministerien der Bundesländer bekannt.“ 

Das Umweltbundesamt überwacht und bewertet im Auftrag des Gesundheitsministeriums gesundheitliche Risiken. Die Trinkwasserverordnung schreibt – auch basierend auf EU-Richtlinien – Grenzwerte für viele Substanzen vor. Grenzwerte für Mikroplastik und Medikamenten-Rückstände sind darin bisher zwar nicht oder nur für bestimmte Stoffe festgelegt, in solchen Fällen greift laut Hendrik Paar jedoch Paragraf 7, Absatz 3 der Trinkwasserverordnung. Dort steht: „Wird dem Gesundheitsamt bekannt, dass im Trinkwasser eines Wasserversorgungsgebiets chemische Stoffe vorkommen, die eine Schädigung der menschlichen Gesundheit besorgen lassen und für die in dieser Verordnung kein Grenzwert festgelegt ist, so legt das Gesundheitsamt (…) einen Höchstwert fest, der nicht überschritten werden darf.“

Was sich kürzlich bezüglich der Trinkwasserqualität verändert habe, seien laut Paar seit Januar 2026 die Grenzwerte für sogenannte „Ewigkeits-Chemikalien“, auch PFAS genannt, Halogenessigsäuren (HAA-5), Desinfektionsnebenprodukte, die im Verdacht stehen krebserregend zu sein, sowie das Algentoxin Microcystin-LR. Für diese Stoffe habe es vorher keine Grenzwerte gegeben. 

Studien fanden bisher kaum Arzneimittel- und Mikroplastik-Rückstände im Trinkwasser

Über Medikamentenrückstände schreibt die Verbraucherzentrale: „In einigen Trinkwässern können geringste Spuren einzelner Schadstoffe im Wasser gemessen werden, die weit unterhalb der erlaubten Grenzwerte liegen und selbst bei täglichem Konsum unbedenklich sind.“

Zu Mikroplastik schreiben die Berliner Wasserbetriebe auf ihrer Webseite, Trinkwasser sei frei davon, weil es aus tiefen Grundwasserschichten gewonnen werde. Partikel können aber etwa über Rohre ins Wasser gelangen: Zum Anteil von Mikroplastik im Trinkwasser gibt es unterschiedliche Untersuchungen – in manchen konnten Partikel nachgewiesen werden, in anderen nicht. Die Werte sind – wenn überhaupt – sehr niedrig und regional unterschiedlich.

In einem Youtube-Video hatte schon im Februar ein Wasserfilterhersteller erklärt, warum die angebliche Warnmeldung unplausibel ist. Leitungswasser sei weiterhin sicher. Auch wenn Medikamenten- und Mikroplastik-Rückstände bisher nicht regulär kontrolliert werden, würden Klärwerke ihre Technik ständig ausbauen, um neue Substanzen aus dem Wasser zu ziehen.

Wer ist für das Trinkwasser zuständig?

Die Gesundheitsämter und Landesgesundheitsministerien melden dem UBA die vor Ort gemessenen Grenzwerte und potenzielle Überschreitungen. Das UBA erstellt daraus zusammen mit dem Bundesgesundheitsministerium Berichte für die EU. Der aktuellste bildet die Jahre 2020 bis 2022 ab. Darin heißt es, die Wasserqualität sei von guter bis sehr guter Qualität.

Zuständig für die Wasserqualität sind die örtlichen Wasserversorger und, für die letzten Meter, die Hauseigentümer. „Große Versorger müssen das Trinkwasser sogar mehrmals täglich kontrollieren“, schreibt die Verbraucherzentrale auf ihrer Webseite. Seit Januar 2026 gelten außerdem strengere Regeln: etwa sind Blei-Leitungen nun endgültig verboten und es wurde ein Grenzwert für bestimmte Industriechemikalien festgelegt (CORRECTIV berichtete).

Redigatur: Sarah Thust, Max Bernhard