
Anette Dowideit
stellvertretende Chefredakteurin
Liebe Leserinnen und Leser,
wie gut oder schlecht unser Nachwuchs ausgebildet wird, geht uns alle an. Denn nur, wer gut lesen, schreiben und rechnen kann, ein solides Allgemeinwissen hat und ein ausreichendes Verständnis von Naturwissenschaften, Geschichte, Politik und Kultur, kommt gut durchs Leben und kann zu Wohlstand und Demokratie beitragen. Ganz gleich, ob derjenige hier geboren wurde oder als Zuwanderer zu uns kam.
Deshalb haben wir von CORRECTIV uns bewusst entschieden, Bildung zu einem der wichtigsten Schwerpunkte unserer Arbeit zu machen – bei Recherchen und bei vielen anderen Angeboten, die unser Medienhaus macht. Heute ist eine aufwändige Recherche erschienen, die zu diesem Komplex gehört. Es geht darum, wie eine der einflussreichsten Hochschulen im Land arbeitet – und wie viel das noch mit Bildung zu tun hat.
Aus diesem Anlass dreht sich der Spotlight heute komplett um Bildung: um die aktuelle Recherche, und um alle Aspekte, die wir zu diesem zentralen Thema bearbeiten: etwa mit unserer Jugendredaktion Salon5, die sich diese Woche mit der Frage beschäftigt, ob Inklusion an Schulen überhaupt gelingt.
Viel Spaß beim Lesen – und schreiben Sie mir gern Ihre Anregungen zum Bildungsthema: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Sind wir eigentlich blöd?
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Faktencheck: Wird das Wetter durch eine Haarp-Anlage manipuliert?
Gute Sache(n): Wie Familie die Bildung beeinflusst • Eltern organisieren Naturschule • Jugendbuchpreis ist Teil von Bildungsarbeit
CORRECTIV Werkbank: Wir beobachteten, wie Alice Weidel mit Jugendlichen im „echten“ Leben umgeht
Grafik des Tages: Die Inklusionsquote an deutschen Schulen
Die heute erschienene Recherche unseres Investigativreporters Till Eckert begann vor ein paar Monaten. Eckert hatte gerade eine Story über die RWTH Aachen veröffentlicht, „Die Bling-Bling-Professoren aus Aachen“. Es ging darum, wie Professoren am renommierten Forschungsinstitut Kasse machen: mit GmbHs, die sie nebenher betreiben – und dafür viel Zeit aufwenden, die sie sonst in ihre Forschungsarbeit stecken könnten.
Als Reaktion darauf meldeten sich viele Mitarbeitende bei ihm. Unter anderem solche, die an der RWTH ihre Doktorarbeit schreiben und dafür öffentliche Fördergelder bekommen. Die jetzt veröffentlichte Geschichte „Dubiose Geschäfte an der Elite-Universität“ zeigt aber: Diese wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen einen großen Teil ihrer Arbeitskraft darauf verwenden, neue bezahlte Aufträge für diese Professoren-GmbHs heranzuschaffen. Ihre eigentliche Forschungsarbeit bleibt dabei oft auf der Strecke.
Was hinter der Recherche steht:
Das deutsche Bildungssystem krankt an vielen Ecken, nicht nur daran, was an den Hochschulen läuft. Schon in Kitas und Grundschulen werden Bildungschancen vertan. Wir leuchten deshalb in viele Winkel des Systems.
Angefangen bei den Kitas: Hier hat unser Team CORRECTIV.Lokal kürzlich einen Schwerpunkt gesetzt. Er legte offen, dass die Kitas im Land so systematisch überlastet sind, dass eine gute Förderung für viele Kinder unmöglich ist.
Weiter mit den Grundschulen: Unser Spotlight-Projekt „Gemeinsam aufgedeckt“ gemeinsam mit Ihnen ergab, dass die Bildungschancen für Kinder höchst ungleich sind. Mit einer Recherche zum sogenannten Startchancen-Programm der Bundesregierung zeigten wir kürzlich, dass Fördermittel, die ungleiche Bildungschancen beheben sollen, oft gar nicht dort ankommen, wo sie besonders gebraucht werden. Und mit dem Projekt „Achtung, Schulweg!“ machen wir kontinuierlich für verschiedene Städte sichtbar (hier zum Beispiel für meine Heimatstadt Köln), dass selbst schon der Hin- und Rückweg zur Schule für viele ein Problem darstellt.
Was wir außer Recherchen tun:
Bei CORRECTIV geht es uns nicht nur darum, Missstände offenzulegen. Sondern auch darum, Dinge besser zu machen. Zum Beispiel wollen wir die Medienkompetenz erhöhen, die für politische Meinungsbildung enorm wichtig ist.
Das ist der Grund, warum es zum Beispiel unsere Jugendredaktion Salon5 gibt. Die Idee ist, Journalismus gerade solchen Jugendlichen zugänglich zu machen, die sonst nie auf die Idee kämen, sich in einer Redaktion zu bewerben. Der Journalismus krankt nämlich daran, dass meistens nur junge Leute mit Hochschulabschluss sich das überhaupt zutrauen. Bei Salon5, das bisher Standorte in Bottrop, Greifswald und Hamburg hat und für das wir gerade neue Standorte aufbauen, kann man einfach reinschauen, mitmachen und sich ausprobieren.
Und wir machen Erwachsenenbildung: zum Beispiel mit der Reporterfabrik, in der es darum geht, dass jede und jeder Zugang zu den Werkzeugen haben soll, mit denen wir Medienschaffende arbeiten. Falls Sie die Reporterfabrik noch nicht kennen: Hier gibt es einen Überblick (und Links zu ein paar kostenlosen Angeboten).
Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen wollen und das bisher noch nicht tun, können Sie zum Beispiel noch bis 31. Oktober an unserer aktuellen Crowdfunding-Aktion teilnehmen. Dort gibt es als Gegenleistung sogar Kunstdrucke – oder Sie können konkrete Projekte unterstützen: zum Beispiel eine unserer Journalistinnen an eine Schule schicken, um dort Medienkompetenz zu vermitteln.
Cybermobbing
Fast ein Fünftel aller Schüler erlebt im digitalen Raum Mobbing. Eltern und Schulen seien laut Studie damit überfordert.
sueddeutsche.de
Nordkorea unterstützt Russland militärisch
Nordkoreanische Soldaten kämpfen wohl im Ukraine-Krieg auf russischer Seite, möglicherweise auch in russischen Kampfjets. Diese Unterstützung stellt eine Eskalation der nordkoreanischen Hilfe für Wladimir Putin dar.
fr.de
Sachsen: Koalitionsgespräche gestartet
In Sachsen haben CDU, SPD und das BSW ihre Sondierungsgespräche begonnen. Trotz Optimismus von Ministerpräsident Kretschmer stehen noch schwierige Themen zur Debatte.
deutschlandfunk.de
Recherche: Haftbedingungen in der Schweiz
Repetitive Arbeiten, mangelnde Gesundheitsversorgung. Ein Jahr lang hat das Reflekt mit dem Recherchekollektiv WAV verfolgt, wie Schweizer Gefangene leben und wo der Strafvollzug seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird.
reflekt.ch

Anders als in Sozialen Netzwerken behauptet, lieferte die ProSieben-Sendung Galileo keine Belege dafür, dass das Wetter durch eine Haarp-Anlage manipuliert wird. Ein Ausschnitt aus der Sendung wurde sinnentstellend verkürzt. Rund um Haarp kursieren seit Jahren Verschwörungserzählungen.
CORRECTIV.Faktencheck
Endlich verständlich
Das deutsche Bildungssystem spielt bei der Bildungsungleichheit eine zentrale Rolle. Aber auch, wie gut eine Familie finanziell und sozial aufgestellt ist, hat großen Einfluss auf die Zukunft eines Kindes. Die ZEIT hat das anschaulich illustriert: zeit.de
So geht’s auch
Stressfreies Lernen in der Natur – das ist das Konzept der Freien Schule „Nimmersatt“ in Ettlingen bei Karlsruhe. Eltern haben sich dafür zusammengetan und das Projekt auf die Beine gestellt. Kritisiert wird aber der exklusive Zugang: swr.de
Fundstück
Jugendlichen eine Stimme geben – das ist das Ziel unserer Jugendredaktion Salon5. Sie vereint Medienpädagogik und Jugendjournalismus und ist damit ein wichtiger Baustein in der Bildungsarbeit. Ganz konkret können Jugendliche ihre Stimme beim Salon5-Jugendbuchpreis nutzen. Am 15.11. kürt die Jugendjury in Bottrop ihre Lieblingsbücher – und Sie sind herzlich eingeladen! Wer Teil der Jury ist und wie ihre Arbeit aussieht, sehen sie hier.
Finn Schöneck
Redakteur SPOTLIGHT
Meine Kollegin Elena Schipfer berichtete gestern vom Planspiel „Jugend und Parlament“, in dem sich junge Menschen in die Rolle fiktiver Bundestagsabgeordneter begeben – ein Projekt, das zur politischen Bildung junger Menschen beitragen möchte. Ich schildere Ihnen hier meinen persönlichen Eindruck.
Zum letzten Tagespunkt im Plenarsaal kamen Vertreter aller Bundestagsfraktionen zusammen – so auch Alice Weidel. Wir wollten beobachten, wie Alice Weidel mit den Jugendlichen im „echten“ Leben umgeht – wo ihre AfD doch gerade die Interaktion mit der Jugend im digitalen Raum perfektioniert hat.
Um es hier einmal festzuhalten: Die jüngsten Wahlerfolge der AfD bei jungen Wählern allein mit Plattformen wie TikTok zu erklären, ist zu eindimensional. Trotzdem sind Inhalte keiner anderen Partei präsenter auf TikTok – unsere Recherche zeigt über welche Wege. TikTok trägt vermehrt zur politischen Orientierung Jugendlicher bei. Einer der reichweitenstärksten Politiker auf TikTok ist übrigens Ulrich Siegmund (AfD), Co-Fraktionsvorsitzender im Landtag Sachsen-Anhalt – und Teilnehmer am Geheimplan-Treffen in Potsdam.
Zurück in den Plenarsaal: Weidel begrüßte eine Handvoll Fans – einige sind bereits in der Kommunalpolitik für die AfD aktiv. Auf Instagram kursiert ein Video dreier Teilnehmer, in dem sie erklären, fünf AfDler hätten sich in diesem Projekt gegen 300 Teilnehmer der „Kartellparteien” gestellt – den Sprech ihrer politischen Vorbilder ahmen sie bereits nach.
Nach der Fragerunde verschwand Weidel schnell aus unserem Blickfeld. Andere Politiker blieben und suchten den Dialog – am gefragtesten: Heidi Reichinnek (Die Linke).

Inklusion ist ein Menschenrecht. So steht es in der UN-Behindertenrechtskonvention. Demnach haben Menschen mit Behinderung ein Recht auf inklusive Bildung. Sie müssen die Möglichkeit haben, zusammen mit anderen Kindern und Jugendlichen zur Schule zu gehen. Wie gut die Inklusion in Deutschland funktioniert, wird anhand der Inklusionsquote gemessen. Bremen und Berlin schneiden dabei am besten ab.
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Bianca Poersch, Elena Schipfer, Finn Schöneck
CORRECTIV ist spendenfinanziert
CORRECTIV ist das erste spendenfinanzierte Medium in Deutschland. Als vielfach ausgezeichnete Redaktion stehen wir für investigativen Journalismus. Wir lösen öffentliche Debatten aus, arbeiten mit Bürgerinnen und Bürgern an unseren Recherchen und fördern die Gesellschaft mit unseren Bildungsprogrammen.