Klima

Brennholz gleich Klimaschutz? Was an dieser Aussage von Hubert Aiwanger dran ist

Brennholz sei gleich Klimaschutz, hat Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger online behauptet. Wie er darauf kommt und ob das stimmt, fragen einige in den Kommentaren. Wir haben bei Fachleuten nachgehakt – es zeigt sich: Die CO2-Bilanz von Holz ist facettenreich.

von Matthias Bau

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Auf Facebook wurde ein Video von Hubert Aiwanger über das Heizen mit Holz vielfach gesehen (Michael Gründel / Fotostand / Picture Alliance)
Behauptung
Brennholz sei gleich Klimaschutz, weil es Fracking-Gas und Öl ersetzen könne. Etwa ersetze ein Ster Brennholz 120 Liter Heizöl.
Bewertung
Größtenteils richtig
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Größtenteils richtig. Aiwangers Berechnung ist grob richtig – Brennholz kann Öl und Fracking-Gas ersetzen, liefert aber vergleichsweise weniger Energie. Darüber hinaus setzt das Verbrennen von Holz andere Schadstoffe wie Methan, Lachgas, Ruß und Feinstaub frei.

„Brennholz = Klimaschutz“, steht neben einem Video des bayerischen Wirtschaftsministers, Hubert Aiwanger, auf Facebook und Instagram. Darin sagt er, ein Ster Brennholz ersetze 120 Liter Heizöl (Ster ist eine Maßeinheit für Brennholz und entspricht einem Kubikmeter gestapelten Holzscheiten). Aiwanger geht es also darum, dass Brennholz besser für das Klima sei als Heizöl oder Fracking-Gas, dessen Förderung als besonders klimaschädlich gilt

Das Video wurde bei der Agrarmesse Grüne Woche im Januar 2026 in Berlin aufgenommen. Auf Facebook erreichte Aiwanger damit rund 390.000 Aufrufe. In den Kommentaren diskutieren Nutzerinnen und Nutzer, ob seine Behauptung richtig ist oder nicht. 

Ausschnitt aus dem Kurzvideo von Hubert Aiwanger auf Facebook
Ausschnitt aus dem Kurzvideo von Hubert Aiwanger auf Facebook (Quelle: Facebook / Hubert Aiwanger; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Wir fragten Fachleute für Waldpolitik und Forstwirtschaft nach ihrer Einschätzung zu Aiwangers Behauptung. Dabei zeigt sich: Hubert Aiwanger hat mit seiner Aussage, Brennholz sei besser für das Klima als Öl und Gas, mit Blick auf Deutschland (noch) Recht. 

Inhaltsverzeichnis: 

Wie gut die Klimabilanz von Brennholz ist, hängt unter anderem davon ab, ob man damit Öl, Gas und Kohle ersetzen kann. Im Jahr 2025 lag laut UBA der Anteil der Erneuerbaren am Endenergieverbrauch Wärme bei 19,0 Prozent, der Anteil von Holzbrennstoffen bei rund 7 Prozent (siehe Tabelle 3, Seite 21).

Fachleute schlagen vor: Holz erst dann zum Heizen zu nutzen, nachdem es in Möbeln oder anderen, langlebigen Produkten verwendet wurde.

So viel Energie enthalten Heizöl und Brennholz

Wir haben uns zunächst Aiwangers Behauptung angeschaut, dass man mit einem Ster Brennholz 120 Liter Heizöl ersetzen könne. Um das zu berechnen, muss man wissen, wie viel Energie in einem Liter Heizöl und dem entsprechenden Brennholz steckt. Dafür gibt es den Heizwert – der kann sich stark unterscheiden, je nachdem, ob es sich bei um Scheitholz aus Buche, Fichte oder um Holzpellets handelt. Der Heizwert (auch Energiedichte genannt) beziffert die nutzbare Wärmemenge, die bei der Verbrennung freigesetzt wird.

Michael Köhl, ehemals Professor am Institut für Holzwissenschaften der Universität Hamburg, schreibt uns, Aiwangers Berechnung könne im Mittel als richtig angesehen werden. Sie überschätze jedoch den Heizwert von Fichte und unterschätze den Heizwert von Buche. Ein Ster, also rund ein Kubikmeter Buchenholz enthalte den Heizwert von 139,5 Litern Heizöl und ein Ster Fichtenholz den Heizwert von 98,5 Litern Heizöl. 

Das bedeutet aber auch, dass Brennholz eine geringere Energiedichte als Heizöl hat. Die konkreten Unterschiede zeigt eine Grafik des Technologie und Förderzentrums im Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus. Es braucht also mehr Pellets oder Holzscheite, um einen Liter Heizöl zu ersetzen.

Heizöl enthält mehr Energie als verschiedene Arten Brennholz
Heizöl enthält mehr Energie als verschiedene Arten Brennholz (Quelle: Technologie und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe, Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Beim Verbrennen von Holz wird so viel CO2 abgegeben wie im Baum gespeichert

Doch wie steht es um die Behauptung Aiwangers, dass Brennholz gleich Klimaschutz sei? Grundsätzlich gilt: Im Unterschied zu Heizöl, das beim Verbrennen zusätzliches CO2 für die Atmosphäre bedeutet, wird beim Verbrennen von Holz genauso viel CO2 abgegeben, wie der Baum zuvor gespeichert hatte. Auch wenn das Holz im Wald verrottet, gibt es das CO2 an die Atmosphäre ab – allerdings langsamer als beim Verbrennen. 

Abgestorbenes Holz im Wald hat eine wichtige Funktionen für dessen Ökosystem. „In den unterschiedlichen Stadien und insbesondere bei fortgeschrittener Zersetzung entstehen am und im Totholzkörper die für die Artenvielfalt wertvollen Strukturen und damit wichtige Lebensräume beispielsweise für Spechte, Käfer oder Pilze“, schreibt zum Beispiel das Bundesamt für Naturschutz.

Hubert Aiwanger schreibt uns dazu: „Die nachhaltige Nutzung von Holzenergie ist aktiver Klimaschutz, denn Holz gibt bei der Verbrennung nur das CO2 frei, das vorher beim Wachsen aufgenommen wurde und Holz verdrängt fossile Energieträger […] Im Gegensatz zu Holz handelt es sich bei den fossilen Brennstoffen um CO2, das viele Millionen Jahre im Erdboden gespeichert war und nun bei der Verbrennung zusätzlich in den Kohlenstoffpool der Atmosphäre und Biosphäre gelangt.“

Eigentlich also ein Kreislauf, jedoch unter mehreren Bedingungen. 

Die Klimabilanz von Brennholz ist komplex

Nachhaltig ist der Verbrauch von Holz etwa nur dann, wenn nicht mehr genutzt wird als in derselben Zeit nachwächst. Darauf weist auch Hubert Aiwanger in seiner Antwort an uns hin: „Nachhaltige Forstwirtschaft sorgt grundsätzlich dafür, dass den Wäldern nur so viel Holz entnommen wird wie wieder nachwächst.“ 

Laut dem UBA ist die Möglichkeit, mehr Holz als bisher zu nutzen gering: Die Waldgesamtrechnung zeige, dass die Holzentnahme seit 2002 deutlich gestiegen sei und bereits ein Großteil des nutzbaren Zuwachses gefällt werde. 

Seit 2018 ist rechnerisch sogar mehr Holz genutzt worden, als auf Nutzflächen nachgewachsen ist. Das erklärt das UBA zum einen mit einer „gestiegene Zwangsnutzung wegen Sturm, Trockenheit und vermehrtem Insektenbefall“. Zum anderen seien durch Landesbeschlüsse (zum Beispiel in Hessen und Sachsen) ab 2020 Waldflächen aus der forstlichen Nutzung genommen worden. 

Laut dem Umweltbundesamt wird der Zuwachs in deutschen Wäldern bereits fast vollständig genutzt. Auf Grund einer Umstellung in der statistischen Erfassung sind die Jahre ab 2014 nicht mehr unmittelbar mit den vorherigen Jahren vergleichbar
Laut dem Umweltbundesamt wird der Zuwachs in deutschen Wäldern bereits fast vollständig genutzt. Auf Grund einer Umstellung in der statistischen Erfassung sind die Jahre ab 2014 nicht mehr unmittelbar mit den vorherigen Jahren vergleichbar (Quelle: Umweltbundeamt / Statistisches Bundesamt)

Volker Quaschning, Professor für regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, rechnet in seinem Blog im November 2022 vor: Bei nicht-nachhaltiger Nutzung ohne Wiederaufforstung übersteige der CO2-Ausstoß bei der Verbrennung von Holz den von Heizöl und Erdgas. Nachhaltige Nutzung müsse auch die Kompensation von indirekten Emissionen (etwa durch Ernte oder Transport) und die reduzierte CO2-Speicherleistung des Waldes einschließen, in dem der Baum gefällt wurde. In der Realität treffe dies nur in Ausnahmefällen zu.

Woher stammt in Deutschland verwendetes Brennholz?

Eine Stellungnahme des wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik (Datei zum Download) listet weitere Aspekte auf, die bei der Bewertung der Klimaschutzleistung von Wald und Holznutzung wichtig sind.

Dazu zählt etwa, woher das in Deutschland verwendete Brennholz (Holzscheite und Pellets) eigentlich stammt. Denn Transportwege können für CO2-Emissionen sorgen und nicht alle Länder bewirtschaften ihre Wälder gleich. Deutschland hat sich im Rahmen der Waldstrategie 2050 das Ziel gesetzt, seine Wälder nachhaltig zu bewirtschaften und als CO2-Speicher zum Zweck des Klimawandels zu stärken.

Das Thünen-Institut schrieb uns, dass nahezu 100 Prozent des Scheitholzes aus Deutschland käme und verweist dabei auf die Außenhandelsstatistik. Das wenige importierte Holz stamme vor allem aus Nachbarländern.

Ähnlich sieht es laut dem Institut auch bei Holzpellets aus. Diese seien zu 90 Prozent ein Nebenprodukt in der Sägeindustrie und würden zu weniger als 10 Prozent aus Rohholz aus dem Wald bestehen. Deutschland produziert mehr Holzpellets als verbraucht werden, ist also Exporteur. Daher kann man laut Thünen-Institut davon auszugehen, dass auch die Holzpellets fast ausschließlich aus heimischem Holz bestünden.

Das deckt sich mit Auskünften des Umweltbundesamtes. Zusammenfassend schrieb uns von dort ein Sprecher: „In Deutschland energetisch genutzte Hölzer stammen weit überwiegend aus Deutschland“. Für den Transport fallen also – im Vergleich zu Öl und Frackinggas – kaum zusätzliche Emmissionen an.

Verbrennen von Holz setzt auch schädliche Stoffe frei

Verbrannt wird dieses Holz zum Beispiel in Kaminen, Pelltheizungen, Holzscheitöfen oder Herden. Wie viele es davon gibt, zeigt eine Erhebung des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks. Demnach gab es 2024 1,1 Millionen Holzzentralheizungen in privaten, gewerblichen und öffentlichen Gebäuden. Dazu kommen weitere 11,7 Millionen Einzelraumfeuerstätten, also Heizungen, die nur den Raum beheizen, in dem sie aufgestellt sind. 

Beim Verbrennen von Holz entsteht nicht nur CO2, sondern auch „Methan, Lachgas, Feinstaub oder Ruß“, wie uns ein Sprecher des UBA schreibt. Auf seiner Webseite rät das UBA dazu, „gut aufbereitetes und getrocknetes Holz aus nachhaltiger regionaler Forstwirtschaft in einer modernen Feuerstätte mit automatischer Regelung der Luftzufuhr, Katalysator und möglichst hohem Wirkungsgrad“ zu verbrennen. Sonst könnten Holzheizungen aufgrund ihrer niedrigen Schornsteine die Luftqualität verschlechtern. 

Wir wollten von Hubert Aiwanger wissen, wie er dieses Problem bewertet. Er antwortete uns: „Zunächst einmal werden auch bei anderen Brennstoffen weitere Stoffe frei und selbst der Strom für die Wärmepumpe ist im Energiemix mit hohen Anteilen an Erdgas und Kohle belastet. Andererseits kommt es wie bei allem auf den Stand der Technik an, moderne Holzöfen und Holzkessel weisen nur noch einen äußerst geringen Schadstoffausstoß auf.“

2023 schätzte das UBA, dass Holzfeuerungen in Deutschland zwischen 10 und 20 Prozent zur Feinstaubbelastung im Winter beitrugen. Wie richtig mit Holz geheizt wird, erklärt das UBA in einer eigenen Broschüre.

Umweltschutzorganisationen wie der WWF, Greenpeace und der Nabu warnen davor, den Holzverbrauch weiter zu erhöhen, zum Beispiel indem Kohlekraftwerke auf das Heizen mit Biomasse umgestellt werden. Der WWF plädiert stattdessen für eine sogenannte Kaskadennutzung, bei der Holz erst für Baumaterial oder Möbel genutzt, dann recycelt und erst am Ende verbrannt wird.

Brennholz kann eine Alternative zu Kohle, Gas und Öl sein

In der Stellungnahme des wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik wird das Ersetzen von Öl, Kohle und Gas durch Holz als Substitutionseffekt oder Substitutionswirkung beschrieben und deutlich gemacht: Solange in Deutschland immer noch Öl, Gas oder Kohle genutzt werden, kann es so einen Effekt geben. Dieser fällt jedoch immer geringer aus, je mehr erneuerbare Energien es gibt. 

Wo und wann Holz sinnvoll eingesetzt wird, ist letztendlich eine Abwägungsfrage, wie der Beirat für Waldpolitik deutlich macht. „Wenn aus dem Wald weniger Holz genutzt wird, kann (je nach Ausgangslage) mehr Biomassevorrat aufgebaut und damit Kohlenstoff aus atmosphärischem CO2 im Wald gespeichert werden.“ Auf der anderen Seite stünde weniger Holz für die Nutzung in Holzprodukten und Gebäuden zur Verfügung, in denen ebenfalls CO2 gespeichert ist. CO2-intensive Materialien, wie Beton, könnten dann nicht mehr so gut ersetzt werden. 

„Für die Berechnung der Klimaschutzleistung muss also analysiert werden, wie diese Teilsysteme quantitativ zusammenhängen und in welcher Höhe sie sich ergänzen oder kompensieren“, resümiert der Beirat. 

Fachleute empfehlen längerfristige Nutzung von Holz vor dem Verbrennen

Am besten für den Klimaschutz sei die sogenannte Kaskadennutzung von Holz, schreiben uns das UBA und das Thünen-Institut. „Der höchste Mehrwert sowohl für das Klima als auch für die Wirtschaft wird mit mehreren stofflichen Nutzungen und einer energetischen Nutzung am Ende einer Nutzungskaskade erreicht (zum Beispiel Bauholz → Möbelholz → Spanplatte → Energie)“, schreibt uns ein Sprecher für das UBA. 

Laut dem UBA und dem Thünen-Institut sollte Holz so lange stofflich genutzt werden wie möglich und erst als letztes verbrannt werden
Laut dem UBA und dem Thünen-Institut sollte Holz so lange stofflich genutzt werden wie möglich und erst als letztes verbrannt werden (Quelle: Thünen-Institut)

Das Thünen-Institut empfiehlt ebenfalls „eine verlängerte stoffliche Nutzung, bevor das Holz am Ende einer langen Nutzungsdauer verbrannt wird. Ohne diese lange stoffliche Nutzung sei die energetische Nutzung aus Klimasicht die schlechtere Alternative.

Die Kaskadennutzung sollte laut Medienberichten im reformierten Gebäudemodernisierungsgesetz zur Pflicht werden. Hubert Aiwanger setzte sich jedoch massiv dagegen ein. Wir wollten von ihm wissen, aus welchen Gründen er das tat. In seiner Antwort schreibt uns der Bayerische Wirtschaftsminister, er unterstütze zwar eine stärkere stoffliche Nutzung, doch es gebe zu viel minderwertiges Holz, das sich dafür nicht eigne. Mitte Mai wurde der Gesetzentwurf bundesweit ohne die Pflicht zur Kaskadennutzung beschlossen. 

Redigatur: Paulina Thom, Sarah Thust

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

  • Stellungnahme des wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik: Link (Datei zum Download)
  • Waldstrategie 2025: Link (archiviert)
  • Erhebungen des Schornsteinfegerhandwerks 2024: Link (archiviert)
  • Artikel des Umweltbundesamtes, „Nachhaltige Waldwirtschaft“, vom März 2024: Link