Die EU bereitet seit Jahren die Einführung des digitalen Euro vor, um unabhängiger von Zahlungsdiensten aus den USA zu werden. Mit dem Vorhaben ging auch immer wieder Desinformation einher.
Tassilo Wallentin, ehemals Kandidat bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich, sagt nun auf Instagram, es werde eine Obergrenze im digitalen Portemonnaie geben. Die werde alle zwei Jahre von Bänkern der Europäischen Zentralbank festgelegt. Doch diese Bänker könne man weder wählen noch abwählen, laut Wallentin eine „Entmündigung“.
Sein Beitrag stammt vom 24. September und erreichte 179.000 Ansichten. Doch Wallentins Beitrag greift zu kurz. Wir zeigen, was aktuell beim digitalen Euro geplant ist. Auf unsere Anfrage reagierte Wallentin bis zur Veröffentlichung nicht.
perma.cc/insta-post
correctiv.org/faktencheck/digitaler-euro
dpa-factchecking.com/vermögenslimit-digitaler-euro
Digitaler Euro soll Europa unabhängiger von US-Zahlungsdiensten machen
Darüber, was der digitale Euro ist und welchem Zweck er dienen soll, informiert unter anderem der Rat der Europäischen Union – also das Gremium, in dem die Ministerinnen und Minister der EU-Mitgliedstaaten zusammenkommen. Der Rat schreibt, der digitale Euro solle eine digitale Form des Bargeldes werden.
Digital zahlen kann man natürlich bereits jetzt, doch dafür nutzen viele Länder Dienste, die US-Unternehmen bereitstellen. Der Rat schreibt dazu auf seiner Webseite , 13 von 20 Mitgliedern des Euro-Währungsgebiets seien bei Kartenzahlungen zum großen Teil von internationalen Kartensystemen abhängig. Also zum Beispiel Visa oder Mastercard. Der digitale Euro solle das ändern und die „strategische Autonomie des Euro-Währungsgebiets stärken“.
Der Rat schreibt außerdem, der digitale Euro solle über ein eigenes Konto zugänglich sein, das zum Beispiel eine Bank bereitstellt. Darüber solle dann online und offline gezahlt werden können. Diese Informationen finden sich auch auf der Webseite der Europäischen Zentralbank (EZB).
consilium.europa.eu/dfaq-digitaler-euro
bundesbank.de/interview-digitaler-euro
ecb.europa.eu/so-funktioniert-er
ecb.europa.eu/faq-digitaler-euro
Welche Obergrenzen für den digitalen Euro diskutiert werden
Wallentin sagt in seinem Video, für die digitale Brieftasche seien Limits von 500 bis 3.000 Euro im Gespräch. Solche Zahlen kursierten in den vergangenen Jahren tatsächlich immer wieder.
Im Juli 2026 sagte etwa Piero Cipollone, Mitglied der Geschäftsführung der EZB, man habe Obergrenzen zwischen 500 bis 3.000 Euro vorgeschlagen. Der Grund für eine Obergrenze sei, so schreibt die EZB, dass verhindert werden solle, dass zu viele Einlagen von Konten der Geschäftsbanken abgezogen würden.
Aktuell ist keine genaue Obergrenze festgelegt. Eine Sprecherin des Europäischen Parlaments schrieb uns auf Anfrage: Aktuell würden das EU-Parlament, die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten eine finale Rechtsgrundlage für den digitalen Euro verhandeln. Eine Zahl für die Obergrenze gebe es bisher nicht.
Dazu, wie diese Grenze festgesetzt werden könnten, schreibt die Sprecherin: Die Europäische Zentralbank würde ein Jahr vor der Einführung des digitalen Euro Obergrenzen vorschlagen, diese würden mit Zustimmung der EU-Kommission an das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten übermittelt. Einen finalen Beschluss, müssten die Mitgliedstaaten und das Parlament treffen.
Anders als von Wallentin in seinem Video behauptet, hätte laut aktuellen Plänen also nicht die EZB die volle Kontrolle über eine Obergrenze beim digitalen Euro.
ecb.europa.eu/limit-digitaler-euro
ecb.europa.eu/interview-piero-cipollone
Obergrenze gilt für Guthaben, nicht für Zahlungen mit dem digitalen Euro
Eine Obergrenze von beispielsweise 3.000 Euro bedeutet außerdem nicht, dass keine höheren Zahlungen möglich wären. Dazu schreibt die EZB, durch die Verknüpfung der digitalen Brieftasche mit dem eigenen Bankkonto sollen Zahlungen oberhalb der Grenze ermöglicht werden.
Mit Bezahldiensten wie Paypal oder Wero ist das bereits jetzt möglich: Ob Geld auf dem Konto ist oder nicht, spielt beim Bezahlvorgang keine Rolle. Die Zahlung wird dann ausschließlich mit Geld vom Bankkonto abgewickelt.
ecb.europa.eu/so-funktioniert-es
correctiv.org/online-bezahlen
Diesen Faktencheck haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redigatur: Gabriele Scherndl, Caroline Lindekamp
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