Gesellschaft

Video eines brennenden Sendemastes in Indien hat keinen Bezug zu 5G

Ein seit Jahren verbreitetes Video eines brennenden Mobilfunkmastes hat nichts mit der Einführung des Mobilfunkstandards 5G in Indien zu tun. Es stammt aus 2018, als es noch kein 5G in Indien gab.

von Laura Seime

Mobilfunkmast-Indien-Neu-Delhi
Ein Mobilfunkmast 2019 in Neu-Delhi. 5G wurde erst 2022 in Indien ausgerollt. (Symbolbild: Nasir Kachroo / NurPhoto / Picture Alliance)
Behauptung
Ein Video zeige einen 5G-Sendemasten in Indien, der von Menschen angezündet worden sei, nachdem ein Militärdokument die wahren Auswirkungen von 5G enthüllt habe.
Bewertung
Falsch. Das Video stammt aus Indien, ist aber schon von 2018 und zeigt keinen Brand eines 5G-Sendemastes. Damals gab es in Indien keine 5G-Technologie. Es wird keine Quelle für das angeblich brisante Militärdokument genannt. Das indische Militär warnte 2020 ausschließlich vor 5G-Technik von chinesischen Unternehmen.

Seit Jahresbeginn verbreiten sich deutschsprachige Beiträge in Sozialen Netzwerken, die einen brennenden Mobilfunkmasten zeigen. Zu dem Video wird behauptet, in Indien seien 5G-Sendemasten angezündet worden, nachdem ein brisantes Militärdokument die „wahren Auswirkungen“ der Technologie enthüllt habe.

In den Videos ist das Logo des englischsprachigen Telegram-Kanals Hatstruth zu erkennen. Der Kanal schreibt über sich selbst, er habe das „Wissen, um die Tyrannei rückgängig zu machen“, verbreitet aber Verschwörungserzählungen.

x-beitrag-falschbehauptung-sendemast-indien
Ende Januar wurde das alte Video eines brennenden Mobilfunkmastes mit einer teilweise neuen Behauptung auf X geteilt (Quelle: X; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Video von brennendem Mast stammt aus dem Jahr 2018

Das Video verbreitete sich schon 2023 in falschem Kontext – wir berichteten darüber in einem Faktencheck. Es stammt aus dem Jahr 2018, als es noch keinen 5G-Mobilfunkstandard in Indien gab.

Über die Bilderrückwärtssuche bei Google und Yandex fanden wir eine Version des Videos, die bereits im Februar 2018 auf Youtube veröffentlicht wurde. Von einem Zusammenhang mit 5G ist in der Videobeschreibung und im Titel nichts zu lesen.

Die Faktencheckredaktion der AFP überprüfte das Video ebenfalls und fand mehrere Hinweise darauf, dass der gezeigte Brand damals in Ribandar im Bundesstaat Goa im Westen Indiens stattgefunden hatte. Unter anderem zeige ein Video von India TV vom 20. Januar 2018 einen ähnlichen Brand. Ein Artikel von O Heraldo Goa zitiert Quellen, denen zufolge das Glasfaserkabel des Turms Feuer fing, nachdem in der Nähe Müll verbrannt worden war. Laut dem Artikel wurde der Turm von den Unternehmen Airtel und Vodafone genutzt.

Die AFP kontaktierte die örtliche Feuerwehr in Goa, die bestätigte, dass es sich bei der Aufnahme um den Brand vom 19. Januar 2018 handelte. 

2018 gab es noch keine 5G-Sendemasten in Indien

Die geläufige Abkürzung „5G“ steht für die fünfte Mobilfunkgeneration. Die Technik soll für ein deutlich schnelleres mobiles Netz sorgen und eine wachsende Zahl vernetzter Geräte im alltäglichen Umfeld – unter anderem im „Smarthome“ – ermöglichen.

Wie die Webseite The Hindu Business Line am 18. Oktober 2022 berichtete, ist 5G erst seit Oktober 2022 in Indien öffentlich verfügbar. Es gab zwar laut einem Artikel von India Today einen ersten Test von Huawei und Airtel im Februar 2018, dieser fand aber auf dem Privatgelände von Airtel statt, fast 2.000 Kilometer von dem brennenden Mast im Video entfernt.

Erste großflächige Tests mit dem neuen Mobilfunkstandard wurden erst im Mai 2021 durch das indische Ministerium für Telekommunikation zugelassen, wie eine Pressemitteilung des Ministeriums zeigt.

Indisches Militär warnte vor 5G-Einführung vor Technik aus China

Aktuell geteilte Beiträge verknüpfen das Video mit der Behauptung, es gäbe ein „brisantes Militärdokument“, das die „wahren Auswirkungen“ von 5G enthüllt hätte. Eine Quelle wird dafür nicht genannt.

Mit einer englischen Stichwortsuche bei Google findet sich kein solches Dokument – dafür aber ein Medienbericht, wonach die indische Armee im Vorfeld der 5G-Einführung vor der Nutzung von Technik aus China – namentlich der Firma Huawei – warnte. Sie befürchtete, dass derartige Dienste die gesamte Befehls- und Kommunikationsstruktur des indischen Militärs gefährden könnten. Gegenüber der Zeitung The Print erläuterte ein Militäroffizier im Januar 2020, das Risiko bestehe darin, dass China Zugang zur militärischen Kommunikation Indiens erlangen könnte. 2020 kam es immer wieder zu Kämpfen zwischen chinesischen und indischen Streitkräften in der Himalaya-Grenzregion.

Keine Belege für mutwillige Zerstörung von 5G-Masten in Indien

Für einen vorsätzlich gelegten Brand an 5G-Mobilfunkmasten in Indien fanden wir keine Belege. Medienberichte zu mutwilligen Beschädigungen von Funkmasten durch 5G-Gegner gibt es jedoch beispielsweise aus den Niederlanden und Nordirland.

Über Falschbehauptungen rund um die gesundheitsschädliche Wirkung von 5G und einen angeblichen Zusammenhang zwischen Covid-19 und 5G haben wir in vielen Faktenchecks berichtet (unter anderem hier, hier, hier, hier und hier). Alle von uns geprüften Behauptungen stellten sich als haltlos heraus.

Redigatur: Steffen Kutzner, Max Bernhard