Naher Osten

Straße von Hormus: Video von angeschwemmten Smartphones ist KI-generiert

Mitte Oktober sank ein Containerschiff in der Straße von Hormus nach einem Angriff. Seitdem kursiert ein KI-generiertes Video mit angespülten Smartphones und Menschen, die sie einsammeln.

von Ceyda Çil, Steffen Kutzner

Ein Video soll zeigen, wie Menschen an der Küste der Straße von Hormus angeschwemmte Smartphones aufsammeln, nachdem ein Frachtschiff gesunken ist (Quelle: X; Screenshot und KI-Hinweis: CORRECTIV.Faktencheck)
Behauptung
Ein Video zeige, wie Menschen an der Küste der Straße von Hormus Smartphones aus dem Wasser aufsammeln, die ein gesunkenes Containerschiff verloren habe.
Einordnung
Nach dem Untergang eines Schiffes sind tatsächlich Smartphones und andere Ladung aus der Straße von Hormus gefischt worden. Das kursierende Video ist aber KI-generiert, wie mehrere Details im Video und die Ergebnisse von KI-Detektoren belegen.

Ein Video von Menschen, die am Strand der Straße von Hormus Kartons mit Smartphones aufsammeln, kursiert in mehreren Sozialen Netzwerken. Das Video suggeriert, dass es sich dabei um die Ladung eines Frachtschiffs handelt, das im Hintergrund sinkt. Allerdings wirkt das Video seltsam, unter anderem weil das Wasser rosa ist.

Die frühesten Beiträge, die wir gefunden haben, stammen vom 16. Oktober. Auf X kommentierte ein Account unter dem eigenen Beitrag einen Tag später, dass es sich um ein KI-Video für Unterhaltungszwecke handele. Auch auf Tiktok kursierte das Video schon früh mit einem KI-Hinweis. Der fehlt jedoch bei vielen anderen Beiträgen mit dem Video.

perma.cc/facebook
perma.cc/X-Beitrag
archive.org/Tiktok


Mitte Oktober gab es zwei Angriffe auf Containerschiffe in der Straße von Hormus

Beim Passieren der Straße von Hormus wurden laut der Hafenbehörde Singapur am 13. beziehungsweise 14. Oktober tatsächlich zwei Containerschiffe „von unbekannten Geschossen“ getroffen. Die iranische Hafenbehörde sprach laut einem Artikel von Deutsche Börse dagegen von einer Seemine. Eines davon, die GFS Pride, ist demnach bei dem Angriff gesunken, das zweite, die GFS Giselle, habe einen sicheren Ankerplatz erreicht. Reuters berichtete am 14 Oktober, dass in den vergangenen 24 Stunden außerdem noch ein Schüttgutfrachter, das Schiff Cape Dao, gesunken sei. Reuters teilt in einem Beitrag über die GFS Pride und die Cape Dao ein Video. Es zeigt Container und kleine Schachteln, die wie Smartphone-Verpackungen aussehen, die auf dem Wasser treiben. Menschen auf Motorbooten sammeln sie auf.

https://www.mpa.gov.sg
live.deutsche-boerse.com
reuters.com


Video von Menschen am Strand ist KI-generiert

Anders als in dem Video, das in Sozialen Netzwerken kursiert, ist das Wasser jedoch nicht rosa. Weitere Details zeigen, dass das in Sozialen Netzwerken verbreitete Video KI-generiert ist. Bei Sekunde 4 sieht man einen Mann, der zwei Kartons aufhebt. Unmittelbar danach hat er plötzlich vier Kartons in der Hand. Auch kommt der Mann gleich zweimal im selben Bildausschnitt vor, wie man beim Screenshot von Sekunde 6 sehen kann.

Mehrere Details verraten, dass das Video von einer KI erstellt wurde, unter anderem ein gleich zweimal vorkommender Mann, der mal zwei und mal vier Kartons trägt (Quelle: Facebook; Screenshots und Markierungen: CORRECTIV.Faktencheck)

Zudem treiben manche Verpackungen unnatürlich, Kartons verschwinden plötzlich oder haben zwei Vorderseiten: Das sind weitere Hinweise darauf, dass das Video nicht echt ist.


Auch KI-Tools liefern Hinweise auf Fälschung

Mehrere Faktencheck-Redaktionen haben das Video bereits als Fälschung erkannt. Auch KI-Tools, die Wasserzeichen in Bildern und Videos erkennen, können dafür Hinweise liefern. Sowohl Googles KI-Modell Gemini als auch der Meta-AI-Detektor identifizieren das Video als mit KI erstellt.

yahoo.com
mimikama.org


Diesen Faktencheck haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redigatur: Gabriele Scherndl, Viktor Marinov