Politik

Nackte Rentner in Paris: Bild ist KI-generiert

Online kochte die Empörung hoch: Ein Bild soll zeigen, dass ein Rentnerehepaar bei den Protesten in Paris am Wochenende bis auf die Unterwäsche ausgeraubt wurde. Doch das vermeintliche Foto ist KI-generiert.

von Matthias Bau

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Das vermeintliche Foto aus Paris ist eine Fälschung. Es ist KI-generiert. (Quelle: X; Screenshot und KI-Hinweis: CORRECTIV.Faktencheck)
Behauptung
Ein Foto zeige ein älteres Ehepaar in Paris, das bei den Protesten am Wochenende bis auf die Unterwäsche ausgeraubt worden sei.
Einordnung
Das Bild ist KI-generiert. Das zeigen mehrere Auffälligkeiten, etwa fehlende Finger und ein Räuber mit zwei Köpfen. Auch Werkzeuge von Google und Open AI erkennen im Bild Anzeichen für den Einsatz von KI.

Das Bild ist KI-generiert. Das zeigen mehrere Auffälligkeiten, etwa fehlende Finger und ein Räuber mit zwei Köpfen. Auch Werkzeuge von Google und Open AI erkennen im Bild Anzeichen für den Einsatz von KI.

Am Wochenende kam es in Frankreich landesweit zu teils gewaltsamen Protesten, die sich gegen hohe Lebenshaltungskosten richteten. Nun kursiert in den Sozialen Netzwerken ein Bild, das zeigen soll, dass ein älteres Ehepaar während der Proteste bis auf die Unterwäsche ausgeraubt wurde. 

Das Bild verbreitete sich auf Deutsch, Englisch und Französisch. Einzelne Beiträge erzielten auf X immense Reichweite. Der Account „FranceNews24“ erreichte eine Million Ansichten, Visegrád24 2,4 Millionen und ein weiterer Account sogar 5,4 Millionen. Visegrád24 hat den Beitrag inzwischen gelöscht.

Dass es sich bei dem Bild um eine KI-Fälschung handelt, entging offensichtlich vielen Nutzerinnen und Nutzern.

france24.com/proteste-18-oktober
spiegel.de/artikel-proteste-frankreich 
perma.cc/beitrag-france-news-24 
perma.cc/beitrag-visegrad-24   
perma.cc/beitrag-dolce-venezia-74


Bild von Ehepaar ist KI-generiert

Beim genaueren Hinschauen weist das Bild viele Unstimmigkeiten auf. Der angebliche Räuber, dem sich die Frau zuwendet, hat zum Beispiel zwei Köpfe (rote Markierung). Die Frau selbst hat an einer Hand nur vier Finger, ihr Daumen endet in etwas, das aussieht wie ein bunter Zettel (blaue Markierung). Ihre Füße stecken offenbar in Sandalen, die allerdings keine Riemen haben. Der Mann auf der rechten Seite hat ebenfalls eine deformierte Hand.

Viele Details des Bildes weisen darauf hin, dass es KI-generiert ist
Viele Details des Bildes weisen darauf hin, dass es KI-generiert ist (Quelle: X; Screenshot und Markierungen: CORRECTIV.Faktencheck)

Zusammengenommen lassen diese Hinweise den Schluss zu, dass das Bild nicht echt, sondern KI-generiert ist. Diesen Verdacht erhärten Werkzeuge von Google und OpenAI, die in Bildern digitale Wasserzeichen aufspüren. Beide Dienste weisen das Bild als KI-generiert beziehungsweise mit KI bearbeitet aus.

openai.com/digitales-wasserzeichen-erkennen
synthid.com/digitales-wasserzeichen-erkennen


Bild war ursprünglich Teil einer Collage

Im oberen linken Teil des Bildes gibt es eine weitere Auffälligkeit (grüner Pfeil), dort ist ein schräger, weißer Streifen zu sehen, auf den ein anderes Bild zu folgen scheint. Auf X machte Florian Gallwitz, Professor für Medieninformatik an der Technischen Hochschule Nürnberg, auf einen Beitrag aufmerksam, der die Quelle sein könnte. 

Dabei handelt es sich um einen Account namens „Infos-Israel.News“. Dieser schrieb am 17. Oktober, ein Pariser Rentnerehepaar sei während der Proteste „mitten auf der Straße in Unterwäsche zurückgelassen“ worden. Der Beitrag bekam keine Likes, wurde nicht geteilt und lediglich 405 Mal angezeigt (Stand: 19. Oktober). Deutlich zu erkennen ist aber, dass das Bild des Ehepaars aus der Collage stammt und der Beitrag ursprünglich als „mit KI erstellt“ gekennzeichnet war.

Dieser Beitrag auf X könnte der Ursprung des Bildes sein, dass in Sozialen Netzwerken viral ging
Dieser Beitrag auf X könnte der Ursprung des Bildes sein, dass in Sozialen Netzwerken viral ging (Quelle X; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Wir haben den Account über dessen Webseite kontaktiert und gefragt, ob er die Collage ursprünglich mit KI erstellt hat. Eine Antwort erhielten wir bis zur Veröffentlichung dieses Faktenchecks nicht. 

Unsere Recherche zeigt jedoch, dass Infos-Israel.News schon seit Jahren Falschbehauptungen verbreitet. So schrieb die Seite laut der AFP 2019 etwa, ein Foto zeige zwei muslimische Männer, die über den Brand von Notre Dame gelacht hätten. Wie die AFP berichtet, handelte es sich bei den Männern um Architekturstudenten, die über ein Malheur von einem von ihnen gelacht hätten, aufgrund des Fotos aber anschließend Morddrohungen erhielten. 

2018 berichtete die französische Zeitung Liberation über Infos-Israel.News. Damals verbreitete die Seite laut Liberation antimuslimische Kommentare. 

x.com/beitrag-florian-gallwitz
perma.cc/beitrag-infos-israel-news 
factcheck.afp.com/faktencheck-notre-dame 
liberation.fr/faktencheck-bild-rentner


Keine Belege, dass es einen Raubüberfall auf Rentnerehepaar gegeben hat

Unabhängig davon, dass es sich bei dem Bild des älteren Ehepaars um eine Fälschung handelt, ist unklar, ob es einen solchen Raub tatsächlich gegeben hat. Verschiedene Medien berichteten über Plünderungen von Geschäften. 

Vereinzelt fanden wir auch Berichte über einen angeblichen Überfall auf ein 80-jähriges Ehepaar am 17. Oktober, etwa in einem Video des französischen Senders BFMTV. Darin sagt ein Reporter, dass er „eben“ von der Polizei erfahren habe, dass ein 80-jähriges Ehepaar am Platz der Republik in Paris ausgeraubt worden sei. Am Ende hätte das Ehepaar fast nackt dagestanden. Diese Geschichte könnte laut der Pariser Tageszeitung Le Parisien der Ursprung für das gefälschte Bild sein.

Die Pariser Staatsanwaltschaft sagte laut dem französischen Fernsehsender TF1 Info jedoch, dass sie keine Hinweise für einen solchen Vorfall habe und riet zur Vorsicht beim Verbreiten einer unbestätigten Meldung. Unsere Anfrage an die Polizei in Paris blieb bis zur Veröffentlichung dieses Faktenchecks unbeantwortet. 


Diesen Faktencheck haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redigatur: Viktor Marinov, Steffen Kutzner