Im Netz erhitzt ein Stück Papier die Gemüter: Eine Seite mit Prüfungsaufgaben in Mathematik für den Mittleren Schulabschluss in NRW. Eine Aufgabe zeigt ein Foto eines Insektenhotels, bei dem die Anzahl der Röhrchen geschätzt werden soll. In Aufgabe zwei geht es darum, Einheiten umzurechnen, etwa 2,5 Stunden in Sekunden.
Das ist einigen Nutzerinnen und Nutzern offenbar zu einfach. „Das kann nicht sein“, heißt es in einem X-Beitrag mit über 400.000 Aufrufen. Auf Facebook meint ein Nutzer, in der DDR sei das Bildungssystem besser gewesen. Der rechte Blog „Achgut“ zieht einen weiteren historischen Vergleich: „Die alten Ägypter wären heute an deutschen Schulen weit unterfordert“.
Doch die Nutzerinnen und Nutzer, die sich über die Seite aufregen, lassen zwei Details außer Acht: Es handelt sich nicht um eine tatsächliche Prüfung, sondern um Beispielaufgaben und die Prüfung hat mehr als eine Seite. Ein erster Hinweis darauf findet sich schon weit oben auf der Seite selbst: „Prüfungsteil 1“. Abgeschnitten ist in dem Bild, das sich im Netz verbreitet, dagegen der untere Teil, wo es heißt „Seite 1 von 2“. Das Original findet sich auf der Webseite des Schulministeriums NRW.

Matheprüfung für Mittleren Abschluss in NRW besteht aus mehreren Seiten und Teilen
Seite 2 der Beispielaufgaben erfordert Kenntnisse zur Volumenberechnung und Gleichungen mit mehreren Variablen. Die Aufgabentypen ähneln denen der DDR-Prüfung von 1980, die ein Facebook-Nutzer zum Vergleich geteilt hatte. Für den ersten Prüfungsteil haben Schülerinnen und Schüler 30 Minuten Zeit und müssen ihn, abgesehen von Zirkel und Geodreieck, ohne Hilfsmittel bewältigen.
Im zweiten Teil sind als Hilfsmittel ein Taschenrechner und eine Formelsammlung erlaubt. Die Aufgaben sind entsprechend komplexer. Die alten Prüfungsaufgaben sind nicht öffentlich, aber für Schülerinnen und Schüler aus NRW zugänglich. Sie sind aber auch auf manchen Webseiten zu finden.

Wie uns ein Sprecher des Schulministeriums auf Nachfrage mitteilt, entspreche die Aufgabenstellung aus dem ersten Teil der Sicht der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz der Länder. Sie habe in einem Gutachten aus dem Jahr 2025 empfohlen, Basiskompetenzen auch in zentralen Abschlussprüfungen zu verankern.
Die Aufgaben würden aus unterschiedlichen Perspektiven geprüft, etwa der Schulaufsicht, von Lehrkräften und der Wissenschaft und weiter überarbeitet. „Das Durchlaufen aller Schritte der Qualitätssicherung garantiert, dass die Prüfungsaufgaben auch hinsichtlich des Anspruchs mit Prüfungssätzen der Vorjahre vergleichbar sind“, so der Sprecher.
NRW laut Bildungsstudie bei Mathematik „besonders schwach“
Die Prüfungen sind also nicht unbedingt einfacher geworden. Aber wie steht es um die Mathekenntnisse der Schülerinnen und Schüler? Die Kultusministerkonferenz überprüft regelmäßig, inwieweit die festgelegten Kompetenzziele in den einzelnen Bundesländern erreicht werden. Das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) der Humboldt-Universität führt dazu Studien durch, die „IQB-Bildungstrends“.
Die letzte Studie für 2024 sah dabei bundesweit sinkende Kompetenzen bei Neuntklässlern in Mathematik und Naturwissenschaften. NRW schnitt mit einigen anderen Bundesländern schlechter als der Durchschnitt ab: „Nahezu durchgängig besonders schwache Ergebnisse sind im Fach Mathematik in Bremen, Hessen und Nordrhein-Westfalen zu verzeichnen“, heißt es in einer Zusammenfassung des IQB. 40,8 Prozent der Neuntklässler erreichten in NRW im Fach Mathematik demnach nicht den Mindeststandard für den Mittleren Schulabschluss, während es im bundesweiten Durchschnitt 34,1 Prozent sind.

Redigatur: Matthias Bau, Steffen Kutzner
Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.
Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!
Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.
Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.

CORRECTIV im Postfach
Lesen Sie von Macht und Missbrauch. Aber auch von Menschen und Momenten, die zeigen, dass wir es als Gesellschaft besser können. Täglich im CORRECTIV Spotlight.
Mit der Anmeldung willigen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung ein.