In eigener Sache

Die Zukunft von gemeinwohlorientierten Journalismus liegt in der Community

CORRECTIV richtet sich strategisch neu aus: Community-Beteiligung, digitale Produkte und Faktenchecks sollen den gemeinwohlorientierten Journalismus zukunftsfähig machen.

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Anfang Juli hatte die dreiköpfige Geschäftsführung von CORRECTIV einen Veränderungsprozess angekündigt, der über die Sommermonate weitestgehend umgesetzt wurde. Ziel der strategischen Schärfung war es, den gemeinwohlorientierten Journalismus durch Produktentwicklung und eine Anpassung des spendenbasierten Geschäftsmodells für die Zukunft abzusichern. 

„Als gemeinwohlorientiertes Medienunternehmen sind wir gleichzeitig dazu angehalten, mit Spenden und Fördermitteln wirtschaftlich sorgsam umzugehen – aber eben auch Spielräume für unternehmerische Innovation zu nutzen“, sagt Florence Wild, Chief Development Officer.

Die Abteilung Bewegtbild wird als eigener Geschäftsbereich ausgebaut und soll zukünftig über das Format Dokumentarfilm eigene Recherchen aufbereiten sowie auch Auftragsproduktionen umsetzen. Dazu hatte das Medienhaus im September Hüdaverdi Güngör als Chefredakteur Bewegtbild und Social Media eingestellt, der zuvor das Partnermanagement und die Formatentwicklung bei funk betreute. 

Aber es war auch notwendig, Personalstellen abzubauen. Dies konnte weitgehend über auslaufende Verträge und die Nichtnachbesetzung frei gewordener Stellen umgesetzt werden. 

„Wir bedauern sehr, dass wir uns im Zuge der Umstrukturierung von geschätzten Kolleginnen und Kollegen trennen mussten, die bei uns hervorragende Arbeit geleistet und sich mit großem Engagement für unsere Organisation eingesetzt haben“, sagt Saadet Andirinli, Chief Operating Officer. „Für uns ist jetzt wichtig, die Veränderungen gemeinsam zu verarbeiten, das Team zu stärken und unsere Mitarbeitenden auch bei den noch anstehenden Entwicklungen eng einzubeziehen.“

Von den Umstrukturierungen waren neben dem Geschäftsbereich Bewegtbild die Bereiche Redaktion und Faktencheck betroffen.

CORRECTIV.Faktencheck bleibt die spezialisierte Redaktion zur Eindämmung von Desinformation und entwickelt den Ansatz weiter: Faktenchecks werden künftig konsequenter mit Community-Beteiligung und systematischer Datennutzung verbunden. Über die Faktenforum-Plattform beteiligen sich Menschen an Recherchen, tragen Hinweise und Wissen bei. Die dabei entstehenden strukturierten Daten helfen zugleich, Desinformation über einzelne Falschbehauptungen zu analysieren. Hintergrundrecherchen zum Themenfelder Big Tech – der Verantwortung großer Plattformen, ihrer Geschäftsmodelle und Mechanismen, dem Umgang mit Desinformation sowie die Wirksamkeit und Durchsetzung von Regulierung wie dem Digital Services Act (DSA) – werden zukünftig in der Investigativredaktion angesiedelt. 

„Weil Desinformation in den letzten Jahren so stark zugenommen hat, müssen wir auf Ansätze setzen, die eine massive Skalierung von Faktenchecks und Medienbildung ermöglichen, inklusive lokalisierter und mehrsprachiger Angebote“, sagt David Schraven, Publisher von CORRECTIV. „Gleichzeitig müssen wir den Plattformen auf die Finger schauen und unsere Recherchen in diesem wichtigen Themenfeld intensivieren.“

Mit der abgeschlossenen Neuaufstellung in zentralen Contentbereichen will die Organisation zukünftig stärker auf die Entwicklung von Digitalprodukten setzen, die Menschen täglich und nahbar für starke Recherchen nicht nur begeistern, sondern sie auch aktiv einbinden und befähigen. „Die Zukunft des Journalismus liegt in der Community, davon sind wir überzeugt. Durch Beteiligung und mit Blick auf aktuelle Entwicklungen des Journalismus bleiben wir wandelbar und stets offen für noch bessere Wege, die zentralen Versprechen in der Vision von CORRECTIV konsequent umzusetzen“, sagt Florence Wild. Der Launch einer eigenen CORRECTIV-App mit entsprechenden Funktionalitäten ist für Anfang 2027 geplant.