Wirtschaft und Umwelt

Doch, CO2-Emissionen haben Einfluss auf das Klima

Der Einfluss von CO2 auf die Erderwärmung sei fast nicht vorhanden und Deutschlands CO2-Emissionen könnten folglich vernachlässigt werden – das wird in einem Video behauptet, welches auf Facebook geteilt wird. Die Aussagen sind größtenteils falsch.

von Katarina Huth

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Das Video, in dem behauptet wird, CO2 habe kaum Einfluss auf die Erderwärmung, wurde am 17. Juli 2019 auf Facebook veröffentlicht. (Screenshot: CORRECTIV)
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Größtenteils falsch. Dass der CO2-Anteil in der Erdatmosphäre gering ist, ist korrekt. Die Schlussfolgerung, dass CO2-Emissionen des Menschen deswegen keinen Einfluss auf das Klima haben, stimmt nicht.

Auf Facebook wurde auf der Seite „Klimaschwindel” am 17. Juli 2019 ein Video mit dem Titel „Drei von 10 Millionen Gasmolekülen sind CO2 aus Deutschland” geteilt. Innerhalb von zwei Wochen wurde der Beitrag fast 1.500 Mal geteilt. 

Die Hauptaussagen des Videos sind, dass der Anteil von CO2 an der gesamten Erdatmosphäre sehr gering ist und folglich CO2-Emissionen so gut wie keinen Einfluss auf das Erdklima hätten. Deutschland könne also das Klima mit seinen CO2-Emissionen nicht beeinflussen. Das Land habe keinerlei Verantwortung in puncto Klimaschutz. 

Als einzige Quelle für die Aussagen wird eine Seite des Europäischen Instituts für Klima & Energie (EIKE) eingeblendet. EIKE ist entgegen seines Namens kein Institut, sondern ein Verein, der sich auf seiner Webseite immer wieder mit der Meinung positioniert, der menschenverursachte Klimawandel sei eine Lüge

Das Video wurde auf Facebook am 17. Juli 2019 veröffentlicht und innerhalb von zwei Woche fast 1.500 mal geteilt. (Screenshot vom 31. Juli 2019: CORRECTIV)

Im Video wird grafisch dargestellt, wie gering der Anteil der CO2-Emissionen von Deutschland an der Erdatmosphäre sei. So wird die Dicke eines Blattes Papier der Höhe des Eiffelturms gegenübergestellt. Die Dicke des Papiers entspreche den CO2-Emissionen Deutschlands; die Höhe des Eiffelturms der gesamten Luftmenge in der Erdatmosphäre, heißt es.

In einem Facebook-Video vom 17. Juli 2019  wird die Dicke eines Blattes Papier der Höhe des Eiffelturms gegenübergestellt. Dabei entspreche die Dicke des Papiers den CO2-Emissionen Deutschlands und die Höhe des Eiffelturms der gesamten Luftmenge in der Atmosphäre. (Screenshot vom 31. Juli 2019: CORRECTIV)

Welchen Anteil am Treibhauseffekt hat der Mensch? 

In dem Video wird die Zusammensetzung der Luft folgendermaßen aufgeschlüsselt: 78,08 Prozent der Luft bestehe aus Stickstoff, 20,95 Prozent aus Sauerstoff, 0,93 Prozent aus Argon, Dämpfen und Spurengase und 0,04 Prozent aus Kohlenstoffdioxid, kurz CO2. Somit seien 4.000 von 10 Millionen Molekülen in der Luft CO2. Diese Angaben sind in etwa korrekt, wie in einem regelmäßig aktualisierten Datenblatt der NASA nachgelesen werden kann. 

Des Weiteren wird in dem Video angegeben, dass 120 von den 4.000 CO2-Molekülen menschengemacht seien, und davon kämen drei aus Deutschland. Es wären also drei von 10 Millionen Gasmolekülen in der Atmosphäre CO2 aus Deutschland. Daraus wird die Schlussfolgerung gezogen, dass CO2 nur wenig zum Erdklima beitrage und Deutschland sich völlig „zurücklehnen” könne. 

Doch an dieser Stelle ist im Video ein entscheidender Denkfehler passiert. Laut Aussage per E-Mail an CORRECTIV von Norbert Frank, geschäftsführender Direktor des Instituts für Umweltphysik der Uni Heidelberg, werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Stickstoff, Sauerstoff und Argon tragen gar nicht zum Treibhauseffekt der Erde bei und seien somit völlig irrelevant in der Betrachtung, wie viel Anteil der Mensch am Klimawandel hat. Nur Wasserdampf und Treibhausgase hätten einen Effekt auf die globale Erwärmung. Wasserdampf sei laut Sceptical Science in Hinsicht auf den anthropogenen also vom Menschen verursachten Treibhauseffekt nicht als ursprünglicher Faktor zu betrachten, sondern lediglich als Feedback-Faktor, das heißt als sogenannter Verstärker des Temperaturanstiegs durch CO2-Emissionen. 

Somit ist ein Vergleich der unterschiedlichen Gase Stickstoff, Sauerstoff, Argon und CO2 laut Norbert Frank nicht sinnvoll. 9.996.000 Moleküle der im Video zur Veranschaulichung genannten 10 Millionen Moleküle in der Luft fallen demnach aus der obigen Rechnung raus, weil sie nicht relevant für den Treibhauseffekt sind. 4000 Moleküle (0,04 Prozent CO2-Anteil an der gesamten Luft) sind also für 100 Prozent des Klima-Effektes verantwortlich.  

Kommen nur drei Prozent des CO2-Anteils in der Luft vom Menschen?

Eric Fee vom Umweltbundesamt bestätigte CORRECTIV bereits für einen anderen Faktencheck per E-Mail, dass 97 Prozent der jährlichen globalen CO2-Emissionen natürlichen Ursprungs seien und somit Teil des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs. Folglich sind drei Prozent der jährlichen CO2-Emissionen menschengemacht, werden also vom Menschen emittiert. Die Angabe bezieht sich jedoch nur auf den jährlichen CO2-Ausstoß. Da das vom Menschen emittierte CO2 laut Norbert Frank nur etwa zur Hälfte von der Biosphäre und den Ozeanen, also dem natürlichen CO2-Kreislauf aufgenommen werden kann, verbleibt der Rest in der Atmosphäre und addiert sich dort Jahr für Jahr. 

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) teilte CORRECTIV für einen anderen Faktencheck per Email mit, dass im Mittel von 2008 bis 2017 44 Prozent des vom Menschen ausgestoßenen CO2 in der Atmosphäre verblieben und nicht vom natürlichen CO2-Kreislauf aufgenommen werden konnten. Dieser Anteil erhöhe den CO2-Gehalt der Luft. 29 Prozent des in diesem Zeitraum vom Menschen verursachten CO2 wurde den Angaben des PIK zufolge von der Landvegetation aufgenommen und 22 Prozent von den Ozeanen. Die restlichen fünf Prozent könnten zum Teil auf Rundungsfehler und zum Teil darauf zurückgeführt werden, dass die Emissionen und natürlichen Senken nicht genau bestimmbar seien. Bei natürlichen Senken handelt es sich laut waldwissen.net um Kohlenstoffspeicher, die mehr CO2 aufnehmen, als ausstoßen, wie beispielsweise Wälder. 

Somit hat der Mensch laut Norbert Frank etwa 25 Prozent des CO2-Kreislaufs aus dem Gleichgewicht gebracht. Nach der Rechnung im Video wären das etwa 1.000 von 4.000 Molekülen statt der im Video genannten 120 Moleküle ausmacht. 

Auf Youtube wird die Störung des CO2-Kreislaufs seit ca. 1850 in einem Video veranschaulicht. Es ist zu erkennen, dass sich im Jahr 2017 deutlich mehr CO2 in der Atmosphäre befindet als im vorindustriellen Zeitraum und außerdem CO2 aus Industrie und fossilen Energieträgern hinzu kommt. 

Der CO2-Kreislauf im vorindustriellen Zeitalter mit einer CO2-Konzentration in der Atmosphäre von 276 ppm. (Screenshot aus Youtube-Video vom Physiker Robert Rohde vom 13. August 2019: CORRECTIV)
Der CO2-Kreislauf im Jahr 2017 mit einer CO2-Konzentration in der Atmosphäre von 406 ppm. (Screenshot aus Youtube-Video vom Physiker Robert Rohde vom 13. August 2019: CORRECTIV)

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CO2-Emissionen des Menschen haben großen Einfluss auf das Klima

Es ist also korrekt, dass der Anteil von CO2 in der Erdatmosphäre gering ist. Im Juni 2019 teilte Eric Fee vom Umweltbundesamt CORRECTIV für einen anderen Faktencheck zum Thema Klimawandel mit: „Zurzeit ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ca. 405 ppm (Teile pro Million). Das klingt sehr gering. Aber vor der Industrialisierung war die Konzentration nur 277 ppm.”

Die durch die anthropogenen CO2-Emissionen erhöhte CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist dennoch die Hauptursache für den Klimawandel, wie auch im Fünften Sachbericht des UN-Klimarats (IPPC) deutlich wird (Seite 5). Diese These unterstützen 97 Prozent der Klimaforscher, wie eine Studie von wissenschaftlichen Aufsätzen zum Thema im Jahr 2013 ergab.

Mit einem aktuellen CO2-Ausstoß von 799 Millionen Tonnen (2017) hat Deutschland laut „Global Carbon Atlas“ einen Anteil von 2,21 Prozent am weltweiten jährlichen CO2-Ausstoß – und liegt auf Platz 6 der Länder mit den größten CO2-Emissionen. Damit emittiert es pro Kopf etwa das Doppelte des weltweiten Mittels, wie Werner Aeschbach, Professor am Institut für Umweltphysik der Uni Heidelberg, CORRECTIV per E-Mail mitteilte. Somit hat Deutschland maßgeblich Anteil an der globalen Erwärmung und Verantwortung in Sachen Klimaschutz.

Update (16. August 2019): Wir haben einen Fehler berichtigt. Im Text fehlte die Angabe, dass Deutschland „pro Kopf“ etwa das Doppelte des weltweiten Mittels CO2 ausstoße. Das haben wir ergänzt.

Update (20. August 2019): Wir haben einen Fehler korrigiert. Im Text stand, dass im Mittel von 2008 bis 2017 56 Prozent (falsch) anstatt 44 Prozent (richtig) des vom Menschen ausgestoßenen CO2 in der Luft verbleibe. Außerdem haben wir hinzugefügt, wo die restlichen 56 Prozent verbleiben.