Was wirft sich Deutschland ein?
Es ist ein gefährlicher Trend: verschreibungspflichtige Medikamente, die wie Drogen eingenommen werden. Wir starten eine große Recherche dazu.

Liebe Leserinnen und Leser,
vielleicht haben Sie schon mal von der sogenannten Opioid-Krise in den USA gehört: eine verheerende Drogenepidemie, der jährlich Zehntausende Menschen zum Opfer fallen. Es geht dabei nicht um Heroin oder Crack, sondern um starke Schmerzmittel – die viele Menschen aber eben einnehmen wie Drogen.
Wir versuchen schon seit Langem herauszufinden, wie groß dieses Problem in Deutschland (im Vergleich zu den USA) ist. Aber: Es gibt noch keine verlässlichen Erhebungen darüber. Also machen wir diese jetzt selbst. Mehr dazu im Thema des Tages.
Außerdem geht es im SPOTLIGHT heute unter anderem um das Aus des deutsch-französischen Kampfjet-Projekt FCAS: Was steckt wirklich hinter dem Ende des Vorhabens?
Und jetzt noch ein paar Worte zu einer Sache, die uns in der CORRECTIV-Redaktion am vergangenen Wochenende sehr geärgert hat. Die beiden Fernsehmänner Markus Lanz und Richard David Precht haben in der aktuellen Folge ihres Podcasts über Aktivismus im Journalismus gesprochen – und sich dabei in einigen Missverständnissen verlaufen. Sie sprachen über CORRECTIV und die Potsdam-Recherche und behaupteten falsche Dinge über unser Unternehmen. Viel davon waren rechtspopulistische Erzählungen, die Lanz und Precht ungeprüft übernahmen.
Am liebsten würden wir so etwas einfach mit einem Schulterzucken begegnen und es dann schnell wieder vergessen. Aber: Leider leben wir in politisch derart aufgeheizten Zeiten, in denen sich Falschbehauptungen über soziale Netzwerke wie ein Lauffeuer verbreiten. Deshalb haben wir uns entschieden, in einem Kurzvideo zu antworten. Darin stellt mein Kollege Justus von Daniels klar, wie die Dinge wirklich liegen. Ich würde mich freuen, wenn Sie es kräftig teilen und kommentieren. Ebenso dieses Video, in dem unser Reporter Marcus Bensmann noch einmal ausführlich erklärt, was es mit der völkischen Ideologie auf sich hat.
Ich persönlich habe mich gefragt, ob dieser reichweitenstarke Podcast der beiden Männer eigentlich gar keine Redaktion hat, die die Fakten checkt? Immerhin verantwortet diesen Podcast das ZDF. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend – und freue mich auf Ihre E-Mails: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Was wirft sich Deutschland ein?
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Neueste CORRECTIV-Recherchen: Deutschland will Kampfjet ohne Frankreich bauen
Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Wenn Kinder gegen das Handy verlieren
Faktencheck: Kein Ukraine-Bezug: Foto von geretteter Katze ist aus den USA
CORRECTIV ganz persönlich: Ich bin schon lange überzeugte Organspenderin
Grafik des Tages: Politisch motivierte Gewalt hat zugenommen
Die Idee für unser neues Recherche-Projekt entstand vor zwei Jahren: Damals häuften sich die Berichte (wie zum Beispiel hier bei Arte) über diese „Epidemie“, die vor allem die USA überzog.
Fentanyl war damals für die meisten ein neues Wort. Das ist ein extrem starkes synthetisches Opioid, das in der Medizin als Schmerz- und Narkosemittel eingesetzt wird. Es ist etwa 50- bis 100-mal stärker als Morphin und wird auch illegal als Rauschmittel gehandelt. Es geht aber auch noch um andere Mittel: Tilidin, Oxycodon und Benzodiazepine zum Beispiel – alles Wirkstoffe mit hohem Abhängigkeitspotenzial.
In den USA sterben extrem viele Menschen am Missbrauch dieser Mittel – und dort gibt es riesige Gerichtsprozesse gegen die Milliardärsfamilie Sackler und ihren US-Pharma-Konzern Purdue, die für die Krise mitverantwortlich gemacht werden.
Wir begannen damals zu schauen:
Wie sieht es in Deutschland aus? Zwar sind die Rahmenbedingungen hier anders, man kommt nicht so leicht an die Mittel wie in den USA. Wir wollten aber wissen, wie stark sich der traurige Trend hier dennoch ausgebreitet hat. Wir stellten allerdings schnell fest, dass es keine systematischen Untersuchungen dazu gibt.
Also recherchieren wir jetzt selbst dazu …
… und zwar gemeinsam mit dem Spiegel. Mein Kollege Justus von Daniels hat ein Recherche-Team zusammengestellt, das sich schon seit ein paar Monaten immer wieder trifft – mit Reporterinnen und Reportern aus unserer Redaktion und vom Spiegel.
Unser Auftakt-Text ist heute erschienen.

Was wir planen:
Wir starten eine Beteiligungs-Recherche und haben dafür im ersten Schritt mehrere Umfragen vorbereitet. Wir wollen erreichen, dass sich möglichst viele Menschen beteiligen, die mit dem Thema in Berührung kommen: Betroffene, Angehörige, Behandler, Drogenberatungen.
Auf diese Weise wollen wir ein umfassendes Bild zeichnen: Wie stark sind Opioide in Deutschland verbreitet? Wie kommen die Abhängigen daran? Wo liegen also Probleme im System, die zur Ausbreitung beitragen? Hier können Sie teilnehmen, wenn Sie selbst oder ein Angehöriger betroffen sind – oder wenn Sie beruflich mit dem Thema zu tun haben.
Zusätzlich führen wir natürlich eine Menge Interviews, wir werten Datensätze aus – und wir wollen zusammen mit lokalen Medienpartnern Debatten vor Ort anstoßen.
SPD fordern Abbau der Grenzkontrolle
Mit Beginn der neuen EU-Asylreform (GEAS) will die SPD die Grenzkontrollen abbauen. Die CDU hält das für verfrüht und stellt sich damit hinter Innenminister Alexander Dobrindt (CSU). Die europäische Asylreform, die am Freitag verabschiedet werden soll, verschärft die Regeln für Asylsuchende und erschwert die Einreise in die EU.
n-tv.de
Regierung stoppt Diätenerhöhung
Die Koalitionsfraktionen wollen die Diätenerhöhung für 2026 aussetzen und haben sich auf einen Gesetzentwurf geeinigt. Grund dafür sind die aktuelle Wirtschaftslage sowie die angespannte Haushaltslage. Die Oppositionsparteien forderten diese Aussetzung schon vor Wochen (CORRECTIV berichtete).
t-online.de
Russisches Datenleck enthüllt Schattenflotte
Ein Datenleck offenbart Informationen über 85.000 Crewmitglieder, die zwischen 2023 und 2026 russische Ölhäfen in der Ostsee angelaufen haben. Es zeigt auch, dass seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine 700 Öltanker die Ostsee passiert haben. Russland umgeht so die EU-Sanktionen; inzwischen stoppen europäische Sicherheitskräfte die Tanker der Schattenflotte allerdings immer häufiger.
tagesschau.de

Neueste CORRECTIV-Recherchen

Deutschland will Kampfjet ohne Frankreich bauen
Für rund 500 Milliarden Euro sollten Airbus und Dassault einen Gegenentwurf zum US-Kampfjet F35 entwickeln. Deutschland will sich nun neue Partner suchen.
correctiv.org

In dieser Folge dreht sich alles um das Smartphone. Fil erklärt, wie das Belohnungssystem im Gehirn funktioniert, warum das Smartphone so verlockend ist und weshalb seine Nutzung Auswirkungen auf Gespräche, Schlaf und Konzentration haben kann:
tube.funfacts.de

Online sollen Zweifel an der Berichterstattung zur Ukraine gesät werden: Das Foto von einer Frau, die ihre Katze nach einem Tornado in den USA rettete, sei für Berichte über einen Bombenangriff in der Ukraine verwendet worden. Doch das stimmt nicht.
correctiv.org
Endlich verständlich
Wie prägen Influencer unser Konsumverhalten – und vor allem das junger Menschen? Das beleuchtet Salon5 im neuen Video: Es zeigt sich, dass viele Follower eine sogenannte parasoziale Beziehung zu ihren Lieblings-Creators entwickeln. Das macht sie empfänglich für Produktempfehlungen und Internettrends.
instagram.com
So geht’s auch
2025 erreichte die Zahl neu eröffneter Bäckereien einen Rekord. Über 440 Personen mit Meisterschein machten sich selbstständig. Ein Grund dafür dürfte die gestiegene Zahl an Beschäftigten und Auszubildenden im Vorjahr sein.
n-tv.de
Fundstück
Erfurt ist die glücklichste Großstadt Deutschlands – das zeigt der SKL-Glücksatlas. Die Stadt punktet mit günstigen Mieten, hoher Umweltqualität und einer stabilen Wirtschaft. Zudem leben hier im ostdeutschen Vergleich die wenigsten Menschen allein.
faz.net
Seit fast 20 Jahren bin ich als Knochenmarkspenderin registriert, fast genauso lange habe ich einen ausgefüllten Organspendeausweis. Zunächst nur als Papierkärtchen im Geldbeutel, seit zwei Jahren bin ich zudem im elektronischen Onlineregister eingetragen.
Mich macht die Vorstellung, anderen Menschen im Notfall mit einem Teil von mir helfen zu können, froh. Zu Lebzeiten, weil ich einer an Blutkrebs erkrankten Person mit meinem Knochenmark oder Plasma eine Chance auf Heilung verschaffen kann. Im Todesfall, weil vielleicht ein anderer Mensch durch meine Organspende weiterlebt.
Ich liebe das Leben – aber ich habe keine Angst vor dem Tod. Oder davor, über ihn nachzudenken. Und spätestens seit ich vor ein paar Jahren meinen Motorradführerschein gemacht habe, ist mir nochmal klarer geworden, wie wichtig es ist, sich beim Thema Organspende zu positionieren.
Es ist natürlich genauso legitim, sich gegen die Organspende zu entscheiden – jeder und jede hat schließlich ganz individuelle Gründe. Doch das heißt nicht, dass man sich nicht positionieren sollte. Denn durch die Begleitung der Recherche meiner Kollegin Karolin Arnold ist mir noch bewusster geworden: Nur eine klar dokumentierte Entscheidung hilft Ärztinnen, Ärzten und Angehörigen in einer Ausnahmesituation, das Richtige zu tun.

Das Innenministerium legte heute neue Zahlen zur politisch motivierten Kriminalität vor. Demnach erfassen die Behörden eine neue Rekordzahl an Taten. Das Wachstum ist laut Ministerium auf der linken Seite besonders groß, insgesamt dominiert jedoch der Phänomenbereich rechts. (Zu den Definitionen gibt es hier mehr.) Allerdings hat die Statistik auch einen Haken, wie die Frankfurter Rundschau hier zusammenfasst:
fr.de
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Tristan Devigne, Till Eckert, Sebastian Haupt, Lea Messerschmidt und Elena Müller.
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