
Diese für Audio optimierte Kompaktfassung des täglichen Spotlight-Newsletters ist von einer KI-Stimme eingelesen und von Redakteuren erstellt und geprüft.
Liebe Leserinnen und Leser,
nach dem riesigen, tagelangen Stromausfall in Teilen Berlins – für den ja eine linksradikale Gruppe verantwortlich sein soll – diskutieren viele Menschen im Land: Wie leicht kann so etwas wieder passieren? Und (wie) kann man es verhindern?
Unser Nachrichtenteam hat nachgeforscht, was die Bundesregierung zum Schutz unserer sogenannten Kritischen Infrastruktur tut. Das Ergebnis steht im Thema des Tages.
Jetzt noch mal zu Gerhard Schröder. Vor ein paar Wochen hatten wir berichtet, dass der Ex-Kanzler bei seinem Abtritt einfach 178 Aktenordner mitgenommen hat. Darin steht zum Beispiel, mit wem er sich wann getroffen hat. Sie lagern derzeit in der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung – deshalb kommt niemand ran, um sie auszuwerten. Dies wäre aber wichtig. Denn sie könnten Aufschluss darüber geben, welche Deals Schröder zu seiner Amtszeit mit Wladimir Putin gemacht hat.
Nun hat es die Recherche unseres freien Reporters Hans-Martin Tillack in den Bundestag geschafft: Morgen muss (siehe Tagesordnungspunkt 7) Kanzleramtsminister Thorsten Frei dort erklären, weshalb er sich die Akten nicht einfach zurückholt.
Außerdem geht es bei uns heute unter anderem um Grönland und um Schäden durch Unwetter und Naturkatastrophen. Und es geht weiter mit der Cartoon-Arena, Thema „Staatschefs entführen“.
Was bewegt Sie derzeit besonders? Schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Wer schützt uns vor Sabotage?
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Cartoon-Arena: Staatschefs entführen – Cartoon 2 von 5
CORRECTIV.Faktenforum: Alte Bluthochdruck-Werte bleiben: Video stellt Leitlinien irreführend dar
Grafik des Tages: So hoch waren die Schäden durch Unwetter und Naturereignisse 2025
„Kritische Infrastruktur“ ist ein abstrakter Begriff. Gemeint ist damit alles, was unser tägliches Leben am Laufen hält: Stromtrassen, Schienennetz, die Internetkabel unter der Erde, das Wasser- und Abwassersystem und vieles mehr. Hier können Sie die offizielle Definition des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nachlesen.

Wie es um die Kritische Infrastruktur steht:
Wie anfällig sind all diese Leitungen für Angriffe von Terroristen oder fremden staatlichen Mächten? Und wie steht es um die Computersysteme, die all diese Leitungen steuern?
Ich habe dazu schon vor sieben Jahren zusammen mit einem Kollegen mehrere Monate lang recherchiert. Wir sprachen mit allen möglichen Leuten: mit den Verantwortlichen bei Energiekonzernen und Telekommunikationsanbietern. Mit den Sicherheitsbeauftragten von Stadtwerken und Krankenhäusern. Mit Verfassungsschützern. Und mit „guten“ Hackern – also Leuten, die ihr Geld damit verdienen, sich im Auftrag von Firmen oder Behörden bei diesen in die Computersysteme zu hacken und so Schwachstellen in deren IT-Sicherheit aufzuspüren.
Das Ergebnis (hier nachzulesen, aber hinter einer Bezahlschranke) war: Gerade in Stadtwerken, die unter anderem für unser Trinkwasser zuständig sind, gab es zumindest damals noch viel zu wenig Bewusstsein darüber, dass man sich in die IT-Systeme einhacken und zum Beispiel die Qualität des Trinkwassers manipulieren kann. Die meisten Verantwortlichen in Stadtwerken kleiner oder mittelgroßer Städte hatten weder Ahnung, wie man so etwas macht, noch Geld für entsprechende Sicherheitsmaßnahmen.
Und dazu kommen ja noch die Angriffsflächen für Kritische Infrastruktur „offline“ hinzu, wie wir in Berlin gesehen haben – Heckenscheren, mit denen Stromkabel zerschnitten werden; Sägen, die an Strommasten angesetzt werden.
Was unternimmt die Regierung gegen die Gefahr?
Sie plant schon seit einiger Zeit ein neues Gesetz: das „KRITIS-Dachgesetz“. KRITIS ist die offizielle Abkürzung für Kritische Infrastruktur.
Das neue Regelwerk soll Mindeststandards festlegen, wie gut die Betreiber von Leitungen und Netzwerken diese Dinge schützen müssen. Das heißt konkret, dass zum Beispiel die oben erwähnten Stadtwerke künftig haftbar gemacht werden können, wenn sie sich nicht ordentlich um ihre Sicherheit kümmern.
Gilt das jetzt schon?
Nein. Das Gesetz ist noch lange nicht verabschiedet: Bisher gibt es nur einen Gesetzentwurf, auf den unsere Bundesministerinnen und -minister sich schon im September geeinigt hatten.
Weshalb ist das Gesetz noch nicht da? Das hat unser Nachrichtenteam die verantwortlichen Behörden gefragt: Bundesinnenministerium und Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Eben haben wir dazu ganz frisch unseren Text veröffentlicht. Darin zeigen wir unter anderem auch, was beim Krisenmanagement in Berlin nicht gut lief und woran es lag.

Es gibt außerdem einen Schönheitsfehler im Gesetzentwurf:
Das Bundesinnenministerium teilt mit, für wen das Gesetz gelten soll:
„Wenn eine Einrichtung zum Beispiel essenziell für die Gesamtversorgung in Deutschland ist und mehr als 500.000 Personen versorgt, zählt sie zur kritischen Infrastruktur im Sinne des Gesetzentwurfs.“
Das heißt: Ein Stadtwerk einer mittelgroßen Stadt fiele überhaupt nicht darunter – so wie jenes Stadtwerk, an dessen Beispiel mein Kollege und ich damals zeigten, dass man sich extrem leicht einhacken und so das Trinkwasser verunreinigen könnte.
Und das, obwohl uns schon 2019 der verantwortliche Abteilungsleiter im Innenministerium angekündigt hatte, bald werde es auch IT-Sicherheitsregeln für kleinere Infrastrukturbetreiber geben.
Vorschlag für Nato-Einsatz in Grönland auf dem Tisch
Unter dem Namen „Arctic Sentry“ arbeiten mehrere Nato-Staaten einen möglichen Überwachungseinsatz in der Arktis aus. Das soll Trump davon überzeugen, dass der „US-Anspruch“ an Grönland nicht mit der Gefahr durch Russland oder China begründet werden kann. Der Reservistenverband fordert, auch deutsche Soldatinnen und Soldaten in Grönland zu stationieren.
derstandard.at / welt.de
Proteste: Hunderte oder gar Tausende Tote, Spekulationen über US-Eingriff
Die harten Reaktionen des Regimes auf die Proteste im Iran sollen bereits mehrere Hunderte oder gar Tausende Tote gefordert haben. Als Sanktionsmaßnahme verhängten die USA Zölle von 25 Prozent für alle Handelspartner des Irans. Indes gibt es Spekulationen über ein militärisches Eingreifen der Vereinigten Staaten, allerdings warnen zugleich wichtige Akteure in der US-Administration vor einem solchen Einsatz.
handelsblatt.com
Neue Grenzwerte für Trinkwasser
Langlebige Chemikalien – sogenannte PFAS – bergen ein Gesundheitsproblem. Sie kommen zum Beispiel in Kosmetik oder Geschirr vor und gelangen so auch ins Wasser. Ab heute gibt es einen neuen Grenzwert für Trinkwasser. Wir haben bereits Mitte Dezember zu den Umweltauswirkungen der PFAS recherchiert.
zdfheute.de

Cartoon-Arena

Nach der Entführung von Venezuelas Machthaber durch die USA blicken diese Woche die besten Karikatur-Zeichnerinnen und Cartoonisten auf die Folgen. Heute mit einem Beitrag von Henning Christiansen.
Am Freitag können Sie abstimmen, welches davon Ihr Lieblingscartoon war.
Diesen Cartoon teilen:

In einem Instagram-Video behauptet eine Frau, die Grenzwerte für Bluthochdruck seien drastisch gesenkt worden. Sie sagt, 1995 habe man erst Werte ab 160/95 als erhöht angesehen, während heute schon 121/71 als „erhöhter Blutdruck“ oder „Hochdruck“ gelten. Doch das Video stellt die Leitlinien irreführend dar. Die Diagnosegrenze für Bluthochdruck liegt bei 140/90 mmHg, das war laut Experten schon 1995 so.
faktenforum.org
Endlich verständlich
Anfang Januar entführten die USA den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und brachten so die weltpolitische Bühne ins Wanken. Unsere Jugendredaktion Salon5 erklärt auf Instagram, dass dahinter Trumps Interesse am Öl aus Venezuela steht und er sich so erhofft, damit russischem Öl Konkurrenz zu machen. Gleichzeitig wird erklärt, dass Grönland ebenfalls über Rohstoffe verfügt. Deswegen wird im Zusammenhang mit Venezuela auch über Trumps Forderung nach Grönland gesprochen.
salon5.org
So geht’s auch
In London wurde die erste Barbie mit Autismus vorgestellt. Die Puppe soll neurodivergenten Kindern (also etwa jenen mit Autismus und ADHS) Mut machen und auch das Umfeld sensibilisieren. Zum Beispiel, wie die Welt von neurodivergenten Menschen wahrgenommen wird. Die Barbie hat Kopfhörer auf und ein Tablet zum Kommunizieren in der Hand.
zdfheute.de
Fundstück
Im Berliner Bezirk Spandau soll eine Schule nach der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer benannt werden. Die im vergangenen Mai verstorbene Friedländer leistete unermüdlich Aufklärungsarbeit über die NS-Verbrechen. Der Schulleiter des Spandauer Gymnasiums erklärte, dass Friedländer ein Leitbild für die Schulgemeinschaft geworden sei.
welt.de
Seit ich zur AfD recherchiere, stoße ich immer wieder auf Sympathien für Putin und andere Despoten. In Gesprächen und bei der Auswertung von Reden, Social-Media-Posts und Büchern höre ich oft Loblieder auf Putins Russland oder China. Der Grund ist klar: Die AfD verachtet die liberale Demokratie und die EU als deren Bündnis. Seit einiger Zeit preisen AfD-Politiker den „Kronjuristen des Nationalsozialismus“ Carl Schmitt und dessen „Großraumordnung“, die die Welt in Einflusszonen teilt.
Solange Donald Trump nicht in den USA regierte, war die Gegnerschaft gegen die Westbindung groß. So nutzte AfD-Politiker Björn Höcke oft den Begriff „raumfremde Macht“ von Carl Schmitt.
Mit Trump verlässt die USA das Bündnis der liberalen Demokratie. Sein Credo „America First“ macht die Welt zum Spieltisch. Er kungelt mit Putin über die Ukraine, sieht die EU als Gegner, entführt den Präsidenten von Venezuela aus dem Schlafzimmer und fordert Grönland. Seither versuchen die Regierenden in Europa, nicht Spielfigur zu sein, sondern zum Spieler zu werden. Die AfD verirrt sich dabei im Irrgarten der multipolaren Weltordnung.
Markus Frohnmaier, der sich zuvor Putin im Kreml angedient hatte, reist nun in die USA, um dort über Deutschland und die EU zu petzen. Das führt selbst zu Verwirrungen in der AfD. Bei Venezuela, Israel, und bei Trumps Anspruch auf Grönland schwimmt die AfD.
Während die Menschen im Iran mit dem Mut der Verzweiflung auf die Straße gehen, sollte man nicht vergessen, dass es selbst zum Mullah-Regime in der AfD Sympathie gibt. CORRECTIV zeigte 2022, dass in der damaligen Bundestagsfraktion der AfD ein Arbeitspapier zirkulierte, das vorschlug, das Mullah-Regime nicht mehr so zu nennen, da „die Wortwahl unangemessen“ sei. „Wir sollten es ausdrücklich vermeiden, abwertend über die Führungen anderer Länder zu sprechen“, heißt es dort.
Der Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah beschrieb in seinem Buch „Politik von Rechts – ein Manifest“ 2023 die Errichtung des Mullah-Regimes im Iran als „erstes Erwachen“ und bezeichnete die Menschen, die sich im Iran nach einer liberalen Demokratie sehnen, als „jene, die mit den lokalen Traditionen hadern, vielleicht weil sie politisch links ticken, einer sexuellen Minderheit angehören oder sonstwie am Rande der traditionellen Gesellschaften stehen. “ Dieser Satz war damals wie heute falsch. Die AfD, die gerade von Umfragehoch zu Umfragehoch eilt, befindet sich außenpolitisch auf Irrfahrt.

Auf 224 Milliarden US-Dollar beziffert der Rückversicherer Munich RE die weltweiten Schäden durch Unwetter und Naturkatastrophen. Das entspricht etwa dem Betrag, der weltweit jährlich für die Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben wird.
Dabei erfasst das Unternehmen lediglich materielle Werte und damit nur einen Teil der Schäden. Würde man andere Kosten etwa für Umweltfolgen oder Personenschäden einrechnen, käme ein Vielfaches der Summe zustande.
finanzen.ch
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Lea Messerschmidt, Ulrich Kraetzer und Jule Scharun.
CORRECTIV ist spendenfinanziert
CORRECTIV ist das erste spendenfinanzierte Medium in Deutschland. Als vielfach ausgezeichnete Redaktion stehen wir für investigativen Journalismus. Wir lösen öffentliche Debatten aus, arbeiten mit Bürgerinnen und Bürgern an unseren Recherchen und fördern die Gesellschaft mit unseren Bildungsprogrammen.


