Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

die Europäische Union muss unabhängiger werden und lernen, sich selbst verteidigen zu können. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Unklar erscheint nur, wie die EU wirtschaftlich stark genug werden kann, um die Aufwendungen für eine bessere Infrastruktur und eine ausreichende Verteidigungsfähigkeit zu finanzieren.

In Belgien beraten darüber heute die Staats- und Regierungschefs der EU – und wir beleuchten die unterschiedlichen Ansätze in unserem heutigen Thema des Tages.

Neues, wenn auch eher Unerfreuliches, gibt es auch aus Nordrhein-Westfalen: Mein Kollege Michael Billig hat die Hintergründe zu einer riesigen illegalen Mülldeponie in Gelsenkirchen recherchiert. Der einstige Betreiber ist pleite. Für die Beseitigung müssen nun wohl die Kommunen aufkommen. Und ebenfalls ganz frisch aus der Schreibfeder unserer Redaktion: Der Vetternwirtschafts-Skandal in der AfD weitet sich aus. 

Thema des Tages: Die Wirtschaftsschwäche der EU

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: AfD-Vetternwirtschaft-Skandal weitet sich auf Bundesspitze aus • Millionen-Fiasko um illegale Deponie in Gelsenkirchen • Startchancen-Programm: Diese Schulen in Hessen werden gefördert

Cartoon-Arena: Sind die Deutschen zu faul?

Leserfrage der Woche: Wie viele Arbeitsplätze sollen mit einer Stunde Mehrarbeit in der Woche geschaffen werden?

Faktencheck: Nach Vorschlag des CDU-Wirtschaftsrats: Was aktuell bei Zahnbehandlungen für Geflüchtete gilt

Gute Sache(n): Hilfsbereitschaft lässt sich im Gehirn verstärken • Projekt „Mutpost“ soll Betroffenen Hoffnung schenken • Karnevals-Quiz: Sind Sie fit für die fünfte Jahreszeit?

CORRECTIV ganz persönlich: Ab jetzt gibt’s Gelsenkirchen täglich im Postfach

Grafik des Tages: Heißt es Fasching oder Karneval?

Diese veränderte geopolitische Lage erfordert nicht nur ein Umdenken in der Außen- und Sicherheitspolitik – sondern auch höhere Ausgaben, vor allem für die Bundeswehr und die Streitkräfte der anderen EU-Staaten. Über das Ausmaß der finanziellen Belastungen und die damit verbundenen Schwierigkeiten haben wir bei CORRECTIV gerade erst berichtet.

Das Problem: Die Zeiten, in denen sich die Europäer (und vor allem die Deutschen) bei der Finanzierung zusätzlicher Ausgaben auf ihre Wirtschaftskraft verlassen konnten, sind vorbei. Das Wirtschaftswachstum schwächelt seit Jahren. Die Lücke zwischen Ausgaben und Einnahmen wird größer.

Wie könnten die EU-Staaten ihre Wirtschaftskraft stärken?
Über diese Frage beraten die Staats- und Regierungschefs der EU heute bei einem Treffen in der Nähe der belgischen Stadt Lüttich.

Über die Gründe für die anhaltende Wachstumsschwäche dürften sie sich einig sein: Steigende Energiepreise treiben die Produktionskosten hoch und schwächen die Wettbewerbsfähigkeit (vor allem in Deutschland).

Aufstrebende Volkswirtschaften wie die chinesische setzen die Europäer in Sektoren unter Druck, in denen diese traditionell stark waren (etwa in der Automobilindustrie). China stellt technologisch anspruchsvolle Produkte längst selbst her. Den Europäern bricht daher einer ihrer wichtigsten Absatzmärkte weg.

Und dann sind da noch die Unsicherheiten, die der erratische US-Präsident Donald Trump zu uns bringt, etwa durch seine chaotische Zollpolitik.

Der französische Premierminister Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz beim Treffen auf Schloss Alden Biesen. Picture Alliance / Jonas Roosens / ANP

Welche Strategien verfolgen die EU-Länder für mehr Wachstum?
Die Bundesregierung setzt unter Bundeskanzler Friedrich Merz vor allem auf Deregulierung. Weniger Bürokratie und weniger lähmende Regeln sollen eine neue Wachstumsdynamik entfalten. Auch Italiens Ministerpräsidentin Georgia Meloni unterstützt diesen Ansatz.

Der Gedanke: Die großen Innovationen in Zukunftssektoren wurden zuletzt fast immer von US-Konzernen hervorgebracht, etwa von Microsoft oder Apple, Unternehmern wie Elon Musk oder Jeff Bezos oder den KI-Schmieden von Open AI und anderen großen Tech-Firmen.

Mit weniger Regeln sollten europäische Unternehmen das auch schaffen: Das jedenfalls ist die Hoffnung, die neoliberal orientierte Politiker wie Merz oder Meloni antreibt.  

Frankreich setzt unter Präsident Emmanuel Macron dagegen eher auf staatliche Stimulierungen der Wirtschaft. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung und anderen Medien forderte er zusätzliche Investitionen nicht nur in Verteidigung und Sicherheit, sondern auch „in Technologien und ökologischen Wandel, in künstliche Intelligenz und Quantentechnologie“.

Und wo soll das Geld für die Investitionen herkommen?
Das ist der Streitpunkt. Macron will eine „gemeinsame Verschuldungskapazität“, etwa durch sogenannten „Eurobonds“. Deutschland lehnt das kategorisch ab. Gemeinsame EU-Schulden würden nur von den „Produktivitätsproblem“ der EU ablenken, heißt es aus dem Umfeld von Kanzler Merz. 

Der viel beschworene deutsch-französische Motor ist also genauso ins Stocken geraten wie die europäische Wirtschaft. Die Hoffnung auf einen starken politischen Impuls hat damit einen Dämpfer erhalten.

Und wie geht es weiter?
Das Treffen in Belgien ist nur ein informeller Austausch. Beschlüsse werden nicht gefasst. Aber immerhin, es gibt auch Einigkeit: Die meisten Staatenlenkerinnen und Staatenlenker stimmen darin überein, dass der europäische Binnenmarkt gestärkt werden muss. 

EU-Unternehmen, die in Staat A produzieren, sollten ihre Produkte problemlos auch in Staat B verkaufen können –  ohne durch länderspezifische  Vorschriften drangsaliert zu werden: Das war die Grundidee bei der Gründung des EU-Binnenmarktes. Doch vollständig umgesetzt wurde sie nach Ansicht von Wirtschaftsexperten bis heute nicht. Potenziale für mehr Wachstum blieben somit ungenutzt.

Angesichts der chinesischen Stärke und der wankelmütigen USA wollen sich die EU-Staaten auch neue Handelspartner erschließen. Das jüngste Freihandelsabkommen mit Indien und das noch nicht voll gültige Mercosur-Abkommen sollen erst der Anfang sein.

Wird der Turnaround gelingen?
Das lässt sich nicht seriös prognostizieren. Forderungen und Strategiepapiere, wie die EU-Wirtschaft in Schwung gebracht werden könnte, gab es schon viele. Der Erfolg blieb bisher aus.

Italiens Regierung plant Seeblockade gegen Migration 
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni möchte Seeblockaden für Boote mit Geflüchteten auf dem Mittelmeer errichten. Das sieht ein Gesetzentwurf vor. Meloni treibt so die weitere Verschärfung der Migrationspolitik in Italien voran.
spiegel.de  

Führerschein soll günstiger werden – mit Hilfe der Eltern
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder plant eine Führerscheinreform – nun legte er erste Vorschläge zur Umsetzung vor. Demnach soll der Erwerb eines Führerscheins in Deutschland einfacher und digitaler werden. Zudem soll in Deutschland auch das Begleitete Fahren vereinfacht werden, so könnten Eltern schon ab der siebten Fahrstunde einen Block an Fahrstunden übernehmen und die Kosten minimieren. 
ndr.de

AfD-Co-Chef Tino Chrupalla sagte noch in der Talkshow von Caren Miosga, er habe ein „Störgefühl“ bei Vetternwirtschaft. In einem Bürgerbüro in Sachsen beschäftigt er aber selbst eine Partinerin eines sächsischen Landtagsabgeordneten. picture alliance / HMB Media | Uwe Koch

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Symbolbild Leserfrage der Woche

Prominente Stimmen aus der Union forderten weniger Teilzeit oder – wie Markus Söder (CSU) – eine Stunde Mehrarbeit pro Woche. Damit solle die Wirtschaft gestärkt und dem Fachkräftemangel in Deutschland entgegengewirkt werden.

Ein Zahnarzt-Schild an einem Gebäude, gespiegelt in einer Scheibe
(Symbolbild: Franz Feiner / Eibner-Pressefoto / Picture Alliance)

So geht’s auch
Hinweis: Bei diesem Thema geht es um Suizidprävention. Gestern ist das Projekt  „Mutpost“ gestartet. Dort können Menschen anonym Briefe an suizidgefährdete Personen schicken, um ihnen Mut zu machen oder eigene Erfahrungen und Gedanken zu teilen. Die Briefe werden von Fachleuten geprüft und anschließend auf einer Webseite veröffentlicht. Außerdem gibt es eine Übersicht über Anlaufstellen sowie eine Soforthilfe-Taste. Die Briefe können keine Therapie ersetzen, sollen aber einen ersten Schritt in Richtung professioneller Hilfe darstellen. 
mutpost.de / wdr.de

Fundstück
Helau und Alaaf! Mit der Weiberfastnacht beginnt heute offiziell der Straßenkarneval. Wie gut kennen Sie sich mit der fünften Jahreszeit aus? Testen Sie ihr Wissen beim Karnevals-Quiz: 
spiegel.de


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An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Sebastian Haupt, Jule Scharun und Dilara Schwidder.