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Ein gemeinsamer Bericht von CORRECTIV, Maldita.es, AFP, Full Fact und Pagella Politica/Facta. (Collage: Maldita.es)

5G, Bill Gates, Impfungen und dubiose Heilmittel: CORRECTIV hat mit Faktencheck-Organisationen aus vier europäischen Ländern analysiert, welche Muster sich über Grenzen hinweg in den Falschinformationen zu Covid-19 zeigen.

Falschinformationen und Viren haben einiges gemeinsam: Sie können sich exponentiell ausbreiten, und sie machen nicht vor Grenzen halt. Für professionelle Faktenchecker bedeutet die Pandemie des Coronavirus SARS-CoV-2 eine neue, internationale Dimension der Desinformation. Die Weltgesundheitsorganisation hat dafür den Begriff „Infodemie“ geprägt.

Mitte März hat CORRECTIV.Faktencheck sich deshalb mit vier weiteren Organisationen in Europa zusammengeschlossen, um die Verbreitung von falschen Behauptungen über Covid-19 besser zu verstehen. Die Kooperation mit Maldita.es in Spanien, Pagella Politica/Facta in Italien, Full Fact in Großbritannien und Agence France-Presse (AFP) in Frankreich zeigt, dass in der Flut der Falschinformationen Muster zu erkennen sind.

645 Faktenchecks, fünf Länder

Identische Behauptungen wurden in allen Ländern und Sprachen verbreitet. Manche der scheinbar gut gemeinten Warnungen oder medizinischen Ratschläge sind harmlos – wie das Gurgeln mit Essig. Manche jedoch sind gefährlich – wie das Trinken von Desinfektionsmittel. Durch die Verunsicherung der Menschen schaffen es zudem auch große Narrative der Desinformation ins Licht der Aufmerksamkeit. Sie können das Vertrauen in Institutionen erschüttern und nachhaltige, zersetzende Wirkungen haben – wie der Glaube an Verschwörungen, Ressentiments gegen Impfungen oder 5G-Mobilfunkstrahlen.

Wir haben alle im März und April veröffentlichten Artikel der fünf Organisationen zu Covid-19 analysiert – insgesamt 645 Texte – und Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet. Wann tauchte eine Falschinformation wo auf? Welche Varianten derselben Behauptungen gab es? Und welche Themen waren spezifisch für jedes Land?

Entstanden ist ein interaktives Web-Projekt in fünf Sprachen über zwei Monate Faktencheck-Arbeit während einer globalen Pandemie.

Lesen Sie hier die Analyse der Covid-19-Infodemie in Europa:

covidinfodemiceurope.com

(Projekt-Koordination für CORRECTIV: Alice Echtermann)

Stella Immanuel, eine der Ärztinnen der „America’s Frontline Doctors“ bei der Pressekonferenz am 27. Juli vor dem Supreme Court in Washington.
Stella Immanuel, eine der Ärztinnen der „America’s Frontline Doctors“ bei der Pressekonferenz am 27. Juli vor dem Supreme Court in Washington. (Screenshot: CORRECTIV)

von Uschi Jonas

Eine Gruppe Mediziner, die sich „America’s Frontline Doctors“ nennen, ziehen weltweit Aufmerksamkeit mit der unbelegten Behauptung auf sich, Covid-19 könne mit dem Malaria-Medikament Hydroxychloroquin geheilt werden. Ärztin Stella Immanuel verbreitet schon seit Jahren unwissenschaftliche Mythen.

In weißen Kitteln steht eine Gruppe Menschen vor dem US Supreme Court in Washington. Sie nennen sich America’s Frontline Doctors und sprechen davon, dass niemand an Covid-19 erkranken müsse. Es gebe ein Heilmittel, das Erkrankte gesund mache und Gesunde präventiv vor einer Erkrankung schütze: Hydroxychloroquin. Alle Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus seien zudem hinfällig und nutzlos. 

Hydroxychloroquin ist ein Medikament, das gegen Malaria eingesetzt wird, entzündungshemmend wirkt und auch gegen rheumatologische Erkrankungen helfen soll. Doch: Seit Monaten warnen Ärzte und Wissenschaftler vor der Einnahme von Hydroxychloroquin in Zusammenhang mit Covid-19. Es gibt keine Belege, dass es zur Behandlung der Krankheit geeignet ist. Das Video der „Frontline Doctors“ verbreitete sich trotzdem rasant in mehreren Ländern auch weil sich prominente Unterstützer fanden.

Am 27. Juli war die rechtspopulistische Nachrichtenseite Breitbart News laut Medienberichten live auf Facebook und übertrug die Pressekonferenz der „Frontline Doctors“. Unterstützt wurde die Veranstaltung von den „Tea Party Patriots“, einer rechtskonservativen politischen Organisation. Der Republikaner Ralph Norman eröffnete die Pressekonferenz. 

Youtube, Facebook und Twitter löschten Videos der „America’s Frontline Doctors“

Auch wenn das Video der Pressekonferenz mittlerweile von Youtube gelöscht wurde, findet sich auf dem Youtube-Kanal der „Tea Party Patriots“ noch ein über dreistündiges Video des sogenannten Gipfeltreffens der „Frontline Doctors“. Das Video tauchte auch in Deutschland auf: Die Pressekonferenz ist auf der Webseite „Corona-Datencheck“ zu finden. Ein Ausschnitt des Videos findet sich unter anderem mit deutscher Beschreibung auf der Plattform Bittube. Das Video dort trägt das Logo der Jugendorganisation „Turning Point USA“, die Donald Trump im Wahlkampf nahesteht.  

Nicht nur auf Youtube wurden die Videos der Pressekonferenz gelöscht, auch Facebook und Twitter löschten laut Medienberichten Posts, die Videos der „Frontline Doctors“ verbreiteten ­ darunter auch Tweets von US-Präsident Donald Trump und seinem Sohn Donald Trump Jr.. Auch Musikerin Madonna, die laut den Berichten schon häufiger Falschinformationen während der Corona-Pandemie verbreitete, veröffentlichte Botschaften der Gruppe und bezeichnete Stella Immanuel, eine der Ärztinnen im Video, als ihre Heldin

Facebook begründete die Löschung der Videos dem US-Nachrichtensender CNN zufolge damit, dass das Video falsche Informationen über die Heil- und Behandlungsmöglichkeiten von Covid-19 verbreite. Bevor das Facebook-Live-Video auf Breitbart News von Facebook gelöscht wurde, sei es mehr als 20 Millionen Mal angeklickt worden, schreibt NBC-Reporterin Brandy Zadrozny auf Twitter

Donald Trump verteidigte erneut den Einsatz von Hydroxychloroquin gegen Covid-19

Auf einer Pressekonferenz des Weißen Hauses am 28. Juli verteidigte Donald Trump die Tatsache, dass er das Video und das Statement einer der auftretenden Ärztinnen, Stella Immanuel, geteilt hatte: Sie sagte, sie habe enormen Erfolg bei hunderten von verschiedenen Patienten und ich hielt ihre Stimme für eine wichtige Stimme, aber ich weiß nichts über sie. Erneut betonte er, dass er selbst 14 Tage lang im Mai präventiv Hydroxychloroquin eingenommen habe und es ihm gut gehe. Immer wieder pries Donald Trump in den vergangenen Monaten das Malaria-Medikament als Heilmittel gegen Covid-19 an.

Doch wer sind die „Frontline Doctors“? Die Webseite der Gruppierung ist inzwischen nicht mehr verfügbar. Sie sei vom Website-Host Squarespace am 28. Juli gelöscht worden, schreibt eine der Ärztinnen auf Twitter. In der archivierten Version der Webseite ist zu lesen, dass die Mediziner ankündigten, einen Weiße-Kittel-Gipfel abzuhalten, um „die Amerikaner zu ermächtigen, nicht länger in Angst zu leben“. Die US-Bürger seien angeblich Opfer einer „massiven Desinformationskampagne“ geworden. Spätestens bei dem öffentlichen Auftritt am vergangenen Montag vor dem Supreme Court wurde deutlich, dass es ihnen dabei um den Umgang mit der Corona-Pandemie ging. 

Ärztin Stella Immanuel behauptet, Hunderte Covid-19-Patienten mit Hydroxychloroquin geheilt zu haben

Besonders eindrücklich sind dabei die Worte von Stella Immanuel. Sie gibt an, Ärztin in Houston, Texas zu sein und Medizin in Nigeria studiert zu haben. Bei der Liveübertragung vor dem Supreme Court redete sie sich regelrecht in Rage: Ich habe persönlich mehr als 350 Menschen mit Covid behandelt. Patienten, die die Diabetes haben, die Bluthochdruck haben, Patienten die Asthma haben. Ich habe ihnen Hydroxy gegeben, ich habe ihnen Zink gegeben, ich habe ihnen Zithromax gegeben, und es geht ihnen allen gut. 

Zudem habe sie sich selbst, medizinischen Angestellten und vielen anderen Ärzten auch Hydroxychloroquin zur Prävention gegeben. Niemand müsse krank werden, niemand müsse sterben, sagt Immanuel: Für dieses Virus gibt es Heilung. Und das sind Hydroxychloroquin, Zink und Zithromax. 

Studien, die vor Hydroxychloroquin warnten, seien gefälschte Wissenschaft und das Tragen von Schutzmasken und Abstandhalten bringe nichts, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen, behauptet Immanuel weiter. Belege für diese Behauptungen liefert sie keine.

Seit Monaten gibt es Diskussionen über die Anwendung des Malaria-Medikaments im Kampf gegen Covid-19

Zu Beginn der Corona-Pandemie häuften sich weltweit Meldungen, das Malaria-Medikament könne bei der Behandlung von Covid-19 helfen. So hatte die U.S. Food and Drug Administration (FDA), die Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde der Vereinigten Staaten, im März eine Notfallgenehmigung für den Einsatz von Hdydroxychloroquin und Chloroquin zur Behandlung von Covid-19 erteilt. 

Auch in anderen nicht-europäischen Ländern wurden ähnliche Regelungen erlassen, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in einem Hinweispapier zum Umgang mit Covid-19-Erkrankten schreibt. Doch die Entscheidung fußte laut der Behörde lediglich auf Einzelfallberichten und Beobachtungsanalysen, die zu uneinheitlichen Ergebnissen führten, was die Sicherheit und Wirksamkeit von Hydroxychloroquin anbelangt. 

Im Mai sorgte dann eine Studie für Aufsehen, die in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht worden war. Dort wurde nicht nur die Wirksamkeit von Hydroxychloroquin in Frage gestellt, sondern behauptet, das Medikament würde schwere Nebenwirkungen hervorrufen und das Sterberisiko erhöhen. Die Studie wurde massiv kritisiert, drei der vier Autoren gaben laut Medienberichten ihren Rückzug aus der Studie bekannt.  

Trotz Zweifeln an der Zuverlässigkeit der zugrundeliegenden Daten führte die Studie jedoch zum Widerruf der Notfallgenehmigung im Juni durch die FDA, wie das RKI schreibt

Inzwischen wurden einige klinische Studien zu Hydroxychloroquin wieder aufgenommen, wie auch in einem Papier des RKI zur Erkennung, Diagnostik und Therapie von Covid-19 vom 22. Juli zu lesen ist (Seite 12).

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sieht keine Belege für eine Wirksamkeit von Hydroxychloroquin zur Behandlung von Covid-19. Auch die WHO rät von einer Einnahme ab, weil sie gefährliche Nebenwirkungen hervorrufen und sogar zum Tod führen könne.

Laut Stella Immanuel löschte Facebook ihre private Seite

Zahlreiche Medien berichten davon, dass Stella Immanuel dubiose, unwissenschaftliche Überzeugungen vertrete und verbreite. 

Immanuel arbeitet im Rehoboth Medical Centre in Houston, Texas. Online zu finden ist lediglich eine Facebook-Seite der Privatklinik, Facebook löschte die private Seite der Ärztin offenbar. Auf Twitter schrieb sie dazu: Wenn meine Seite nicht wiederhergestellt wird, wird Facebook im Namen Jesu zusammenbrechen. In ihrer Twitter-Biografie schreibt sie über sich selbst, sie sei unter anderem Ärztin, Autorin, Rednerin sowie Gottes Streitaxt und Kriegswaffe”. 

Immanuel verteufelt Masturbation und glaubt an Dämonen sowie Reptilien, die die Welt regieren

Außerdem predigt sie in der Fire Power Ministry. Dahinter verbirgt sich offenbar eine missionarische, religiöse Organisation. Die Website der Organisation ist nur in einer archivierten Version verfügbar. Aber auf Immanuels Youtube-Kanal finden sich seit 2009 Videos, in denen sie beispielsweise 2011 behauptete, wer masturbiere und Sexträume habe, rufe Dämonen, was wiederum die Ursache für zahlreiche gynäkologische Krankheiten sei.

Stella Immanuel, Mitglied von „America’s Frontline Doctors“, glaubt, dass allein die Kirche ein Recht auf Macht habe. (Quelle: Youtube, Screenshot: CORRECTIV)
Stella Immanuel, Mitglied von „America’s Frontline Doctors“, glaubt, dass allein die Kirche ein Recht auf Macht habe. (Quelle: Youtube, Screenshot: CORRECTIV)

2015 behauptete sie in einem Video, DNA von Aliens werde in medizinischen Behandlungen genutzt. Wissenschaftler würden einen Impfstoff entwickeln, um Menschen daran zu hindern, religiös zu sein und Reptilien säßen anstatt Menschen in der Regierung. Auch verbreitete sie die Behauptung, Illuminati und Dämonen würden die Weltordnung bestimmen. Lediglich die Kirche habe den Auftrag, diese Rolle zu übernehmen. Der Glaube daran, dass „Reptiloide“, also Echsenmenschen, die Länder der Welt anführen würden, ist ein Verschwörungsmythos. 

Fazit: Unbelegte Heilsversprechen einer umstrittenen Ärztin

Seit Beginn der Pandemie wird an der Wirksamkeit und den Folgen der Behandlung mit Hydroxychloroquin bei Covid-19-Patienten weltweit diskutiert und geforscht fest steht bislang, dass die Anwendung des Medikaments keine Wirksamkeit bei der Heilung oder Prophylaxe gegen das Coronavirus zeigt. 

Für die Behauptung von Stella Immanuel, sie habe Hunderte Patienten mit dem Medikament geheilt, gibt es keine Belege. Immanuel, deren Aussagen bei der Pressekonferenz der „Frontline Doctors“ auch im Weißen Haus diskutiert wurden, berief sich in der Vergangenheit bei vielen ihrer Äußerungen nicht auf wissenschaftlich fundierte Fakten, sondern auf religiöse Ansichten und verbreitete teils Verschwörungsmythen.

PCR-Tests Coronavirus
Proben für Corona-Tests werden im Diagnosticum-Labor im sächsischen Plauen für die weitere Untersuchung vorbereitet. (Symbolbild: picture alliance/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB) 

von Cristina Helberg

Seit Beginn der Corona-Pandemie kursiert in Sozialen Netzwerken ein zentraler Vorwurf: Die PCR-Tests seien unzuverlässig und lieferten oft falsche Ergebnisse. Die Test selbst sind zwar sehr genau, ihr Ergebnis wird aber durch die sogenannte Vortestwahrscheinlichkeit beeinflusst. Was steckt dahinter? 

Besonders zu Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland im März wiederholten Kritiker der Eindämmungsmaßnahmen eine Behauptung immer wieder: Die PCR-Tests, mit denen Infektionen erkannt werden, seien in „bis zu 80 Prozent der Fälle“ falsch positiv. „Falsch positiv“ bedeutet: Eine eigentlich gesunde Person bekommt ein positives Testergebnis und wird fälschlich als Infektionsfall gezählt. Dass diese Fehlerquote hoch sei, behaupteten in Youtube-Videos unter anderem der Internist Claus Köhnlein, der Onkologe Heiko Schöning und der Heilpraktiker Andreas Schlecht. Sie bezogen sich dabei unter anderem auf Störanfälligkeiten des Tests oder Reaktionen mit anderen, älteren Coronaviren. 

Wir haben die Behauptung, die Fehlerquote liege bei „30 bis 50 Prozent“, bereits im April 2020 in einem Faktencheck als falsch eingestuft. Die Labore der Unikliniken Köln, Stuttgart und Dresden hatten auf unsere Anfrage den in den Youtube-Videos angegebenen Fehlerquoten bezogen auf Störanfälligkeiten und Kreuzreaktionen widersprochen. Sie betonten aber, dass es wichtig sei, dass Abstriche richtig genommen, Labore Erfahrung haben und die Proben richtig transportiert werden. Unser Faktencheck bezog sich dabei auf die Sensitivität und die Spezifität der Tests, die nach Aussage der Experten sehr hoch ist. 

Es gibt jedoch noch eine andere große Fehlerquelle: die Vortestwahrscheinlichkeit. Selbst wenn Corona PCR-Tests hoch spezifisch und sensitiv sind, können sie je nachdem, wie viel getestet wird und wie viele Menschen infiziert sind, viele falsche Ergebnisse liefern. Dazu hatten viele unser Leserinnen und Leser Fragen. In diesem Text erklären wir das Problem.

Was sind Sensitivität und Spezifität?

Sensitivität ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Test Infizierte als infiziert erkennt, und Spezifität die Wahrscheinlichkeit, dass er Gesunde als gesund erkennt. 

Die Gesellschaft zur Förderung der Qualitätssicherung in medizinischen Laboratorien hat im April dazu einen Versuch durchgeführt. Laboren wurden verdeckte positive und negative Proben mit SARS-CoV-2 oder anderen Coronaviren geschickt. Im Anschluss erhob die Gesellschaft, wie viele Proben die 463 Laboratorien aus 36 Ländern richtig als positiv oder negativ erkannten. 

In einer Zwischenauswertung vom 3. Juni kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Labore von drei positiven Proben 98,9% bis 99,7% korrekt als positiv erkannten (Sensitivität). Die vierte, am stärksten verdünnte positive Probe erkannten 93 Prozent. Im Fall der negativen Proben waren es 97,8% bis 98,6% korrekte Ergebnisse (Spezifität). „Diese hohen Erfolgsquoten repräsentieren eine sehr gute Leistungsfähigkeit der Ringversuchsteilnehmer und der angewendeten Testformate“, schreiben die Autoren (PDF, Seite 19-20 und Seite 21).  

Die angewandten PCR-Tests sind insgesamt also in der Regel hoch spezifisch und sensitiv (auch wenn die genauen Ergebnisse je nach Art des Tests sehr unterschiedlich sein können) und der Ringversuch bestätigt Aussagen von drei Uniklinik-Laboren in unserem Faktencheck. Berücksichtigt wurden in dem Versuch allerdings keine anderen Faktoren wie falsche Probenentnahmen. Diese könnten wesentlich zur Fehlerquote beitragen, insbesondere zu falsch negativen Ergebnissen.  

Die Vortestwahrscheinlichkeit spielt eine wichtige Rolle 

In unserem Faktencheck Anfang April erwähnten wir bereits die wichtige Rolle der sogenannten Basisrate oder Prävalenz, also die Häufigkeit, mit der eine Krankheit in der Bevölkerung vorkommt. Man spricht von der Vortestwahrscheinlichkeit. Sie verändert sich laufend. Warum das Einfluss auf den Test hat, zeigt ein Beispiel. 

Angenommen ein Test hat eine sehr hohe Sensitivität und Spezifität von 99 Prozent. Testet man nun 100 Gesunde, werden 99 Personen korrekt negativ getestet und eine Person falsch positiv. Testet man jedoch 100 Infizierte, wird der Test 99 Personen korrektiv positiv erkennen und eine Person falsch negativ. Die Anzahl und die Art falscher Testergebnisse hängt demnach auch davon ab, wie viele von den getesteten Personen gesund und wie viele infiziert sind. 

Alexander Dalpke, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Technischen Universität Dresden führte in unserem Faktencheck dieses Beispiel an, um zu verdeutlichen, dass der Test derselbe bleibt, die Wahrscheinlichkeiten sich jedoch je nach Basisrate ändern: „Der Test wird im positiven und negativen Vorhersagewert besser, wenn gezielt Populationen mit einer höheren Vortestwahrscheinlichkeit untersucht werden.“

Deshalb sollen vor allem Menschen mit Symptomen getestet werden

Seit Beginn der Corona-Pandemie gilt in Deutschland unter anderem deshalb die Vorgabe des Robert-Koch-Instituts, dass vor allem Menschen getestet werden sollten, die Symptomen zeigen, direkten Kontakt zu Infizierten hatten oder sich in Risikogebieten aufhielten. Darauf wies auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung bis zum 15. Juni auf ihrer Webseite hin. Mittlerweile gibt es aber einige Änderungen. Zukünftig sind auch Reihentestungen in Kitas, Schulen oder Pflegeheimen möglich. Auch Personen ohne Symptome, aber mit einer Warnbenachrichtigung durch die Corona-App können sich auf Kosten der Krankenkassen nun testen lassen. 

Das Robert-Koch-Institut hatte bis zum 2. Juni auf seiner Webseite stehen: „Von einer Testung von asymptomatischen Personen wird aufgrund der unklaren Aussagekraft eines negativen Ergebnisses sowie der Möglichkeit falsch positiver Befunde in Abhängigkeit von der Prävalenz/ Inzidenz in der Regel abgeraten.“ 

RKI zum PCR-Test: keine Testung von Personen ohne Symptome
Hinweis auf der Seite des Robert-Koch-Instituts. (Abgerufen am 18. Mai 2020, Screenshot: CORRECTIV)

Am 3. Juni nahm das RKI den Teilsatz über die Möglichkeit falsch positiver Befunde aus dem Artikel, ergänzte dafür aber einen ganzen Absatz zur Vortestwahrscheinlichkeit. Dort steht nun: „Generell wird die Richtigkeit des Ergebnisses von diagnostischen Tests auch von der Verbreitung einer Erkrankung beeinflusst. Je seltener die Erkrankung und je ungezielter getestet wird, umso höher sind die Anforderungen an Sensitivität und Spezifität der zur Anwendung kommenden Tests.“  

RKI Änderung Hinweis zu PCR-Tests
Hinweis zur Vortestwahrscheinlichkeit auf der Webseite des Robert-Koch-Instituts (Abgerufen am 15. Juni, Screenshot: CORRECTIV)

Der große Unterschied von 50 oder einem Prozent Vortestwahrscheinlichkeit 

Das British Medical Journal stellt auf seiner Webseite eine interaktive Covid-19-Simulation zur Verfügung, an der jeder ausprobieren kann, wie sich die Test-Spezifität und Sensivität und die Vortestwahrscheinlichkeit auf die Testergebnisse von 100 Personen auswirken. Je nach Vortestwahrscheinlichkeit kommt es zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. 

Kalkulator 50 Prozent Vortestwahrscheinlichkeit
Eine Simulation mit dem Covid-19-Kalkulator des British Medical Journal. Von 100 getesteten Personen mit einer Vortestwahrscheinlichkeit von 50 Prozent wird eine Person falsch positiv getestet. (Screenshot: CORRECTIV)

Nehmen wir als Beispiel je 50 und ein Prozent Vortestwahrscheinlichkeit. Bei 50 Prozent Prävalenz, wenn also von 100 getesteten Personen 50 infiziert sind, werden im Test (mit den angenommenen Parametern 99 Prozent Sensitivität und 98 Spezifität) 50 korrekt positiv erkannt, eine Person als falsch positiv, 49 als korrekt negativ und 0 falsch negativ. Eine Person würde also fälschlicherweise unter Quarantäne gestellt. Der Anteil falsch positiver Ergebnisse an allen Tests liegt bei einem Prozent (1 von 100). 

Bei einer Vortestwahrscheinlichkeit von nur einem Prozent sieht das schon ganz anders aus. Von 100 Personen ist nun eine infiziert. Im Test wird es deshalb ein korrektes positives Ergebnis geben, aber auch zwei falsch positive Ergebnisse. Es gibt also mehr falsch positive Ergebnisse als tatsächlich positive. Der Anteil der falsch positiven Ergebnisse an allen Tests liegt bei zwei Prozent (2 von 100). Falsch negativ wird in diesem Szenario niemand getestet.  

Kalkulator 1 Prozent Vortestwahrscheinlichkeit
Eine Simulation mit dem Covid-19-Kalkulator des British Medical Journal. Von 100 getesteten Personen mit einer Vortestwahrscheinlichkeit von einem Prozent werden zwei falsch positiv getestet. (Screenshot: CORRECTIV)

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Die Beispiele zeigen: Kommt die Krankheit in der getesteten Gruppe kaum vor, sinkt die Wahrscheinlichkeit, bei einem positiven Testergebnis auch tatsächlich infiziert zu sein, extrem. 

Im ersten Beispiel bedeutet ein positiver Test, dass die Person mit 98 prozentiger Wahrscheinlichkeit auch tatsächlich infiziert ist. Im zweiten Beispiel liegt dieser Wert nur noch bei 33 Prozent. Rund 67 Prozent der positiven Testergebnisse (2 von 3) sind in diesem Fall falsch. 

Gesundheitsminister Spahn warnt vor millionenfachen Reihentestungen 

 Besonders kritisch wird das Problem der Vortestwahrscheinlichkeit, wenn massenhaft Gruppen mit geringer Prävalenz getestet werden. Wenn es also nicht mehr nur um 100, sondern um Millionen Menschen geht. Davor warnte auch Gesundheitsminister Jens Spahn am 14. Juni in der ARD im Nachbericht aus Berlin. Auf mögliche Reihentestungen angesprochen, sagte er: „Ich finde nur eins immer wichtig, wenn ich lese, wir müssten drei, vier oder fünf Millionen jetzt flächendeckend jeden Tag testen: […] Dadurch, dass wir […] die Zahlen so runtergebracht haben, haben wir im Moment eine Positiv-Testung von unter einem Prozent bei gleichbleibend konstanter Testzahl in den letzten Wochen. Und wir müssen jetzt aufpassen, dass wir nicht nachher durch zu umfangreiches Testen […] zu viel falsch Positive haben. Weil die Tests ja nicht 100 Prozent genau sind, sondern auch eine kleine, aber eben auch eine Fehlerquote haben.“

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Weiter sagte Spahn: „Wenn insgesamt das Infektionsgeschehen immer weiter runter geht und und Sie gleichzeitig das Testen auf Millionen ausweiten, dann haben Sie auf einmal viel mehr falsch Positive als tatsächlich Positive.“ 

Insgesamt zeigt sich, PCR-Tests auf SARS-CoV-2 sind in der Regel sehr genau. Pauschale Aussagen von Kritikern wie Claus Köhnlein oder Heiko Schöning wie „der PCR-Test hat eine Fehlerquote von 30 bis 50 Prozent“ sind demnach falsch. Doch die geringe Fehlerquote reicht schon aus, um zum Problem zu werden. Je geringer die Vortestwahrscheinlichkeit in der Bevölkerung ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Tests korrekte Ergebnisse liefern. Das kann dazu führen, dass mehr Menschen falsch positiv getestet werden, als tatsächlich erkrankt sind. Das gilt insbesondere, wenn die Erkrankung immer seltener wird und gleichzeitig immer breiter getestet wird, also zum Beispiel Reihentestungen von Fußballern stattfinden. 

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Seit die Corona-Krise Deutschland erreicht hat, verbreiten sich viele irreführende und falsche Behauptungen rund um Covid-19 im Netz. (Symbolfoto: Unsplash)

CORRECTIV.Faktencheck hat mehr als 1.800 Hinweise von Leserinnen und Lesern zu möglicher Desinformation über das Coronavirus ausgewertet. Die Analyse zeigt: Whatsapp ist der häufigste Verbreitungskanal für fragwürdige Informationen – und Youtube ist der Ort, an dem sie zu finden sind. Was tun die Konzerne dagegen?

Seit Wochen nimmt der Strom falscher und manipulativer Behauptungen zum Thema Covid-19 nicht ab. Verschiedene Akteure verbreiten Falschinformationen auf Plattformen wie Youtube oder Facebook. Eine Datenanalyse von CORRECTIV.Faktencheck zeigt nun: In der Corona-Krise ist Youtube die von Nutzern am häufigsten gemeldete Plattform für fragwürdige Informationen. Rund 46 Prozent der Links, die uns mit der Bitte um einen Faktencheck geschickt wurden, führen zu der Videoplattform. 

Gleichzeitig ist Whatsapp der wichtigste Verbreitungskanal: 34 Prozent der Nutzer gaben an, die mögliche Falschinformation dort erstmals gesehen zu haben. Man könnte sagen: Whatsapp ist die Autobahn für Coronavirus-Fakes, Youtube-Videos sind die Rennwagen.

So erhalten Falschinformationen innerhalb kürzester Zeit teils riesige Reichweiten. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW glauben 81 Prozent der Menschen in Deutschland, bereits im Internet auf Desinformation zum Coronavirus gestoßen zu sein. 

Die ausgewerteten Daten stammen aus dem CrowdNewsroom von CORRECTIV und sind nicht repräsentativ. Seit Mitte März konnten Leserinnen und Leser dort Inhalte einreichen, bei denen sie einen Faktencheck für nötig hielten. Mehr als 1.800 Meldungen haben wir insgesamt ausgewertet. Sie basieren auf subjektiven Einschätzungen von Nutzern, welche Informationen falsch sein könnten. Es handelt sich also nicht zwingend bei allen um Fakes. 

Was die Einreichungen jedoch sehr gut zeigen, ist, welche Beiträge zum Coronavirus die Menschen verunsichert oder ihr Misstrauen geweckt haben. Und auf welchen Wegen die Informationen sie erreichen. 

Die Plattform: Rund 46 Prozent der Links führen zu Youtube

Wirft man einen Blick darauf, welche Plattformen am häufigsten in unseren Daten auftauchen, wird die besondere Bedeutung von Youtube klar: Eine Analyse von mehr als 1.400 eingereichten Links im CrowdNewsroom zeigt, dass 45,8 Prozent zu Videos auf Youtube führen. 

Auf dem zweiten Platz liegen Webseiten mit 30,6 Prozent, gefolgt von Facebook mit 16,6 Prozent. Links zu Whatsapp sind nicht möglich, daher fällt der Messenger aus dieser Auswertung heraus. 

Die Grafik zeigt, woher die von Nutzern gemeldeten potenziell falschen Informationen stammten

Das heißt, mit Abstand am häufigsten haben uns Leserinnen und Leser Youtube-Videos als potenzielle Falschinformationen gemeldet. 

Der Verbreitungsweg: 34 Prozent geben an, die Information per Whatsapp erhalten zu haben

Auf die Frage, wo sie der Information zum ersten Mal begegnet sind, antworteten 34 Prozent der Nutzer Whatsapp. An zweiter Stelle folgt Facebook mit 28,8 Prozent. 14,2 Prozent der Nutzer gaben als Erstkontakt Youtube direkt an, 7,6 Prozent Webseiten.

Whatsapp ist der Weg, auf dem die meisten Menschen erstmals mit potenziell falschen Informationen in Berührung kommen – zum Beispiel, weil sie ihnen von Bekannten geschickt wurden. 

Die Grafik zeigt, auf welchem Weg Nutzer die Information erhalten haben

Whatsapp ist also der häufigste Verbreitungskanal für fragwürdige Informationen – und Youtube ist der Ort, an dem sie zu finden sind. 

Das Ergebnis unserer Datenanalyse spiegelt die große Bedeutung wider, die diese beiden Angebote auf dem Markt in Deutschland haben. Laut der ARD-ZDF-Onlinestudie (2019) nutzt 40 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens einmal wöchentlich Youtube. Besonders beliebt ist die Videoplattform bei jüngeren Internetnutzern: 82 Prozent der 14- bis 29-Jährigen besuchen sie mindestens einmal pro Woche.

Noch viel weiter verbreitet ist Whatsapp in Deutschland: 75 Prozent verwenden den Messenger 2019 mindestens wöchentlich. Bei den Menschen zwischen 14 und 49 Jahren sind es sogar mehr als 90 Prozent. Facebook wird von 31 Prozent aller Menschen mindestens wöchentlich genutzt. 

Falschinformationen zu Gesundheitsthemen sind eine Gefahr

Dass falsche Informationen zu Gesundheitsthemen in Sozialen Netzwerken verbreitet werden, ist nicht neu – die Corona-Krise hat das Problem jedoch verschärft. 

Falschmeldungen zu Covid-19 verbreiten sich international. Zum Beispiel wurden Whatsapp-Nachrichten mit der Behauptung, man solle immer seine Schuhe vor der Haustür ausziehen, weil das Coronavirus daran hafte, in Deutschland, Irland, und Kroatien verschickt. Und die falsche Behauptung, alle 15 Minuten einen Schluck Wasser zu trinken verhindere eine Infektion, kursierte auf Whatsapp in Deutschland und Spanien und auf Facebook in Litauen, Kroatien und den Philippinen

Zahlreiche Ärztinnen und Ärzte, darunter der Virologe Christian Drosten, haben kürzlich in einem offenen Brief von großen Tech-Konzernen gefordert, gegen die „Infodemie“ vorzugehen. Die Betreiber der Plattformen müssten „sofort und systematisch aktiv werden, um die Flut an medizinischen Fehlinformationen sowie die dadurch ausgelöste Gesundheitskrise zu stoppen“. Die Ärzte beziehen sich zum Beispiel auch auf Stimmungsmache gegen Masern-Impfungen.

„Sind Fake News einmal im Kopf eines Menschen, sind sie dort relativ stabil verankert“ 

Sabrina Heike Kessler vom Department of Communication and Media Research der Universität Zürich ist Kommunikationswissenschaftlerin und spezialisiert auf Wissenschaftskommunikation. Sie sagt: „Dass Menschen in Gesundheitsfragen an Fake News glauben, erklärt sich auch mit dem menschlichen Wunsch, gesund zu sein, zu bleiben oder werden zu wollen und der Angst vor Krankheit und Tod.“ Der Mensch sei beim Thema Gesundheit evolutionär darauf angelegt, sich auf das zu verlassen, was andere denken, empfehlen und tun. 

Das erkläre teils, weshalb sich Falschinformationen über Covid-19 so rasant verbreiten, erklärt Kessler gegenüber CORRECTIV. „Wirken die Informationen, die man über das Coronavirus liest auch noch plausibel und passen ins eigene Weltbild, werden sie direkt mental eingespeichert. Sind Fake News dann einmal im Kopf eines Menschen, sind sie dort relativ stabil verankert und nur sehr schwer wieder zu beseitigen.“ 

Was unternehmen die Tech-Konzerne?

Youtube, Whatsapp und Facebook sind angesichts dieser Probleme nicht untätig. Sie ergreifen bereits Maßnahmen, um die Verbreitung von Falschmeldungen einzudämmen.

So hat Whatsapp Anfang April die Weiterleitung von Nachrichten im Messengerdienst eingeschränkt; sie können jetzt nur noch an maximal fünf Chats verschickt werden. Außerdem können Nachrichten, die bereits zuvor fünfmal weitergeleitet wurden, nur noch an einen Chat gesendet werden. Auf Anfrage teilte Whatsapp uns mit, dies habe die Menge der stark weitergeleiteten Nachrichten um 70 Prozent reduziert. 

Whatsapp betont auch, man unterstütze die Arbeit von Faktencheckern weltweit und arbeite mit Behörden zusammen. Tatsächlich können Nutzer seit kurzem mit der WHO oder dem Bundesgesundheitsministerium zum Thema Covid-19 über einen Whatsapp-Chatbot kommunizieren. 

Der Facebook-Konzern, zu dem Whatsapp gehört, kooperiert bereits seit mehreren Jahren mit unabhängigen Faktencheckern wie CORRECTIV. Dadurch werden Menschen, die eine Falschinformation in dem Sozialen Netzwerk geteilt haben, auch rückwirkend informiert. Zudem gibt Facebook an, Beiträge über das Coronavirus auf Facebook und Instagram zu löschen, wenn sie eine „Gefahr für das körperliche Wohlergehen“ darstellen.   

Youtube: „Wir arbeiten mit Hochdruck“

Youtube hat bisher kein Faktencheck-Programm. Der Konzern entfernt Videos mit falschen medizinischen Informationen zu Covid-19. Youtube-Sprecher Georg Nolte teilte uns per E-Mail mit, dies seien zum Beispiel Videos, in denen behauptet wird, dass das Coronavirus nicht existiere. Oder die „medizinisch nicht fundierte Methoden“ zur Verhinderung einer Infektion empfehlen und Menschen davon abhalten, sich behandeln zu lassen. Außerdem würden Videos gelöscht, die „die Wirksamkeit der Leitlinien der WHO oder der jeweiligen Gesundheitsbehörde ausdrücklich bestreiten, was dazu führen könnte, dass Menschen gegen diese Leitlinien verstoßen“.

„Wir arbeiten mit Hochdruck, unsere User vor Fehlinformationen zu schützen und wollen sie mit verlässlichen und hilfreichen Nachrichten verbinden“, sagt Nolte. In Absprache mit dem Bundesgesundheitsministerium habe man unter den betreffenden Videos, auf der Homepage und in der Youtube-Suche Infoboxen installiert. „So wollen wir möglichst viele Menschen auf die Infopanels des BMG und seiner zugeordneten Institute aufmerksam machen. Wir haben so global gesehen bereits 14 Milliarden Impressionen auf den Infoseiten der verschiedenen Gesundheitsorganisationen erzeugt.“ 

Youtube zeigt tatsächlich seit einiger Zeit unter Videos zu Covid-19 in Deutschland einen Link zur Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) an. 

Doch ist das genug? Einige Videos werden nicht gelöscht, weil sie offenbar nicht den genannten Kriterien entsprechen. Sie enthalten meist sehr viel Meinung – und führen oft in die Irre. Ein Beispiel ist ein 30-minütiger Beitrag des Bloggers Ken Jebsen, in dem er mehrere falsche Behauptungen aufstellt und spekuliert, Bill Gates habe die Kontrolle über das Gesundheitswesen übernommen, um Zwangsimpfungen durchzuführen. Zahlreiche Leserinnen und Leser haben uns auf dieses Youtube-Video von KenFM hingewiesen, das inzwischen mehr als drei Millionen Aufrufe hat. 

Auch ein Videointerview mit Stefan Homburg, in dem er behauptet, der „Lockdown“ der Regierung sei unnötig und unwirksam gewesen, ist noch online. (In der Einleitung mahnt Moderatorin Milena Preradovic alle Zuschauer, sich bitte an die Corona-Regeln zu halten.) Nicht mehr auf Youtube zu finden ist dagegen zum Beispiel ein Video, das Aussagen eines italienischen Arztes zum Coronavirus in falschen Kontext stellte

Kettenbriefe auf Whatsapp oder Videos auf Youtube haben oft bereits extrem hohe Reichweiten erzielt, bevor die ersten Faktenchecks oder Medienberichte dazu veröffentlicht sind. Und der Hinweis von Youtube auf die BZGA, der auch unter dem Video von Ken Jebsen auftaucht, kann unter Umständen missverständlich wirken. Nutzer, die den Hintergrund nicht kennen, könnten ihn eher als Pluspunkt für die Seriosität der Behauptungen verstehen. 

Ken Jebsen
Der Hinweis auf die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung erscheint unter einem Video, in dem Ken Jebsen behauptet, Bill Gates habe die Kontrolle über das Gesundheitssystem übernommen, um Zwangsimpfungen durchzusetzen. (Screenshot: CORRECTIV)

Nach Einschätzung von Kommunikationswissenschaftlerin Kessler versucht Youtube zwar, gegen Falschmeldungen und Hetze anzugehen, aber: „Youtube wird immer nur den Fake-News-Verbreitenden hinterherlaufen können, wenn keine grundlegend neuen Maßnahmen ergriffen werden.“

Ein Problem sei auch, dass die großen Konzerne wenig Daten für wissenschaftliche Untersuchungen herausgeben. „Sowohl Youtube als auch Whatsapp sind für die sozialwissenschaftliche Forschung schwer zu untersuchen“, sagt Kessler. Niemand wisse genau, welches Ausmaß die Falschmeldungen zum Coronavirus dort annehmen. 

Ihrer Ansicht nach müssen die Konzerne mehr tun. Sie müssten „mehr Geld in die Hand nehmen, mehr Menschen anstellen, die Fake News aufspüren können, mehr mit unabhängigen Faktenprüfern kooperieren, und mehr mit der sozialwissenschaftlichen, unabhängigen Forschung zusammenarbeiten, um effektiv und adäquat gegen die Verbreitung von Fake News vorzugehen.“

Sonderauswertung: Das sind die fünf Youtube-Kanäle, die CORRECTIV am häufigsten gemeldet wurden

1. Schwindelambulanz Sinsheim / Dr. Bodo Schiffmann
Insgesamt 131 Mal reichten Leserinnen und Leser uns Videos von Bodo Schiffmann ein, einem Arzt, der eine Schwindelambulanz in Sinsheim betreibt. Er setzt sich gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung ein und hat kürzlich sogar eine Partei gegründet: „Widerstand2020“. Seit Wochen produziert Schiffmann wie am Fließband Beiträge zum Coronavirus. Seine Videos sind voller Spekulationen – das spiegelt sich in der Häufigkeit wider, mit der sie von Leserinnen und Lesern im CrowdNewsroom eingereicht wurden. 

2. eingeSCHENKt.tv 
73 Mal wurden Videos des Youtube-Kanals „eingeSCHENKt.tv“ gemeldet. Hinter dem Angebot mit 85.000 Abonnenten steht der Journalist Thomas Schenk; die Beiträge sind eher politischer als wissenschaftlicher Natur. Vor Corona wurden auf dem Kanal Videos mit Titeln wie „CO2 und Klima(lüge)?“ veröffentlicht, sowie Interviews mit Max Otte von der CDU-Werteunion oder dem rechten Youtuber Heiko Schrang. Aktuell berichtet der Kanal viel über die sogenannten Hygienedemos.

3. Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi
Sucharit Bhakdi ist ein ein emeritierter Professor für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Universität Mainz. 43 Mal wurden uns von Nutzern im CrowdNewsroom Links zu seinen Videos geschickt. Sein Youtube-Kanal wurde erst vor wenigen Wochen gegründet und hat rund 71.000 Abonnenten – seine Videos aber verbuchen teilweise ein bis zwei Millionen Aufrufe. 

4. KenFM
„KenFM“ ist der Youtube-Kanal des Bloggers Ken Jebsen mit 466.000 Abonnenten. In seinen Videos spielt er die Gefährlichkeit des Coronavirus generell herunter und vermutet hinter der Pandemie eine große Verschwörung, unter anderem von Bill Gates als Strippenzieher. Die Beiträge von „KenFM“ wurden 34 Mal im CrowdNewsroom eingeschickt.

5. PUNKT.Preradovic
33 Mal gemeldet wurden Videos von „PUNKT.Preradovic“, dem Youtube-Kanal der ehemaligen RTL-Moderatorin Milena Preradovic mit 37.000 Abonnenten. Sie interviewte unter anderem Sucharit Bhakdi, der behauptete, Impfungen gegen Corona seien „sinnlos“, den Wirtschaftswissenschaftler Stefan Homburg, der den „Lockdown“ als unnötig und überflüssig bezeichnete, oder den Arzt Wolfgang Wodarg, der die Gefährlichkeit des Coronavirus infrage stellte. 

Text: Alice Echtermann
Datenanalyse: Michel Penke, Max Donheiser
Grafik: Benjamin Schubert
Mitarbeit am CrowdNewsroom: Till Eckert, Bianca Hoffmann, Matthias Bau, Steffen Kutzner

Corona Demo 6
Wegen der Corona-Krise wurden das deutsche Infektionsschutzgesetz umgekrempelt und Grundrechte eingeschränkt. Ist unser Rechtsstaat in Gefahr? (Symbolbild: picture alliance / Daniel Kubirski)

von Lea Weinmann

In der Corona-Krise hat die Bundesregierung außergewöhnliche gesetzliche Maßnahmen ergriffen; das Parlament hat dem Gesundheitsministerium weitgehende Befugnisse zugesprochen. Während Einzelne den Untergang der Demokratie nahen sehen, bleiben Juristinnen und Juristen noch gelassen. Kritik äußern sie trotzdem.

Am 15. April 2020 gilt in ganz Deutschland ein umfassendes Kontaktverbot. Dennoch versammeln sich gegen Nachmittag etwa 150 Menschen vor der Heidelberger Polizeidirektion. Die Demonstranten rufen: „Wir sind das Volk!“, einzelne haben Banner dabei. Polizisten, die durch Megaphone auf die Menge einreden, werden ausgebuht. Handyvideos halten die Szenerie fest, kursieren kurz darauf im Internet und werden zehntausendfach aufgerufen.

Die Menschen sehen den Rechtsstaat in Deutschland in Gefahr. Sie demonstrieren aus Solidarität mit Beate Bahner, Anwältin für Medizinrecht aus Heidelberg. Die Anwältin, die am 8. April beim Bundesverfassungsgericht mit einem Eilantrag gegen die Corona-Rechtsverordnungen klagte, die sie als „staatszersetzenden Angriff“ bezeichnete und mit der „Errichtung eines diktatorischen Polizeistaates“ verglich.

Als sie wenige Tage später in eine Psychiatrie eingewiesen wurde, behauptete sie in einer angeblichen Sprachnachricht auf Youtube, dies sei wegen ihrer Kritik an den Maßnahmen der Regierung geschehen. Für etwa 150 Menschen ist das offensichtlich Grund genug, am 15. April spontan einen Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz in Kauf zu nehmen und vor der Polizeidirektion zu demonstrieren.

Tatsächlich wird gegen Bahner ermittelt – weil sie auf ihrer Webseite vor Ostern öffentlich zu Demonstrationen und damit zum Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen aufgerufen hatte. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft hatte ihre kurzzeitige Einweisung in eine Psychiatrie damit aber nichts zu tun. Vielmehr hielten die Beamten es wegen ihres Verhaltens „für erforderlich, medizinische Hilfe einzuholen“, heißt es in einer Polizeimeldung.

Beate Bahner ist ein besonderer, aber doch kein Einzelfall. Denn mit ihrer Kritik ist sie nicht allein.

Es wurden auch andere Stimmen laut, die aktuellen Corona-Verordnungen seien verfassungswidrig: Die Gewaltenteilung werde damit „beseitigt“, schrieb beispielsweise Olaf Margraf, nach eigenen Angaben ein Rechtsanwalt, auf Facebook und rief in einem Video indirekt zum Widerstand gegen die „Notstandsgesetze“ auf (ab Minute 07:00). Die Webseite Rubikon sprach gar von einem Gesetz „aus Hitlers Küche“.

Welche Gesetze wurden in der Corona-Krise verändert?

Das Ende des Rechtsstaats – ist da etwas dran? Dazu muss man sich ansehen, was sich seit der Corona-Krise rechtlich eigentlich geändert hat.

Am 27. März hat der Bundesrat einem Gesetz zugestimmt, das den langen Titel „Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ trägt. Damit wurden einige unterschiedliche Gesetze angepasst, im Wesentlichen geht es aber um das Infektionsschutzgesetz. In diesem sind insbesondere die Paragraphen 5 und 28 interessant.

Paragraph 5 wurde komplett neu eingeführt. Darin räumt der Bundestag dem Bundesgesundheitsministerium weitreichende Befugnisse ein, um selbst Rechtsverordnungen oder Allgemeinverfügungen zu erlassen. Dafür musste der Bundestag zuvor eine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ feststellen. Der Bundestag selbst ist es auch, der diese Lage wieder aufheben kann.

Die Gesetzgebungskompetenz wird teilweise abgetreten

Das Gesundheitsministerium kann mit diesen sogenannten Ermächtigungen – solange der epidemische Notstand herrscht – selbst Verordungen erlassen, und zwar ausdrücklich auch „ohne Zustimmung des Bundesrates“. Davon betroffen sind vor allem Bereiche im Gesundheitswesen, aber auch Regelungen zum grenzüberschreitenden Reiseverkehr.

Wichtig ist auch ein Blick auf Absatz 1, Paragraph 28 im Infektionsschutzgesetz: Dort wurde zwar kein umfangreicher Gesetzestext, sondern nur ein Halbsatz ergänzt. Der ist allerdings besonders wichtig, weil er unterm Strich die rechtliche Grundlage für Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren erst geschaffen hat.

Im ersten Teil des Absatzes steht weiterhin, dass die zuständige Behörde gegenüber Kranken oder Menschen, die andere anstecken könnten, „Schutzmaßnahmen“ ergreifen kann, um zu verhindern, dass sich eine Krankheit weiterverbreitet. Ergänzt wurde nun der Teil „[die zuständige Behörde] kann insbesondere Personen verpflichten, den Ort, an dem sie sich befinden, nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen zu verlassen oder von ihr bestimmte Orte oder öffentliche Orte nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen zu betreten“.

Sind die Änderungen wegen der Corona-Krise verfassungswidrig?

Im gleichen Absatz werden vier Grundrechte genannt, die zur Durchsetzung dieses Gesetzes eingeschränkt werden dürfen: die Freiheit der Person, die Versammlungsfreiheit, die Freizügigkeit und die Unverletzlichkeit der Wohnung.

Ist das schon der Beweis für die Verfassungswidrigkeit? Kurze Antwort: Nein.

„Ein Grundrechtseingriff ist nicht, weil es ein Grundrechtseingriff ist, per se rechtswidrig“, sagt Sigrid Wienhues, Fachanwältin für Verwaltungsrecht und Vorsitzende des Ausschusses für Verwaltungsrecht der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK). Maßgeblich sei vielmehr, dass der Eingriff gerechtfertigt sei.

Das zu definieren, ist nicht einfach. Wichtig ist laut der Juristin, dass die Maßnahmen geeignet, erforderlich und im Ergebnis angemessen seien. Weil auch das nicht wirklich konkret ist, gibt das Infektionsschutzgesetz den Verwaltungen einen Rahmen, in dem sie handeln können. „Damit nicht jeder vorher ein verfassungsrechtliches Seminar gehört haben muss“, sagt Wienhues.

Das Infektionsschutzgesetz sei ein „klassisches Gefahrenabwehrgesetz“, erklärt sie. Für Gefahrenabwehr sei in Deutschland die Verwaltung zuständig. Das heißt: Wenn Gefahr droht, muss sie reagieren können – und das möglichst schnell. Also reagierten die Verwaltungen: Auf Landesebene wurden im März überwiegend Corona-Rechtsverordnungen (beispielsweise die aktuell gültige in Nordrhein-Westfalen) erlassen. Auf Ebene der örtlichen Verwaltungen waren es Allgemeinverfügungen (beispielsweise für die Stadt Düsseldorf).

Verwaltungen dürfen nicht übers Ziel hinausschießen

Die meisten stützen sich auf das bundesweite Infektionsschutzgesetz, das Grundrechtseingriffe laut Wienhues „ausdrücklich vorsieht“. „Krise ist immer die Stunde der Exekutive“, sagt die Juristin.

Das heiße allerdings nicht, dass man übers Ziel hinausschießen dürfe.

Max Steinbeis ist da kritischer. Seit zehn Jahren betreibt der Jurist den Verfassungsblog, den er als eine Diskursplattform über aktuelle verfassungsrechtliche Themen im In- und Ausland beschreibt. „Was heißt hier eigentlich Stunde der Exekutive?“, fragt er im Gespräch mit CORRECTIV. „Krise ist mindestens ebenso die Stunde der Legislative und Judikative.“ Steinbeis ist der Meinung, dass viele der Freiheitsbeschränkungen, die in den Ländern verfügt worden sind, „einem kritischen Blick, mit welchem Schutzzweck das gerechtfertigt sein soll, im Nachhinein nicht standgehalten haben“.

Tatsächlich mehrten sich in den vergangenen Wochen die Berichte über Rechtsverordnungen, deren Inhalt teilweise wieder gelockert werden musste: Am 15. April kippte das Bundesverfassungsgericht im Eilverfahren das Verbot mehrerer Demonstrationen in Gießen. Versammlungen dürften wegen der geltenden Corona-Verordnungen nicht pauschal verboten werden, urteilten die Richter. Zwar bezog sich das Urteil nur auf die hessische Corona-Verordnung, es hatte aber eine Signalwirkung für alle anderen Bundesländer.

Das Oberverwaltungsgericht in Greifswald kassierte kurz vor Ostern Paragraph 4a in der Verordnung von Mecklenburg-Vorpommern, die es auch Einheimischen verbot, an die Küste oder in die Region Mecklenburgische Seenplatte zu fahren. Auch im Saarland, in Berlin und Bayern mischten sich Gerichte ein.

„Jetzt ist die Zeit, genau hinzuschauen“

Sigrid Wienhues hat sich über diese Urteile gefreut, sagt sie. Das zeige, dass die Gerichte weiter funktionierten. „Unsere Gerichte verstecken sich nicht und nehmen ihre Aufgabe zur Überprüfung der Verwaltung gerade sehr wohl wahr“, sagt sie.

Im Gespräch mit CORRECTIV mahnt die Verwaltungsrechtlerin immer wieder, dass jetzt durchaus die Zeit sei, genau hinzuschauen: „Es kann sehr wohl sein, dass einzelne Verwaltungen überreagieren oder sich im Ton vergreifen.” Auch der Zeitpunkt sei entscheidend: Regelungen, die vor wenigen Wochen getroffen wurden, müssten immer wieder überprüft werden: Ist die Gefahr noch genauso groß? Gibt es neue Erkenntnisse, dass die aktuellen Maßnahmen nichts bringen? Oder gibt es mildere Mittel, die den gleichen Effekt haben (Stichwort: Maskenpflicht statt Quarantäne für alle)?

Schwerpunkt: Coronavirus

Alle Faktenchecks, Hintergründe und Tipps, wie Sie Falschmeldungen besser erkennen.

ZUM SCHWERPUNKT

Neben der Kritik an den Verwaltungen heben auch Verfassungsexperten den Finger: Auf dem Blog von Max Steinbeis schneidet das neue Gesetz bei mehreren Verfassungsrechtlern eher schlecht ab. Der Vorwurf unter anderem: Der neue Paragraph 5 verschaffe dem Bundesgesundheitsministerium zu viele Kompetenzen. „Mit Art. 80 Abs. 1 GG ist das nicht zu vereinbaren“, schreibt etwa Christoph Möllers, Rechtswissenschaftler an der Humboldt-Universität zu Berlin. In Artikel 80 Grundgesetz ist festgelegt, dass „Inhalt, Zweck und Ausmaß“ einer erteilten Ermächtigung genau definiert werden müssen – und das leistet der neue Paragraph 5 nach Ansicht von Möllers nicht.

Auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags schrieb deshalb Anfang April, es verblieben „gewichtige Bedenken“ in Bezug auf den Paragraph 5.

Experte: „Großer Gegenalarm“ momentan nicht gerechtfertigt

Trotz aller Kritik finden sich unter den Experten nur sehr wenige, der in der Novelle tatsächlich eine massive Erosion des Rechtsstaats sieht. Vereinzelt gibt es Juristinnen wie Beate Bahner, die mit eben dieser Behauptung viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sigrid Wienhues ärgert sich darüber, dass manche damit „möglicherweise zusätzlich zur Verunsicherung beitragen“.

„Wir sind auch nur ein Durchschnitt der Gesellschaft“, sagt sie und meint damit die Berufsgruppe der Juristinnen und Juristen. „Vielleicht ist der ein oder die andere von uns etwas sprechfähiger, aber er oder sie hat damit nicht automatisch recht, mit dem, was er sagt. Es ist auch nur eine von vielen möglichen Meinungen.“

Auch Max Steinbeis hält den „großen Generalalarm“ im Moment nicht für gerechtfertigt. Er sehe keine Indizien für eine große Verschwörungstheorie. Dennoch warnt er davor, dass der Sicherheitsstaat sich die Gelegenheit, Machtbefugnisse auszubauen „womöglich nicht entgehen lassen will“. Umso wichtiger sei eine kritische Öffentlichkeit, die sich traue, Fragen zu stellen.

„Leute, lasst uns politisch bleiben!“

In diesem Punkt sind sich die beiden Juristen einig: „Leute, lasst uns politisch bleiben!“, fordert Sigrid Wienhues. Dazu gehöre auch der Streit darüber, was erforderlich ist. Wenn der nicht mehr möglich sei, würde sie anfangen, sich Sorgen zu machen.

Den Eilantrag von Beate Bahner gegen die Corona-Maßnahmen hat das Bundesverfassungsgericht nach nur zwei Tagen abgelehnt. Dasselbe Gericht gewährleistete es mit einer Entscheidung zur Versammlungsfreiheit am 17. April jedoch, dass auch in Stuttgart Demonstrationen stattfinden durften.

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Das Urteil ebnete den Weg dafür, dass an den Wochenenden Anfang Mai tausende Menschen auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart gegen die Corona-Maßnahmen demonstrieren konnten. Die Stadt hatte die erste Veranstaltung dieser Art zunächst verboten, nach der Entscheidung des Gerichts aber weitere Demonstrationen unter Auflagen zugelassen.

In Stuttgart demonstrieren Tausende für ihre Grundrechte

Bei der Demo „Querdenken“ am 9. Mai wurde einer der Demonstranten von einer Journalistin gefragt, ob er glaube, dass das Grundgesetz außer Kraft gesetzt sei (Minute 02:17). „Es gibt nichts zu glauben, sondern das ist so“, sagt er. „Die Bundesregierung hat das Grundgesetz außer Kraft gesetzt mit dem Infektionsschutzgesetz.“ Er hält dabei ein kleines Büchlein in der Hand. Es ist ein Grundgesetz – eines von vielen, die bei der Demo verteilt wurden. Das Gesetz, das es ihm ermöglichen wird, auch in der kommenden Woche wieder demonstrieren zu gehen.

Die nächste Demonstration ist bereits für den 16. Mai angemeldet.

Anmerkung 18. Mai: In einer früheren Version des Artikels stand, das Gesundheitsministerium werde mit dem Infektionsschutzgesetz dazu ermächtigt, selbst Gesetze zu erlassen. Es handelt sich aber nur um Verordnungen, nicht um Gesetze. Die Gesetzgebungskompetenz wird nicht an die Exekutive abgetreten. Wir haben das präzisiert.

Bodo Schiffmann und Widerstand2020
Der Arzt Bodo Schiffmann ist einer der Gründer der neuen Partei „Widerstand2020“. (Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV)

von Bianca Hoffmann

Der Arzt Bodo Schiffmann sieht sich an der Speerspitze einer Bewegung gegen die Corona-Maßnahmen. In einer Hinsicht hebt er sich von den anderen „Gegenexperten“ ab: Es drängt ihn in die Politik. Dafür gründet er eine Partei: „Widerstand2020“. Wer ist dieser Mann?

Auf dem Youtube-Kanal „Schwindelambulanz Sinsheim“ mit inzwischen etwa 133.000 Abonnenten berichtet der Arzt Bodo Schiffmann täglich über angebliche Fakten zum Coronavirus SARS-CoV-2. Das ist gefährlich, wie eine Analyse seiner Videos und der Kommentare seiner Follower zeigt: Er bietet seinen Zuschauern dadurch eine Projektionsfläche für deren Unmut und das fehlende Vertrauen in die demokratischen Institutionen. 

In Interviews vergleicht Schiffmann unter anderem die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie mit dem Ermächtigungsgesetz, das Adolf Hitler 1933 in die Diktatur gehoben hat. Wie kam es zu all dem?

Bodo Schiffmann ist Inhaber einer, wie er sagt, gut laufenden Spezialambulanz im badischen Sinsheim. Hier empfängt er Patienten, die an Schwindel- oder Gleichgewichtserkrankungen leiden. Und sie scheinen den Arzt gern aufzusuchen. Die Durchschnittsbewertung liegt auf dem Portal Jameda (nach Schulnoten) bei 1,2. Und auch die Bewertungen bei Google zeichnen ein ähnliches Bild. Auf der Homepage von Schiffmann gibt es zudem das Gütesiegel „Top Mediziner“ der Verbraucherzeitschrift Guter Rat

Bodo Schiffmann in einem seiner Videos. (Quelle: Youtube/Schwindelambulanz Sinsheim, Screenshot: CORRECTIV)

Über SARS-CoV-2 weiß er zu Beginn der Pandemie allerdings genauso viel wie wir alle, die keine Virologen sind; nämlich wenig. In seinen mittlerweile täglich erscheinenden Videos über das Coronavirus vermittelt er aber einen ganz anderen Eindruck. Schiffmann inszeniert sich als „Gegenexperte“ mit einer klaren Botschaft an Christian Drosten, das Robert-Koch-Institut und die Bundesregierung: Es gebe keinen wissenschaftlichen Halt mehr für die Maßnahmen.

In einigen Städten, darunter Stuttgart und Berlin gehen deswegen derzeit Menschen auf die Straße, um gegen die Maßnahmen der Regierung gegen das Coronavirus zu protestieren. Bei den sogenannten Hygienedemos kommen besorgte Bürger, Hippies, Esoteriker, Linke, Rechte, Mediziner jeden Samstag zusammen. Beeinflusst werden die Proteste von einigen wenigen. Einer davon ist Bodo Schiffmann.

Damit seine Inhalte ein größeres Publikum erreichen, hat er sich mit bekannten Gesichtern der alternativen Medienszene zusammengetan. Ob diese rechts, links oder islamkritisch sind? Im Gespräch mit CORRECTIV macht Schiffmann klar, dass es ihm mittlerweile egal ist, wo man ihn hinstecken will.

Erstes Video sollte Mitarbeitern und Patienten gegen die Angst helfen

Vor sechs Wochen fängt alles recht harmlos an. „Ein objektiver Blick auf Corona – mal ohne Panik“ – das ist der Titel des ersten Videos zu SARS-CoV-2, das der HNO-Arzt auf seinem Youtube-Kanal veröffentlicht. Patienten und Mitarbeiter hätten ihn zum neuartigen Coronavirus befragt, erklärt er. Jetzt wolle er helfen. 

In dem Video vom 14. März ist eine Art Präsentation zu sehen. Schiffmann selbst ist unten rechts in der Ecke eingeblendet. Die von ihm gezeigten Folien suggerieren seinen Zuschauern: Informiert euch selbst, und zwar am besten anhand der Daten des Robert-Koch-Institutes, des Statistischen Bundesamtes oder auch der Johns Hopkins Universität. Er kritisiert die „Panikmache“ durch die Presse und rät, ruhig zu bleiben.

Außerdem äußert der Arzt massive Kritik an der deutschen Gesundheitspolitik, die seiner Meinung nach veraltete Notfallpläne vorhalte. Das erste Video zum Coronavirus endet mit den Worten: „Ich verspreche, ich werde mich hier jetzt nicht mehr zu diesem Thema äußern.“

Normalerweise erscheinen auf dem Youtube-Kanal der „Schwindelambulanz“ Erklärvideos zum Thema Schwindel, Schiffmanns Fachgebiet. Das älteste Video ist im Dezember 2013 hochgeladen worden. Darin erklärt Schiffmann anhand einer Puppe Übungen gegen Lagerungsschwindel. Es hat in sechs Jahren etwas mehr als 42.000 Abrufe erhalten. Die meisten der Videos auf dem Kanal haben weniger als 10.000 Abrufe. So bleibt es, jahrelang. Noch in der Woche vom 14. März hat die „Schwindelambulanz“ laut Analysetool Socialblade 766 Abonnenten. 

Sechs Wochen später, am 5. Mai sind es mehr als 133.000. Schiffman hat sein Versprechen, keine Videos mehr über Corona zu machen, nicht gehalten.

Zuschauer bezeichnen Schiffmann als „Verharmloser“ – er will, dass man ihm zuhört

Dabei seien die Reaktionen auf die ersten Videos durchmischt gewesen, erklärt Schiffmann gegenüber CORRECTIV. Die Kommentatoren hätten ihn als „Verharmloser“ bezeichnet. Das lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen, da die Kommentare in besagten Videos abgeschaltet wurden. Der HNO-Arzt betont, dass er seine Einschätzung aus der eigenen Erfahrung und der Entwicklung der Zahlen aus Wuhan ableitet. Noch dazu sieht er das deutsche Gesundheitswesen nicht in Gefahr. 

Dass seine Einschätzung aber nicht wirklich gefragt zu sein scheint, wurmt Schiffmann offensichtlich. Im Gespräch betont er immer wieder, dass er bislang ja keine Interviewanfragen der öffentlich-rechtlichen Medien erhalten habe. Und das, obwohl seine Zuschauer ihn dort sogar empfohlen hätten. 

Sein Verhältnis zu Medien ist allerdings problematisch. Am Donnerstag, den 30. April, gab Bodo Schiffmann CORRECTIV ein Interview, das in beiderseitigem Einverständnis aufgezeichnet wurde. Der Arzt bat im Anschluss, die Zitate autorisieren zu dürfen – gestattete dann allerdings nicht, sie zu veröffentlichen. In diesem Text werden deswegen nur paraphrasierte Inhalte aus dem Interview verwendet.  

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In einem seiner Videos fordert Schiffmann den Virologen Christian Drosten dazu auf, ihm auf eine Anfrage zu antworten. Außerdem solle die Bundesregierung doch einfach seinen Kanal abonnieren und anschließend ihre „Fehler zugeben“. 

Er wendet sich denen zu, die hören wollen, was der selbsternannte Experte zu sagen hat. Und das sind Interviewanfragen, die er anfangs noch abgesagt habe – aus dem Spektrum der alternativen Medien. Sein Bild über Ken.fm und Rubikon habe sich durch den persönlichen Kontakt geändert, sagt er uns im Gespräch. Er empfinde sie jetzt eher als „mitte-links“ und als „Querdenker“. 

Schiffmanns Videos sind oft irreführend 

Die Videos von Bodo Schiffmann beginnen immer gleich. Etwa die erste Hälfte nimmt eine Art Disclaimer und Eigenwerbung ein. Der Disclaimer hat sich im Laufe der Zeit verändert, eines bleibt gleich; Schiffmann wisse, dass SARS-CoV-2 ein gefährliches Virus ist – allerdings seien auch Grippeviren gefährlich. Warum dieser Vergleich hinkt, haben wir bereits in mehreren Faktenchecks dargestellt, zum Beispiel hier und hier

Zu Beginn eines jeden Videos behauptet Schiffmann außerdem, er sei immer kritisch und um Objektivität bemüht. Er rät seinen Zuschauern, sich an die behördlichen Vorgaben zu halten und bekräftigt, dass es sich bei den Informationen in den Videos um seine persönliche Meinung handele. 

Allerdings finden sich in seinen Videos immer wieder Falschinformationen. Drei Beispiele aus nur einem Video: In „Corona 40“ berichtet Bodo Schiffmann über die sogenannte „Hygienedemo“ am 1. Mai in Berlin, in deren Zuge der Organisator Anselm Lenz festgenommen wurde. Dieser sei von einem unverhältnismäßig großen Aufgebot an Polizei aus dem Taxi gezogen worden, weiß Schiffmann zu berichten. Dass er dabei Kontext auslässt, bemerken selbst seine Zuschauer. In mehreren Kommentaren ist dort zu lesen, dass Lenz wohl nicht ganz unschuldig an seiner Festnahme gewesen sei. Auch Medien berichteten, dass Lenz einige Polizisten mit Zeitungen beworfen habe.

Kommentar unter dem Video „Corona 40“ von Bodo Schiffmann. (Screenshot: CORRECTIV)

Im gleichen Video wirft Schiffmann einen Blick auf die Zahlen des Robert-Koch-Institutes. Er zeigt einen Screenshot des Dashboards vom RKI. Dann berichtet er, wie viele Menschen bereits an Covid-19 gestorben seien und zweifelt daran, ob diese mit oder an der Krankheit gestorben seien. Erste Obduktionsberichte aus Hamburg zeigen, dass die meisten der Covid-19-Toten dort tatsächlich am Virus gestorben sind.  

Anschließend betont Schiffmann, dass auch Covid-19-Todesfälle von Menschen, die gewaltsam ums Leben gekommen sind, in der Statistik gezählt werden. Unser Faktencheck hat ergeben: Das stimmt, spielt in der Statistik aber eine untergeordnete Rolle. Durch die Betonung im Video entsteht allerdings der Eindruck, das betreffe einen Großteil der Verstorbenen. 

Der HNO-Arzt stellt teilweise falsche Behauptungen auf. Dadurch nimmt er billigend in Kauf, dass seine Zuschauer das Vertrauen in Institutionen wie das Robert-Koch-Institut verlieren. Besonders deutlich wird das durch einen Blick in die Nutzerkommentare bei Youtube:

Nutzer-Kommentar unter einem Video auf dem Kanal von Bodo Schiffmann, in dem es um den versuchten Suizid einer jungen Frau geht. (Screenshot: CORRECTIV)
Weiterer Nutzer-Kommentar unter dem Video von Bodo Schiffmann. (Screenshot: CORRECTIV)

Die WHO sprach in diesem Zusammenhang schon im Februar von einer „massiven Infodemie“, bei der Falschmeldungen verbreitet würde. Nun sind in den Videos von Bodo Schiffmann aber nicht alle Behauptungen falsch. Er appelliert zudem immer wieder an seine Zuschauer, sie mögen doch bitte selbst die Fakten überprüfen. Durch seine medizinische Tätigkeit erweckt er zudem den Eindruck von Seriosität.

Der Arzt wird somit zu einem der wichtigsten Gesichter der Corona-Gegner. 

Die „Beschneidung der Grundrechte“ ist sein Lieblingsthema

Ein zentrales Thema in Schiffmanns Videos ist der „Lockdown“ in Deutschland – also die Kontaktbeschränkungen. In „Corona 40“ und vielen Videos zuvor wettert er gegen die Beschneidung von Grund- und Freiheitsrechten. Sein Credo: Das Infektionsschutzgesetz alleine hätte ausgereicht, um die Pandemie in den Griff zu kriegen. Das Gesundheitssystem in Deutschland sei stabil genug, um das Coronavirus auszuhalten. „Unter dem Deckmantel der Corona-Aktivität […] sind Gesetze erlassen worden, die man nicht hätte erlassen müssen, es sind Grundrechte gebrochen worden“, sagt er in einem Interview mit NuoViso.

Außerdem sei die Meinungsfreiheit beschnitten worden, indem kontrolliert werde, was auf Whatsapp, Facebook oder Youtube veröffentlicht wurde. 

Mit diesem Vorwurf bezieht sich Schiffmann unter anderem auf die Arbeit von CORRECTIV.Faktencheck, dem er in einem Video vorwirft, als „Meinungspolizei“ Artikel auf Facebook zu zensieren

Video gelöscht – der Wendepunkt für Bodo Schiffmann 

Auf Youtube werden seine Videos offenbar von Usern gemeldet: Das Video „Corona 11“ war sogar zeitweise komplett von der Plattform gelöscht worden. Darin beschäftigt er sich mit einem Papier des Deutschen Institutes für Katastrophenmedizin, das ihm angeblich zugespielt wurde. Darin wurde wohl über das Triage-Verfahren in Frankreich berichtet, demzufolge nach Alter entschieden werde, wer beatmet wird und wer nicht. Darüber hinaus würde bei Menschen, die nicht beatmet werden, angeblich Sterbebegleitung durch Opiate und Schlafmittel empfohlen.  

Verschiedene Medien griffen den Inhalt des Dokumentes auf, zum Beispiel hier und hier. Inzwischen gibt es laut einem Bericht des SWR allerdings erhebliche Zweifel daran. 

Die Löschung seines Videos war ein Wendepunkt für Schiffmann. „Und das hat mir starke Angst gemacht“, sagt er im Interview mit NuoViso. Er habe damit gerechnet, aufgrund des Inhaltes Post vom Anwalt zu bekommen oder ähnliches, aber nicht damit. 

CORRECTIV hat bei Youtube nachgefragt, warum das Video gelöscht wurde. Die Antwort: „Manchmal treffen unsere Systeme eine falsche Entscheidung. Wenn wir darauf hingewiesen werden, wird das Video wieder aktiviert. Was bereits geschehen ist.“ Schiffmanns Video ist wieder abrufbar. 

Es sind solche rhetorische Spitzfindigkeiten, mit denen Schiffmann bewusst versucht, Zweifel zu säen: Er, der Wissenschaftler, der an keine Verschwörungstheorien glaube, werde plötzlich selbst das Ziel von Zensur. 

Videos decken sich nicht immer mit den Community-Standards von Youtube

Aber nicht alles, was Schiffmann auf seinem Youtube-Kanal verbreitet, ist von den Community-Standards gedeckt. „Wir nehmen den Kampf gegen jedwede Form problematischer Inhalte sehr ernst und entfernen schon seit vielen Jahren alle Inhalte, die gegen unsere Produktrichtlinien verstoßen. Zum Beispiel erlauben wir keine Anstiftung zu Gewalt, Belästigung oder Hassrede“, schreibt Youtube per E-Mail an CORRECTIV. 

Die Standards kamen beispielsweise bei einem Video zum Tragen, in dem Schiffmann den Brief einer Mutter vorliest, deren Tochter sich das Leben nehmen wollte, angeblich, weil sie Angst hatte, sich mit Covid-19 anzustecken. Immerhin blendet Schiffmann dazu einen Hinweis ein, an wen sich seine Zuschauer wenden sollten, wenn sie Suizidgedanken haben. Das Video wurde dennoch von Youtube mit einem Warnhinweis versehen.

Dieses Video können sich Nutzer erst ansehen, wenn sie diesen Hinweis gelesen haben. (Screenshot: CORRECTIV)

Eine neue Partei soll her: „Widerstand2020“

Der Arzt sucht nach anderen Wegen, um seinen Unmut zu teilen. Einer davon ist die „Querdenkerbommel“. 

Die Bastelanleitung dafür präsentiert Schiffmann zu Ostern: Ein Ball aus Aluminiumfolie, der an einem Band baumelt. Diese soll als „tägliche, legale, nicht anmeldungspflichtige Demonstration für Mitdenker, nicht Mitläufer“ dienen, um mit anderen ins Gespräch zu kommen. Auf den sogenannten Hygienedemos gelte die Bommel inzwischen als Uniform, erklärt uns Bodo Schiffmann. Wie Fotos zeigen, wird sie bereits von einigen getragen.

Querdenkerbommel auf der Hygienedemo am 2. Mai
Querdenkerbommel auf der Hygienedemo am 2. Mai in München. (Foto: picture alliance/ZUMA Press)

Es bleibt aber nicht bei einem Accessoire aus Alufolie. Kurz nach Ostern stellt Schiffmann im Video „Corona 26“ vom 15. April den Vorschlag in den Raum, eine Partei zu gründen. Er glaube nicht mehr, „dass man von außen etwas bewirkt.“ Das Video hat etwas mehr als 200.000 Aufrufe und knapp 3.000 Kommentare. 

In einem anderen Video versucht er, mit seinen Ideen bei einer der existierenden Parteien in Deutschland aufgenommen zu werden. „Wenn Sie eine Partei haben und der Meinung sind, dass ich diese unterstützen könnte, dann bitte ich darum, dass man sich mit mir in Verbindung setzt. Bitte jemand, der was zu sagen hat, also keine kleinen Ortsverbände, sondern dann den Parteivorsitzenden.“ 

Darauf hätten sich angeblich Parteien gemeldet wie die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) oder die „Neue Mitte“, erklärt Schiffmann gegenüber CORRECTIV. Mit denen habe er Videokonferenzen gehabt, man habe aber nicht zusammengefunden. 

Dann habe Schiffmann die Unternehmerin Victoria Hamm in einer Zoom-Konferenz kennengelernt. Dazugestoßen sei der Rechtsanwalt Ralf Ludwig, der die Facebook-Gruppe „Corona-Pandemie fällt heute aus“ mit mehr als 28.000 Mitgliedern betreut. Unter den dreien habe die Chemie gestimmt – sie gründeten selbst eine Partei: „Widerstand2020“.

Ziel der Partei: Alles soll so werden, wie es vor dem „Lockdown“ war 

Immer wieder versucht Schiffmann im Gespräch mit CORRECTIV, den Fokus auf seine Partei zu lenken. Diese habe in nur wenigen Wochen Erstaunliches vollbracht. Sie zähle mittlerweile mehr als 100.000 Mitglieder, wird auf der Webseite behauptet

Die Facebook-Seite der neuen Partei hat fast 25.000 „Gefällt mir“-Klicks. Man positioniere sich weder rechts, noch links und wolle als „Mitmachpartei“ funktionieren, heißt es. 

Was soll diese Partei also bewirken? Es soll alles wieder so werden, wie es vor dem „Shutdown“ war, betont Schiffmann mehrfach. Aber eben doch nicht ganz genauso: Die Grundrechte sollten überarbeitet werden und auch in Krisenzeiten geschützt sein. Das Ganze nennt sich laut Schiffmann dann „Machtbegrenzung“. „Widerstand2020“ arbeite darüber hinaus an basisdemokratischen Ideen. Jeder solle digital daran mitarbeiten können. Auf diesem Wege entstehe auch gerade das Parteiprogramm. 

Bodo Schiffmanns Vision: Politik solle nicht wie bislang von gewählten Stellvertretern gemacht, sondern von der gesamten Bevölkerung. Als Beispiel dafür solle die Schweiz dienen. 

Ob die Anzahl der Mitglieder, die „Widerstand2020“ angibt, tatsächlich stimmt, ist nicht nachvollziehbar. In den Sozialen Netzwerken wird sie massiv angezweifelt. So wurde ein Hahn namens „Blacky“ angeblich von seinem Besitzer bei der Partei angemeldet – ausgerechnet von einem hochrangigen Mitglied der AfD

Coronavirus Symbolbild
Rund um das Thema Covid-19 tauchen im Netz immer wieder ähnliche Behauptungen auf. Viele Menschen sind deshalb verunsichert. (Foto: Ivo Mayr / CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Ist das Virus eine Biowaffe? Sterben aktuell gar nicht mehr Menschen als normalerweise? Helfen Vitamine, Covid-19 zu heilen? Diesen Fragen begegnen wir bei unserer Arbeit immer wieder, meist in Form von irreführenden Behauptungen. Eine Zusammenstellung.

Bestimmte Narrative tauchen rund um die Pandemie durch das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 immer wieder auf. Viele von ihnen erreichen in Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Youtube ein riesiges Publikum, halten aber einem Faktencheck nicht Stand: Sie sind irreführend. Hier fassen wir die häufigsten Behauptungen, Gerüchte und Theorien als Fragen zusammen – und antworten mit den Ergebnissen unserer Recherchen. 

Hinweis: Dieser Text gibt den Stand vom 23. April 2020 wieder.  

1. Ist das neuartige Coronavirus aus einem Forschungslabor „entwischt“?

Was oder wo genau die Quelle des Ausbruchs war, ist noch unklar. Es gibt Hinweise auf einen Markt mit exotischen Tieren in Wuhan, zu dem einer Studie aus China zufolge sehr viele der ersten Infizierten Kontakt hatten (27 von 41). Allerdings ist nicht gesichert, dass das Virus wirklich dort erstmals auf Menschen übertragen wurde. Zum Beispiel hatte der erste bekannte Fall am 1. Dezember 2019 offenbar keine Verbindung zu dem Markt, wie wir in unserem Faktencheck im Januar erläutert haben.

Eine andere Theorie, die deshalb immer noch kursiert, für die es aber bisher keine Belege gibt, ist, dass das Virus versehentlich aus einem Forschungslabor freigesetzt wurde. Aktuell wurde die Debatte befeuert durch eine Enthüllung der Washington Post: Mitglieder der US-Botschaft in Peking hätten demnach vor zwei Jahren, im Januar 2018, eine Forschungseinrichtung in Wuhan besucht und anschließend über Sicherheitsmängel in dem Institut für Virologie berichtet.  

2. Ist das neuartige Coronavirus absichtlich manipuliert worden oder gar eine Biowaffe?

Diese Verschwörungstheorie hält sich hartnäckig, obwohl bereits im Februar zahlreiche Wissenschaftler betonten, alles deute auf einen natürlichen Ursprung des Virus hin. Autoren einer neueren Studie im wissenschaftlichen Journal Nature kommen nach einer genetischen Analyse des Coronavirus ebenfalls zu dem Schluss: „SARS-CoV-2 ist kein Labor-Konstrukt oder absichtlich manipuliertes Virus.“ 

Ein „starker Beleg“ dafür sei, dass die Interaktion des Virus mit den menschlichen ACE2-Rezeptoren „nicht ideal“ sei. Dies deute darauf hin, dass es durch „natürliche Auslese“, also Evolution zustande kam. Plausibel sind laut den Wissenschaftlern zwei Szenarien – entweder sei die Veränderung des Virus in einem tierischen Wirt vor der Übertragung auf den Menschen geschehen, oder erst danach, also im Menschen selbst. Im ersten Szenario sei es wahrscheinlich, dass Fledermäuse als „Reservoir“ des Virus dienten. Doch auch bei Schuppentieren (pangolins) kämen Coronaviren vor, die SARS-CoV-2 sehr ähnlich seien. 

Auch die Möglichkeit einer „versehentlichen Laborfreigabe“ wird von den Wissenschaftlern analysiert (siehe Frage 1). Es sei theoretisch auch möglich, dass sich SARS-CoV-2 in Zellkulturen verändert habe, schreiben sie. Diese Theorie könne mit ihrer Forschung zwar nicht widerlegt werden – man halte sie jedoch für unplausibel. 

3. Wussten Behörden, andere Organisationen oder Bill Gates schon vorher von diesem Coronavirus?

Verbreitet ist seit Wochen eine Behauptung, die im Grunde eine Verschwörungstheorie ist: Die Bundesregierung, andere Institutionen, Bill Gates oder Drehbuchautoren hätten schon vorher von der aktuellen Pandemie gewusst; sie sei sogar geplant gewesen. 

Als angeblicher Beleg wird immer eine Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz herangezogen, die 2013 dem Bundestag vorgelegt wurde. Der angebliche „Geheimplan“ ist öffentlich einsehbar. In unserem Faktencheck haben wir erklärt, was es damit auf sich hatte: Es wurde das Szenario einer Pandemie durch ein hypothetisches Coronavirus namens „Modi-SARS“ durchgespielt, um zu analysieren, ob Deutschland darauf vorbereitet wäre. Ähnlichkeiten zu der heutigen Pandemie sind vorhanden, aus einem einfachen Grund: Es gab ein reales Vorbild. Bereits 2003 wurde das SARS-Coronavirus (SARS-CoV) entdeckt. 

Es diente offenbar auch als Inspiration für das Drehbuch der koreanischen TV-Serie „My Secret, Terrius“ 2018, in dem ein mutiertes Coronavirus vorkommt. Diese Serie war ebensowenig eine Vorhersage der Pandemie wie die Übung „Event 201“, die im Oktober 2019 stattfand und an der unter anderem die „Bill & Melinda Gates“-Stiftung teilnahm. (Bill Gates hat übrigens auch kein Patent auf das neuartige Coronavirus.) Wer darin oder in der Tatsache, dass auf einigen alten Desinfektionsmittel-Flaschen auch der Begriff „Coronavirus“ auftaucht, eine Verschwörung wittert, muss enttäuscht werden. 

Die Erklärung ist simpel: Es gibt viele verschiedene Coronaviren, die seit Jahrzehnten bekannt sind. Es tauchten in der Vergangenheit bereits Erreger auf, die von Mensch zu Mensch übertragen wurden. Vor diesem Hintergrund wurde öfter vor einer möglichen Pandemie durch ein neues Coronavirus gewarnt.   

4. Gibt es Mittel, die Covid-19 heilen oder die Krankheit verhindern?

Es gibt bisher kein Heilmittel für die Lungenkrankheit Covid-19 und keinen Impfstoff. In verschiedenen Ländern werden unterschiedliche Medikamente getestet. Teilweise handelt es sich um Mittel, die eigentlich gegen andere Krankheiten eingesetzt werden. Bisher ist eine Wirksamkeit gegen Covid-19 bei keinem Medikament bestätigt, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mitteilt

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
Auszug der Webseite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, Stand 23. April 2020. (Screenshot: CORRECTIV)

Es werden jedoch immer wieder andere Stoffe ins Gespräch gebracht, die angeblich helfen sollen. Manche dieser Versprechen, zum Beispiel über die Einnahme von Chlordioxid, können gefährlich sein. Oft ist auch die Rede von Vitamin C oder Vitamin D. Hierbei gibt es einen schmalen Grat: Der Mensch braucht Vitamine und eine ausreichende Versorgung damit ist sicherlich gut. In einer Überdosierung kann jedoch auch Vitamin D gesundheitsschädlich werden. Und Versprechen, dass Vitamine eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus verhindern oder gar heilen könnten, führen in die Irre. 

In unseren Faktenchecks gehen wir ausführlicher auf Vitamin C und Vitamin D ein.

5. Machen bestimmte Medikamente die Krankheit schlimmer?

In mehreren europäischen Ländern kursierte im März die Meldung, das Schmerzmittel Ibuprofen könnte eine Infektion mit dem Coronavirus verschlimmern. Dafür gab es keine wissenschaftlichen Belege, wie unser Faktencheck zeigte. 

Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte wird aktuell geprüft, ob „von der Einnahme sogenannter nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) im Falle einer Erkrankung mit dem Coronavirus abgeraten“ werden sollte. Zu dieser Gruppe zählten neben Ibuprofen auch Aspirin und Diclofenac. „Die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) sieht gegenwärtig keine Evidenz für die Verschlechterung des Krankheitsverlaufs von COVID-19 (…).“ Ibuprofen könne also weiter eingenommen werden, in niedrigen Dosen und über einen möglichst kurzen Zeitraum. Alternativen wie Paracetamol sollten in Betracht gezogen werden. 

Auch über sogenannte ACE-Hemmer – Medikamente, die zur Senkung des Blutdrucks eingesetzt werden – wird diskutiert, ob sie eine Auswirkung haben können. Das Bundesinstitut schreibt dazu: „Diese Zusammenhänge sind theoretischer Natur, wobei einige auf ein Komplikationsrisiko und andere auf eine schützende Wirkung dieser Medikamente hinweisen. Derzeit gibt es keine wissenschaftlichen Beweise, die beide Behauptungen stützen.“ Patienten sollten diese Medikamente auf keinen Fall eigenmächtig absetzen. 

6. Sind die Todeszahlen im Vergleich zu denen durch die saisonale Grippe (Influenza) harmlos?

Die Todeszahlen durch Covid-19 und Influenza sind aktuell nicht vergleichbar. Die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus infizierten und gestorbenen Menschen wird aktuell an das Robert-Koch-Institut gemeldet. Am 22. April waren das 4.879 Fälle. 

Die Zahl der Grippetoten wird dagegen jede Saison statistisch geschätzt. In unserem Faktencheck haben wir erklärt, dass die Grundlage hierfür die sogenannte Exzess-Mortalität oder Übersterblichkeit ist. Experten beobachten dabei, wie viele Menschen in der Grippesaison im Vergleich zu den übrigen Monaten im Jahr sterben. Sollte es in der Zeit einen „Mortalitätsanstieg“ geben, werden diese zusätzlichen Todesfälle der Influenza zugeordnet. 

In der besonders schweren Grippesaison 2017/18 gab es demnach schätzungsweise 25.000 Todesfälle, erklärt das RKI. Tatsächlich gemeldet wurden damals 1.674 Todesfälle „mit laborbestätigter Influenza“. 

7. Sterben aktuell gar nicht mehr Menschen als normalerweise?

Dazu lässt sich für ganz Europa oder Deutschland aktuell noch keine Aussage treffen. Zu einer Übersterblichkeit in Deutschland (siehe Frage 6) gibt es bisher keine Daten. Das Statistische Bundesamt hat am 17. April eine Auswertung der täglichen Sterbezahlen in Deutschland seit Januar 2020 veröffentlicht – allerdings geben diese Zahlen bisher nur die Entwicklung bis zum 15. März wieder. Am 15. März gab es in Deutschland laut Robert-Koch-Institut erst 12 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Wie sich die Todeszahlen entwickeln, werden die Auswertungen in Zukunft zeigen. In unserem Faktencheck gehen wir genauer auf das Thema der Übersterblichkeit ein.

In anderen Ländern lassen sich bereits Trends beobachten. In Italien gab es laut dem italienischen Gesundheitsministerium seit Anfang März einen deutlichen Anstieg der durchschnittlichen Mortalität, insbesondere im Norden des Landes und besonders stark bei Menschen über 85 Jahren. Auch die Autoren einer am 20. April als Preprint veröffentlichten Studie von US-amerikanischen Wissenschaftlern kommt zu dem Schluss, dass die Mortalität in Italien gestiegen ist. 

Übersterblichkeit in Italien
Auswertung der Gesamtmortalität (durchschnittliche Sterblichkeit) in Norditalien sowie Mittel- und Süditalien von Oktober 2019 bis April 2020. (Quelle: Ministero della Salute, Screenshot: CORRECTIV)

Für England und Wales hat zudem das Office of National Statistics kürzlich Zahlen veröffentlicht, die einen Anstieg der wöchentlichen Todesfälle im Vergleich zum Fünf-Jahres-Durchschnitt aufweisen.

Übersterblichkeit in England und Wales
Auswertung der pro Woche registrierten Sterbefälle in England und Wales vom 28. Dezember 2019 bis 10. April 2020. (Quelle: Office for National Statistics, Screenshot: CORRECTIV)

8. Ist in Wahrheit 5G-Strahlung Schuld an den Todesfällen?

Nein, es gibt keinen Zusammenhang zwischen den Todesfällen und dem Mobilfunkstandard 5G. Das Bundesamt für Strahlenschutz teilte uns mit: Elektromagnetische Strahlung könne keine solchen Auswirkungen haben. „5G verursacht weder Zellabbau noch grippeähnliche Symptome. 5G kann (wie alle Felder von Mobilfunksendeanlagen, also auch 2G, 3G, 4G) höchstens eine geringfügige, nicht wahrnehmbare Erwärmung verursachen, die sich vor allem auf die Körperoberfläche beschränkt (und die Lunge nicht erreicht).“ Die aktuellen Grenzwerte für die Strahlung seien daran angepasst. 

9. Ist der PCR-Test auf das Coronavirus unzuverlässig?

Behauptungen, der PCR-Test zur Diagnose einer Infektion mit dem Coronavirus habe eine Fehlerquote von 30 bis 50 Prozent, sind nicht zutreffend, zeigt unser Faktencheck. PCR steht für Polymerase-Ketten-Reaktion. Laut Robert-Koch-Institut sind die angegebenen Prozentwerte „nicht nachvollziehbar“. 

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Der Test wurde vom Virologen-Team der Berliner Charité um Christian Drosten entwickelt. Drosten zufolge ist es ausgeschlossen, dass er auf andere Erreger als SARS-CoV-2 reagiert und so ein „falsch positives“ Ergebnis liefert. Der Test könnte höchstens auf das erste SARS-Virus reagieren, das 2003 entdeckt wurde, aber heute beim Menschen nicht mehr vorkomme. Der Test sei durch eine umfassende Studie geprüft worden. 

Möglich ist allerdings laut RKI, dass der Test kontaminiert wird. Auch „falsch negative“ Ergebnisse sind möglich, vor allem im späteren Stadium der Infektion, da das Virus dann laut Drosten oft nicht mehr im Hals des Patienten nachweisbar ist. Experten von drei Universitätskliniken haben uns auf Nachfrage bestätigt, dass der Test sehr zuverlässig sei und bei richtiger Anwendung falsche positive Ergebnisse so gut wie ausgeschlossen seien.

10. Können junge Menschen nicht an Covid-19 erkranken? 

Doch, das können sie, allerdings verläuft die Krankheit bei ihnen offenbar meist weniger stark. Das RKI schreibt (Stand 30. März): „Bisherigen Daten nach, die meist aus China stammen, ist noch unklar, ob Kinder weniger an COVID-19 erkranken als Erwachsene. Die Symptomatik der Erkrankung bei Kindern scheint jedoch häufig geringer ausgeprägt als bei Erwachsenen, obwohl auch, insbesondere bei jüngeren Kindern, schwere Verläufe vorkommen können.“ 

In einer Pressekonferenz am 26. März sagte Lothar Wieler, Präsident des RKI: „An Covid-19 können alle Menschen in Deutschland erkranken, unabhängig vom Alter und unabhängig vom Gesundheitszustand […].“ Auch jüngere und gesunde Menschen könnten sehr schwer erkranken oder sterben, betonte er.

11. Sterben ausschließlich Menschen mit Vorerkrankungen an Covid-19?

Nein, aber Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sind besonders gefährdet. Das RKI schreibt: „Schwere Verläufe können auch bei Personen ohne bekannte Vorerkrankung auftreten und werden auch bei jüngeren Patienten beobachtet.“ Das Risiko für einen schweren Verlauf steige ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren stetig an. 87 Prozent der in Deutschland verstorbenen Menschen waren laut RKI 70 Jahre alt oder älter. 

Ebenfalls potenziell gefährdet seien Raucher, Menschen mit Übergewicht und Menschen mit Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, chronischen Lungenerkrankungen, Diabetes, Krebs oder geschwächtem Immunsystem (wegen einer Krankheit oder der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten).

12. Werden alle Infizierten, die sterben, als Covid-19-Todesfälle gezählt – auch wenn sie einen Unfall hatten?

Das ist korrekt. Wie uns das Robert-Koch-Institut auf Nachfrage für unseren Faktencheck mitteilte, werden alle Menschen mit laborbestätigtem Nachweis einer Infektion, die anschließend sterben, in der Statistik als Covid-19-Todesfall geführt. Der Grund: „Das Risiko an COVID-19 zu versterben ist bei Personen, bei denen bestimmte Vorerkrankungen bestehen, höher. Daher ist es in der häufig Praxis schwierig zu entscheiden, inwieweit die SARS-CoV-2 Infektion unmittelbar zum Tode beigetragen hat.“ 

Aus diesem Grund werde nicht unterschieden zwischen „verstorben an Coronavirus“ und „verstorben mit Coronavirus“. So wolle man „ein möglichst genaues Bild der Todesfälle“ bekommen. „Wie gesagt, die beschriebene Situation – dass jemand an COVID-19 erkrankt ist und danach tödlich verunglückt – ist sehr selten.“

Auszug aus einer E-Mail des Robert-Koch-Instituts
Auszug aus einer E-Mail des Robert-Koch-Instituts an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

13. Werden die Verstorbenen nicht obduziert? 

Häufig wird wegen der statistischen Erfassung der Todesfälle zum Beispiel von Pathologen gefordert, dass alle Verstorbenen obduziert werden. So könne man ausschließen, dass sie an einer anderen Krankheit starben. Der Deutschen Gesellschaft für Pathologie zufolge hatte das RKI im März noch davon abgeraten, die Verstorbenen zu obduzieren, wegen des Infektionsrisikos. Aktuell ist eine solche Empfehlung beim RKI in den Hinweisen zum Umgang mit Verstorbenen jedoch nicht mehr zu finden. 

Wie einer unser Faktenchecks zeigte, werden in Hamburg bereits alle Menschen, die laut Statistik an Covid-19 starben, von der Rechtsmedizin begutachtet. Aktuell meldet das RKI 91 Todesfälle für Hamburg (Stand 22. April). Laut einem Lagebericht der Stadt vom 22. April konnte Covid-19 als Todesursache insgesamt bei 95 Patienten festgestellt werden. 

Auszug aus dem Corona-Bericht Hamburgs vom 22. April 2020. (Screenshot: CORRECTIV)

Zudem wird aktuell ein Zentralregister für Obduktionen in Deutschland aufgebaut. 

Update, 4. Mai: Im Hamburger Lagebericht vom 3. Mai übersteigt die Zahl der Personen, bei denen Covid-19 durch die Obduktion als Todesursache festgestellt wurde, erneut die offizielle Zahl der Todesfälle des RKI (165 zu 164). Der Grund: „Die Diskrepanz ist auf einen Meldeverzug durch das RKI zurückzuführen.“

14. Stirbt das Virus bei Hitze ab und sind deshalb heiße Bäder oder heiße Getränke hilfreich? 

Es gibt bisher kein Mittel, die Krankheit zu heilen oder wirksam eine Infektion zu verhindern. Überprüft haben wir zum Beispiel die falsche Behauptung, das Virus sitze im Hals und könne deshalb mit Wasser trinken oder gurgeln aufgehalten werden. Oder heißes Wasser oder Tee trinken könne es abtöten. Ebenfalls nicht richtig ist die Behauptung, heiße Bäder könnten das Virus aufhalten. 

Im Netz kursieren seit Wochen die unterschiedlichsten Angaben, bei welcher Temperatur das Virus angeblich abstirbt – in einem Kettenbrief war zum Beispiel die Rede von 27 Grad. Dazu steht fest: Die normale Körpertemperatur des Menschen liegt bei 36,5 bis 37 Grad. Das kann das Virus also locker aushalten. Deshalb kann zum Beispiel auch warmes Wetter oder Klima allein die Ausbreitung mutmaßlich nicht stoppen. Laut ersten Laborstudien erfolgt die Inaktivierung von SARS-CoV-2 erst bei einer wesentlich höheren Umgebungstemperatur wie 70 Grad (hier geht es zum Faktencheck).  

15. Verbreiten Haustiere das Coronavirus?

Medienberichten zufolge wurde in einem New Yorker Zoo ein Tiger mit dem Coronavirus infiziert. Es gab zudem Ende Februar einen Bericht aus Hongkong, nach dem ein Hund schwach positiv getestet worden sei. 

Laut Friedrich-Löffler-Institut gibt es jedoch keine Hinweise, dass Haustiere das Virus auf Menschen übertragen können. Und auch nicht, dass es auf Nutztiere übertragbar ist. Erste Versuche zeigten, dass sich weder Schweine noch Hühner infizieren lassen. 

Um mögliche Falschinformationen zum Coronavirus zu entdecken, hat CORRECTIV.Faktencheck einen CrowdNewsroom geschaffen – ein Onlineportal, auf dem Nutzerinnen und Nutzer sie uns direkt schicken können.

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Viele Youtube-Kanäle, die sonst Verschwörungstheorien verbreiten, nutzen die Corona-Pandemie, um Ärzte zu interviewen – auch völlig fachfremde. (Foto: Ivo Mayr/CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Youtube duldet Falschmeldungen, Hetze und Verschwörung seit Jahren auf seiner Plattform. Das wird in der Corona-Pandemie zu einem besonderen Problem: Pseudo-Sprechstunden und absurde Gesundheitstipps generieren Millionen Klicks. „Alternative Medien“ helfen bei der Verbreitung.

Schon zu normalen Zeiten ist Youtube Umschlagplatz Nummer Eins für gezielte Desinformation und Falschmeldungen. Keine andere Plattform tut so wenig dagegen und nirgendwo anders erreichen Fakes so hohe öffentliche Klick- und Sharezahlen. 

Während der Corona-Pandemie zeigt sich, wie problematisch es ist, wenn sich Millionen Menschen bei Youtube informieren. 

Wenn es um „Fake News“ geht, denken die Meisten an politisch motivierte Falschmeldungen. Unterschätzt wird dabei die Reichweite von Falschmeldungen im Gesundheits- und Medizinbereich. Eine Pflanze heilt Krebs in 16 Stunden und das Masernvirus existiert gar nicht? Schon vor der Corona-Pandemie konnten Faktencheckerinnen beobachten, dass viele der meistgeklickten Fakes medizinische Themen behandelten. Solche, die Betroffenen Heilung versprachen – und mit falscher Hoffnung Geld verdienten. 

In Zeiten von Corona hat sich die Arbeit im Faktencheck-Team daher inhaltlich kaum verändert. Die Narrative der Desinformation sind dieselben geblieben, nur mit einem Corona-Dreh versehen. Einschlägige Webseiten berichteten vorher regelmäßig von einer angeblichen „Invasion“ von Geflüchteten. Jetzt warnen sie, die Corona-Maßnahmen würden ausgenutzt, um „heimlich“ Asylbewerber nach Deutschland zu bringen. Wer früher „Lügenpresse“ schrie, beschuldigt die ARD nun ohne jeden Beleg, Särge von 2014 in der Corona-Berichterstattung gezeigt zu haben. 

Und viele, die vorher auf Youtube fragwürdige Gesundheitstipps und Heilsversprechungen gaben, geben sich nun als Coronavirus-Experten aus. Sie werden auf Youtube-Kanälen als „Mediziner“ vorgestellt und treten gerne in weißen Hemden oder Arztkitteln auf. Dass sie zwar meist Ärzte sind, aber nicht über ihre eigenen Fachgebiete sprechen, wird dabei verschwiegen. 

Urologe im Youtube-Gespräch mit „alternativen Medien“

So behauptet Michael Spitzbart im Compact-Interview auf Youtube, das Virus sei für Gesunde „praktisch harmlos“ und rät dazu, das Immunsystem zu beschäftigen: „Wenn im Restaurant eine Gabel runterfällt, die erst recht nehmen. Das ist eine geimpfte Gabel“. Das Youtube-Video vom 3. April erreichte bisher 172.000 Klicks. (Unser Faktencheck dazu) Spitzbart ist Urologe.  

Der Internist Claus Köhnlein streut in Youtube-Interviews mit den „alternativen Medien“ Der fehlende Part (860.000 Aufrufe) und KenFM (105.000 Aufrufe) Zweifel an der Zuverlässigkeit der PCR-Tests, mit denen auf Corona-Infektionen getestet wird. Knapp eine Million Mal wurden diese Videos insgesamt aufgerufen. (Unser Faktencheck dazu)

Seit dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 hat sich auf Youtube eine Allianz aus Homöopathen, Impfgegnern, Verschwörungstheoretikern und „alternativen Medien“ gebildet. Überschneidungen hat es schon vorher gegeben, aber die hohen Klickzahlen befeuern die Gastauftritte und Co-Produktionen. Mediziner der unterschiedlichsten Fachbereiche liefern den Youtube-Kanälen der „alternativen Medien“ die notwendige Faktenfassade während der Pandemie. 

Verunsicherte Einreichungen von Leser*innen

Viele Einreichungen der letzten Tage in unserem CrowdNewsroom lassen vermuten, dass solche Videos aktuell zahlreiche Menschen erreichen, die die Kanäle zuvor nicht kannten. Unsere Nutzer berichten von Whatsapp-Gruppen mit Bekannten oder Familienmitgliedern, in die plötzlich fragwürdige Meldungen geschickt würden. Nie zuvor hat unser Faktencheck-Team seit der Gründung im Mai 2017 so viele Anfragen erhalten. Viele davon klingen ehrlich verzweifelt. 

Einer breiten Öffentlichkeit wurde das Problem der fragwürdigen Youtube-Videos durch Auftritte des Internisten und Lungenarztes Wolfgang Wodarg bewusst, der sich unter anderem von Eva Herman und dem ZDF-Magazin Frontal 21 interviewen ließ. Diese Videos und ein Kettenbrief zur Ibuprofen-Einnahme schafften es aufgrund ihrer vermeintlichen Legitimation durch Mediziner per Weiterleitung offenbar auch in Kreise, die sonst seltener irreführende oder falsche Meldungen erreichen. 

Interview mit verschwörungstheoretischen Kanälen

Ein weiteres Problem ist die offenbare Unbedarftheit mancher Mediziner bei der Auswahl ihrer Gesprächspartner. So gab etwa die Virologin Karin Mölling dem Medium KenFm ein Interview, das auf Youtube 170.000 Mal aufgerufen wurde. 

Michael Butter, der zu Verschwörungstheorien forscht, sagte dazu in einem Zeit-Interview„Die Virologin Karin Mölling [ist] eine emeritierte Professorin am angesehenen Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin. Sie hält die strikten Maßnahmen wie das weitreichende Kontaktverbot für übertrieben. Das ist eine legitime wissenschaftliche Position. Aber Frau Mölling hat dazu KenFM ein Interview gegeben. Auf dieser Internetseite wurde schon behauptet, die Massenmedien seien von Zionisten unterwandert oder die Flüchtlingskrise sei bewusst gesteuert und diene der ‘Desorganisation’ Deutschlands. Auch zu Corona werden dort seit Wochen Verschwörungstheorien verbreitet. In so einem Kontext werden Frau Möllings Äußerungen offensichtlich Teil dieser Verschwörungstheorien. Das hätte ihr klar sein müssen.“

Medizinische Tipps, die dem aktuellen Stand der Forschung widersprechen, sind das eine Problem. Ihnen kann man mit Fakten begegnen. Auf Youtube werden diese Falschmeldungen jedoch mit Verschwörungstheorien verbunden und damit Millionen von Klicks generiert. Wahlweise werden die Pharmaindustrie, die USA, China oder satanische Sekten für die Pandemie verantwortlich gemacht. 

„Machtergreifung“, Weltuntergang und Biowaffe: Verschwörungstheorien in Corona-Zeiten

Eine aktuelle Analyse der Universität Münster hat  15.000 Facebook-Posts von „alternativen Nachrichtenmedien“ von Anfang Januar bis zum 22. März untersucht. Sie kommt zu dem Schluss, diese hätten bisher während der Corona-Krise vor allem Gerüchte und einzelne Verschwörungstheorien verbreitet. „Diese Medien vermischen in ihren Veröffentlichungen das Leugnen des Klimawandels, die Flüchtlingskrise, Weltuntergangstheorien und das Coronavirus“, sagt Thorsten Quandt, der die Studie leitete. 

Unter anderem hätten „alternative Medien“ die Verschwörungstheorie, das Virus sei eine Biowaffe aus China, verbreitet. (Unseren Faktencheck dazu finden Sie hier) „Wir fanden mehrere Fälle, in denen ihre Aussagen an anderer Stelle aufgegriffen wurde, beispielsweise in den Youtube-Kanälen von Verschwörungstheoretikern, die als sekundäres Verbreitungssystem dienen. Sie bezeichnen die Botschaften der alternativen Nachrichtenmedien als glaubhaft“, sagt Thorsten Quandt. 

Das bestätigt, was wir Faktencheckerinnen seit Jahren beobachten: Youtube-Verschwörungstheoretiker und „alternative Medien“ sind untrennbar miteinander verbunden. Nun mischen sich zunehmend auch Mediziner darunter. 

So spielte zum Beispiel der Homöopath Ralf Kron im Youtube-Interview mit dem Blog eingeschenkt.tv auf eine Verschwörungstheorie an: Auf Desinfektionsmitteln werde schon seit Jahren Schutz gegen Coronaviren versprochen. (Unser Faktencheck dazu) 

Auch bekannte Größen der Verschwörungsszene wie Oliver Janich melden sich in diesen Wochen zu Wort: In einem seiner Videos tritt der ebenfalls bekannte Verschwörungstheoretiker Gerhard Wisnewski auf und bekräftigt, was er schon in einem zweiten Youtube-Interview sagte: „Was wir hier haben, das ist 1933 auf globaler Ebene, die Machtergreifung der WHO-Strukturen zusammen mit chinesischen Strukturen“. Knapp 300.000 Mal wurde das Video aufgerufen. 

Youtubes zögernde Antwort auf Desinformation

Youtube stellt Faktenchecker vor besondere Herausforderungen: Die Videos sind häufig lang und die Aussagen ein wildes Durcheinander aus Tatsachenbehauptungen (prüfbar), Meinung (nicht prüfbar) und Verschwörungstheorien (nur Aspekte prüfbar). Der Faktencheck eines einzigen Videos kann Tage dauern, während die Klickzahlen im Minutentakt steigen. Anders als Facebook ermöglicht Youtube außerdem bisher keine Verknüpfung von Faktenchecks mit Falschmeldungen, die Usern dann angezeigt werden. Zudem bietet Youtube Faktencheckerinnen kein Tool, mit dem die Plattform effektiv nach Falschmeldungen durchsucht werden kann.

WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus kündigte im Februar an, nicht nur gegen das Virus anzukämpfen, „sondern auch gegen die Trolle und Verschwörungstheoretiker, die Fehlinformationen vorantreiben und die Reaktion auf den Ausbruch untergraben“. 

Bei Youtube scheint man das Problem weiterhin nur langsam anzugehen. Angesichts der Corona-Pandemie blendet die Plattform in Deutschland aktuell unter Videos lediglich einen Verweis auf Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder WHO ein, wie der Konzern in einem FAQ zum Coronavirus schreibt. Beim Thema „Falschmeldungen“ bleibt Youtube in diesen Richtlinien jedoch vage und schreibt, man würde Inhalte löschen – nach eigenen Angaben aber erst dann, wenn es sich um Inhalte handele, in denen behauptet werde, „dass schädliche Substanzen oder Behandlungen positive gesundheitliche Auswirkungen haben können.“

Aus den Youtube-Richtlinien zum Thema „Falschmeldungen“. (Screenshot: CORRECTIV)

Bleiben bei sonstig irreführenden Videos also die Info-Einblendungen. Diese jedoch sind selbst irreführend designt: Wer ein Video damit sieht, könnte meinen, die abstrusesten Verschwörungsvideos seien durch die Bundeszentrale legitimiert oder stammten sogar von ihr. Selbst Youtubes aktuelle Verbesserungsansätze promoten Fakes und Verschwörung demnach noch.

Update, 11. April:  Wir haben am Ende des Artikels einen Auszug aus den Youtube-Richtlinien ergänzt. 

Update, 24. April 2020: In einer Stellungnahme hat sich Youtube nach Erscheinen zu unserem Text geäußert. Youtube schreibt, es sei nicht zutreffend, dass man Falschmeldungen, Hetze und Verschwörung auf der Plattform dulde.  

„Wir nehmen den Kampf gegen jedwede Form problematischer Inhalte sehr ernst und entfernen schon seit vielen Jahren alle Inhalte, die gegen unsere Produktrichtlinien verstoßen. Zum Beispiel erlauben wir keine Anstiftung zu Gewalt, Belästigung oder Hassrede. Dabei setzen wir auf eine Kombination aus Nutzern und Technologie, um unzulässige Inhalte zu melden und diese Richtlinien durchzusetzen. Wir arbeiten laufend an der Verbesserung unserer internen Prozesse, um eine zügige und sachgerechte Prüfung und Entfernung sicherzustellen und haben die betreffenden Richtlinien für Hassrede und ähnlich problematische Inhalte immer wieder verschärft.“

Weiter schreibt Youtube: „Natürlich wird es auf YouTube immer wieder Inhalte geben, die sich an der Grenze unserer Richtlinien befinden. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, Inhalte von verlässlichen Quellen auf YouTube zu fördern und die Verbreitung von grenzwertigen Inhalten und schädlichen Fehlinformationen zu reduzieren.“ Die Infotafeln mit Verweis auf Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, über die CORRECTIV berichtet hatte, seien mit der Behörde abgestimmt. 

Coronavirus - Robert-Koch-Institut - Pressekonferenz
Lothar Wieler, Leiter des Robert-Koch-Instituts, auf einer Pressekonferenz. Zu Fake News äußert sich das Institut nicht. (Foto Annegret Hilse/Reuters-Pool/dpa)

von Frederik Richter , Alice Echtermann , Till Eckert , Cristina Helberg

Deutschland bekämpft mit allen Mitteln den Ausbruch der Corona-Pandemie. An eines hat jedoch kaum einer gedacht: den Einfluss von Desinformation. Das Robert-Koch-Institut und weitere Einrichtungen geben Faktencheckern selten Auskunft. Das kann gefährlich sein.

Desinformation rund um die Corona-Pandemie erreicht in sozialen Netzwerken Millionen Menschen. Sie hängen an den Lippen von Ärzten und angeblichen Experten, die behaupten, die Pandemie sei nicht viel schlimmer als eine Grippe-Welle.

Solche Falschinformationen haben konkrete Auswirkungen: Wer glaubt, das Coronavirus sei nicht so schlimm, ist weniger bereit, sich an Hygieneregeln und Maßnahmen zur Eindämmung zu halten. Es kann um Leben und Tod gehen.

„Desinformation über Gesundheit kann Ausbrüche von Ansteckungskrankheiten verschlimmern“, schrieben zwei britische Forscher in einer Studie vom November 2019. Sie verwiesen darauf, dass während des Ausbruchs von Ebola in Westafrika das Verhalten der Menschen davon abhing, welche Informationen über Übertragungswege der Krankheit sie erhalten hatten.

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Bereits am 2. Februar wies die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem Situationsbericht darauf hin, dass die Corona-Pandemie von einer „massiven Infodemie“ begleitet werde. Seitdem beobachtet die WHO Gerüchte und Mythen rund um den Corona-Ausbruch und kämpfen mit Aufklärung gegen sie an.

Es gibt bei Bundesbehörden und in den Ländern auch positive Beispiele. Doch beim Robert-Koch-Institut (RKI), der wichtigsten Bundesbehörde im Kampf gegen Pandemien, und anderen Einrichtungen findet dieser Teil der Pandemie-Bekämpfung kaum statt. Manche Pressesprecher halten den „Quatsch“ im Internet offenkundig für unwichtig im Vergleich zu anderen Anfragen und antworten nicht auf Fragen von Faktencheckern, die der Desinformation entgegentreten wollen.

Das RKI ließ seit Januar etwa ein halbes Dutzend Anfragen zu jeweils verschiedenen Falschbehauptungen zum Coronavirus unbeantwortet oder verwies auf andere Behörden. Erst als wir uns massiv bei der Bundesregierung beschwerten, erhielten wir Ende März Informationen.

Die Pandemie ist eine beispiellose Herausforderung für die Gesellschaft, die Medien und vor allem auch für die Behörden. Einige Aspekte der Pandemie-Bekämpfung in Deutschland gelten international als vorbildlich. In Frankreich wie auch in Großbritannien zum Beispiel führen Kommentatoren in der innenpolitischen Debatte immer wieder die vergleichsweise großen Testkapazitäten in Deutschland an.

Mitten im Sturm

Das RKI steht im Zentrum des Sturms. Ohne Frage sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überlastet und arbeiten sehr hart, um die Krise zu bewältigen. Das Institut erhält nach eigenen Angaben derzeit über 100 Medienanfragen pro Tag. Das ist mit den Kapazitäten aus normalen Zeiten nicht zu bewältigen. Doch wenn über mehrere Wochen hinweg Anfragen unbeantwortet bleiben, entsteht der Eindruck, dass das Institut die Bedeutung von Desinformation bei der Bekämpfung von Pandemien unterschätzt.

Anfang Februar wandten wir uns an einen Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts. Wir wollten über ein weitverbreitetes Gerücht schreiben, dass das Virus aus einem Biowaffen-Labor im chinesischen Wuhan stamme, und baten um eine Einschätzung. Entsprechende Facebook-Posts waren schon im Januar tausendfach geteilt worden.

Stattdessen antwortete die Pressesprecherin des RKI. Sie bat uns, Anfragen in Zukunft nur an die Pressestelle zu richten. Unsere Fragen beantwortete sie nicht.

Die Pressesprecherin lieferte lediglich einen vagen Verweis auf eine Äußerung des Virologen Christian Drosten zur Entstehung des Virus. Diesen Verweis sollten wir jedoch nicht zitieren. „Mein Kommentar bezog sich auf alle diese Verschwörungs-Behauptungen und ist nur für Ihren Hintergrund gemeint gewesen. Ich möchte solche Behauptungen nicht durch Zitate aufwerten“, schrieb die Sprecherin zur Begründung.

Diese Haltung ist überholt. Nach ihr wird das, was im Internet steht, erst dann wichtig, wenn eine Pressesprecherin es mit einem Zitat würdigt. Offenkundig ist den Presseverantwortlichen fremd geblieben, dass das Internet anders funktioniert. Desinformationen führen an offiziellen Verlautbarungen vorbei ein Eigenleben – und sie können Leben kosten.

Nichts hinzuzufügen

Als wir dem RKI die Bedeutung von Faktenchecks noch einmal schriftlich erläuterten und um Auskunft baten, antwortete die Sprecherin lediglich: „Ich kann meinen Ausführungen nichts hinzufügen.“ Die Falschinformation, dass das Virus aus einem chinesischen Labor für Biowaffen stammt, zirkuliert bis heute. Ein ehemaliger AfD-Politiker griff sie noch vor wenigen Tagen im baden-württembergischer Landtag auf – dieses Mal in der Version, dass das Virus aus einem Biowaffenlabor in den USA stammen könnte.

Erst Ende März, nachdem wir noch mehrfach angefragt haben, äußerte sich das RKI dazu uns gegenüber – und wir konnten schließlich einen ersten Faktencheck dazu veröffentlichen.

Andere Faktenchecker wie die Kolleginnen und Kollegen vom Bayerischen Rundfunk haben ähnliche Erfahrungen gemacht.

„In den ersten Tagen und Wochen der Berichterstattung über das Coronavirus hat das Robert-Koch-Institut auf die Fragen unserer Faktencheck-Redaktion relativ schnell geantwortet, aber eher knapp“, sagt Sophie Rohrmeier, Teamlead Verifikation und Faktenfuchs beim Bayerischen Rundfunk.

„Auf Details sind sie nicht eingegangen. Der nächste Schritt war dann, dass sie uns gesagt haben, aus Kapazitätsgründen könnten sie nicht mehr antworten. Inhaltlich haben wir also keine Fragen mehr beantwortet bekommen.“

Das RKI habe zum Beispiel nicht auf den Vorwurf der sogenannten Überzählung reagiert. Dabei geht es um die Frage, ob nicht zuviele Tote in der Corona-Statistik auftauchen, weil Patienten an mehreren Krankheiten sterben können. Auch das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit habe nicht geantwortet, sagt Rohrmeier.

„Ich verstehe, dass das RKI und andere Behörden gerade sehr viele Anfragen bekommen und es etwas länger dauern kann. Aber wenn man das Virus eindämmen will, muss man auch Ängste und Gerüchte eindämmen. Desinformation zu bekämpfen, gehört aus meiner Sicht dazu, um das Virus zu bekämpfen.“

Die Bevölkerung überzeugen

Die Haltung des RKI verwundert, wenn man eine Risikoanalyse der Bundesregierung zum Bevölkerungsschutz aus dem Januar 2013 liest. Die Analyse enthält das fiktive Szenario einer globalen Pandemie – ausgelöst durch ein neuartiges Coronavirus.

Darin findet sich ein Abschnitt zum Thema Kommunikation. „Nur wenn die Bevölkerung von der Sinnhaftigkeit von Maßnahmen (z. B. Quarantäne) überzeugt ist, werden sich diese umsetzen lassen“, heißt es.

Die Autorinnen und Autoren des Berichts – der unter der Federführung des RKI verfasst wurde – gehen davon aus, dass die Behörden Verunsicherungen und verschiedenen Erklärungen mit Informationen begegnen müssen. „Es ist von einer vielstimmigen Bewertung des Ereignisses auszugehen, die nicht widerspruchsfrei ist“, schrieben sie.

Und weiter: „Dementsprechend ist mit Verunsicherung der Bevölkerung zu rechnen. Zusätzlich ist ein (mehr oder minder qualifizierter) Austausch über neue Medien (z. B. Facebook, Twitter) zu erwarten.“

„Leider nicht die Kapazität“

Die Analyse stammt aus einer Zeit, in der über soziale Netzwerke verbreitete Desinformationen und „Fake News“ noch nicht im heutigen Ausmaß als Problem erkannt waren. Doch die Autoren erkannten bereits, dass sie ein Faktor bei der Bekämpfung von Epidemien sind. Hält man sich die Reaktion des RKI vor Augen, scheint diese Erkenntnis dort noch nicht angekommen zu sein.

Oder es sieht sich als nicht zuständig an. Auf seiner Webseite schreibt das Institut, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) sei dafür zuständig, die Bevölkerung zu informieren. Tatsächlich schaltet die BzgA zahlreiche Anzeigen in sozialen Netzwerken. Wer auf Twitter, Instagram oder Youtube „Coronavirus“, „Covid-19“ oder ähnliche Suchwörter eingibt, bekommt einen Link zur Webseite der Behörde eingeblendet.

Die BzgA jedoch verbreitet lediglich die fachlichen Informationen des RKI, wie uns eine Pressesprecherin auf Nachfrage mitteilte. Damit kann auch die BzgA die Fragen von Faktencheckern nicht beantworten.

Factchecker sind für ihre Arbeit auf Aussagen von Expertinnen und Wissenschaftlern angewiesen (Foto: Ivo Mayr/CORRECTIV)

Zum Entkräften von Desinformation, die auf vielschichtige, aber immer andere Weise Falschmeldungen, Halbwahrheiten und Spekulationen mit Fakten vermischt, müssen Medien auch spezifische Fragen zu Falschinformationen stellen, die Expertinnen und Experten und Behörden lächerlich vorkommen. Es sind Fragen, die viele Menschen in Deutschland umtreiben und die sie verunsichern.

Am 25. März versuchten wir es wieder bei der Pressestelle des RKI.

„Wir haben leider nicht die Kapazität, hier Infos bereitzustellen und können nur auf unsere Internetseiten verweisen. Vielleicht kann auch jemand von der Gesellschaft für Virologie weiterhelfen“, lautete die Antwort.

Doch da wissen wir bereits, dass die Gesellschaft für Virologie auch nicht helfen kann. Am 16. März fragten wir die Gesellschaft an. Wir suchten einen Virologen, der die Aussage entkräften kann, dass Vitamin C in hohen Dosen das Coronavirus abtöten kann. Facebook-Posts mit dieser Aussage wurden mehrere tausend Mal geteilt, Youtube-Videos mehrere zehntausend Mal aufgerufen.

Zu banal

Das klingt aus Sicht von Experten vielleicht zu banal, um sich damit abzugeben. Doch Faktenchecker sind darauf angewiesen, in ihren Texten Wissenschaftler zitieren zu können. Die Öffentlichkeit muss auf ihr Wissen zurückgreifen können, um Informationen einzuordnen.

Ohne Zitate von Wissenschaftlern und Expertinnen ist ein Faktencheck nicht möglich. Nur mit den unabhängigen Einordnungen wird die Arbeit der Faktenchecker gründlich und glaubwürdig.

Die Pressesprecherin der Gesellschaft für Virologie lehnte unsere Anfrage jedoch ab. Man habe nicht mehr die Kapazität, jede Anfrage zu beantworten, sagte sie am Telefon. Es gebe zu viele Anfragen, als dass man sich mit allem beschäftigen könne, was im Internet geschrieben werde. Die Pressesprecherin entschuldigte sich vielmals und sandte uns anschließend auch noch den Verweis auf eine wissenschaftliche Studie zum Thema.

Ähnlich ist es bei der Berliner Charité. Am 24. Januar, noch bevor der Ausbruch des Coronavirus in China das größte Thema in den Medien war, wandten wir uns zum ersten Mal an das dortige Institut für Virologie. Wir erhielten keine Antwort. Am 6. Februar stellten wir eine weitere Anfrage. Es sei der Charité ein Anliegen, mit der eigenen Expertise zur Einordnung von Fake News und Gerüchten beizutragen, lautete die Antwort. Der Leiter der Virologie, Christian Drosten, stehe jedoch wegen des erhöhten Aufkommens von Presseanfragen zum Coronavirus für die Beantwortung unserer Fragen nicht zur Verfügung.

Nicht unsere Aufgabe

Das Landeszentrum Gesundheit in Nordrhein-Westfalen – das Bundesland war zunächst am stärksten von der Corona-Pandemie betroffen – hat eine Fachabteilung Infektionsschutz. Doch die Behörde konzentriert sich auf die Zusammenarbeit mit anderen Behörden. Als wir um Informationen zur Einordnung der millionenfach verbreiteten Aussagen von Wolfgang Wodarg baten, teilte eine Sprecherin mit: Nicht unsere Aufgabe. Wodarg zählt zu den Ärzten, die die Corona-Pandemie für Panikmache von Regierungen, Experten und Medien halten.

Ganz anders agiert die WHO: Sie hat eine Liste mit „Myth busters“, also Faktenchecks falscher Behauptungen über das Coronavirus auf der eigenen Webseite veröffentlicht. Auch in sozialen Netzwerken verbreitet sie diese.

Das Bundespresseamt sagte uns auf Anfrage, dass die Bundesregierung sehr wohl gegen Desinformationen vorgehe. „Auf unseren Kanälen versuchen wir, kursierende Falschinformationen klar zu benennen“, teilte ein Sprecher mit. „Wir sensibilisieren für das Aufkommen von Desinformation und zeigen den Bürgerinnen und Bürgern verlässliche Quellen auf.“ Das Bundesministerium für Forschung und Bildung zum Beispiel hat auf seiner Webseite einige Faktenchecks veröffentlicht.

Der Sprecher verwies auch darauf, dass sich verschiedene Bundesminister täglich in Pressekonferenzen Fragen der Medien stellten. Doch das hilft der Arbeit in Sachen Desinformation wenig, denn diese verbreitet sich spontan und beinhaltet meist sehr spezielle Behauptungen, die die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft untergraben. Das Bundesgesundheitsministerium verwies uns bei einer Anfrage übrigens ebenfalls an das RKI.

Gegenüber dem Bundespresseamt beschwerten wir uns massiv über die mangelnde Auskunftsbereitschaft des RKI. Drei Tage später beantwortete die Behörde zum ersten Mal eine Anfrage von uns.

So ein „Quatsch“

Zuvor hatten wir uns auf unserer Suche nach Informationen auch an den Pressesprecher eines großes Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen gewandt. Um es deutlich zu machen: Das Krankenhaus dient ausschließlich der Versorgung von Patienten und sei keine Forschungseinrichtung. Es wäre nicht zu erwarten, dass es der Presse wissenschaftliche Einschätzungen zur Verfügung stellt.

Doch die spontane Antwort des Sprechers bringt eine offenbar weit verbreitete Haltung bei deutschen Institutionen und Behörden auf den Punkt: „Wenn ich offen sein darf: Zu so einem Quatsch äußern wir uns also nicht; dazu ist die Zeit gerade zu kostbar“, schrieb er.

Auch das ist eine Binsenweisheit. Es muss auch nicht jeder Antworten geben. Es wäre aber hilfreich, wenn sich zumindest eine Stelle im RKI um die Belange der Faktenchecker kümmern könnte – damit Falschinformationen in den sozialen Medien schnell auf Augenhöhe begegnet werden kann.

Es gibt auch positive Beispiele. Das Bundesinstitut für Risikobewertung beantwortete eine Anfrage von uns sehr zügig. Die Staatskanzlei des Saarlands kontaktierte uns diese Woche und zeigte Interesse an einem Austausch im Kampf gegen Fake News. Das Bundesland informiert bereits mit einem automatisierten Messenger-Dienst über das Coronavirus.

Julii Brainard und Paul Hunter, die Autoren der eingangs erwähnten Studie, untersuchten den Einfluss von Desinformation auf die Schwere eines Pandemie-Ausbruchs. Die Wissenschaftler der Universität East Anglia modellierten verschiedene Kommunikations-Strategien zur Bekämpfung von Desinformation. Sie kamen in ihrem theoretischen Modell zu dem Schluss, dass diese den Einfluss von Desinformationen auf einen Krankheitsausbruch reduzierten.

„Die Wirksamkeit der Anwendung solcher Strategien im Kampf gegen „Fake News“ muss unter realen Bedingungen getestet werden“, schrieben sie.

Die Welt, und damit auch deutsche Behörden, hat jetzt die Gelegenheit dazu.

Mitarbeit: Tania Röttger, Marcus Bensmann, Bianca Hoffmann, David Schraven und Lea Weinmann

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(Bild: CORRECTIV)

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Der CrowdNewsroom von CORRECTIV.Faktencheck ist ein neues Tool gegen die Desinformation zum Coronavirus SARS-CoV-2. (Grafik: CORRECTIV)

von Bianca Hoffmann

Zu dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 sind zahlreiche Falschmeldungen im Umlauf. Menschen können diese jetzt schnell und unkompliziert online melden, mit dem neuen CrowdNewsroom von CORRECTIV.Faktencheck. 

Behauptungen zu dem Coronavirus SARS-CoV-2 werden derzeit tausendfach weitergeleitet. Die WHO spricht von einer „Infodemie“, bei der es für die Menschen schwer sei, vertrauensvolle Quellen zu finden. Um Falschmeldungen effektiv zu bekämpfen, hat CORRECTIV.Faktencheck jetzt ein neues Meldesystem entwickelt: Jede und jeder kann verdächtige Behauptungen in unserem CrowdNewsroom melden.

Unser Team sichtet die Einreichungen, bewertet sie und veröffentlicht gegebenenfalls Faktenchecks. 

Hier geht es zu dem neuen CrowdNewsroom zum Coronavirus.

Es ist essentiell, Falschmeldungen zu dem Coronavirus SARS-CoV-2 klarzustellen, damit Menschen keinen falschen Versprechungen oder Handlungsanweisungen folgen. Der CrowdNewsroom zum Coronavirus ermöglicht, effektiver gegen die Verbreitung von Falschmeldungen vorzugehen. 

Dabei können alle mithelfen! 

Mit den gesammelten Daten wird auch deutlich, wie sich Desinformation in Deutschland verbreitet: Es wird sichtbar, ob es regionale Unterschiede bei den Falschmeldungen gibt, welche Sozialen Netzwerke am meisten für die Verbreitung genutzt werden und ob die Nachrichten insbesondere im persönlichen Bekanntenkreis geteilt oder verschickt werden. 

Der CrowdNewsroom ist eine von CORRECTIV entwickelte Software, um Bürgerinnen und Bürger an Recherchen zu beteiligen. Unter Mitwirkung der Öffentlichkeit wurden bereits mehrere Recherchen von CORRECTIV realisiert. CORRECTIV.Faktencheck ist eine eigene Redaktion innerhalb des gemeinnützigen und unabhängigen Recherchezentrums CORRECTIV. 

Coronavirus Symbolbild Labor
Die WHO bezeichnet die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 als Pandemie. (Foto: Hans Klaus Techt / picture alliance / APA / picturedesk.com)

von Frederik Richter , Bianca Hoffmann

In mehreren Videos behauptet der Arzt Wolfgang Wodarg, bei der Coronavirus-Pandemie handele es sich um Panikmache. Dabei durchmischt er Fakten und Spekulationen. Im Gespräch mit CORRECTIV zeigt er sich unbeeindruckt.

Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus und die Maßnahmen von Regierungen zur Eindämmung verunsichern die Menschen. Die aktuelle Situation ist ein idealer Nährboden für die Verbreitung von falschen, ungenauen Informationen und Spekulationen. Videos des Arztes Wolfgang Wodarg, der die Coronavirus-Pandemie für Panikmache hält, werden innerhalb von Tagen auf Youtube hunderttausende Mal angesehen. 

Wolfgang Wodarg war 15 Jahre lang Bundestagsabgeordneter für die SPD. Er gehört dem Vorstand von Transparency International an.

In den Videos, in denen er seit einigen Tagen mit seiner Sicht auf das Coronavirus auftritt, stellt er sich zudem als Lungenarzt, Internist und ehemaligen Leiter eines Gesundheitsamts in Schleswig-Holstein vor. 

Ein Youtube-Video vom 13. März wurde bereits über eine Million Mal aufgerufen. Ein Interview mit Eva Herman hat an nur einem Tag über 100.000 Aufrufe erzielt. Ein knapp elfminütiges Youtube-Video mit englischen Untertiteln hat in den vergangenen drei Tagen über eine halbe Million Aufrufe erreicht.

Wolfgang Wodarg
Der Arzt Wolfgang Wodarg sorgt derzeit für Aufregung mit seinen Äußerungen zum Coronavirus. (Quelle: Youtube / OvalMedia, Screenshot: CORRECTIV)

Der Tenor aus diesem sowie weiteren Videos lässt sich so zusammenfassen:

Die Reaktion von Regierungen und Behörden auf die Krankheit Covid-19 sei nicht angemessen. Wodarg sagt, er sei „fassungslos, über das, was ich da beobachten muss.“ Auf seiner Webseite fordert er: „Corona-Panic beenden!“ 

Er stellt zudem verschiedene Behauptungen auf.

Behauptung: Neuartiges Coronavirus sei nicht schlimmer als frühere Grippewellen

Wodarg argumentiert im Kern, dass es Coronaviren schon vor der aktuellen Krankheitswelle gegeben habe. Diese sei nicht schlimmer als frühere Grippewellen. Allerdings hätten Forscher – angeblich auch aus finanziellen Motiven – jetzt Tests entwickelt, die zuvor nicht zur Verfügung standen. Deswegen seien erst jetzt Erreger ins Bewusstsein getreten, die es schon lange gegeben habe.

Wodarg sagt, dass etwa zehn Prozent aller existierenden Viren Coronaviren seien (Minute 1:45). Und macht folgende Rechnung auf: Wenn es bei vorherigen Grippewellen 20.000 bis 30.000 Tote gegeben habe, dann gab es „in den vergangenen Jahren immer 2.000 bis 3.000 Tote durch Coronaviren. Und da sind wir ja noch weit von weg.“

Die Anzahl der bisher bestätigten Deutschen mit Grippe übersteigt die der Patienten mit Coronavirus – noch. In der gesamten Grippe-Saison 2019/2020 sind laut dem bundeseigenen Robert-Koch-Institut (RKI) bislang 247 Menschen durch eine Grippe ums Leben gekommen. Mit Grippe infiziert haben sich allerdings viel mehr Personen. Insgesamt wurden „145.258 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das RKI übermittelt“ (PDF, S. 6).  

Es trifft zu, dass die Familie der Coronaviren älter als der aktuelle Ausbruch des SARS-CoV-2 -Virus ist. Laut Robert-Koch-Institut ist diese Familie seit Mitte der 1960er Jahre bekannt. 

Das Robert-Koch-Institut erklärt auf seiner Webseite, dass Coronaviren schon seit den 1960er Jahren identifiziert sind. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch bei den SARS– und MERS-Viren handelt es sich um Coronaviren. Bei SARS-CoV-2 wird daher von Experten auch von einem „neuartigen“ Coronavirus gesprochen. Da es lange keinen eigenen Namen hatte, setzen viele Menschen SARS-CoV-2 offenbar mit dem Begriff „Coronavirus“ gleich. Das Helmholtz-Institut schreibt, etwa ein Drittel der „typischen Erkältungen“ sei auf Coronaviren zurückzuführen. Es gibt keine Belege darüber, wie viele Menschen direkt in Folge einer Ansteckung mit Coronaviren ums Leben gekommen sind, lediglich für die Epidemien mit SARS (774 Todesfälle in 2002/03) und MERS (800 Todesfälle bisher) liegen Zahlen vor.  

Wodarg argumentiert, dass es ein normaler Vorgang sei, dass sich Viren verändern, um sich verbreiten zu können. Allerdings lässt er die Problematik des aktuellen SARS-CoV-2-Ausbruch unter den Tisch fallen: Für dieses Virus gibt es bisher weder einen Impfstoff noch eine Immunität in der Bevölkerung. Lässt man der Pandemie also ihren Lauf, ist das Gesundheitssystem schnell überlastet.

Behauptung: Tests seien nicht spezifisch genug entwickelt

Das zweite Kernargument von Wodarg: Er zieht Möglichkeiten der Medizin, den Verursacher von Covid-19 zu erkennen, in Zweifel. Demnach seien Mediziner in der chinesischen Stadt Wuhan bei wenigen Patienten auf eine „angeblich“ neue RNA-Sequenz in Viren gestoßen.

Wissenschaftler der Berliner Charité unter Beteiligung des Leiters der Virologie, Christian Drosten, hätten dann schnell einen Test entwickelt. Dieser sei jedoch nicht ausreichend validiert worden, die üblichen Genehmigungsverfahren seien übersprungen worden, behauptet Wodarg. Die Charité ließ eine Anfrage von CORRECTIV zu den Vorwürfen zunächst unbeantwortet.

Wodarg sagt in einem Facebook-Video auf der Seite des ZDF-Magazins Frontal 21 außerdem, dass dieser Test lediglich auf Grundlage „der ähnlichen Viren, die man kannte“ entwickelt worden sei. Das Virus aus Wuhan habe schließlich in Berlin nicht vorgelegen. „Das ist nun natürlich so eine Sache, ob der Test jetzt wirklich nur diese Viren misst, die dort eine Rolle gespielt haben in der Klinik, oder ob der gleichzeitig noch andere SARS-Viren misst.“

Wodarg lobt allerdings die Wissenschaftler der Charité dafür, dass sie ihre Arbeiten ins Internet gestellt hätten. So könnten Wissenschaftler aus aller Welt diese überprüfen.

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Das wissenschaftliche Protokoll der Entwicklung des Tests für das damals noch als 2019-nCoV bezeichnete Virus ist in der Tat hier bei der WHO nachzulesen. Die Wissenschaftler schreiben, dass der Test auf der genetischen Nähe von 2019-nCoV mit SARS-Coronaviren basiere. Sie argumentieren jedoch, dass der Test das neuartige Virus ausreichend von anderen unterscheiden könne. Dies habe man anhand von 297 klinischen Proben anderer Viren, die Atemwegserkrankungen auslösen, untersucht.

Virologe Christian Drosten weist Vorwürfe zurück

Drosten wies am 18. März in seinem täglichen Podcast mit dem NDR die Vorwürfe von Wodarg zurück. Der Test sei entwickelt „auf der Basis des nahe verwandten SARS-Coronavirus. Dieses hat aber auch wieder mit den landläufigen Erkältungs-Coronaviren überhaupt nichts zu tun, das ist genetisch sehr weit entfernt.“

Man habe eine Reihe von Tests gemacht auf Basis des alten SARS-Coronavirus und einer „riesengroßen Diversität von Fledermaus-Coronaviren, also die nächsten Verwandten“.

Dann sei die Sequenzinformation des neuen Coronavirus veröffentlicht worden und man habe sie mit den Tests abgeglichen. Es seien die zwei Tests gewählt worden, die am besten zu dem neuen Virus passten. Diese seien weiter validiert worden, mit der Universität Hong Kong, der Universität Rotterdam, der nationalen Public Health Organisation in London und eigenen Patienten.

Es sei eine  Validierungsstudie durchgeführt worden mit hunderten echten Patientenproben, mit anderen Coronaviren und Erkältungsviren, so Drosten. „Und nicht ein einziges Mal hat es da eine falsch positive Reaktion gegeben. Also dieser Test reagiert gegen kein anderes Coronavirus des Menschen und gegen kein anderes Erkältungsvirus des Menschen.“

Angebliche Ungenauigkeiten bei den Tests: Das ist der vielleicht konkreteste Kritikpunkt von Wodarg. Danach wird es vage, Belege gibt es keine. Wodarg macht aber deutlich, dass er politische und finanzielle Interessen hinter der staatlichen Reaktion auf die Ausbreitung vermutet.

Behauptung: Coronavirus diene politischen Interessen

In China vermutet Wodarg ein Interesse des Staats an mehr Überwachung als Motiv. „Das war politisch sehr wichtig plötzlich. Das Fieberthermometer regelte den Verkehr in Chinas Straßen“, sagt er auf Youtube. Das SARS-CoV-2-Virus sei deswegen in Wuhan entdeckt worden, weil es dort „Sicherheitslabore“ für Viren gebe. Es ist eine von mehreren nicht ausgeführten Andeutungen, mit denen Wodarg seine Theorie von der unnötigen Panikmache unterfüttert. 

In einem telefonischen Gespräch mit CORRECTIV führt Wodarg aus, dass es eben in Wuhan spezialisierte Labore gegeben habe und nicht zum Beispiel in Peking. 

Im Umkehrschluss streitet der Arzt damit ab, dass es einen dramatischen Ausbruch einer neuartigen Viruserkrankung in Wuhan gegeben habe. Denn laut Wodargs Theorie sind angeblich Menschen überall gleichzeitig mit durch Coronaviren ausgelösten Atemwegserkrankungen erkrankt.

Behauptung: Wissenschaftler haben finanzielle Interessen am Coronavirus

Wodarg sagt, es habe sich ein selbstbezügliches Netz aus Politikern und Wissenschaftlern gebildet, in dem andere Ansichten keinen Platz mehr hätten. „Da ist was gesponnen worden, ein Netz von Informationen von Meinungen. (Das) hat sich entwickelt in diesen Fachkreisen und die Politik hat sich an diese Fachkreise gewandt, die damit angefangen haben.“

Wodarg unterstellt den Wissenschaftlern dabei finanzielle Interessen. „Wissenschaftler wollen mitschwimmen, weil sie Geld brauchen für ihre Institute. Sie wollen wichtig werden.“

Im NDR-Podcast widerspricht Christian Drosten: Man verdiene mit dem Test unter dem Strich „keinen Cent“.

Die Ansicht von Wodarg widerspricht auch den Äußerungen vieler Wissenschaftler. Eine Gruppe von Wissenschaftlern des Londoner Imperial College bezeichnet die aktuelle Situation als die größte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit durch ein Atemwegsvirus seit der H1N1-Pandemie am Ende des Ersten Weltkriegs (Spanische Grippe).

Laut dem Situationsbericht der WHO vom 17. März haben sich knapp 180.000 Menschen weltweit mit dem neuen Coronavirus infiziert. 7.426 Menschen sind demnach an der Krankheit gestorben. Laut Johns-Hopkins-University sind mehr als 81.000 bereits wieder geheilt.

Einordnung der Behauptungen von Wolfgang Wodarg

Es ist nicht das erste Mal, dass Wodarg finanzielle Interessen hinter Maßnahmen gegen eine Krankheit wittert. Vor zehn Jahren kritisierte er als Abgeordneter im Europarat die Reaktion der Weltgesundheitsbehörde auf das H1N1-Virus. Diese erklärte die sogenannte Schweinegrippe damals zu einer Pandemie. Kritiker wie Wodarg hielten das für falsch. Sie warfen den Verdacht auf, dass dies im Interesse der Pharmaindustrie erfolgt sei, damit diese an Impfungen Geld verdienen konnte.

Die WHO teilte im August 2010 mit, die Pandemie habe zu über 18.000 Toten geführt.

Auf der Webseite von Transparency International spricht Wodarg von „Unternehmen, die Seuchen erfinden, um aus Angst Profit zu schlagen“.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat Wodarg wegen seiner aktuellen Äußerungen auf Twitter kritisiert:

Karl Lauterbach (SPD) äußert sich zu den Videos von Wolfgang Wodarg. (Screenshot: CORRECTIV)

Im Gespräch mit CORRECTIV.Faktencheck sagt Wodarg, es gehe ihm primär darum, zu zeigen, dass es immer schon Coronaviren gegeben habe. „Wie sähe die Welt aus, wenn wir diesen Test nicht hätten? Dann wäre der Kaiser nackt“, sagt er in Anspielung auf das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Und Wodarg glaubt, dass dann eben politische und finanzielle Interessen auf diesen Zug aufgesprungen seien. 

Wodarg berichtet, dass sein Telefon nicht mehr still stehe. Gerade hat er dem anti-westlichen Blog Ken.FM ein Interview gegeben.

Versteht er, dass in der aktuellen Situation die Menschen Diskussionen über die mangelnde Validität von Testverfahren und angebliche Verschwörungen durch chinesische Politiker und Wissenschaftlern nicht auseinanderhalten können?

„Im Moment pickt sich jeder raus, was er will“, räumt Wodarg ein.

Anmerkung der Redaktion: Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist geschlossen.

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Update vom 18. März: Wir haben den Text mit Äußerungen von Christian Drosten ergänzt sowie die Einordnung des Blogs Ken.FM angepasst.

Mitarbeit: Alice Echtermann, Arne Steinberg

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Über das neuartige Coronavirus kursieren zahlreiche Behauptungen. Das Faktencheck-Team von CORRECTIV veröffentlicht seit Wochen Faktenchecks dazu. (Symbolbild: Ivo Mayr/Correctiv)

Rund um das neuartige Coronavirus und die damit verbundene Pandemie werden seit Wochen zahlreiche Falschinformationen und Halbwahrheiten verbreitet – vor allem in den Sozialen Netzwerken. Hier sind alle Faktenchecks im Überblick.

Seit Wochen beherrscht das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 die Berichterstattung. Auch Desinformationen rund um das Virus und die Lungenkrankheit Covid-19 sind an der Tagesordnung. Die Behauptungen verbreiten sich vor allem über die Sozialen Netzwerke, zum Beispiel Facebook oder Whatsapp. 

Diese Behauptungen hat das Team von CORRECTIV.Faktencheck seit Januar überprüft.

(Achtung: Alle Informationen in den Faktenchecks geben den jeweiligen Stand der Dinge zu dem Zeitpunkt wieder, an dem sie veröffentlicht wurden. Und ein Tipp: Durchsuchen Sie den Artikel mit der Tastenkombination STRG+F oder CMD+F nach Stichworten.)

Behauptung: Corona-Tests führen zu einer Schädigung der Blut-Hirn-Schranke

Bewertung: Falsch

In mehreren Facebook-Beiträgen wird behauptet, der Corona-Test schädige die Blut-Hirn-Schranke und könne zu Infektionen im Gehirn führen. Durch den Abstrich für den sogenannten PCR-Test kann es zu keinen Verletzungen kommen. Dass das Einführen des Stäbchens schmerzhaft sein kann, liegt an der Empfindlichkeit der Nasenschleimhaut. Unseren Faktencheck dazu vom 30. Juli.

Behauptung: Medien haben die Corona-Partys auf Mallorca erfunden und sind Schuld an der Verschärfung der Maskenpflicht; die Schinkenstraße und die Strände waren leer, der Bierkönig geschlossen

Bewertung: Teilweise falsch

Wurde in Mallorcas Partymeilen wirklich ohne Einhaltung der Corona-Regeln gefeiert? Einige Leute behaupten auf Facebook, es habe keine Partys in Palma de Mallorca gegeben und die Medien würden lügen. Das ist falsch.  Zahlreiche Touristen feierten in der Nacht vom 10. auf den 11. Juli in der sogenannten „Bierstraße“ – das belegen Aufnahmen, und darüber berichteten die Medien. Die Verschärfung der Maskenpflicht war schon vorher, am 9. Juli, angekündigt worden. Kritik müssen sich einige Medien dennoch gefallen lassen. Denn zum Teil wurden nicht gekennzeichnete Archivbilder von überfüllten Stränden verwendet. Die Strände sind aber tatsächlich derzeit fast leer. Faktencheck vom 22. Juli.

Behauptung: Medien verwendeten ein nicht-gekennzeichnetes Archivbild für aktuelle Berichterstattung über Mallorca

Bewertung: Richtig

In den Sozialen Netzwerken kursiert ein Foto eines überfüllten Strandes auf Mallorca. Es soll von den Nachrichtenseiten Focus-Online und Welt.de für die aktuelle Berichterstattung über Partys ohne Abstand verwendet worden sein, obwohl es veraltet ist. Das ist richtig – das Archivbild wurde nicht gekennzeichnet. Faktencheck vom 22. Juli 2020.

Behauptung: Die US-Regierung unter Obama finanzierte ein Forschungslabor in Wuhan mit 3,7 Millionen Dollar

Bewertung: Größtenteils falsch

In einem Blog-Artikel wird behauptet, ein Labor in Wuhan sei von der US-Regierung unter Barack Obama 2015 mit 3,7 Millionen US-Dollar finanziell unterstützt worden. Das ist falsch. An das Institut sind rund 600.000 US-Dollar geflossen – über mehrere Jahre, ein Teil davon während der Amtszeit von Donald Trump. Faktencheck vom 21. Juli 2020.

Irreführende Behauptungen zu vermissten Kindern und Verstorbenen seit Beginn der Corona-Krise im Umlauf

Bewertung: Größtenteils falsch

3.354 Covid-19-Tote und 924.000 verschwundene Kinder im selben Zeitraum ­– auf einem Foto-Beitrag auf Facebook wird diese Behauptung seit Anfang Juli verbreitet. Wie unser Faktencheck vom 20. Juli zeigt, sind die beiden Behauptungen größtenteils falsch. Es sind bislang deutlich mehr Menschen an Covid-19 verstorben. Wie viele Kinder seit Beginn der Pandemie weltweit verschwunden sind, ist nicht belegbar – aber für Deutschland ist die Zahl von mehr als 900.000 als vermisst gemeldeten Kindern laut Bundeskriminalamt falsch.

Behauptung: Die WHO hat bestätigt, dass Infizierte ohne Symptome das Coronavirus nicht übertragen können

Bewertung: Falsch

In Sozialen Netzwerken kursieren Beiträge, in denen behauptet wird, die WHO habe verkündet, Covid-19-Infizierte ohne Symptome könnten das Virus nicht auf andere übertragen. Das ist falsch. Eine Aussage einer WHO-Epidemiologin sorgte für ein Missverständnis. Sie sagte, dass asymptomatische Personen das Virus nach bisherigen Erkenntnissen „selten“ übertragen. Gemeint sind damit Infizierte, die nie Symptome entwickeln. Wichtig ist jedoch, dass Menschen ansteckend sein können, bevor sie Symptome zeigen. Faktencheck vom 17. Juli.

Behauptung: Das ZDF lügt – Moderator spricht von 130 Millionen Corona-Toten in den USA

Bewertung: Teilweise falsch

Auf Facebook wird ein Versprecher eines Nachrichtenmoderators in mehreren Beiträgen erwähnt und als vorsätzliche Lüge dargestellt. Dass sich der Sprecher noch in derselben Sendung korrigiert hat, wird unterschlagen. Faktencheck vom 16. Juli.

Behauptung: Fotos zeigen Angela Merkel ohne Maske oder Abstand bei der Abstimmung der CDU zur Frauenquote

Bewertung: Falsch

In den Sozialen Netzwerken kursieren angeblich aktuelle Fotos von Angela Merkel, auf denen sie ohne Mund-Nasen-Schutz bei einer CDU-Abstimmung zur Frauenquote sitzt. Dabei ist sie umgeben von Menschen, die ebenfalls keine Maske tragen. Die Fotos stammen jedoch nicht von der Abstimmung Anfang Juli. Dort war Merkel gar nicht anwesend.Faktencheck vom 16. Juli.

Behauptung: Grafik mit angeblichen Todesraten für Länder zeigt, dass die Sterblichkeit durch Corona nicht dramatisch ist

Bewertung: Teilweise falsch

In einem Facebook-Beitrag wird suggeriert, die Zahlen der an Covid-19 Verstorbenen würden weniger dramatisch wirken, wenn prozentuale Anteile anstatt der absoluten Zahlen betrachtet werden. Die angebliche Berechnung der Sterblichkeitsrate in dem Beitrag führt jedoch in die Irre. Sie berechnet sich nicht aus dem Anteil der Verstorbenen an der Bevölkerung, sondern am Anteil der Verstorbenen an den Infizierten. Faktencheck vom 16. Juli.

Behauptung: Arbeitgeber müssen bis zum 31. Juli 2021 den Impfschutz ihrer Mitarbeiter nachweisen

Bewertung: Größtenteils falsch

Auf Facebook wird behauptet, bis 31. Juli 2021 müssten alle Arbeitgeber nachweisen, dass ihre Angestellten geimpft sind. Dazu wurde ein angeblicher Patientenbrief eines Arztes aus Parsberg geteilt, in dem behauptet wird, eine künftige SARS-CoV-2-Impfung würde in das menschliche Erbgut eingreifen. Der Brief jedoch ist gefälscht und es müssen auch nicht alle Arbeitgeber bis Juli 2021 den Impfschutz ihrer Mitarbeiter nachweisen. Faktencheck vom 14. Juli.

Behauptung: Ärzte und Krankenschwestern in Frankreich legen aus Protest gegen den „Corona-Schwindel“ ihre Kittel ab

Bewertung: Teilweise falsch

Auf Facebook wurde ein Video geteilt, auf dem Menschen weiße Kittel auf den Boden werfen. Angeblich sind darin Ärzte zu sehen, die in Frankreich gegen den „Corona-Schwindel“ protestieren. Das ist teilweise falsch. Es sind zwar Ärzte, aber das Video entstand schon vor der Corona-Pandemie. Hier der Faktencheck vom 13. Juli.

Behauptung: Markus Söder will Ärzten, die nicht gegen Corona impfen, die Zulassung entziehen

Bewertung: Teilweise falsch

Auf einer Webseite wird der Eindruck erweckt, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Ärzten die Zulassung entziehen möchte, die ihre Patienten nicht gegen das Coronavirus impfen wollen. Er bezog sich jedoch auf Ärzte, die sich allgemein gegen Impfungen aussprechen – und zum Beispiel falsche Bescheinigungen ausstellen, damit jemand die Masern-Impfpflicht umgehen kann. Faktencheck vom 10. Juli.

Behauptung: Ein Foto zeigt, wie Angela Merkel und Ursula von der Leyen sich nicht an die Abstandsregeln halten

Bewertung: Falsch

Immer wieder kursieren im Netz Bilder von Politikern, auf denen diese sich angeblich nicht an die Corona-Abstandsregeln halten. Oft handelt es sich um alte Aufnahmen – so auch bei einem Treffen von Angela Merkel und Ursula von der Leyen. Das Bild, auf dem sie eingehakt ein Gebäude verlassen, entstand im Januar. Mehr lesen Sie hier in unserem Faktencheck vom 10. Juli.

Behauptung: Das RKI bestätigt eine Sterblichkeitsrate von 0,01 Prozent in Deutschland

Bewertung: Falsch

In einem Online-Artikel wird behauptet, ein Lagebericht des Robert-Koch-Instituts mache deutlich, dass Covid-19 keine Gefahr darstelle. Das RKI habe bestätigt, dass die Sterblichkeitsrate in Deutschland 0,01 Prozent betrage. Die Behauptung ist falsch. Hier entlang zum vollständigen Faktencheck vom 9. Juli.

Behauptung: Merkel und Macron haben sich am 29. Juni die Hand geschüttelt

Bewertung: Falsch

Auf Facebook kursiert ein Foto, auf dem Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron sich die Hände schütteln und keinen Sicherheitsabstand einhalten. Laut der Bildunterschrift soll das Foto sei am 29. Juni entstanden sein. Das ist falsch. Das Foto wurde im Januar aufgenommen. Unser Faktencheck vom 8. Juli.

Behauptung: Aldi Süd ruft zum Verzicht auf tierische Produkte auf, weil deren Konsum Pandemien fördert

Bewertung: Teilweise falsch

Auf einem Aushang mit dem Aldi-Süd-Logo steht, 80 Prozent aller Pandemien hätten ihren Ursprung in der Tierindustrie. Deswegen solle man beim Einkauf auf tierische Produkte verzichten. Der Aushang ist eine Fälschung – die Behauptungen darauf über den Konsum tierischer Produkte und den Ausbruch von Krankheiten sind aber teilweise richtig. Hier lesen Sie den Faktencheck vom 8. Juli.

Behauptung eines angeblichen WDR-Mitarbeiters: Am 8. Juli kommt ein „zweiter Lockdown“, deshalb muss der WDR jetzt von hohen Corona-Fallzahlen berichten

Bewertung: Falsch

Eine Person, die angibt, beim WDR zu arbeiten, behauptet im Netz: Am 8. Juli werde ein neuer Lockdown verhängt, und der Sender habe deshalb Anweisungen erhalten, von hohen Corona-Fallzahlen zu berichten. Nach Aussage des WDR und des Bundesgesundheitsministeriums handelt es sich um eine Falschinformation. Unklar ist, ob die Person, die sie ursprünglich verbreitet hat, tatsächlich beim WDR arbeitet. Hier entlang zum vollständigen Faktencheck vom 8. Juli.

Behauptung: Medien haben eine große Demonstration von Schaustellern anlässlich der Corona-Krise unterschlagen

Bewertung: Falsch

In einem Facebook-Beitrag wird behauptet, eine Demonstration von Schaustellern in Berlin wäre in der medialen Berichterstattung nicht berücksichtigt worden. Das ist falsch. Zahlreiche Medien berichteten über die Aktion. Hier finden Sie den Faktencheck vom 7. Juli.

Behauptung: PCR-Tests können positiv auf Coronaviren von Nutztieren reagieren

Bewertung: Falsch

Stecken hinter der großen Anzahl an Corona-Infizierten in Schlachthöfen falsche Testergebnisse? Unter anderem in Sozialen Netzwerken wird aktuell behauptet, dass dafür eine Kreuzreaktionen auf andere Coronaviren verantwortlich sei, zum Beispiel von Rindern. Das ist falsch. Nach übereinstimmender Aussage mehrerer Experten sind die Coronaviren von Nutztieren genetisch zu verschieden von SARS-CoV-2, als dass der PCR-Test positiv auf sie reagieren könnte. Hier lesen Sie den vollständigen Faktencheck vom 3. Juli.

Behauptung: Medien verbreiten mit dem Foto einer Puppe Angst vor Corona

Bewertung: Unbelegt

In Sozialen Netzwerken wird ein Foto verbreitet, das den Transport einer Puppe auf einer Rettungsliege zeigt. Facebook-Nutzer behaupten, Medien würden mit diesem Foto Angst vor dem Coronavirus schüren. Es gibt jedoch keine Belege dafür, dass Medien das Foto verbreiten. Das Foto findet sich lediglich in Sozialen Netzwerken und wird dort von Privatnutzern verbreitet. Es gibt keine Hinweise, wann und wo es entstanden sein könnte. Es ist aber möglich, dass es eine medizinische Übung zeigt. Lesen Sie hier unseren Faktencheck vom 3. Juli.

Behauptung: Die WHO empfahl „völlig unspezifische“ Corona-Tests

Bewertung: Größtenteils falsch

In einem Online-Artikel wird behauptet, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe empfohlen, bei Corona-Tests nur auf ein „unspezifisches“ Gen zu testen. Dieses komme auch bei anderen Coronaviren vor. Damit seien vermutlich weltweit Menschen positiv getestet worden, die gar nicht mit SARS-CoV-2 infiziert seien. CORRECTIV hat das überprüft: Es stimmt, dass die WHO sagte, in Ausnahmefällen sei es ausreichend, nur auf ein Zielgen des Coronavirus zu testen, statt zwei. Falsch ist jedoch die Schlussfolgerung, die Tests seien deshalb „völlig unspezifisch“. Denn die PCR-Tests können außer auf SARS-CoV-2 nur auf das erste SARS-Virus oder einige eng verwandte Fledermausviren reagieren. Und diese kommen aktuell nicht beim Menschen vor. Lesen Sie hier unseren ganzen Faktencheck vom 2. Juli.

Behauptung: Es gab einen Tag lang keine neuen Todesfälle in Schweden

Bewertung: Teilweise falsch

In Schweden habe es einen Tag lang keine neuen Corona-Todesfälle gegeben, wird in mehreren Artikeln behauptet. Tatsächlich haben die schwedischen Behörden Ende Mai für 24 Stunden keine neuen Fälle gemeldet – es gab aber Nachmeldungen. Dass die Zahlen sich noch ändern können, wird in den Berichten nicht erwähnt. Das macht sie irreführend. Hier entlang zum Faktencheck vom 1. Juli.

Behauptung: Der Bundestag hat beschlossen, die Corona-Maßnahmen bis 2022 zu verlängern

Bewertung: Größtenteils falsch

Facebook-Nutzer verbreiten am 25. und 29. Juni die Behauptung, der Bundestag habe beschlossen, die Corona-Maßnahmen bis Ende März 2022 zu verlängern. Manche schreiben auch, der Bundestag habe die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ aufgehoben, aber mit einem neu verabschiedeten Gesetz dafür gesorgt, dass die Rechtsverordnungen und Anordnungen im Infektionssschutzgesetz weiterhin in Kraft bleiben. Das alles stimmt nicht. Es gibt einen Antrag und einen Gesetzentwurf der FDP-Fraktion im Bundestag, der etwas Ähnliches anstrebt. Dieser wurde im Bundestag diskutiert und zur weiteren Beratung an den Gesundheitsausschuss überwiesen – es wurde nichts beschlossen. Zudem enthält der Entwurf keine Verlängerung aller Corona-Rechtsverordnungen und Anordnungen auf Bundesebene, sondern sieht vor, dass einzelne Verordnungen, die sich auf Ausbildungen in Gesundheitsberufen beziehen, bis spätestens 31. März 2022 befristet werden könnten.  Lesen Sie hier und hier unsere beiden Faktenchecks vom 30. Juni.

Behauptung: Ursula von der Leyen hat Arbeitnehmer dazu aufgerufen, für die Wirtschaft auf ihren Lohn zu verzichten

Bewertung: Falsch

Auf Facebook verbreitet sich im Juni ein Beitrag mit der Behauptung, die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, wolle angeblich, dass Arbeitnehmer aus Solidarität für die geschwächte Wirtschaft auf ihren Lohn verzichten. Doch alles an dem Facebook-Beitrag ist falsch. Ursula von der Leyen hat nie gesagt, dass die Europäer auf ihren Lohn verzichten sollten, um die Wirtschaft in der Corona-Krise zu unterstützen. Der Text stammt außerdem nicht, wie behauptet, von Focus Online – der angebliche Screenshot ist eine Fälschung. Die angebliche Quelle ist eine gefälschte Nachrichtenseite. Lesen Sie hier den vollständigen Faktencheck vom 26. Juni.

Behauptung: Die Corona-Warn-App greift auf persönliche Kontaktdaten zu

Bewertung: Falsch

Die Corona-Warn-App der Bundesregierung greife auf die gespeicherten Kontakte der App-Nutzer zu, wird in einem Facebook-Beitrag vom 16. Juni behauptet. Die Daten würden zur Identifizierung und zum Tracking von Personen genutzt. Das ist falsch. Nach Angaben von Experten und der Bundesregierung speichert oder versendet die Corona-Warn-App weder personenbezogene Daten der Nutzer der App, noch ihrer gespeicherten Kontakte. Lesen Sie hier den vollständigen Faktencheck vom 25. Juni.

Behauptung: Das Coronavirus ist tatsächlich ein Bakterium, das Thrombosen auslöst

Bewertung: Falsch

Weltweit kursiert aktuell die virale Behauptung, das neue Coronavirus SARS CoV-2 sei eigentlich ein Bakterium und kein Virus. Die Patienten würden an nichts anderem als an Thrombosen sterben und Italien habe das Virus besiegt. Diese und weitere Behauptungen sind falsch. Wir erklären, warum – im Faktencheck vom 24. Juni.

Behauptung: Aufnahmen von N-TV zeigen, dass Angela Merkel die Ministerpräsidenten am 17. Juni ohne Abstand und Masken empfangen hat

Bewertung: Größtenteils falsch

Nutzer auf Facebook behaupten, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe die Ministerpräsidenten im Kanzleramt am 17. Juni ohne Sicherheitsabstand und Masken empfangen. Das Bild, das diese Unterstellung stützen soll, entstand allerdings am 12. März. Aktuelle Bilder des Treffens vom 17. Juni zeigen, dass der Abstand eingehalten wurde – Merkel trägt darauf keine Maske, andere Politikerinnen und Politiker jedoch schon. Hier entlang zum Faktencheck vom 24. Juni.

Behauptung: Ein Foto eines Impfstoffes für Hunde von 2001 zeigt, dass es Corona schon vor 20 Jahren gab

Bewertung: Falsch

Das Foto einer Impfdosis für Hunde gegen Coronaviren führen Nutzer in Sozialen Netzwerken als Beweis heran, dass das aktuelle Coronavirus schon lange bekannt sei. Das ist falsch. Die Familie der Coronaviren kennen Wissenschaftler schon seit den 60er-Jahren. Hier lesen Sie den Faktencheck vom 24. Juni.

Behauptung: Die Suizidrate ist während der Corona-Maßnahmen um 300 Prozent gestiegen

Bewertung: Unbelegt

Mehrere Webseiten behaupten, die Suizide seien seit Beginn der Corona-Maßnahmen „um 300 Prozent“ gestiegen. Das ist eine irreführende Darstellung. Die Aussage stützt sich lediglich auf eine Auswertung von Einsatzcodes der Rettungsstellen in Berlin. Diese können die Zahl der Suizide nicht zuverlässig abbilden, da der Einsatzcode lediglich die Einschätzung der Person wiedergibt, die den Notruf gewählt hat. Um 300 Prozent gestiegen sind zudem nicht alle Notrufe wegen mutmaßlich suizidaler Handlungen, sondern lediglich ein einziger Code für Sprünge aus mehr als zehn Metern Höhe. Betrachtet man alle Notrufe, sind die Zahlen von Januar bis April 2020 im Vergleich zum selben Zeitraum 2019 tatsächlich gesunken. Hier entlang zum Faktencheck vom 23. Juni.

Behauptung von Sucharit Bhakdi: Impfungen gegen Corona sind sinnlos, weil das Virus mutieren kann

Bewertung: Unbelegt

In einem Interview stellt der Mediziner Sucharit Bhakdi unbelegte und falsche Behauptungen auf. Unter anderem sagt er, dass in Deutschland und Italien kein Patient ohne Vorerkrankung an Covid-19 gestorben sei. Und die Entwicklung eines Impfstoffes werde scheitern,  weil das Coronavirus mutieren könne. Das Paul-Ehrlich-Institut widerspricht jedoch: Auch Grippeviren würden sich regelmäßig verändern, dennoch könne man Impfstoffe gegen sie produzieren. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 19. Juni.

Behauptung: Chlordioxid hat 100 Corona-Patienten in vier Tagen geheilt; Covid-19 ist keine Lungenkrankheit; 88 Prozent der beatmeten Patienten sterben

Bewertung: Größtenteils falsch

Chlordioxid heile Covid-19-Patienten – das sei das Ergebnis einer Studie aus Ecuador, wird in einem Blog-Artikel behauptet. Die Publikation ist allerdings nicht seriös, ihr angeblicher Autor ist kein Wissenschaftler und zudem als Mitglied der Chlordioxid-Szene bekannt. Auch vier weitere Behauptungen in dem Text sind falsch oder irreführend. Covid-19 ist primär eine Lungenkrankheit, eine Beatmung ist oft lebensnotwendig. Die Studie, aus der die Zahl der 88 Prozent gestorbenen Patienten angeblich stammt, wurde falsch zitiert. Hier lesen Sie unseren Faktencheck vom 18. Juni.

Behauptung: Spanien hat seine Todesfallzahlen von über 26.000 auf 2.000 korrigiert

Bewertung: Falsch

Auf Facebook wird behauptet, Spanien habe die Zahl der am Coronavirus gestorbenen Menschen „von über 26.000 auf 2.000“ revidiert. Das ist falsch. Spanien hat die Statistik am 25. Mai nicht auf 2.000, sondern um 2.000 nach unten korrigiert. Hier entlang zum Faktencheck vom 16. Juni.

Behauptung: Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass es keine Übersterblichkeit durch Covid-19 in Deutschland gibt und der Lockdown nicht gerechtfertigt ist

Bewertung: Teilweise falsch

Youtuber Samuel Eckert argumentiert anhand von Zahlen des Statistischen Bundesamts, dass 2020 in Deutschland trotz Corona nicht mehr Menschen starben als in den Vorjahren. Relevant für die Berechnung der Übersterblichkeit ist jedoch der Zeitraum, in dem es Todesfälle durch Covid-19 gab, nicht das ganze bisherige Jahr. Das bestätigte uns das Bundesamt auf Nachfrage. Im April lagen die Sterbefallzahlen deutlich über dem Durchschnitt. Zudem müssen die Auswirkungen der unterdurchschnittlichen Grippewelle dieser Saison berücksichtigt werden. Hier geht’s zum Faktencheck vom 12. Juni.

Behauptung: Die WHO hat ihre Meinung zu Schutzmasken aus Stoff geändert und erklärt nun, sie könnten das Risiko einer Infektion erhöhen

Bewertung: Größtenteils falsch

In einem Online-Artikel wird behauptet, die WHO habe ihren Standpunkt bezüglich Masken aus Stoff geändert, weil sie angeblich das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus erhöhen können. Das wurde von der WHO so nicht kommuniziert. Richtig ist: Die WHO empfiehlt nun anders als zuvor das Tragen von Stoffmasken auch im Alltag, betont allerdings, dass dies nur als Ergänzung zu anderen Maßnahmen wie Abstandhalten und Händewaschen dient. Außerdem müssten die Masken korrekt getragen werden und idealerweise aus drei Schichten bestehen. Hier geht es zum Faktencheck vom 12. Juni.

Behauptung: Studie eines Biologen von der Universität Barcelona belegt Korrelation von 5G und Coronavirus-Ausbrüchen

Bewertung: Größtenteils falsch

Eine „Studie“ belege, dass der Mobilfunkstandard 5G eine Rolle bei der Corona-Pandemie spiele, wird in einem Artikel behauptet. Das stimmt nicht. Die Veröffentlichung, um die es geht, ist weder eine offizielle Studie, noch arbeitet der Autor als Biologe an der Universität von Barcelona. Die Auswertung enthält zahlreiche Ungereimtheiten und schaut sich nur eine kleine Zahl Länder an. Die angebliche örtliche Übereinstimmung von 5G-Masten und hohen Covid-19-Fallzahlen hält der genauen Betrachtung nicht stand. So hat Brasilien sehr viele Infizierte und Todesfälle, aber kaum 5G – insbesondere gibt es den neuen Mobilfunkstandard nicht in den Teilen des Landes, wo die Zahl der Infizierten in Relation zur Bevölkerung am höchsten ist. Hier finden Sie den vollständigen Faktencheck vom 8. Juni.

Behauptung: Die niedrigen Prozentzahlen der „aktuell Infizierten“ zeigen, dass die Pandemie vorbei oder nicht gefährlich ist

Bewertung: Unbelegt

Auf Facebook wurde eine Auflistung angeblicher Zahlen zu „aktuell Infizierten“ in den Bundesländern geteilt. Sie bewegen sich in Bezug auf die Bevölkerungszahl unter null Prozent. Als Quelle wird das Robert-Koch-Institut angegeben. Die Zahl der aktuell Infizierten wird jedoch gar nicht erhoben und kann auch nicht zuverlässig berechnet werden. Denn dafür müsste man die Zahl der Genesenen von den Gesamtinfektionen in den Bundesländern abziehen. Diese Fälle werden jedoch nicht offiziell gemeldet; bei dem Wert handelt es sich nur um eine grobe Schätzung. Hier entlang zum Faktencheck vom 5. Juni.

Behauptung: Ein Foto, auf dem eine Frau einen Leichensack mit einer Hand trägt, zeigt, dass die Corona-Pandemie ein Schwindel ist

Bewertung: Teilweise falsch

Auf Facebook wurde ein Foto von angeblichen Leichensäcken geteilt, die auf einem Fußweg aufgereiht liegen. Eine Frau trägt mit einer Hand einen davon weg. Nutzer leiten daraus ab, dass sich in den Säcken nicht wirklich Leichen befinden können und die Pandemie deshalb ein „Schwindel“ sei. Unsere Recherche zeigt jedoch: Die Säcke waren Teil einer symbolischen Protestaktion in Miami. Deshalb waren es natürlich keine echten Leichensäcke, eine Täuschung der Öffentlichkeit liegt aber nicht vor. Hier finden Sie den Faktencheck vom 2. Juni.

Behauptung: Masken fördern Atemwegserkrankungen und schwächen das Immunsystem

Bewertung: Teilweise falsch

Seit Wochen wird im Netz behauptet, dass das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen gesundheitsschädlich sei. Auf Facebook kursiert nun ein Beitrag, in dem es heißt: Masken schwächten das Immunsystem, weil sie Pilzen, Viren und Bakterien den Zugang zum Körper verwehrten. Im Widerspruch dazu steht die zweite Behauptung desselben Beitrag: Die Masken förderten Atemwegserkrankungen, weil durch sie Keime in die Lunge gelangen würden. Die Behauptungen sind teils falsch, teils unbelegt. Hier gibt’s den vollständigen Faktencheck vom 28. Mai.

Behauptung: Sachsen droht Eltern bei Verstoß gegen Corona-Regeln (Unterschrift einer Gesundheitsbestätigung) mit „Kindesentzug“

Bewertung: Größtenteils richtig

Im Netz kursiert die Behauptung, das sächsische Kultusministerium habe Eltern mit „Kindesentzug“ gedroht, wenn verpflichtende Unterschriften einer Gesundheitsbestätigung für die Schule fehlen. Das stimmt großteils – das Ministerium spricht von einer „unglücklichen Formulierung“. Hier entlang zum Faktencheck vom 27. Mai.

Behauptung: Bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Gera drohte eine Polizistin mit dem Einsatz der „Waffe“

Bewertung: Falsch

Bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Gera habe eine Polizistin mit dem Einsatz der Waffe gedroht, behaupten Nutzer auf Facebook und Youtube. Tatsächlich ist die Aussage der Frau in dem Video schwer zu verstehen. Sie drohte, Pfefferspray („Pfeffer“) einzusetzen. Hier finden Sie den Faktencheck vom 27. Mai.

Behauptung: Ein Foto zeigt eine Benachrichtigungskarte vom „WHO-Impfteam“

Bewertung: Satire / Völlig falsch

Auf Whatsapp und Twitter macht ein Foto einer Benachrichtigungskarte die Runde, die angeblich von der WHO stammt. Die Karte verbindet mehrere Verschwörungstheorien miteinander und ist vermutlich als Satire gedacht, wird aber offenbar auch missverstanden. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 26. Mai.

Behauptung: Bill Gates hat gesagt, er investiere in Impfungen, weil sie ihm einen Gewinn von 2.000 Prozent einbringen

Bewertung: Größtenteils falsch

In der Telegram-Gruppe „QAnons Channel Germany“ wird ein aus dem Kontext gerissenes Zitat von Bill Gates verbreitet. Angeblich habe er in einem Interview verraten, er wolle alle Menschen impfen und so einen Gewinn von 2.000 Prozent machen. Das Zitat ist irreführend verkürzt. Gates sprach vom sozialen und wirtschaftlichen Mehrwert, den Gesundheitshilfe habe, weil sie Leben rette. Hier geht’s zum Faktencheck vom 26. Mai.

Behauptung: Nach Abstrich von einer getragenen Maske wachsen Keime in einer Petrischale, das ist der Beleg, dass sie gesundheitsschädlich ist

Bewertung: Teilweise falsch

Auf Facebook kursiert ein Foto einer Petrischale voller Keime. Es soll beweisen, dass ein Mundschutz der Gesundheit schade – angeblich wurde ein Abstrich von der Innenseite der Maske nach einer siebenstündigen Zugfahrt genommen und die Schale in einen Brutschrank gestellt. Im Text zu dem Beitrag werden Symptome beschrieben, die nach dem Tragen angeblich auftreten sollen, darunter Atemnot durch zu viel eingeatmetes CO2, ein Gerstenkorn am Auge und Hautprobleme. Die Behauptungen sind teils unbelegt, teils falsch. Bakterien im Mund sind zum Beispiel völlig normal; laut Experten würde die Petrischale auch so aussehen, wenn man hinein spucken würde. Hier entlang zum Faktencheck vom 26. Mai.

Behauptungen zum Tragen von Mundschutz: Man atmet CO2 ein, nimmt weniger Sauerstoff auf, mangelnde Belüftung der Lunge fördert Lungenkrankheiten. Die Maske verkeimt und kann keine Viren zurückhalten

Bewertung: Teilweise falsch

In den Sozialen Netzwerken verbreitet sich ein Flyer, der vor angeblichen Gesundheitsgefahren beim Tragen von Masken warnt. Die Behauptungen darin sind falsch oder stark verkürzt dargestellt. Der Autor des Papiers zweifelt die Existenz des Coronavirus generell an, sagt er gegenüber CORRECTIV. Hier finden Sie den vollständigen Faktencheck vom 25. Mai.

Behauptung: Maske Tragen ist für Kinder gefährlich, es droht eine Atemlähmung

Bewertung: Falsch

Auf einem in den Sozialen Netzwerken geteilten Bild wird behauptet, dass Mundschutz für Kinder gefährlich sei. Er sei für Kinder unter zwölf Jahren ungeeignet und für Kinder unter sechs Jahren gefährlich. Sie könnten den CO2-Ausstoß nicht kontrollieren und würden nicht merken, wenn sie zu wenig Luft einatmen würden. Zudem führe das wiederholte Einatmen von CO2 zu Atemlähmung. Diese Behauptungen sind falsch. Hier geht’s zum Faktencheck vom 21. Mai.

Behauptung: Die Polizei Dresden hat sich der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen angeschlossen

Bewertung: Falsch

Auf Facebook und Youtube kursieren Bilder, die angeblich zeigen sollen, wie sich Polizisten einem Montagsspaziergang gegen die Corona-Maßnahmen angeschlossen haben. Das ist falsch. Es handelte sich um einen Polizeieinsatz, der die Versammlung begleitete. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 20. Mai.

Behauptung: Bill Gates hat zugegeben, mit 700.000 „Impfschäden“ zu rechnen und hinterließ 490.000 gelähmte Kinder in Indien

Bewertung: Größtenteils falsch

Der Arzt Michael Spitzbart schreibt auf Facebook und Instagram, Bill Gates habe zugegeben, dass er mit 700.000 Impfschäden durch einen Covid-19-Impfstoff rechne. Zudem habe er in Indien nach einer „Impfaktion“ 490.000 gelähmte Kinder hinterlassen. Unser Faktencheck zeigt: Die erste Behauptung ist teilweise falsch, die zweite komplett falsch. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 20. Mai.

Behauptung: In SARS-CoV-2 wurden im Labor Sequenzen von HIV eingefügt

Bewertung: Größtenteils falsch

Immer wieder wird eine Behauptung des Virologen Luc Montagnier als angeblicher Beleg dafür herangezogen, dass das Coronavirus in einem Labor hergestellt wurde. Zuletzt schrieb die Seite Sputnik-News am 18. April darüber. Montagnier sagte, das Virus enthalte Gen-Sequenzen von HIV. Zahlreiche Wissenschaftler haben diese Behauptung jedoch widerlegt. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 20. Mai.

Falsche Behauptungen über Bill Gates, RKI, Corona-Tote und Corona-Sterblichkeit im Youtube-Video von „Coach Cecil“

Bewertung: Größtenteils falsch

In einem Video stellt der Youtuber „Coach Cecil“ zahlreiche Behauptungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie auf. Viele davon sind falsch oder unbelegt: Er behauptet beispielsweise,  Bill Gates sei der Hauptsponsor der WHO. Das ist teilweise falsch. Zudem sagt er, Rechtsmediziner Püschel habe „bis zum heutigen Tag“ nicht einen Corona-Fall obduziert, der an und nicht mit Corona gestorben ist – das stimmt jedoch nicht. Auch hat das RKI Apotheken kein Verbot ausgesprochen, Antikörpertests zu verkaufen. Am 19. Mai stellte Cecil das Video auf seinem Kanal auf privat. Bis zu diesem Zeitpunkt war es mehr als 839.000 Mal geklickt worden. Andere Kanäle verbreiten das Video weiterhin. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 19. Mai.

Behauptungen über angebliche „Impfverbrechen“ von Bill Gates im Faktencheck

Bewertung: Größtenteils falsch

Im Windschatten der Debatten um das Coronavirus verbreiten sich altbekannte Vorwürfe gegen Bill Gates und seine Stiftung. Das Ziel: Angst vor Impfungen zu schüren. Die von uns geprüften Geschichten über angebliche Impfschäden in Indien oder Afrika sind jedoch falsch oder unbelegt. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 18. Mai.

Behauptungen in Kettenbrief: China ist von dem Coronavirus wirtschaftlich nicht betroffen, das Virus sei nie in Peking oder Shanghai angekommen, China hat das Virus erschaffen, um davon zu profitieren

Bewertung: Größtenteils falsch

Auf Whatsapp wird ein Kettenbrief geteilt, in dem suggeriert wird, die chinesische Wirtschaft profitiere vom neuartigen Coronavirus. Viele der Behauptungen, mit denen das belegt werden soll, sind falsch oder ohne Belege. So zeigt unser Faktencheck, dass es in Peking und Shanghai Covid-19-Fälle gab und gibt. Zudem hat auch der chinesische Markt unter dem Coronavirus gelitten. Für das Gerücht, das Virus sei künstlich erschaffen worden, gibt es bisher keine Belege. Zahlreiche Wissenschaftler haben dieser These aber bereits widersprochen. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 15. Mai.

Behauptung: Video zeigt aktuelle Demonstration gegen Corona-Maßnahmen in Chemnitz

Bewertung: Falsch

In einem Facebook-Beitrag vom 6. Mai wird suggeriert, ein Video zeige eine aktuelle Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Chemnitz. Das ist falsch: Das Video ist von September 2018 und zeigt Proteste, unter anderem von rechtsextremen Gruppen, wegen des tödlichen Angriffs auf Daniel H.. Das hat uns die Polizei in Sachsen bestätigt. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 15. Mai.

Behauptung: Die USA setzen jetzt auf alternative Mittel wie Chlordioxid, Hydroxychloroquin oder Azithromycin statt Impfungen

Bewertung: Größtenteils falsch

Die Behauptung ist irreführend und gefährlich. Es wird in den USA weiterhin nach einem Impfstoff gesucht. Chlordioxid ist ein Desinfektions- und Bleichmittel und für Menschen giftig; es stimmt nicht, dass es offiziell für den Einsatz gegen Covid-19 geprüft wird. Richtig ist, dass in den USA Malaria-Medikamente wie Hydroxychloroquin getestet werden, sie sind aber nicht für diese Nutzung zugelassen und ihre Sicherheit und Wirksamkeit gegen Covid-19 ist nicht bestätigt. Die Behörden raten dringend davon ab, die Medikamente eigenmächtig einzunehmen oder mit dem Antiobiotikum Azithromycin zu kombinieren; Herzrhythmusstörungen könnten die Folge sein. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 14. Mai.

Behauptung des italienischen Politikers Vittorio Sgarbi: 96 Prozent der Covid-19 Patienten starben an anderen Ursachen

Bewertung: Unbelegt

Der italienische Politiker Vittorio Sgarbi behauptete in einer Rede, dass von 25.000 verstorbenen Corona-Patienten in Italien 96 Prozent eigentlich an anderen Ursachen gestorben wären. Diese Argumentation basiert jedoch auf einem Trugschluss. Die Studie, auf die Sgarbi sich offenbar bezieht, besagt lediglich, dass 96 Prozent der Patienten eine Vorerkrankung hatten. Am häufigsten waren dabei Bluthochdruck und Diabetes. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 13. Mai. (Am 12. Juni haben wir dazu noch einen weiteren Artikel veröffentlicht.)

Behauptung: Das Standbild eines aktuellen Videos zeigt Merkel, Scholz und Söder bei einem Treffen ohne Masken und Mindestabstand

Bewertung: Falsch

Auf Whatsapp und Facebook kursiert Anfang Mai das Standbild eines angeblich aktuellen Videos, auf dem sich Markus Söder und Olaf Scholz die Hand geben. Angela Merkel steht dicht daneben. Die Aufnahmen stammen jedoch aus dem Jahr 2019.  Der Nachrichtensender von Welt hatte die Aufnahmen zwar am 2. Mai 2020 ausgestrahlt. Auf Anfrage teilt uns eine Sprecherin aber mit, dass es sich um Archivaufnahmen handelte und entschuldigte sich dafür, dass dies in dem Beitrag nicht kenntlich gemacht wurde. Das Video ist mittlerweile entfernt worden. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 8. Mai.

Behauptungen in einem Video von Ken Jebsen, unter anderem zur Finanzierung der WHO, Bill Gates, einer Impfpflicht und Festnahmen bei Demos in Berlin

Bewertung: Teilweise falsch

In einem millionenfach aufgerufenen Youtube-Video verbreitet der Blogger Ken Jebsen (KenFM) am 4. Mai neben Verschwörungstheorien – die nicht anhand von Fakten überprüfbar sind – auch falsche Behauptungen über das Handeln der Polizei, Bill Gates, die WHO und eine angeblich geplante Impfpflicht. So behauptet er, dass eine Stiftung von Bill Gates zu mehr als 80 Prozent die WHO finanziere. Das stimmt nicht. Zudem will man in Deutschland laut Bundesgesundheitsministerium auch keine Impfpflicht durch die Hintertür einführen. Die Polizei Berlin erklärt uns außerdem, dass Personen auf Demos in der Hauptstadt dann entfernt oder festgenommen wurden, wenn es sich um nicht genehmigte Veranstaltungen handelte. Die Grundgesetzbücher hätten damit nichts zu tun. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 8. Mai.

Behauptung: Bei der Trauerfeier einer „Clan-Familie“ im April durften zahlreiche Menschen eng gedrängt zusammenstehen – den Corona-Regeln zum Trotz

Bewertung: Größtenteils falsch

Ein Beitrag auf Facebook erweckt den Eindruck, im April hätten zahlreiche Menschen bei der Trauerfeier einer „Clan-Familie“ dicht an dicht gestanden – ohne sich an die Corona-Regeln zu halten. Es wurde aber ein Foto von 2018 verwendet. Die Polizei achtete bei der Beerdigung im April auf Einhaltung der Abstandsregeln: So gab es eine genaue Teilnehmerliste und die Trauernden wurden in Gruppen mit maximal 20 Personen eingeteilt, die den Friedhof nur nacheinander betreten durften. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 6. Mai.

Behauptungen in einem Facebook-Beitrag, unter anderem zur Sterblichkeitsrate von Covid-19, zu Zahlen des RKI, Vergleiche mit Influenza-Saison und Behauptungen über osteuropäische Erntehelfer

Bewertung: Größtenteils falsch

Auf Facebook kursiert seit 15. April ein Beitrag, der mit den Worten „So, ihr Vögel aus Berlin“ beginnt. Darin wird behauptet, dass die Bundesregierung übertriebene Maßnahmen gegen das Coronavirus auf einer falschen Grundlage ergriffen habe. Viele der Behauptungen, die das belegen sollen, sind jedoch falsch: So hat das RKI – anders als behauptet – nie von bis zu einer Million möglichen Corona-Toten in Deutschland gesprochen und in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis sind wesentlich mehr Intensivbetten belegt, als die in dem Beitrag genannten einstelligen Prozentzahlen. Zur Sterblichkeitsrate von Covid-19 gibt es sehr unterschiedliche Angaben. Das Coronavirus und die Corona-Pandemie lassen sich nicht so einfach mit den Grippewellen der vergangenen Jahre vergleichen – schon gar nicht anhand der Toten. Zudem ist die Sterberate bei Corona-Infizierten in Schweden nach aktuellen Angaben deutlich höher als in Deutschland und nicht, wie behauptet, nur „unwesentlich höher“. Auch Behauptungen zu osteuropäischen Erntehelfern, zu Aussagen von Angela Merkel und die Vergleiche mit anderen europäischen Ländern sind teils irreführend. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 6. Mai.

Behauptung: Der japanische Immunologe Tasuku Honjo bestätigt, dass das Coronavirus „nicht natürlich“ ist

Bewertung: Falsch

Tasuku Honjo hat diese Aussage nie getätigt und der Behauptung öffentlich widersprochen. Wissenschaftler betonen schon seit Monaten, das Virus sei in der Natur entstanden. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 5. Mai.

Behauptung: Nikotin hilft gegen Coronaviren

Bewertung: Unbelegt

Auf Facebook verbreitet sich die Behauptung, Nikotin verhindere die Ausbreitung von Coronaviren im Körper. Aus diesem Grund würden Raucher „fast nie“ an Covid-19 erkranken. Dafür gibt es keine Belege. Die französische Studie, auf die sich die Behauptung bezieht, ist nicht beweiskräftig. Anderen Studien zufolge könnten Raucher sogar eine explizite Risikogruppe sein. Hier geht’s zum Faktencheck vom 5. Mai.

Behauptung: Ein Schaubild zeigt, um wieviel Prozent sich die Ansteckungsgefahr durch das Tragen von Masken verringert

Bewertung: Unbelegt

Eine Grafik soll veranschaulichen, um wie viel Prozent sich das Ansteckungsrisiko mit Covid-19 verringert, wenn Menschen Masken tragen. Für die konkreten Zahlen, die auf dem Bild gezeigt werden, gibt es jedoch keine Belege. Zudem ist unklar, welche Art von Masken gemeint ist. Experten sind der Ansicht, dass auch ein selbstgenähter Mundschutz helfen kann – um wieviel Prozent er das Risiko verringert, ist aber unklar. Hier geht es zum Faktencheck vom 4. Mai.

Behauptung: Die Stadt Dortmund erlaubt eine Ramadan-Feier mit 50.000 Muslimen

Bewertung: Größtenteils falsch

Ein Facebook-Beitrag verbreitet am 10. April die Behauptung, in Dortmund finde anlässlich des Ramadan eine Veranstaltung mit 50.000 Teilnehmern statt – trotz Corona-Maßnahmen. Das ist falsch. Die Veranstaltung ist abgesagt. Das haben die Stadt Dortmund und der Veranstalter öffentlich kommuniziert. Hier geht es zum Faktencheck vom 2. Mai.

Behauptung: Vergleich von weltweiten Todeszahlen durch Covid-19 mit denen durch Malaria, Alkohol oder Verkehrsunfälle zeigt, dass die Zahl gering ist

Bewertung: Unbelegt

In einem Bild, das auf Facebook und Whatsapp verbreitet wird, werden Sterbefälle durch Covid-19 weltweit mit anderen Todesursachen verglichen. Dieser Vergleich ist jedoch irreführend. Die Zahlen für die anderen Todesursachen sind entweder stark veraltet oder völlig unbelegt. Zudem lassen sie sich auch methodisch nicht vergleichen. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 2. Mai.

Behauptung: Das Infektionsrisiko, an Covid-19 zu erkranken, steigt mit dem Tragen einer Maske

Bewertung: Größtenteils falsch

In einem Video auf Youtube behauptet ein junger Sanitäter namens Philipp Stehling, das Tragen eines selbstgenähten Mundschutzes sei gefährlich und sinnlos. Dafür führt er einige Studien an, deren Ergebnisse er allerdings falsch wiedergibt. Hier zum Faktencheck vom 30. April.

Behauptung: Räuber verteilen an Haustüren Masken, die in Betäubungsmittel getränkt sind, um Leute auszurauben

Bewertung: Falsch

Auf Whatsapp und Facebook kursiert im April ein Kettenbrief, in dem vor Kriminellen gewarnt wird, die in der Corona-Krise angeblich Masken mit Betäubungsmittel verteilen, um Leute auszurauben. Die Polizeibehörden in Deutschland haben dazu bisher keine Erkenntnisse. Der Text kursierte zuvor schon in Großbritannien und Spanien. Auch dort gab es laut den Behörden bisher keine solchen Vorfälle. Dennoch warnt die Polizei vor Trickbetrügern in Deutschland, die die Corona-Pandemie auf unterschiedliche Weise ausnutzen wollen. Hier geht es zum gesamten Faktencheck vom 29. April.

Behauptung in Whatsapp-Kettenbrief: Aspirin kann Covid-19 heilen und alle Patienten sterben an einer Thrombose

Bewertung: Größtenteils falsch

In einem auf Whatsapp geteilten Kettenbrief wird behauptet, wegen eines Diagnosefehlers sei die Krankheit Covid-19 weltweit falsch behandelt worden. Mit den Worten „ULTIMA HORA, DIE LETZTE STUNDE“ beginnt der Brief. Weder Beatmungsgeräte noch Intensivstationen seien zur Behandlung nötig. Stattdessen sei der richtige Weg, erkrankte Patienten mit Antibiotika, entzündungshemmenden und gerinnungshemmenden Medikamenten zu behandeln. Autopsien in Italien hätten gezeigt, dass Covid-19 Patienten nicht an Lungenentzündung, sondern an einer Thrombose sterben würden. Außerdem belege der Fall einer mexikanischen Familie in den USA eine Heilung durch Aspirin-Tabletten mit Honig und Zitronensaft. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 28. April.

Behauptung: Der CDU-Politiker Rudolf Henke will Kinder von der Polizei für Zwangsimpfungen abholen lassen

Bewertung: Falsch

Auf Facebook wird am 26. April ein Videoausschnitt geteilt, der suggeriert, der Bundestagsabgeordnete Rudolf Henke (CDU) wolle die Polizei zu Impfverweigerern nach Hause schicken und die Kinder zur Zwangsimpfung mitnehmen. Das Video ist jedoch von 2019 und manipulativ geschnitten. Henke sagte eigentlich das genaue Gegenteil, nämlich,  dass der Gesetzentwurf keine Abholung von Kindern durch die Polizei vorsehe. Zwangsimpfungen sind nach dem Masernschutzgesetz nicht möglich. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 28. April.

Behauptung: Für Muslime gelten die Regeln des Kontaktverbots nicht, das zeigt ein Fall in Berlin Anfang April

Bewertung: Teilweise falsch

In Berlin erschienen 300 Menschen zu einem symbolischen Gebetsruf – mutmaßlich wegen eines Missverständnisses. Der Vorfall wird nun jedoch in einem Artikel als angeblicher Beleg präsentiert, dass für Muslime in Corona-Zeiten andere Regeln gelten. Die Berliner Polizei betont, es gebe keine Ausnahmen für bestimmte Religionen. Das Ganze beruhte offenbar auf einem Missverständnis; die Moschee hatte die Menschen vorab aufgefordert, nicht persönlich zum Gebet zu erscheinen. Die Polizei rechnete nach eigenen Angaben deshalb nicht mit einer Versammlung und hatte nicht genügend Personal vor Ort, um Personalien für Bußgelder aufzunehmen. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 27. April.

Behauptung: Seit es Corona gibt, stirbt niemand mehr an Herzinfarkten oder Krebs

Bewertung: Falsch

Covid-19 ist – anders als auf einem Sharepic auf Facebook behauptet wird – aktuell nicht die einzige Todesursache in Deutschland. Wie uns die Deutsche Gesellschaft für Rechtsmedizin bestätigte, sterben Menschen auch weiterhin aus allen möglichen Gründen. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 27. April.

Behauptung: Beim Tragen eines Mundschutzes atmet man zu viel CO2 ein

Bewertung: Größtenteils falsch

Auf einem tausendfach auf Facebook geteilten Bild wird vor dem Tragen einer Maske gewarnt – da man damit angeblich zu viel CO2 einatme. Außerdem entstehe beim Tragen Feuchtigkeit in der Lunge, wodurch sich dort Keime vermehren könnten. Diese Behauptungen sind größtenteils falsch. Die Studie, auf die sich die Aussage zu CO2 bezieht, ist von 2005, beschäftigte sich mit zwei OP-Masken-Modellen und ist inzwischen überholt. OP-Masken müssen in Deutschland zertifiziert sein. Im Einsatz gegen die Corona-Pandemie sind noch zwei weitere Maskenarten, auch sie sind nicht gefährlich. Sie sollten nur korrekt benutzt werden, denn wird die Maske feucht, können sich im Mundbereich Bakterien vermehren. Mit Viren in der Lunge hat das allerdings nichts zu tun. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 24. April.

Behauptung: Es gibt keine Beweise für Existenz des neuartigen Coronavirus

Bewertung: Teilweise falsch

Der Musiker Xavier Naidoo kritisiert im Verlauf eines Videos das Vorgehen der deutschen Regierung. Man nehme in Kauf, dass Menschen sterben. „Wir müssen so machen, als gäbe es eine tödliche Pandemie“, sagt Naidoo dann. Und: „Bringt uns verdammt nochmal Beweise, dass dieses Ding echt ist.“ Damit impliziert der Musiker, dass es angeblich keine Pandemie gebe und das neuartige Coronavirus nicht echt sei. Man müsse sich jetzt „wehren“, sagt Naidoo weiter. Naidoo lässt dabei zentralen Kontext aus: Es gibt etliche wissenschaftliche und teils jahrzehntealte Erkenntnisse zu Coronaviren – und mittlerweile hunderte detaillierte Studien zum neuen Virus SARS-CoV-2 und der daraus resultierenden Lungenerkrankung Covid-19. Dazu kommen die Forschungsergebnisse einzelner Virologen und Epidemiologen. Hier geht’s zum Faktencheck vom 24. April.

Behauptung: Auch Infizierte, die zum Beispiel durch einen Unfall oder Suizid sterben, zählen als Covid-19-Todesfälle

Bewertung: Richtig

Das Robert-Koch-Institut bestätigt auf Nachfrage, dass alle Verstorbenen, bei denen zuvor die Diagnose Covid-19 gestellt wurde, in die Statistik zum Coronavirus aufgenommen werden. Damit solle verhindert werden, dass die Fälle untererfasst werden. Der Fall eines gewaltsamen Todes sei so selten, dass die Statistik dadurch nicht verzerrt werde, so eine Sprecherin. Zum vollständigen Faktencheck geht es hier.

Behauptung: Der „Lockdown“ der Regierung war unnötig und unwirksam, weil die Reproduktionszahl des Coronavirus schon zuvor auf 1 gesunken war und nicht weiter sank, außerdem ist die Corona-Welle am Abklingen

Bewertung: Teilweise falsch

Der Finanzwissenschaftler Stefan Homburg behauptet in einem viralen Youtube-Interview am 17. April, der „Lockdown“ der Regierung sei unnötig und unwirksam gewesen. Er führt das auf die Reproduktionszahl des Virus zurück. Zudem habe das Robert-Koch-Institut mit Zahlen zu möglichen Corona-Todeszahlen Angst geschürt. Die Corona-Welle sei außerdem in ganz Europa am Abklingen. Allein anhand des R-Wertes könne man jedoch keine Prognosen treffen, sagt das Robert-Koch-Institut. Auch sonst greift die Argumentation von Stefan Homburg zu kurz. Hier geht es zum gesamten Faktencheck vom 22. April.

Behauptung: Deutschland lehnt jegliche Hilfe aus China zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ab

Bewertung: Falsch

In einem Artikel von RT Deutsch, dem Ableger des russischen Auslandssenders RT, wird behauptet, Deutschland lehne jegliche Hilfe aus China zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ab. Das ist falsch. Die Bundesministerien wollen Hilfsgüter aus China in Deutschland verteilen, teilen sie auf Anfrage von CORRECTIV mit. Zudem wurde eine „Luftbrücke“ zwischen China und Deutschland eingerichtet. Hier geht es zum gesamten Faktencheck vom 20. April.

Behauptung: Das Coronavirus überlebt bei Hitze nicht länger als vier Minuten

Bewertung: Unbelegt

In einem Artikel werden Behauptungen zum Coronavirus in Bezug auf das Wetter aufgestellt. Es wird ein Virologe zitiert, der brasilianischen Medien sagte, das Virus könne in heißem Klima nicht überleben. Diese Aussage ist jedoch schon Monate alt; inzwischen ist klar, dass sich SARS-CoV-2 auch in warmen Ländern verbreitet. Dazu, wie viel Hitze das Virus generell aushält, gibt es erste Laborstudien – eine kam zu dem Ergebnis, dass das Virus bei einer Umgebungstemperatur von 70 Grad nach fünf Minuten inaktiviert wurde. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 20. April.

Behauptung: Es gab 25.000 Grippetote in der Saison 2017/18, im Vergleich dazu aber bisher nur 3.000 Corona-Tote

Bewertung: Teilweise falsch

Auf Facebook wird die Zahl der Grippetoten in der Saison 2017/18 mit den bisherigen Corona-Todesfällen verglichen und damit impliziert, dass Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie übertrieben seien. Die Todeszahlen werden aber ganz unterschiedlich erhoben: Während laut RKI aktuell jeder als Corona-Toter zählt, der in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung stand und stirbt, basiert die Zahl der Grippetoten auf statistischen Schätzungen. Hier geht es zum gesamten Faktencheck vom 19. April.

Behauptung: In Mannheim stand eine große Gruppe Flüchtlinge bei einer Verlegung eng zusammen – allen Corona-Maßnahmen zum Trotz

Bewertung: Größtenteils richtig

Auf Facebook wird am 9. April behauptet, in Mannheim habe eine große Gruppe Migranten bei einem Transport eng beieinander gestanden – den Corona-Maßnahmen zum Trotz. Dazu wird ein Foto verbreitet, das die Szene zeigen soll. Es stimmt, dass dort an diesem Morgen 42 Flüchtlinge von einer Erstaufnahmeeinrichtung in andere Stadt- und Landkreise verlegt wurden. Es gab laut Behörden aber Maßnahmen zum Infektionsschutz, die von Sicherheitspersonal überwacht wurden. Die Verlegung selbst diente laut Behörden ebenfalls dem Zweck, die Belegung in der Einrichtung zu „entzerren“, und damit den Infektionsschutz zu erhöhen. Hier geht es zum gesamten Faktencheck vom 18. April.

Behauptung: Wer gegen Grippe geimpft ist, hat ein höheres Risiko, an Covid-19 zu erkranken

Bewertung: Falsch

Im Netz und in Messenger-Diensten wie Whatsapp kursiert die Behauptung, eine Grippeimpfung erhöhe das Risiko einer Erkrankung an der Lungenkrankheit Covid-19. CORRECTIV hat darüber mit dem Robert-Koch-Institut gesprochen. „Gerade im Kontext der Covid-19-Pandemie – der Anfang der Covid-19-Epidemie fiel in die Grippewelle – war es essentiell, dass die Risikogruppen gegen Grippe geimpft waren, um schwere Influenza-Verläufe zu verhindern und Engpässe in Krankenhäusern (u. a. bei Intensivbetten, Beatmungsplätzen) zu vermeiden.“ Die Behauptung ist demnach falsch. Hier geht es zum gesamten Faktencheck vom 17. April.

Behauptung: Ein Rechtsmediziner hat gesagt, dass nie ein gesunder Mensch am Coronavirus gestorben sei und alle Verstorbenen zuvor an schweren inneren Erkrankungen litten

Bewertung: Größtenteils falsch

Klaus Püschel, Rechtsmediziner aus Hamburg, macht in verschiedenen Interviews auf sich aufmerksam. Seine Kernthese: Man müsse von den Toten lernen. Er obduzierte zahlreiche Menschen, die die Diagnose Covid-19 bekommen hatten. Dabei fiel ihm zwar auf, dass die Menschen Vorerkrankungen  – auch solche, die sie zu Lebzeiten nicht kannten – hatten, er sagte aber nicht, dass „nie“ ein gesunder Mensch am Coronavirus verstorben sei. Den gesamten Faktencheck vom 17. April gibt es hier zum Nachlesen.

Behauptung: 2018 gab es mehr als 25.000 Tote durch die Grippe, 2020 hingegen nur knapp 400

Bewertung: Teilweise falsch

Auf Facebook wird behauptet, es habe 2020 nur 411 Grippetote gegeben. Dem wird eine Zahl von 2018 gegenüber gestellt: Damals seien es 25.100 Grippetote gewesen. Das stimmt so nicht. Die aufgeführten Zahlen lassen sich nicht miteinander vergleichen, weil sie unterschiedlich erfasst wurden. Trotzdem verlief die Grippewelle dieses Jahr milder als sonst, mutmaßlich auch aufgrund der Einschränkungen wegen des Coronavirus SARS-CoV-2. Sie wurde vorzeitig für beendet erklärt. Die vollständige Erklärung gibt es in unserem Artikel vom 16. April.

Behauptung: Die Bundesregierung zahlt eine Prämie für das Zuhause bleiben während der Corona-Pandemie

Bewertung: Völlig falsch

Bei Facebook wird die Behauptung geteilt, dass die Bundesregierung einmalig Geld an Menschen auszahle, die zu Hause bleiben und somit dazu beitragen, dass sich das Coronavirus nicht so schnell ausbreitet. Das ist frei erfunden. In keinem Maßnahmenkatalog der Regierung sind solche Zahlungen zu finden. Zum vollständigen Check vom 16. April geht es hier.

Behauptungen von Andres Bircher, darunter: Heiße Bäder und Schwitzkuren helfen gegen das Coronavirus; das Immunsystem verdoppelt seine Kraft mit jedem Grad Fieber

Bewertung: größtenteils falsch

In einem auf Youtube hochgeladenen Video des Schweizer Fernsehsenders QS24 behauptet Ganzheitsmediziner Andres Bircher in einem Interview, dass sich das Coronavirus durch hypothermische Bäder behandeln lasse. Außerdem würde die Anwendung von Sonnenschutzcreme die Bildung von Vitamin D verhindern, das Immunsystem verdopple mit jedem Grad Fieber seine Abwehrkraft und Grippeimpfungen wirken angeblich nicht, weil das Virus bei der Herstellung des Impfstoffs verändert werde. All diese Behauptungen sind zumindest teilweise falsch. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 16. April.

Behauptung: Die Netflix-Serie „My Secret, Terrius“ sagte 2018 die Corona-Pandemie voraus

Bewertung: größtenteils falsch

In einem Facebook-Post berichtet ein Mann, er habe „herausgefunden“, dass in der Handlung einer asiatischen Fernsehserie, die auf Netflix verfügbar ist, Parallelen zur aktuellen Corona-Pandemie auftauchen. Das liegt daran, dass verschiedene Coronavirus-Stämme häufig ähnliche Symptome verursachen. Die fiktive Erkrankung ist keine Vorhersage. Zum Beispiel hat sie in der Serie auch eine Todesrate von 90 Prozent – das passt nicht zu SARS-CoV-2. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 15. April.

Behauptung: Die Lebensmittelversorgung in Deutschland ist gefährdet

Bewertung: größtenteils falsch

In einem Whatsapp-Kettenbrief wird behauptet, die Lebensmittelversorgung in Deutschland sei gefährdet, man solle sich mit Lebensmitteln eindecken. Die Information stamme angeblich aus einer geschlossenen Sitzung der Bundesregierung. Das Landwirtschaftsministerium dementiert das und spricht von einer „Falschmeldung“. Die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln liege bei mehr als 100 Prozent. Dies bestätigte uns auch der Bauernverband. Zwar fehlen Erntehelfer, zahlreiche Maßnahmen sollen jedoch sicherstellen, dass die Lebensmittelversorgung nicht gefährdet wird. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 14. April.

Behauptung: Bayern streicht seine Soforthilfen für Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern

Bewertung: teilweise falsch

Auf einem Blog wird behauptet, das Land Bayern zahle keine Soforthilfen mehr an Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern. Diese Behauptung ist irreführend. Bayern zahlt Fördermittel des Bundes an die kleinen Betriebe aus – und diese liegen höher als das, was das Bundesland zuvor zahlte. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 14. April.

Behauptungen von Rolf Kron, darunter: Coronaviren sind nur harmlose Schnupfenviren, Vitamin D schützt 800 Mal mehr vor Grippe als eine Impfung

Bewertung: größtenteils falsch

Rolf Kron, Impfkritiker und Homöopath, behauptet in einem Youtubevideo vom 10. März, der „Hype“ um das neuartige Coronavirus sei schnell vorbei und die Maßnahmen übertrieben. Desinfektionsmittel verspreche schon seit Jahren Schutz vor Coronaviren, die im Grunde nichts anderes als harmlose Schnupfenviren seien. Zudem schütze Vitamin D 800 Mal besser gegen Grippe als eine Impfung. Seine Aussagen sind größtenteils falsch oder es gibt nach jetzigem Stand der Forschung keine Belege dafür. Hier geht es zum Faktencheck vom 8. April.

Behauptung: 30 bis 50 Prozent der PCR-Tests auf Corona-Infektionen sind falsch positiv

Bewertung: falsch

In mehreren Youtube-Videos wird behauptet, dass PCR-Tests zum Nachweis von Corona-Infektionen in 30 bis 50 Prozent der Fälle falsche Ergebnisse lieferten. Das Ausmaß der Pandemie werde deshalb überschätzt. Der Virologe Christian Drosten hat den Aussagen bereits öffentlich widersprochen. Hier geht es zum Faktencheck vom 7. April.

Behauptung von Michael Spitzbart: Das Coronavirus ist nicht schlimmer als Grippeviren

Bewertung: teilweise falsch

Der Arzt Michael Spitzbart vergleicht das neuartige Coronavirus auf Facebook und Instagram mit dem Grippevirus. Seine Behauptung: Beide Virentypen seien ähnlich gefährlich. Seine Argumente sind jedoch zum Teil irreführend. Denn für Vergleiche mit dem Grippevirus oder Schätzungen zur Sterblichkeitsrate ist die Datenlage rund um das neuartige Coronavirus noch nicht ausreichend. Hier geht es zum Faktencheck vom 3. April.

Behauptungen: Corona-Infizierte haben keine laufende Nase, Coronaviren sterben bei 26 Grad ab, meistens stecke man sich durch das Berühren von Oberflächen an

Bewertung: größtenteils falsch

In einem Kettenbrief, der am 11. März auf Facebook veröffentlicht wird, werden angebliche Tipps eines italienischen Arztes zum Coronavirus zusammengefasst. Darunter, dass Corona-Infizierten keine laufende Nase hätten, die Coronaviren bei 26 bis 27 Grad absterben würden und man sich am Ehesten durch das Berühren von Türklinken oder anderen Oberflächen anstecke. Auch auf Whatsapp wird der Kettenbrief verbreitet. Die verschiedenen Behauptungen sind größtenteils falsch. Hier geht es zum Faktencheck vom 3. April.

Behauptung: Rechter Blogger Billy Six filmt sich in angeblich menschenleerer Charité-Untersuchungsstelle und behauptet, es gebe keine Coronavirus-Patienten in DRK-Klinik

Bewertung: größtenteils falsch

In einem Video, das in Sozialen Netzwerken derzeit stark verbreitet wird, ist der bekannte rechte Blogger Billy Six zu sehen – unter anderem filmt er angeblich in der Charité-Untersuchungsstelle für Coronavirus-Verdachtsfälle. Das stimmt nicht; sein Video führt in die Irre. Hier zum Faktencheck vom 3. April.

Behauptung: Aussage der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zu Corona-Maßnahmen für Erntehelfern beweise, dass Asylbewerber monatlich mehr Geld als Rentner hätten

Bewertung: falsch

In einem Whatsapp-Kettenbrief wird behauptet, eine Aussage der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner im ZDF zu Erntehelfern beweise, dass Asylbewerber mehr als 1.100 Euro im Monat hätten. Rentner hätten dagegen nur 600 Euro. Diese Schlussfolgerungen sind falsch. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 3. April.

Behauptungen von Stefan Hockertz: Covid-19 ist nicht gefährlicher als eine Grippe, nur fünf Prozent der Bevölkerung sind gefährdet, hohe Zahlen in Italien sind auf Krankenhauskeime und Luftverschmutzung zurückzuführen

Bewertung: teilweise falsch

Der Immunologe Stefan Hockertz behauptete in einem Radiointerview, das neuartige Coronavirus sei nicht gefährlicher als die Grippe, die Reaktion der Politik sei maßlos und überzogen. Der Mitschnitt verbreitet sich rasant, vor allem auf Whatsapp. Seine Behauptungen sind jedoch teilweise irreführend. So sind die Todeszahlen von Covid-19 und der Grippe aktuell nicht vergleichbar. Die Risikogruppen (Raucher, Menschen über 60) umfassen nicht nur fünf Prozent der Bevölkerung. Die Studie zu Krankenhauskeimen belegt nicht Hockertz’ These – und es gibt keine Belege, dass Feinstaub die Verbreitung von Viren begünstigt. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 2. April.

Behauptung: Medien verwenden dieselben Bilder für Krankenhäuser in Italien und USA – das ist der Beweis, dass sie über Covid-19 lügen

Bewertung: teilweise falsch

Tatsächlich hat der US-Sender CBS News Aufnahmen aus einem Krankenhaus in Bergamo, Italien, fälschlich in einer Sendung am 25. März für einen Bericht über New York verwendet. Gegenüber US-Medien nannte ein Sprecher es einen „Bearbeitungsfehler“. Die Schlussfolgerung, die manche Nutzer ziehen – dass die Aufnahmen insgesamt gefälscht oder alt seien – ist aber falsch. Die Bilder entstanden vor kurzem in Bergamo und zeigen die Überlastung der Klinik durch die Corona-Pandemie. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 2. April.

Behauptung: Die ARD verwendete Fotos von Särgen aus dem Jahr 2014 in der aktuellen Coronavirus-Berichterstattung

Bewertung: unbelegt

In mehreren Facebook-Beiträgen werfen Nutzer der ARD vor, sie habe Bilder von Särgen aus dem Jahr 2014 in aktuellen Beiträgen über das Coronavirus genutzt. Dafür gibt es jedoch weder Belege noch irgendwelche Hinweise. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 2. April.

Behauptung: 100 Gramm Alkohol am Tag desinfizieren den Rachenraum und helfen gegen eine Corona-Infektion

Bewertung: völlig falsch

In einer Meldung, die auf Whatsapp kursiert, wird behauptet, ein erhöhter Alkoholkonsum helfe, Coronaviren im Mund- und Rachenraum abzutöten. Man sollte mindestens fünf Bier trinken. Mit dem Logo des Robert-Koch-Instituts wird suggeriert, diese Empfehlung stamme von offizieller Stelle. Das ist falsch. Alkohol zu trinken verhindert keine Infektion mit SARS-CoV-2. Alkohol macht das Immunsystem sogar anfälliger für Erkrankungen. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 1. April.

Behauptung: Das Coronavirus ist eine Biowaffe; dahinter stecken die USA, denn sie sind von dem Virus nicht betroffen

Bewertung: größtenteils falsch

Der ehemalige AfD-Politiker Wolfgang Gedeon suggerierte in einer Rede im baden-württembergischen Landtag, beim neuartigen Coronavirus könnte es sich um eine US-amerikanische Biowaffe aus dem Labor handeln. Die Wissenschaft und Experten widersprechen; das Virus habe seinen Ursprung in der Natur. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 1. April.

Behauptung: In Hongkong haben Menschen wegen des Coronavirus einen 5G-Mast zerstört

Bewertung: falsch

Eine Whatsapp-Nachricht behauptet, in Hongkong würden Menschen aktuell 5G-Masten abreißen, weil sie im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen würden. Das ist falsch. Das Video zeigt Protestierende in Hongkong im August 2019 – lange vor dem Ausbruch von SARS-CoV-2. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 1. April.

Behauptung: Mit Klicks auf ein Video des Sängers Roby Facchinetti spendet man an ein Krankenhaus in Bergamo

Bewertung: größtenteils falsch

In einem Whatsapp-Kettenbrief wird ein Link zum Lied „Rinascerò, Rinascerai“ von Roby Facchinetti auf Youtube verbreitet.  Es wird behauptet, mit jedem Klick auf das Video werde Geld an ein Krankenhaus in Bergamo gespendet, denn der italienische Sänger habe die Rechte an das Hospital übertragen. Das ist falsch. Facchinetti will die Erlöse, die er mit dem Lied erzielt, spenden. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 1. April

Behauptung: Angela Merkel wusste schon 2013 von der aktuellen Pandemie

Bewertung: falsch

Ein Artikel von MZW-News behauptet, das Coronavirus sei absichtlich freigesetzt worden – die Bundeskanzlerin habe davon seit 2013 gewusst. Das ist falsch. Bei dem Dokument, auf das sich der Artikel bezieht, handelt es sich um eine öffentliche Risikoanalyse, in der es darum geht, wie gut Deutschland auf eine Epidemie vorbereitet wäre. Das Szenario wurde mit einem hypothetischen Erreger namens „Modi-SARS“ durchgespielt, der sich in wichtigen Punkten von SARS-CoV-2 unterscheidet. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 31. März.

Behauptungen in Video: Schuhe und Kleidung muss man draußen ausziehen und mit Wäschedesinfektionsmittel waschen; das Virus haftet bis zu neun Stunden am Boden und verbreitet sich über den Wind

Bewertung: unbelegt

Auf Whatsapp und Facebook kursiert ein Video einer Frau, die sich nach eigener Aussage in Italien befindet und Handlungsanweisungen an Deutsche gibt. Ihre Behauptungen sind irreführend oder unbelegt. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 27. März.

Behauptungen in Whatsapp-Sprachnachricht zu Vitamin D, Erkrankungen von Kindern, Virus-Mutation, Temperaturempfindlichkeit des Virus, Triage und 5G

Bewertung: größtenteils falsch

In einer Sprachnachricht stellt eine unbekannte Frau Behauptungen über das Coronavirus und Covid-19 auf. Sie gibt unter anderem Tipps, wie man sich angeblich gegen die Krankheit schützen kann. Die Aussagen sind falsch oder unbelegt. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 27. März.

Behauptung: In China ist nun auch noch das Hantavirus ausgebrochen.

Bewertung: falsch

In einem Artikel der Deutschen Wirtschaftsnachrichten wurde behauptet, in China sei „nun auch das Hantavirus ausgebrochen“. Es gebe einen „ersten Toten“. Das Virus ist in China jedoch eine bekannte, endemische Krankheit mit etwa 100 Toten jedes Jahr. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 27. März.

Behauptung: In Leipzig durfte man sich nur noch fünf Kilometer von seinem Wohnort entfernen.

Bewertung: richtig

Die Ausgangsbeschränkungen in Sachsen sehen vor, dass man sich nur im Umfeld seiner Wohnung aufhalten darf. Es gab eine Handlungsanweisung an die Polizei, die den Radius auf fünf Kilometer festlegte. Diese wurde jedoch nur einen Tag lang umgesetzt und dann wieder aufgehoben, weil sie für Verwirrung sorgte. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 27. März.

Behauptung: Focus Online hat berichtet, dass Supermärkte nur noch montags und freitags geöffnet haben

Bewertung: völlig falsch

Der Focus-Online-Artikel ist eine Fälschung. Die großen Supermarktketten haben ganz normal geöffnet. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 26. März.

Behauptung: Die Stadt Görlitz nutzt die Ablenkung durch das Coronavirus, um heimlich Asylbewerber ankommen zu lassen

Bewertung: größtenteils falsch

Am 10. März kamen regulär 23 Asylbewerber aus Erstaufnahmeeinrichtungen nach Görlitz. Dies geschah weder heimlich noch in der Nacht. Laut Landratsamt Görlitz werden regelmäßig Personen nach dem Königsteiner Schlüssel auf die Städte aufgeteilt. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 25. März.

Behauptung: Die Türkei hat Italien mit 200.000 Masken und anderen medizinischen Geräten geholfen, aber niemand nimmt davon Kenntnis

Bewertung: teilweise falsch

Hier fehlt Kontext. Italien hatte 200.000 Masken bei einer türkischen Firma gekauft. Da die Ausfuhr von Schutzausrüstung jedoch seit dem 4. März in der Türkei genehmigungspflichtig ist, steckte die Lieferung mehr als zwei Wochen im Zoll fest. Die beiden Länder sprachen sich schließlich ab und der Export wurde genehmigt. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 25. März.

Behauptung: Vitamin C tötet Viren zuverlässig ab

Bewertung: unbelegt

Es gibt keine Belege, dass Vitamin C Viren tötet oder gegen das aktuelle Coronavirus hilft. Generell ist Vitamin C gut für das Immunsystem des Menschen, es ist laut Experten aber nicht nötig, es in höheren Dosen einzunehmen. Eine gesunde Ernährung reicht dafür meist aus. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 24. März.

Behauptung: Es laufen Menschen in Schutzanzügen herum und geben sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes aus

Bewertung: richtig

Mehrere Polizeidienststellen berichten, dass Betrüger versuchen, die Corona-Krise auszunutzen. Sie warnen vor Personen, die sich am Telefon oder an der Haustür als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ausgeben. Problematisch ist, dass eine Meldung auf Whatsapp, die vor dieser Masche warnt, keine konkrete Ortsangabe enthält. So ist unklar, worauf sie sich bezieht. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 24. März.

Behauptung: Fünf Helikopter versprühen nachts Desinfektionsmittel in Deutschland

Bewertung: falsch

Auf Whatsapp und Facebook wird verbreitet, dass „heute Abend ab 23:30 Uhr“ Fenster und Türen geschlossen sein sollten, da Helikopter Desinfektionsmittel versprühen würden. Es handelt sich um eine Falschmeldung, wie die Polizei in München und Wien und das Bundesinnenministerium bestätigen. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 24. März.

Behauptung: Während der Corona-Krise marschieren 37.000 US-Soldaten in Europa ein; darüber wird nicht berichtet; die Soldaten sind immun gegen das Virus

Bewertung: größtenteils falsch

Die Behauptung ist stark irreführend. Es wird angedeutet, dass eine Art geheime Invasion stattfindet. Die Aussagen beziehen sich jedoch auf das Nato-Manöver „Defender Europe 20“, das bereits im Januar begonnen hat und über das zahlreiche Medien in Deutschland berichteten. Daran nehmen insgesamt 29.000 US-Soldaten teil. Das Manöver wurde zudem wegen des Coronavirus unterbrochen. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 20. März.

Behauptung: Asylbewerber dürfen weiter nach Deutschland einreisen und werden nicht auf Coronavirus getestet

Bewertung: teilweise falsch

Schutzsuchende dürfen unter bestimmten Umständen weiterhin nach Deutschland kommen, sie sind allerdings nicht die einzige Gruppe, die die Grenze noch passieren darf. Zudem sollen sie gesundheitlich durchgecheckt werden. Die Resettlement-Programme sind vorerst ausgesetzt worden. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 20. März.

Behauptung: Ein Foto von Särgen zeigt die Situation in Italien durch das Coronavirus

Bewertung: falsch

In mehreren Beiträgen auf Facebook wird ein Foto mit vielen Särgen geteilt und behauptet, es zeige die derzeitige Situation in Italien, wo viele Menschen durch das neuartige Coronavirus gestorben sind. Das ist jedoch falsch. Das Foto entstand schon 2013 und zeigt die Särge der Flüchtlinge und Migranten, die bei einem Schiffsunglück vor Lampedusa ums Leben kamen. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 20. März.

Behauptung: Alle Jobcenter schließen ab dem 18. März

Bewertung: größtenteils richtig

In einem Artikel wird behauptet, ab dem 18. März seien sämtliche Jobcenter und Arbeitsagenturen geschlossen. Schuld daran sei das neuartige Coronavirus. Richtig ist: Es soll keine persönlichen Termine mehr geben, für Notfälle gibt es aber eine Kontaktmöglichkeit vor Ort. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 18. März.

Behauptung: Es wurde ein „Geheimplan“ der Regierung von 2012 entdeckt, der die aktuelle Coronavirus-Pandemie vorhersagte

Bewertung: teilweise falsch

Anders als die Seite Wallstreet-Online behauptete, gibt es keinen geheimen Plan, sondern eine öffentliche Risikoanalyse, die dem Bundestag vorgelegt wurde. Darin wurde 2012 anhand einer fiktiven Coronavirus-Art eine Pandemie hypothetisch durchgespielt. Die Details weichen von der aktuellen Pandemie durch SARS-CoV-2 ab. Es handelte sich nicht um eine „Vorhersage“; Risikoanalysen sollen der Überprüfung dienen, ob Deutschland auf solche Situationen vorbereitet ist. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 18. März.

Behauptung: Ibuprofen verschlimmert die Krankheit oder beschleunigt die Ausbreitung des Coronavirus

Bewertung: unbelegt

Eine Whatsapp-Sprachnachricht verbreitet in der zweiten Märzwoche eine erfundene Geschichte: Die Uniklinik in Wien habe nachgewiesen, dass Ibuprofen die Infektion mit dem Coronavirus verschlimmere. Das stimmt so nicht: Am 14. März veröffentlicht die Uniklinik eine Stellungnahme und spricht von „Fake News“. Die Frage nach möglichen Auswirkungen des Schmerzmittels ist aber ungeklärt, es gibt viele Experten, die von einer Einnahme abraten und vor möglichen negativen Folgen warnen. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 16. März.

Behauptung: Luft anhalten funktioniert als Selbsttest, Wasser trinken hilft gegen eine Infektion und Fibrose tritt nach nur wenigen Tagen auf (Whatsapp-Kettenbrief)

Bewertung: falsch

Sie tauchte Anfang März in den USA, in Asien und auch Deutschland auf: eine Nachricht mit angeblichen Tipps, wie man sich vor dem neuen Coronavirus schützt. Unzählige Menschen leiten die Hinweise auf Whatsapp weiter. Sie sind jedoch falsch. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 16. März.

Behauptung: Das neuartige Coronavirus ist schon lange bekannt, weil der Name auf Desinfektionsmitteln steht

Bewertung: falsch

Auf älteren Flaschen von Desinfektionsmitteln ist zu lesen, dass es gegen Coronaviren wirksam sei. Daraus leiten Facebook-Nutzer ab, dass das neuartige Coronavirus schon lange bekannt sei. Auf die Viren-Familie trifft das zu, auf die aktuelle Pandemie nicht. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 13. März.

Behauptung: Ein Video zeigt eine Aldi-Filiale, die von einer Menschenmasse wegen des Coronavirus gestürmt wird

Bewertung: falsch

Auf Tiktok wird am 29. Februar ein Video hochgeladen. Es soll eine Menschenmasse zeigen, die angeblich in Angst vor einer Coronavirus-Pandemie eine Aldi-Filiale stürmt. Auch bei Facebook ist der Clip in diesem Kontext zu finden. CORRECTIV hat recherchiert: Das Video ist schon mehrere Jahre alt und zeigt eine Aldi-Filiale in Kiel. Dort gab es einen Sonderverkauf von Laptops. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 5. März.

Behauptung: Deutschland hat Schutzausrüstung nach China geschickt, kurz bevor sich das Coronavirus hier ausbreitete

Bewertung: richtig

In einem Artikel vom 29. Februar wird behauptet, Außenminister Heiko Maas habe medizinische Schutzausrüstung an China verschenkt, kurz bevor das Coronavirus sich in Europa auszubreiten begann. Das Auswärtige Amt hat uns das bestätigt. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 5. März.

Behauptung: Das Coronavirus gefährdet Haustiere stärker als Menschen

Bewertung: unbelegt

Das Coronavirus gefährde Hunde und Katzen mehr als Menschen, wird im Titel eines Artikels behauptet, der am 29. Februar bei der Frankfurter Neuen Presse veröffentlicht wurde. Dafür gibt es bisher keine Hinweise. Zwar übertragen sich manche Coronaviren auf Haustiere – ob das auch für SARS-CoV-2 gilt, ist aber Anfang März noch unklar. Es gibt bis dato keine Hinweise, dass das Virus von Haustieren auf Menschen übertragen wurde. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 4. März. 

Behauptung: Ein Hund in Hongkong hat sich mit dem Coronavirus infiziert

Bewertung: größtenteils richtig

Am 28. Februar wird in mehreren Artikeln behauptet, ein Hund habe sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Tatsächlich ist in Hongkong laut Behörden ein Hund schwach positiv auf die Viruskrankheit getestet worden. Er zeigte aber keine Symptome. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 4. März.

Behauptung: WHO hat Hinweise, dass Coronavirus über Lebensmittel übertragen wird

Bewertung: teilweise falsch

Gibt es neue Erkenntnisse zur Übertragung des Coronavirus Covid-19 durch Lebensmittel? Das deutet ein Artikel von Medizin Heute vom 24. Februar an und führt damit in die Irre. Der Text gibt einen Lagebericht der WHO falsch wieder. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 27. Februar.

Behauptung: Afrikanische Migranten werden eine Coronavirus-Epidemie in Deutschland auslösen

Bewertung: unbelegt

In einem Text des Deutschland-Kuriers wird am 10. Februar behauptet, Migranten aus Afrika könnten eine Coronavirus-Epidemie in Deutschland auslösen. Dafür gab es zum damaligen Zeitpunkt keine Hinweise. Experten waren allerdings schon besorgt, dass sich das Virus in Afrika ausbreiten könnte. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 14. Februar.

Behauptung: Chinesische Behörden fordern, Haustiere zu schlachten 

Bewertung: teilweise falsch

Ein angeblicher Aufruf verschiedener chinesischer Behörden soll das Töten von Haustieren zum Schutz vor der Verbreitung des neuen Coronavirus fordern. Das wird in einem Artikel vom 4. Februar behauptet. Wir konnten aber nur einen Aufruf finden, in dem es um Straßentiere geht. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 14. Februar.

Behauptung: Chinesische Busfahrer trugen bei Evakuierten-Transport keine Schutzmasken und handelten damit fahrlässig

Bewertung: größtenteils richtig

In einem Facebook-Beitrag werden am 31. Januar mehrere Fotos eines Transports englischer Staatsbürger, die aus dem chinesischen Wuhan evakuiert wurden, gezeigt. Die Fahrer der Busse trugen keine Schutzmasken. Die Fotos sind echt, ihnen fehlt aber Kontext: Schutzmasken waren laut dem englischen Gesundheitsministerium nicht notwendig, es seien genügend Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 7. Februar.

Behauptung: Die Einnahme von Chlordioxid hilft gegen das neuartige Coronavirus

Bewertung: falsch

Auf mehreren Webseiten wird Chlordioxid als Heilmittel für das neue Coronavirus beworben. Am 28. und 29. Januar, sowie am 1. Februar erscheinen Artikel dazu. Chlordioxid schalte das Virus aus, wenn man es in einer Lösung trinke. Diese Behauptung ist falsch und gefährlich: Chlordioxid ist gesundheitsschädlich. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 7. Februar.

Behauptung: 5G ist Schuld an Todesfällen durch das neuartige Coronavirus

Bewertung: falsch

Die Webseite Connectiv Events spekuliert am 27. Januar, dass die Todesfälle durch das neue Coronavirus in Wuhan auch einem von „5G verursachten Zellabbau“ zugeschrieben werden könnten – die Strahlung könne zu „grippeähnlichen Symptomen“ führen. Das stimmt nicht. Die Todesfälle hatten nichts mit 5G zu tun. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 30. Januar.

Behauptung: Bill Gates hat ein Patent auf das neuartige Coronavirus und sagte einen Ausbruch mit 65 Millionen Toten vorher

Bewertung: größtenteils falsch

Über das neuartige Coronavirus kursiert das Gerücht, es sei bereits patentiert. Manche meinen daher, das Virus sei von „Eliten“ kreiert. Oder Bill Gates habe etwas damit zu tun. Am 23. Januar wird ein Artikel dazu veröffentlicht. Das stimmt nicht: Zwar gibt es bestehende Patente, allerdings für andere Arten von Coronaviren. Nicht für jenes, das in China ausbrach. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 28. Januar.

Behauptungen in einem Video: Das neuartige Coronavirus ist gefährlicher als das alte SARS-Virus, es handelt sich um eine Pandemie, Ärzte können Betroffenen nicht helfen und haben schon Mitte Januar empfohlen, Wuhan abzuriegeln

Bewertung: teilweise falsch

Am 23. Januar wird ein alarmierendes Youtube-Video über das Coronavirus in China veröffentlicht. Es geht viral und wird auch über Whatsapp verbreitet. Viele der Behauptungen sind übertrieben oder falsch und führen deshalb in die Irre. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 28. Januar.

Behauptung: Das neuartige Coronavirus ist auf einem Markt mit exotischen Tieren in Wuhan ausgebrochen

Bewertung: unbelegt

Als das neue Coronavirus im Dezember in China ausbrach, war der vermeintliche Ursprung schnell ausgemacht: der Huanan Seafood Market in Wuhan. Das behaupteten am 24. und 25. Januar zumindest mehrere Medien. Auf dem Markt wurden auch exotische Tiere verkauft. Zum Zeitpunkt unserer Recherche war nicht sicher, ob sich das Virus wirklich nur von dem Markt aus verbreitete. Hier geht es zum vollständigen Faktencheck vom 28. Januar.

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert. Weitere Tipps für Interessierte und Journalisten für den richtigen Umgang mit dem Coronavirus gibt es hier.