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Faktencheck

Fakten für die Demokratie

Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Bewertung: falsch

Nein, die „Kriminalitätsrate“ in Deutschland „explodiert“ nicht

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Im Netz wird immer wieder behauptet, die Kriminalitätsrate in Deutschland steige an. (Symbolbild: Donald Tong / Pexels)

von Till Eckert

Ein Facebook-Nutzer behauptet, es gebe eine „explodierende Kriminalitätsrate in Deutschland“. Tatsächlich aber ist die Zahl verübter Straftaten 2018 abermals gesunken und derzeit auf dem niedrigsten Stand seit 1992.

In einem Facebook-Beitrag behauptet ein Nutzer, dass die „Kriminalitätsrate“ in Deutschland explodiere, also stark steige. Das sei eines mehrerer Probleme, die „CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke“ zu verantworten hätten, darunter zum Beispiel Altersarmut. Der Beitrag wurde bisher mehr als 4.100 Mal geteilt.

Der Facebook-Beitrag mit der Behauptung. (Screenshot: CORRECTIV)

Die ersten drei angesprochenen Probleme existieren: Über Altersarmut informiert der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags (PDF), das Wirtschaftsministerium adressiert in einem Gutachten Wohnungsnot (PDF, Seite 14) und über den Stand der Staatsverschuldung berichtet regelmäßig die Deutsche Bundesbank.

Im Gegensatz zu diesen ohne Kontext aufgezählten Punkten ist die Aussage zur Kriminalitätsrate im Facebook-Beitrag mit einem Adjektiv versehen – angeblich „explodiert“ sie. Es handelt sich damit um eine konkrete Tatsachenbehauptung, weshalb wir diese in diesem Faktencheck vorrangig behandeln. Die Aussage, dass die Präsidenten von Russland und den USA, Wladimir Putin und Donald Trump, solche Probleme nicht „verursachen“, ist zu allgemein gehalten, um sie zu überprüfen. Die AfD hatte in Deutschland bisher noch keine Regierungsverantwortung – anders als CDU, SPD, FDP und Grüne. Die Linke war auch noch nie an der Bundesregierung beteiligt, aber an Landesregierungen. 

Die Kriminalitätsrate in Deutschland ist rückläufig

Die Behauptung, Kriminalität in Deutschland nehme zu, ist nicht neu und kommt oft mit dem Zusatz, die Flüchtlingspolitik trage daran Schuld. 2018 haben sich etwa US-Präsident Donald Trump und die AfD-Politikerin Beatrix von Storch so geäußert; in beiden Fällen haben wir ihre Aussagen in Faktenchecks widerlegt.

In unserem Check über die Behauptung von Beatrix von Storch überprüften wir bereits eine Bewertung von Innenminister Horst Seehofer bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2017. Seehofer sagte, die Zahl der verübten Straftaten sei gesunken und auf damit dem niedrigsten Stand seit 1992. Das stimmte damals, wie sich durch eine Prüfung in einer Falltabelle der Polizeilichen Kriminalstatistik zurück bis 1987 zeigte – und es stimmt auch heute noch. Denn die Zahl ist laut der aktuellen Kriminalstatistik für das Jahr 2018 erneut gesunken. Der Begriff „Kriminalitätsrate“ aus dem Facebook-Beitrag taucht darin übrigens nicht auf, es ist aber davon auszugehen, dass damit die Zahl verübter Straftaten gemeint ist.

Diese Tabelle aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2018 zeigt die Gesamtzahl der erfassten Straftaten für das jeweilige Jahr. (Screenshot: CORRECTIV)

2017 wurden rund 5,8 Millionen Straftaten erfasst, 2018 waren es noch rund 5,6 Millionen. Die Tabelle zeigt außerdem, dass es über die Jahre immer wieder starke Schwankungen gab, den höchsten Wert mit rund 6,8 Millionen erfassten Straftaten gab es im Jahr 1993. Das war das erste Jahr, in dem die neuen Bundesländer vergleichbar mitgezählt wurden

Die Polizeiliche Kriminalstatistik hat ihre Schwächen. Das sogenannte Dunkelfeld – also Straftaten, die nicht bei der Polizei angezeigt werden – wird für die Statistiken nicht erfasst. Sie bieten laut Bundeskriminalamt deshalb „kein exaktes Spiegelbild der Kriminalitätswirklichkeit, sondern eine je nach Deliktsart mehr oder weniger starke Annäherung an die Realität“ (PDF, Seite 8). Auch Experten halten die Aussagekraft laut Tagesschau für begrenzt und fordern schon länger Reformen. 

BKA gibt keine Prognosen oder Trends zur Kriminalitätsentwicklung im laufenden Jahr heraus

Trotzdem bleibt die Kriminalstatistik bis auf weiteres die einzige Quelle für belastbare Zahlen zur Kriminalität in Deutschland. Zumindest für alle vergangenen Jahre. 

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Für das laufende Jahr 2019 gibt es keine Zahlen. Jenny Wilke aus der Pressestelle des Bundeskriminalamts sagte CORRECTIV auf Nachfrage telefonisch, dass weder Trends noch Prognosen oder ein Halbjahresfazit für das laufende Jahr erhoben werden.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die „Kriminalitätsrate“ in Deutschland „explodiert“ nicht, sondern ist rückläufig und laut Polizeilicher Kriminalstatistik auf dem niedrigsten Stand seit 26 Jahren.

Bewertung: völlig falsch

Manipuliertes Foto von Greta Thunberg wird zehntausendfach geteilt

Greta Thunberg
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Greta Thunberg
Links die Fälschung, rechts das Original vom 14. Mai 2019. (Screenshots / Collage / Bearbeitung: CORRECTIV)

von Till Eckert

Nach wie vor versuchen Menschen im Netz, mit Behauptungen über die Klimaaktivistin Greta Thunberg Stimmung zu machen. Aktuell wird ein offensichtlich gefälschtes Bild der 16-Jährigen verbreitet.

„Ich verdiene mich an Eurer Blödheit dumm & dämlich“, steht auf einem angeblichen Plakat, das Greta Thunberg auf einem Foto hochhält. Eine Facebook-Nutzerin hatte das Bild am 11. August hochgeladen, bisher wurde es mehr als 11.000 Mal geteilt. Einige Nutzer reagierten mit wütenden Smileys. 

Der Facebook-Beitrag mit dem gefälschten Bild. (Screenshot: CORRECTIV)

Es handelt sich um eine simple Fälschung – es sind mehrere solcher Bilder im Umlauf

Eine Bilderrückwärtssuche zeigt: Das Plakat, das Thunberg hochhält, wurde manipuliert und ein anderer Text eingefügt. Das Original ist ein Foto, das Thunberg selbst am 14. Mai auf Twitter hochlud. Im Original steht auf dem Plakat: „Let Russia Strike For Climate #FridaysForFuture“. 

Der Tweet von Greta Thunberg vom 14. Mai 2019 mit dem Originalfoto. (Screenshot: CORRECTIV)

Das ist kein neues Phänomen: Eine Google-Bilderrückwärtssuche zeigt, dass die Aufschrift auf dem Plakat im gleichen Foto seit Mai schon häufiger verändert wurde, um die 16-Jährige zu diffamieren, so zum Beispiel hier und hier.

Weitere Bilder, auf denen Greta Thunberg anhand des manipulierten Plakats diffamiert werden soll. (Screenshots: CORRECTIV)

Über Thunberg und die Fridays-For-Future-Bewegung kursieren mehrere falsche Behauptungen und Gerüchte

Greta Thunberg und die Fridays-For-Future-Bewegung sind häufiger Ziel von Falschmeldungen und manipulierten Bildern. Über Thunberg kursiert beispielsweise seit vergangenem Jahr das Gerücht, sie werde wahlweise durch Parteien, Unternehmen oder ihre Eltern instrumentalisiert – CORRECTIV konnte dafür allerdings keine Belege finden

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Wir haben außerdem bereits gefälschte Bilder im Fridays-For-Future-Kontext ausfindig gemacht und in Faktenchecks falsifiziert. So wurde etwa anhand eines alten Fotos aus Zürich behauptet, die Bewegung habe nach einer Freitagsdemo in Köln eine große Menge Plastikmüll hinterlassen. In einem anderen Fall wurde – ähnlich wie im aktuellen Facebook-Beitrag – ein Plakat manipuliert: Darauf hieß es fälschlicherweise, in den Herbstferien fänden keine Fridays-For-Future-Demonstrationen statt. 

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Das Bild wurde manipuliert, der Text auf dem Plakat ist eine Fälschung.

Bewertung: unbelegt

Vor Zug gestoßen? Kein Beleg für angeblichen Fall vor 50 Jahren in Frankfurt

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Die Tat fand laut Facebook-Beitrag angeblich vor 50 Jahren statt. (Symbolbild, Unsplash/Thanos Pal)

von Philip Steeg

Im Netz kursiert eine angebliche Meldung über ein Mädchen, das vor 50 Jahren in Frankfurt vor einen Zug gestoßen und an den Folgen verstorben sein soll. Dafür, dass sich der Fall so zugetragen hat, konnten wir keine Belege finden.

Die angebliche Geschichte eines Kindes,  das von einem Mann vor 50 Jahren in Frankfurt vor einen fahrenden Zug gestoßen und so getötet haben soll, verbreitet sich in Sozialen Netzwerken. Der Beitrag ist offenbar eine Reaktion auf einen ähnlichen Fall vom 29. Juli in Frankfurt. Dort wurde ein Achtjähriger vor einen einfahrenden Zug gestoßen und verstarb

Laut des Beitrags habe „vor ziemlich genau 50 Jahren“ ein 43-jähriger Arbeiter mit deutscher Staatsbürgerschaft, angestellt bei den Farbwerken in Frankfurt-Höchst, ein neunjähriges Mädchen vor den Augen ihrer jüngeren Schwester vor einen Zug gestoßen. 

Anfrage bei Polizeibehörde liefert keine Belege

Der Vorfall ist beim zuständigen Polizeipräsidium Frankfurt am Main allerdings nicht bekannt. Pressesprecher Manfred Füllhardt schreibt auf Nachfrage von CORRECTIV per Mail: „Unsere Nachforschungen für die Jahre 1967 bis 1971 erbrachten diesbezüglich kein Ergebnis“. 

Dem Polizeipräsidium Frankfurt am Main ist die Tat nicht bekannt. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch eine Recherche in Zeitungsarchiven brachte keine Ergebnisse

 

CORRECTIV hat die Archive der Frankfurter Allgemeinen Zeitung durchsucht, welche unter anderem das Archiv der Frankfurter Rundschau und das Archiv der Rhein-Main-Zeitung beinhalten. Hier wurde für den Zeitraum vom 1. Januar 1966 bis zum 31. Dezember 1972 für die Suchbegriffe „Zug“ und „getötet“ 61 Treffer gefunden. Keine der Meldungen hatte jedoch mit dem vorsätzlichen Stoßen einer Person vor einen Zug oder in ein Gleisbett zu tun. Bei den Meldungen ging es größtenteils um Verkehrsunfälle oder Suizide. Personen im Kindesalter waren in keinem der Fälle involviert. Mit den Suchbegriffen „Höchst“, „Zug“ oder „getötet“ kombiniert  mit „gestoßen“ oder „geschubst“ ließen sich keine Treffer finden.

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Der ursprüngliche Facebook-Beitrag vom 31. Juli wurde mittlerweile gelöscht. Die Frau, die den Betrag offenbar verfasst hatte, verweigerte laut t-online auf Nachfragen der Redaktion eine Auskunft zu ihren Aussagen. In dem Beitrag hatte die Frau behauptet, Belege der Tat in Form verschiedener Zeitungsartikel zu haben. 

Der ursprüngliche Facebook-Beitrag wurde mittlerweile gelöscht. (Screenshot: CORRECTIV)

Obwohl der ursprüngliche Beitrag gelöscht wurde, werden Screenshots davon weiter im Netz geteilt und kommentiert. Zum Beispiel bei Twitter

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Der Frankfurter Polizei ist der beschriebene Fall nicht bekannt. Auch in Zeitungsarchiven ist der Fall nicht zu finden.

Bewertung: falsch

Doch, ARD und ZDF haben über Mord mit Schwert in Stuttgart berichtet

Bildschirmfoto 2019-08-07 um 12.38.37
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Bildschirmfoto 2019-08-07 um 12.38.37
Facebook-Beitrag mit falscher Behauptung, veröffentlicht am 3. August 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

In einem viel geteilten Facebook-Beitrag wird behauptet, die Sender ARD und ZDF hätten nicht über einen Mord in Stuttgart berichtet. Das ist falsch. Beide Sender haben über den Fall berichtet, entschieden sich jedoch gegen eine Thematisierung in den Hauptnachrichten.

In einem Beitrag behauptete die Facebook-Seite „KonradsErben“ am 3. August, ARD und ZDF hätten den „Schwertmord von Stuttgart am 1. August 2019 bewusst ignoriert“. Im Gegensatz dazu habe „die ganze Welt – einschließlich der New York Times“ über den Fall berichtet. Der Beitrag wurde bisher mehr als 8.300 Mal geteilt. 

Wir haben die Behauptungen des Facebook-Beitrags überprüft. 

Mord in Stuttgart am 31. Juli 

Gegen 18:15 Uhr am 31. Juli riefen Zeugen in Stuttgart die Polizei und berichteten von einem Mann, der mit einem schwert-ähnlichen Gegenstand auf einen anderen Mann einsteche. So steht es in der Pressemitteilung, die die Polizei am selben Abend um 22:44 Uhr veröffentlichte

Im „Heute-Journal“ früher am selben Abend um 21:15 Uhr erwähnten die ZDF-Moderatoren den Mord nicht. Auch in späteren der „Heute Plus“-Sendung am selben Abend griff die Redaktion den Vorfall nicht auf. Auch in der „Tagesschau“ um 20 Uhr und in den „Tagesthemen“ um 22.15 Uhr an diesem Abend war der Fall kein Thema. 

Stimmt es, dass die Sender ARD und ZDF gar nicht berichteten ?

Nein. Sowohl ARD als auch ZDF haben am 1. August über den Mord berichtet. Die ARD-Sendung „Brisant“ um 17:15 Uhr und die ZDF-Sendung „Hallo Deutschland“ um 17:10 Uhr, jedoch nicht in den Hauptnachrichten. 

Dass das ZDF den Mord  nicht in den Hauptnachrichten aufgriff, begründete der Sender auf Presseanfragen am Tag nach dem Vorfall damit, dass über Straftaten in den heute-Nachrichten nur dann berichtet werde, wenn sie eine „deutschlandweite gesamtgesellschaftliche Dimension“ hätten. Außerdem stünden laut Staatsanwaltschaft keine religiösen oder politischen Motive hinter der Tat. „Wegen der besonderen Umstände der Tat in Stuttgart hat jedoch unsere Magazinsendung ‘hallo Deutschland’ ausführlich berichtet“, schreibt die Pressestelle auf eine Presseanfrage von CORRECTIV. 

Auszug aus einer Email-Antwort der Pressestelle des ZDF auf eine Anfrage von CORRECTIV

Die ARD argumentiert in einer Antwort auf eine Presseanfrage von CORRECTIV, es gelte zwischen der regionalen Relevanz und der bundesweiten Berichterstattung zu unterscheiden. „Hier wird deutlich, dass diese grausame Tat auf offener Straße in der Region anders gewichtet wird als überregional.“ Deshalb habe der SWR, in dessen Berichtsgebiet Stuttgart falle, ausführlichst über die Tat berichtet.

SWR berichtete umfangreich über Mord 

Die Berichterstattung des SWR, in dessen Region der Mord stattfand, belegt die ARD mit zahlreichen Beispielen: 

  • „SWR Aktuell Baden-Württemberg“ am 31. Juli um 19:30 Uhr und um 21:45 Uhr 
  • „Am 1.8. sendete der SWR um 18 Uhr den Beitrag aus Brisant, um 19.30 Uhr und 21.45 Uhr ein eigenes Nachrichtenstück von gut 2 Minuten Länge“, so der Pressesprecher
  • „SWR Aktuell Baden-Württemberg“ am 2. August Vorfall in allen Ausgaben thematisiert

Auch auf der Website „SWR Aktuell Online“ habe die Redaktion ab dem 31.Juli in mehreren Artikeln berichtet: 

Warum der Fall nicht von den ARD-Nachrichten thematisiert wurde

Die zentrale Nachrichtenredaktion ARD-aktuell, zu der Tagesschau, Tagesthemen und Tagesschau.de gehören, begründet das Nicht-Aufgreifen des Themas in ihren Sendungen gegenüber CORRECTIV ebenfalls damit, dass „ein politisch, rassistisch oder religiös motivierter Hintergrund der Tat“ nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen sehr unwahrscheinlich sei. Ein solcher Hintergrund „hätte für die Tagesschau Grund sein können, über diesen Fall zu berichten“. Auch eine politische oder gesellschaftliche Debatte habe der Fall in den Tagen nach der Tat nicht ausgelöst. 

Auszug aus einer Email-Antwort der Pressestelle der ARD auf eine Presseanfrage von CORRECTIV

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Irreführende Anführungsstriche im Facebook-Beitrag 

Weiter zitiert der Facebook-Beitrag von „KonradsErben“ eine Stellungnahme des Deutschlandfunks, die der Sender am 2. August veröffentlichte. Die Überschrift war: „Warum wir nicht über den Stuttgarter ‘Macheten-Mord’ berichten“. Neben einem Zitat daraus setzt „KonradsErben“ eine eigene Interpretation, die missverständlich in Anführungsstrichen steht. Die Interpretation der Autoren kann von Lesern deshalb als Aussage des Deutschlandfunk missverstanden werden. 

Aus dem Deutschlandfunk-Artikel zitieren die Autoren korrekt: „In den Nachrichten des Deutschlandfunks spielen einzelne Kriminalfälle nur selten eine Rolle. Voraussetzung für die Berichterstattung ist eine bundesweite und gesamtgesellschaftliche Bedeutung […]“.

Der Satz „Öffentliche Hinrichtungen mit dem Schwert am helllichten Tag sind in Deutschland normale einzelne Kriminalfälle, wie etwa Autodiebstähle oder Handtaschenraub“ findet sich in der Stellungnahme des Deutschlandfunk nicht.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Sender ARD und ZDF haben über den Mord berichtet. Beide Sender entschieden sich aber gegen eine Thematisierung in den Hauptnachrichten.

Bewertung: richtig

Aktuell kursiert ein Artikel von 2018 über ein Kind, das von einem fremden Mann vor einen einfahrenden Zug gezogen wurde

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Einfahrender Zug (Symbolbild: Markus Winkler / Unsplash)

von Philip Steeg

In Wuppertal wurde laut Pressemitteilung der Polizei im April 2018 ein Fünfjähriger von einem fremden 23-Jährigen vor einen fahrenden Zug gezogen.

Wie die Berliner Morgenpost am 13. April 2018 berichtete, wurde am Wuppertaler Hauptbahnhof ein mit seiner Familie wartender Fünfjähriger von einem fremden 23-Jährigen vor einen Zug gezogen. Dieser rollte über beide Personen hinweg. Der Täter blieb unverletzt, das Kind wurde nur leicht verletzt. 

Laut Daten von Facebook, die CORRECTIV im Rahmen der Kooperation mit Facebook einsehen konnte, wurde der Artikel in den letzten 24 Stunden mehr als 3.700 Mal geteilt. Seit seinem Erscheinen 2018 wurde der Artikel laut dem Analysetool Crowdtangle nur unwesentlich häufiger geteilt. 

Der beschriebene Vorfall fand jedoch so statt, der Bericht der Berliner Morgenpost ist richtig und entspricht den Angaben des polizeilichen Presseberichts. Allerdings ereignete sich der Vorfall nicht in jüngerer Zeit, sondern vor mehr als einem Jahr, am 12. April 2018.

Pressemitteilung der Polizei Wuppertal (Screenshot: CORRECTIV)

Demnach wurde gegen den Mann aus Gelsenkirchen wegen eines versuchten Tötungsdeliktes durch die Mordkommission ermittelt. 

Unsere Bewertung:
Richtig. Die Behauptungen in diesem Artikel entsprechen den Angaben der Pressemitteilung der Polizei Wuppertal.

Bewertung: völlig falsch

Nein, das ist nicht der Junge, der in Frankfurt vor einen Zug gestoßen wurde

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Dieses Foto zeigt nicht den Jungen, der in Frankfurt vor den Zug gestoßen wurde. Es ist seit 2015 als Modellfoto für Frisuren im Netz zu finden. (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Im Netz wird ein Foto eines Jungen verbreitet – angeblich zeigt es den 8-Jährigen, der in Frankfurt vor einen Zug gestoßen wurde. Es handelt sich jedoch um ein Foto, das seit vier Jahren als Beispiel für Jungenfrisuren auf verschiedenen Webseiten zu finden ist. 

Ein Foto, das am 31. Juli auf Facebook verbreitet wird, soll angeblich den 8-jährigen Jungen zeigen, der am 29. Juli in Frankfurt vor einen Zug gestoßen wurde und starb. Zu sehen ist ein Junge in blauem T-Shirt. Auf dem Bild steht: „Der kleine Oskar war erst vor kurzem 8 geworden. Ein gesuchter Gewalttäter ohne Aufenthaltserlaubnis stieß ihn unter die Räder des 100 Tonnen schweren ICE“. 

Dieses Foto zeigt angeblich den getöteten Jungen aus Frankfurt und wird auf Facebook verbreitet. (Screenshot am 1. August 2019 und Schwärzung: CORRECTIV)

Die Faktenchecker von Mimikama haben dazu bereits einen Faktencheck veröffentlicht. Sie recherchierten, dass das Foto seit Jahren als Symbolbild im Netz kursiert. 

Eine Bilder-Rückwärtssuche über die Suchmaschinen Google, Yandex und Tineye zeigt, dass das Foto vor allem als Beispiel für Jungen-Haarschnitte verwendet wird – auf verschiedenen, auch ausländischen Webseiten, und das seit mehreren Jahren. 

Die Treffer der Bilder-Rückwärtssuche bei Yandex. (Screenshot am 1. August und Schwärzung: CORRECTIV)
Ein Beispiel für eine Webseite, auf der das Bild 2017 verwendet wurde. (Screenshot am 1. August 2019 und Schwärzung: CORRECTIV)

Der älteste Treffer in der Bildersuchmaschine Tineye für das Foto stammt von 2015 von einer russischen Webseite. Auf fast allen Seiten geht es um Frisuren. Den Urheber des Bildes konnte CORRECTIV nicht finden, da nie eine Quelle oder ein Fotograf angegeben wird. 

Die ältesten Suchergebnisse bei Tineye für das Foto. (Screenshot am 1. August 2019 und Bearbeitung: CORRECTIV)
Das Foto ist zum großen Teil auf unseriös aussehenden Webseiten zu finden, der Urheber ist unklar. (Screenshot am 1. August und Schwärzung: CORRECTIV)

Falsche Aussagen im Text auf dem Bild

Der Text auf dem Bild, das auf Facebook verbreitet wird, enthält zudem irreführende Aussagen. Im Gegensatz zu der Behauptung hat der mutmaßliche Täter laut Medienberichten eine Aufenthaltserlaubnis in der Schweiz. Er sei im Besitz einer sogenannten Niederlassungsbewilligung, die Ausländer in der Schweiz nach mindestens fünfjährigem Aufenthalt im Land bekommen. 

Die Behauptung, der Junge heiße Oskar, tauchte am Mittwoch auf Facebook auf dem Profil des AfD-Politikers Eugen Ciresa auf, wie der Blog Volksverpetzer berichtete. Ciresa veröffentlichte ein Bild mit AfD-Logo, auf dem steht: „Gegen das Vergessen gebt den Opfern Namen. Oskar hieß der kleine Junge in Frankfurt.“ In den Kommentaren schrieb der Politiker, er habe die Information zu dem Namen „aus dem Netz“. Und: „So lange ich nichts anderes erfahre heißt er Oskar.“

Der Facebook-Beitrag von Eugen Ciresa (AfD) – in den Kommentaren wird deutlich, dass er keinen Beleg für den Namen des Jungen hat. (Screenshot am 1. August 2019 und Schwärzung: CORRECTIV)

Der Name des getöteten Jungen wurde nie veröffentlicht. Offiziell äußern sich die Behörden nicht zum Namen des Kindes. Die Polizei in Frankfurt verwies uns auf Nachfrage an die Staatsanwaltschaft. Die Frankfurter Staatsanwältin Nadja Niesen sagte am Telefon, sie dürfe Namen weder bestätigen noch dementieren. 

Aus Ermittlerkreisen erfuhren wir jedoch, der Junge heiße nicht Oskar. Auch T-Online erhielt diese Information, wie die Webseite am 1. August unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtete.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Das Foto und auch der Name gehören nicht zu dem 8-Jährigen, der in Frankfurt getötet wurde. 

Bewertung: teilweise falsch

Nein, „Klimaaktivisten“ fordern nicht die Abschaffung von Haustieren

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Große Aufregung im Netz verursachte ein Kommentar einer Journalistin, in dem sie forderte „die Köter abzuschaffen“. (Symbolfoto: Péter Göblyös / Pixabay) 

von Alice Echtermann

Mehrere Beiträge auf Facebook behaupten, „Klimaaktivisten“ hätten ein Verbot von Haustieren wie Hunden gefordert. Ursache für die Empörung ist ein Text einer Autorin von „Neues Deutschland“ – der nach ihren Angaben auch „leicht ironisch“ gemeint war. 

Wollen Klimaschützer in Deutschland jetzt Haustiere wie Hunde und Katzen verbieten oder gar umbringen, weil diese zu viel CO2 produzieren? Auf Youtube und Facebook kursieren zahlreiche Beiträge mit Titel wie „Irre – sie wollen die Haustiere abschaffen“ (18. Juli), „Erste Klimaaktivisten fordern Haustierverbot“ (Henryk Stöckl am 18. Juli) oder, wie im Fall der AfD-Bundestagsabgeordneten Corinna Miazga am 22. Juli auf Facebook: „Klimaaktivisten wollen Hunde abschaffen“.

Der Beitrag der AfD-Abgeordneten Corinna Miazga auf Facebook. (Screenshot am 31. Juli 2019: CORRECTIV)

Die Beiträge wurden auf Facebook häufig geteilt, der von Corinna Miazga zum Beispiel bisher mehr als 4.700 Mal. Das Youtube-Video „Irre – sie wollen die Haustiere abschaffen“ hat bisher 77.500 Aufrufe und wurde auf Facebook mehr als 2.200 Mal geteilt. 

Die Webseite PI-News titelte am 19. Juli gar: „’Neues Deutschland’ will wegen CO2 Haustiere eliminieren“ und zeigte dazu ein Bild eines Hundes, dem eine Pistole an den Kopf gehalten wird. Im Text heißt es, man solle doch nicht „um den heißen Brei herumreden“: „Lasst uns die Köter abschaffen: Erschießen! Sofort!“ Der Artikel wurde auf Facebook rund 470 Mal geteilt. 

So illustriert die Seite „PI-News“ das Thema am 19. Juli 2019. (Screenshot am 25. Juli: CORRECTIV)

Der Grund für die Aufregung ist ein Meinungsbeitrag von Katharina Schwirkus in Neues Deutschland vom 17. Juli 2019. In der Überschrift heißt es „Lasst uns die Köter abschaffen“, und im Teaser „Katharina Schwirkus meint: Vierbeiner verschmutzen nicht nur Parks und Gehwege, sondern sind auch eine unnötige Belastung für das Klima. Sie sollten endlich aus unseren Städten und aus unserem Leben verschwinden“.

Der Artikel auf der Webseite von „Neues Deutschland“. (Screenshot am 29. Juli: CORRECTIV)

Fest steht: Schwirkus hat nicht gefordert, Hunde und Katzen zu erschießen oder auf andere Art zu töten. Auch ist nicht konkret die Rede von einem „Verbot“. Die Autorin vertritt aber die Ansicht, dass die Ausscheidungen von Hunden „ekelhaft“ seien und die Tiere in Städten nichts zu suchen hätten. Den Haltern sollte das Leben daher möglichst schwer gemacht werden. Die Tiere sollten zum Beispiel konsequent aus Restaurants oder Supermärkten ausgeschlossen werden. 

Appell an „Fridays for Future“

Sie seien schlecht für das Klima, da sie Fleisch fressen und die Plastiktüten für Hundekot von den Besitzern auch in der Natur hinterlassen würden. „Langfristig sollte die Züchtung der Vierbeiner eingestellt werden“, so Schwirkus. „Das Thema könnte von den ‘Fridays For Future’-Aktivist*innen aufgenommen werden. Zehn- bis 18-jährige Schüler*innen, die eine Anhebung der Hundesteuer fordern, würden damit zeigen, wie ernst es ihnen mit dem Umweltschutz ist.“

Eine Sprecherin von „Fridays for Future“, Carla Reemtsma, teilte auf Anfrage von CORRECTIV per Mail mit, ihre Bewegung habe „keine konkrete Haltung zur Haltung von Tieren“. Das Thema sei ihrer Wahrnehmung nach nicht präsent, „vermutlich da es deutlich ausschlaggebendere Faktoren für CO2-Emissionen gibt“. 

Gegenkommentar erschien einen Tag später bei Neues Deutschland

PI-News suggeriert, die Redaktion von Neues Deutschland habe per se etwas gegen Haustiere: „Die Kommunisten setzen jetzt auch stramm auf Klimaschutz. (…) Nun sollen Hunde, Katzen und andere Haustiere wegen ihrer CO2-Bilanz ins Gras beißen und ihre Besitzer zur Verantwortung gezogen werden.“ Das wird jedoch durch einen Kommentar von Sebastian Weiermann entkräftet, der einen Tag später, am 18. Juli, als direkte Antwort auf Schwirkus’ Kolumne in derselben Zeitung erschien. Titel: „Das Klima geht nicht vor die Hunde“. Im Text argumentiert Weiermann, der Einfluss von Hund und Katze auf das Klima sei „marginal“. Menschen mit Haustieren würden zudem seltener lange Flugreisen unternehmen, und die Tiere hätten positive Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.  

Verallgemeinerungen führen in die Irre

Bei den Beiträgen auf Facebook und Youtube, die sich über Schwirkus’ Text aufregen, handelt es sich eher um Meinungsbekundungen („Finger weg vom Hund!“), in denen keine konkreten Behauptungen aufgestellt werden. Auch dass die Aussagen von einer Journalistin kamen, wird erwähnt. Die Verallgemeinerungen in den Überschriften („Klimaaktivisten wollen…“ oder „Klimaaktivisten fordern…“) führen aber in die Irre. Es handelt sich um die Meinung einer einzelnen Person, der Autorin Katharina Schwirkus. Das wird auch so im Teaser-Text ihres Kommentars bei Neues Deutschland deutlich.

Schwirkus selbst schrieb am 28. Juli auf Twitter: „Also, das (sic!) mein leicht ironisch geschriebener Kommentar ‘Lasst uns die Köter abschaffen’ für so viel Wirbel sorgen würde, hätte ich wirklich nicht gedacht. (…) Da habe ich wohl echt einen wunden Punkt getroffen.“

Tweet von Schwirkus als Reaktion auf die Empörung, die ihre Text hervorgerufen hatte. (Screenshot am 29. Juli: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Nicht „Klimaaktivisten“ forderten die Abschaffung von Haustieren wie Hunden, sondern eine Autorin von „Neues Deutschland“ äußerte sich dazu in einem Kommentar.

Bewertung: völlig falsch

Nein, Carola Rackete hat nicht den Hitlergruß gezeigt

Bildschirmfoto 2019-07-23 um 12.15.44
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Bildschirmfoto 2019-07-23 um 12.15.44
Das Foto von Carola Rackete ist eine Fälschung. (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

von Hüdaverdi Güngör

Auf Facebook kursiert ein Foto auf dem zu sehen sein soll, wie Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete den verbotenen Hitlergruß zeigt. Bei dem Foto handelt es sich um eine Fälschung. Rackete hat in die Menge gewunken, wie ein Video belegt.

Mehrere private Facebook-Nutzer veröffentlichten seit Anfang Juli ein Bild der Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete, auf dem zu sehen sein soll, wie sie den Hitlergruß zeigt. Einer der Nutzer schreibt zu dem Bild: „Rackete ist also doch ein Na(Sprengsymbol)i!“ Er fordert, dass Rackete deshalb „für viele Jahre in den finstersten Knast Deutschlands eingekerkert“ wird. CORRECTIV hat das Bild überprüft.

Ein Facebook-Nutzer veröffentlichte die Fälschung am 15. Juli 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Der Fall der „Sea-Watch 3“ sorgt seit Wochen in Europa für Diskussionen. Das Rettungsboot, unter der Leitung von Carola Rackete, wartete wochenlang auf eine Einfuhrgenehmigung in Italien. An Bord waren mehrere Migranten und Geflüchtete. Als die Genehmigung ausblieb, fuhr Rackete trotzdem den Hafen der Insel Lampedusa an. Daraufhin wurde sie von der italienischen Polizei verhaftet. Mittlerweile ist Rackete wieder frei

Das Bild stammt aus Italien

Wir haben das Foto aus der Behauptung durch die Google-Bilder-Rückwärtssuche laufen lassen und sind auf weitere Verbreitungen gestoßen, wie zum Beispiel auf der Webseite Bayern ist FREI

Das Bild taucht aber auch in einer anderen Version auf. Die schweizer Tageszeitung  Aargauer Zeitung und die italienische Presseagentur Ansa bebilderten ihre Artikel vom 03. Juli damit. Während das Foto aus der Behauptung ein Hochformat ist, ist das Bild, welches die Aargauer Zeitung und die Ansa Presseagentur verwendet, ein Querformat. Daher erkennt man auf dem Foto der Aargauer Zeitung und Ansa links und rechts von Carola Rackete weitere Personen. Ebenso sieht man auf dem Foto, dass Carola Rackete nicht den Hitlergruß zeigt, sondern winkt. 

Bereits am 16. Juli veröffentlichte der österreichische Faktencheck Verein Mimimika einen Faktencheck zu der Behauptung. Demnach sei die Hauptquelle für die Originalversion des Bildes die bereits erwähnte italienische Presseagentur Ansa. 

Das bestätigt sich, wenn man mehr über den Fotografen des Fotos herausfinden möchte. Laut Bildunterschrift der Aargauer Zeitung hat Pasquale Claudio Montana Lampo das Foto gemacht. Der Fotograf machte mehrere Fotos von Rackete, die auch in den deutschen Medien erschienen sind. Unter ihnen findet man auch das Foto der winkenden Rackete. 

Das Mindener Tageblatt veröffentlichte ebenfalls einen Artikel am 01. Juli mit dem selben Foto. In der Bildunterschrift nennen Sie als Quelle sowohl den Fotografen Pasquale Claudio Montana Lampo als auch die italienische Presseagentur ANSA.

In dem Titelbild des Artikels ist die Originalversion des Bildes zu sehen. (Screenshot: CORRECTIV)

Foto ist eine Manipulation

Auch der DPA-Faktencheck untersuchte das Bild, und beschrieb, dass das Foto manipuliert wurde. So könne man das daran, dass die Sonne von vorn auf Racketes Gesicht fällt, die Hand aber nicht beschienen wird. Auch die Größe der Hand passe von den Proportionen her nicht zum Arm. Im direkten Vergleich der Fotos wird deutlich, dass der Schatten auf der Handfläche im Foto aus der Behauptung fehlt.

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Die Bildausschnitte im direkten Vergleich. Oben: Das Originalfoto mit Schatten. Unten: Das gefälschte Foto aus der Behauptung. (Screenshots und Collage: CORRECTIV)

Youtube-Video bestätigt die Fälschung

Auf Youtube veröffentlichte außerdem die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 1. Juli unter dem Titel „Carola Rackete wird verhört“ ein Video. In den ersten drei Sekunden des Videos wird die Szene, in der das Foto entstand, gezeigt: Carola Rackete läuft an den Beamten vorbei und winkt in die Menge. Ein Hitlergruß ist nicht zu erkennen. 

https://www.youtube.com/watch?v=qxSt6CiHYp0

Auszug aus dem Video der FAZ/Reuters. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Carola Rackete hat nicht den Hitlergruß gezeigt. Ein Video der FAZ belegt, dass sie stattdessen in die Menge winkte.

Bewertung: teilweise falsch

Marokko sicherer als Deutschland? Das stimmt nur teilweise

Bildschirmfoto 2019-07-24 um 12.42.53
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Auszug dem diesjährigen „Global Peace Index“. Die Farben zeigen an, ob sich die Sicherheit in einem Land verbessert (grün) oder verschlechtert hat (rot). (Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

Ein Facebook-Nutzer behauptet: „Marokko steht auf Platz 20 der sicheren Länder und Deutschland auf Platz 51.“ Die Studie, auf die er sich offenbar bezieht, ist veraltet und bezieht sich auf Tourismus.

„Warum flüchten Afrikaner über Marokko nach Deutschland?“, fragt ein Facebook-Nutzer in einem Beitrag vom 9. Juli. Dann behauptet er ohne Angabe einer Quelle: „Marokko steht auf Platz 20 der sicheren Länder und Deutschland auf Platz 51.“ Die Menschen würden also aus einem sicheren Land in ein unsicheres Land flüchten, konstatiert der Nutzer.

Der Facebook-Beitrag mit der Behauptung, Marokko stehe auf Platz 20 der sicheren Länder und Deutschland auf Platz 51. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Beitrag wurde bisher mehr als 2.300 Mal auf Facebook geteilt. 

Es gibt unterschiedliche Ranglisten zum Thema Sicherheit, sie bewerten jeweils andere Indikatoren. 

Zahlen stammen offenbar aus einem Bericht des Weltwirtschaftsforums von 2017

Das Weltwirtschaftsforum veröffentlicht alle zwei Jahre den sogenannten „Travel & Tourism Competitiveness Report“, mit dem anhand verschiedener Faktoren eine Liste der reisefreundlichsten Länder erstellt wird. Der letzte Report war für 2017 (PDF).

Einer der Faktoren in dem Report ists „Sicherheit“. Tatsächlich steht Marokko auf der Liste dazu auf Platz 20 und Deutschland auf Platz 51 (Seite 35).

Liste der Länder aus dem „Travel and Tourism Competitiveness Report“ 2017. (Screenshot: CORRECTIV)

Im Report für 2015 sah das noch anders aus. Marokko stand da auf Platz 37 und Deutschland auf Platz 20 (PDF, Seite 34). 

Dafür, dass Deutschland beim Report für Sicherheit im Jahr 2017 um 31 Plätze und damit hinter Marokko gefallen ist, gibt es vor allem einen Grund, den die Ersteller klar benennen: „kürzliche terroristische Anschläge“ (Seite 8). In der Gesamtwertung für Turismus steht Deutschland aber auch 2017 auf Platz 3 – Marokko weit dahinter auf Platz 65.

Auszug aus dem „Travel and Tourism Competitiveness Report“ 2017. Trotz „kürzlicher Terroranschläge“ habe der Tourismus in Ländern wie Frankreich, Deutschland und Belgien nicht signifikant abgenommen. (Screenshot: CORRECTIV)

In der Methodologie des Reports steht, was für die Rangliste zur Sicherheit ausgewertet wird. Neben den Ausgaben für Kriminalitäts-, Gewalt- und Terrorbekämpfung, Zuverlässigkeit der Polizeidienste und Anzahl von Morden, zählt auch die Anzahl terroristischer Anschläge anhand der „Global Terrorism Database“ dazu. Für Marokko werden in der Datenbank der Universität Maryland von 2010 bis 2017 zwei terroristische Vorfälle aufgeführt, für Deutschland 163. Die Daten umfassen neben Anschlägen auch versuchte Angriffe auf Personen oder Einrichtungen etwa von Parteien, ausgehend von verschiedenen Tätergruppen. Sie werden nach drei Kriterien ausgewählt: 

Kriterien, nach denen ein terroristischer Vorfall in die Global Terrorism Database aufgenommen wird. (Screenshot: CORRECTIV)

Terroranschläge sind in Marokko laut Medienberichten aufgrund einer starken Terrorismusabwehr selten geworden. In den Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes für Marokko wird jedoch zum Beispiel darauf hingewiesen, dass im Dezember 2018 „zwei Touristinnen auf einer Wandertour in der Nähe des Mont Toubkal im Atlasgebirge Opfer eines Gewaltverbrechens mit terroristischem Hintergrund“ geworden seien. In Deutschland gab es mehrere terroristische Anschläge in den vergangenen Jahren: Im Juli 2016 tötete ein Rechtsextremist in München zehn Menschen und verletzte zahlreiche weitere. Ende 2016 starben beim Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz durch einen Islamisten zwölf Menschen und etwa 70 wurden verletzt.

Ein aktuellerer Bericht des Weltwirtschaftsforums für 2019 ist noch nicht verfügbar. Die Informationen, auf die sich der Facebook-Nutzer bezieht, sind daher zwei Jahre alt, und der Kontext der Terroranschläge wird nicht erwähnt. Unerwähnt lässt der Nutzer auch, dass der Report sich aufs Reisen bezieht und dass Marokko beim Faktor „Gesundheit und Hygiene“ – was ebenfalls einen Sicherheitsaspekt darstellt – im Report 2017 auf Platz 98 steht, Deutschland dagegen auf Platz 2 (Seite 35). 

Das Auswärtige Amt schreibt zudem über Marokko: „Trotz erheblicher Sicherheitsmaßnahmen besteht das Risiko terroristischer Angriffe.“ Das Amt rät von Reisen in die Westsahara ab und warnt: „Insbesondere in der Nähe von touristischen Attraktionen und historischen Stadtzentren besteht eine erhöhte Gefahr von Raubüberfällen und Diebstählen. (…) Dabei werden zum Teil auch Hieb- und Stichwaffen gegen Touristen eingesetzt.“

Auf dem „Global Peace Index“ steht Marokko seit Jahren hinter Deutschland

Eine weitere Auflistung über Sicherheit verschiedener Länder liefert jährlich der sogenannte „Global Peace Index“ des Institute for Economics and Peace, eines Think-Tanks mit Hauptsitz in Australien. Die jährliche Studie entsteht unter anderem in Partnerschaft mit den Vereinten Nationen (UN) und bezieht nach eigenen Angaben „die neuesten verfügbaren Daten aus einer Vielzahl von internationalen Quellen“ ein, darunter die Weltbank, das Stockholm International Peace Research Institute und verschiedene UN-Einrichtungen.

Dem Global Peace Index 2019 (PDF; Seite 8) ist zu entnehmen, dass Deutschland auf Platz 22 und Marokko auf Platz 71.

Das Länder-Ranking nach dem Global Peace Index 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch in den Jahren zuvor steht Marokko jeweils etliche Plätze hinter Deutschland:

  • 2018: Deutschland auf Platz 17, Marokko auf Platz 71 (PDF; Seite 8).
  • 2017: Deutschland auf Platz 16, Marokko auf Platz 75 (PDF; Seite 10).

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Der Report vergleicht dafür laut Methodologie (ab Seite 84) 23 Indikatoren, unter anderem Kriminalitätsraten, terroristische Aktivitäten, gewaltvolle Demonstrationen, wie harmonisch Beziehungen zu Nachbarländern sind und wie viele Menschen aus einem Land flüchten.

Auszug aus dem „Global Peace Report“ 2019, in dem die Bewertungskriterien beschrieben werden. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Die Zahlen sind zwar korrekt zitiert, aber sie sind selektiv. Sie richteten sich an Reisende – andere Studien kommen zu anderen Ergebnissen. Das Auswärtige Amt warnt grundsätzlich vor Terroranschlägen, Raubüberfällen und Diebstahl in Marokko.

Bewertung: falsch

Junge sammelt Flaschen? Wie eine gestellte Szene zum Symbolbild für Armut in Deutschland wurde

Bildschirmfoto 2019-07-19 um 17.25.52
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Bildschirmfoto 2019-07-19 um 17.25.52
Diese Fotos eines Flaschen sammelnden Jungen sind gestellt und in verschiedenen Bilder-Datenbanken zu finden. (Bildquelle: Imagebroker, Fotograf: Walter Allgöwer, Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Ein Foto eines Jungen, der Pfandflaschen sammelt, wird seit Jahren immer wieder in Medien verwendet, manchmal auch illegal. In sozialen Netzwerken zeigen Nutzer es als Beweis für Kinderarmut in Deutschland. Doch das Bild ist ein reines Symbolfoto – es wurde inszeniert. 

Symbolbilder werden in Medienberichten häufig verwendet; im Grunde immer dann, wenn es kein aktuelles Bild zu einem Artikel gibt. Allerdings sollten diese stets als Symbolfotos benannt werden, damit keine Missverständnisse aufkommen. 

Wie sich Bilder andernfalls verselbstständigen können, zeigt der Fall von mehreren Fotos eines blonden Jungen. Ein Foto, auf dem er Flaschen aus einem Mülleimer sammelt, wurde zum Beispiel im Februar 2018 auf Facebook veröffentlicht, ohne Angaben zum Kontext. Es wurde seitdem mehr als 1.100 Mal geteilt, in letzter Zeit verstärkt. Recherchen von CORRECTIV zeigen: Das Foto ist kein Beweis für Kinderarmut in Deutschland. Der abgebildete Junge musste nie selbst Flaschen sammeln; die Szene ist gestellt. 

Das Foto in einem Beitrag auf Facebook von Februar 2018. (Screenshot am 23. Juli 2019 und Schwärzung: CORRECTIV)

Durch die Rückwärtssuche bei Google konnte CORRECTIV den Namen des Fotografen in Erfahrung bringen: Walter Allgöwer. Eine Bildersuche nach ihm mit den Suchworten „Flaschen sammeln Armut“ fördert weitere Fotos des Jungen zutage. Erst kürzlich, im Mai 2019, wurden zwei solcher Fotos von Allgöwer verwendet: in einem Bericht des Stern über Straßenkinder in Berlin, und auf der Webseite des Deutschlandfunks zur Illustration eines Textes über Kinderarmut. Das Foto in dem Deutschlandfunk-Artikel stammt wahrscheinlich nicht aus derselben Serie, denn der Junge trägt andere Schuhe, deren Sohlen durchgelaufen sind, und er hat keine Flaschen dabei. Aufgrund der grauen Hose aber und der Tatsache, dass beide Fotos von Allgöwer gemacht wurden, ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich um dasselbe Kind handelt. 

In beiden Fällen fehlt die Information, dass es sich um Symbolbilder handelt. Beim Stern wird in der Bildunterschrift sogar konkret suggeriert, bei dem Kind handele es sich um eines der Straßenkinder, die vom Verein „Straßenkinder e.V.“ betreut werden: „Ein Junge verdient sein Taschengeld durch das Sammeln von Pfandflaschen: Auffangen vor dem Absturz, darum geht es beim Kinderhaus Bolle des Vereins ‘Straßenkinder e.V.’“

Artikel des Stern vom 10. Mai 2019. (Screenshot am 18. Juli 2019 und Schwärzung: CORRECTIV)
Artikel des Deutschlandfunks über Kinderarmut vom 11. Mai 2019. (Screenshot am 18. Juli 2019 und Schwärzung: CORRECTIV)

Die Evangelische Kirche Deutschland verwendete 2017 ein Foto des Jungen aus der Serie – diesmal von hinten, aber eindeutig erkennbar durch die Kleidung. Hier steht als Zusatz „Archivbild“ darunter. Im Text geht es allgemein um die wachsenden sozialen Unterschiede in Deutschland, vor denen der Chef der Diakonie Deutschland gewarnt habe.  

Artikel auf der Webseite der Evangelischen Kirche Deutschland von Oktober 2017. (Screenshot am 18. Juli 2019: CORRECTIV)

Und bei RBB tauchte ein Foto aus der Serie im Februar 2019 auf; darauf ist der Junge ebenfalls an der Kleidung zu erkennen. Nur wenn man mit dem Mauszeiger über das Foto fährt, öffnet sich ein Fenster, in dem vermerkt ist, dass es sich um ein Symbolbild handelt. Allerdings steht dabei, das Kind bringe die Bierflaschen der Eltern weg.

Artikel auf der Webseite von RBB24. (Screenshot am 19. Juli 2019: CORRECTIV)

Das Kind ist der Sohn des Fotografen

Der Fotograf Walter Allgöwer stammt aus Baden-Württemberg. CORRECTIV hat ihn kontaktiert und gefragt, welchen Hintergrund die Aufnahmen haben. Seine Antwort: „Das Kind ist mein Sohn.“ Die Bilder seien 2009 für eine Reportage über Armut und Hartz IV entstanden.

Die erste Antwort des Fotografen Walter Allgöwer an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf unsere Nachfrage präzisiert Allgöwer in einer zweiten E-Mail: „Die Aufnahmen sind natürlich gestellt, mein Sohn hat niemals Flaschen gesammelt. Aber es hat ihm großen Spaß gemacht diese Rollen zu spielen.“ Er habe die Fotos damals an mehrere Bildagenturen verkauft – explizit als Symbolbilder. Sie tauchten jedoch inzwischen ohne seine Erlaubnis „zahlreich in osteuropäischen Zeitschriften auf“. Die Bildagenturen verneinten ihm gegenüber, etwas darüber zu wissen. 

CORRECTIV hat die Bildagentur Picture Alliance kontaktiert, die zur DPA-Gruppe gehört und eine wichtige Bildquelle für Medien in Deutschland ist, und gefragt, in welcher Form die Fotos in ihrer Datenbank hinterlegt sind. Die Picture Alliance antwortete, die ganze Fotoserie mit dem blonden Jungen, der Flaschen sammelt, sei in ihrer Datenbank zu finden. Sie seien als Symbolbilder zum Thema Armut auch über die Partneragenturen „Joker“ und „Imagebroker“ im Vertrieb. „Bei uns sind die Bilder in der Datenbank mit ‘Modellfreigabe vorhanden’ gekennzeichnet“, schrieb eine Sprecherin per E-Mail. „Da weiß sofort jeder unserer Kunden, dass es gestellte Bilder sind und keine ‘echten’ redaktionellen. Ob der Kunde die Bilder ebenfalls klar als Symbolbilder kennzeichnet, liegt nicht in unserer Hand.“ Im Fall Kinderarmut könne wegen der Persönlichkeitsrechte „schwerlich mit journalistischen Bildern gearbeitet werden“. 

Ein Auszug aus der DPA-Datenbank, den CORRECTIV als PDF zugeschickt bekam, zeigt, dass bei den Fotos als Beschreibung steht „Ein neunjähriger Junge verdient sein Taschengeld durch Sammeln von Pfandflaschen, Deutschland, Europa“ und „Junge beim Sammeln von Pfandflaschen“. 

Bild wird auch illegal verbreitet

In einigen Beispielen wurden die Fotos offenbar illegal aus Bilddatenbanken kopiert. Darauf weist auch die Tatsache hin, dass in dem Bild, das auf Facebook verbreitet wurde, Wasserzeichen mit dem Namen der Agentur Zoonar zu sehen sind. Dort wird das Foto ebenfalls angeboten. Die Wasserzeichen wären nicht vorhanden, wäre das Foto gekauft und heruntergeladen worden – stattdessen wurde offenbar ein Screenshot gemacht.  

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Über die Bilder-Rückwärtssuche in Suchmaschinen lässt sich das Foto auch zum Beispiel auf Twitter finden, wo es 2018 von einer türkischen Medienseite namens R-Komplex verbreitet wurde. In dem dazugehörigen Artikel auf der Webseite findet sich ebenfalls das Foto des Jungen – ohne irgendeine Quellenangabe. Am unteren rechten Bildrand sind drei Buchstaben zu erkennen, vermutlich „pic“. Sie deuten darauf hin, dass das Bild mit einem Screenshot kopiert wurde, dort könnte ursprünglich „Picture Alliance“ gestanden haben. 

Die Überschrift des türkischen Textes lautet laut der automatischen Übersetzung durch Google: „Kinderarmut ist in Europa und Deutschland unheimlich!“ Darunter heißt es: „Es wurde festgestellt, dass die in Deutschland und Europa beängstigende Kinderarmut von Generation zu Generation weitergegeben wurde und der Staat nicht eingreift.“

Ein Artikel auf einer türkischen Webseite. Das Foto wird ohne Quellenangabe verwendet. Im Text geht es um Kinderarmut in Deutschland und Europa. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Die Verwendung des Bildes ohne jeden Kontext lässt es wie eine reale Momentaufnahme, wie einen Beweis für Kinderarmut in Deutschland erscheinen. Das ist es aber nicht. 

Walter Allgöwer verweist in seiner Mail auch auf die Seite „Imagebroker“, an die er seine Fotos regelmäßig verkauft. Dort sind zahlreiche Bilder des Jungen zu sehen – in ganz unterschiedlichen Situationen. Beim Fußball, beim Wandern, am Strand, beim Graffiti-Sprühen. Der Junge steht offensichtlich sehr oft Modell für seinen Vater.

Auf der Seite „Imagebroker“ finden sich zahlreiche Fotos, die denselben Jungen in den unterschiedlichsten Situationen zeigen. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Die Bildunterschrift bei dem Foto mit den Flaschen am Mülleimer lautet: „Ein neunjähriger Junge verdient sein Taschengeld durch Sammeln von Pfandflaschen, Deutschland, Europa“. Entstanden im August 2009. Auch dort steht der Vermerk „Model Release“. Er weist auf einen Modelvertrag hin, mit dem die abgebildete Person in die Veröffentlichung ihres Bildes einwilligt. Laien dürfte es trotzdem schwer fallen, dies als Hinweis auf eine gestellte Szene zu erkennen.

In der Datenbank von „Imagebroker“ steht bei dem Foto der Vermerk „Model Release“, der auf einen Modelvertrag mit der abgebildeten Person hindeutet. (Screenshot am 19. Juli 2019 und Schwärzung: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Das Foto zeigt keinen realen Fall sondern eine gestellte Szene. Der abgebildete Junge ist der Sohn des Fotografen und hat nie Flaschen sammeln müssen.

Bewertung: größtenteils falsch

Nein, Mithu Sanyal hat Opfern nicht geraten, eine Vergewaltigung könne „auch Erleben sein“

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Der Autorin Mithu Sanyal wird vorgeworfen, sie habe Vergewaltigungen verharmlost. (Symbolfoto: Tumisu / Pixabay)

von Alice Echtermann

Der Blog „Halle-Leaks“ behauptet, die Autorin und Feministin Mithu Sanyal habe Opfern geraten, eine Vergewaltigung als „Erlebnis“ zu betrachten. Das stimmt so nicht. Sanyal trat dafür ein, dass Dritte statt von Opfern von „Erlebenden“ sprechen sollten.

Ein Artikel des Blogs Halle-Leaks vom 22. Februar 2017 über die in Düsseldorf geborene Autorin Mithu Sanyal wurde bereits hundertfach von verschiedenen Facebook-Seiten und -Nutzern geteilt. Seit kurzem taucht er erneut in dem sozialen Netzwerk auf.

In einem Bild mit Text und einem Foto von Sanyal wird behauptet, sie habe Opfern geraten: „Eine Vergewaltigung kann auch Erleben sein. Viel Spass!“ Der Artikel selbst trägt den Titel „Gutmenschin meint Vergewaltigungs-Opfer sollten mehr Erlebende sein“. Im Text heißt es dann unter anderem: „Linksgrün versiffte Gutmenschin fordert mehr Spaß an der Vergewaltigung – für das Opfer. Die Vergewaltigung als ERLEBNIS!“ 

Insgesamt interagierten Facebook-Nutzer laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 6.200 Mal mit dem Text. Ein Beitrag auf Facebook vom 13. Juli wurde bereits mehr als 860 Mal geteilt. Auch in der öffentlichen Gruppe „AfD-Gruppe bundesweit“ wurde der Link zum Artikel am 14. Juli verbreitet. 

Der aktuelle Beitrag auf Facebook, in dem der Artikel von „Halle-Leaks“ geteilt wurde. (Screenshot: CORRECTIV)

CORRECTIV hat überprüft, ob Sanyal sich so geäußert hat. Sowohl die Schrift auf dem Bild als auch die Überschrift des Artikels deuten an, die Autorin habe gesagt, Vergewaltigungsopfer sollten die Tat nicht so schwer nehmen. Das Wort „Erleben“ klingt in diesem Zusammenhang positiv, als sei eine Vergewaltigung ein positives Erlebnis. Der Zusatz „Viel Spass!“ unterstreicht diesen Eindruck zusätzlich. Das hat Sanyal jedoch nie so gesagt oder geschrieben. 

Halle-Leaks bezieht sich auf einen Artikel von Mithu Sanyal und Marie Albrecht für die Taz vom 13. Februar 2017. Darin hatten die Autorinnen dafür plädiert, Opfer von Vergewaltigungen nicht mehr „Opfer“ zu nennen, sondern „Erlebende“. Sie schrieben als Begründung: „Denn ‘Opfer’ ist keineswegs ein wertfreier Begriff, sondern bringt eine ganze Busladung von Vorstellungen mit. Wie die, dass Opfer wehrlos, passiv und ausgeliefert sind – und zwar komplett. Bloß sind Menschen, denen etwas angetan wurde, ja immer noch sie selbst.“ 

Das Wort „Opfer“ stecke diese Menschen in eine Schublade. Menschen, die missbraucht wurden, als Opfer zu bezeichnen, halte sie weiter in der Ohnmacht, der sie während der Tat ausgesetzt waren, es nehme ihnen auch nach der Tat die Selbstbestimmung. Das ist aus Sicht der Autorinnen respektlos und falsch. Auch Natascha Kampusch habe nach ihrer Flucht vor ihrem Entführer in einem Interview gesagt, sie sei kein Opfer. Zudem werde das Wort als Schimpfwort gebraucht, zum Beispiel von Jugendlichen („Du Opfer!“).

„Wertfreier“ Begriff

Der Begriff „Erlebende“ sei dagegen wertfrei, so Sanyal und Albrecht. Sie seien deshalb dafür, dass es in den Duden aufgenommen werde. Mit dem Wort könne jede oder jeder selbst bestimmen, wie er oder sie das Erlebte bewerte. „Die Formulierung lädt ein, über die Wahrnehmung der erlebenden Person nachzudenken, und nicht, was ein anderer Mensch mit dieser Person macht.“ 

Der Begriff solle jedoch keine anderen Bezeichnungen ersetzen. Wer sich als Opfer wahrnehme, habe das Recht, sich so zu beschreiben.

Der letzte Absatz des Artikels von Sanyal und Albrecht in der Taz. (Screenshot am 18. Juli 2019: CORRECTIV)

Kritik: Verharmlosung durch Sprache

Vor allem Sanyal wurde für ihre Meinung öffentlich stark kritisiert. Sie ist die prominentere der beiden Autorinnen; Marie Albrecht sei Studentin, hieß es in dem Artikel der Taz. Sanyal hatte damals gerade das Buch „Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens“ herausgebracht. 

Der feministische Blog Die Störenfriedas veröffentlichte am 18. Februar 2017 als Reaktion auf den Text einen offenen Brief gegen die „sprachliche Verharmlosung sexueller Gewalt“. Darin heißt es: „Wie wir etwas benennen, entscheidet darüber, wie wir es beurteilen. Opfer sexueller Gewalt zu ‘Erlebenden’ zu machen, lässt die Gewalt aus dem Sprachgebrauch verschwinden, die Tat und die Täter und bis nur noch die Betroffenen übrig sind, die sich selbst nun auch nicht mehr ‘Opfer’ nennen sollen, weil sie das degradiert.“ Nicht der Opferdiskurs jedoch degradiere die Menschen, sondern die Tat beziehungsweise die Täter. 

Und auch in einem Meinungsbeitrag in der FAZ hieß es kritisch, eine Vergewaltigung sei kein „Erlebnis“: „Wo es keine Opfer mehr gibt, gibt es auch keine Täter mehr. Wo erlebt wird, wird nichts mehr erlitten.“ 

Kritik der Seite „Die Störenfriedas“ an Sanyals Vorschlag, von „Erlebenden“ zu sprechen. (Screenshot am 16. Juli 2019: CORRECTIV)

Die Beiträge von Die Störenfriedas oder der FAZ setzen sich kritisch mit Sanyals und Albrechts Text auseinander, geben ihre Forderung jedoch im Kontext wider – während Halle-Leaks sämtliche Argumentation weglässt und die Aussagen ohne Zusammenhang verdreht. 

Sanyal: Wollte niemandem vorschreiben, wie sie eine Vergewaltigung zu sehen haben

Auf eine Anfrage von CORRECTIV antwortete Sanyal per E-Mail, sie sei von Halle-Leaks absichtlich falsch verstanden worden. „Es geht mir eben darum, niemandem vorzuschreiben, wie sie eine Vergewaltigung zu sehen haben. Dies ist jedoch das, was wir – als Gesellschaft – häufig tun. Wir sagen Menschen: Dies ist das Schlimmste, was dir passieren kann und es wird dich für immer brechen. Das mag der Fall sein, aber das muss es nicht. Und in Bezug auf Heilung ist es schädlich, Menschen von vornherein zu sagen, dass sie niemals über eine Sache hinweg kommen können.“ 

Die Idee zu dem Artikel in der Taz sei ihr gekommen, nachdem sie eine Lesung aus ihrem neuen Buch gegeben habe. „Bei der anschließenden Diskussion baten einige Zuhörerinnen darum, nicht Opfer genannt zu werden, weil sie sich davon in eine Schublade gesteckt fühlten.“ Auch Beratungsstellen und Krisentelefone würden Menschen, die sich an sie wendeten, als erstes fragen, „wie sie das Verbrechen bezeichnen, wie sie sich selbst bezeichnen, welche Worte sie selbst wählen wollen“. 

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Nach dem offenen Brief von Die Störenfriedas habe unter anderem die feministische Zeitschrift Emma ihre These irreführend wiedergegeben: „Die EMMA titelte ‘Opfer sollen nicht mehr Opfer heißen’, obwohl in meinem Artikel explizit stand: ‘Selbstverständlich soll ‚Erlebende‘ andere Bezeichnungen nicht ersetzen.’ Es ging lediglich um eine weitere Möglichkeit der Selbstbezeichnung, wie es in den feministischen Debatten bereits einige gegeben hat“, schreibt Sanyal. Der Begriff „Opfer“ sei auch ein juristischer Begriff; schon deshalb sei es nicht zielführend, ihn komplett abzuschaffen.

Sie habe wegen dieser Debatte zahlreiche Hassmails bekommen. In diesen seien ihr unter anderem auch selbst Vergewaltigungen gewünscht worden, und sie sei rassistisch beleidigt worden. Ein Artikel auf Philosophia Perennis über den Fall endete mit den Worten „Willkommen in Rapefugeestan“, also mit einem klaren Bezug zu Geflüchteten. Sie habe aber auch viele positive Rückmeldungen erhalten, so Sanyal. 

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Mithu Sanyal hat Opfern von Vergewaltigungen nicht geraten, diese als „Erlebnis“ zu betrachten. Sie hat dafür plädiert, dass Dritte statt von „Opfern“ von „Erlebenden“ sprechen, da diese Bezeichnung wertfrei sei.

Bewertung: falsch

Nein, es gibt in Deutschland nicht 500.000 gewaltbereite Linksextremisten

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Eine Demonstration. (Foto: Randy Colas / Unsplash

von Nina Breher

Ein Artikel behauptet, es gebe einer Studie zufolge in Deutschland „500.000 gewaltbereite Linksextremisten“. Diese Zahl ist falsch. Sie findet sich nicht in der Studie, sondern wurde von den Autoren selbst mit falschen Annahmen berechnet.

Ein Artikel auf der Internetseite Anonymousnews vom 5. Juli 2019 gibt an, es gebe in Deutschland 500.000 gewaltbereite Linksextremisten. Auf der Internetseite Blick nach links, für die laut Impressum der Berliner AfD-Landesverband verantwortlich ist, wurde bereits am 29. Mai 2019 eine identische Meldung publiziert.

Der Artikel auf der Internetseite Anonymousnews. (Screenshot: CORRECTIV)

Grundlage der Zahl ist eine Studie der Freien Universität Berlin

Der Artikel nennt zwei Zahlen: Im Titel steht, es gebe 500.000 gewaltbereite Linksextremisten, im Text ist von 460.000 die Rede. Die Zahlen werden als Beleg dafür präsentiert, „wie schlecht der deutsche Verfassungsschutz arbeitet“. Dieser zählte für 2015 7.700 gewaltbereite Linksextremisten in Deutschland (2018: 9.000, PDF, S. 110). Als Quelle nennt der aktuell geteilte Artikel eine Studie des Forschungsverbunds SED-Staat an der Freien Universität Berlin aus dem Jahr 2015.

Die repräsentative Umfrage zu Linksextremismus gibt an, vier Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung habe ein „nahezu geschlossenes linksextremes Weltbild“. Offenbar hat der Artikel diese Angabe zur Berechnung der Zahl verwendet. 2015 haben in Deutschland laut dem Statistischen Bundesamt 82,2 Millionen Menschen gelebt. Vier Prozent von 82,2 Millionen sind rund 3,288 Millionen. Von diesen als „linksextrem“ eingestuften Personen befürworteten laut der Zusammenfassung der Studie „14 Prozent Gewaltanwendung“. 14 Prozent von den zuvor genannten 3.287.200 ergeben 460.320. Das entspricht in etwa der in dem Artikel genannten Zahl.

Autor der Studie: Im Artikel genannte Zahl ist nicht aussagekräftig

Klaus Schroeder, Politikwissenschafts-Professor und Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, hat die zitierte Studie gemeinsam mit Monika Deutz-Schroeder durchgeführt. Am Telefon teilt er CORRECTIV: „Die Zahl stimmt nicht und der Kontext wird nicht erklärt.“

Erstens seien für die Studie „nur Personen über 16 Jahre befragt“ worden. Die Zahl 460.000 basiere aber auf der Gesamtbevölkerung von 82 Millionen. 2015 gab es laut Statistischem Bundesamt in Deutschland 69,7 Millionen Einwohner, die älter als 16 Jahre alt waren. Vier Prozent von ihnen sind 2,788 Millionen, 14 Prozent davon wiederum 390.320.

Aber selbst diese Zahl ist noch zu hoch gegriffen. Denn zweitens hat die Studie Schroeder zufolge nicht tatsächlich gewaltbereite Linke ermittelt, sondern „die Leute prinzipiell nach dem Einsatz von Gewalt zum Erreichen politischer Ziele“ befragt. In der Langfassung der Studie, die CORRECTIV vorliegt, lautet die Aussage, die von den Befragten bejaht oder verneint werden konnte: „Zur Durchsetzung politischer Ziele ist auch der Einsatz von Gewalt gegen Personen erlaubt.“

Schroeder gibt zu bedenken, wenn eine Person diese Aussage mit „ja“ beantworte, heiße das nicht, dass sie selbst gewaltbereit sei. Die Befragung sei „eine Annäherung“. Er gehe davon aus, dass die meisten Befragten, die mit „ja“ geantwortet haben, zwar Gewalt in einer Diktatur bejahen würden, nicht aber in einer demokratischen Gesellschaft.

Auszug aus der Langfassung der Studie mit dem Titel „Gegen Staat und Kapital – für die Revolution! Linksextremismus in Deutschland – eine empirische Studie“. „D“ steht für Deutschland, „O“ für Ost, „W“ für West, „16-29“ für 16- bis 29-Jährige und „LE 1“ für Personen mit einem „weitgehend geschlossenen linksextremistischen Weltbild“. Die Angaben darunter sind in Prozent. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Politikwissenschaftler räumt ein, er hätte die Aussage in der Umfrage anders formulieren sollen: „Das war ein Fehler unsererseits. Man hätte die Teilnehmer fragen müssen, ob sie Gewalt zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft bejahen.“ 

Aus der Studie geht demnach nicht hervor, wie viele der befragten Menschen tatsächlich „gewaltbereit“ sind.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage von 2015 werden falsch interpretiert. Zudem war die Frage zur Gewaltanwendung darin so formuliert, dass aus ihr nicht die Zahl tatsächlich gewaltbereiter Linksextremisten ermittelt werden kann.

Bewertung: richtig

Mann schlägt Scheiben ein: Dieses Video aus Donauwörth ist echt

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Zerstörte Windschutzscheiben, Symbolbild (Adrian van Leen for openphoto.net)

von Tania Röttger

Innerhalb eines Tages wurde ein Video mehr als 30.000 Mal auf Facebook geteilt. Es zeigt einen verwirrten Mann, der in einer Unterkunft für Geflüchtete Autofenster einschlägt.

Dort, wo die Kamera ist, sind auch Frauen, die flehend „mein Auto, mein Auto“ sagen. Gefilmt wird ein Mann, der von Auto zu Auto geht und mit einem Holzstück Windschutz- und Heckscheiben zerschlägt. 

Mehrere Facebook-Seiten und -Nutzer teilten das Video, insgesamt mehr als 30.000 Mal. Darunter die Seite „AfD wirkt – Heike Temel – Frauenalternative“, mit einem Kommentar, der die Tat mit dem Ankerzentrum für Geflüchtete in Donauwörth in Zusammenhang bringt. Laut Koalitionsvertrag soll in Ankerzentren „Ankunft, Entscheidung, kommunale Verteilung bzw. Rückführung stattfinden“.

Einer der Facebook-Beiträge mit dem Video. Darunter finden sich auch rassistische Kommentare. (Screenshot: CORRECTIV)

Einige Facebook-Nutzer haben das Video als potenzielle Falschmeldung gemeldet.

Polizei bestätigt Vorfall

Das zuständige Polizeipräsidium Schwaben-Nord bestätigte uns den Fall per E-Mail und verwies auf eine Pressemitteilung. Der Mann sei geistig verwirrt gewesen, habe den Beamten nicht antworten können und sei zunächst zur ärztlichen Untersuchung gekommen. Den Schaden schätzt die Polizei auf 50.000 Euro. 

Pressemitteilung der Polizei zu dem Fall. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Polizei schreibt außerdem, der Mann wohne wohl nicht in Donauwörth, sondern in Augsburg. Das hat uns auch die Pressestelle der zuständigen Regierung von Schwaben bestätigt. Eine Sprecherin schrieb uns per E-Mail: „Der Flüchtling war seit August 2018 zur Durchführung seines Asylverfahrens in der ANKER-Einrichtung Donauwörth untergebracht und wurde Mitte April diesen Jahres in eine dezentrale Unterkunft im Landkreis Augsburg abverlegt. Zum Zeitpunkt der Tat hielt er sich unberechtigt auf dem Gelände der ANKER-Einrichtung auf.“

E-Mail der zuständigen Regierungsstelle Schwaben. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Richtig. Die Polizei hat bestätigt, dass das Video einen Vorfall vom 10. Juli in Donauwörth zeigt.