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Faktencheck

Fakten für die Demokratie

Falschmeldungen stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Unsere Faktenchecker gehen Gerüchten nach und veröffentlichen ihre Rechercheergebnisse auf dieser Seite. Mehr erfahren

Bewertung: größtenteils richtig

Ja, die Max-Brauer-Allee in Hamburg ist für ältere Dieselfahrzeuge gesperrt – um Abgase zu reduzieren

Bildschirmfoto 2019-09-26 um 15.38.20
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Bildschirmfoto 2019-09-26 um 15.38.20
Karte aus dem Facebook-Beitrag. Die Ausweichroute ist nicht ganz korrekt wiedergegeben. (Screenshot: CORRECTIV)

von Philip Steeg

In einem zurzeit oft geteilten Facebook-Beitrag ist eine Straßenkarte zu sehen, die einer angeblich für Diesel gesperrten Straße eine wesentlich längere Ausweichroute gegenübergestellt. Die Darstellung lässt Kontext außer Acht – die Sperrung gilt nicht für alle Diesel-Fahrzeuge und soll die Luftqualität verbessern.

Ein Facebook-Beitrag vom 1. September 2019 vergleicht auf einer Straßenkarte eine für Diesel angeblich gesperrte Teilstrecke mit einer wesentlich längeren Ausweichroute. Diese Regelung wird als absurder „grüner ‘Umweltschutz’“ dargestellt. Der Beitrag wurde mittlerweile mehr als 5.000 Mal geteilt. Die Behauptungen sind weitestgehend zutreffend. 

In dem Facebook-Beitrag wurden sowohl die gesperrte Strecke, als auch eine  Ausweichroute markiert. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Grafik mit dem Stadtplan bezieht sich auf die Stadt Hamburg. Seit dem 31. Mai 2018 ist laut einer Mitteilung der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie der in dem Facebook-Beitrag rot markierte Teilabschnitt der Max-Brauer-Allee (zwischen Julius-Leber-Straße und Holstenstraße) für ältere Dieselfahrzeuge gesperrt. Es sind also nicht alle Diesel-Fahrzeuge betroffen, wie im Facebook-Beitrag behauptet wird, sondern nur solche, die nicht der Euronorm 6 (PKW) beziehungsweise Euronorm VI (LKW) entsprechen. 

Die im Facebook-Beitrag markierte Ausweichroute weicht leicht von der im Hamburger Stadtportal angegebene Route ab. Diese führt nicht wie im Beitrag markiert über die Palmaille, sondern über die Königsstraße, ist aber tatsächlich etwa 3,4 Kilometer lang. 

Links die im Facebook-Beitrag angegeben Ausweichroute, rechts die tatsächlich von der Stadt Hamburg angegebene Umleitung. (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

Das Durchfahrtsverbot gelte zudem nicht für Anlieger, schreibt die Behörde für Umwelt und Energie in ihrer Pressemitteilung. In einer Übersicht zählt die Behörde auf, für wen die Ausnahmeregelung für Anlieger gelte: „Anwohner sowie deren Besucher, Kunden und Beschäftigte von ansässigen Geschäften, Büros, Praxen oder Kanzleien, Krankenwagen, Müllautos, Handwerker oder Lieferverkehre innerhalb des betreffenden Straßenabschnitts“. 

Die Maßnahme sei zum Gesundheitsschutz der betroffenen Anwohner im Zuge des „Luftreinhalteplans“ eingeführt worden. Der Grund für die Sperrung sei, dass an dieser Stelle der EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten werde. Es geht also nicht vorrangig um „Umweltschutz“, wie im Facebook-Beitrag behauptet wird, sondern um eine Verringerung der Schadstoffbelastung auf einem bestimmten Streckenabschnitt.

Beschlossen wurde die Regelung vom Hamburger Senat am 30. Juni 2017. Der Senat wurde zu dieser Zeit von Olaf Scholz (SPD) als Regierungschef einer Koalition von SPD und Grünen geleitet. 

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Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Die markierte Strecke ist nur für ältere Dieselfahrzeuge gesperrt, weil dort die EU-Stickoxid-Grenzwerte überschritten wurden. Ausnahmen gelten für Anwohner.

Bewertung: richtig

Mann reicht Eisbär die Hand: Ja, dieses Bild ist echt

Eisbär Collgae2
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Eisbär Collgae2
Kontrovers diskutiertes Bild aus einem Facebook-Beitrag. Das Foto ist echt. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Eine Facebook-Seite veröffentlichte ein Schwarz-Weiß-Foto, auf dem ein Mensch einen Eisbär füttert. Viele Leser vermuten eine Fälschung. Doch das Bild ist echt.

Am 8. Oktober veröffentlichte die Facebook-Seite „Unser Planet“ ein Schwarz-Weiß-Foto. Es zeigt einen Mann in einer Schneelandschaft, der seine Hand einem ausgewachsenen Eisbär reicht, während ein Eisbärenjunges sein Bein umklammert. Dazu schrieb die Seite: „Zur Info: Das Bild ist echt. Es wurde in den 70ern aufgenommen und zeigt einen Russen, wie er einen Eisbären füttert.“ Der Beitrag wurde bisher mehr als 1.490 Mal geteilt. 

Zahlreiche Nutzer halten das Bild offenbar für gefälscht. Das geht aus mehrere Kommentaren hervor. Wir haben das Bild geprüft. 

Auswahl von Kommentaren unter dem Facebook-Beitrag. (Screenshot: CORRECTIV)

Bilder-Rückwärtssuche und russisches Reisemagazin

Eine Google-Bilder-Rückwärtssuche führt zu einem Faktencheck der US-amerikanischen Redaktion Snopes von August 2019. Die Redaktion kommt in dem Text zu dem Schluss, das Foto sei echt und schreibt auf Englisch: „Es wurde irgendwann in den 1970er Jahren in der Nähe der sibirischen Stadt Cape Schmidt vor der Küste der Tschuktschensee aufgenommen und zeigt einen Mann namens Nikolai Machulyak.“ 

Als Belege führen die Faktenchecker zwei Quellen an. Die erste ist ein Artikel im russischen Reisemagazin Вокруг света (Deutsch: Um die Welt) aus dem Jahr 1977. Auf Seite 19 im Heft ist eine ähnliche Szene wie im Facebook-Beitrag abgedruckt. Die Position der Eisbären ist jedoch etwas anders. Eine CORRECTIV-Anfrage an die Redaktion von Вокруг света nach dem Ursprung des Fotos blieb bis zur Veröffentlichung unbeantwortet.

Artikel in dem russischen Reisemagazin „Um die Welt“ von 1977. (Screenshot: CORRECTIV)

Der zweite Beleg für die Echtheit des Fotos, den Snopes anführt, ist ein archivierter Artikel auf der Webseite der Russischen Geographische Gesellschaft aus dem Jahr 2014. Darin sind mehrere Fotos ähnlicher Szenen zu sehen, darunter auch das Bild aus dem Facebook-Beitrag. Sie stammen laut der Webseite aus dem Archiv des oben genannten russischen Reisemagazins Вокруг света. Die Russische Geographische Gesellschaft schreibt dazu, es handele sich um Nikolai Machulyak, der Eisbären in der Region regelmäßig gefüttert habe. 

Auch in einer Google Book Vorschau der Zeitschrift Soviet Life taucht ein ähnliches Foto in einem Artikel des Autors Vladimir Filimonov über Nikolai Machulyak auf.  

Ähnliches Foto in einer Google Book Vorschau der Zeitschrift Soviet Life. (Screenshot: CORRECTIV)

Wir konnten während unserer Recherche keine Hinweise finden, die dagegen sprechen, dass das Foto echt ist. Die Originalquelle lässt sich nicht verifizieren, jedoch gibt es zusätzlich weitere Fotos, die ähnliche Szenen mit dem Mann und den Eisbären zeigen. 

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Unsere Bewertung:
Richtig. Das russische Reisemagazin Вокруг света druckte 1977 eine Geschichte über die Szene mit einem ähnlichen Foto ab.

Bewertung: falsch

Nein, Lego stellt nicht die gesamte Produktion auf Hanfplastik um

Collage Hanf Lego
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Collage Hanf Lego
In einem Artikel wird behauptet, Lego wolle auf Hanfplastik umsteigen. Das Unternehmen dementiert. (Fotos: Rick Proctor / Unsplash / Helloimnick / Unsplash / Collage: CORRECTIV)

von Till Eckert

In einem Artikel der Webseite Hanf-Magazin wird behauptet, Lego werde bis 2030 seine gesamte Produktion auf Hanfplastik umstellen. Dafür gibt es aber keinen Beleg – und der Spielzeughersteller dementiert uns gegenüber.

„LEGO will bis 2030 die gesamte Produktion auf Hanfplastik umstellen“, titelt die Webseite Hanf-Magazin in einem Artikel vom 10. Juli. Im Text steht weiter: „Jetzt investiert der größte Spielzeughersteller der Welt Millionen, um die Kunststoffsteine in Zukunft aus Hanf zu fertigen.“ Die Umstellung solle bis 2030 geschehen. Als Quelle wird eine Webseite namens Plastic News genannt.

Der Artikel auf der Webseite Hanf-Magazin mit der falschen Behauptung. (Screenshot: CORRECTIV)

In Texten, auf die sich das Hanf-Magazin offenbar bezieht, steht nichts von Hanf

Das Hanf-Magazin verlinkt die angebliche Quelle, die Webseite Plastic News, nicht im Artikel. Eine Google-Suche nach den Worten „Lego Hemp“ führt auf einen englischsprachigen Artikel der Webseite Real Cannabis Entrepreneur vom Juli. Auch dort wird behauptet, Lego werde bis 2030 die Produktion auf Hanfplastik umstellen. In einem Update wird der Artikel von Plastics-News (nicht Plastic News) verlinkt, der die Quelle sein soll.

Der Hanf-Magazin-Artikel bezieht sich wohl darauf, denn darin wird angekündigt, Lego wolle seine Produktion bis 2030 auf einen Biokunststoff umstellen. Zudem wird die Zahl von 6.000 Tonnen Plastik pro Jahr genannt, die das Hanf-Magazin zitiert. Allerdings steht im Text von Plastics News nirgends etwas von Hanfplastik. Allan Rasmussen, ein Projektmanager bei Lego, habe lediglich berichtet, dass das Unternehmen Legosteine auf Basis von Polymilchsäure getestet habe.  

Auch in einem späteren Artikel der Webseite Plastics News von 2015 mit der Überschrift „Lego investiert in die Herstellung nachhaltiger Plastiksteine“ geht es nicht um Plastik aus Hanf. 

Plastik auf Hanfbasis wird laut einem Artikel von Forbes vom Juni 2019 von verschiedenen Unternehmen für Produkte getestet, unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen dazu sind aber schwer zu finden oder veraltet

Lego dementiert die Meldung gegenüber CORRECTIV

Wir haben bei Lego angefragt, ob der Artikel des Hanf-Magazins auf Fakten basiert. Matt Whitby, Environmental Engagement Manager, antwortete per E-Mail: „Nein, wir planen nicht, Hanfkunststoffe in Produkten zu verwenden“.

Aus der Antwort von Lego an uns. (Screenshot: CORRECTIV)

Allerdings gebe es neue Produkte aus „biobasierten Quellen“, in diesem Fall aus Zuckerrohr.

Unsere Bewertung:
Falsch. Ein Beleg für die Behauptung lässt sich nicht finden und Lego plant nach eigenen Angaben nicht, die Produktion auf Hanfplastik umzustellen.

Bewertung: teilweise falsch

Offener Brief zum Klimawandel: Weder haben „500 Wissenschaftler“ unterzeichnet, noch stimmen alle Behauptungen

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Forscher der National Oceanic and Atmospheric Administration der USA in der Arktis im Juni. Sie bereiten einen Ballon mit Ozonsonde vor. (Foto: NOAA / Unsplash)

von Alice Echtermann , Till Eckert

Einige Medien berichten über einen offenen Brief an die UN, den 500 Wissenschaftler unterzeichnet haben sollen. Darin wird erklärt, es gebe keinen „Klimanotfall“. Die aufgestellten Thesen sind ohne Kontext und teils irreführend. Außerdem sind nicht alle Unterzeichner Wissenschaftler.

Haben sich 500 Wissenschaftler gegen die aktuelle Klimapolitik gewandt und die Gefährlichkeit des Klimawandels bestritten? So jedenfalls liest es sich in Berichten auf  Webseiten wie Tichys Einblick. Dort erschien am 26. September ein Artikel mit dem Titel „500 Wissenschaftler erklären: ‘Es gibt keinen Klimanotfall’“. Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 6.900 Mal auf Facebook geteilt. 

Ein weiterer Artikel („Über 500 Wissenschaftler widersprechen These vom ‘menschengemachten Klimawandel’“) der Seite Unsere Natur wurde mehr als 9.800 Mal geteilt. Auch Epoch Times (2.200 Mal geteilt) und Watergate.tv (2.000 Mal geteilt) schreiben  von „500 Wissenschaftlern“, ebenso wie die US-Webseite Breitbart am 24. September (20.000 Mal geteilt). 

Die Berichte beziehen sich auf einen offenen Brief mit der Überschrift „There is no Climate Emergency“ („Es gibt keinen Klimanotfall“). Er ist an den UN-Generalsekretär António Guterres und die Exekutivsekretärin Patricia Espinosa Cantellano vom Sekretariat UN Climate Change adressiert und wurde am 22. September auf der Webseite der niederländischen Stiftung Climate Intelligence Foundation (Clintel) veröffentlicht. 

Die Verfasser des offenen Briefs behaupten selbst nicht, dass es sich bei den Unterzeichnern nur um Wissenschaftler handele. Die Liste der Unterzeichner enthält etwas mehr als 500 Namen, aus 24 Ländern. Sie werden als „scientists and professionals“ (Wissenschaftler und Experten) bezeichnet. 

In dem Brief finden sich Forderungen und Kritik an der „Klimapolitik“ oder Forschungsgrundlagen, außerdem auch fünf Tatsachenbehauptungen ohne Quellenangabe. Inzwischen gab es in mehreren Ländern Faktenchecks dazu, zum Beispiel von Climate Feedback. Wir haben sie ebenfalls geprüft:

1. Behauptung: „Natürliche wie auch anthropogene Faktoren verursachen eine Erwärmung“

Unter diesem Punkt steht im Brief: „Das geologische Archiv zeigt, dass das Erdklima sich schon so lange verändert, hat, wie es den Planeten gibt, mit natürlichen Kalt- und Warmphasen. Erst 1850 endete die Kleine Eiszeit. Daher ist es nicht verwunderlich, dass wir jetzt eine Phase der Erwärmung erleben.“

Dass es sowohl natürliche als auch menschliche Einflüsse auf die Erderwärmung gibt, darin stimmen Forscher großteils überein. Jedoch werden die Faktoren unterschiedlich gewichtet – und der menschliche Einfluss dabei meist höher, zumindest seit der Industrialisierung. In einem kürzlich veröffentlichten Faktencheck zitierten wir dazu aus einem aktuellen Bericht zu natürlichen Klimafaktoren des U.S. Global Change Research Program, an dem unter anderem die US-Weltraumbehörde Nasa mitwirkt. In dem Bericht steht (unter Punkt 2.3), dass zu den „wichtigen Klimafaktoren im Industriezeitalter“ sowohl menschliche Aktivitäten gehören, als auch „in geringerem Maße“ solche natürlichen Ursprungs. 

Auch das Umweltbundesamt schreibt auf seiner Webseite über natürliche Faktoren für Erderwärmung und stellt die Industrialisierung heraus: „Bis zum Beginn der Industrialisierung waren die Auswirkungen menschlicher Eingriffe lokal oder regional begrenzt. Seit der Industrialisierung werden jedoch deutliche überregionale und globale Änderungen im Stoffhaushalt der Atmosphäre als Folge menschlichen Wirkens beobachtet.“ 

Richtig ist laut der Freien Universität Berlin, dass die Kleine Eiszeit bis 1850 andauerte und wir gerade in einem sogenannten Holozän, einer Warmzeit innerhalb eines Eiszeitalters leben. Laut den Ergebnissen einer Studie unter anderem des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung von 2016, könnte die derzeitige Warmzeit weitere 50.000 Jahre anhalten. Nach Ansicht der Forscher könnten CO2-Emissionen die nächste Kaltzeit aber auch um mindestens 100.000 Jahre aufschieben.

2. Behauptung: „Die Erwärmung verläuft viel langsamer als vorhergesagt“

Dazu steht im Brief: „Die Welt hat sich mit weniger als der Hälfte der ursprünglich vorhergesagten Rate erwärmt, und mit weniger als der Hälfte der Rate, die aufgrund vom tatsächlichen menschlichen Einfluss und Strahlungsungleichgewicht zu erwarten ist. Es sagt uns, dass wir weit davon entfernt sind, den Klimawandel zu verstehen.“

Unerwähnt bleibt, wer diese Erwärmungsrate „vorhergesagt“ haben soll und auf welche Grundlage sich das stützt. Ebenso wird nicht angegeben, wie hoch oder niedrig diese „Rate“ geschätzt worden sein soll oder wie hoch sie jetzt sei. Ohne diesen Kontext und Quellenangaben ist es schwierig, die Behauptung zu verifizieren. Es gab in der Vergangenheit zwar immer wieder Studien, die eine schnelle Erwärmungsrate thematisieren, in der Regel aber im Vergleich zu in anderen Zeiträumen gemessenen Temperaturen; so zum Beispiel in dieser Studie der Universität Maryland, die im Juli veröffentlicht wurde. Dabei wurde die Klimaentwicklung der vergangenen 2.000 Jahre anhand von Aufzeichnungen rekonstruiert.

Unter anderem die US-Weltraumbehörde Nasa erhebt Daten zum Temperaturanstieg auf der Erde. In einer Grafik ist beispielsweise zu sehen, wie die Temperatur in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich anstieg, die Sonneneinstrahlung in der gleichen Zeit aber zurückging. 

Der offene Brief liefert keine Belege für die Behauptung, die Erderwärmung verlaufe langsamer als vorhergesagt.

3. Behauptung: „Klimapolitik stützt sich auf inadequate Modelle“

Dazu steht im Brief: „Klimamodelle haben viele Mängel und sind als politische Instrumente nicht im Entferntesten plausibel. Außerdem übertreiben sie höchstwahrscheinlich die Wirkung von Treibhausgasen wie CO2. Darüber hinaus ignorieren sie die Tatsache, dass die Anreicherung der Atmosphäre mit CO2 von Vorteil ist.“

Welche Klimamodelle konkret „Mängel“ aufweisen sollen und wie diese aussehen, wird in dem Brief nicht erwähnt. Wir haben daher beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung um eine allgemeine Einschätzung zu Klimamodellen gebeten. Eine Sprecherin verwies per E-Mail auf den Blogbeitrag eines Abteilungsleiters des Instituts, Stefan Rahmstorf. Rahmstorf schreibt darin: „Seit den 1970er Jahren gibt es quantitative Modelle zur Vorhersage der Erwärmung, und seither läuft die Erwärmung übrigens auch ziemlich genauso ab wie vorhergesagt.“

Forschungsverbünde wie der Weltklimarat IPCC oder das U.S. Gobal Change Program geben zu ihren Aussagen und Prognosen außerdem jeweils an, wie wahrscheinlich sie sind. Das basiert darauf, wie sicher zum Beispiel eintreffende Klimaereignisse prognostiziert werden können, wie gut messbar und plausibel die gesammelten Forschungsergebnisse dazu sind. Der derzeitige Forschungsstand wird somit transparent und nachvollziehbar gemacht – und wo und warum es Zweifel gibt, wird es kenntlich gemacht. Dass die Klimaforschung generell unplausibel oder mangelhaft sei, ist demnach nicht richtig.

Ob die Wirkung von Treibhausgas „übertrieben“ oder die Anreicherung von CO2 wirklich „von Vorteil“ ist, prüfen wir in den nächsten Punkten.

4. Behauptung: „CO2 ist pflanzliche Nahrung, die Grundlage allen Lebens auf der Erde“

Im Brief steht zu diesem Punkt: „CO2 ist kein Schadstoff. Es ist für alles Leben auf der Erde unerlässlich. Photosynthese ist ein Segen. Mehr CO2 ist für die Natur von Vorteil und begrünt die Erde: Zusätzliches CO2 in der Luft hat das Wachstum der globalen pflanzlichen Biomasse gefördert. Es ist auch gut für die Landwirtschaft, da es die Erträge der Pflanzen weltweit erhöht.“

Dass CO2 eine Art Düngeeffekt für die Erde hätte und mehr davon von Vorteil für Pflanzenwachstum wäre, ist keine neue Behauptung. Sie ist seit mindestens zehn Jahren im Umlauf, wie ein Artikel unserer US-amerikanischen Faktencheck-Kollegen von Politifact von 2009 zeigt. Verschiedene Forscher und Studien widersprechen dieser Darstellung jedoch. 

Rob Jackson, Professor für Klimawandel und Biologie an der Duke Universität in Durham, sagte Politifact dazu damals: „Ist Kohlendioxid gut für Pflanzen? Die knappe Antwort ist: ja. Aber ich denke es ist irreführend zu sagen, dass, nur weil CO2 gut für Pflanzen ist, es gut für die Umwelt ist. Das ist so wie wenn man sagen würde, dass Steroide gut für Menschen sind – sie bauen ja Knochen und Muskeln auf. Aber sie haben auch andere Wirkungen.” Rob Jacksons Forschung zeige zum Beispiel, dass es bei höheren CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre mehr Holzwachstum geben würde, aber dass es durch die höheren Temperaturen auch mehr Schädlinge und durch mehr Verdunstung längere Dürren geben könnte, schreibt Politifact

In der Forschung werden unter anderem genau diese zwei Faktoren, höhere Temperaturen und mehr Dürren, als Folgen des Klimawandels erwartet. Dass mehr CO2 „gut für die Landwirtschaft“ sei, wie im Brief behauptet, ist so nicht richtig: Die Webseite Klimafakten hat für einen Artikel zum Thema vier Studien zusammengetragen, die zum Ergebnis kommen, dass infolge der Erderwärmung Ernteerträge abnehmen würden (von 2014, 2015, 2016, 2016). Der Weltklimarat IPCC warnt in seinem fünften Sachstandsbericht, dass die Erträge von Weizen, Reis und Mais infolge der Erderwärmung zurückgehen könnten. In einer Studie von 2017 kommen mehrere Forscher nach Tests zum Ergebnis, dass das Baumwachstum unter erhöhtem CO2 nicht signifikant zugenommen hat; was wiederum einem Teil von Rob Jacksons Forschung widerspricht.

Die Aussage, wonach mehr CO2 ausschließlich vorteilhaft für die Erde sei, lässt demnach gegenteilige Forschungsergebnisse außer Acht und kann nicht so pauschal getroffen werden.

5. Behauptung: „Die globale Erwärmung hat die Zahl der Naturkatastrophen nicht erhöht“

Dazu steht im Brief: „Es gibt keine statistischen Belege dafür, dass die globale Erwärmung Hurrikane, Überschwemmungen, Dürren und ähnliche Naturkatastrophen verstärkt oder häufiger verursacht. CO2-Minderungsmaßnahmen sind jedoch ebenso schädlich wie kostspielig. So töten Windkraftanlagen Vögel und Fledermäuse, und Palmölplantagen zerstören die Biodiversität der Regenwälder.“

„Statistische Belege“ oder Daten dafür, dass die globale Erwärmung zu einer steigenden Anzahl Naturkatastrophen führt, sind schwer zu erheben, weil das Klima ständig variiert. Mehrere offizieller Stellen und Forschungsverbünde gehen aber wegen einer Zunahme von Hitzewellen oder Starkregenereignissen davon aus, dass auch Naturkatastrophen zunehmen werden. 

Mehrere US-Behörden, darunter die Nasa, veröffentlichten Ende 2018 einen Bericht, in dem sie vor einer Verschärfung von Naturkatastrophen durch die globale Erwärmung warnen. In einem Bericht von 2017 steht mit „mittelmäßiger Sicherheit“: „Menschliche Aktivitäten haben wesentlich zur beobachteten Variabilität der Ozean-Atmosphäre im Atlantik beigetragen und diese Veränderungen haben zu dem seit den 1970-er Jahren beobachteten Aufwärtstrend der nordatlantischen Hurrikaneaktivität beigetragen.“

Das Umweltbundesamt schreibt auf seiner Webseite zu diesem Thema: „Nach gegenwärtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen wird die fortschreitende Klimaerwärmung zu Veränderungen der Stärke, der Häufigkeit, der räumlichen Ausdehnung und der Dauer von Extremwetterereignissen führen.“

Was das Umweltbundesamt auf seiner Webseite zu Risiken von Naturkatastrophen schreibt. (Screenshot: CORRECTIV)

Dass „CO2-Minderungsmaßnahmen“ wie Windkraftanlagen Vögel und Fledermäuse töten, stimmt. Eine abschließende Beurteilung zum Ausmaß des Schadens für Vögel oder Fledermäuse durch Windenergie ist aber nicht möglich, wie wir für einen Faktencheck recherchiert haben. Eine gängige Windkraftanlage spart nach Ansicht von Experten im Durchschnitt zudem wesentlich mehr CO2 ein als der dafür gerodete Wald; das haben wir ebenfalls für einen Faktencheck recherchiert.

Dass Palmölanlagen die Biodiversität der Regenwälder zerstören, oder zumindest dazu beitragen, stimmt laut Umweltbundesamt größtenteils. Es schreibt dazu auf seiner Webseite: „Die Ölpalmen-Plantagen in Monokultur schaden der Umwelt. Menschen und Tiere verlieren ihren natürlichen Lebensraum. Das Grundwasser wird durch die Düngung der Pflanzen geschädigt. Das Klima leidet unter der Entwaldung.“

6. Behauptung: „Klimapolitik muss wissenschaftliche und wirtschaftliche Realitäten respektieren“

Dieser letzte Punkt ist keine Tatsachenbehauptung sondern eine Meinung. Meinungen können wir nicht prüfen.

Fazit zu den Tatsachenbehauptungen im Brief

Die Aussagen sind – bis auf zwei – zwar in Teilen richtig, sie lassen aber oft zentralen Kontext aus, etwa zu bisheriger Forschung oder der Einschätzung offizieller Stellen. Weil diese wichtigen Positionen fehlen, können die Behauptungen irreführend gelesen werden. 

Zudem werden zu keiner einzigen Behauptung nachvollziehbare Quellen, Belege oder Zitate angeführt, obwohl das in der Wissenschaft eigentlich die Norm ist. Unsere Faktencheck-Kollegen von Climate Feedback haben den Brief von sechs Forschern analysieren lassen: Diese kommen zum Schluss, dass seine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit insgesamt als „sehr gering“ zu bewerten ist. So handele es sich dabei eher um „Rosinenpflücken“, der Brief sei inakkurat und voreingenommen.

Wer steckt hinter dem offenen Brief? 

Die sogenannte „European Climate Declaration“ wurde von der Climate Intelligence Foundation (Clintel) aus den Niederlanden veröffentlicht, die sich 2019 gründete. Die Stiftung will sich nach eigenen Angaben für eine „positivere Sicht“ auf den Klimawandel und eine Veränderung der Klimapolitik einsetzen. Im Mittelpunkt steht die Ansicht, dass der Einfluss von CO2 auf das Klima geringer sei als behauptet. 

Clintels Mitgründer Guus Berkhout wird als Initiator der Aktion genannt. Berkhout studierte Elektrotechnik, startete seine Karriere in den 60ern beim Ölkonzern Shell und lehrte dann an der Technischen Universität Delft in den Niederlanden. 

Wer sind die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner?

Die meisten Personen auf der Liste stammen aus Europa, aber es sind auch Personen aus den USA, Kanada, Australien oder Neuseeland dabei. Einer der prominentesten Namen auf der Liste ist Vaclav Klaus, ehemaliger Ministerpräsident der Tschechischen Republik, der bereits 2007 in seinem Buch „Blauer Planet in grünen Fesseln: Was ist bedroht? Das Klima oder die Freiheit?“ die Angst vor dem Klimawandel als übertrieben und sogar gefährlich darstellte. 

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Auch viele andere der Unterzeichner sind bekannt dafür, die Gefahren durch den Klimawandel und den Einfluss des Menschen und des CO2 auf die globale Erwärmung als gering zu bezeichnen. Von den 13 Deutschen, die auf der Liste stehen, sind dies zum Beispiel Horst-Joachim Lüdecke und Fritz Vahrenholt. Lüdecke war nach Angaben einer Sprecherin bis 2008 Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlands, im Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Lehrgebiet „Praktische Informatik“.

Vahrenholt vertritt die Ansicht, der Einfluss des Menschen auf das Klima – im Wesentlichen durch den gestiegenen CO2-Ausstoß – sei nur halb so groß wie vom IPCC angenommen. Darauf wies er uns nach Veröffentlichung dieses Artikels per E-Mail hin. Vahrenholt arbeitete früher als Honorarprofessor an der Universität Hamburg im Fachbereich Chemie, war außerdem Hamburger Umweltsenator für die SPD, danach Manager bei Shell. Er baute die Windkraft-Firma Repower mit auf. 2008 bis 2012 arbeitete er bei RWE Innogy erst als Geschäftsführer und dann nach Aussage eines RWE-Sprechers von 2012 bis 2014 als Aufsichtsratsvorsitzender. Heute ist Vahrenholt Alleinvorstand der Deutschen Wildtier-Stiftung.

Mindestens acht der 13 Deutschen sind im Ruhestand. Drei haben eine direkte Verbindung zum Europäischen Institut für Klima und Energie (Eike), ein deutscher Verein, der den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel als nicht bewiesen bezeichnet. Sie sind dort entweder als Autoren tätig (Döhler) oder sitzen im Fachbeirat (Lüdecke, Ewert). Weitere Personen von der Liste werden häufig von Eike zitiert oder traten bei Veranstaltungen des Vereins auf (Vahrenholt, Kirstein, Kutschera, Harde, Kröpelin, Weiss). 

Angaben zur Biografie sind teilweise falsch

Auffällig ist auch: Bei einigen Deutschen stimmen die Angaben zur Biografie, die in der Liste stehen, nicht. So steht bei Carl-Otto Weiss, er sei unter anderem „emeritierter Professor in Nichtlinearer Physik“ und „ehemaliger Präsident des Deutschen Meteorologischen Instituts in Braunschweig“. Wir fanden jedoch keinen Beleg, dass Weiss Professor an einer Universität oder Hochschule war. Und in Braunschweig, wo er zwar von 1973 bis 2006 Mitarbeiter bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) war, gibt es kein „Deutsches Meteorologisches Institut“, wie uns ein Pressesprecher per E-Mail mitteilte. „Die PTB ist das ‘Nationale Metrologieinstitut Deutschlands’, d.h., es geht in der PTB um die Wissenschaft des Messens und nicht um das Wetter.“ Weiss sei promovierter Wissenschaftler, nicht Professor. Zuletzt habe er bei der PTB nicht als Präsident sondern als Leiter des Fachbereichs „Zeit und Frequenz“ gearbeitet.

Zwei weitere Beispiele für irreführende biografische Angaben in der Liste sind Dietrich Bannert, angeblich „Professor Honoris Causa“ der Universität Marburg, und Klaus-Dieter Döhler, angeblich „Professor für Pharmawissenschaften an der Universität Hannover“. 

Bannert ist seit 1995 Honorarprofessor des Fachbereichs Geowissenschaften der Universität Marburg. „Dabei handelt es sich nicht um eine Ehrenprofessur, wie die Angabe ‘Professor Honoris Causa’ vermuten lässt“, teilte uns eine Pressesprecherin der Uni per E-Mail mit. Bannert hatte als promovierter Geologe also keine Professorenstelle inne, hielt aber nach Angaben der Sprecherin bis 1995 Lehrveranstaltungen ab.

Über Döhlers angebliche Professur an der Universität Hannover fanden wir keine Belege. Bis 1984 arbeitete er an der Medizinischen Hochschule Hannover im Bereich Klinische Endokrinologie. Er bekam dort außerdem den Titel „außerplanmäßiger Professor“ verliehen. Aktuell ist er ist Geschäftsführer der Firma Curatis Pharma in Hannover. 

Wissenschaftler bestätigen Unterschriften

Um zu prüfen, ob die Menschen auf der Liste den offenen Brief tatsächlich unterzeichnet haben, kontaktierten wir stichprobenartig zehn Personen. Alle haben naturwissenschaftliche Fachgebiete und sind noch nicht in Rente. 

Die zehn Personen, die wir kontaktiert haben

Von den zehn antworteten acht auf unsere E-Mails: D’Aleo, Mazzarella, Andresen, Walters, Birlenbach, Kutschera, Döhler und Zharkova bestätigten, dass sie den Brief unterschrieben haben und die darin aufgestellten Thesen und Forderungen unterstützen. 

Lediglich Kutschera schrieb, er unterstütze nicht alle Aussagen in dem offenen Brief völlig: Er sehe im Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre „ein Problem, das angegangen werden muss […] aber ohne Panik und Hysterie – die Probleme sind lösbar.“

Die E-Mail von Ulrich Kutschera. (Screenshot: CORRECTIV)

Es sind nicht 500 Wissenschaftler

Wir haben die Liste systematisch nach bestimmten Begriffen durchsucht, um herauszufinden, welchen Fachgebieten die Personen angehören. 

Die Suche zeigt: Von den 500 sind längst nicht alle Wissenschaftler. Zum Beispiel Campbell Rankine aus Australien ist Rechtsanwalt, spezialisiert auf Steuerrecht. Reynier Pronk aus den Niederlanden wird bezeichnet als „ehemaliger IT-Manager, Berater für Projektmanagement und Trainer“. Christopher Monckton ist ehemaliger Politiker, unter anderem mit Verbindungen zur britischen Ukip-Partei. Und Marcel Crok, Mitgründer der niederländischen Stiftung Clintel, ist laut der Liste ein Journalist. 

Andere Unterzeichner haben zwar akademischen Hintergrund, jedoch nicht in naturwissenschaftlichen Fächern – wie Drieu Godefridi aus Belgien („Doktor in Jura“), Jean-Pierre Bardinet aus Frankreich („Ingenieur“) oder Marian Radetzki aus Schweden („emeritierter Professor für Wirtschaft, Luleå Universität“). 

Insgesamt werden 179 Personen in der Liste als „Professor“ bezeichnet. CORRECTIV ist es nicht möglich, die Qualifikation von allen zu überprüfen. 

Um herauszufinden, wie viele sich – nach den Angaben in der Liste – vollständig und wissenschaftlich auf das Thema Thema Klima spezialisiert haben, suchten wir nach dem Wort „Klimatologie“ auf verschiedenen Sprachen (Englisch: „climatology“ / Spanisch oder Italienisch: „climatologia“). Die Suche förderte fünf Treffer zutage. Davon sind zwei Personen bereits im Ruhestand.

  • Jacques Colombani, ehemals bei Orstom beschäftigt, einer französischen Behörde für Entwicklungszusammenarbeit (heute: French National Research Institute for Development). Eine Suche bei Google Scholar zeigt, dass Colombani sich in den 70ern und 80ern mit Wasser- und Bodenuntersuchungen in Afrika beschäftigte, zum Beispiel erforschte er, ob der See Tschad vom Austrocknen bedroht sei. 
  • Werner Kirstein, ehemaliger Professor für Geographie an der Universität Leipzig. Zu seinem Namen findet man bei Google Scholar nur auf der Seite von Eike wissenschaftliche Publikationen zum Thema Klimawandel.
  • Joseph S. D’Aleo, ein Meteorologe aus den USA, Berater für die Lobby-Organisation Heartland Institute).
  • Adriano Mazzarella, ein Physiker und Professor am Institut für Erd-, Umwelt- und Ressourcenwissenschaften der Universität Neapel.
  • Gerrit J. van der Lingen, ein niederländischer Geologe, unter dessen Namen man bei Google Scholar keine Arbeiten über den Klimawandel findet, dafür aber Texte über Erdplattenverschiebungen und Sedimente.

Eine weitere Suche nach dem Wort „climate“ in dem Dokument führt zu 46 Personen. Davon werden nur 13 explizit als Naturwissenschaftler bezeichnet, und davon wiederum seien mindestens sieben im Ruhestand. Die anderen seien zum Beispiel Journalisten, Publizisten, Ökonomen oder Ingenieure. Manche werden ohne weitere Erklärungen als „climate researcher“ bezeichnet.

Was außerdem auffällt: Viele Personen in der Liste sind bereits im Ruhestand: Die Suche nach „Emeritus“ ergibt 72 Treffer. Eine weitere Suche nach „retired“ (im Ruhestand) erzielt 59 Treffer.

Update, 14. Oktober 2019: Wir haben zwei Angaben zu Fritz Vahrenholt ergänzt. Zum einen zu seinen Ansichten über den CO2-Einfluss, zum anderen über seine Tätigkeiten im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien.

Update, 17.Oktober 2019: Inzwischen hat uns der Pressesprecher der Medizinischen Hochschule Hannover telefonisch bestätigt, dass Klaus-Dieter Döhler dort bis 1984 im Bereich Endokrinologie arbeitete und etwas später den Titel „außerplanmäßiger Professor“ bekam. Wir haben daher das Wort „mutmaßlich“ aus dem Text gestrichen.

Update, 18. Oktober 2019: Wir haben weitere biografische Daten zu Fritz Vahrenholt und Horst-Joachim Lüdecke ergänzt.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Es handelt sich nicht um 500 Wissenschaftler. Zudem lassen die Aussagen im Brief teils Kontext zu bisheriger Forschung oder der Einschätzung offizieller Stellen aus und sind deshalb irreführend.

Bewertung: völlig falsch

Nein, Oliver Welke hat keinen Bitcoin-Investment-Deal angepriesen

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Im Mai 2019 saß Oliver Welke bei Klaas Heufer-Umlauf in der Sendung – er sprach aber nicht über Investments, die angeblich reich machen. (Screenshot von Youtube: CORRECTIV)

von Tania Röttger

Manchmal benutzen Webseiten ungefragt Namen und Gesichter prominenter Menschen, um ihre Produkte zu bewerben. So ein Fall kursiert gerade im Zusammenhang mit Bitcoin.

Anfang Oktober bat uns ein Leser in unserer Facebook-Gruppe, einen Beitrag zu prüfen: „Hier wird eine Werbung mit Herrn Welke gemacht…“. Dazu schickte er einen Link zur Webseite Tercabaikan

Die Einreichung eines Lesers in der CORRECTIV.Faktencheck-Facebook-Gruppe. (Screenshot: CORRECTIV)

Folgt man dem Link, erscheint eine Seite, die das Logo des ZDF trägt. Logo und URL der Webseite passen also nicht zusammen. 

Die gefälschte Webseite, laut der Oliver Welke angeblich über eine neue Investition spricht. (Screenshot: CORRECTIV)

Oliver Welke ist unter anderem Moderator der satirischen Sendung Heute Show im ZDF. Laut des Textes habe er bei der TV-Sendung Late Night Berlin mit Klaas Heufer-Umlauf „vor einer Woche“ eine neue „Kapital-Gesetzeslücke“ angepriesen. Der Artikel trägt kein Erscheinungsdatum. Oliver Welke war dieses Jahr bei Late Night Berlin, und zwar im Mai. Auf der Webseite des Senders ProSieben ist die Folge zu sehen, der Auftritt dauert knapp 20 Minuten. Sie sprechen jedoch nicht über Gesetzeslücken, Investments oder Bitcoin. Vielmehr geht es um Witze, Journalismus, Sportler und Politiker.

Die Webseite behauptet weiter, sie habe mit Welke gesprochen und der habe im Gespräch die Plattform Bitcoin Profit beworben. Auf Anfrage von CORRECTIV weist Welkes Agentur das per E-Mail zurück – Welke habe sich nicht zu dem Thema geäußert: „Bei den ‘Artikeln’ bzw. ‘Meldungen’ handelt es sich um Fälschungen.“

Antwort der Agentur von Oliver Welke. (Screenshot: CORRECTIV)

In dem angeblichen Interview sind die Worte Bitcoin Profit verlinkt, die Links führen zu einer Webseite, auf der Interessierte ihre Daten eingeben sollen, um „Millionen“ zu verdienen. Ein Impressum hat die Seite nicht. Dafür zeigt sie angebliche Erfahrungserlebnisse mit Fotos von Menschen, die angeblich viel Geld mit Bitcoin Profit verdient haben. Ganz unten auf der Seite steht aber: „Alle auf dieser Webseite dargestellten Personen, Informationen und Ereignisse sind vollständig fiktiv.“

Disclaimer unten auf der Webseite von Bitcoin Profit, in der zugegeben wird, dass alles, was auf der Seite steht, fiktiv ist. (Screenshot: CORRECTIV)

Die angebliche Familie

Neben Welke sollen auch andere mit „Bitcoin Profit“ reich geworden sein, unter anderem „Klaus“. „Klaus ist ein 53-jähriger Vater von 2 Töchtern“ steht dort.

Laut der deutschen Version der Geschichte heißt der Mann auf dem Bild Klaus. (Screenshot: CORRECTIV)

Eine Bilder-Rückwärtssuche auf der Suchmaschine Yandex führt zu anderen Artikeln, die das Foto verwendet haben. Zum Beispiel zu einer Fälschung der Seite Business Insider, laut der Investor und Erfinder Elon Musk angeblich eine Investition in Bitcoin-Technologie bekannt gibt. Demnach heiße der Mann auf dem Bild Matthew Grant, sei 35 Jahre alt und habe drei Kinder. 

Auch Elon Musk musste schon einmal für eine Falschmeldung über eine angebliche Investition herhalten.

Noch eine andere Identität des Mannes. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch in der Türkei kursierte eine ähnliche Geschichte mit dem Foto der Familie. Dort hieß der Mann angeblich Yaman. Unsere Kollegen der türkischen Faktencheck-Organisation Teyit veröffentlichten im Juli 2019 einen Artikel über die Falschmeldung.

Seit 2014 erschien das Bild der Familie vor allem auf Webseiten der Zeugen Jehovas, wie eine Suche auf der Bilderdatenbank Tineye ergab.

Dasselbe Foto taucht seit 2014 auf mehreren Webseiten der Zeugen Jehovas auf. (Screenshot: CORRECTIV)

Es ist eine Taktik, auf Webseiten mit den Logos seriöser Medien Werbung für zweifelhafte Produkte zu machen. Wir haben in einem anderen Faktencheck über einen ähnlichen Fall berichtet, dabei ging es um eine angebliche Abnehmpille.

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Die Webseite ist eine Fälschung, die angebliche TV-Sendung gab es nicht und auch der Erfahrungsbericht über den angeblichen Familienvater Klaus stimmt nicht.

Bewertung: völlig falsch

Bildmanipulation: Dieser Löwe hat eigentlich weißes Fell

Löwe mit schwarzem Fell
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Löwe mit schwarzem Fell
Dieses Bild ist seit mindestens sechs Jahren im Umlauf. Es handelt sich um eine Bildmanipulation. (Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

Seit Jahren zirkuliert ein Bild im Netz, das einen schwarzen Löwen zeigt. Oft zusammen mit der Warnung, es gebe nur noch wenige Tiere dieser Art. Das Foto wurde jedoch manipuliert – im Original hat der Löwe weißes Fell.

Das Bild eines Löwen mit angeblich schwarzem Fell verbreitet sich seit einigen Tagen auf Facebook. Darüber steht zusammen mit einem Aufruf zum Teilen: „Solche Löwen gibt es nur zwei Mal auf der Welt.“ Veröffentlicht hat das Bild die Seite „G-LUX. Zitate & Sprüche“ am 3. Oktober; es wurde bisher mehr als 2.000 Mal geteilt. 

So wurde das Bild am 3. Oktober auf Facebook hochgeladen. (Screenshot: CORRECTIV)

Viele Facebook-Nutzer reagieren überrascht auf den Beitrag. Gibt es Löwen mit dieser Fellfarbe wirklich?

Im Original-Foto hat der Löwe weißes Fell

Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google führt zu einem Artikel der österreichischen Faktenchecker von Mimikama von 2016. Damals war laut der Recherche das gleiche Bild mit derselben Beschriftung auf Facebook im Umlauf.

 

Ursprünglich war das Bild nach der Mimikama-Recherche wohl im März 2012 auf der Künstler-Plattform „Deviantart“ hochgeladen worden, durch den Nutzer Pavol Dvorsk. Tatsächlich ist dies laut der Bilder-Rückwärtssuche bei Google der älteste Treffer für das Foto. Dvorsk verlinkt in der Beschreibung des Fotos unter „used picture“ (Deutsch: verwendetes Bild), also als Quelle, auf den Flickr-Account des Nutzers Dennis Painting. 

Dieser hatte ein Foto des Löwen – allerdings mit weißer Fellfarbe – unter dem Titel „Timbavati White Lion“ im Februar 2011 dort hochgeladen. Er gibt an, der Urheber des Bildes zu sein und schreibt, der weiße Löwe stamme von der Cango Wildlife Ranch. Das Foto ist Teil einer Galerie von Bildern, in der weitere weiße Löwen zu sehen sind.

Oben die Bildmanipulation, unten das Original. (Screenshots / Collage: CORRECTIV)

Unter dem Foto des schwarzen Löwen auf „Deviantart“ fragte eine Nutzerin im September 2017, ob das Bild einen echten Löwen zeige. Dvorsk reagierte mit den Worten: „Nein, es ist nur eine Bildmanipulation.“

Die Antwort von Pavol Dvorsk auf die Frage, ob das von ihm hochgeladene Bild einen echten schwarzen Löwen zeige. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch laut eines Facebook-Beitrags der Cango Wildlife Ranch selbst von 2013 wurde das Original-Foto des weißen Löwen dort aufgenommen. Dazu schreibt die Ranch: „Do you recognise the Black Lion in the picture? We do, it’s a photoshopped version of our White Lion, Tribe!“ (Deutsch: Erkennt ihr den schwarzen Löwen auf diesem Foto wieder? Wir schon, es ist eine gephotoshopte Version unseres weißen Löwen Tribe!). 

Der Facebook-Beitrag der Cango Wildlife Ranch von 2013. (Screenshot: CORRECTIV)

Demnach hat die Ranch den Löwen offenbar „Tribe“ genannt. Er wird auch in später veröffentlichten Bildern auf ihrer Facebook-Seite gezeigt, zum Beispiel von 2015, 2017 und von Februar 2019. Dort steht, dass der Löwe 13 Jahre alt sei.

„Tribe“, der Löwe aus dem Originalfoto, in einem Facebook-Beitrag der Cango Wildlife Ranch von 2015. (Screenshot: CORRECTIV)

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Naturschutz-Bundesamt: Ganzheitlich schwarz gefärbte Löwen sind nicht dokumentiert

Auf CORRECTIV-Anfrage an das Bundesamt für Naturschutz, ob es Löwen mit schwarzer Fellfarbe überhaupt gibt, antwortete Mona van Schingen aus dem Fachbereich Zoologischer Artenschutz per E-Mail: „Dem BfN liegen keine Informationen darüber vor, dass Melanismus (Schwarzfärbung) bei Löwen vorkommt. Allerdings gibt es Tiere mit besonders dunkler, bis schwarzer Mähne. Ganzheitlich schwarz gefärbte Löwen, wie auf dem von Ihnen gezeigten Bild, wurden nach unseren Informationen noch nicht dokumentiert.“

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Bei dem Bild des Löwen mit schwarzem Fell handelt es sich um eine Fälschung – laut Experten gibt es solche Tiere nicht.

Bewertung: falsch

Nein, der abgeholzte Wald für eine Windkraftanlage nimmt nicht mehr CO2 auf, als die Anlage vermeiden kann

Bildschirmfoto 2019-09-19 um 16.06.19
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Bildschirmfoto 2019-09-19 um 16.06.19
Dieses Foto wird immer wieder verwendet, um Stimmung gegen Windkraft in Deutschland zu machen. Es stammt jedoch aus den USA. (Screenshot von der Webseite der University of Virginia: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Ein Foto sorgt für Empörung im Netz: Es zeigt Windkraftanlagen mitten im Wald, für die offenbar viele Bäume gefällt wurden. Nur stammt das Bild gar nicht aus Deutschland. Und auch die Behauptung, der gerodete Wald hätte mehr CO2 aufgenommen als die Windkraftanlage einspare, ist falsch. 

Auf Facebook wird derzeit ein Foto verbreitet, auf dem eine Reihe Windkraftanlagen in einem Wald zu sehen ist. Für jede Anlage wurden offenbar viele Bäume gefällt, denn sie stehen auf kahlen Lichtungen. Am 7. August veröffentlichte ein Nutzer das Foto auf seinem Facebook-Profil. Im Text darüber wird behauptet: „Der abgehackte Wald hätte übrigens mehr CO2 aufgenommen, als durch die wenigen lächerlichen Windräder CO2 gespart wird…“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 3.300 Mal geteilt. 

CORRECTIV hat geprüft, woher das Foto stammt, und ob die Behauptung über die Einsparung von CO2 stimmt. 

Der Facebook-Beitrag vom 7. August 2019. (Screenshot am 27. September und Schwärzungen: CORRECTIV)

Über die Bilder-Rückwärtssuche der Suchmaschine Yandex findet sich ein Artikel der University of Virginia in den USA von 2007, in dem das Foto verwendet wurde. In der Bildunterschrift steht, es zeige das Windenergie-Projekt „Mountaineer“ mit 44 Turbinen in West Virginia. Eine Quelle wird nicht angegeben, aber es ist ein Vergleich mit Satellitenaufnahmen des Windparks namens Mountaineer Wind Energy Center möglich. Er steht tatsächlich im Wald und besteht aus 44 Turbinen mit jeweils einer Leistung von 1,5 Megawatt. In den Satellitenaufnahmen von Google Earth ist zu sehen, dass die Anordnung der Lichtungen mit dem Foto übereinstimmt.

Satellitenaufnahme von Google Earth vom „Mountaineer Wind Energy Center“ in West Virginia, USA. (Screenshot am 13. September: CORRECTIV)
Links das Foto aus dem Facebook-Beitrag (von 2007), rechts eine (neuere) Aufnahme aus den Satellitenbildern von Google Earth vom „Mountaineer Wind Energy Center“ in den USA. (Collage: CORRECTIV)

Das Foto aus dem Facebook-Beitrag wird immer wieder von Windkraftgegnern in Deutschland verwendet, zum Beispiel von Webseiten namens „Windwahn“ oder „Science-Sceptical“. Oft wird, zum Beispiel mit Bezug auf die Proteste gegen die Abholzung des Hambacher Forsts, suggeriert, das Bild zeige Deutschland. 

Ein weiterer Beitrag mit dem Foto, von dem Blog „Rentnerbetrug“. (Screenshot am 13. September: CORRECTIV)

Das Foto stammt zwar nicht aus Deutschland, das heißt jedoch nicht, dass hierzulande kein Wald für Windkraftanlagen abgeholzt wird. Mit einem Beispiel haben wir uns im Oktober 2018 in einem Faktencheck beschäftigt.  

Doch wie viel CO2 spart eine Windkraftanlage ein, und wie viel kann der Wald aufnehmen, der für sie weichen muss? Hier sind nur theoretische Berechnungen möglich, da jeder Wald verschieden ist und es verschiedene Typen von Windkraftanlagen gibt. 

Wie viel CO2 spart eine Windkraftanlage?

Das Umweltbundesamt hat für 2017 die Emissionsbilanzen von Erneuerbaren Energien berechnet. In dem Bericht steht, für Windkraftanlagen an Land sei der Netto-Vermeidungsfaktor 606,14 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom. „Netto“ bedeutet, in dieser Bilanz sind CO2-Emissionen, die zum Beispiel durch die Herstellung der Windkraftanlage verursacht werden, schon berücksichtigt. 

Auf Nachfrage schreibt Fabian Sandau vom Umweltbundesamt per E-Mail, eine allgemein gültige Berechnung der jährlichen Stromerzeugung einer Windkraftanlage und somit der CO2-Einsparung sei nicht möglich. Allerdings könne man ein konkretes Beispiel berechnen. 

Experte: Eine typische Windkraftanlage kann rund 3.600 Tonnen CO2 pro Jahr vermeiden

Eine der meistgebauten Anlagen sei der Typ E-115 des Unternehmens Enercon mit einer Leistung von drei Megawatt. An einem „schlechten Standort“ speise sie jährlich etwa sechs Millionen Kilowattstunden Strom ins Netz ein. Mit dem Vermeidungsfaktor von 606,14 Gramm CO2 pro Kilowattstunde ergebe sich „eine jährliche CO2-Netto-Vermeidung von rund 3.600 Tonnen CO2“, so Sandau. „Damit handelt es sich lediglich um eine konservative Abschätzung, da die Vermeidung weiterer Treibhausgase nicht berücksichtigt ist.“

Wie viel Wald muss für eine Turbine abgeholzt werden?

Wir haben zu diesem Thema auch eine Anfrage an László Maráz, Wald-Experte beim Forum Umwelt und Entwicklung, geschickt. Das Forum Umwelt und Entwicklung ist eine Dachorganisation für deutsche Nichtregierungsorganisationen und koordiniert nach eigenen Angaben deren „Aktivitäten […] in internationalen Politikprozessen zu nachhaltiger Entwicklung“. In einer E-Mail an CORRECTIV schreibt Maráz, für eine Windkraftanlage werde ein halber Hektar Wald gerodet.

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Andere Stellen gehen von noch weniger Fläche aus: Für eine Windkraftanlage müssen laut Hessischem Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung im Schnitt 0,3 Hektar Wald gerodet werden. Und in einer Antwort der Landesregierung Nordrhein-Westfalen auf eine Kleine Anfrage der Grünen 2018 steht, es müssten im Schnitt 0,28 Hektar Wald pro Windkraftanlage abgeholzt werden. Für Zufahrtswege und Materiallager müsse zusätzlich eine Fläche von „durchschnittlich 0,35 ha bis 0,45 ha“ eingerechnet werden. 

Wie viel CO2 nimmt ein Hektar Wald auf?

Wälder sind sogenannte natürliche Kohlenstoffsenken; sie entziehen während ihres Wachstums der Atmosphäre CO2, geben Sauerstoff (O) frei und speichern Kohlenstoff (C) in ihrem Holz. Eine allgemein gültige Zahl, wie viel CO2 aufgenommen wird, lässt sich hier nicht nennen, da jeder Wald anders ist. 

Auf Anfrage von CORRECTIV verweist die Pressestelle des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft auf die „Kohlenstoffinventur 2017“, die vom Thünen-Institut für Waldökosysteme im Auftrag des Ministeriums durchgeführt wurde. Die Autoren des Berichts schreiben, dass sich die Menge des gebundenen Kohlenstoffs unter anderem aus den Holzvolumen errechnen lasse. Daraus wiederum lässt sich ableiten, wie viel CO2 der Atmosphäre entzogen wird. 

Ein Hektar Wald kann im Durchschnitt 5,4 Tonnen CO2 pro Jahr aufnehmen

„Der Wald entlastet die Atmosphäre jährlich um rund 62 Mio. Tonnen Kohlendioxid. Damit kompensiert er ca. 7 Prozent der Emissionen in Deutschland“, heißt es in dem Bericht zum deutschen Wald weiter. Geteilt durch die Gesamtfläche des Waldes in Deutschland – nach Angaben des Thünen-Instituts 2017 insgesamt circa 11,4 Millionen Hektar – ergibt das rund 5,4 Tonnen CO2 pro Hektar Wald und Jahr.

Fabian Sandau vom Bundesumweltamt schreibt, dieser Durchschnittswert sollte „keineswegs pauschal genutzt werden“, da „die tatsächliche CO2-Aufnahme […] sehr stark von Art und Alter des Baumbestandes abhängig“ sei. Allerdings zeige sich anhand des Vergleichs mit den 62 Millionen Tonnen CO2, die der ganze Wald in Deutschland aufnehmen könne, bereits die „große Bedeutung“ der Windenergie – „denn die insgesamt durch Windenergieanlagen an Land vermiedenen CO2-Emissionen betrugen im Jahr 2017 ca. 54 Mio. Tonnen CO2.“ 

Vergleich Windkraftanlage versus Wald

Beide Experten, Fabian Sandau vom Bundesumweltamt und László Maráz vom Forum Umwelt und Entwicklung, sind der Ansicht, dass ein durchschnittliches Windrad mehr CO2 einspart als der Wald, der dafür schätzungsweise gerodet wird. Maráz schreibt: „Das Spiel geht mehrere Hundert zu eins für die Windkraftanlage aus.“ Ein Hektar Wald könnte seiner Berechnung nach 700 Tonnen CO2 aufnehmen – allerdings frühestens nach einem Zeitraum von 150 bis 200 Jahren, erklärt er in einer zweiten Mail an CORRECTIV. Dennoch betont Maráz, es spreche natürlich mehr für die Erhaltung des Waldes als die reine Kohlenstoffbilanz. 

Auf der Basis der CO2-Bilanz geht der Vergleich jedoch zugunsten der Windkraftanlage aus. Geht man davon aus, dass ein halber Hektar für eine Anlage gerodet wird, hätte diese Waldfläche pro Jahr theoretisch 2,7 Tonnen CO2 aufnehmen können. Im Gegensatz dazu spart eine typische Windkraftanlage nach einer exemplarischen Berechnung des Umweltbundesamts mindestens 3.600 Tonnen CO2 im Jahr. 

Update (11. Oktober 2019): Mehrere Leserinnen und Leser wiesen uns darauf hin, dass sie die Überschrift dieses Artikels in Kombination mit der Bewertung „Falsch“ irreführend fanden. Deshalb haben wir sie aktualisiert. Die alte Überschrift lautete „Eine Windkraftanlage spart mehr CO2 als der Wald, der für sie gerodet wird“. Zu diesem Faktencheck erreichten uns außerdem inhaltliche Nachfragen und Kommentare. Wir haben deshalb erneut beim Umweltbundesamt nachgefragt und gehen auf folgende Frage ein:

Frage von Lesern: Verdrängt Strom aus Windkraft in Deutschland nicht vor allem Strom aus Atomkraftwerken? 

Antwort: Nein, laut Umweltbundesamt ersetzt Windkraft im Stromnetz vor allem Strom aus Steinkohle- und Erdgaskraftwerken, nicht aber aus Kernkraft oder Braunkohle. 

Im Jahr 2017 hat das Umweltbundesamt berechnet, wie hoch die Emissionen von erneuerbaren Energien sind – darauf bezieht sich auch unser Faktencheck. Auf Seite 47 steht: „Entscheidend bei der Stromerzeugung aus Windenergie ist das stark fluktuierende Einspeiseprofil in Abhängigkeit von den Wetterbedingungen. Bei den in der Simulation angesetzten Brennstoffpreisrelationen für Steinkohle und Gas ersetzt Windkraft hauptsächlich Steinkohlekraftwerke und in geringerem Umfang auch Erdgaskraftwerke. Aufgrund der Stellung in der deutschen und europäischen Merit-Order wird weder Strom aus Braunkohle noch aus Kernenergie verdrängt.“ 

Das bedeutet: Wenn mehr Strom aus Windkraft produziert wird, ersetzt er theoretisch im Netz Strom aus konventionellen Energieträgern. Die Merit-Order ist die Einsatzreihenfolge von Kraftwerken. Sie funktioniert nach dem Prinzip, dass die teureren Stromarten zuerst verdrängt werden (PDF, Seite 8). So kommt es, dass in der Rechnung des Umweltbundesamtes Windenergie vor allem Strom aus Steinkohle ersetzt.  

Auf unsere Nachfrage erklärt ein Experte vom Umweltbundesamt per E-Mail, dies habe vor allem technische Gründe: Kohle- und Gaskraftwerke ließen sich besser regeln als Atomkraftwerke, welche tendenziell konstant Energie erzeugten. Das heißt, die Stromproduktion aus Atomkraftwerken lässt sich nicht so einfach kurzfristig reduzieren wie die aus den anderen Kraftwerken.  

Wichtig ist: Die von uns zitierte Berechnung des Umweltbundesamtes zur CO2-Bilanz von Windkraftanlagen an Land bezieht sich nicht auf das Gesamtbild seit der Energiewende 2011. In der Zeit ist der Anteil der Atomenergie an der Stromproduktion in Deutschland stark gesunken (Tabelle „Strommix“ 1990 bis 2018). Das treibt die CO2-Emissionen Deutschlands bei der Stromproduktion in die Höhe. Die Strommenge aus erneuerbaren Energien – insbesondere Windkraft an Land – ist gleichzeitig stark gestiegen. Das senkt wiederum die CO2-Emissionen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Kernkraft nur durch Windenergie ersetzt wurde.

Insgesamt sinken die Emissionen Deutschlands, weil die Faktoren für CO2-Vermeidung stärker sind als die Faktoren, die mehr CO2 verursachen. 

Die Grafik zeigt, welchen Einfluss die verschiedenen Energieträger auf die CO2-Bilanz Deutschlands haben. (Quelle: Umweltbundesamt, Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Eine gängige Windkraftanlage spart nach Ansicht von Experten im Durchschnitt wesentlich mehr CO2 ein als der dafür gerodete Wald. Das Foto stammt zudem nicht aus Deutschland.

Bewertung: falsch

Nein, die Nasa glaubt nicht, dass der Klimawandel allein durch „Veränderungen der Erdumlaufbahn“ verursacht wird

INTERNATIONAL SPACE STATION (ISS) POST STS-120 MISSION
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INTERNATIONAL SPACE STATION (ISS) POST STS-120 MISSION
Die US-Weltraumbehörde Nasa schätzt den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel höher ein als natürliche Faktoren. (Symbolbild der internationalen Raumstation ISS aus dem Jahr 2007: Nasa)

von Till Eckert

In einem zehntausendfach geteilten Artikel wird behauptet, die Nasa gehe davon aus, dass der Klimawandel nicht menschengemacht sei, sondern durch sogenannte Milanković-Zyklen entstehe. Das stimmt nicht – die US-Weltraumbehörde schätzt den menschlichen Einfluss höher ein.

Hat die Nasa herausgefunden, dass der Klimawandel nicht menschengemacht, sondern durch „Veränderungen in der Umlaufbahn der Erde um die Sonne und Veränderungen der Axialneigung verursacht“ wird? Das zumindest wird in einem Artikel der Webseite Transinformation vom 21. September behauptet, der bisher mehr als 19.000 Mal auf Facebook geteilt wurde. 

Der Artikel auf der Webseite „Transinformation“. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Nasa habe schon 1958 erstmals „beobachtet“, dass Veränderungen der Sonnenumlaufbahn der Erde sowie in der Axialneigung der Erde für die Erderwärmung verantwortlich seien, nicht die Menschen, schreiben die Autoren des Artikels. 1958 ist das Gründungsjahr der Behörde. Die Nasa wisse das also seit „mehr als 60 Jahren“, habe sich aber dazu entschieden, „den Schwindel der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung zu verbreiten und bestehen zu lassen“.

Als angeblicher Beweis dafür wird ein Artikel über die sogenannten Milanković-Zyklen genannt, welchen die Nasa im Jahr 2000 in ihrem Online-Magazin Earth Observatory veröffentlichte.

Bei dem Artikel von Transinformation handelt es sich um eine wörtliche Übersetzung eines Artikel der US-amerikanischen Webseite Natural News vom 30. August, der laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 264.000 Mal auf Facebook geteilt wurde. Unsere Faktencheck-Kollegen von Snopes haben diesen Text bereits geprüft. Ihr Ergebnis: Die Behauptungen sind falsch. 

Wir haben das Thema ebenfalls recherchiert und ein Statement der Nasa dazu eingeholt.

Was sagt die Nasa zu den Behauptungen in dem Artikel?

CORRECTIV kontaktierte die NASA zu dem Artikel von Transinformation. Steve Cole, ein Sprecher der Nasa, verweist in seiner Antwort auf einen aktuellen Bericht zu natürlichen Klimafaktoren des U.S. Global Change Research Program. Die Nasa wirke an diesen Berichten mit und unterstütze die Ergebnisse.

Die Antwort-E-Mail der Nasa auf CORRECTIV-Anfrage. (Screenshot: CORRECTIV)

In dem Bericht steht (unter Punkt 2.3), dass zu den „wichtigen Klimafaktoren im Industriezeitalter“ sowohl menschliche Aktivitäten gehören, als auch „in geringerem Maße“ solche natürlichen Ursprungs. „Die einzigen wesentlichen natürlichen Klimafaktoren im Industriezeitalter sind Veränderungen der Sonneneinstrahlung, Vulkanausbrüche und die El-Niño-Southern-Oscillation.“ Es gäbe laut des Berichts weitere „Treiber“ natürlichen Ursprungs, die auf längeren Zeitskalen arbeiten würden; darunter die Milanković-Zyklen oder „Veränderungen im atmosphärischen CO2 durch chemische Verwitterung des Gesteins“. 

Aus einem aktuellen Bericht des U.S. Global Change Research Program, an dem die Nasa mitwirkt. (Screenshot: CORRECTIV)

Cole verweist außerdem auf eine Webseite, auf der die Nasa über die Gründe für den Klimawandel schreibt. Darin steht unter anderem: „In seinem fünften Bewertungsbericht kam das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), eine Gruppe von 1.300 unabhängigen wissenschaftlichen Experten aus Ländern der ganzen Welt unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, zu dem Schluss, dass es eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 95 Prozent gibt, dass menschliche Aktivitäten in den letzten 50 Jahren unseren Planeten erwärmt haben.“

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Die Nasa geht also nicht davon aus, dass „Veränderungen der Umlaufbahn“ oder die Milanković-Zyklen allein verantwortlich für den Klimawandel seien und der Mensch keinen Einfluss darauf nehme. Die Weltraumbehörde definiert im Gegenteil mehrere Gründe für den Klimawandel und nennt die Zyklen als einen davon – sie seien jedoch in einem geringeren Maße für die Veränderung des Klimas verantwortlich als etwa von Menschen emittierte Treibhausgase.

Was sind die Milanković-Zyklen? 

In einem Studienprojekt des Fachbereichs Geowissenschaften der Universität Bremen in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie werden die Milanković-Zyklen „neben der Drehung der Erde um sich selbst (Tag und Nacht) und der Rotation um die Sonne (Jahreszeiten)“ als „drei weitere Kreisläufe, die die Temperatur beeinflussen und dadurch das Klima verändern“ erklärt (PDF). Dabei gehe es darum, wie schräg oder gerade die Erdachse während ihres Kreislaufs um die Sonne steht, in welchem Winkel die Erdachse geneigt ist, und welche Form die Umlaufbahn hat (eher rund oder eher elliptisch).

Eine Beschreibung der Milanković-Zyklen von der Universität Bremen. (Screenshot: CORRECTIV)

Diese drei Zyklen führen in Kombination dazu, dass die Sonneneinstrahlung in verschiedenen Winkeln auf die Erde trifft, was zu Veränderungen der Temperatur auf der Erde führt. 

Die Milanković-Zyklen dauern jedoch 25.000 bis 100.000 Jahre, geschehen also viel langsamer als die aktuelle Klimaerwärmung, die durch von Menschen emittiertes CO2 verursacht wird (hier eine Erklärung dazu in einem unserer Faktenchecks). Die Forscher der Universität Bremen schreiben: „Definitive Klimaprognosen kann man nicht allein auf diesen Zyklen aufbauen.“ Die Sonneneinstrahlung auf die Erde sei seit 1980 zurückgegangen – die Temperatur aber angestiegen. Und: „Momentan wird die Umlaufbahn der Erde kreisförmiger und ist auf dem besten Wege zu einer Eiszeit.“

Wir leben derzeit in einem Eiszeitalter. Die Faktenchecker von Snopes verweisen  auf Ergebnisse einer Studie, die 2016 im Wissenschafts-Magazin Nature erschienen ist. Ihr zufolge könnte uns die derzeitige Umlaufbahn-Anordnung weitere 50.000 Jahre in der aktuellen Interglazial-Periode halten – einer Warmzeit innerhalb eines Eiszeitalters. Nach Ansicht der Forscher könnten CO2-Emissionen die nächste Kaltzeit um 100.000 Jahre verschieben. Snopes schreibt: „In anderen Worten: Die schnellen Temperaturanstiege, die derzeit auf menschlicher Zeitskala beobachtet werden, können nicht durch Milanković-Zyklen erklärt werden.“

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Nasa nennt die Milanković-Zyklen zwar als einen natürlich Grund für die Erderwärmung, schätzt den menschlichen Einfluss aber höher ein.

Bewertung: teilweise falsch

Doch, Medien berichteten über die Brände im Amazonasgebiet

BRAZIL-FIRE-AMAZON
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BRAZIL-FIRE-AMAZON
Verbranntes Waldgebiet in Altamira in Brasilien am 27. August 2019. (Foto: Joao Laet / AFP)

von Cristina Helberg

Bei Facebook teilte eine Nutzerin eine Bildcollage brennender Wälder. Sie behauptet, es gebe keine Medienberichterstattung darüber. Das ist falsch. Die von ihr geteilten Fotos zeigen wahrscheinlich Brände in Bolivien.

Am 23. August veröffentlichte eine Facebook-Nutzerin eine Collage aus sechs Bildern von brennenden Wäldern, darüber liegt eine schwarze Kondolenzschleife. Dazu schrieb sie: „Als Notre Dame brannte, berichteten die Medien der Welt über jeden Moment und Milliardäre eilten, um es wiederherzustellen. Im Moment brennt der Amazonas, die Lunge unseres Planeten. Es brennt jetzt seit 3 ​​Wochen. Keine Medienberichterstattung. Keine Milliardäre“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 38.200 Mal geteilt. 

Die Verfasserin suggeriert, die Fotos würden die aktuelle Situation im Amazonasgebiet zeigen und Medien würden nicht über die Brände dort berichten. Wir haben beide Behauptungen überprüft. 

Facebook-Beitrag vom 23. August (Screenshot: CORRECTIV)

Deutsche Medien haben über die Brände im Amazonasgebiet berichtet

Richtig ist, dass laut einer Satellitenbild-Auswertung der US-Raumfahrtbehörde Nasa die Intensität und Anzahl der Waldfeuer im brasilianischen Amazonasgebiet im August so hoch waren wie seit 2010 nicht mehr. Die Nasa schreibt, es sei das „aktivste Brandjahr dieser Region seit 2010“. 

Neben den Fotos behauptete die Facebook-Nutzerin am 23. August, Medien würden nicht über die Brände berichten. Das ist falsch. So berichteten zwei Tage vorher, am 21. August, zahlreiche deutsche Medien über die Brände, darunter die Tagesschau, Süddeutsche Zeitung, Zeit, Stern, der Deutschlandfunk und die Deutsche Welle

Die Berichterstattung vom 21. August 2019 auf der Webseite der Tagesschau (Screenshot: CORRECTIV)

Aber zeigten die Bilder aus dem Facebook-Beitrag die aktuelle Situation? 

Bilder-Rückwärtssuche führt nach Bolivien

Mit einer Google-Bilder-Rückwärtssuche haben wir versucht, den Ursprung der Foto-Collage zu finden. Einige Treffer erwähnen die Begriffe „Chiquitania Bolivia“. Chiquitania ist eine Provinz im Osten Boliviens. Offenbar kämpften die Behörden dort im August gegen Waldbrände. 

Wir haben deshalb nach den spanischen Suchbegriffen „chiquitania bolivia fuego“ (Deutsch: „Chiquitania Bolivien Feuer“) bei Google gesucht. Einer der ersten Treffer ist ein Bild aus der Facebook-Collage. Es stammt aus einer Bildergalerie der bolivianischen Zeitung El Diario vom 19. August 2019. Darin findet sich auch ein zweites Bild aus der Facebook-Collage. Im dazugehörigen Artikel berichtet die Redaktion über seit zwei Wochen andauernde Waldbrände in der Region von Chiquitania. 

Die Quelle der Bilder ist jedoch nicht angegeben. In der Bildunterschrift steht unter dem ersten Bild: „Der Wind half, das Feuer auszubreiten, das in den letzten Wochen tausende von Hektar in Chiquitania verwüstet hat.“ Und unter dem zweiten Bild: „Internetnutzer teilten Bilder, die den Notfall widerspiegeln.“ Konkrete Angaben zu Fotografen, Datum und Ort der Aufnahme fehlen jedoch.

Fotos in der Bildergalerie der Zeitung „El Diario“ in einem Artikel vom 19. August 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

 Um auch die weiteren Bilder aus der Facebook-Collage zu finden, haben wir eine Bilder-Rückwärtssuche mit den Suchwörtern „chiquitania bolivia“ ergänzt. Diese Suche führt zu einem weiteren Bild der Collage auf der südamerikanischen Webseite Movisis Noticias in einem Artikel über die Brände in Chiquitania vom 19. August 2019. Auch dort fehlen konkrete Quellenangaben.

Bild in einem Artikel der Seite „Movisis Noticias“ vom 19. August 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Den oberen Teil der Facebook-Collage mit vier Fotos finden wir in einem Artikel der bolivianischen Zeitung El Día vom 28. August über die Waldbrände in Chiquitanía. Auch ein fünftes Foto aus der Collage ist dort zu sehen. Allerdings tragen die Bilder auch hier weder eine Bildunterschrift, noch wird eine Quelle genannt. 

Artikel der Zeitung „El Día“ vom 28. August. (Screenshot: CORRECTIV)

Eine Bilder-Rückwärtssuche nach dieser Collage aus vier Bildern führt wiederum zu der bolivianischen Nachrichtenseite eju.tv, die ebenfalls keine Quelle angibt. 

Da die Quelle der Fotos unbekannt ist, lässt sich kein endgültiger Beweis erbringen, dass sie tatsächlich in Bolivien aufgenommen wurden. Es ist aber wahrscheinlich, dass sie dort aufgenommen wurden und aus dem Sommer 2019 stammen. Hinweise auf frühere Verwendung der Bilder im Netz haben wir nicht gefunden. 

In den letzten Wochen haben andere Nutzer wiederholt veraltete Fotos oder gar nicht aus der Amazonasregion stammende Bilder verbreitet. 

Waldbrände in Bolivien im August 2019

Tatsächlich gab es in Bolivien im August 2019 genau wie in Brasilien viele Waldbrände. Auf Satellitenkarten, die die US-Raumfahrtbehörde Nasa auf ihrer Webseite veröffentlichte, sind die Feuer in Bolivien deutlich zu erkennen.

Satellitenfoto auf der Webseite der US-Raumfahrtbehörde Nasa. (Screenshot: CORRECTIV)

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Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Deutsche Medien haben schon vor dem Facebook-Beitrag über die Waldbrände im Amazonasgebiet berichtet. Die Fotos stammen mutmaßlich aus Bolivien.

Bewertung: falsch

Weltweiter Klimastreik: Foto von vermülltem Park soll Teilnehmer diskreditieren – es entstand aber im April in London

Klimastreik Bild
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Klimastreik Bild
Dieses Foto von April 2019 wird derzeit dazu verwendet, Teilnehmer der Klimastreiks zu diskreditieren. (Screenshot: CORRECTIV)

von Till Eckert

In mehreren Ländern ging das Foto eines verdreckten Parks viral, das angeblich nach den Klimastreiks am vergangenen Freitag entstanden sein soll. Es stammt aber von April und entstand in anderem Kontext.

„So sieht’s aus wenn die dummen Kinder von Deutschland gegen das Klima streiken [sic]“, schreibt ein Facebook-Nutzer in einem Beitrag vom 21. September, einen Tag nachdem weltweit Menschen an Klimastreiks teilnahmen. Dazu veröffentlichte der Nutzer ein Foto, das einen vermüllten Park zeigt. 

Das Bild entstand allerdings nicht, wie der Nutzer suggeriert, bei den Klimastreiks am vergangenen Freitag – und auch nicht in Deutschland. 

Foto geht in mehreren Ländern viral

Laut Guardian ging dasselbe Foto auch in Australien viral. Dabei wurde suggeriert, die australischen Teilnehmer der Klimastreiks hätten einen Park so hinterlassen. 

Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google zeigt, dass dasselbe Foto schon am 21. April mehrfach auf Twitter hochgeladen wurde, zum Beispiel hier und hier.

Ein Tweet vom 21. April mit dem Foto. (Screenshot: CORRECTIV)

In den Tweets steht, dass darauf der Hyde Park in London zu sehen sei. Die Twitter-Nutzer bringen außerdem die Klimaschutz-Bewegung „Extinction Rebellion“ damit in Verbindung, die kurz zuvor eine Veranstaltung dort abgehalten haben soll. 

Das Bild entstand nach einer Veranstaltung, bei der sich Befürworter einer Cannabis-Legalisierung trafen

Aktivisten von „Extinction Rebellion“ haben am Samstag, den 20. April, tatsächlich beim Marble-Arch-Monument in London demonstriert – das direkt neben dem Hyde Park liegt. Das haben unsere französischen Faktencheck-Kollegen von AFP im Mai aufgrund eines viralen englischsprachigen Beitrags mit dem Foto recherchiert. Laut BBC seien dabei 750 Menschen verhaftet worden. Im Park selbst jedoch fand laut einer Facebook-Veranstaltung und Medienberichten zeitgleich eine andere Veranstaltung statt: Hier versammelten sich Teilnehmer für das jährliche „4/20 Smoke-up“, hauptsächlich Befürworter einer Cannabis-Legalisierung. 

Das Magazin Vice veröffentlichte am 23. April Fotos von der Veranstaltung in einem Artikel. Dort ist unter anderem zu sehen, wie hunderte Menschen im Hyde Park sitzen.

Aus einem Artikel der „Vice“: Menschen sitzen am 21. April im Hyde Park. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Bekleidungsmarke „THTC Clothing“ schrieb am 21. April auf Twitter zu dem Foto, dass es den Hyde Park nach der Cannabis-Veranstaltung zeige. 

Am 22. April twitterte „Extinction Rebellion“ selbst dazu, dass es sich dabei „um eine komplett separate Veranstaltung“ gehandelt habe. Mehrere Aktivisten der Bewegung hätten später dabei geholfen, den Hyde Park aufzuräumen, weil „es uns genauso angewidert hat wie euch“. 

„Extinction Rebellion“ am 22. April auf Twitter. (Screenshot: CORRECTIV)

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Der Twitter-Account von „Royal Parks“, einer wohltätigen Organisation, die sich laut eigenen Angaben um acht Londoner Parks kümmert, schrieb am 23. April zu dem Foto: „Es machen heute Morgen viele falsche Informationen auf Twitter die Runde. Dieses Foto ist das Ergebnis einer inoffiziellen Veranstaltung im Hyde Park am Samstag, nicht der #ExtinctionRebellion-Aktivisten beim Marble Arch.“ Damit kann nur die Cannabis-Veranstaltung gemeint sein. 

Der Tweet von „Royal Parks“ am 23. April zu dem Foto. (Screenshot: CORRECTIV)

Es sind auch weitere Fotos aus anderen Blickwinkeln auf Twitter zu finden, die den Müll im Hyde Park zeigen.

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Foto entstand nicht nach den Klimastreiks in Deutschland im September 2019, sondern im April 2019 im Londoner Hyde Park.

Bewertung: falsch

Nein, es gibt kein Gerichtsurteil, das die Forschung von Klimatologe Michael Mann „als Lüge entlarvt“

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Mehrere Webseiten verbreiten falsche Behauptungen über ein angebliches Gerichtsurteil in Kanada. (Symbolfoto: PIRO4D / Pixabay)

von Alice Echtermann

Im Netz wird die Behauptung verbreitet, der Klimatologe Michael Mann habe einen Prozess verloren – und das Urteil widerlege seine Theorie vom Klimawandel. Das ist falsch. Es ging um Verleumdung, und es kam gar nicht zu einem Prozess.

Am 22. August verwarf ein Richter am kanadischen Supreme Court of British Columbia eine Verleumdungsklage, die sich acht Jahre lang hingezogen hatte. Geklagt hatte der Klimatologe Michael Mann gegen den Geologen Timothy Ball. Was wie eine Randnotiz wirkt, zog Ende August und Anfang September zahlreiche Artikel nach sich – auf Deutsch und Englisch. Sie schreiben fälschlicherweise von einem Urteil, das die Forschung Michael Manns über den Klimawandel als „Lüge“ entlarve. 

Die Seite Tichys Einblick titelte: „Gericht urteilt gegen den Schöpfer des Klimawandel-Hockeyschlägers“. Der Text wurde laut dem Analysetool Crowdtangle bereits mehr als 3.100 Mal auf Facebook geteilt.

Weitere Artikel von Achse des Guten („Beweise bitte! – Ein Star der Klimaforschung scheitert vor Gericht“, 1.400 Mal geteilt) und Anonymousnews („Urteil mit Sprengkraft: Gericht entlarvt Lüge vom menschengemachten Klimawandel“, 740 Mal geteilt) stellen den Sachverhalt ebenfalls falsch dar. Der Achgut-Text wurde auch wortgleich auf der Webseite Eike-Klima-Energie veröffentlicht, die den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel leugnet

Der Artikel von Anonymousnews über das angebliche Gerichtsurteil. (Screenshot: CORRECTIV)

In allen Berichten heißt es, Michael Mann habe einen „Prozess verloren“. Achgut schrieb zudem, er müsse die Gerichtskosten tragen. Das Verfahren sei bedeutend, weil sein Ausgang „die Mär vom ausschließlich menschengemachten Klimawandel“ ins Wanken bringe, gemeinsam mit ihrer „graphische[n] Inkarnation, [der] wie ein Hockeyschläger steil nach oben abknickende Temperaturkurve, auch als ‘Hockeystick-Kurve’ einschlägig bekannt geworden.“

Es wird also behauptet, es gebe eine Gerichtsentscheidung, die zeige, dass Michael Manns Forschung und seine „Hockeyschläger-Kurve“ nicht glaubwürdig seien.

CORRECTIV-Recherchen ergeben jedoch: Die Aussagen über das angebliche Gerichtsurteil sind falsch. Das Gericht in Kanada verwarf die Verleumdungsklage, weil das Verfahren sich seit acht Jahren hinzog und es immer wieder zu großen Verzögerungen gekommen war. Es kam gar nicht zu einem Prozess. Das geht aus der Abschrift der mündlichen Entscheidung des Richters hervor, die am 18. September vom Supreme Court veröffentlicht wurde. 

Worin besteht der Konflikt zwischen Mann und Ball?

Der Klimatologe Michael Mann ist Professor an der Pennsylvania State University und der Urheber der sogenannten „Hockeyschläger-Kurve“. Die wissenschaftliche Arbeit dahinter veröffentlichte er erstmals 1998. Darin stellte er die Entwicklung der Erdtemperatur dar. Die Kurve zeigt steil nach oben, weshalb sie ein bisschen aussieht wie ein Hockeyschläger. Die treibende Kraft des Wandels seien im 20. Jahrhundert die Treibhausgase gewesen, schreiben Mann und seine Co-Autoren.  

Die Rekonstruktion der Erdtemperatur von Michael Mann und Raymond Bradley erhielt den Namen „Hockeyschläger-Kurve“. Darstellung im Paper „Northern Hemisphere Temperatures During The Past Millennium“ von 1999. (Screenshot: CORRECTIV)

Timothy Ball – ein pensionierter Professor für Geographie von der University of Winnipeg – bestreitet den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel. Mann verklagte ihn wegen diverser verbaler Angriffe 2011 wegen Verleumdung. Wie der Richter am Supreme Court feststellte: „Der Kläger, Dr. Mann, und der Beklagte, Dr. Ball, haben dramatisch unterschiedliche Meinungen über den Klimawandel. Ich habe nicht vor, auf diese Unterschiede näher einzugehen. Es soll ausreichen, dass der eine glaubt, der Klimawandel sei menschengemacht, und der andere tut das nicht. Als Konsequenz lagen die beiden über viele Jahre beinahe ständig im Konflikt.“

Worum ging es in der Verleumdungsklage?

Im Zentrum der Klageschrift, die CORRECTIV von Manns Anwalt zugeschickt wurde, steht eine Aussage von Timothy Ball in einem Interview 2011. Ball wurde darin auf den sogenannten „Climategate“-Skandal angesprochen und sagte, Michael Mann gehöre ins Gefängnis. Gegen diese Aussage und weitere von Ball richtet sich die Klage.

Auszug aus der Klageschrift, in der steht, Balls Worte seien Verleumdung. (Screenshot: CORRECTIV)

Bei „Climategate“ ging es 2009 um Vorwürfe, Klimawissenschaftler hätten ihre Forschungsergebnisse verfälscht. Die Grundlage waren gehackte E-Mails von Wissenschaftlern der University of East Anglia in Großbritannien. Deren Untersuchungskommission äußerte 2010 eine Rüge wegen mangelnder Transparenz der Wissenschaftler, kam jedoch zu dem Schluss, dass sie im Wesentlichen korrekt gearbeitet hätten (PDF, Seite 11). Auch gegen Michael Mann wurden Vorwürfe erhoben. Diese wurden 2010 ebenfalls durch die Pennsylvania State University entkräftet

Manns Klage richtete sich auch gegen das Frontier Centre for Public Policy (FCPP), ein kanadisches Think-Tank, auf dessen Webseite das Interview mit Ball verbreitet wurde. Diesen Teil des Rechtsstreits regelte Mann im Juni 2019 außergerichtlich – das FCPP äußerte eine Entschuldigung, wie Mann auf Twitter schrieb. Übrig blieb die Klage gegen Timothy Ball. 

Wie entschied das Gericht?

In der mündlichen Begründung der Entscheidung, das Verfahren einzustellen, erklärte der Richter, die jahrelange Verzögerung sei seiner Ansicht nach nicht zu entschuldigen. Es habe mindestens zwei monatelange Zeiträume gegeben, in denen nichts geschehen sei. „Es gibt keine Beweisstücke des Klägers, die die Verzögerung erklären.“ Es scheine, als gebe Mann der Sache keine Priorität. 

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Die Verzögerung sei außerdem in gewisser Weise zum Nachteil des Beklagten, da dieser vier Zeugen hatte anrufen wollen, von denen inzwischen drei gestorben und einer nicht mehr in der Lage sei, zu reisen. Zudem sei auch Ball sehr betagt und bei schlechter Gesundheit. „Die Erinnerungen aller Beteiligten und Zeugen werden verblasst sein, wenn die Sache vor Gericht geht.“ Ein faires Verfahren sei so kaum möglich, deshalb werde es eingestellt. 

Auszug aus der Abschrift der mündlichen Entscheidung des Richters am Supreme Court of British Columbia. (Screenshot: CORRECTIV)

Manns Anwalt bekräftigt, die Berichte seien Falschmeldungen

CORRECTIV hat die Anwälte von Michael Mann und Timothy Ball kontaktiert. Von Michael Scherr – Balls Anwalt – kam bisher keine Antwort. 

Manns Anwalt, Roger McConchie, antwortete per E-Mail: „Die kürzliche Gerichtsentscheidung vom 22. August 2019 war die Antwort auf einen Antrag des Beschuldigten Ball, dass das Verfahren eingestellt werden solle – wegen Verzögerung. Balls Argument, dass der Fall nicht vor Gericht gehen solle, stützte sich stark auf Balls angeblichen Gesundheitszustand. […] Das Gericht kam in keiner Weise zu dem Schluss, dass eine von Balls Verteidigungen Bestand habe, oder dass Dr. Manns Aussagen nicht valide seien.“

Auszug aus der Email von Manns Anwalt, Roger McConchie. (Screenshot: CORRECTIV)

Durch die Einstellung des Verfahrens sei es gar nicht zu einem Prozess gekommen, erklärt McConchie. Deshalb gebe es kein Gerichtsurteil darüber, welche der beiden Parteien Recht habe – und somit keinen „Verlierer“. Wenn der Court of Appeal in British Columbia die Entscheidung des Supreme Court nicht zurücknehme, müsse Ball sich nicht vor Gericht gegen Manns Klage verteidigen. Auf die Frage, worum es in dem Verfahren ging, betont McConchie: „Ob der Klimawandel stattfindet oder nicht, und ob der Mensch dazu beiträgt, war nie ein Thema vor Gericht.“ 

Die Berichte über einen „verlorenen Prozess“, der angeblich den menschengemachten Klimawandel „als Lüge entlarve“, nennt McConchie „böswillige Lügen“.

Weiterer Auszug aus der E-Mail von Roger McConchie. (Screenshot: CORRECTIV)

Zu den Vorwürfen des unwissenschaftlichen Arbeitens gegen Michael Mann schreibt sein Anwalt, Mann habe von Anfang an alle Daten seiner Forschung veröffentlicht, zunächst mit Ausnahme des Computercodes (Quellcode). 2005 habe er den Code jedoch ebenfalls veröffentlicht. Zudem gebe es die Untersuchung der Pennsylvania State University von 2010 zu den Climategate-Vorwürfen gegen ihn. All diese Informationen seien öffentlich zugänglich gewesen, als Ball seine Anschuldigungen gegen Mann machte.  

Auch Michael Mann selbst äußerte sich auf Twitter zu den Berichten über das angebliche Gerichtsurteil gegen ihn. Die Aussagen in den Berichten seien „unwahr“. Die Entscheidung des Gerichts bedeute auch nicht, dass er Balls Kosten übernehmen werde. 

Tweet von Michael Mann am 23. August 2019. (Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Falsch. Es gab keinen Prozess und somit kein Gerichtsurteil gegen den Klimatologen Michael Mann. Das Verfahren wurde wegen Verzögerung eingestellt.

Bewertung: unbelegt

Keine Hinweise, dass diese Bilder verletzter Affen aus Lateinamerika stammen

Bildschirmfoto 2019-09-19 um 16.29.37
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Bildschirmfoto 2019-09-19 um 16.29.37
Facebook-Beitrag vom 27. August 2019: Die Bilder stammen wahrscheinlich nicht aus dem Amazonasgebiet, wie die Nutzerin behauptet. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

In Sozialen Netzwerken teilen Nutzer Bilder von verletzten Affen. Für die Behauptung, es handele sich um Vorfälle im Amazonasgebiet, gibt es keine Belege. Die Bilder wurden wahrscheinlich in Algerien aufgenommen.

Zwei Fotos von Affen mit Verletzungen teilte eine Facebook-Nutzerin am 27. August 2019. Dazu schrieb sie: „Die verbrannten Tiere von am Amazonas [sic]“. Der Beitrag wurde mehr als 9.500 Mal geteilt. Für die Ortsangabe lieferte die Nutzerin jedoch keine Belege. Auch Quellenangaben zu den Fotos fehlen.

Bilder-Rückwärtssuche liefert Hinweise auf Algerien 

Wir haben die Fotos in die Rückwärtssuche verschiedener Suchmaschinen hochgeladen und so den mutmaßlichen Ursprung recherchiert. Lädt man die Fotos zum Beispiel in der Google-Bilder-Rückwärtssuche hoch, ergänzt die Suchmaschine automatisiert Suchbegriffe. In diesem Fall ergänzte Google die Suche für das Bild des Affenpaars mit den Begriffen „feu en kabylie 2019“. Das ist Französisch und heißt übersetzt: „Feuer in Kabylie 2019“. Kabylie ist eine Region in Algerien. 

Eine Google-Bilder-Rückwärtssuche nach einem der Fotos führte zu Hinweisen auf Algerien. (Screenshot: CORRECTIV)

Tatsächlich liegt die automatische Suchwörter-Ergänzung von Google in diesem Fall mutmaßlich richtig. Gleich der erste Treffer ist ein Youtube-Video mit dem Titel: „Kabylie: Plusieurs forêts ravagées par le feu“ (deutsch: „Kabylie: Mehrere Wälder vom Feuer verwüstet“), veröffentlicht am 27. Juli 2019. Darin ist ein Ausschnitt einer Nachrichtensendung des algerisch-französischen Fernsehsenders und gleichnamigen Youtube-Kanals Berbère Télévision zu sehen. In dem Video werden auch die zwei Affen mit dem Jungtier aus dem Facebook-Beitrag gezeigt, allerdings aus einem anderen Winkel fotografiert. 

Youtube-Video des Channels „Berbère Télévision“ (Screenshot: CORRECTIV)

Bolivianische Faktenchecker recherchierten ebenfalls zu den Fotos 

Auch in Bolivien wurden die Fotos aus dem Facebook-Beitrag in Sozialen Netzwerken mit dem fragwürdigen Hinweis verbreitet, es handele sich um Aufnahmen aus der lateinamerikanischen Region. Die Faktenchecker von Bolivia Verifica veröffentlichten dazu am 2. September 2019 einen Artikel und kamen zu dem Schluss, es handele sich nicht um Bilder aus Bolivien. Sie verwiesen zum Ursprung der zwei Fotos auf die algerischen Nachrichtenseiten Ennahar-Online und Le Matin d’Algerie

Tatsächlich zeigt Ennahar-Online das Foto aus dem Youtube-Video und das aus dem Facebook-Beitrag, auf dem jemand den Affen in den Händen hält. Le Matin d’Algerie zeigt das andere Foto aus dem Facebook-Beitrag. Beide Redaktionen nennen jedoch keine Quellenangabe. 

Am 1. August 2019 veröffentlichte auch die Webseite MaghrebOrnitho einen Artikel mit den Fotos der verletzten Affen und der Überschrift: „Barbary macaques burnt alive by Algeria wildfires“ (deutsch: Berberaffen lebendig verbrannt bei Waldbränden in Algerien). Als Belege führt die Seite Berichte der Nachrichtenagentur Algérie Presse Service vom 26. Juli 2019 und der Webseite El Watan vom 28. Juli 2019 an. 

Tatsächlich berichteten sowohl die algerische Nachrichtenagentur als auch El Watan in den Artikeln über Affen, die durch die Waldbrände getötet worden seien. Algérie Presse Service schreibt: „[…] sowie in Tikjda, wo mehrere Magotaffen und andere Tierarten durch die Flammen ums Leben gekommen sind […]“ (übersetzt aus dem Französischen). El Watan berichtete: „Dutzende von Tieren der Berberaffen, allgemein als Magot bekannt, und andere Arten sind umgekommen“ (übersetzt aus dem Französischen). 

Zwar berichten beide Seiten über getötete Affen, zeigen jedoch keine Bilder davon. Damit lässt sich kein endgültiger Beweis erbringen, dass die Fotos tatsächlich in Algerien aufgenommen wurden. Es ist aber wahrscheinlich. Wir haben außerdem keine Hinweise darauf gefunden, dass die Fotos, wie behauptet, in Lateinamerika entstanden sein könnten. 

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Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt keine Belege oder Hinweise, dass die Fotos in Lateinamerika entstanden sind. Wahrscheinlich wurden sie in Algerien im Sommer 2019 aufgenommen.

Bewertung: größtenteils richtig

Ja, in Berlin werden Elektro-Roller zum Aufladen auch durch Fahrzeuge mit Dieselmotoren eingesammelt

e-scooter titelbild
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Seit Juni 2019 werden Elektro-Roller in deutschen Städten bereitgestellt. (Symbolfoto: Unsplash / Marek Rucinski)

von Philip Steeg

In einem Facebook-Beitrag, der derzeit häufig geteilt wird, wird behauptet, dass in Berlin jeden Abend Elektro-Roller zum Aufladen durch Dieselfahrzeuge eingesammelt würden. Dass zum Transport der E-Scooter teilweise Fahrzeuge mit Dieselmotor eingesetzt werden, ist richtig. 

In einem Facebook-Beitrag vom 23. August heißt es: „Berlin 1600 E-Scooter werden jeden Abend zum Aufladen mit 48 Kleinbustouren eingesammelt. Das ist ‘grüne’ Umweltpolitik’“. Der Beitrag wurde bisher mehr als 19.000 Mal geteilt.

Der Facebook-Beitrag wurde mittlerweile fast 20.000 Mal geteilt (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Eine Recherche von CORRECTIV zeigt: Dass Elektro-Roller durch Fahrzeuge mit Dieselmotoren eingesammelt werden, ist richtig. Für die angegebenen Zahlen gibt es allerdings keine Belege.

Wie werden die Elektroroller eingesammelt? 

In Berlin gibt es laut Hauptstadtportal momentan fünf verschiedene Anbieter der ausleihbaren Elektro-Scooter: Bird und Lime (zwei US-amerikanische Firmen), Voi (ein schwedisches Start-Up) Circ (ein Unternehmen aus Luxemburg) und Tier (ein Start-Up aus Berlin selbst). 

Um zu erfahren, wie diese fünf Firmen ihre Elektro-Roller aufladen und transportieren, hat CORRECTIV per Mail Anfragen an die jeweilige Pressestelle der Unternehmen gesendet.

  • Der Pressesprecher von Circ schreibt auf CORRECTIV-Anfrage, das Unternehmen nutze „18-20 Mercedes Sprinter Transporter (2019 Modelle).“ 
  • Bei Voi wird der Transport von externen Partnerfirmen übernommen, wie der Pressesprecher des Konzerns mitteilt. Dabei seien „bezogen auf Berlin immer im Schnitt ca. 2-4 Vans unterwegs. Diese nutzen größtenteils Verbrennermotoren“. 
  • Die Kommunikationsagentur von Bird teilt ohne Angabe der Fahrzeug-Anzahl mit, dass „derzeit […] die Roller mit handelsüblichen Transportern [eingesammelt werden]“. 
  • Das Berliner Start-Up Tier verwendet „pro Nacht zwischen 26 und 30 Vans. Dies sind überwiegend Dieseltransporter.“ 
  • Der Pressesprecher der Firma Lime gibt an, dass das Stammteam einen Elektro-Transporter nutze. Zusätzlich werden zum Laden der Elektro-Scooter ebenso externe Selbstständige beschäftigt. Diese „können für den Transport der E-Scooter ein Fahrzeug ihrer Wahl nutzen […]“. Wie viele Selbstständige das Team der Festangestellten ergänzen, sei von Tag zu Tag unterschiedlich. 

Dass es Dieselfahrzeuge sind, wird nicht von allen Firmen explizit bestätigt. Allerdings werden von allen E-Scooter-Sharing-Diensten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor genutzt. 

Wie viele Dieselfahrzeuge jeden Abend verwendet werden, ist nicht eindeutig zu beziffern. Auch deshalb, weil die Nutzung der Sharing-Angebote von Tag zu Tag variiert. 

Auch die Gesamtzahl der in Berlin von allen fünf Anbietern zur Verfügung gestellten Elektro-Scooter ist nicht genau zu ermitteln. Der Pressesprecher von Lime möchte die Anzahl der Roller aus Wettbewerbsgründen nicht nennen. Alle anderen Anbieter machten hierzu gegenüber CORRECTIV Angaben. Insgesamt stehen demnach in Berlin mindestens 7.200 Scooter zur Verfügung. 

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Die Grünen stecken nicht hinter der Zulassung der E-Roller

Die E-Scooter dürfen seit Inkrafttreten der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung vom 15. Juni 2019 und der allgemeinen Betriebserlaubnis für die einzelnen Elektro-Roller-Typen im Straßenverkehr genutzt werden. Durch diese beiden Rahmenbedingungen wurde es den Sharing-Diensten von Elektro-Rollern ermöglicht, auch in deutschen Städten ihre Produkte anzubieten. 

Sowohl für die Verordnung als auch für die Betriebserlaubnis ist das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur zuständig. Dieses Ministerium wird vom CSU-Politiker Andreas Scheuer geleitet. Der Minister hatte sich laut Medienberichten vehement für die schnelle Zulassung der Scooter eingesetzt – als Alternative zum Auto oder Motorroller, um die Verkehrswende voranzubringen, wie es von Seiten des Ministeriums heißt. 

Wie viele Menschen in Berlin aufgrund der angebotenen Elektroroller auf eine Fahrt mit dem Auto verzichten, ist unklar. Eine Mobilitätsstudie der französischen Agentur 6T für Paris zeigt allerdings, dass zumindest in der französischen Hauptstadt die erhofften Effekte ausgeblieben sind. Demnach sind die Sharing-Angebote hauptsächlich für Touristen attraktiv. 

Auch die Grünen haben die Zulassung von Elektrokleinstfahrzeugen generell befürwortet. Matthias Gastel, Bundestagsabgeordneter der Grünen, setzte sich zum Beispiel in einem Gastbeitrag für Spiegel Online für die Roller ein.

Subventionen von staatlichen Stellen beziehe aber keiner der Anbieter, berichten alle Pressesprecher der Sharing-Dienste übereinstimmend. Die Pressesprecherin des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur gibt auf schriftliche Anfrage von CORRECTIV ebenfalls an, dass die Verleiher nicht durch Mittel des Bundes gefördert werden.

Auch der Sprecher der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz schreibt in einer Mail, dass die Betreiber der Elektro-Scooter „nicht öffentlich gefördert werden“. Außerdem unterliegen die Sharing-Dienste nach seinen Angaben keiner weiteren Genehmigungspflicht. „Die Verleiher können im Rahmen des Gemeingebrauchs öffentliche Straßen nutzen“. Weiter stellt der Sprecher klar: „Es handelt sich um ein Angebot des freien Marktes.“ 

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Dass E-Scooter in Berlin auch durch Dieselfahrzeuge eingesammelt werden, ist richtig. Wie viele genau dafür täglich im Einsatz sind, ist nicht belegbar. Mit einer 'grünen Umweltpolitik' allein lässt sich die Einführung der Roller nicht erklären.