Gift im Duschgel
Unsere aktuelle Recherche zeigt: In Drogerien und im Onlinehandel lassen sich Produkte kaufen, die gesundheitsschädliche Stoffe enthalten.

Liebe Leserinnen und Leser,
vielleicht erinnern Sie sich: Vor ein paar Wochen hat unser Klimateam durch eine Recherche gezeigt, dass Tausende unbekannte und potenziell gefährliche Stoffe in Deutschlands längstem Fluss schwimmen: dem Rhein. Danach fragten wir uns: Wo stecken eigentlich noch gefährliche Chemikalien, die uns im Alltag begegnen – und von denen wir gar nichts wissen?
Davon handelt unsere heute veröffentlichte Story: In Deutschlands Drogeriemärkten stehen reihenweise Produkte, die Stoffe enthalten, die eigentlich verboten sind. Mehr dazu im Thema des Tages.
Außerdem geht es heute weiter mit der Cartoon-Arena zum spannenden und kontroversen Thema: Frauen, die Opfer digitaler Gewalt werden – und Männer, die dies relativieren. Morgen lesen Sie bei uns dann mehr über die aktuellen Bemühungen der Bundesregierung, uns Bürgerinnen und Bürger finanziell zu entlasten: Was bringt das – und wie machen es andere Länder? Dazu recherchiert unser Nachrichtenteam gerade unter Hochdruck. Was halten Sie von den aktuellen Plänen der Regierung? Schreiben Sie mir: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Gift im Duschgel
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Orbán weggezaubert
Cartoon-Arena: Digitale sexuelle Gewalt – und die Beschwichtigungsversuche
Faktencheck: Desinformation rund um Ungarn-Wahl: Orbán hat nicht alle EU-Verträge gekündigt
Grafik des Tages: Diese Länder hatten oder haben bereits Übergewinnsteuern
Was in Deutschland in Ladenregalen steht oder im Onlinehandel zu kaufen ist, das kann man guten Gewissens kaufen – es ist sicher durch viele Prüfinstanzen gegangen – oder? Leider nicht ganz. Man kann als Kundin oder Kunde eine ganze Reihe Produkte kaufen, in denen giftige und eigentlich verbotene Stoffe stecken. Das steht in unserer heute veröffentlichten Story von Annika Joeres und Gesa Steeger.

Um welche Produkte geht es?
In einer Tabelle in unserem Text haben wir Produkte aufgelistet, die gesundheitsschädliche Stoffe enthalten, aber trotzdem problemlos zu kaufen sind. Darunter sind Haargels, Haarfärbemittel, ein Deodorant und ein Duschgel. Bekannte Marken wie Nivea, Schwarzkopf und Schauma sind betroffen.
Woran liegt es?
Zum einen an lückenhafter Kontrolle: Die zuständigen Behörden auf Landes- und Kommunalebene prüfen nur stichprobenartig, was in Kosmetikprodukten so alles steckt.
Zum anderen daran, dass Produkte, die verboten werden, auch danach noch eine Weile verkauft werden dürfen. Und dann liegt es noch daran, dass sich längst nicht jeder Händler an Vorgaben von Gesundheitsbehörden hält.
Was tut sich dazu in der Politik?
Erstaunlicherweise plant die EU gerade, den Verbraucherschutz in diesem Bereich weiter aufzuweichen. Morgen stimmen zwei EU-Parlaments-Ausschüsse zu diesem Thema ab.
Es gilt als wahrscheinlich, dass dann Produkte mit Chemikalien, die aus Gesundheitsgründen verboten werden, danach noch bis zu sechs Jahre weiter verkauft werden dürfen – statt wie bislang 18 Monate.
Ungarn auf neuem Kurs: Magyar will Ukraine-Hilfe freigeben
Péter Magyar hat nach seinem Wahlsieg in Ungarn einen Kurswechsel angekündigt: Er will den 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU nicht blockieren. Zudem plant er, die Verfassung zu ändern, damit ein Ministerpräsident höchstens zwei Amtszeiten regieren kann. Magyar beschuldigte den bisherigen Außenminister Péter Szijjártó, EU-Dokumente vernichtet zu haben.
welt.de
Kritik am Tankrabatt 2.0 von Opposition und Ökonomen
Die Grünen kritisieren die geplante Senkung der Spritsteuer. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 habe der Tankrabatt nur begrenzt geholfen, sagt der Hamburger Grünen-Chef Leon Alam. Sie fordern stattdessen das Neun-Euro-Ticket und eine Senkung der Stromsteuer. Auch aus den Wirtschaftswissenschaften kommt teils scharfe Kritik, einige Forschende sprechen von „Gießkannenprinzip“ und „purem Aktionismus“.
sueddeutsche.de / spiegel.de
Erstmals seit 2004: Regierungskonsultation mit der Ukraine
Bundeskanzler Friedrich Merz empfängt heute den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Berlin. Auch mehrere Minister beider Länder nehmen teil. Themen der Konsultationen sind die sicherheitspolitische Lage, die NATO und die weitere Unterstützung für die Ukraine.
tagesschau.de

In dieser Folge sprechen Siegfried und Joy über die Wahl in Ungarn – und zaubern Viktor Orbán weg.
tube.funfacts.de

Cartoon-Arena

Ein scharfer Blick auf die Debatte zu sexueller digitaler Gewalt gegen Frauen kommt heute von Katharina Greve. Am Freitag können Sie Ihren Lieblings-Cartoon wählen – und das brandneue Buch zur Vertuschung klerikalen Missbrauchs im Vatikan gewinnen.
Diesen Cartoon teilen:

Faktencheck

In den Sozialen Netzwerken hatte sich vor der Parlamentswahl in Ungarn die Behauptung verbreitet, Viktor Orbán habe alle Verträge mit der EU gekündigt. Das stimmt nicht. Die Behauptung wurde unter anderem von einem Desinformationsnetzwerk aus Vietnam verbreitet.
correctiv.org
Endlich verständlich
16 Bundesländer, 16 verschiedene Abiture. Doch ab 2027 soll das Abi einheitlicher werden: Statt bis zu vier Leistungskursen in der Oberstufe soll es bundesweit nur noch zwei oder drei geben. Ab nächstem Jahr müssen Schülerinnen und Schüler zudem mindestens zwei Halbjahre Geschichte oder vier Halbjahre eines Fachs mit geschichtlichem Anteil belegen. Was sich noch ändern soll, lesen Sie im Instagram-Beitrag unserer Jugendredaktion Salon5.
instagram.com
So geht’s auch
Zehn Prozent der Ozeane stehen inzwischen unter Schutz. Laut UN-Umweltprogramm ist das ein zentraler Meilenstein für Biodiversität und Klimaschutz. Doch vom eigentlichen Ziel ist die Weltgemeinschaft noch recht weit entfernt: 30 Prozent der Meere sollen demnach geschützt werden.
spiegel.de
Fundstück
Auf seinem Social-Media-Portal postete US-Präsident Trump ein KI-generiertes Bild, das selbst vielen Fans zu weit ging: Es zeigte ihn als Jesus. Inzwischen hat er es gelöscht. Trump relativiert dennoch. Er habe nicht erkannt, dass es sich um eine Jesus-Darstellung handelte, er habe es für die Darstellung von ihm als Arzt gehalten.
n-tv.de
Wer sich noch irgendwelche Illusionen über den Umbau des Bildungssystems gemacht hat – und immer noch meint, dass es so schlimm wohl nicht kommen wird – der sollte einen Blick in das Regierungsprogramm der AfD werfen. Das hat die Partei am Wochenende in Sachsen-Anhalt auf dem Parteitag verabschiedet. Eines ist sicher: Wenn die Partei, die derzeit dort in den Umfragen bei knapp 40 Prozent liegt, im September Teil der Landesregierung wird, wird sie als erstes gezielt auf das Kultusministerium zugreifen.
Die Gründe liegen auf der Hand: Weil Schule Ländersache ist, hat sie dort den größten Gestaltungsspielraum. Außerdem bekommt die AfD darüber unmittelbar Zugriff auf das Denken und Fühlen der jungen Generation. Das Programm legt schonungslos offen, was blüht: Täglich vor Schulbeginn wird die Bundesflagge gehisst und die Nationalhymne abgesungen. Disziplin und Frontalunterricht.
Schule solle fortan kein „Übungsraum für Demokratie“ mehr sein, ist da zu lesen. Sexualkundeunterricht wird abgeschafft, damit nicht weiter „abseitige sexuelle Vorlieben beworben werden“, Kinder mit Beeinträchtigung werden in Förderschulen „separiert“, geflüchtete Kinder in „Sonderklassen“ unterrichtet. Die Schulsozialarbeit wird abgeschafft, weil „funktionierende Familien“ diese überflüssig machen. Es werden von oben vorgegebene einheitliche Lehrmaterialien eingesetzt. Der Schwerpunkt im Geschichtsunterricht soll dann auf Nationalismus und „1813 und 1871“ liegen.
Das für mich Beunruhigende ist, dass die AfD in Sachsen-Anhalt das meiste davon quasi im Handstreich umsetzen kann. Der Grund ist, dass im Schulrecht sehr vieles über Verwaltungsverordnungen geregelt wird und eben nicht über das Schulgesetz. Viele von der AfD geänderte Regelungen würden also gar nicht durch das Parlament gehen und dadurch auch intransparent bleiben.
Deshalb ist es wichtig, dort genau hinzusehen. Am besten schon jetzt: Noch könnten die Gesetzgeber in Sachsen-Anhalt überlegen, welche Regeln sie noch vor der Wahl aus Verwaltungsverordnungen im Schulgesetz festschreiben. So könnten sie etwa den Sexualkundeunterricht als Schulfach im Schulgesetz verankern. Dann müsste zumindest das Parlament über eine Änderung entscheiden, wenn die AfD hier nach der Landtagswahl die Axt anlegt.

Sollten die hohen Gewinne der Energieriesen durch eine Übergewinnsteuer abgeschöpft werden? Nein, sagt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. Das sei verfassungsrechtlich fragwürdig und schade der Wirtschaft. Also eine schlechte Idee?
Laut wissenschaftlichem Dienst des Bundestages gibt es einige Länder in Europa, die derzeit eine solche Übergewinnsteuer (oder vergleichbare Maßnahmen) nutzen – oder in der jüngeren Vergangenheit genutzt haben. Und auch in Deutschland galt in den Jahren 2022 und 2023 eine Übergewinnsteuer für Öl- und Gaskonzerne. Damit wollte die EU die Energiekrise infolge der russischen Invasion in die Ukraine abmildern.
bundestag.de
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Tristan Devigne, Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt und Pamela Kaethner.
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