Von Nasenhaaren-Liveshows und echter Transparenz

Transparenz oder Vertuschung? Enthüllungen über unbekannte Schadstoffe im Rhein und die gezielte Verschleierung von Informationen in brisanten aktuellen Fällen – wir schauen hinter die Kulissen.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Da sind die Akten des Multi-Pädophilen Jeffrey Epstein, die erst Jahre nach seinen Taten ans Licht kommen. Sie enthüllen, wer sich von grenzenlosen Kreditkarten, Macht und – hoffentlich nur in Ausnahmefällen – sexueller Gewalt angezogen fühlte. Wie beim verurteilten Sexualstraftäter Harvey Weinstein drängt sich ein beklemmender Verdacht auf: Eine Gruppe wusste Bescheid – und schwieg. Eine gezielte Vertuschung. Sie gefährdet Leben, weil die potentiellen Täter im Dunkeln bleiben.

Auf einer anderen Ebene befasste sich diese Woche eine unserer Publikationen mit Transparenz – für unsere Gesundheit, also letztlich auch unser Leben. 

Es geht um unbekannte Schadstoffe im Rhein. Denn der längste Fluss Deutschlands ist alles andere als sauber: Zehntausende unerforschte Substanzen treiben dort – und in allen Flüssen Deutschlands, die an Industriekonzerne grenzen. Diese schöpfen Wasser und speien es dann als Abwasser, angereichert mit hunderten, tausenden Mikroschadstoffen, zurück in den Fluss. Bis heute müssen sie nicht offenlegen, was genau sie einleiten: Offenheit gilt nur für die bekannten Stoffe. Das ist so intransparent, so versteckt, dass die meisten Menschen noch nie von unbekannten Schadstoffen gehört haben.

Wir fragten daher dutzende Industriekonzerne höflich, welche unbekannten Stoffe sie in die Gewässer leiten – keine Antwort. Umso verstörender, wie wenig Bund und Länder darauf drängen, diese chemische Belastung genauer zu untersuchen: „Wir erleben die absurde Situation, dass eine Armada von Wissenschaftlern Stoffe erforscht, die die Industrie sehr genau kennen dürfte. Aber niemand zwingt sie, diese offenzulegen“, sagt Werner Brack, Ökotoxikologe am Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Brack ist überzeugt: Viele der heute unerforschten Stoffe könnten sich bald als toxikologisch bedenklich und gesundheitsschädlich erweisen. Sie bedrohen also unser Leben. 

Weil uns diese ständige Vertuschung auf den Keks geht, holen wir das Thema ins Rampenlicht: Am Samstag feiert das Stück „Dat Wasser vun Kölle es jot“ im Schauspielhaus Köln Premiere (bereits ausverkauft). Am Montag folgt auf das Drama ein Publikumsgespräch. Und am Sonntag haben wir gleich ein ganzes Zirkuszelt angemietet, um bei Musik und künstlerischen Snacks über die Recherche zu reden. Ganz offen, natürlich. 

Alle Veranstaltungen und noch viele weitere von CORRECTIV finden Sie Alle Veranstaltungen und noch viele weitere von CORRECTIV finden Sie auf unserer Event-Seite.

Wir arbeiten bereits an der nächsten Enthüllung: Wie die Bundesregierung in Brüssel stets schützende Gesetze zur Chemie verhinderte. (Hinweise gerne an: annika.joeres@correctiv.org)

Sie, liebe Leserinnen und Leser von CORRECTIV, wissen es ja längst: Ihr Lieblingsmedium kämpft für Transparenz. Wir halten Sie für lebenswichtig. Außer bei nebensächlichen Nasenhaaren. 

Herzlich,
Ihre Annika Joeres


Ich begleite das Thema schon seit Jahren, saß im Afghanistan-Untersuchungsausschuss im Bundestag und habe mit vielen Betroffenen gesprochen. Es sind Übersetzer, Juristinnen, Menschenrechtsaktivisten, Entwicklungshelfer – sie alle haben Deutschland in dem langjährigen Einsatz in Afghanistan unterstützt und wollten einen gesellschaftlichen Aufbruch in ihrem Heimatland mitgestalten. Deshalb sind diese Menschen ins Visier der Taliban geraten.

Dass Deutschland nicht zu seinen Versprechen steht, hat nichts mit einer veränderten Gefährdungslage zu tun. Die Taliban herrschen nach wie vor in dem Land und haben zuletzt eine Schutzunterkunft, in der abgeschobene Afghaninnen und Afghanen mit deutschen Aufnahmezusagen wohnten, unter ihre Kontrolle gebracht. Die Gründe für die verhinderten Ausreisen sind rein politisch. Und das hat auch mit meinem Kern-Recherchethema bei CORRECTIV zu tun: der AfD.

Das System Siegmund: Die Vetternwirtschaft in der AfD Sachsen-Anhalt
Mehrere AfD-Abgeordnete beschäftigen Verwandte und Partnerinnen von Parteikollegen als Mitarbeitende. Der Landtag prüft den Vorgang nun auch auf möglichen Missbrauch von Steuergeld.
correctiv.org

Integrationskurse für Migranten voraussichtlich noch für Monate auf Eis
Die Bundesregierung will offenbar künftig nur noch Zugewanderten Integrationskurse gewähren, die eine „Bleibeperspektive“ haben – also auch vielen Ukrainern nicht mehr. Die Pläne könnten auch dazu führen, dass monatelang überhaupt keine Kurse mehr bewilligt werden.
correctiv.org

Wie Deutschland afghanische Ortskräfte im Stich lässt
Nora Azimi hat in ihrem Heimatland Afghanistan für eine deutsche Organisation gearbeitet. Nach der Machtübernahme durch die Taliban wurde ihr eine Aufnahme in Deutschland zugesagt. Doch die Regierung Merz fühlt sich an das Versprechen der Ampel-Koalition nicht gebunden. Nun sitzen Nora Azimi und ihre Familie in Pakistan fest und fürchten eine Abschiebung nach Afghanistan – das Land, in dem die Taliban sie mit dem Tod bedrohen.
correctiv.org

Russland-Visum auf Einladung von FSB-Organisation: Epsteins Kontakte zum russischen Geheimdienst
Die Dimension von Jeffrey Epsteins Russland-Verbindungen wird immer deutlicher: Veröffentlichte Unterlagen des US-Justizministeriums belegen hochrangige Beziehungen des Pädokriminellen zu russischer Geheimdienst-Organisation. 
correctiv.org

Die russische Aktivistin in Epsteins Haus
In den Epstein-Unterlagen taucht mehr als 1.000 Mal die russische Unternehmerin Maria Drokova auf. Als führende Jugendaktivistin der russischen Putin-Jugendbewegung „Nashi” hatte sie früher Beziehungen direkt zum russischen Präsidenten Wladimir Putin.
correctiv.org

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Martin Böhmer, Pamela Keathner & Finn Schöneck.