Medizin und Gesundheit

Hautausschlag wegen Masken? Nein, diese Fotos haben fast alle einen anderen Ursprung

Collagen auf Facebook zeigen Personen mit Abdrücken und Hautausschlägen im Gesicht. Ursache sei das Tragen von Masken gewesen, wird behauptet. Unser Faktencheck ergibt jedoch: Die meisten Fotos stehen in keinem Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie. Manche Fotos wurden zudem manipuliert.

von Lea Weinmann

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Diese Collage kursiert auf Facebook. Die Behauptung: Ursache aller Hautirritationen seien Masken gewesen. Nach Recherchen von CORRECTIV ist das größtenteils falsch. (Screenshot und Collage: CORRECTIV)
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Größtenteils falsch. Fast alle Fotos stehen nicht in Zusammenhang mit Masken, einzelne wurden zudem manipuliert.

Roter Ausschlag, entzündete Pusteln und dunkle Abdrücke auf der Wange: In den Sozialen Netzwerken werden zwei Collagen verbreitet, die Fotos von Personen mit unterschiedlichen Rötungen, Druckstellen und Bläschen im Gesicht zeigen. Die Behauptung: Ursache all dieser Hautausschläge sei das Tragen von Masken gewesen.

Die Collagen wurden zwischen dem 6. und 10. August auf Facebook veröffentlicht (hier, hier und hier) und dort mehr als 2.700 Mal geteilt. Unser Faktencheck zeigt jedoch: Die Fotos sind allesamt aus dem Internet zusammenkopiert. In fast allen Fällen konnte CORRECTIV nachweisen, dass die abgebildeten Hautirritationen nicht mit dem Tragen von Masken in Zusammenhang stehen. Die Bilder wurden lange vor der Covid-19-Pandemie veröffentlicht. Einzelne Fotos wurden zudem manipuliert.

Manche Fotos stammen aus Wikipedia-Artikeln, andere von Bilddatenbanken

Eine der beiden Collagen zeigt fünf unterschiedliche Fotos, die alle aus unterschiedlichen Quellen stammen. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat dazu bereits einen Faktencheck veröffentlicht.


Eine der Collagen, die auf Facebook kursiert. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)

Den Ursprung des oberen linken Fotos konnte CORRECTIV auch mittels drei verschiedenen Bilderrückwärtssuchen (über Google, Tineye und Yandex) nicht ausfindig machen.

Die Rückverfolgung dieses Fotoausschnitts führt zu einem Wikipedia-Artikel über die Hautkrankheit Eczema herpeticum. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Bild oben rechts führt bei einer Bilderrückwärtssuche über Google zu einem englischsprachigen Wikipedia-Artikel, der sich mit der Hautkrankheit Eczema herpeticum auseinandersetzt. Das sei demzufolge eine seltene, aber schwere Infektion, die in der Folge einer Herpeserkrankung auftreten könne. Das Foto zu diesem Wikipedia-Artikel zeigt ein kleines Kind mit Hautausschlag. Es ist offensichtlich die Quelle des Fotoausschnitts aus der Collage – auch erkennbar an dem weißen bestickten Stoff im unteren Bildausschnitt. Es wurde laut den Bildinformationen am 11. April 2018 bei Wikipedia veröffentlicht.

Das mittlere Bild im rechten Teil der Collage zeigt eine junge Frau mit Druckstellen im Gesicht. Die dpa fand heraus, dass das Foto von Instagram stammt. Valeria Zedde arbeitet nach eigenen Angaben als Intensiv-Krankenpflegerin in Mailand (Italien). Sie hat das Foto am 13. März auf ihrem Instagram-Profil veröffentlicht. Es ist das einzige Foto der Collage, das nach unseren Recherchen nachweislich mit dem Tragen einer Maske im Zusammenhang steht. Im Text daneben beschreibt die Frau ihre Arbeitssituation im Krankenhaus zum Höhepunkt der Pandemie Mitte März.

Das Foto der Pflegerin wurde nachträglich bearbeitet

Gut zu erkennen ist, dass ihr Originalfoto nachträglich bearbeitet wurde: Der Kontrast wurde verstärkt, die Abdrücke der Maske auf Wangen und Nase wirken dadurch dunkler und dramatischer.

Das Originalfoto (links) wurde nachträglich bearbeitet (rechts). (Screenshot und Collage: CORRECTIV)

Fotos zeigen Seniorin mit Rosazea-Hautkrankheit und Kind mit Windpocken

Das untere rechte Bild der älteren Frau führt über eine Rückwärtssuche mithilfe des Online-Tools Tineye zu einem Foto, das in der kostenpflichtigen Bilddatenbank Shutterstock hochgeladen wurde. In der Beschreibung des Fotos steht: „Portrait von glücklicher und lächelnder Seniorin mit Rosazea-Hautschwäche […]“. Aus der Bilddatenbank geht nicht hervor, wann das Foto hochgeladen wurde. Der Fotograf Milan Lipowski hat jedoch mehrere Fotos der Frau veröffentlicht. Sie sind in verschiedenen Artikeln über die Krankheit Rosazea erschienen, darunter im August 2020 beim NDR und in einem im November 2018 erschienenen Blogbeitrag des Bundesverbands der Krankenkasse AOK.

Dieser Bildausschnitt stammt von einem Foto, das in der Bilddatenbank Shutterstock hochgeladen wurde. (Screenshot: CORRECTIV)

Laut dem Deutschen Ärzteblatt handelt es sich bei Rosazea um eine chronische Hauterkrankung und „eine der häufigsten Dermatosen im Erwachsenenalter“. Die Ursache des rötlichen Ausschlags ist demnach noch unbekannt.

Wie eine weitere Bilderrückwärtssuche ergibt, ist das untere linke Bild der Collage ein Ausschnitt eines Fotos, das ebenfalls zuerst in einer Bilddatenbank veröffentlicht wurde – und zwar bereits am 21. Mai 2016. Abgebildet ist ein Kind mit Windpocken. Das Foto wurde unter anderem in einem deutschsprachigen Blogartikel über die Krankheit, die insbesondere im Kindesalter auftritt, veröffentlicht.

Auch die Fotos der zweiten Collage haben nichts mit Masken zu tun

Die zweite Collage enthält noch mehr Fotos – alle fünf Bilder der ersten Collage tauchen auch darin auf. Nach unseren Recherchen wurden auch die übrigen Fotos vor der Covid-19-Pandemie veröffentlicht und stehen demnach nicht mit dem Tragen von Gesichtsmasken in Zusammenhang.

Eine weitere Collage, die auf Facebook kursiert. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)

Im Folgenden sind die Fotos, die ausschließlich in der zweiten Collage auftauchen, mit ihren Quellen aufgelistet:

Erstes Bild:

Erstes Bild der Collage. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Bilderrückwärtssuche führt zu einem Foto, das am 8. September 2018 in der Bilddatenbank Shutterstock hochgeladen wurde. Laut Bildbeschreibung zeigt es einen Mann mit Seborrhoischem Ekzem, einer häufigen Hautkrankheit, deren Ursache laut der Apotheken-Umschau noch nicht bekannt ist.

Zweites Bild:

Zweites Bild der Collage. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch dieses Foto zeigt offenbar ein Seborrhoisches Ekzem. Die Bilderrückwärtssuche führt zu einem englischsprachigen Wikipedia-Artikel über die Hautkrankheit, in den das Foto eingebunden ist. Es wurde dort am 15. Juli 2013 veröffentlicht.

Drittes Bild:

Drittes Bild der Collage. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Foto dieser Frau erschien unter anderem im Jahr 2008 in einem Online-Artikel der Deutschen Apotheker-Zeitung, zeigt unsere Rückwärtssuche. Es zeigt laut Bildunterschrift einen Fall von perioraler Dermatitis, auch Mundrose genannt, einer Hautirritation, deren Ursache laut Apotheken-Umschau noch nicht geklärt ist.

Viertes Bild:

Viertes Bild der Collage. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch dieses Foto ist wahrscheinlich auf eine periorale Dermatitis zurückzuführen. Wie die Rückwärtssuche zeigt, wurde es im Jahr 2010 in einem Blog-Artikel veröffentlicht, in dem die Autorin von ihren Erfahrungen mit der Krankheit berichtet. Zu erkennen ist zudem, dass das Foto nachbearbeitet wurde: Die Rötungen um Mund und Nase sind in der Collage intensiver als auf dem Originalfoto.

Fünftes Bild:

Fünftes Bild der Collage. (Screenshot: CORRECTIV)

Der fünfte Bildausschnitt ist über die Rückwärtssuche ebenfalls auf einen Artikel auf der englischsprachigen Webseite Medicine zurückzuführen, der sich mit perioraler Dermatitis beschäftigt. Er wurde am 19. Januar 2020 veröffentlicht.

Sechstes Bild:

Sechstes Bild der Collage. (Screenshot: CORRECTIV)

Der Fotoausschnitt zeigt dieselbe Frau mit Rosazea-Hautirritation, die bereits in der ersten Collage auftauchte – es handelt sich lediglich um ein anderes Foto. Es ist bei Adobe Stock veröffentlicht worden und unter anderem in einem Blogbeitrag des Bundesverbands der Krankenkasse AOK von November 2018 erschienen.

Siebtes Bild:

Siebtes Bild der Collage. (Screenshot: CORRECTIV)

Das letzte Bild, dessen Quelle CORRECTIV über die Bilderrückwärtssuche ausfindig gemacht hat, ist in zwei verschiedenen kostenpflichtigen Bilddatenbanken hochgeladen worden (hier und hier). Ein Datum ist nicht angegeben, allerdings ist in beiden Bildbeschreibungen vermerkt, dass es sich auch bei diesem Foto um eine Frau mit perioraler Dermatitis handele. Ein Zusammenhang mit dem Tragen einer Maske ist auch bei diesem Foto nicht zu finden.

Alle in der zweiten Collage folgenden Bilder sind auch in der ersten Collage enthalten.

Fazit: Fast alle Fotos der Collagen wurden vor der Covid-19-Pandemie veröffentlicht und stehen daher in keinem Zusammenhang mit dem Tragen von Masken. Die Behauptung, Gesichtsmasken hätten die Hautirritationen verursacht, ist daher falsch.

Ein Bild zeigt zwar tatsächlich eine Pflegerin, deren Maske Druckstellen am Gesicht hinterlassen hat, das Foto wurde jedoch aus dem Kontext gerissen und nachträglich bearbeitet. Es ist daher irreführend.

Bei einem Foto konnte CORRECTIV die Quelle nicht ausfindig machen; dass die Hautirritation in diesem Fall mit einer Maske zusammenhängt, gilt daher als unbelegt.

Maske tragen kann zu Infektionen führen – aber nur bei falscher Benutzung

Richtig ist: Wer eine Maske falsch benutzt, kann eine (Haut-)Infektion bekommen. Das passiert beispielsweise dann, wenn man sich beim Auf- oder Absetzen der Maske mit ungewaschenen Händen ins Gesicht fasst. Dabei können die Schleimhäute an Mund, Nase oder den Augen kontaminiert werden.

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Um das zu verhindern, gibt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf seiner Webseite Hinweise zur richtigen Anwendung von Mund-Nasen-Bedeckungen. Eine Maske sollte außerdem spätestens dann gewechselt werden, wenn sie durch die Atemluft durchfeuchtet ist, rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in einem Merkblatt zum Thema Masken: „Denn dann können sich zusätzliche Keime ansiedeln.“ Auch das BfArM empfiehlt, durchfeuchtete Masken „umgehend“ zu wechseln, um Schimmelbildung zu vermeiden.





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