Kein Hantavirus-Einsatz: Foto zeigt Marineübung im Jahr 2025
Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff kursieren im Mai 2026 Bilder von Menschen, die angeblich keine richtige Schutzkleidung tragen. Einige dieser Aufnahmen haben allerdings nichts mit dem Hantavirus zu tun.
Online sprechen manche von einem „Drehbuch“ oder einer „Inszenierung“, wenn es um den Hantavirus-Ausbruch geht. Dazu verbreiten sich in Sozialen Netzwerken mehrere Bilder, die mit damit gar nichts zu tun haben.
Darunter ist ein Foto, das einen Fotografen auf der Leitplanke eines Schiffes zeigt, der Personen in Schutzkleidung fotografiert. Die Szene wirkt, als zeige sie den Abtransport eines Patienten von dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“, wo im Mai 2026 die von Mensch zu Mensch übertragbare Andes-Variante des Hantavirus aufgetreten war. Das Foto verbreitete sich international, etwa auf Englisch, Französisch, Rumänisch, Türkisch, Arabisch und Spanisch.

Foto zeigt keine „Inszenierung“, sondern eine Marineübung in Südspanien im Jahr 2025
Eine Bilder-Rückwärtssuche zeigt, dass die Aufnahme veraltet ist. Sie führt zur Webseite der Hafenbehörde von Almería in Spanien. Demnach zeigt es eine Marineübung am 7. Mai 2025, um die Reaktions- und Koordinierungsfähigkeit von Einsatzkräften in Notfallsituationen zu verbessern. Beispielhaft wurde ein Szenario durchgespielt, das die Ankunft von Ebola-Patienten simulieren sollte.
Über die Übung berichteten damals auch spanische Medien. Die darin veröffentlichten Fotos und Videos stimmen mit der Szene auf dem Foto, das in Sozialen Netzwerken kursiert, überein.
Das Risiko für die Bevölkerung durch das Andes-Hantavirus ist gering
Nach dem Ausbruch des Andes-Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ hat es Anfang Mai mindestens drei Tote gegeben. Laut dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) gibt es weltweit elf Andes-Virus-Fälle, neun davon sind bestätigt, bei zwei Fällen handelt es sich um einen Verdacht (Stand: 22. Mai 2026). In Deutschland sind laut Bundesgesundheitsamt sechs Kontaktpersonen in Quarantäne, jedoch ohne Symptome (Stand: 19. Mai 2026).
Eine Ansteckung mit dem Andes-Hantavirus sei bei engem Kontakt in seltenen Fällen möglich, so das Robert-Koch-Institut. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung werten die Weltgesundheitsorganisation und das ECDC für als „gering“ oder „sehr gering“.
In der Vergangenheit wurde schon häufiger fälschlich behauptet, dass bestimmte Bilder oder Videos eine Inszenierung echter Krisensituationen belegen würden. So zum Beispiel mehrfach in der Zeit der Corona-Pandemie oder in Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Was den Hantavirus-Ausbruch betrifft, wurde zuletzt das Foto eines Busfahrers ohne Maske und Schutzkleidung fälschlich in diesen Kontext gesetzt. Es entstand zu Beginn der Corona-Pandemie.
Redigatur: Steffen Kutzner, Sarah Thust
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