Hintergrund

Satire-Artikel zur Fußball-WM in Katar: Torjubel nicht verboten

Kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar kursiert in Sozialen Netzwerken ein Ausschnitt aus einem satirischen Beitrag der Welt. Darin heißt es, die Fifa verbiete für die WM ausgelassenen Torjubel; er sei „zu schwul“. Der Artikel ist eine Satire, die jedoch nicht alle als solche erkennen – darunter ein hochrangiger Politiker aus Österreich.

von Viktor Marinov

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Gegen die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar protestieren Fans in der Bundesliga etwa bei einem Spiel zwischen Bayer Leverkusen und VfB Stuttgart (Quelle: Picture Alliance / DPA / David Inderlied)

„Zu schwul – Fifa verbietet Teams Torjubel bei WM in Katar“, heißt es in der Überschrift eines Artikels, der in Sozialen Netzwerken geteilt wird. Der Artikel stammt von der Welt und ist dort klar als Satire gekennzeichnet – in manchen Beiträgen auf Facebook fehlt jedoch dieser Hinweis. Einige Nutzerinnen und Nutzer erkennen den satirischen Charakter der Beiträge nicht. „Das ist ein Fake oder“, fragt ein Nutzer, der den Beitrag teilt. „Das ist doch wohl ein schlechter Scherz, oder? Das wird ja immer besser“, kommentiert eine andere Nutzerin.

Katar steht wegen der WM massiv in der Kritik. Gastarbeiter wurden ausgebeutet, bei den Bauarbeiten für die WM sollen mehrere Arbeiter gestorben sein. Zuletzt hatte der katarische WM-Botschafter Khalid Salman in einem Interview in der ZDF-Dokumentation „Geheimsache Katar“ Homosexualität als „geistigen Schaden“ und „Sünde“ bezeichnet. Homosexualität ist in Katar strafbar. Der deutsche Lesben- und Schwulenverband forderte die Fans deswegen dazu auf, die WM zu boykottieren

Im Hinblick auf diese Äußerungen scheint die Meldung für manche offenbar plausibel – doch es handelt sich um Satire.

Facebook-Beitrag Satire-Artikel WM in Katar
Auf Facebook verbreitet sich ein Satire-Artikel der Welt als Screenshot; ohne den Hinweis, dass der Inhalt nicht ernst gemeint ist (Quelle: Facebook; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Artikel der Welt ist als Satire gekennzeichnet – trotzdem gibt es Verwirrung

Eine Suche nach dem Titel des Artikels auf Google führt zum Beitrag der Welt. Er ist auf den ersten Blick als Satire zu erkennen: Direkt über dem Titel findet sich ein entsprechender Hinweis. Der Autor, Jean Gnatzig, wird zudem als „Head of Silly Content“ bezeichnet, also Leiter der Abteilung für lustige oder alberne Inhalte. 

Auch der Text selbst lässt sich eindeutig als nicht ernst gemeint einordnen. So steht etwa im letzten Absatz: „Beim DFB zeigt man sich unterdessen entsetzt über das Jubelverbot und will es konsequent unterlaufen. Bundestrainer Hansi Flick zeigt sich kämpferisch: ‚Ich traue der Mannschaft durchaus zu, bei der WM kein Tor zu schießen.‘“

Die österreichische Boulevard-Zeitung Exxpress veröffentlichte am 10. November einen Artikel mit ähnlichem Inhalt unter dem Titel: „‚Zu schwul‘ für Katar: Fifa verbietet den Teams ausgelassenen WM-Torjubel“. In der ersten Version des Artikels war kein Satire-Hinweis enthalten, wie archivierte Versionen zeigen. Am Tag der Veröffentlichung fügte die Redaktion nachträglich folgenden Hinweis hinzu: „Die deutsche Tageszeitung ‚Welt’ brachte diesen Artikel als Satire.“ Der Satz steht jedoch erst am Ende des Artikels.

Ehemaliger FPÖ-Chef Norbert Hofer fiel offenbar auf Satire herein

Wie die österreichische Zeitung Kurier berichtete, fiel auch Politiker Norbert Hofer auf die Satire herein. Der ehemalige Chef der rechtspopulistischen Partei FPÖ teilte den Exxpress-Artikel auf Facebook und schrieb dazu, er werde sich kein Spiel der Fußball-WM der Katar ansehen. Später entfernte er den Link zum Exxpress-Artikel aus seinem Beitrag. Das belegen Screenshots von Kurier und der Bearbeitungsverlauf des Facebook-Beitrags von Hofer.

Norbert Hofer Satire WM Katar
Der ehemalige Chef der österreichischen rechtspopulistischen Partei FPÖ fiel offenbar auf die Satire-Meldung über die Fußball-WM in Katar rein (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Redigatur: Sophie Timmermann, Alice Echtermann

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