In einem Facebook-Beitrag behauptet ein Nutzer, dass die „Kriminalitätsrate“ in Deutschland explodiere, also stark steige. Das sei eines mehrerer Probleme, die „CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke“ zu verantworten hätten, darunter zum Beispiel Altersarmut. Der Beitrag wurde bisher mehr als 4.100 Mal geteilt.

Die ersten drei angesprochenen Probleme existieren: Über Altersarmut informiert der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags (PDF), das Wirtschaftsministerium adressiert in einem Gutachten Wohnungsnot (PDF, Seite 14) und über den Stand der Staatsverschuldung berichtet regelmäßig die Deutsche Bundesbank.
Im Gegensatz zu diesen ohne Kontext aufgezählten Punkten ist die Aussage zur Kriminalitätsrate im Facebook-Beitrag mit einem Adjektiv versehen – angeblich „explodiert“ sie. Es handelt sich damit um eine konkrete Tatsachenbehauptung, weshalb wir diese in diesem Faktencheck vorrangig behandeln. Die Aussage, dass die Präsidenten von Russland und den USA, Wladimir Putin und Donald Trump, solche Probleme nicht „verursachen“, ist zu allgemein gehalten, um sie zu überprüfen. Die AfD hatte in Deutschland bisher noch keine Regierungsverantwortung – anders als CDU, SPD, FDP und Grüne. Die Linke war auch noch nie an der Bundesregierung beteiligt, aber an Landesregierungen.
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Die Kriminalitätsrate in Deutschland ist rückläufig
Die Behauptung, Kriminalität in Deutschland nehme zu, ist nicht neu und kommt oft mit dem Zusatz, die Flüchtlingspolitik trage daran Schuld. 2018 haben sich etwa US-Präsident Donald Trump und die AfD-Politikerin Beatrix von Storch so geäußert; in beiden Fällen haben wir ihre Aussagen in Faktenchecks widerlegt.
In unserem Check über die Behauptung von Beatrix von Storch überprüften wir bereits eine Bewertung von Innenminister Horst Seehofer bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2017. Seehofer sagte, die Zahl der verübten Straftaten sei gesunken und auf damit dem niedrigsten Stand seit 1992. Das stimmte damals, wie sich durch eine Prüfung in einer Falltabelle der Polizeilichen Kriminalstatistik zurück bis 1987 zeigte – und es stimmt auch heute noch. Denn die Zahl ist laut der aktuellen Kriminalstatistik für das Jahr 2018 erneut gesunken. Der Begriff „Kriminalitätsrate“ aus dem Facebook-Beitrag taucht darin übrigens nicht auf, es ist aber davon auszugehen, dass damit die Zahl verübter Straftaten gemeint ist.

2017 wurden rund 5,8 Millionen Straftaten erfasst, 2018 waren es noch rund 5,6 Millionen. Die Tabelle zeigt außerdem, dass es über die Jahre immer wieder starke Schwankungen gab, den höchsten Wert mit rund 6,8 Millionen erfassten Straftaten gab es im Jahr 1993. Das war das erste Jahr, in dem die neuen Bundesländer vergleichbar mitgezählt wurden.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik hat ihre Schwächen. Das sogenannte Dunkelfeld – also Straftaten, die nicht bei der Polizei angezeigt werden – wird für die Statistiken nicht erfasst. Sie bieten laut Bundeskriminalamt deshalb „kein exaktes Spiegelbild der Kriminalitätswirklichkeit, sondern eine je nach Deliktsart mehr oder weniger starke Annäherung an die Realität“ (PDF, Seite 8). Auch Experten halten die Aussagekraft laut Tagesschau für begrenzt und fordern schon länger Reformen.
BKA gibt keine Prognosen oder Trends zur Kriminalitätsentwicklung im laufenden Jahr heraus
Trotzdem bleibt die Kriminalstatistik bis auf weiteres die einzige Quelle für belastbare Zahlen zur Kriminalität in Deutschland. Zumindest für alle vergangenen Jahre.
Für das laufende Jahr 2019 gibt es keine Zahlen. Jenny Wilke aus der Pressestelle des Bundeskriminalamts sagte CORRECTIV auf Nachfrage telefonisch, dass weder Trends noch Prognosen oder ein Halbjahresfazit für das laufende Jahr erhoben werden.
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