Profil

Katarina Huth

Reporterin

Katarina studierte Volkswirtschaftslehre in Berlin und Valencia. In ihrer Bachelorarbeit analysierte sie die Vor- und Nachteile eines Bedingungslosen Grundeinkommens. Im Anschluss ging sie bei Mein Grundeinkommen e.V. an der Schnittstelle zwischen Medien und GewinnerInnen eines Grundeinkommens den realen Auswirkungen dieser Existenzsicherung auf die Spur.
Mit dem Aktionskunst-Kollektiv Peng! leitete sie auch mal eine subversive Installation zu Finanzbehörden auf der Athen Biennale 2018 und schlich sich undercover in eine fingierte Friedenspreisverleihung der deutschen Waffenindustrie. Immer auf der Suche nach den effektivsten Hebeln, um gesellschaftliche und strukturelle Missstände aufzudecken und konstruktive Lösungsansätze zu entwickeln, ist Katarina nun Teil der neuen CORRECTIV Klimaredaktion. Ihre journalistische Ausbildung absolviert sie an der Freien Journalistenschule Berlin. Privat singt sie im Berliner Kneipenchor.

E-Mail: katarina.huth(at)correctiv.org

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Natürliche Senken in der Biosphäre sind zum Beispiel Wälder, die mehr CO2 aufnehmen als sie abgeben. (Symbolbild: Unsplash / Guy Bowden)

von Katarina Huth

In einem Facebook-Beitrag wird behauptet, dass die CO2-Konzentration der Erdatmosphäre 1890 genauso hoch gewesen sei wie heute. Zu dieser Zeit waren die Messungen jedoch noch sehr ungenau.

Die Facebook-Seite „Freie Medien – News“ veröffentlichte am 12. August 2019 einen Beitrag, der bisher mehr als  als 9.000 Mal geteilt wurde. Darin wird behauptet, dass bereits 1890 eine CO2-Konzentration von 0,04 Prozent in der Atmosphäre bestanden habe. Als Quelle wird „Meyers Lexikon“ genannt, mit einem Bild einer Lexikonseite in altdeutscher Schrift als Beleg. Da der damalige Wert mit dem heutigen übereinstimme, habe es also keine Erhöhung der CO2-Konzentration seit 1890 gegeben. 

Das ist falsch. Unsere Recherche zeigt, dass es 1890 noch keine genauen Messungen des CO2-Gehalts in der Atmosphäre gab – und neuere Forschungen belegen einen Anstieg. 

Der Beitrag wurde am 12. August 2019 auf Facebook veröffentlicht und wurde bisher mehr als 9.000 Mal geteilt.. (Screenshot vom 29. Oktober 2019: CORRECTIV)

Quelle der Aussage ist Meyers Konversations-Lexikon

Die im Facebook-Beitrag zitierte Ausgabe des Meyers Lexikon kann man in der Online Retro-Bibliothek einsehen. Meyers Konversations-Lexikon ist eine bedeutende Enzyklopädie des 19. und 20. Jahrhunderts in deutscher Sprache. 

Unter dem Eintrag zu „Kohlensäure“ steht auf Seite 917 der vierten Auflage (1885 bis 1892) des Lexikons: „Kohlensäure (Kohlensäureanhydrid, Kohlendioxyd) CO2 ^[CO_{2}] findet sich zu etwa 0,04 Proz. in der Atmosphäre[…]“. Es handelt sich also bei dem Foto auf Facebook um den echten Lexikon-Eintrag. 

Ein Auszug aus der vierten Auflage von Meyers Konversations-Lexikon von 1885, die online verfügbar ist. Der Screenshot stammt aus der Retro-Bibliothek für historische Nachschlagewerke. (Screenshot 19. August 2019: CORRECTIV)

Mit der Bezeichnung „Kohlensäure“ ist hier wohl Kohlenstoffdioxid, also CO2, gemeint. Manchmal wird der Begriff „Kohlensäure“ auch heute noch fälschlich für CO2 verwendet. Zur Unterscheidung: Kohlensäure ist eine Säure, die als Reaktion von Kohlenstoffdioxid und Wasser entsteht, CO2 ist ein Gas. 

Bei CO2 handelt es sich laut Umweltbundesamt nach Wasserdampf um das wichtigste Treibhausgas. Dessen Konzentration in der Atmosphäre habe sich im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um etwa 44 Prozent durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Erdgas, Erdöl und Kohle sowie durch großflächige Entwaldung erhöht. Diese Veränderung sorge mit für eine Klimaerwärmung. 

CO2-Konzentration in der Atmosphäre lag 1890 unter 300 ppm

Der Anteil von CO2 in der Atmosphäre wird in ppm gemessen – Anteile pro Million oder Millionstel. Die 0,04 Prozent, die in Meyers Konversations-Lexikon angegeben werden, entsprechen 400 ppm. 

Die Messmethoden und Schätzungen der CO2-Konzentration in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten waren jedoch ungenau. Hermann Flohn, ehemaliger Professor für Meteorologie und Direktor des Meteorologischen Instituts der Universität Bonn, schrieb 1984: „Vor Beginn des modernen Industriezeitalters (um 1890) wurde der CO2-Gehalt der Luft (1981: 340 ppm) in verschiedenen, damals noch recht ungenauen Meßserien zu 290 bis 295 ppm bestimmt. [sic!]“ (PDF, Seite 2). Diese Werte weichen stark von den in Meyers Konversations-Lexikon angegebenen 400 ppm ab. 

Laut Hans Joachim Schellnhuber, Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, und dem für dieses Institut tätigen Paläoklimatologen und Ozeanografen Stefan Rahmstorf, gibt es echte und direkte Messungen der CO2-Konzentration erst seit den 1950er-Jahren (PDF, Seite 33). Damals habe Charles Keeling, ehemaliger Professor für Chemie an der Scripps Institution of Oceanography, seine CO2-Messungen auf einem der größten aktiven Vulkane der Erde, dem Mauna Loa auf Hawaii, begonnen. Diese seien später Grundlage der berühmten Keeling-Kurve geworden. Sie zeige zum einen die jahreszeitlichen Schwankungen der CO2-Konzentration, also die unterschiedliche Auf- und Abnahme des CO2 durch die Biosphäre im Jahresrhythmus. Zum anderen zeige sie einen kontinuierlichen Aufwärtstrend. 

Keeling-Kurve, die die Entwicklung der CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre von 1700 bis heute darstellt. (Quelle: Scripps Institution of Oceanography, Screenshot vom 21. Oktober 2019, CORRECTIV)

Über die Werte vor den 1950er Jahren geben Eiskernbohrungen in der Antarktis Aufschluss. Erste Untersuchungen von gewonnen Eiskernen gab es Ende der 1950er-Jahren (PDF, Seite 2526). Laut der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) konnte anhand der im kilometerdicken Eis eingeschlossenen Gasproben bestimmt werden, dass während der Eiszeitzyklen der letzten 800.000 Jahre die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre nie über 300 ppm betrug. Vor Beginn der Industriellen Revolution Mitte des 17. Jahrhunderts habe die globale durchschnittliche CO2-Konzentration rund 280 ppm betragen. 2015 habe die globale CO2-Konzentration erstmals 400 ppm überschritten.

Auszug aus dem Artikel auf der Webseite Climate.gov der NOAA. (Screenshot vom 25. Oktober 2019: CORRECTIV)

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist heute so hoch wie nie zuvor

Nur etwa die Hälfte der CO2-Emissionen durch den Menschen konnten laut einem Report des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) seit der vorindustriellen Zeit in den natürlichen CO2-Kreislauf von sogenannten natürlichen CO2-Senken aufgenommen werden (PDF, Seite 467). Natürliche Senken sind Ökosysteme, die Kohlenstoff in Biomasse speichern, wie zum Beispiel Wälder. Durch den menschlichen Einfluss ist die globale Durchschnittstemperatur seit der vorindustriellen Zeit bis 2017 laut IPCC um etwa ein Grad Celsius gestiegen (siehe Sonderbericht des IPCC 2018, Chapter eins, Executive Summary).

Im Juli gab das Umweltbundesamt eine aktuelle globale CO2-Konzentration in der Atmosphäre von 407,38 ppm an. Laut der US-amerikanischen Nasa beträgt sie Stand September 2019 412 ppm. Somit belegt die Forschung, dass es einen Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre gibt. 

Die Grafik der NOAA stellt die durchschnittliche globale CO2-Konzentration in der Atmosphäre der letzten 800.000 Jahre dar. (Screenshot 20. Oktober 2019: CORRECTIV)

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Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Der Lexikon-Eintrag ist korrekt wiedergegeben, aber keine belastbare Quelle, da es 1890 noch keine genauen Messungen gab. Heute kann die Forschung belegen, dass die CO2-Konzentration damals bei unter 300 ppm lag – und heute bei über 400 ppm liegt.

weiterlesen 6 Minuten
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Das Video, in dem behauptet wird, CO2 habe kaum Einfluss auf die Erderwärmung, wurde am 17. Juli 2019 auf Facebook veröffentlicht. (Screenshot: CORRECTIV)

von Katarina Huth

Der Einfluss von CO2 auf die Erderwärmung sei fast nicht vorhanden und Deutschlands CO2-Emissionen könnten folglich vernachlässigt werden – das wird in einem Video behauptet, welches auf Facebook geteilt wird. Die Aussagen sind größtenteils falsch.

Auf Facebook wurde auf der Seite „Klimaschwindel” am 17. Juli 2019 ein Video mit dem Titel „Drei von 10 Millionen Gasmolekülen sind CO2 aus Deutschland” geteilt. Innerhalb von zwei Wochen wurde der Beitrag fast 1.500 Mal geteilt. 

Die Hauptaussagen des Videos sind, dass der Anteil von CO2 an der gesamten Erdatmosphäre sehr gering ist und folglich CO2-Emissionen so gut wie keinen Einfluss auf das Erdklima hätten. Deutschland könne also das Klima mit seinen CO2-Emissionen nicht beeinflussen. Das Land habe keinerlei Verantwortung in puncto Klimaschutz. 

Als einzige Quelle für die Aussagen wird eine Seite des Europäischen Instituts für Klima & Energie (EIKE) eingeblendet. EIKE ist entgegen seines Namens kein Institut, sondern ein Verein, der sich auf seiner Webseite immer wieder mit der Meinung positioniert, der menschenverursachte Klimawandel sei eine Lüge

Das Video wurde auf Facebook am 17. Juli 2019 veröffentlicht und innerhalb von zwei Woche fast 1.500 mal geteilt. (Screenshot vom 31. Juli 2019: CORRECTIV)

Im Video wird grafisch dargestellt, wie gering der Anteil der CO2-Emissionen von Deutschland an der Erdatmosphäre sei. So wird die Dicke eines Blattes Papier der Höhe des Eiffelturms gegenübergestellt. Die Dicke des Papiers entspreche den CO2-Emissionen Deutschlands; die Höhe des Eiffelturms der gesamten Luftmenge in der Erdatmosphäre, heißt es.

In einem Facebook-Video vom 17. Juli 2019  wird die Dicke eines Blattes Papier der Höhe des Eiffelturms gegenübergestellt. Dabei entspreche die Dicke des Papiers den CO2-Emissionen Deutschlands und die Höhe des Eiffelturms der gesamten Luftmenge in der Atmosphäre. (Screenshot vom 31. Juli 2019: CORRECTIV)

Welchen Anteil am Treibhauseffekt hat der Mensch? 

In dem Video wird die Zusammensetzung der Luft folgendermaßen aufgeschlüsselt: 78,08 Prozent der Luft bestehe aus Stickstoff, 20,95 Prozent aus Sauerstoff, 0,93 Prozent aus Argon, Dämpfen und Spurengase und 0,04 Prozent aus Kohlenstoffdioxid, kurz CO2. Somit seien 4.000 von 10 Millionen Molekülen in der Luft CO2. Diese Angaben sind in etwa korrekt, wie in einem regelmäßig aktualisierten Datenblatt der NASA nachgelesen werden kann. 

Des Weiteren wird in dem Video angegeben, dass 120 von den 4.000 CO2-Molekülen menschengemacht seien, und davon kämen drei aus Deutschland. Es wären also drei von 10 Millionen Gasmolekülen in der Atmosphäre CO2 aus Deutschland. Daraus wird die Schlussfolgerung gezogen, dass CO2 nur wenig zum Erdklima beitrage und Deutschland sich völlig „zurücklehnen” könne. 

Doch an dieser Stelle ist im Video ein entscheidender Denkfehler passiert. Laut Aussage per E-Mail an CORRECTIV von Norbert Frank, geschäftsführender Direktor des Instituts für Umweltphysik der Uni Heidelberg, werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Stickstoff, Sauerstoff und Argon tragen gar nicht zum Treibhauseffekt der Erde bei und seien somit völlig irrelevant in der Betrachtung, wie viel Anteil der Mensch am Klimawandel hat. Nur Wasserdampf und Treibhausgase hätten einen Effekt auf die globale Erwärmung. Wasserdampf sei laut Sceptical Science in Hinsicht auf den anthropogenen also vom Menschen verursachten Treibhauseffekt nicht als ursprünglicher Faktor zu betrachten, sondern lediglich als Feedback-Faktor, das heißt als sogenannter Verstärker des Temperaturanstiegs durch CO2-Emissionen. 

Somit ist ein Vergleich der unterschiedlichen Gase Stickstoff, Sauerstoff, Argon und CO2 laut Norbert Frank nicht sinnvoll. 9.996.000 Moleküle der im Video zur Veranschaulichung genannten 10 Millionen Moleküle in der Luft fallen demnach aus der obigen Rechnung raus, weil sie nicht relevant für den Treibhauseffekt sind. 4000 Moleküle (0,04 Prozent CO2-Anteil an der gesamten Luft) sind also für 100 Prozent des Klima-Effektes verantwortlich.  

Kommen nur drei Prozent des CO2-Anteils in der Luft vom Menschen?

Eric Fee vom Umweltbundesamt bestätigte CORRECTIV bereits für einen anderen Faktencheck per E-Mail, dass 97 Prozent der jährlichen globalen CO2-Emissionen natürlichen Ursprungs seien und somit Teil des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs. Folglich sind drei Prozent der jährlichen CO2-Emissionen menschengemacht, werden also vom Menschen emittiert. Die Angabe bezieht sich jedoch nur auf den jährlichen CO2-Ausstoß. Da das vom Menschen emittierte CO2 laut Norbert Frank nur etwa zur Hälfte von der Biosphäre und den Ozeanen, also dem natürlichen CO2-Kreislauf aufgenommen werden kann, verbleibt der Rest in der Atmosphäre und addiert sich dort Jahr für Jahr. 

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) teilte CORRECTIV für einen anderen Faktencheck per Email mit, dass im Mittel von 2008 bis 2017 44 Prozent des vom Menschen ausgestoßenen CO2 in der Atmosphäre verblieben und nicht vom natürlichen CO2-Kreislauf aufgenommen werden konnten. Dieser Anteil erhöhe den CO2-Gehalt der Luft. 29 Prozent des in diesem Zeitraum vom Menschen verursachten CO2 wurde den Angaben des PIK zufolge von der Landvegetation aufgenommen und 22 Prozent von den Ozeanen. Die restlichen fünf Prozent könnten zum Teil auf Rundungsfehler und zum Teil darauf zurückgeführt werden, dass die Emissionen und natürlichen Senken nicht genau bestimmbar seien. Bei natürlichen Senken handelt es sich laut waldwissen.net um Kohlenstoffspeicher, die mehr CO2 aufnehmen, als ausstoßen, wie beispielsweise Wälder. 

Somit hat der Mensch laut Norbert Frank etwa 25 Prozent des CO2-Kreislaufs aus dem Gleichgewicht gebracht. Nach der Rechnung im Video wären das etwa 1.000 von 4.000 Molekülen statt der im Video genannten 120 Moleküle ausmacht. 

Auf Youtube wird die Störung des CO2-Kreislaufs seit ca. 1850 in einem Video veranschaulicht. Es ist zu erkennen, dass sich im Jahr 2017 deutlich mehr CO2 in der Atmosphäre befindet als im vorindustriellen Zeitraum und außerdem CO2 aus Industrie und fossilen Energieträgern hinzu kommt. 

Der CO2-Kreislauf im vorindustriellen Zeitalter mit einer CO2-Konzentration in der Atmosphäre von 276 ppm. (Screenshot aus Youtube-Video vom Physiker Robert Rohde vom 13. August 2019: CORRECTIV)
Der CO2-Kreislauf im Jahr 2017 mit einer CO2-Konzentration in der Atmosphäre von 406 ppm. (Screenshot aus Youtube-Video vom Physiker Robert Rohde vom 13. August 2019: CORRECTIV)

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CO2-Emissionen des Menschen haben großen Einfluss auf das Klima

Es ist also korrekt, dass der Anteil von CO2 in der Erdatmosphäre gering ist. Im Juni 2019 teilte Eric Fee vom Umweltbundesamt CORRECTIV für einen anderen Faktencheck zum Thema Klimawandel mit: „Zurzeit ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ca. 405 ppm (Teile pro Million). Das klingt sehr gering. Aber vor der Industrialisierung war die Konzentration nur 277 ppm.”

Die durch die anthropogenen CO2-Emissionen erhöhte CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist dennoch die Hauptursache für den Klimawandel, wie auch im Fünften Sachbericht des UN-Klimarats (IPPC) deutlich wird (Seite 5). Diese These unterstützen 97 Prozent der Klimaforscher, wie eine Studie von wissenschaftlichen Aufsätzen zum Thema im Jahr 2013 ergab.

Mit einem aktuellen CO2-Ausstoß von 799 Millionen Tonnen (2017) hat Deutschland laut „Global Carbon Atlas“ einen Anteil von 2,21 Prozent am weltweiten jährlichen CO2-Ausstoß – und liegt auf Platz 6 der Länder mit den größten CO2-Emissionen. Damit emittiert es pro Kopf etwa das Doppelte des weltweiten Mittels, wie Werner Aeschbach, Professor am Institut für Umweltphysik der Uni Heidelberg, CORRECTIV per E-Mail mitteilte. Somit hat Deutschland maßgeblich Anteil an der globalen Erwärmung und Verantwortung in Sachen Klimaschutz.

Update (16. August 2019): Wir haben einen Fehler berichtigt. Im Text fehlte die Angabe, dass Deutschland „pro Kopf“ etwa das Doppelte des weltweiten Mittels CO2 ausstoße. Das haben wir ergänzt.

Update (20. August 2019): Wir haben einen Fehler korrigiert. Im Text stand, dass im Mittel von 2008 bis 2017 56 Prozent (falsch) anstatt 44 Prozent (richtig) des vom Menschen ausgestoßenen CO2 in der Luft verbleibe. Außerdem haben wir hinzugefügt, wo die restlichen 56 Prozent verbleiben. 

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Dass der CO2-Anteil in der Erdatmosphäre gering ist, ist korrekt. Die Schlussfolgerung, dass CO2-Emissionen des Menschen deswegen keinen Einfluss auf das Klima haben, stimmt nicht.

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Svante Arrhenius, Nobelpreisträger der Chemie, sagte als einer der Ersten den Treibhauseffekt durch den Anstieg von CO2-Emissionen voraus. Das historische Foto ist im Wikipedia-Eintrag des Wissenschaftlers zu finden. (Screenshot: CORRECTIV)

von Katarina Huth

Auf Facebook wurde ein Beitrag veröffentlicht, in dem behauptet wird, dass der Nobelpreisträger Svante Arrhenius der Urgroßvater von Klima-Aktivistin Greta Thunberg sei. Arrhenius war der Erste, der 1895 eine globale Erwärmung prognostizierte. Laut Aussagen von Thunbergs Vater ist sie mit Svante Arrhenius entfernt verwandt.

Auf Facebook wurde am 26. Juli 2019 ein Beitrag veröffentlicht, in dem behauptet wird, dass „[…]der Urgroßvater von Greta Thunberg der Erfinder des Klimawandels“ sei. Zusammen mit dem Text wurden vier Bilder geteilt: Ein Foto von Greta Thunberg, eines  von dem Nobelpreisträger Svante Arrhenius, eine Grafik zur Zusammensetzung der Luft und ein Ausschnitt der Titelseite der Bild vom 8. August 1975. 

Der Beitrag wurde am 26. Juli 2019 auf Facebook veröffentlicht und innerhalb von drei Tagen mehr als 250 Mal geteilt. (Screenshot vom 30. Juli 2019: CORRECTIV)

Svante Arrhenius sagte 1895 eine globale Erwärmung voraus

Dieses Foto von Svante Arrhenius wird auf Facebook verbreitet. (Screenshot vom 30. Juli 2019: CORRECTIV)

Der schwedische Wissenschaftler Svante Arrhenius, der von 1859 bis 1927 lebte, war laut NASA der Erste, der die Auswirkungen von steigenden CO2-Emissionen auf die Temperatur am Erdboden entdeckte. Er berechnete laut Umweltbundesamt, dass eine Verdopplung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu einem globalen Temperaturanstieg von 4 bis 6 Grad Celsius führen würde. 1903 erhielt er den Nobelpreis in Chemie, allerdings nicht wegen der Entdeckung, dass es einen Zusammenhang zwischen CO2 und der Erderwärmung gibt, sondern für seine Theorien zur elektrolytischen Dissoziation – dem Zerfall von Anionen und Kationen in einem Lösungsmittel. 

In einem Interview des US-Politmagazins Democracy Now mit Greta Thunberg und ihrem Vater Svante Thunberg erzählte Svante Thunberg (ab Minute 35:19), Svante Arrhenius sei ein „entfernter Verwandter” gewesen, vermutlich „ein Cousin [s]einer Urgroßmutter”. Sein Vater habe ihn nach Svante Arrhenius benannt, doch der Name habe für ihn keine Bedeutung gehabt bis er anfing, sich mit dem Thema Klimawandel zu beschäftigen.

Greta Thunberg ist also nach Aussage ihres Vaters eine entfernte Verwandte von Svante Arrhenius. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Wissenschaftler den Klimawandel „erfunden“ – also erlogen – hat. 

Grafik zur Zusammensetzung der Luft gibt Mengenverhältnisse korrekt wieder

Die Grafik zur Zusammensetzung der Luft wurde zusammen mit dem Beitragstext auf Facebook am 26. Juli 2019 veröffentlicht. (Screenshot: CORRECTIV)

Eines der anderen Bilder, die mit dem Foto von Arrhenius geteilt wurden, ist eine Grafik, in der der Anteil von CO2 in der Erdatmosphäre der Gesamtheit der Gasmoleküle in der Luft gegenübergestellt wird. Dabei sei der Anteil von CO2 0,038 %. 

Das Größenverhältnis ist in der Grafik korrekt dargestellt. Die Angaben sind allerdings etwas veraltet. Im Mai 2019 wurde durch das Earth System Research Laboratory ein CO2-Anteil von 414,66 pm in der Atmosphäre gemessen. Ppm steht für „parts per million”, also entspricht 1 ppm einem Anteil an der Atmosphäre von 0,0001 Prozent. 416,66 ppm sind also 0,041466 Prozent. Die CO2-Konzentration in der Luft ist seit Beginn der Industrialisierung stark gestiegen. 1855 betrug sie noch 288 ppm. Laut NASA überstieg der CO2-Anteil in der Atmosphäre 2013 erstmals in der aufgezeichneten Geschichte 440 ppm. 

Der Anteil des CO2 an der gesamten Atmosphäre ist gering. Dies heißt allerdings nicht, dass der Anstieg des CO2-Anteils keine Wirkung hat. CORRECTIV veröffentlichte hierzu bereits einen Faktencheck. In diesem wird deutlich, dass sich durch die CO2-Emissionen des Menschen die CO2-Konzentration in der Luft erhöht, da nur ein Teil der Emissionen durch die Natur aufgenommen werden kann. Diese Erhöhung der CO2-Konzentration gehe immer mit einer globalen Erwärmung einher, erläuterte uns das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Die Titelseite der Bild vom August 1975 zeigte eine Wetterprognose

Der Bildausschnitt wurde zusammen mit dem Beitragstext am 26. Juli 2019 auf Facebook veröffentlicht. (Screenshot: CORRECTIV)

Das vierte Bild ist ein Ausschnitt der Titelseite der Bild vom 8. August 1975. Es wurde wurde in den letzten Wochen viel in den Sozialen Medien geteilt, etwa auf Facebook. Der Titel wurde dabei oft so verstanden, dass 1975 eine Temperatur von 40 Grad Celsius gemessen wurde. Dies ist allerdings nicht korrekt – es handelte sich um eine Wetterprognose, wie aus dem Artikel hervorgeht. Sie bestätigte sich nicht. Tatsächlich lag die höchste Temperatur, die 1975 in Deutschland gemessen wurde, bei 32 Grad. CORRECTIV veröffentlichte auch hierzu bereits einen Faktencheck.

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Fazit

Die Behauptung, dass der Wissenschaftler Svante Arrhenius ein entfernter Verwandter von Greta Thunbergs ist, stimmt nach Aussage ihres Vaters. Insgesamt sollen die vier Bilder in Kombination jedoch in die Irre führen und den Eindruck erzeugen, der Klimawandel existiere nicht – er sei eine „Erfindung“ von Thunbergs Vorfahr. Die Thesen von Arrhenius wurden jedoch seitdem zahlreich bestätigt, beispielsweise durch diese Studie von US-Wissenschaftlern, die 2015 in der internationalen Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde. Dass der CO2-Anteil an der Luft gering ist, bedeutet nicht, dass er einen geringen Einfluss auf das Klima hat. Und die alte Titelseite der Bild-Zeitung belegt nicht, dass es in Deutschland schon 1975 40 Grad warm war.

Update 12. November 2019: Wir haben im Titel und im Text das Wort „Nachfahrin“ mit dem Begriff „entfernte Verwandte“ ersetzt. Da Greta Thunberg nicht in direkter Linie von Svante Arrhenius abstammt, ist sie keine Nachfahrin von ihm. Laut Greta Thunbergs Vater haben sie gemeinsame Vorfahren, sind also entfernte Verwandte.

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Greta Thunberg ist nach Aussage ihres Vaters eine entfernte Verwandte des Chemie-Nobelpreisträgers Svante Arrhenius. Die weiteren Schlussfolgerungen des Beitrags zum Klimawandel führen jedoch in die Irre.

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Eine Rechnung stellt CO2-Emissionen des Menschen denen der Natur gegenüber: Sie lässt aber wichtige Fakten außer Acht und hat deshalb keine Aussagekraft. (Foto: Ashraf Ali / Unsplash)

von Nina Breher , Katarina Huth

Eine Rechnung soll zeigen, wie gering der Beitrag des Menschen zum Klimawandel angeblich ist. Sie wird seit 2010 immer wieder zitiert. Sie fußt nicht nur auf falschen Annahmen sondern ist auch unlogisch.

Eine Rechnung zum Thema „Klimawandel und CO2“ kommt zu dem Ergebnis, Deutschland beeinflusse das in der Luft befindliche CO2 „mit nur 0,00004712 Prozent“. Das stehe nicht im Verhältnis zu geplanten Investitionen in den Klimaschutz – so impliziert es der Text auf einer Facebook-Grafik, die am 16. Juli auf der Facebook-Seite „Freie Medien“ veröffentlicht und seitdem rund 24.000 Mal geteilt wurde. 

Die Zahlen aus dieser Rechnung werden in den letzten Wochen wieder in den sozialen Medien zitiert. (Screenshot am 30. Juli 2019: CORRECTIV)

Wahrscheinlich tauchte die CO2-Rechnung erstmals im Januar 2010 in einem Leserbrief an die Frankfurter Allgemeine Zeitung auf (kostenpflichtig). Der Leser hatte damals den Wert von 0,0004712 Prozent errechnet.

Die Rechnung gelangte wahrscheinlich in einem FAZ-Leserbrief von 2010 an die Öffentlichkeit. (Quelle: FAZ-Archiv, Screenshot: CORRECTIV)

Viele berufen sich beim Teilen auf den Verein „EIKE – Europäisches Institut für Klima und Energie“, wo die Rechnung am 20. Januar 2010 unter Nennung des Leserbriefs als Quelle publiziert worden war. CORRECTIV hat kürzlich einen Faktencheck zu dem Text veröffentlicht. Da die Rechnung aber in verschiedenen Kontexten zitiert wird und nicht nur auf falschen Annahmen aufbaut, sondern auch in sich unlogisch ist, widmen wir ihr an dieser Stelle einen eigenen Faktencheck.

Die Rechnung ist unlogisch – der Mensch erzeugt nicht 0,00152 Prozent des weltweiten CO2

Ausgangsbasis für die Berechnung ist die Annahme, dass 0,038 Prozent der Luft aus CO2 bestehe und weltweit 4 Prozent dieses CO2 von Menschen verursacht werde. Daraus wird geschlussfolgert, der Anteil des Menschen an dem CO2 in der Luft betrage „4 Prozent von 0,038 Prozent, also 0,00152 Prozent“. 

Diese Folgerung ist aus zwei Gründen falsch: Erstens wird hier der Beitrag des Menschen zum CO2-Vorkommen ins Verhältnis zur gesamten Luft (100 Prozent) gesetzt – nicht ins Verhältnis zu den 0,038 Prozent CO2, die sich in der Luft befinden. Der Mensch beeinflusst mit seinen CO2-Emissionen 0,00152 Prozent der Luft, nicht 0,00152 Prozent des in der Luft befindlichen CO2. Der menschliche Anteil an den CO2-Emissionen würde nach dieser Rechnung vier Prozent betragen.

Dass der CO2-Anteil an der Luft so gering ist, heißt zweitens nicht, dass ein Anstieg dieses Anteils keine Wirkung hat. Eric Fee vom Umweltbundesamt teilte CORRECTIV bereits im Juni 2019 per E-Mail mit: „Zurzeit ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ca. 405 ppm (Teile pro Million). Das klingt sehr gering. Aber vor der Industrialisierung war die Konzentration nur 277 ppm. Durch diese vergleichsweise starke Erhöhung der Konzentration ist die globale Durchschnittstemperatur um ca. 1°C gestiegen (Sonderbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) 2018, Punkt A.1).“

Der Mensch verursacht etwa drei Prozent der globalen CO2-Emissionen, der Rest ist natürlichen Ursprungs 

Die Werte, die der Rechnung zugrunde gelegt wurden, sind inzwischen meist veraltet, teilweise auch ungenau. Sie beginnt mit der Angabe, die Luft bestehe aus „78 Prozent Stickstoff, 21 Prozent Sauerstoff, 1 Prozent Edelgasen und 0,038 Prozent CO2“. Nimmt man an, dass die Zahl 0,038 – so wie die ersten auffindbaren Artikel zu dem Thema – aus dem Jahr 2010 stammt, stimmt das: Die CO2-Konzentration betrug laut dem Earth System Research Laboratory 2010 389 ppm (Textdatei), das entspricht 0,0389 Prozent CO2. Mittlerweile ist diese Zahl veraltet. 2018 wurden 407 ppm gemessen, das sind 0,0407 Prozent.

Die Rechnung gibt zweitens an, vier Prozent des globalen CO2 werde vom Menschen produziert. Damit sind Emissionen gemeint. Diese Zahl ist Wissenschaftlern zufolge etwas zu hoch gegriffen: „Etwa 97 Prozent der jährlichen globalen CO2-Emissionen sind natürlichen Ursprungs“, so Fee. Demzufolge verursacht der Mensch etwa drei Prozent der globalen CO2-Emissionen.

Wie groß ist Deutschlands Anteil an den CO2-Emissionen?

Zudem heißt es, Deutschland verursache 3,1 Prozent der menschengemachten CO2-Emissionen weltweit. Daraus zieht die Rechnung die Schlussfolgerung, Deutschlands Anteil am CO2 in der Luft betrage 0,00004712 Prozent. Das ist jedoch falsch, denn auch diese Angabe bezieht sich auf die Luft insgesamt, nicht auf das CO2 darin.

Laut Daten der Weltbank ist der Wert von 3,1 Prozent zu hoch gegriffen: 2010 haben Menschen weltweit 33.472 Millionen Tonnen CO2 emittiert, davon Deutschland 758 Millionen Tonnen. Diese Angaben beziehen sich auf die CO2-Emissionen, die aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und der Herstellung von Zement stammen. Dazu gehört Kohlenstoffdioxid, das beim Verbrauch von festen, flüssigen und gasförmigen Brennstoffen und beim Abfackeln von Gas entsteht. Das heißt, Deutschland hat laut den Daten der Weltbank 2010 2,27 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verursacht. Die aktuellsten Werte der Weltbank stammen von 2014, ihnen zufolge hat Deutschland in diesem Jahr 1,99 Prozent der menschengemachten CO2-Emissionen verursacht. CORRECTIV hat bereits in einem Faktencheck dargelegt, dass Deutschlands CO2-Emissionen in den vergangenen Jahren gesunken sind. Betrachtet man die Pro-Kopf-Emissionen, liegt Deutschland weltweit auf Rang 33. Das geht ebenfalls aus einer Übersicht der Weltbank von 2014 hervor.

Die weitere Behauptung in der Rechnung, dass die Bekämpfung des Klimawandels Deutschland „ca. 50 Milliarden Euro Steuern und Belastungen“ koste, lässt sich nur schwer überprüfen, weil der Facebook-Beitrag offen lässt, was genau damit gemeint ist. 

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Tatsächlich investiert Deutschland seit Jahren Geld in den Klimaschutz. Seit dem Pariser Übereinkommen 2015 werde gefordert, dass Investitionen in klimafreundliche Technologien fließen, so das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit in einer Zusammenfassung der Pariser Klimakonferenz. „Sowohl öffentliche als auch private Investitionen müssen die Umsetzung der vereinbarten Klimaziele unterstützen.“ 2015 investierte Deutschland zum Beispiel 13.880 Millionen Euro in die Errichtung von Erneuerbare-Energien-Anlagen, 2016 waren es 15.380 Millionen Euro und 2017 wurden 15.730 Millionen Euro investiert. Das geht aus Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hervor (PDF, S. 14, Stand Dezember 2018).

Das überschüssige, von Menschen emittierte CO2 verursacht die aktuelle Klimaerwärmung

Selbst wenn die ganze Rechnung formal stimmen würde, wäre sie nicht sinnvoll. Denn CO2, das die Natur selbst emittiert, bleibt nicht in der Atmosphäre, sondern wird auf unterschiedliche Weisen umgesetzt („Kohlenstoffzyklus“). Laut dem Synthesebericht 2007 (Seite 78) des IPCC erhöhen die menschlichen CO2-Emissionen die CO2-Konzentration in der Atmosphäre, denn sie können im Kohlenstoffzyklus nicht komplett umgesetzt werden: Ein Teil des von Menschen produzierten CO2 verbleibt in der Atmosphäre. 

Der stark vereinfachte Kohlenstoffzyklus: Die Erde nimmt das CO2, das sie emittiert, wieder auf. Der Mensch verursacht zusätzliches CO2, das nicht vollständig wieder aufgenommen werden kann. (Quelle: IPCC, Screenshot: CORRECTIV)

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) teilt CORRECTIV per Email mit, dass im Mittel von 2008 bis 2017 44 Prozent des vom Menschen ausgestoßenen CO2 in der Atmosphäre verblieben und nicht vom natürlichen CO2-Kreislauf aufgenommen werden konnten. Dieser Anteil erhöhe den CO2-Gehalt der Luft. 29 Prozent des in diesem Zeitraum vom Menschen verursachten CO2 wurde den Angaben des PIK zufolge von der Landvegetation aufgenommen und 22 Prozent von den Ozeanen. Die restlichen fünf Prozent könnten zum Teil auf Rundungsfehler und zum Teil darauf zurückgeführt werden, dass die Emissionen und natürlichen Senken nicht genau bestimmbar seien. Bei natürlichen Senken handelt es sich laut waldwissen.net um Kohlenstoffspeicher, die mehr CO2 aufnehmen, als ausstoßen, wie beispielsweise Wälder. 

Die „vom Menschen zur Energiegewinnung praktizierten Verbrennung fossiler Energieträger, wie Kohle, Erdöl und Erdgas, die Millionen von Jahren in der Erdkruste eingelagert und somit dem natürlichen Kreislauf entzogen waren, sowie (in geringerem Umfang) [die] Veränderung von Landflächennutzungen (…) führen zu einer zusätzlichen Emission von CO2 und tragen zu dessen Anreicherung in der Atmosphäre bei“, so Eric Fee vom Umweltbundesamt.

Eine Gegenüberstellung von menschlichen und natürlichen CO2-Emissionen erlaubt also keine Schlüsse über den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel. Die Emissionen der Natur erhöhen die CO2-Konzentration in der Luft nicht, die des Menschen schon.

Update (7. August 2019): Wir haben drei Fehler im Text korrigiert. Ursprünglich hatten wir geschrieben, dass Deutschland 2010 758 Tonnen CO2 emittiert habe. Richtig sind 758 Millionen Tonnen. Zudem haben wir in diesem Satz einen Tippfehler korrigiert: „Im Mittel konnten von 2008 bis 2017 nur 44 Prozent des insgesamt von Menschen produzierten CO2 von der Natur umgesetzt werden.” Statt 2008 hatten wir 2018 geschrieben. Direkt im Anschlussatz stand dann, dass folglich 66 Prozent der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen nicht vom CO2-Kreislauf gelangten. Es handelt sich natürlich um 56 Prozent. Wir haben die Zahl korrigiert.

Update (20. August 2019): Wir haben einen Fehler korrigiert. Im Text stand, dass im Mittel von 2008 bis 2017 56 Prozent (falsch) anstatt 44 Prozent (richtig) des vom Menschen ausgestoßenen CO2 in der Luft verbleibe. Außerdem haben wir hinzugefügt, wo die restlichen 56 Prozent verbleiben. 

Update (26. November 2019): Wir haben im Text hinzugefügt, dass sich die Daten der Weltbank zu den CO2-Emissionen Deutschlands auf CO2 bezieht, dass aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und der Herstellung von Zement stammt. Dazu gehört CO2, das beim Verbrauch von festen, flüssigen und gasförmigen Brennstoffen und beim Abfackeln von Gas entsteht.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Ausgangszahlen sind zwar realistisch, aber weder die Rechnung selbst, noch die aus den Zahlen gezogenen Schlussfolgerungen stimmen.

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von Katarina Huth

Auf Facebook wird eine Grafik verbreitet, in der behauptet wird, der weltweite CO2-Ausstoß sei von 1990 bis 2015 gestiegen – der von Deutschland jedoch gesunken. Die dargestellten Trends sind korrekt.

Auf Facebook wird seit dem 14. Juli 2019 eine Grafik verbreitet, in der die Entwicklung des CO2-Ausstoßes von Deutschland und der Welt von 1990 bis 2015 gegenübergestellt wird. Es werden weder Quellen noch Maßeinheiten für die Zahlen angegeben. Vermutlich wurden die Daten aus einer Grafik vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) übernommen und geben den CO2-Ausstoß in Millionen Tonnen an.

Das Bild mit Text und einem Säulendiagramm wurde innerhalb von drei Tagen fast 5.000 Mal auf Facebook geteilt. In weißer Schrift auf dunkelgrauem Hintergrund ist in Großbuchstaben zu lesen: Während unser CO2-Ausstoß sinkt, nimmt er weltweit zu. Vor allem in Asien und Amerika. Was soll da eine CO2-Steuer bringen?

Die Grafik wurde auf Facebook am 14. Juli 2019 veröffentlicht. (Screenshot vom 17. Juli 2019: CORRECTIV)

Werte beziehen sich auf Kraftstoffverbrennung

Eine Grafik zur Entwicklung der CO2-Emissionen in Deutschland und weltweit vom Bundesministerium für Wirtschaft und Umwelt. Die Zahlen beziehen sich auf den CO2-Ausstoß durch Kraftstoffverbrennung. (Screenshot: CORRECTIV)

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Umwelt gibt in einer Grafik dieselben Daten wie die Facebook-Grafik für die Entwicklung des CO2-Ausstoßes an. Als Quelle wird die Internationale Energieagentur angegeben. Deren Dokument von 2017 bezieht sich allerdings nur auf CO2-Ausstoß durch Kraftstoffverbrennung (Fuel Combustion). Die Werte für Deutschland und die Welt stimmen mit denen in der Facebook-Grafik überein. 

Die Werte der Internationalen Energieagentur vergleichen den CO2-Ausstoß durch Kraftstoffverbrennung in Millionen Tonnen. (Seite 94, Screenshot: CORRECTIV)

Deutschland liegt hier im Vergleich der Länder mit dem größten CO2-Ausstoß weltweit auf Platz sechs hinter China, den USA, Indien, Russland und Japan (S. 12).

Die Grafik der Internationalen Energieagentur zeigt das Ranking der Länder mit den größten CO2-Emissionen aus Kraftstoffverbrennung weltweit. (Screenshot: CORRECTIV)

Weltweiter CO2-Ausstoß ist gestiegen

Für den CO2-Ausstoß weltweit gibt die Grafik an, er sei von 20.509 Millionen (1990) auf 32.294,2 Millionen Tonnen (2015) angestiegen. CORRECTIV hat die Zahlen mit anderen verfügbaren Quellen abgeglichen; die Werte weichen nach oben ab, die Tendenz aber bleibt bei allen gleich. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass sich die Grafik ausschließlich auf CO2 durch Kraftstoffverbrennung bezieht. 

Laut der Weltbankgruppe lag der weltweite CO2-Ausstoß

  • 1990 bei rund 22.149 Millionen Tonnen, 
  • 2005 bei 29.490 Millionen Tonnen und
  • 2014 bei 36.138 Millionen Tonnen, für 2015 wird kein Wert angegeben. 

Die Werte beziehen sich auf den CO2-Ausstoß durch Verbrennung fossiler Energieträger und Zementherstellung und enthalten auch die CO2-Produktion durch den Konsum von Fest-, Flüssig- und Gasbrennstoffen sowie das Abfackeln von Gas.

Die Weltbankgruppe gibt unter „Details“ an, was ihre angegeben Werte vom CO2-Ausstoß beeinhalten. (Screenshot: CORRECTIV)

Laut Global Carbon Atlas sind weltweit… 

  • 1990 22.182 Millionen Tonnen CO2, 
  • 2005 29.255 Millionen Tonnen CO2 und 
  • 2015 32.463 Millionen Tonnen CO2 durch Kraftstoffverbrennung, Zementherstellung und Landnutzung entstanden, wie auf der Website angegeben wird. 

Es wird deutlich, dass die CO2-Emissionen weltweit stark angestiegen sind. Je nach Berechnungsgrundlage ergibt sich ein Anstieg von 57,5 Prozent (Internationale Energieagentur) oder 46,6 Prozent (Weltbankgruppe und Global Carbon Atlas).

CO2-Ausstoß von Deutschland ist seit 1990 gesunken

Für Deutschland gibt die Internationale Energieagentur an, der Ausstoß von CO2 sei von 940,3 Millionen (1990) auf 729,8 Millionen Tonnen (2015) gesunken. 

Zum Vergleich hat CORRECTIV Daten des Umweltbundesamts herangezogen. In seiner Trendtabelle über Treibhausgase von 2017 heißt es, Deutschland emittierte

  • 1990 rund 1.053 Millionen Tonnen CO2, 
  • 2005 rund 867 Millionen Tonnen CO2 und
  • 2015 rund 796 Millionen Tonnen CO2.

Diese Berechnungen beziehen sich auf sämtliche CO2-Emissionen; auch hier liegen die Werte etwas höher als die der Internationalen Energieagentur, die sich nur auf Kraftstoffverbrennung beziehen. 

Übereinstimmend zeigt sich ein Abwärtstrend der CO2-Emissionen Deutschlands. Deutschland verringerte seine CO2-Emissionen laut Internationaler Energieagentur von 1990 bis 2015 um 22,4 Prozent, nach Umweltbundesamt um 24,4 Prozent. 

Der Global Carbon Atlas gibt an, dass sich der CO2-Ausstoß von Europa im gleichen Zeitraum etwa um 30 Prozent verringerte. 

CO2-Ausstoßes von Asien und Amerika stark gestiegen

Zum CO2-Ausstoß von Asien und Amerika nennt die Grafik auf Facebook keine genauen Werte, sondern trifft die generelle Aussage, die Emissionen seien von 1990 bis 2005 gestiegen. CORRECTIV hat die Behauptung anhand der Daten für Amerika als Kontinent überprüft.

Die Internationale Energieagentur, dessen Zahlen in der Grafik verwendet werden und die sich nur auf den CO2-Ausstoß durch Kraftstoffverbrennung beziehen, gibt an, dass sich die CO2-Emissionen von Amerika von 1990 bis 2015 um 18,8 Prozent und von Asien im gleichen Zeitraum um 196,3 Prozent gesteigert haben (Seite 94). 

Laut Global Carbon Atlas hatte Amerika im Jahr 1990 insgesamt einen CO2-Ausstoß von 6.584 Millionen Tonnen. 

    • Nordamerika hatte einen Ausstoß von 5.904 Millionen Tonnen, 
    • Zentralamerika 97 Millionen Tonnen und 
    • Südamerika 583 Millionen Tonnen.

2015 hatte Amerika insgesamt einen CO2-Ausstoß von 7.857 Millionen Tonnen.

    • Nordamerika: 6.464 Millionen Tonnen, 
    • Zentralamerika: 189 Millionen Tonnen und 
    • Südamerika: 1.204 Millionen Tonnen.

Zwischen 1990 und 2015 stiegen die CO-Emissionen von Amerika also um fast 20 Prozent.

Manchmal wird Amerika auch synonym für die USA verstanden. Der Global Carbon Atlas gibt an, dass die CO2-Emissionen von den USA von 5121 Megatonnen (1990) auf 5421 Megatonnen (2015) um 5,5 Prozent gestiegen sind.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die CO2-Emissionen von Amerika gestiegen sind, unabhängig davon, ob Nord-, Zentral- und Südamerika oder auch nur die USA betrachtet werden.

Für den Kontinent Asien hat CORRECTIV die Daten des Global Carbon Atlas für „Asien“ und den „Mittleren Osten“ addiert. Sie zeigen, dass Asien 1990 einen CO2-Ausstoß von 6.592 Millionen Tonnen hatte. Im Jahr 2015 erreichte der Kontinent einen Wert von 18.930 Millionen Tonnen. In Asien haben sich die CO2-Emissionen von 1990 bis 2015 folglich fast verdreifacht. 

China allein als weltweit größter CO2-Emittent hat seinen CO2-Ausstoß von 2420 Megatonnen (1990) auf 9717 Megatonnen (2015) fast vervierfacht. 

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Fazit 

Es ist korrekt, dass Europa und insbesondere Deutschland die CO2-Emissionen im betrachteten Zeitraum verringern konnten und es im Gegensatz dazu auf den anderen Kontinenten einen starken Anstieg dieser Emissionen gab. 

Die Grafik suggeriert, Deutschland spiele für die Bekämpfung der globalen Klimakrise keine große Rolle. Allerdings darf die Verantwortung Deutschlands nicht unterschätzt werden. Mit einem aktuellen CO2-Ausstoß von 799 Millionen Tonnen (2017) liegt Deutschland laut Global Carbon Atlas immer noch auf Platz 6 der Länder mit den größten CO2-Emissionen. Es hat somit maßgeblich Anteil an der globalen Erwärmung. 

Mit einem CO2-Ausstoß von 799 Millionen CO2 im Jahr 2017 liegt Deutschland auf Platz 6 der Länder mit den größten CO2-Emissionen. (Quelle: Global Carbon Atlas, Screenshot: CORRECTIV)

Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat sich Deutschland das Ziel gesetzt, seine klimaschädlichen Emissionen im Vergleich zum Basisjahr um 40 Prozent bis 2020 zu senken. Im Klimaschutzbericht der Bundesregierung 2018 steht, dass dieses Ziel vermutlich noch weiter verfehlt werden wird, als im Klimaschutzbericht im Jahr zuvor geschätzt. Somit wird Deutschland im Jahr 2020 seine Treibhausgas-Emissionen, darunter auch CO2, lediglich um 32 Prozent verringert haben (Seite 18). 

Unsere Bewertung:
Richtig. Die in der Grafik angegeben Daten stammen von der Internationalen Energieagentur und beziehen sich auf CO2-Emissionen durch Kraftstoffverbrennung. Andere Quellen nennen abweichende Zahlen, beschreiben die Trends jedoch ähnlich.

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von Katarina Huth

Auf Facebook wird ein Bild verbreitet, welches einen Ausbruch des sizilianischen Vulkans Ätna zeigen soll. Die Behauptung, dass bei solch einem Ausbruch mehr CO2 ausgestoßen wird, als durch den Menschen je produziert wurde, ist nicht korrekt.

Auf Facebook wurde am 7. Juli 2019 ein Foto veröffentlicht, welches einen Ausbruch des Ätna, des höchstgelegensten aktiven Vulkan Europas, zeigen soll. Der Urheber des Fotos ist unbekannt. Das Foto lässt sich zurückverfolgen zu einem Twitter-Post aus dem Dezember 2015. Es ist nicht genau belegbar, ob das Foto tatsächlich den in Sizilien gelegenen Ätna zeigt. 

Der Beitragstext zum Foto lautet: Liebe Umweltaktivisten, dieser kleine Rülpser des Ätna hat mehr CO2 in die Luft geblasen, als die gesamte Menschheit während ihres Daseins auf der Erde von sich gegeben hat. Aber keine Sorge, das ist ja Italien – also weit weg…“

Innerhalb von drei Tagen wurde der Beitrag über 13.000 mal geteilt. 

Dieser Facebook-Beitrag wurde am 7. Juli 2019 veröffentlicht und mehr als 13.000 mal geteilt. (Screenshot vom 10. Juli 2019: CORRECTIV)

CO2-Ausstoß durch Vulkane 100 mal kleiner als durch den Menschen  

Der Vulkan Ätna ist zuletzt am 1. Juni 2019 ausgebrochen. Er ist laut British Geological Survey der größte und meistgasendste Vulkan Europas (Seite 6). Laut Boris Behncke, Vulkanologe am Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) in Italien, ist der Ätna mit einer täglichen CO2-Produktion von etwa 16.000 Tonnen einer der weltweit bedeutendsten vulkanischen CO2-Produzenten. 

Aus der E-Mail von Boris Behncke an die Faktencheck-Redaktion vom 15. Juli 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

Behncke schrieb uns per E-Mail, dass das Kohlenstoffdioxid zum großen Teil dem Magma des Vulkans entweicht – bereits lange bevor das CO2 die Erdoberfläche erreicht. Es wird also nicht erst durch den Ausbruch selbst ausgestoßen. Das heißt, selbst größere Eruptionen des Ätna produzieren nicht sehr viel mehr CO2 als sein normaler, alltäglicher Gasausstoß.

Somit spielt weniger der einzelne Vulkanausbruch eine Rolle als die insgesamte CO2-Emission. In der British Geological Survey wird der jährliche CO2-Ausstoß des Ätnas auf maximal 25 Millionen Tonnen geschätzt (Seite 6). 

Laut Christian von Savigny, geschäftsführender Direktor und Professor am Institut für Physik der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald, liege der durchschnittliche weltweite CO2-Ausstoß von Vulkanen zwischen 200 und 300 Millionen Tonnen im Jahr, wie er uns telefonisch mitteilte.

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Laut Umweltbundesamt beträgt die Kohlenstoffdioxid-Emission des Menschen um die 30 Milliarden Tonnen pro Jahr (2013). Auch von Savigny sagt, dass der jährliche CO2-Ausstoß durch den Menschen zwischen 30 und 35 Milliarden Tonnen betrage und somit etwa 100 mal größer sei als die insgesamten vulkanischen CO2-Emissionen pro Jahr. 

Ebenso ist im Fünften Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) von 2013/14 zu finden, dass die vulkanischen CO2-Emissionen mindestens 100 mal kleiner sind als die vom Menschen verursachten Emissionen (Seite 56). Somit lässt sich zusammengefasst sagen: Die vulkanischen Kohlenstoffdioxid-Emissionen sind nur ein Bruchteil der durch den Menschen verursachten CO2-Emissionen. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Bei einem Vulkanausbruch wird nur ein Bruchteil des CO2 ausgestoßen, welches durch den Menschen produziert wird.

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von Katarina Huth

Auf Facebook wird eine Grafik mit vier Behauptungen zum Thema Klima verbreitet. Es geht um den Anteil verschiedener Länder an Emissionen sowie den Bau von Kern- und Kohlekraftwerken. Die Behauptungen sind größtenteils falsch.

Die Facebook-Seite „Wissen ist Macht“ veröffentlichte am 1. Juli 2019 eine Grafik, auf der vier Tatsachenbehauptungen zum Thema Klima in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund zu sehen sind. Sie wurde bisher mehr als 17.000 mal geteilt (Stand: 8. Juli 2019). Die Aussagen auf der Grafik wurden weder mit Quellen noch Belegen gestützt. Außerdem ist in roter Schrift und Großbuchstaben zu lesen: „Aber Deutschland will die Welt retten, indem es alles abschaltet, verbietet, versteuert und seine Schlüsselindustrie demontiert???“. Im Hintergrund der Grafik ist der Weltraum, ein Satellit und ein Teil der Erde zu sehen.

Es wird suggeriert, dass Deutschland so gut wie keine Beteiligung an den weltweiten Treibhausgas-Emissionen habe und eine umwelt- und klimafreundliche Politik zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger falle, anstatt in ihrem Sinne zu sein. 

Der Beitrag auf der Facebook-Seite „Wissen ist Macht“ vom 1. Juli 2019. (Screenshot: CORRECTIV, 8. Juli 2019)

Mittlerweile hat die Facebook-Seite „Wissen ist Macht“ ihren Beitrag selbst korrigiert, indem die Graphik durch den Faktencheck der Deutschen Presse-Agentur im Beitragstext ergänzt wurde. Allerdings wird die unkorrigierte Graphik selbst nach wie vor geteilt und verbreitet. 

Das Prüfen der einzelnen Aussagen ergab folgendes Ergebnis:

Behauptung Nr. 1: „85 Prozent sämtlicher Emissionen werden von drei Ländern erzeugt: China, Indien und den USA.“

 Dies ist nicht korrekt. Laut dem Emissions Gap Report 2018 erzeugen die drei Länder China, Indien und USA zusammen einen Anteil von 47,1 Prozent an sämtlichen Treibhausgas-Emissionen weltweit. Dabei hat China einen Anteil von 27 Prozent, Indien von 7,1 Prozent und die USA von 13 Prozent (Seite 7 des Reports). Der Emissions Gap Report ist ein vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen regelmäßig herausgegebener Bericht zu den Themen Klimawandel und Treibhausgas-Ausstoß. 

Behauptung Nr. 2: „Die Anzahl der weltweit momentan im Bau befindlichen Kohlekraftwerke beträgt 1400.“

 Diese Aussage stimmt in etwa. In einer Pressemitteilung gab die Kohle-kritische Umweltorganisation Coalexit im Oktober 2018 an, dass derzeit 1380 neue Kohlekraftwerke in 59 Ländern in Planung sind oder gebaut werden. Das Umweltbundesamt kann diese Angabe weder bestätigen noch widerlegen, doch schätzt die Größenordnung der Zahl als korrekt ein, wie sie uns per Email mitteilten.

 Behauptung Nr.3: „Die Anzahl der weltweit momentan im Bau befindlichen Kernkraftwerke beträgt 147.“ 

 Diese Zahl stimmt nicht. Eine Übersicht der Internationalen Atomenergie-Organsiation IAEO zeigt, dass derzeit 54 Kernkraftwerke in 18 verschiedenen Ländern gebaut werden. Die IAEO ist eine autonome zwischenstaatliche Organisation, die regelmäßig an die Generalversammlung der Vereinten Nationen berichtet. Sie setzt sich ein für den sicheren und friedvollen Einsatz von Atomwissenschaft und -technologie und ist verpflichtet, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen direkt anzurufen, wenn sie eine Gefährdung der internationalen Sicherheit feststellt.

Behauptung Nr. 4: „Der Anteil des von Deutschland ausgestoßen CO2 beträgt im Verhältnis zum Gesamtvorkommen des CO2 in der Luft 0,0004712 Prozent.“ 

Diese Zahl ist seit Jahren im Internet an mehreren Stellen zu finden – vor allem in Foren, Kommentarspalten oder persönlichen Blogs, in denen der menschengemachte Klimawandel als Schwindel dargestellt wird. Es ist korrekt, dass der Anteil von CO2 in der Erdatmosphäre sehr gering ist. Allerdings hat er großen Einfluss auf das Klima. Das durch den Menschen produzierte CO2 bringt zudem den natürlichen CO2-Haushalt der Erde aus dem Gleichgewicht und ist Hauptursache für den Klimawandel, wie im Fünften Sachbericht des UN-Klimarats (IPPC) deutlich wird (Seite 5). 

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Laut IPCC wird natürlich produziertes CO2 ausgeglichen, in dem es auf natürlichem Wege absorbiert wird. Das anthropogene CO2, das heißt, das CO2, das von Menschen produziert wird, kommt zusätzlich hinzu und kann nur zum Teil von der Natur aufgenommen werden. Im Sonderbericht des IPCC von 2018 wird dargestellt, dass die derzeitige Klimaerwärmung vorrangig anthropogen, also durch die vom Menschen produzierten Treibhausgase verursacht wird. Diese These unterstützen 97 Prozent der Klimaforscher, die sich mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen, wie eine Studie von wissenschaftlichen Aufsätzen zum Thema im Jahr 2013 ergab. Es macht demnach also Sinn, den Anteil Deutschlands an den anthropogenen CO2-Emissionen zu betrachten.

Deutschland stößt laut Bundesumweltamt rund 798 Millionen Tonnen (2017) CO2 jährlich aus und ist damit auf Platz 6 der Länder mit der größten CO2-Emission. 

Die Aussage, Deutschland beeinflusse nur einen geringen Teil des gesamten CO2-Gehalts in der Luft, ist zwar korrekt, es darf aber nicht der falsche Schluss gezogen werden, dass dieser Einfluss irrelevant wäre. Dies haben wir auch in einem anderen Faktencheck bereits gezeigt.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Zwei der drei Aussagen sind eindeutig nicht korrekt. Die letzte Aussage vermittelt einen falschen Eindruck.