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Neuigkeiten zu CORRECTIV

Wir informieren Sie hier regelmäßig über Veränderungen und News zu unserer Arbeit, berichten Neuigkeiten aus unserem Team oder weisen auf interessante Events und Veranstaltungen hin.

Aus der Geschichte des verhafteten Journalisten in der Türkei wird eine globale Erzählung: Peter Hamilton Dyer spielt Can Dündar.© Royal Shakespeare Company

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Verräter allerorten

Die Royal Shakespeare Company zeigt derzeit die Geschichte des türkischen Journalisten Can Dündar als Theaterstück. Dündar musste 2015 wegen kritischer Berichterstattung ins Gefängnis und lebt heute im Exil in Deutschland. Für die Theatermacher bietet sein Fall viel Stoff für provokante Fragen an die Gesellschaft.

von Marta Orosz

Die letzten drei Jahre waren für den türkischen Journalisten Can Dündar turbulent: er wurde wegen seiner Recherchen verhaftet, mit absurden Vorwürfen vor Gericht gezerrt und ins Exil vertrieben. Die traditionsreiche Royal Shakespeare Company hat Dündars Geschichte jetzt in Stratford-upon-Avon, dem Geburtsort von Shakespeare, auf die Bühne gebracht.

#WEAREARRESTED heißt das Stück, nach dem Tweet, den Dündar bei seiner Verhaftung noch absetzen konnte. Es ist noch bis zum 23. Juni auf dem Theaterfestival Mischief zu sehen.

Heute ist Dündar Chefredakteur der türkischsprachigen Redaktion des Recherchezentrums Correctiv, genannt Özgürüz, wir sind frei. Zu seiner Zeit als Chefredakteur der türkischen Zeitung Cumhürriyet enthüllte Dündar, wie die türkische Regierung Waffen und Sprengstoff an islamistische Gruppen in Syrien lieferte. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan ließ ihn daraufhin verhaften, Dündar saß wegen des Vorwurfs der Spionage und Unterstützung von Terrorismus für drei Monate im Gefängnis.

„Wir erleben, wie sich die Demokratie verändert“

Für die Royal Shakespeare Company ist die Geschichte eine der großen Erzählungen, mit denen das Theater sein Shakespeare-Repertoire ergänzt und an den Debatten der Gegenwart teilnehmen will. Regisseurin Sophie Ivatts beobachtet im Zuge des EU-Austritts Großbritanniens, wie der Raum für öffentliche Debatten immer kleiner wird.

„Seit zehn Jahren erleben wir – vielleicht auf eine viel subtilere Weise als in der Türkei –, wie sich unsere Demokratie verändert, weg von einer sozialen Demokratie in Richtung eines sehr polarisierten Landes, sowohl was die politische Meinung als auch den Wohlstand betrifft“, sagt Ivatts.

Auf der Bühne des Royal Shakespeare Theaters wird weder der Name des türkischen Präsidenten Erdoğan noch die Türkei genannt. Die Dramaturgin Pippa Hill extrahierte aus der Geschichte Dündars die universelle, menschliche Geschichte eines verhafteten Journalisten. Der Hauptdarsteller begibt sich auf eine emotionale Reise und macht auf den politischen Kontext aufmerksam: „Die Verquickung des Politischen mit dem Emotionalen fanden wir sehr spannend: Unser Ziel war es, den politischen Kontext zusammen mit seinen persönlichen Konsequenzen zu zeigen.“ Für die Theaterkritikerin der britischen Tageszeitung „The Guardian“ ist das Stück „ein einfacher, direkter Weg, um uns darauf aufmerksam zu machen, dass die Ereignisse in der Türkei überall eintreten könnten.“

Die Royal Shakespeare Company führt das Stück #WEAREARRESTED in ihrem Saal The Other Place auf. Die Einrichtung mit der Bühne in der Mitte, wie es zu Zeiten Shakespeares üblich war, lässt den Zuschauer intensiv an einer Redaktionskonferenz in Dündars ehemaliger Zeitung oder an seinem Alltag in Einzelhaft teilhaben.

Hauptdarsteller Peter Hamilton Dyer führt durch die Ereignisse: von der Entscheidung der Zeitung, die brisanten Filmaufnahmen der Waffenlieferungen nach Syrien zu veröffentlichen über die Verhaftung bis hin zum Exil des Journalisten in Deutschland. Szenen mit seiner Familie und aus der Haft färben die Erzählung, die sprachlich den Worten Dündars in seinem Buch „Wir sind verhaftet“ treu bleibt.

„Can Dündar ist ein unfreiwilliger Held in dieser Erzählung“, sagt der Schauspieler Dyer. „Wenn er könnte, würde er das Ganze anders haben.“

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Das Theater hat den Fall Dündar aus einer auf die Türkei bezogenen Geschichte in eine globale Erzählung verwandelt. Nach der Premiere des Stückes traf eine Besucherin auf den Hauptdarsteller und erzählte, dass ihr Vater ein politischer Gefangener im Sudan gewesen sei. „Die Frau wusste kaum etwas darüber, was ihr Vater vor Jahrzehnten im Gefängnis erlebt hat“, erzählt Dyer. „Und jetzt, viele Jahre später, schaute sie sich ein Stück an, basiert auf türkischen Erfahrungen, inszeniert von einem britischen Ensemble und porträtiert von einem englischen Schauspieler. Diese Geschichte half ihr, ihren Vater besser zu verstehen.“

Resonanz in Großbritannien

Das Stück betont die Bedeutung von Pressefreiheit und die Rolle von Journalisten als Gegengewicht zu den Mächtigen. Die würden viele in Großbritannien nicht in Frage stellen. Es ist aber eine andere Frage, die Regisseurin Ivatts an das heutige Großbritannien stellen möchte: „Was ist Dein persönlicher Bezug zum Patriotismus und was bedeutet Patriotismus für Dich?“

Denn viele seiner Landsleute sehen in Can Dündar einen Verräter wegen seiner Veröffentlichungen und seinem Kampf für die Pressefreiheit. Einen ähnlichen Fall gab es auch in der aufgeheizten politischen Atmosphäre rund um den Brexit.

Die Unternehmerin Gina Miller erstritt 2016 in einer Klage, dass das britische Parlament beim EU-Austritt des Landes ein Mitspracherecht hat. „Gina Miller hat vor dem Gericht Recht bekommen, das Parlament muss über den Brexit abstimmen – dennoch hat ein Großteil der britischen Presse sie als Verräterin bezeichnet“, sagt die Regisseurin Ivatts.

Sie verweist auch auf die Ermordung der britischen Abgeordneten Jo Cox ebenfalls im Jahr 2016, die sich offen für den Verbleib des Landes in der EU und für liberale Werte aussprach. „Für mich ist das eine gewaltige Abkehr von der Demokratie, die quasi unbemerkt vonstatten geht.“

Die Wirtschaftszeitung „Financial Times“ geht in einer Kolumne über das Stück noch einen Schritt weiter und sieht bereits eine Gewöhnung an die neuen, repressiven Zustände.

„Die Botschaft scheint ja nicht zu sein, dass diese Ereignisse abscheulich wären, sondern eher, dass wir uns dieser Vorkommnisse auf noble und selbstgefällige Weise bewusst sind,“, schreibt die „Financial Times“ (Bezahlschranke).  FT.com.

Das Stück endet mit einer Szene in Berlin: Can Dündar sitzt in einem Cafe und merkt, dass er von Erdoğan-Anhängern umgeben ist. Auch in Deutschland muss Dündar noch um sein Leben fürchten.

„Am Ende wurde ich freigelassen – die Gesamtsituation hat sich aber keineswegs verändert, weil 150 weitere Personen immer noch im Gefängnis sind. Mir müssen also was tun!“, sagt Dündar.

Zwei der vielen Besucher auf dem Campfire-Festival für Journalismus und digitale Zukunft.© Ivo Mayr / Correctiv

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Sonne, Zelte, Journalismus: unser Festival

Wochenlang starrten wir auf die Wetter-App. Es half: es gab Sonne satt bei unserem zweiten Campfire-Festival in Düsseldorf. Gut 11.000 Besucher kamen, um über Journalismus und unsere digitalisierte Gesellschaft zu diskutieren. Wir sind beigeistert: Der direkte Austausch funktioniert.

von David Schraven , Marta Orosz

Wir sitzen im Kreis in einem der 18 Zelte am Düsseldorfer Landtag und wollen eigentlich über uns selbst reden: Über die Konkurrenz im Mediengeschäft. Zwei Journalistinnen vom Collectext, ein junges Kollektiv von freien Reporterinnen, suchen den richtigen Umgang mit dem harten Wettbewerb in der Branche. Menschen bleiben stehen, die beruflich nichts mit Journalismus zu tun haben.

Sie beschäftigen sich mit ganz anderen Fragen. „Wie kann man denn noch der Berichterstattung trauen, wenn Journalisten doch auch durch ihren eigenen politischen Präferenzen geprägt sind?“ fragt ein Herr. Die Frage regt zur Debatte an. Hier im kleinen Kreis in einem Festivalzelt unter dem Rheinturm können wir auf Augenhöhe reden.

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Das Campfire-Zeltdorf auf der Rheinwiese vor dem Düsseldorfer Landtag

Ivo Mayr / Correctiv

„Natürlich gibt es eine persönliche Haltung oder sogar einen eigenen Bezug zu vielen Themen, die wir bearbeiten – wie in jedem anderen Beruf auch“, sind wir uns einig. „Doch im guten Journalismus stellen eindeutige handwerkliche Regeln sicher, dass nicht die persönliche Präferenzen der Reporter die Berichterstattung prägt“, sagen die Journalisten im Kreis.

Es ist eine Gesprächssituation, wie wir sie sonst in den Kommentaren unter unsere Artikel oder in sozialen Medien führen – doch hier können wir direkt mit den Menschen sprechen. Die Gräben werden zugeschüttet. Vertrauen aufgebaut.

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In achtzehn Zelten gab es drei Tage lang Diskussionen, Workshops und Lesungen für alle, die Interesse am Journalismus, digitale Themen oder einfach am Austausch haben

Ivo Mayr / Correctiv

„Den Besuchern gefällt die Mischung und der Blick hinter die Kulissen“, berichtet der Deutschlandfunk später über das Festival und findet, dass mit dem Campfire Festival einen ersten Schritt zur Wiederannäherung von Medien und Gesellschaft erfolgt ist. Es ist das Wochenende, an dem am anderen Ende der Republik, in Chemnitz, Journalisten von rechten Demonstranten angegriffen werden.

In den achtzehn Zelten am Platz des Landtags an den drei Spätsommertagen passiert genau das, was wir Medienmacher unter uns an Podiumsdiskussionen und in Feuilletons seit Jahren für den Weg aus der Vertrauenskrise halten: Das Gespräch zu unserem Publikum zu suchen und mit ihnen einen ehrlichen Austausch führen.

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Der Künstler El Marto aus Burkina Faso zeichnete mit Schülern

Ivo Mayr / Correctiv

Der Einladung gefolgt sind auch Medienmacher, wie der Ex-BILD-Chef Kai Dieckmann oder der ehemalige Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart. Steingart erinnert im Gespräch gleich zum Auftakt des Festivals daran, dass die Menschen viel mehr Transparenz von den Medien verlangen – und das bedeutet auch zu wissen, wer hinter den einzelnen Veröffentlichungen als Autor steht. „Das sind wir den Lesern schuldig“, sagt er.

Wie viel Verantwortung tragen die Medien für den Aufstieg der AfD? Auch diese Frage wurde diskutiert. „Journalisten müssen näher an die Leute rangehen und sich der inhaltlichen Auseinandersetzungen stellen“, sagte dazu CORRECTIV-Geschäftsführer David Schraven.

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Daniel Moßbrucker von Reporter ohne Grenzen gibt Tipps zur sicheren digitalen Kommunikation – nicht nur für Journalisten

Ivo Mayr / Correctiv

Viele Reporter kamen zum Festival, um genau über solche Erlebnisse zu berichten: Wie etwa über die Gangsta-Rap-Szene, die im Kulturjournalismus kaum Beachtung bekommt, während die Jugendliche in diesem Land die oft umstrittenen Zeilen der Rapper millionenfach streamen. Oder wie Hüdaverdi Güngör, Volontär bei CORRECTIV, der für eine Video-Serie „Auf eine Shisha mit…“ Menschen trifft, die über ihre eigene Erfahrungen mit Integration berichten.

Auf dem Festival traten nicht nur im Medienzirkus bekannte Gesichter auf, sondern auch Ali Can, Gründer der „Hotline für besorgte Bürger“ oder Volker Huß, von der Gewerkschaft der Polizei NRW. Er diskutierte mit Tania Röttger, Leiterin der Faktencheckredaktion CORRECTIV von CORRECTIV und mit dem Spiegel-Reporter Jörg Diehl über Panikmache, Fake News in den sozialen Medien und über die gefühlte und tatsächliche Sicherheit in Deutschland – Themen, die in den vergangenen Jahren die Öffentlichkeit stark polarisiert haben. Die Gespräche blieben laut unserem Medienpartner Rheinischen Post „ruhig, sachlich, konstruktiv und stets mit einem zuversichtlichen Blick nach vorne.“

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Eine gute Mischung aus Festival-Stimmung und Zukunftsthemen

Ivo Mayr / Correctiv

Dass der digitale Wandel nicht nur für den Journalismus, sondern für alle eine alltägliche Herausforderung darstellt, zeigte auch das große Interesse am Gespräch mit Guido Bülow, der Europa-Chef für Medien bei Facebook über die Verantwortung eines des größten und einflussreichsten Internetkonzerns.

Vor einem Jahr hatten wir Pech: die erste Ausgabe des Journalismus-Festival war nach tagelangem Regen im Schlamm versunken. Vielleicht hatte dieses Jahr El Marto die Sonne mitgebracht. Der Künstler reiste aus Ouagadougou in Burkina Faso an, um seine Graphic Novel „Made in Germany: Ein Massaker im Kongo“ vorzustellen und Workshops im Zeichnen anzubieten. Eine nicht ganz so weite Anreise hatte Zubeyde Sarı, die Co-Chefredakteurin unserer türkischsprachigen Redaktion #ÖZGÜRÜZ. Sie erzählte, wie sie erst Tage zuvor im Tränengas über eine Demonstration in Istanbul berichtet hatte.

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„Tut was!“ – Can Dündar von #ÖZGÜRÜZ fordert von Europa mehr Engagement für die Demokratie.

Ivo Mayr / Correctiv

Das Campfire-Festival. Das waren drei Tage vor dem Landtag am Rhein. Friedlich, ruhig und freundlich. Wir hatten über 250 Speaker, Workshops, Diskussionen und Gesprächsrunden.

Es war ein Aufbruch. Für uns bei CORRECTIV ist ein Traum in Erfüllung gegangen.

Genauso hatten wir uns das Leben in unserem kleinen Zeltdorf vorgestellt: offen und transparent; zugänglich und freundlich.

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Ivo Mayr / Correctiv

Wir sind sehr froh, dass wir für diesen Traum Partner gefunden haben. Allen voran ist sipgate zu nennen. Direkt bei dem ersten Gespräch hat es gefunkt. Wir haben die gleiche Vision: Wir wollen eine offene, transparente und selbstbestimmte Welt. Als Hauptsponsor hat sipgate das Festival möglich gemacht. Als Partner etliche Panel bespielt. Wir sagen: DANKE!

Dann müssen wir auch der Rheinischen Post danken. Als wir aus Dortmund weggegangen sind, hat Michael Bröker spontan zugesagt, in Düsseldorf mitzumachen. Und es ist toll geworden. Die Rheinische Post hat sich reingehängt. Ein Zirkuszelt auf den Platz gestellt, eine Liveredaktion aufgebaut und etliche spannende Talks organisiert. DANKE!

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Und dann möchten wir der Stadt Düsseldorf danken! Unkompliziert und entgegenkommend hat sie dem Campfire-Festival den Ort gegeben: Oberbürgermeister Thomas Geisel hat den Weg zum Bürgerpark spontan frei gemacht. DANKE!!

Dann noch ein großes DANKE! an all die anderen Partner und Freunde, wie den Ankerherz-Verlag, mit dem wir den Namen ausgeknobelt haben.

Das Campfire-Festival gehört uns, es gehört Euch allen. Wir freuen uns auf das nächste Jahr!

DANKE AN EUCH ALLE!!

Neues Führungsteam: Ruth Fend und Frederik Richter (oben) ergänzen die Chefredaktion, Anne-Lise Bouyer und Tania Röttger leiten das Tech-Team und die Faktencheck-Redaktion ECHT JETZT.© Ivo Mayr / CORRECTIV

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CORRECTIV erweitert sein Führungsteam

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Das Recherchezentrum CORRECTIV baut sein Führungsteam aus.

Um die wachsende Anzahl an langfristigen und umfangreichen Recherchen bewältigen zu können, wird die Leitung der CORRECTIV-Redaktion erweitert. Ab dem 1. September 2018 werden Ruth Fend und Frederik Richter stellvertretende Chefredakteure. Ruth Fend kommt neu zu CORRECTIV. Anfang Februar war bereits Oliver Schröm als Chefredakteur bei CORRECTIV eingestiegen.

„Ich freue mich sehr, dass wir Ruth Fend für CORRECTIV gewinnen konnten. Zusammen mit Frederik Richter habe ich nun zwei erfahrene Journalisten an meiner Seite in der Chefredaktion. Das ist großartig!“, sagt Oliver Schröm.

Ruth Fend war zuletzt zwei Jahre lang Chefredakteurin der Gruner+Jahr-Magazine Neon und Nido. Zuvor führte sie die Redaktion des Wirtschaftsmagazins Business Punk. Davor war Ruth Fend für Capital und Financial Times Deutschland tätig, davon zweieinhalb Jahre als Korrespondentin in China. Ruth Fend hat in Boston und Genf Internationale Beziehungen studiert.

Frederik Richter ist seit drei Jahren bei CORRECTIV. Neben seiner Reportertätigkeit mit dem Schwerpunkt Korruption und internationale Recherchen nahm Frederik Richter seit Anfang des Jahres die Funktion als geschäftsführender Redakteur wahr.

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Vor seiner Zeit bei CORRECTIV berichtete er zehn Jahre lang als freier Journalist und Korrespondent der Nachrichtenagentur Reuters aus dem Nahen Osten und aus Südostasien.

Neben der Chefredaktion stärkt CORRECTIV außerdem zwei seiner Schwerpunkte mit einer Teamleitung. CORRECTIV sieht den Kampf gegen Desinformationen und Fake News als wichtige Aufgabe an und hat dafür die Factchecking-Redaktion ECHT JETZT gegründet.

Seit wenigen Wochen leitet Tania Röttger diese Redaktion. Tania Röttger hat nach Studium der Sozial- und Kulturwissenschaften bei der Request Initiative in London gearbeitet. Nach anschließendem Volontariat bei CORRECTIV arbeitete sie als Redakteurin für das Recherchezentrum, mit dem Spezialgebiet Auskunftsrecht.

Seit Gründung spielen datenjournalistische Methoden eine zentrale Rolle bei den Recherchen von CORRECTIV. Anne-Lise Bouyer verantwortet seit kurzem als Leiterin des Tech-Team die datenjournalistischen Projekte und Entwicklungen bei CORRECTIV. Sie ist seit September 2017 bei CORRECTIV, zunächst als Projektmanagerin.

Nach ihrem Studium der Informatik arbeitete sie in verschiedenen Agenturen und Technologie-Start-Ups sowie bei OWNI.fr, dem Pariser News Start-Up und Pionier des Datenjournalismus in Frankreich. Anschließend war sie Mitgründerin der Agentur „Journalism++“ und koordinierte Projekte wie „Migrants Files“, Gewinner des European Press Prize und des Datajournalism Award.

Die aktuellen Veränderungen kommentiert Simon Kretschmer, Geschäftsführer CORRECTIV: „Wir stehen für einen unabhängigen und datenorientierten investigativen Journalismus, der die Bürger einbezieht, aufklärt und ausbildet. Jetzt konnten wir unser Team ideal ergänzen und organisatorisch so aufstellen, dass wir mit großer Leidenschaft und den passenden Kompetenzen unseren Ansatz verfolgen können.“ 

Simon Kretschmer

Simon Kretschmer© Christoph Neumann

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CORRECTIV baut Führung aus

Das Recherchezentrum CORRECTIV erweitert seinen Führungskreis: Simon Kretschmer wird ab Mai 2018 weiterer Geschäftsführer von CORRECTIV. David Schraven bleibt ebenfalls Geschäftsführer. Anfang Februar war bereits Oliver Schröm als Chefredakteur bei CORRECTIV eingestiegen.

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von David Schraven

„Wir sind sehr froh, Simon Kretschmer für CORRECTIV gewonnen zu haben. Simon ist ein erfahrener Medienmanager und hat renommierte Medienmarken sehr erfolgreich geführt, er kann Organisationen groß machen“, sagt David Schraven.

CORRECTIV wird sich in Zukunft sowohl auf lokale als auch internationale Themen fokussieren, die für die gesamte Gesellschaft wichtig sind. Von internationalen Steuerverbrechen über die Auswirkungen des Klimawandels vor Ort bis hin zur Frage bezahlbaren Wohnraums in deutschen Städten. „Wir wollen uns um Aspekte kümmern, die Auswirkungen auf die Entwicklung der Freiheit und Demokratie in Deutschland und Europa haben“, sagt Simon Kretschmer. „Das ist alles nicht voneinander zu trennen. Dabei soll CORRECTIV nicht nur die Probleme beschreiben, die vor uns liegen, sondern auch dabei helfen, Lösungen zu finden.“

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CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

Als Geschäftsführer von CORRECTIV wird sich Simon Kretschmer um die Geschäftsentwicklung sowie den strategischen und organisatorischen Ausbau des Recherchezentrums kümmern. David Schraven bleibt Publisher und zeichnet für die inhaltliche Strategie verantwortlich.

Simon Kretschmer hat in Kassel, London und Kapstadt Wirtschaftswissenschaften studiert und in Sydney und Seoul gearbeitet. Seine Karriere bei Gruner+Jahr führte ihn in die Verlagsleitung des stern, wo er für unterschiedliche print und digitale Marken zuständig war. Im Oktober 2013 ging Simon Kretschmer für G+J nach Berlin und war zuletzt als Publisher und Geschäftsführer für Capital, Business Punk, 11Freunde und NoSports tätig. CORRECTIV ist Simon Kretschmer bereits seit Sommer 2017 als Mitglied des Kuratoriums verbunden.

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CORRECTIV-Bookzine #5 – Gemeinsam stark.

Ein 230-Seiten starkes Magazin im Hardcover – kurz Bookzine. In dem Format veröffentlicht CORRECTIV seine besten Recherchen für Mitglieder und Interessierte auf Papier. Die kommende Ausgabe zum Oberthema Mensch erscheint Ende April. Dieses Mal mit einem besonderen Dreh: Entstanden ist es mit jungen Design-Studenten aus Hamburg.

von Bastian Schlange

CORRECTIV steht für gemeinnützigen Journalismus, für aufwendige Investigativ-Recherchen, für eine Möglichkeit, die Lücken unseres krankenden Mediensystems zu füllen. Aus unserer wirtschaftlichen Unabhängigkeit erwachsen aber nicht nur Möglichkeiten, sondern auch Verpflichtungen.

CORRECTIV muss seine Spielfläche jenseits der Auflagenzwänge und Verlagsinteressen nutzen, um den Journalismus weiter zu entwickeln. Wir müssen experimentieren und neue Stimmen für journalistische Inhalte finden, um mehr Menschen zu erreichen – lautere, gefühlvollere, intensivere Stimmen.

Das machen wir auf vielen Feldern. Im kommenden Bookzine veröffentlichen wir die originale Spielfassung der „Schwarzen Flotte“, eines Theaterstücks, das Kay Voges auf der Bühne des Schauspielhauses Dortmund inszeniert hat. Für die Inszenierung hat die Autorin Anne-Kathrin Schulz eine sechsmonatige CORRECTIV-Recherche zu den Schlepperbanden des Mittelmeeres in Form eines – wie wir finden –begnadet geschriebenen Monologes für ein ganz neues Publikum aufbereitet.

Fünf Minuten Gespräch

Der Zuschauer folgt dem Reporter bei seiner Suche nach der Wahrheit. Und genau darauf kommt es letztendlich an. Journalismus als Theaterstück. Als Comic. Als Festival. Als Rock’n’Roll. Oder eben als Bookzine.

Die Gestaltung des neuen Bookzines ist mit Studenten entstanden, mit jungen kreativen Menschen des Designfachbereiches der HAW, einer öffentlichen Fachhochschule im roten Klinkerbau eines ehemaligen Geburtenkrankenhauses in Hamburg. Für kleinere Illustrierungen arbeiteten wir bereits im vergangenen Jahr mit HAW-Studenten zusammen. Im Sommer 2017 dann habe ich Prof. Reinhard Schulz-Schaeffer angerufen, den Fachgruppenleiter Design. Ich erzählte ihm von der Idee, das kommende Bookzine zusammen mit seinen Studenten zu erarbeiten.

Nach nicht einmal fünf Minuten Gespräch – und etwa drei Wochen vor Semesterende – sagte er uns für das folgende Semester einen kompletten Kurs zu. Eine klare, schnelle Entscheidung. Und dann machen. Das war der erste Schritt unserer Zusammenarbeit und letzten Endes der rote Faden, der sich durch die vergangenen Monate zog.

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Eine engere Verknüpfung

Das kommende Bookzine fasst die Semesterarbeiten von rund zwei Dutzend Studenten, die wir redaktionell begleitet haben, mit denen wir Ideen entwickelt und neue Wege bestritten haben. Wir haben eine engere Verknüpfung zwischen Journalismus und Visualisierung gesucht. Wir haben Illustratoren nicht einfach mit Grafiken beauftragt, sondern mit ihnen gemeinsam Geschichten erdacht. Die Inhalte dieses Bookzine basieren auf CORRECTIV-Recherchen, entstanden sind so aber völlig neue Geschichten.

Der Fall der gepanschten Krebsmittel aus der Alten Apotheke in Bottrop wird in Schrift und Bild erzählt, ein persönlicher Aspekt unserer Recherche zu den steigenden Meeresspiegeln aufgegriffen und unsere Serie zum Leben in deutschen Gefängnissen als Grundlage für eine 20-seitige Grafische Reportage genutzt. Ganze Themenschwerpunkte wie zum Beispiel zu Nitratbelastungen oder Minijobs werden allein in Grafikstrecken erzählt.

Die Studenten sind mit anderen Augen an die Themen gegangen, mit Unbefangenheit, eigenen Blickwinkeln und Denkansätzen. Ein Potenzial, das in vielen Redaktionen nicht erkannt oder genutzt wird. Das Ergebnis sind Synergien und Symbiosen. Wir haben viel gelernt. Ebenso die Studierenden. Und am Ende stehen weit mehr als journalistische Inhalte und Illustrationen allein.

Gemeinsam geschafft

Es sind grafische Erzählungen geworden – basierend auf Daten oder Schicksalen. Und damit haben wir uns auch in unserem Oberthema gefunden: Mensch. Denn Mensch zu sein, bedeutet weit mehr als nur Körper und Geist – wie die beiden großen Kapitel der kommenden Ausgabe heißen. Am Ende kommt es auf die Einheit an. Das ist wichtig zu begreifen. Und das haben wir gemeinsam mit den Studenten der HAW geschafft.

Ich freue mich sehr darauf die kommende Ausgabe in Händen zu halten und danke allen Studenten für ihre großartigen Arbeiten und ihr Engagement. Besonders danke ich Reinhard, der das gezeigt hat, was ich unter den Akademikern meines Studiums immer vermisst habe: Biss.

CORRECTIV sind viele.

Willst Du unabhängigen Journalismus unterstützen und das neue Bookzine druckfrisch in Händen halten? Dann werde Mitglied und bekomme es kostenfrei nach Hause gesandt. Gleichzeitig hilfst Du CORRECTIV in seiner Arbeit und kommenden Projekten. Sei dabei. Wir sind viele.

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CORRECTIV vierfach auf Shortlist des Nannen-Preis

Wir freuen uns: wir stehen mit vier Recherchen auf der Shortlist für den Henri-Nannen-Preis 2018. Zwei Mal in der Kategorie investigativ und zwei Mal in der Kategorie Web-Projekt.

von Jonas Seufert

Kategorie Investigative Leistung: das Türkei-Geschäft von Rheinmetall und die „Alte Apotheke“

Zuletzt wurde viel spekuliert, ob Rüstungsdeals mit der Türkei bei der Freilassung des Journalisten Deniz Yücel aus türkischer Haft eine Rolle spielten. Ein halbes Jahr vorher hatten wir recherchiert, wie das deutsche Rüstungsunternehmen Rheinmetall Pläne für den Bau einer Panzerfabrik vorantrieb. Eine Recherche gemeinsam mit dem Magazin „stern“ und unserer türkischsprachigen Redaktion ÖZGÜRÜZ!.

Ein Team von CORRECTIV-Journalisten recherchierte monatelang zu einem der größten Medizin-Skandale der vergangenen Jahrzehnte: ein Bottroper Apotheker soll über Jahre hinweg Krebsmedikamente gepanscht haben. So verdiente er Millionen – und schweigt bis heute. CORRECTIV eröffnete eine mobile Lokalredaktion in unmittelbarer Nähe der Apotheke eröffnet und konnte so auch zahlreichen Experten und Betroffenen eine Stimme geben.

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Kategorie Web-Projekt: Massentierhaltung und Meeresspiegel

Massentierhalter verschmutzen das Grundwasser massiv mit Nitraten – und erhalten gleichzeitig hohe Agrarsubventionen der EU. Das haben die CORRECTIV-Reporter Justus von Daniels und Stefan Wehrmeyer in Ihrem Projekt „Irrsinn der Agrarpolitik“ herausgefunden. Dazu verglichen sie Datensätze zu EU-Subventionen und Schadstoffausstößen. Zudem legten sie mit mit Hilfe von internen Dokumenten offen, wie die Bundesregierung Reformen ausbremst.

Die Temperaturen steigen weltweit – und damit auch der Meeresspiegel. Die nur um ein Grad gestiegene Erdtemperatur hat die Küsten unserer Erde verändert. Strände werden fortgespült, Inseln versinken, Ebenen werden überschwemmt. Die CORRECTIV-Reporter Annika Joeres, Simon Jockers und Felix Michel trugen 700.000 Pegeldaten weltweit zusammen. Das Projekt zeigt, welch dramatische Folgen der Anstieg des Meeresspiegels für Millionen von Menschen haben wird.

Die Nominierten werden Ende März bekannt gegeben. Die Preisverleihung findet am 11. April 2018 statt. 

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Recherche: Nur eine „irre Vorstellung“? Vorarbeiten an Panzerfabrik in der Türkei gehen weiter

Es sei eine „irre Vorstellung”, dass in der Türkei eine Panzerfabrik mit deutscher Hilfe entsteht, sagte Außenminister Sigmar Gabriel letzte Woche. Eine Kollegin von #ÖZGÜRÜZ ist daraufhin vor einigen Tagen an der Baustelle vorbei gefahren. Darüber berichten wir am Donnerstag, 18.01.2018 gemeinsam mit #ÖZGÜRÜZ und dem Magazin „stern“.

von Frederik Richter

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) traf sich im Herbst mit dem Chef des Rüstungskonzerns Rheinmetall, Armin Papperger, um über dessen Pläne für Rüstungsexporte auch in die Türkei zu sprechen. Das berichten wir am Donnerstag gemeinsam mit dem Magazin „stern“ und unserer türkischsprachigen Redaktion #ÖZGÜRÜZ. An dem Treffen nahm demnach neben Gabriel und Papperger auch Hans-Hermann Tiedje teil, der Aufsichtsratschef der PR- und Lobbyagentur WMP Eurocom. Gabriel habe bei dem Treffen „beiden Herren seine ablehnende Haltung gegenüber bestimmten Formen des Rüstungsexports erläutert“, hieß es im Auswärtigen Amt.

Gabriel hatte sich zugleich nach einem jüngsten Treffen mit dem türkischen Außenminister öffentlich zustimmend zu von Rheinmetall beantragten Rüstungsexporten zur Nachrüstung von Leopard-Panzern in Diensten der türkischen Armee geäußert. Der SPD-Politiker hatte in einigen Äußerungen auch einen Zusammenhang zwischen der Freilassung des deutschen Journalisten Deniz Yücel und der Genehmigung von Rüstungsexporten hergestellt.

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Mit Verweis auf die gleichbleibend schlechte Menschenrechtslage der Türkei äußerten sich jetzt andere Bundestagsabgeordnete kritisch über solche Pläne. „Ich halte wenig davon, in der gegenwärtigen Situation Rüstungsgüter in die Türkei zu liefern“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Hitschler dem „stern“. Kritik kam auch von der Grünen-Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger: „Die schlimme Menschenrechtslage in der Türkei und das gewaltsame Vorgehen der türkischen Regierung gegen die Kurden verbieten jeden Rüstungsdeal mit Präsident Erdoğan“, sagte sie.

Nach Recherchen von „stern“ und #ÖZGÜRÜZ schreiten zugleich die Vorarbeiten für eine in Karasu östlich von Istanbul geplante Fabrik, in der auch Panzer gebaut werden sollen, weiter voran. Die türkische Firma BMC, die mit Rheinmetall in einem Joint Venture verbunden ist, will hier neben Lastwagen und Bussen auch gepanzerte Militärfahrzeuge herstellen. Eine #ÖZGÜRÜZ-Journalistin, die das Areal nahe der Schwarzmeer-Küste besuchte, konnte am Sonntag Bagger beobachten, die Bäume fällten. Anders als noch vor einigen Monaten war ein Teil des Terrains inzwischen gerodet. Wie wir bereits bereits im August berichteten, hatten auch Mitarbeiter von Rheinmetall bereits im vergangenen Jahren Unterlagen für das Werksgelände erstellt.

Büro, Cafe, Buchladen: CORRECTIV geht mit seinem Laden in Essen neue Wege.© Ivo Mayr

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Neue Räume für CORRECTIV

Volles Haus an diesem Dienstag im neuen CORRECTIV-Buchladen in Essen. Das Recherchezentrum eröffnet sein neues Büro für Nordrhein-Westfalen, eine Kombination aus Redaktion, Cafe und Buchladen.

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von Dietmar Seher

Mehr als 100 Gäste haben Platz gefunden in den neuen Räumen von CORRECTIV in Essen. Dass der Laden voll war, hat aber auch mit dem Thema des Abends zu tun. Es geht um Gesundheit und Krankheit, konkret: Wie Krebskranke mit den für sie lebensrettenden Arzneien ausreichend versorgt werden – oder eben nicht.

Das Ruhrgebiet macht da gerade ihre besonderen Erfahrungen. Hier in Essen steht Peter S. (43) vor Gericht, der Apotheker aus Bottrop, der gepanschte – und damit wohl vielfach unwirksame – Zytostatika an mehrere tausend Patienten verkauft haben soll.

Nicht wenige der Zuhörer sind selbst Betroffene. So sind die „Onko-Mädels“ aus Bottrop da, eine Gruppe von Krebspatientinnen und Kundinnen der Alten Apotheke, die sich nach dem Auffliegen des Skandals locker organisiert haben.

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Die „Onko-Mädels“ sitzen in der ersten Reihe

Ivo Mayr

Oliver Schröm, der künftige CORRECTIV-Chefredakteur, und sein Kollege Niklas Schenck haben aber weit über den Fall Bottrop hinaus zu berichten. Sie haben gemeinsam das Buch „Die Krebs-Mafia“ (Lübbe-Verlag) geschrieben und kennen die Szene, die sich das Gesundheitssystem zur Beute mache. Sie haben teilweise mit versteckter Kamera die belastenden Gespräche aufgezeichnet.

Die Geschichten handeln von Apothekern und Pharmahändlern wie dem Hamburger „Imoglobin-König“ und auch Ärzten, die aus einem Milliarden-Markt illegalen persönlichen Profit schöpfen. Von Bestechung, auf die Spitze getriebenen Arznei-Preisen und von Patienten, die dem hilflos gegenüberstehen, wenn sie verdorbene Therapien weit hinter dem Ablauf-Datum untergejubelt bekommen. Der Skandal der „Alten Apotheke“ von Bottrop „ist nicht die Ausnahme“, sagt Oliver Schröm.

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Oliver Schröm über sein Buch „Die Krebsmafia“, das er gemeinsam mit Niklas Schenk geschrieben hat.

Ivo Mayr

Das Publikum ist überraschend fachkundig. Nicht nur Patienten, sondern auch Insider der medizinischen Berufe sind gekommen – Ärzte und Apotheker. Spannend fallen die Erinnerungen eines Krankenhaus-Apothekers aus Essen aus, der bis 2009 über 39 Jahre lang selbst Krebsmedikamente in Kliniken erstellt hat. Er sagt, „der Markt“ habe die Krebsmedikation an sich gerissen.

„Bei uns wurden die Medikamente individuell für die Patienten erstellt. Wenn diese, weil sie sich schlecht fühlten, die Präparate nicht einnehmen konnten, dann haben wir die Medikamente vernichtet“, sagt er. In seiner Zeit hätten sie in den Kliniken „die Zytostatika-Entwicklung vorangetrieben“. Heute sei dies anders. Selbst abgelaufene Arzneien würden angeboten. „Es gibt keine Ethik mehr in diesem Bereich“.

Das Problem der abgelaufenen Arzneien ist aktuell. Auch eine ehemalige pharmazeutische Assistentin und heutige Ärztin äußert sich dazu an dem Abend in der Akazienallee. Als Zuhörer wissen wollen, wie sich Patienten denn in der Arztpraxis verhalten sollen, gibt sie eine direkte Empfehlung: „Mut, den Arzt anzusprechen. Und zuerst die Ampulle mit dem Ablaufdatum fotografieren, bevor mir der Arzt was ins Auge spritzt“.

Heute drängen sogar Krankenkassen dazu, abgelaufene Arzneien zu verkaufen, wird bekannt. Sie verklagen Apotheker, die sich an eigentlich vorgegebene Daten halten, auf Schadenersatz.

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CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

Es gibt noch einen Aspekt: Wie kontrolliert der Staat das Geschäft mit den Krebsmedikamenten? Verfolgt die Justiz Fehlverhalten? Erst seit kurzem, berichten Schröm und Schenck. Denn erst jetzt, seit 2016, kann Korruption im Gesundheitswesen besser verfolgt werden. Aber eben noch nicht gut genug.

Ins Gespräch kommen, trinken, in Büchern stöbern: Das ist das Konzept für unseren neuen Laden

Ins Gespräch kommen, trinken, in Büchern stöbern: Das ist das Konzept für den neuen Laden

Ivo Mayr

Der Abend zeigte, wie sich CORRECTIV den neuen Laden vorstellt: Menschen kommen zusammen, diskutieren, trinken und stöbern in Büchern, die von der Redaktion empfohlen sind. Darunter sind Bücher über guten Journalismus, Graphic Novels und Sachbücher – und alle Bücher, die im Verlag von CORRECTIV erscheinen.

In den Räumen sitzt auch die Essener Redaktion. Mit dem Laden will das Recherchezentrum neue Wege gehen, ein Treffpunkt für Bürger und Journalisten sein. Und auch ein Ort für tollen Kaffee.

Der Laden liegt in der Akazienallee 8-10 in Essen und ist montags bis freitags von 10 bis 18:30 Uhr geöffnet. Sowie samstags, „falls einer da ist“. So steht es an der Tür.

Can und David (von rechts) und Kollegen in der gemeinsamen Redaktion in Berlin.© Ivo Mayr

In eigener Sache

#ÖZGÜRÜZ hat Geburtstag

Heute vor einem Jahr gründeten wir mit Can Dündar unsere türkischsprachige Redaktion #ÖZGÜRÜZ. Ein auch persönlicher Rückblick auf Pläne und Pannen, Tränen und Wut, unangemeldete Besucher und freundliche Polizisten.

weiterlesen 7 Minuten

von David Schraven , Frederik Richter

Im vergangenen Jahr hatten wir jeden Morgen, wenn wir die Tür zur Berliner CORRECTIV-Redaktion aufschlossen, zwei Wünsche.

Hinter dieser Tür arbeiteten Dokumentarfilmer, Theatermacher, Fotografen und Journalisten: eine laute, chaotische, liebenswerte Truppe. Sie liefen hin und her, schimpften über die Technik, berichteten live von Straßenprotesten, vergossen Tränen, standen in unserem Fernsehstudio und schrien in die Kameras, als führten sie ein Theaterstück auf.

Zwei Mal am Tag mussten wir ganz leise sein, wenn die Aufnahmen liefen.

Jeden Morgen, wenn wir die Tür aufschlossen, wünschten wir uns, dass sie noch da wären.

Und jeden Morgen wünschten wir uns, dass sie nicht mehr da wären. 

Wir wünschten uns, dass die Redaktion hinter der Tür wieder leer und leise sein würde: dass die Kollegen wieder zurück gekonnt hätten in das Land, aus dem sie fliehen mussten.

Flucht nach Berlin

Nach dem gescheiterten Putschversuch ging der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan im Sommer 2016 mit aller Härte gegen seine Gegner vor, echte und vermeintliche. Er nutzte die Gunst der Stunde, um seine Macht in einem Referendum zu zementieren. Wer nicht für Erdoğan war, war gegen ihn. Eine Unterdrückungswelle ging wie ein Tsunami über die türkischen Medien nieder. Etliche Reporter flohen nach Deutschland. Etliche nach Berlin.  

Einer von ihnen war Can Dündar, der Chefredakteur der Zeitung „Cumhuriyet“. Als wir ihn trafen, beschlossen wir rasch, eine gemeinsame Redaktion zu gründen. Damit Can und seine geflohenen Kollegen einfach weiter arbeiten können. Damit die türkische Gesellschaft weiter Zugang zu unabhängigem Journalismus hat. Damit die Propaganda der türkischen Regierungspartei AKP nicht unwidersprochen bleibt, die auch auf die türkischstämmige Gemeinschaft in Deutschland zielt.

Wir nannten das Projekt #ÖZGÜRÜZ: Wir sind frei.

Und wir machten uns an die Arbeit: bauten unser TV-Studio um, richteten eine Webseite ein sowie ein Bezahlsystem und eine Datenbank für die Verwaltung von Fördermitgliedern für #ÖZGÜRÜZ. Unsere Programmierer rätselten, wie man all das auf Türkisch macht.

Eine kleine, große Redaktion

Am 24. Januar 2017 legten wir los. Dieser Tag ist etwas besonderes.

An diesem Tag wurde im Jahr 1993 der türkische Investigativ-Journalist Uğur Mumcu ermordet. Er recherchierte zu Korruption, Waffenschmuggel und Islamismus. Er schrieb für „Cumhuriyet“. Seine Mörder wurden nie gefasst.

Unsere türkischen Kollegen interviewten aus unserem Studio heraus Experten, analysierten Entwicklungen in Politik und Wirtschaft der Türkei, schalteten live zu Gerichtsverhandlungen und Protesten. In Deutschland, in der Türkei.

Unsere Redaktion platzte damals – in der Zeit vor dem Referendum in der Türkei – aus allen Nähten. Ein kleines Büro, überschaubare Technik und vor allem nie genug Reporter und Entwickler. CORRECTIV fühlt sich manchmal an wie die kleinste Redaktion Deutschlands. Doch in jenen Monaten auch ganz groß: wie hätten wir die Kolleginnen und Kollegen nicht bei uns aufnehmen können?

Geld für drei Wochen

Heute, ist der erste Geburtstag von #ÖZGÜRÜZ. Wir haben etwas außergewöhnliches geschafft. Wir haben überlebt – und sind stabiler geworden. Mittlerweile haben wir ein halbes dutzend Reporter, die aus der Türkei berichten. Dazu Can Dündar und sein Team in Berlin.

Lange Zeit sah es nicht so gut aus. Fast nichts von dem, was wir von CORRECTIV kannten und auf #ÖZGÜRÜZ übertragen wollten, funktionierte. Die Webseite wurde in der Türkei schon zensiert, bevor sie überhaupt veröffentlicht war. Es gibt in Deutschland keinen Vertrieb für türkischsprachige Medien, den wir zur Verbreitung unserer Nachrichten hätten nutzen können.

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Bei der gemeinsamen Arbeit in der Redaktion.

Ivo Mayr

Außerdem konnten wir in der Türkei anders als geplant keine Fördermitglieder gewinnen, weil Banküberweisungen aus dem Land schwierig sind. Und weil sich Unterstützer einer Redaktion, die von einem zum Landesverräter erklärten Journalisten geleitet wird, in große Gefahr begeben.

Von Anfang an war die Finanzierung des Projektes gefährdet: beim Start hatten wir Geld für knapp drei Wochen. Doch wir wollten alles versuchen, um #ÖZGÜRÜZ überleben zu lassen. Immer wieder fanden wir Freunde, die uns großzügig halfen und uns weiteren Atem verliehen.

Im Visier

Doch nicht das Geld alleine war und ist ein Problem. Viele Menschen haben Angst davor, in der Nähe von Can Dündar zu sein, zu arbeiten – und damit ins Visier der türkischen Geheimdienste zu geraten.

Für uns war es schwierig, Mitarbeiter für #ÖZGÜRÜZ zu finden. In der Türkei – wie in Berlin. Nur mit viel Mühe bekamen wir eine Gruppe zusammen: Exil-Journalisten, Studenten, engagierte Menschen.

Natürlich kam es zu Konflikten. Zwei Mal kündigten Mitarbeiter, indem sie einfach aus der Redaktion rannten.

Es war hart.

Da war der Stress der Startphase. Da war die politische Herausforderung, sich beim Referendum gegen die Einführung einer Präsidialdiktatur zu stemmen. Da waren die vielen heftigen Lebensumbrüche bei einem Start in einem fremden Land. Die Verwandten, die zurückgelassenen Frauen, Männer – und Kinder. Kulturen prallten aufeinander. Es ging um die nackte Existenz – und um die komplizierte deutsche Welt mit vielen, kaum zu verstehenden Regeln.

Ungebetene Besucher

Aber all diese Rückschläge ließen uns nicht scheitern. Wir halfen einander, wo wir konnten: wir trieben Förderer auf, wir teilten unsere Ausrüstung, unsere Autos, unsere Büros.

Und wir vertrieben ungebetene Besucher. Eines Tages tauchte das Team eines Erdoğan-treuen Fernsehsenders vor der Redaktion auf. In ihrem einige Tage später ausgestrahlten Bericht beschrieben sie genau, wo unsere Redaktion zu finden ist und von wann bis wann Can anwesend sei. Die Schnitte erinnerten an Explosionen.  

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Der Film erscheint wie eine Gebrauchsanweisung zur Gewalt. Hier lohnt es sich zu bomben. Frederik ging raus, um mit den Journalisten und einem dazu gerufenen Polizisten zu reden. Sie filmten weiter und in dem Bericht ist Frederik mit einem roten Pfeil als angeblicher „Assistent Can Dündar“ an den Pranger gestellt.

Einem Kollegen zu helfen, der sein Land verlassen musste: das ist für uns kein Pranger. Das ist unsere Arbeit.

Heute klingelt alle zwei Stunden ein freundlicher Beamter der Berliner Polizei bei uns und fragt, ob es uns noch gibt.

Endlich Stabilität

All dies macht klar, warum sich das Projekt #ÖZGÜRÜZ in seinen ersten zwölf Monaten ständig verändert hat. Warum es sich erneuerte und wie es wuchs.

Heute feiern wir das Leben. Wir sind frei.

#ÖZGÜRÜZ hat eine stabile Form gefunden: Wir geben zum zweiten Mal ein Magazin heraus. #ÖZGÜRÜZ gedruckt.

Und wir haben ein halbes Dutzend Reporterinnen und Reporter, die aus mehreren Städten der Türkei berichten. Ungebrochen. Mehrmals täglich senden wir über die Streaming-App Periscope. Wir berichten über Demonstrationen und Gerichtsprozesse, sprechen mit den Angehörigen von Verhafteten, berichten über Themen aus Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt.

Einfach Journalismus

Ein paar Eindrücke:

Ein Verhafteter berichtete live aus dem Gefangenenwagen, in dem er bei Protesten gesperrt und abtransportiert wurde.

Vor ein paar Tagen war #ÖZGÜRÜZ als einziges Medium live dabei, als die Büros der kurdischen Oppositionspartei DHP durchsucht wurden.

Wir ließen die Verwandten eines türkischen Soldaten zu Wort kommen, der von IS-Terroristen in Syrien bestialisch ermordet wurde – und dessen Schicksal Erdoğans Regierung vertuschen wollte.

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ÖZGÜRÜZ-Reporterin Zubeyde Sarı führt ein Interview.

Onur Ünlü

Gemeinsam enthüllten wir die Pläne für eine neue Panzerfabrik in der Türkei, von der die deutsche Politik nichts wissen will. Mit deutscher Hilfe geplant ist das genau ihr Ziel: mit eigener Produktion unabhängig von deutschen Exportgenehmigungen zu werden. Damit es keinen Aufschrei gibt, wenn die türkische Armee in Zukunft noch einmal eine kurdische Enklave in Nordsyrien angreift, und dabei Kampfpanzer aus deutscher Fertigung einsetzt.

Auch in der Türkei gibt es Proteste gegen den Krieg. Sie sind verboten und #ÖZGÜRÜZ berichtete live – vor Ort.

Aus der Türkei – für die Türkei.

Unser Journalismus ist genau jener, normaler Journalismus, der in der Türkei selten geworden ist.

Wir schmieden Pläne

Unsere Berichte haben im vergangenen Jahr über 20 Millionen Menschen in der Türkei gesehen. Kaum jemand ist so erfolgreich über soziale Medien wie #ÖZGÜRÜZ.

Am ersten Geburstag von #ÖZGÜRÜZ planen wir, wie wir die Berichterstattung ausbauen können: wir wollen nicht nur tagesaktuell berichten, wir wollen investigativer arbeiten. Wir wollen zusätzliche Reporter in weiteren türkischen Städten einstellen. Wir wollen die Webseite in der Türkei sichtbarer machen – sie ist immer noch blockiert.

Wir wollen das Magazin weiter verbreiten und unsere beiden Redaktionen, CORRECTIV und #ÖZGÜRÜZ, besser miteinander verknüpfen. Wir wollen auch im Ausland weitere Reporter einstellen – die Berichte des #ÖZGÜRÜZ-Korrespondenten in Washington zählen zu den meistgesehenen der Berichterstattung.

Für Can Dündar, für uns alle, ist die Angst um die Sicherheit unserer Reporterinnen und Reporter in der Türkei ein ständiger Begleiter. Bei der Einnahme von Kirkuk durch die irakische Armee konnte er unseren Reporter dort tagelang nicht erreichen. Und ständig wartet er auf den Anruf, der ihm über die Verhaftung eines der #ÖZGÜRÜZ-Reporter informiert.

Unterstützen Sie die Arbeit von #ÖZGÜRÜZ als Fördermitglied. Wir streiten für unabhängigen Journalismus in der Türkei:

#ÖZGÜRÜZ unterstützen

2017-1

Aus der Redaktion

Die besten Projekte 2017

Journalismus braucht Zeit. Das zeigen all unsere Geschichten, die dieses Jahr besonders erfolgreich waren. Zeit für Recherchen. Zeit, um dran zu bleiben. Zeit, damit sich Dinge verändern können. Journalismus braucht Zeit – und Geld. Ohne Eure Unterstützung können wir diesen Aufwand nicht leisten.

von Team CORRECTIV

Bei CORRECTIV arbeiten über 40 Menschen. In diesem Team recherchieren wir für die Gesellschaft. Wir erzählen Geschichten, die Missstände aufdecken und bieten Informationen an, damit sich jeder eine eigene Meinung bilden kann. Hier blicken wir auf die Höhepunkte im Jahr 2017 zurück und geben einen Ausblick, was wir für das kommende Jahr planen.

Unser Wunsch: Nehmt Euch jetzt Zeit für den Jahresrückblick mit den besten Projekten 2017. Und trefft dann eine Entscheidung. Was sind Euch die Geschichten und Projekte von CORRECTIV wert? Jeder kann unsere gemeinnützige Arbeit unterstützen. Das ist ganz einfach. Für nur 10 Euro im Monat kann jeder Fördermitglied von CORRECTIV werden.

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Krebsmedikamente können über Leben und Tod entscheiden. In einem der größten Medizinskandale der Nachkriegszeit haben Tausende Patienten aus einer Apotheke in Bottrop gepanschte Medikamente erhalten. Und wer hat sie informiert, dass sie betroffen sind? Die Behörden nicht. Die Ärzte nicht. Sondern wir. Wir haben eine Datenbank veröffentlicht, in der Krebspatienten nachschlagen können, ob ihr Arzt Medikamente aus der Alten Apotheke des Apothekers Peter S. bezogen hat. In einer neu gegründeten mobilen Redaktion sprachen wir mit Betroffenen. Über den Prozess gegen den Apotheker berichten wir aktuell aus dem Gerichtssaal.

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NRW hat nicht genug Lehrer. Unterricht fällt aus. Doch wie groß ist das Problem? Größer, als es die Behörden in dem größten Bundesland Deutschlands in ihren Statistiken ausweisen. Das haben wir mit einer neuen Methode recherchiert, die wir in Zukunft noch viel häufiger einsetzen wollen: Wir haben mit den Betroffenen zusammen recherchiert. Einen Monat haben über 520 Eltern, Lehrer und Schüler auf der Webseite „Unterrichtsausfall – der Check“ täglich erfasst, welche Stunden ausfallen. Das Ergebnis: Vier von zehn Stunden, die nicht planmäßig unterrichtet werden, fallen ersatzlos aus. Das sind doppelt so viele, wie eine Stichprobe des Schulministeriums ergab. Für uns ist das wichtig: Menschen, die auf Chancengleichheit angewiesen sind, brauchen den staatlichen Unterricht. Sie können sich den teuren, privaten Nachhilfeunterricht nicht leisten, der so oft ausgefallene Stunden ersetzt – wenn die Eltern Geld haben.

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Das Jahr 2017 ist eine Zäsur: eine rechtspopulistische Partei ist zum ersten Mal seit der Nachkriegszeit in den Bundestag eingezogen. Wir recherchieren schon lange zu den Lügen und den Widersprüchen der AfD. Und dem Schaden, den ihre spalterische Politik in unserer Demokratie und unserer Gesellschaft anrichtet. Zwei Beispiele: im März veröffentlichten wir das „Schwarzbuch AfD“, das inzwischen in zweiter Auflage erschienen ist. Unser Journalist Marcus Bensmann sagte bereits im Frühjahr die Spaltung der AfD voraus, die sich am Morgen nach der Wahl vollzog.

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Der Klimawandel ist eine Gefahr, die uns alle betrifft. Deswegen ist in diesem Jahr bei uns mindestens alle zwei Wochen etwas zum Klimawandel erschienen. Zum Beispiel eine Datenanalyse: wir zeigen, wie Hunderte Millionen Menschen schon jetzt vom Meeresanstieg betroffen sind. Ihre Inseln werden versenkt, Ebenen überschwemmt. Der Klimawandel betrifft uns alle. Nur Politik und Wirtschaft in Deutschland tun so, als ginge sie die Erderwärmung nichts an. Wir haben ausgerechnet, dass die Bundesregierung sowohl ihre eigenen als auch die international vereinbarten Klimaziele verpasst. Da wollen wir weiter dran bleiben.

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Die Türkei ist auf dem Weg in die Autokratie. Das betrifft auch Europa. Die Regierungspartei von Präsident Recep Tayyip Erdogan versucht mit Hilfe der türkischen Minderheiten Europa zu spalten. Wir wehren uns und setzen auf Aufklärung: zusammen mit dem türkischen Journalisten Can Dündar haben wir #ÖZGÜRÜZ gegründet. Sechs Journalistinnen und Journalisten berichten in der Türkei über aktuelle Ereignisse. Damit zählen wir zu den letzten verbliebenen unabhängigen Medien in der Türkei. 

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Demagogen und Populisten sind auf dem Vormarsch. Auch, weil sie gezielt Lügen und Desinformationen einsetzen. Deswegen haben wir in diesem Jahr ein Faktchecking-Team gegründet: EchtJetzt. Wir prüfen Informationen, die in sozialen Medien kursieren, auf ihre Echtheit. Wir überprüfen die Aussagen von Politikern. Wir setzen auf Fakten und Aufklärung statt Lügen.

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Drei verregnete Tage im September haben uns verzaubert: Zu unserem Journalismus-Festival in Dortmund, dem „Campfire“, kamen 2.000 Besucher. Wir sprachen mit Bürgern, Studenten, Experten und auch Journalisten. Wir wollten ein Event schaffen, wo jeder auf Augenhöhe über Journalismus debattieren kann. Welches den Journalismus nicht hinter Redaktionstüren versteckt, sondern ihn öffnet. Das machen wir nächsten Jahr noch einmal.

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Was wir auf dem Campfire begonnen haben, übertragen wir mit der „Reporterfabrik“ ins Digitale. Dieses Jahr hat der Aufbau unserer Journalistenschule für alle Fahrt aufgenommen. Mittlerweile arbeiten fünf Menschen für CORRECTIV an einer modernen Bildungsplattform, auf der Journalisten und Bürger zusammenwirken. Wir wollen journalistische Methoden für jeden und jede frei verfügbar machen. Und damit unsere Demokratie stärken. Geleitet wird die Reporterfabrik von Cordt Schnibben, einem der profiliertesten Reporter Deutschlands.

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CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Unser Ziel ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Denn nur gut informierte Bürgerinnen und Bürger können auf demokratischem Weg Probleme lösen und Verbesserungen herbeiführen. Diese Recherche wurde mit der Unterstützung unserer Fördermitglieder realisiert. Jetzt spenden!

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Seit der Gründung von CORRECTIV im Sommer 2014 haben wir auch Fehler gemacht. Eine falsche Entscheidung hat aber auch immer etwas Gutes: Wir lernen daraus. So haben wir in der Gründungsphase sehr viele Reporter beschäftigt, aber zu wenige Entwickler, die ein tiefes technisches Verständnis mitbrachten. Mittlerweile haben wir unser „Tech-Team“ deutlich vergrößert. Wir freuen uns über sieben Leute, die unsere Webseite entwickeln, neue Plattformen produzieren und sich als Datenjournalisten an Recherchen beteiligen. 

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Die Analyse von Daten ist für uns sehr wichtig. Sie steht im Zentrum vieler Geschichten, die wir gemeinsam mit Lokalzeitungen veröffentlichen. Eine aufwändige Datenanalye kann systematische Probleme enttarnen. So haben wir die Anzahl der Minijobber für jede Gemeinde in Deutschland veröffentlicht. In einer Datenbank kann jeder nachschauen, ob der eigene Arzt Geld von der Pharmaindustrie annimmt. Wir haben über 500 Millionen Euro offen gelegt, die Richter und Staatsanwälte frei verteilen.

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Wir wollen Journalismus stärken. Deswegen geben wir Recherchen an andere Medien ab und recherchieren gemeinsam mit anderen Redaktionen. Im Jahr 2017 sind Geschichten von CORRECTIV in über 100 Medien erschienen. In der „Liste der Kooperationspartner 2017″ seht Ihr, dass große etablierte Medien dabei waren, aber auch neu gegründete Redaktionen oder kleine Lokalbüros. Wir konnten dazu beitragen, dass die Vielfalt in der Lokalberichterstattung gestärkt wird. Zu den „Meistgelesenen Artikel 2017″ auf CORRECTIV zählen übrigens einige Lokalgeschichten.

Liste der Kooperationspartner 2017

Spiegel Online
Neue Westfälische
ARD
ZDF
Tagesspiegel
taz
Mediapart
Slate US
Lobbycontrol
dpa
VICE
der Freitag
Ruhr Nachrichten
Generalanzeiger
t-online
Stuttgarter Zeitung
Mannheimer Morgen
Berliner Zeitung
Berliner Kurier
Radio Ambulante
RBB
Spiegel Daily
Enorm-Magazin
neueenergie.net
Der Standard.de
Tageswoche
Detektor.fm
evangelisch.de
HR Hessenschau
Frankfurter Neue Presse
Nordbayern
Lobbypedia
Berliner Morgenpost
Wirtschaftswoche
Mannheimer Morgen
Basler Zeitung
Tagesanzeiger
Presse Augsburg
KommunalWiki
Freies Radio
Greenpeace Magazin
RTL
Piqd.de 
Böhme Zeitung
Apotheke — Adhoc
Deutsche Apothekerzeitung
Mannheimer Morgen
Cotidianul (Tageszeitung, Rumänien)
News Romania
Philippinen-Magazin
perspective daily
geolaviva 
infosperber.ch
klimaretter.info
Die Zeit
NDR
Hamburger Abendblatt
BuzzFeed News Deutschland

Meistgelesene Artikel 2017

Das Ranking

  1. Pretzell und Petry in Erklärungsnot
  2. Übergriffe und Wirkungen – Was wir bei CORRECTIV derzeit erleben
  3. Die Alte Apotheke – Das Ende des Schweigens (Artikel in der Apotheken-Serie, der am meisten gelesen wurde)
  4. AfD: Spaltung nach der Bundestagswahl?
  5. Schlampige Hygiene im Krankenhaus führt zu mehr Toten als im Straßenverkehr
  6. Der große Krankenhaus-Raub – Wie die Stadt Offenbach erst ein teures Krankenhaus baute – und es dann an einen privaten Klinikkonzern verschenkte.
  7. Racial Profiling: In neun Monaten hat mich die Berliner Polizei 23 Mal kontrolliert
  8. Gottes Werk und Behles Beitrag – Wie sich ein Manager ein Diakoniewerk unter den Nagel riss
  9. Die Nullnummer: AfD-Stimmen für Migrantenpartei
  10. Das Mädchen in Abidjan – Wie die ‘Ndrangheta Kokain durch Westafrika nach Europa schmuggelt
  11. Seid umschlungen, Millionen! – 71.000 Ärzte erhalten Geld von der Pharmaindustrie. Erstmals werden diese Interessenkonflikte nun öffentlich.
  12. „Wir machen Meinung“ – Eine Kanzlei prägt das Versicherungsrecht mehr als alle anderen
  13. Nachts um halb eins im Bundestag – Wie Politiker sich gegen Transparenz wehren
  14. Die Unheilerin – Handauflegen gegen Krebs. Kosten: 300.000 Euro.
  15. Jetzt wird’s schmutzig – Die AfD lernt von Trumps Wahlkampfhelfer Harris und setzt auf Negative Campaigning
  16. Wie die Alkoholindustrie uns dazu bringt, immer weiter zu trinken
  17. Ihre Fragen, bitte? – Politiker stellen sich im TV den Fragen der Wähler. Aber wer wählt das Publikum aus?
  18. Wie zwei Menschen dafür sorgten, dass ein Apotheker keine Krebsmedikamente mehr panscht.
  19. Die Hilfssheriffs von Hamburg – G20 und die Folgen: Warum private Fahndungsaufrufe eine schlechte Idee sind
  20. Thomas Bach verkauft alles
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Das Jahr 2018 wird spannend: mit Oliver Schröm bekommen wir einen neuen Chefredakteur. Im Januar treffen wir uns, um die Recherchen für das nächste Jahr zu planen. Ein Projekt steht bereits fest: Wir entwickeln eine neue CrowdNewsroom-Plattform für eine große Recherche in Hamburg zum Thema Immobilien. Über die Plattform sollen sich viele Menschen an der Recherche beteiligen können.

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Wir haben weiter viel vor. Tiefgründige Recherchen kosten Geld. Unsere Webseite wurde dieses Jahr millionenfach besucht. Da wir als gemeinnütziges Medium keine Werbung schalten, verdienen wir mit Ihrer Aufmerksamkeit kein Geld. Entscheidet, was Euch unser Journalismus wert ist. Das geht ganz einfach: Unterstützt die Arbeit von CORRECTIV als Fördermitglied. Nur dann können wir diesen Aufwand leisten. Bis zum heutigen Tag unterstützen uns mehr als 2.550 Menschen mit einer Spende von durchschnittlich 10 Euro. Das freut uns sehr. Damit wir langfristig unsere Existenz sicherstellen können, benötigen wir aber noch deutlich mehr Förderer. Wir wollen 5.000 Fördermitglieder gewinnen. Erst dann hätte unsere Arbeit ein sicheres Fundament.

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In eigener Sache

Oliver Schröm wird neuer Chefredakteur von CORRECTIV

weiterlesen 3 Minuten

von David Schraven

Liebe Freunde,

ich habe eine gute Nachricht. Und zwar freuen wir uns, dass Oliver Schröm neuer Chefredakteur von CORRECTIV wird.

Für uns ist das etwas Besonderes. Oliver Schröm und ich haben im Jahr 2012 gemeinsam die Idee von CORRECTIV entwickelt und auch CORRECTIV gegründet. Aus verschiedenen Gründen ist Oliver dann nicht mit im Startteam gewesen. Aber er blieb unserem Projekt immer sehr verbunden – zuletzt als Vorsitzender des Ethikrates.

Oliver ist einer der profiliertesten investigativen Journalisten Deutschlands. Nach seinem Volontariat bei der Heidenheimer Zeitung war er Stipendiat in den USA, unter anderem beim Center for Investigative Reporting, dem ältesten gemeinnützigen Recherchebüro weltweit und in unserer Gründungsphase auch so etwas wie das Vorbild für CORRECTIV.

Anschließend arbeitete Oliver vor allem für Die Zeit und das ZDF-Magazin Kennzeichen D. Er klärte über Missstände in der Politik auf, veröffentlichte zu Wettbetrug im Sport, Extremismus in der Gesellschaft und der Arbeit unserer Geheimdienste.

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2010 gründete er das Investigativ-Team des stern und leitete es bis zu seinem Wechsel zum ARD-Magazin Panorama. Dort berichtete er zuletzt immer wieder über die Machenschaften der Krebsmafia, auch in Kooperation mit CORRECTIV.

Ich habe Oliver beim Netzwerk Recherche kennengelernt. Wir waren dort zusammen im Vorstand. Ich war schon damals von der Arbeit von Oliver beeindruckt.

Für CORRECTIV ist besonders schön, dass Oliver auch große Erfahrungen als Buchautor hat. Allein oder als Koautor hat er bislang zehn Enthüllungsbücher geschrieben – gerade ist im Verlag Bastei Lübbe seine Arbeit zur Krebsmafia erschienen.

Oliver kennt sich auch mit Filmen aus. Für eine Dokumentation über die kriminellen Cum-Ex-Geschäfte deutscher Finanzbetrüger hat er zusammen mit Kollegen des Fernsehmagazins Panorama und Die Zeit in den vergangenen Wochen mehrere Preise gewonnen, darunter den Deutschen Journalistenpreis und den Helmut-Schmidt-Preis.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich bin sehr froh, dass wir mit Oliver Schröm einen so erfahrenen Investigativ-Journalisten als neuen Chefredakteur haben.

CORRECTIV funktioniert. Wir können optimistisch ins neue Jahr blicken.

© Ivo Mayr / Correctiv

In eigener Sache

CORRECTIV-Recherche bekommt Medienpreis

Unsere Reporterin Annika Joeres wird für eine Artikelserie über klimaschädliche Fonds der Bundesländer ausgezeichnet.

von Julia Ruhs

„Investigativer Journalismus at its best“ –  sagt die Jury des ERM-Medienpreises über die Recherche von CORRECTIV-Autorin Annika Joeres und Gastautor Fabian Löhe. Die Reporter haben aufgedeckt, dass staatliche Pensionsfonds in sieben Bundesländern ihr Geld in korrupten oder klimaschädlichen Unternehmen anlegen. Unsere Redaktion wurde dafür mit dem zweiten Platz des ERM-Medienpreises für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet. Die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen vergibt den Preis zum achten Mal und möchte damit für nachhaltige Wirtschaft und Konsum sensibilisieren.

Über die Recherche haben auch der „Spiegel“, die Nachrichtenagentur dpa, Regionalzeitungen und der öffentlich-rechtliche Rundfunk berichtet.

Dreimal für den Reporterpreis nominiert

Drei CORRECTIV-Geschichten sind für den Deutschen Reporterpreis 2017 nominiert.

In der Kategorie „Datenjournalismus“ haben die Vorjuroren eine mehrteilige Recherche von Justus von Daniels und Stefan Wehrmeyer ausgewählt. Unter dem Titel „Irrsinn der Agrarpolitik“ berichten die CORRECTIV-Reporter mithilfe einer Datenauswertung, welche Massentierhalter hohe Agrarsubventionen der EU erhalten, obwohl sie massiv zur Nitratverschmutzung des Grundwassers beitragen. Dazu haben sie erstmals Datensätze zu EU-Subventionen und Schadstoffausstößen verglichen und anhand von internen Dokumenten offen gelegt, wie die Bundesregierung Reformen ausbremst.

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In der Kategorie „Investigation“ steht eine Recherche über das Rüstungsunternehmen Rheinmetall auf der Shortlist für den Reporterpreis. Die CORRECTIV-Reporter Frederik Richter, Margherita Bettoni und STERN-Reporter Hans-Martin Tillack hatten recherchiert, dass Rheinmetall in der Türkei ein Joint Venture gründete, das den Bau von Kampfpanzern in der Türkei einfädeln soll – ein Geschäft über sieben Milliarden Euro.   

Die langfristige Berichterstattung über die „Alte Apotheke“ – einen der größten Medizinskandale seit Contergan – wurde ebenfalls in der Kategorie „Investigation“ vorgeschlagen. Ein Journalisten-Team von CORRECTIV deckte auf, wie ein Bottroper Apotheker über Jahre hinweg Krebsmedikamente panschte, sie zu niedrig dosierte oder sogar ohne Wirkstoff vertrieb. Indem er so tausenden Menschen ihre Arzneien vorenthielt, verdiente er Millionen. Jetzt steht er vor Gericht, die Redaktion begleitet den Prozess.

Die Recherche zur Alten Apotheke zeichnet sich auch durch einen innovativen Ansatz aus: Nach dem Ausbruch des Skandals hat CORRECTIV eine mobile Lokalredaktion in unmittelbarer Nähe der Apotheke eröffnet und konnte auf diesem Weg zahlreichen Quellen, Experten und Betroffenen eine Stimme geben.

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

CORRECTIV recherchiert langfristig zu Themen, die andere Medien zu wenig beachten. Wir wollen dabei helfen, die Welt besser zu verstehen. Das ist unser Ziel. Unterstützen Sie uns, damit wir weiterarbeiten können!

Die Whistleblower Marie Klein und Martin Porwoll  vor der Alten Apotheke in Bottrop

Die Whistleblower Marie Klein und Martin Porwoll vor der Alten Apotheke in Bottrop© Anna Mayr / CORRECTIV

In eigener Sache

Whistleblower-Preis für ehemalige Mitarbeiter der Alten Apotheke und Can Dündar

Ein Volkswirt, eine medzinische Assistentin und ein Journalist: Der Whistleblower-Preis geht in diesem Jahr an drei Personen aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen. Die ausgezeichneten Marie-Elisabeth Klein, Martin Porwoll und Can Dündar eint der Kampf gegen Ungerechtigkeit, die nicht länger im Verborgenen bleiben sollte.

von Jonathan Sachse

Die Whistleblower Marie-Elisabeth Klein und Martin Porwoll halfen einen der größten Medizinskandale Deutschland aufzudecken, indem sie Beweise gegen den eigenen Arbeitgeber gesammelt haben. Durch ihre Aussagen und handfesten Belege machten sie bekannt, wie der Apotheker aus der „Alten Apotheke“ in Bottrop über Jahre teure Krebsmedikamente streckte und Patienten betrog. Tausende Menschen in sechs Bundesländern sind betroffen.

Für dieses Verhalten wurden Klein und Porwoll am heutigen Montag mit dem „Whistleblower-Preis“ ausgezeichnet. In der Begründung des Jury heißt es, die Preisträger hätten auf Grund ihres Insider-Wissens wesentlich dazu beigetragen, dass „die zuständige Staatsanwaltschaft dem Verdacht schwerer Straftaten eines Apothekers, die strukturell nur schwer aufzudecken sind, überhaupt nachgehen konnte“. Durch ihr Whistleblowing sei eine skandalöse Kontrollpraxis und Defizite der staatlichen Aufsichtsbehörden offenbar geworden, heißt es in einer Pressemitteilung der Stifter.

Juristische Angriffe gegen Apotheken-Whistleblower

Die Whistleblower der „Alten Apotheke“ gaben mit ihrer Enthüllung nicht nur ihren Arbeitsplatz auf. Sie werden nun auch von Juristen angegriffen. Die Kanzlei Höcker aus Köln versucht, ihnen einen Maulkorb zu verpassen. Aus diesem Grund hat CORRECTIV ein Crowdfunding für die Whistleblower begonnen. Bis zum 17. November 2017 benötigen die Whistleblower 10.000 Euro, um sich juristisch zu wehren.

Ohne Klein und Porwoll hätten die Recherche von CORRECTIV vermutlich nie begonnen. In den letzten Monaten hat unsere Redaktion intensiv über den Medizinskandal berichtet. Dabei gründeten wir eine mobile Lokalredaktion, die zwei Monate nach Bottrop gegangen ist, um den Fall in seinen Einzelheiten zu recherchieren. Am 13. November beginnt der Prozess gegen den beschuldigten Apotheker Peter S., über den CORRECTIV berichten wird.

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Can Dündar als journalistischer Whistleblower ausgezeichnet

Den zweiten Preis erhält der Journalist Can Dündar. Ende 2015 enthüllte Dündar, wie der türkische Geheimdienst die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ in Syrien mit Waffen belieferte. Das Erdogan-Regime verstieß damit gegen Völkerrecht. Dündar berichtete als Chefredakteur darüber in der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“. Kurz danach wurde er wegen Geheimnisverrats angeklagt und im Jahr darauf zu knapp sechs Jahren Haft verurteilt.

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Seit Anfang 2017 leitet Can Dündar die türkische Redaktion von CORRECTIV

Vor dem Gerichtssaal schoss ein Attentäter auf ihn. Seit dem Putschversuch gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan lebt Dündar in Deutschland, wo er mit CORRECTIV die türkischsprachige Exilredaktion Özgürüz aufgebaut hat. 

In der Mitteilung des Whistleblower-Preises heißt es: „Can Dündar hat sich nicht nur als kritischer Journalist, sondern auch als couragierter Whistleblower erwiesen.“ Er sei mutig und unerschrocken „unter den extremen Repressionsbedingungen des Erdogan-Regimes“ vorgegangen. Dabei sei Dündar neben unbekannten Informanten „der zentrale Akteur“ gewesen.  

Seit 1999 vergibt die „Vereinigung Deutscher Wissenschaftler“ gemeinsam mit der Juristenorganisation „Ialana“ alle zwei Jahre den Preis. Bei vergangen Ehrungen wurden prominente Whistleblower ausgezeichnet wie etwa der ehemalige US-Geheimdienst-Angestellte Edward Snowden (2013) oder die ehemalige US-Soldatin Chelsea Manning (2011).