Künstliche Ihhhh-ntelligenz!

FAZ, Handelsblatt und Tagesspiegel haben Gastbeiträge gelöscht – weil sie von KI geschrieben wurden. Ist die Aufregung gerechtfertigt? Wir probieren es aus.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser, 

wenn Sie jetzt denken, das heutige Thema des Tages hätte mit Ihnen nichts zu tun – falsch! Jede und jeder von uns ist hier ganz grundlegend betroffen. Es geht um Künstliche Intelligenz: 

Seit ein paar Tagen herrscht Aufregung in der Medienbranche. Erst nahm die FAZ einen Gastbeitrag des CDU-Politikers Mario Voigt aus dem Netz – weil Voigt sich den Beitrag offenbar von KI hatte schreiben lassen. Dann flog beim Tagesspiegel auf: Dessen früherer Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff hatte in den vergangenen Monaten eine ganze Menge Meinungsstücke von KI verfassen lassen. Und nun der aktuellste Fall beim Handelsblatt: Ein Gastbeitrag von Bundes-Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) stammte offensichtlich aus der Feder der Künstlichen Intelligenz – und war deshalb vorübergehend von der Seite genommen worden.

Vielleicht erinnern Sie sich, dass wir von CORRECTIV seit ein paar Wochen zusammen mit dem Branchenmagazin Journalist zu genau dieser Frage recherchieren: Wie viel KI wird in Redaktionen schon eingesetzt? Hier können Journalistinnen und Journalisten an unserer Umfrage zu diesem Thema teilnehmen.

Die Diskussion geht aber weit über den Journalismus hinaus. Dahinter steckt die Frage: Wie viel schöpferische Schaffenskraft steckt trotzdem noch drin, wenn ich KI nutze, egal für was? 

Darum starten wir heute einen Selbstversuch hier im SPOTLIGHT: Eine Woche lang gibt es zwei Themen des Tages. Einmal von mir selbst geschrieben – und einmal mit einer KI-Anwendung (ich nutze dafür Lumo vom sicheren Anbieter Proton, das hat unsere IT-Abteilung empfohlen). Zusammen mit unserem Technik-Team habe ich dort eine Anwendung ausgetüftelt, die ausschließlich auf meine selbst verfassten Themen des Tages der vergangenen Jahre zugreift. Auf dieser Basis schreibe ich nun die „Prompts“, also die Anweisungen für das jeweilige Tagesthema. 

Und Sie sind gefragt: Stimmen Sie in unserer Umfrage ab: Welches Thema ist das „echte“ – und welches ist besser? Hier entlang.

Bild mit KI generiert, gepromptet von Sebastian Haupt.

Dann noch im SPOTLIGHT: die aktuelle Cartoon-Arena. Thema: EU-Länder – auch Deutschland – bauen Abschiebezentren in „Drittstaaten“.

Jetzt noch ein Hinweis für Kurzentschlossene aus Hamburg: Dort zeichnen wir heute eine Fun Facts-Folge auf, in der unser Reporter Jean Peters als Experte auftritt, Thema: Wo steckt das verschwundene Gold der AfD? Es gibt noch Karten – hier entlang.

Und nun: weiter Fußball gucken! Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.

Thema des Tages: Künstliche Ihhhh-ntelligenz!

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Das schräge Versprechen der E-Fuels

Cartoon-Arena: EU-Abschiebelager in Drittstaaten

Denkanstoß: Volksabstimmung in der Schweiz – Deutsche rein!

Faktencheck: Weshalb eine Deutschlandfahne die Bundestagspolizei auf den Plan rief

Gute Sache(n): Transparent gemacht: Wo Deutschland seine Klimaziele verfehlt • Ökostrom wird zum Alltag • Marmelade heißt wieder Marmelade

CORRECTIV ganz persönlich: Ich recherchiere zum EU-weiten Emissionshandels-System

Grafik des Tages: Schlechte Noten für deutsches Bildungssystem

Der Fall Stephan-Andreas Casdorff macht Schlagzeilen, ist aber kein Einzelfall mehr: Der frühere Chefredakteur des Tagesspiegel räumte ein, unausgewiesene KI-Texte verfasst zu haben.

Ihm folgen nun weitere Fälle, die zeigen, wie brisant das Thema für den gesamten Journalismus geworden ist: Auch die FAZ hat kürzlich einen Gastbeitrag von Mario Voigt aus dem Netz genommen, nachdem bekannt wurde, dass dieser maßgeblich von einer KI generiert worden war. Ebenso hat das Handelsblatt vorübergehend einen Beitrag des Digitalministers Karsten Wildberger depubliziert, der sich als KI-generierte Inszenierung entpuppte.

Das Kernproblem bleibt dabei gleich:
Beim Meinungsjournalismus geht es um persönliche Positionen – wenn diese algorithmisch erstellt und verschwiegen werden, bricht das Vertrauen. Anders verhält es sich bei Recherchen oder Sprachkorrekturen, wo KI als Werkzeug oft akzeptiert wird.

Buch, Uni und Psychologie im Check:
Auch in der Buchbranche setzen mittlerweile einige Autorinnen und Autoren auf KI-Tools, primär für Lektorat und Stiloptimierung, weniger für das vollständige Schreiben ganzer Romane. Die Debatte dreht sich hier um die Authentizität: Wo endet menschliche Autorschaft, wenn Algorithmen den Stil maßgeblich prägen?

Im akademischen Bereich haben deutsche Hochschulen pragmatische Wege gefunden: Seit Mai 2025 ist KI als Unterstützung für Gliederungen oder Recherche erlaubt, muss aber transparent offengelegt werden. Pauschale Verbote wurden durch Leitlinien ersetzt, da 65 Prozent der Studierenden die Tools bereits wöchentlich nutzen. Die Gefahr eines Lernverlusts beim eigenständigen Argumentieren bleibt jedoch eine berechtigte Sorge.

Am kritischsten ist der Einsatz bei privaten Psycho-Fragen:
Zwar bieten Chatbots 24-Stunden-Verfügbarkeit und Anonymität, doch zeigen aktuelle Studien ernste Risiken: unangemessene Antworten in Notlagen, inkonsistente therapeutische Linien und Fehldiagnosen. Experten warnen eindringlich vor einer unkontrollierten Selbstdiagnose und dem Mangel an echter Empathie. KI kann hier nur unter strenger Aufsicht ergänzt werden, niemals als Ersatz für Therapeuten.

Die Fälle Casdorff, Voigt und Wildberger zeigen:
Nicht die Technik, sondern das Verschweigen ihrer Nutzung ist das Problem. Ob beim Journalisten, Autor, Studenten oder in psychischen Krisen – KI erfordert klare Regeln und Offenlegung. Sie ist ein mächtiges Werkzeug, aber kein Ersatz für menschliche Verantwortung und Urteilsfähigkeit. Sonst verlieren wir am Ende nicht nur unsere Texte, sondern auch unser Vertrauen in sie.

Foto: Omar-Lopez Rincon, Unsplash / Bearbeitung: Samira Joy Frauwallner

Thema des Tages, Variante 2:

Am vergangenen Wochenende war ich bei der Journalistenkonferenz des Vereins „Netzwerk Recherche“ – und in den Vorträgen ging es viel um KI im Journalismus: Wo nützt er, wo schadet er der Glaubwürdigkeit? 

Mitten in die Veranstaltung herein platzte die Nachricht, die sich auf der Konferenz wie ein Lauffeuer verbreitete und hitzig diskutiert wurde: Der Ex-Chef des Tagesspiegel, Stephan-Andreas Casdorff, hatte wohl schon eine ganze Weile seine Meinungsartikel mit KI verfasst. Viele Journalisten auf der Konferenz fanden, das gehe gar nicht. Die anderen (zum Beispiel ich) dagegen sagten, es kommt doch auf die Details an: 

  • Greift die KI nur auf meine eigenen, früheren Gedanken zu – dient sie also als Archiv meiner eigenen geistigen Schaffenskraft?
  • Welche Anweisungen gebe ich ihr genau? Es macht nämlich einen Riesenunterschied, ob ich „prompte“ (also in den Auftrag schreibe): Schreib irgendeinen Meinungsbeitrag zum Thema Abschiebepolitik der EU – oder ob ich sehr genau in den Auftrag schreibe, was meine Meinung dazu ist.
  • Mache ich kenntlich, dass KI den Beitrag geschrieben hat?

Übrigens mischte auch Springer-Chef Mathias Döpfner an der KI-Tastatur in der Debatte mit: Er ließ von Künstlicher Intelligenz flugs einen Meinungsbeitrag schreiben, der aussagte: Das sei doch total rückständig, keine KI für journalistische Texte zu nutzen.

Klar ist: In den drei Fällen, die gerade bekannt wurden, erfolgte jedenfalls keine Kenntlichmachung. Das geht nicht, da sind sich wohl alle einig. 

Was die Betroffenen sagen:
Unsere Nachrichtenredaktion hat heute verschiedene Beteiligte um Stellungnahmen gebeten. Zunächst den Digitalminister Wildberger. Ihn haben wir gefragt, weshalb er seinen Beitrag von KI schreiben ließ.

Denn schließlich, zumindest bei Politikern, kann man es ja durchaus auch so sehen: Früher haben Redenschreiber für sie solche Beiträge geschrieben und sie haben drübergelesen und bestenfalls die Fakten gecheckt. Ist dann nicht die KI einfach eine andere Arbeits-Unterstützung? Gerade beim Digitalminister erscheint das ja logisch.

Das Digitalministerium wollte uns dazu aber nichts sagen – sein Pressesprecher teilte uns lediglich mit, Wildberger gehe schon lange transparent mit seiner KI-Nutzung um. Später am Tag veröffentlichte das Ministerium dann eine Stellungnahme, in der steht: 

„Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger nutzt KI als Arbeitswerkzeug. Das hat er bereits mehrfach öffentlich gesagt.“
(Und dann folgt eine Beschreibung, wie er dabei die Qualität seiner Aussagen sicherstellt.)

Wir haben auch geschaut beziehungsweise nachgefragt, was die betroffenen Verlage dazu sagen. Von der FAZ gab es schon eine öffentliche Stellungnahme:

„Wir veröffentlichen heute und auch künftig keine Originalbeiträge mit von KI generiertem Text. Es sei denn, die Tatsache, dass der Text von KI generiert wurde, ist der eigentliche Sinn des Beitrags.“

Ok, das heißt, bei der FAZ waren die Spielregeln offenbar klar und der CDU-Politiker Voigt hat dagegen verstoßen. Wir haben auch bei der Handelsblatt-Gruppe und dem Tagesspiegel angefragt – beide versichern, es gebe in den Redaktionen klare Regeln für den Einsatz von KI beim Schreiben von Texten. Beim Handelsblatt jedenfalls ist der Text jetzt wieder online – aber durch einen Hinweis ergänzt worden.

Das Thema geht weit über den Journalismus hinaus:
Es betrifft zunächst all jene Erwerbstätigen im Land, die in irgendeiner Form kreativ arbeiten. Architekten, Webdesigner, Illustratoren, aber auch Manager, Unternehmensberater und viele andere müssen sich gerade die Frage stellen: Nutze ich hier noch meine eigene geistige Schaffenskraft – oder überlasse ich das Denken der KI? Und die Firmen, die sie beschäftigen, müssen klare Leitlinien erarbeiten.

Es betrifft auch Schülerinnen und Studenten. Sie müssen heute nicht mehr nur die Inhalte ihres Fachs lernen und begreifen, wie man Gedanken ausdrückt. Sondern sie müssen auch lernen, wie man gut „promptet“. Also die Fähigkeiten erlernen, KI für die spezifischen eigenen Zwecke zu verwenden. Daran wird in Zukunft niemand vorbeikommen. KI ist im Grunde auch nur eine Schreibmaschine. Aber wer sich ihrer Nutzung verweigert, bleibt wahrscheinlich später auf der Strecke.

Ein Beispiel:
Vergangene Woche sprach ich mit einer Freundin, die in einem großen Buchverlag arbeitet. Der Verlag macht nicht nur hohe Literatur, sondern auch viel seichte Unterhaltungslektüre. Sie erzählte, dass verlagsintern gerade diskutiert wird: 

  • Sollte man nicht die seichten Bücher von KI schreiben lassen – und die „richtige“ Literatur weiter von Autoren? 
  • Kann man nicht sogar noch einen Schritt weiter gehen und bei den selbst geschriebenen Büchern einen Qualitäts-Stempel draufsetzen: „menschengemacht“? Also umdenken und nicht mehr automatisch davon ausgehen, alle Inhalte seien menschengemacht?

Übrigens geht es auch in der nächsten Fun Facts-Folge um genau diese Fragen. 

Jetzt aber noch ein Draufsetzer:
Am Wochenende, bei der Journalistenkonferenz, erzählte mir eine KI-Expertin, dass sie „ihre“ KI (also ihren Bezahlzugang zu Claude, für den sie monatlich 90 Euro zahle) auch für persönliche Zwecke nutze. Zum Beispiel, wie sie bei Familienstreits ihren Kindern gegenüber konsequent bleiben könne. Die KI habe ihr da schon mehrmals sehr geholfen.

Als sie mein ungläubiges Gesicht sah, sagte sie, das sei doch nicht anders, als einen Erziehungsratgeber als Buch zu lesen. Sie erzählte auch noch: Mehrere ihrer Freundinnen würden die Chat-Verläufe mit ihren Lebenspartnern bei Chat GPT reinkopieren und sich von der KI Ratschläge geben lassen, was sie nun als nächstes antworten sollen. 

Puh, dachte ich, da geht offenbar gerade bei vielen Leuten jegliches Bauchgefühl verloren. Es gibt sogar schon einen Fachbegriff dafür: Social De-Skilling. Also das Verlernen sozialer Fähigkeiten.

***

USA und Iran einigen sich auf Friedensabkommen
Die USA und der Iran haben sich auf ein vorbereitendes Friedensabkommen geeinigt. Die Unterzeichnung ist für Freitag geplant; ab dann soll die Straße von Hormus wieder frei befahrbar sein. Innerhalb von 60 Tagen wollen beide Seiten ein endgültiges Abkommen schließen. Es soll das Atomprogramm, die Sanktionen und den Wiederaufbau Irans regeln. 
spiegel.de

Pflegereform: Streit um Belastung der Angehörigen 
In der Koalition herrscht Streit darüber, wie stark Kinder von Pflegebedürftigen finanziell belastet werden sollen. Bisher liegt die Einkommensgrenze bei 100.000 Euro brutto im Jahr. Verdienen die Kinder mehr, müssen sie für die Pflegekosten aufkommen. Gesundheitsministerin Warken (CDU) will diese Grenze in der Pflegereform abschaffen. Die Pflegebeauftragte Katrin Staffler (CSU) lehnt das ab.
welt.de

Diesen Cartoon teilen:


Puh, das war knapp! Fast hätte die Schweiz sich eine migrationsfeindliche Agenda für die nächsten Jahrzehnte in die Verfassung geschrieben. Sollen wir uns jetzt freuen, dass auch wir Deutschen weiter dorthin auswandern können? Nein. Denn es ging diesmal ausnahmsweise nicht um uns.

Am Sonntag ist die Volksinitiative „Keine 10-Millionen-Schweiz!“ klar gescheitert. 55 Prozent sprachen sich gegen die Forderung aus, die Zuwanderung in die Schweiz zu begrenzen. 

Die Initiative hatte gefordert, die Bevölkerung der Schweiz bis 2050 auf 10 Millionen Menschen zu „deckeln“ – und dafür, wenn nötig, zuerst die Asyl- und dann auch die Arbeitsmigration zu stoppen. Auch aus Deutschland. 

Das „Nein“ ist ein Erfolg für die Demokratie und eine Niederlage für die Schweizer Volkspartei SVP. Die bringt regelmäßig solche migrationsfeindlichen Volksinitiativen ins Rollen, so zum Beispiel die „Ausschaffungsinitiative“ 2010, die „Masseneinwanderungs-Initiative“ 2014 oder die „Begrenzungsinitiative“ 2020. Mit einigen war sie erfolgreich. Dieses Mal nicht.

Das ist gut, denn an dieser Initiative war alles fake. Erstens: Sie war keine Volksinitiative – sie wurde von einem parteinahen „Komitee“ eingereicht. Zweitens: Sie kaperte politische Problemstellungen von den Linken und drehte sie um: so etwa „fehlende Nachhaltigkeit“, „Wohnungsknappheit“, „schlechter Nahverkehr“ oder „zu viele Autos“. Und für alles hatte sie dann eine Fake-Lösung parat: weniger Migration.

Dass so eine „Chaos-Initiative“ überhaupt so weit kommen konnte, liegt an den vermeintlich klaren Zahlen. Seit 2002 ist die Zuwanderung in die Schweiz gestiegen und die Bevölkerung um mehr als 20 Prozent gewachsen. Insgesamt leben heute 9,1 Millionen Menschen in der Schweiz, rund 27 Prozent davon Ausländer. Eine 10-Millionen-Obergrenze klang da irgendwie verlockend einfach als Forderung. 

Aber glaubt jemand ernsthaft, dass auch nur eines der genannten Probleme durch weniger Migration gelöst wäre? Im Gegenteil: Die Schweiz lebt davon. Die Arbeitslosenrate von Ausländern liegt bei 4,6 Prozent (!). Bei Handwerkern und Führungskräften liegt der Ausländeranteil bei 30 Prozent. Auf dem Bau, in der Reinigung oder in Restaurantküchen liegt der Ausländeranteil bei über 50 Prozent.

Die Wahrheit ist: Es ging nicht um Zuwanderung. Und es ging nicht mal um die Probleme Nachhaltigkeit, Verkehr oder Umwelt. Das sieht man deutlich an den Stimmergebnissen nach Regionen: Dort wo am wenigsten Ausländerinnen und Ausländer wohnen, wo „Dichtestress“ und Kriminalität am geringsten sind, vor allem in ländlichen Gebieten – dort war die Ablehnung von Migration am größten. Es ging also eher um die „generelle Sorge vor einer sich schnell verändernden Schweiz“ als um Probleme, von denen man persönlich betroffen ist – so der Tagesanzeiger in seiner Analyse.

Trotzdem fallen viele deutsche Medien darauf herein und schreiben, das Land „ächze“ unter der starken Zuwanderung und betonen, wie wichtig es sei, die Bedenken der Bevölkerung ernst zu nehmen. In Wahrheit ging es darum, die Schweizer Bevölkerung weiter zu spalten – in ein Lager entweder für oder gegen Migration. Und das mit Themen, die aktuell relevant sind, wie Nachhaltigkeit, Verkehr oder Wohnungsmangel. Diese Polarisierung verschafft der SVP weiter Zulauf. Und die AfD wird sich daran ein Beispiel nehmen.

Flaggen auf dem Reichstag
Foto: Thomas Trutschel / Photothek.de / Picture Alliance

So geht’s auch
Immer mehr Menschen wechseln zu Ökostrom. Auf der Vergleichsplattform Verivox entfielen 81 Prozent der abgeschlossenen Stromverträge auf Ökostrom – so viel wie noch nie. Dieser ist inzwischen nicht nur die umweltfreundlichste, sondern oft auch die günstigste Option. 
wdr.de

Fundstück 
Marmelade darf wieder Marmelade heißen. Bisher durfte nach EU-Recht nur Marmelade heißen, was aus Zitrusfrüchten hergestellt wurde – der Rest war Konfitüre. Diese Regel setzten damals die Briten durch. Nach dem Brexit änderte die EU das wieder.
zdfheute.de


Geplant ist nun, die Anzahl der CO2-Zertifikate im System zu erhöhen. So soll verhindert werden, dass die Preise für Brennstoffe oder Heizen übermäßig steigen. Damit folgt die EU-Kommission den Forderungen von einigen EU-Ländern wie Tschechien oder Polen, die in den letzten Monaten immer wieder darauf gedrängt hatten, die Einführung des EU EU-ETS 2 zu verschieben und abzuschwächen. Kritiker befürchten jedoch, dass niedrigere CO2-Preise die Anreize zur Emissionsminderung abschwächen könnten.

Zumal Mitte Juli auch eine Revision des EU-ETS 1 ansteht, also dem Emissionshandelssystem, das unter anderem rund 9.000 Anlagen der europäischen Energiewirtschaft und der Industrie erfasst. 

Wie genau diese Neuausrichtung ausfallen wird, dazu recherchiere ich seit Wochen. Denn was sich bereits abzeichnet: Emissionsstarke Branchen wie die Chemieindustrie setzen alles daran, das System für ihre Zwecke abzuschwächen. Mit einer massiven Lobbying-Kampagne auf EU-Ebene, aber auch in Deutschland. Warum das relevant ist: Sollte sich die Lobby durchsetzen, dann könnten sich einzelne Konzerne Vorteile in Milliardenhöhe sichern – zu Lasten des Klimas und anderer Wirtschaftszweige. Am Ende trifft es uns also alle. 

Eine Deutschlandkarte zeigt für jedes Bundesland, wie viele Schüler und Schülerinnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine Regelschule besuchen.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Tristan Devigne, Till Eckert, Sebastian Haupt und Elena Müller.