Ein Satz Hasenohren
Straßenwahlkampf mit Christoph Grimm, der 33 Jahre lang Mitglied der SPD war. Nun wird er in wenigen Tagen in den Landtag von Schwerin einziehen – als Direktkandidat der AfD. Was ist da passiert?
Straßenwahlkampf mit Christoph Grimm, der 33 Jahre lang Mitglied der SPD war. Nun wird er in wenigen Tagen in den Landtag von Schwerin einziehen – als Direktkandidat der AfD. Was ist da passiert?
Steht Deutschland vor dem Ende? Natürlich nicht. In der Hamburger Haifischbar haben sich Kapitän Jürgen Schwandt und unser Reporter Marcus Bensmann über die Botschaften der AfD unterhalten. Wie rechts ist die Partei? Und was folgt daraus?
Der Essener Guido Reil ist Bergmann, Gewerkschafter und war in der SPD. Jetzt ist er zur AfD gewechselt und will den amtierenden Justizminister von NRW, Thomas Kutschaty, bei der kommenden Landtagswahl besiegen: in dessen Wahlkreis. Reil ist sich sicher, dass ihm viele Kollegen und Genossen in die AfD folgen. Die IGBCE und Kutschaty wiegeln ab.
Kaputte Briefkästen, zerschlagene Haustüren, verwahrloste Kinder: In Mallentin sei der soziale Frieden gefährdet. Wegen der Flüchtlinge. Hat AfD-Mann Christoph Grimm behauptet. Unser Reporter ist hingefahren. Und erlebt ein Lehrstück in Sachen rechter Propaganda.
Marcus Pretzell ist Landeschef der AfD in NRW. Eigentlich wäre es normal, dass er mit großer Zustimmung als Spitzenkandidat seine Partei in den NRW-Wahlkampf führt. Doch Pretzell wird bei der Listenaufstellung düpiert. Gegen einen blassen Gegenkandidaten erhielt er nur knapp 50 Prozent der Stimmen. Die völkischen Rechten in der AfD hatten Widerstand organisiert.
Politische Umbrüche, kämpfende Wähler, paranoide AfD-Politiker – einen Monat lang war unser Autor unterwegs. Nach 4000 Kilometern kommt er zu dem Schluss: Es gibt keine einfachen Antworten für den Erfolg der AfD, aber viele verschiedene. Und: Es ist nicht das Ende der Welt.
Die Demokratie hat keinen Ort, las unser Reporter kürzlich irgendwo. Das stimmt nicht, der Ort ist bloß banal. In Dorf Mecklenburg stehen die Wahlkabinen in einer Mehrzweckhalle, einem Amtszimmer mit Topfpflanze, einem Gymnasium in Plattenbauweise. Fotograf Thomas Victor ging den ganzen Morgen davor auf und ab und fragte die Menschen: „Warum gehen Sie wählen?“ Viele nahmen sich ein Herz und scheuten die großen Worte nicht, machten damit die banalen Gebäude zu Orten der Demokratie.
Bisher hat die AfD in NRW fast nur Männer auf den ersten 10 Plätzen ihrer Kandidatenliste für den NRW-Wahlkampf gesetzt. Nur eine Frau hat es in die Top 10 geschafft. Auf dem letzten Platz. Vertreter aus den Gewerkschaften sind gar nicht dabei. Der zerrissene Landesverband positioniert sich rechts außen.
Die AfD-Politikerin Iris Dworeck-Danielowski aus Köln ist die bisher einzige Frau, die es bei der Wahlversammlung der AfD auf einen Listenplatz geschafft hat. Sie kommt von ganz links. Die Kölner Heilpraktikerin begann ihre politische Karriere in der PDS.
Der Rechtsaußen der AfD in NRW, Thomas Matzke, soll aus der Partei ausgeschlossen werden. Der Grund: Matzke soll die Wahlschlappe gegen den Chef der AfD in NRW, Marcus Pretzell, organisiert haben.
Der frühere SPD-Mann Guido Reil wird nach seinem Übertritt zur AfD deren Arbeitnehmerlandesverband aufbauen. Reil rechnet mit weiteren Übertritten von Gewerkschaftern und Betriebsräten in die rechtspopulistische Partei.
Mehrere CDU-Politiker, der katholische Erzbischof Heiner Koch und die AfD-Politikerin Beatrix von Storch marschieren an diesem Samstag vor den Reichstag, um gegen Schwangerschaftsabbrüche zu protestieren. Die Rechtspopulisten fischen seit Monaten unter radikalen Christen erfolgreich nach Anhängern.