NSDAP-Kartei ohne Bezahlschranke

CORRECTIV und KATAPULT haben die Kartei der NSDAP-Mitglieder frei zugänglich gemacht.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

was haben Ihre Großväter, Urgroßväter, was hat Ihre Oma oder Uroma, was haben Ihre Familie und andere Familien in der Nazizeit gemacht? Waren sie Teil der Unterdrückungsmaschine?

Anfang 2026 hat das US-Nationalarchiv alle noch vorliegenden Mitgliederkarteien der NSDAP ins Netz gestellt. Seit Kurzem ist die Suche im Bestand des US-Nationalarchivs möglich, aber nicht nutzerfreundlich. Andere Medien bieten aufbereitete Datenbanken an, allerdings bezahlpflichtig.

Wir von CORRECTIV und unser Partnermedium KATAPULT haben in den letzten Tagen mit Hochdruck daran gearbeitet, die Daten kostenlos und damit für alle Interessierten zugänglich zu machen. Denn wir finden: Erinnerungskultur ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. 

Gerade haben wir unsere Suchfunktion veröffentlicht. Sie finden Sie hier auf der CORRECTIV-Seite – und hier bei KATAPULT. Helfen Sie uns gern, die Links zu verbreiten, damit gemeinschaftliche Aufklärung gelingt.

Collage: Muhammad Faraj / CORRECTIV; FotoS: US National Archives Catalogue.

Im Thema des Tages geht es heute um die AfD. Die Partei erbte vor rund acht Jahren von einem Millionär einen Goldschatz, den größten in der deutschen Parteiengeschichte. Derzeit wird vor Gericht verhandelt, ob sie den Schatz an die Erben zurückgeben muss. Das könnte allerdings schwierig werden, weil ein Großteil irgendwie, nun ja, verschwunden ist. Mehr dazu im Thema des Tages.

Thema des Tages: Der verschwundene Goldschatz der AfD

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Retten verboten?

Faktencheck: Was hinter dem Vorwurf zu Merz’ Gehaltserhöhung steckt

Gute Sache(n): Nürnberger Prozesse werden erlebbar • Apotheken sollen Anlaufstelle für Jugendliche werden • EU will bei Medikamenten unabhängiger von Asien werden

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Grafik des Tages: Die häufigsten Abiturnoten

Wieso „wäre“?
Zum einen ist nicht klar, ob die Partei das Gold behalten darf. Eine Großcousine des Millionärs hat schon vor Jahren vor dem Amtsgericht im niedersächsischen Bückeburg beantragt, dass die AfD es zurückgeben soll. Die Entscheidung des Gerichts steht noch aus.

Allerdings: Selbst, wenn das Gericht gegen die AfD entscheiden sollte, ist nicht gesagt, dass das Gold tatsächlich zurückkommt. Denn ein erheblicher Teil ist irgendwie weg. Was genau dort los ist, haben wir in unserem heute erschienenen Text rekonstruiert.

Das KI-generierte Bild zeigt Ein Auto, Goldbarren, Golsmünzen, ein Benzinkanister, Schusswaffen und die Statue von Kaiser Wilhelm an der Porta Westfalica
Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV; Fotos: picture alliance; KI-generiert

Wie wichtig ist das Gold für die AfD-Finanzen?
Sehr wichtig: Nach ihrem jüngsten Rechenschaftsbericht für das Jahr 2024 hat sie 40,9 Millionen Euro Parteivermögen – ohne, dass das Gold bereits eingerechnet wäre. Beim aktuellen Wert von 36 Millionen Euro wäre die Partei also fast doppelt so vermögend, wenn sie das Gold offiziell behalten dürfte. 

Deshalb wacht ein wichtiger Mann über den Goldschatz:
Seinen Namen hat außerhalb der Partei wahrscheinlich bislang kaum jemand gehört, innerhalb der AfD ist er aber eine große Nummer: Hans-Holger Malcomeß, Leiter der Bundeszentrale der Partei.

Über ihn und seine Rolle in der ganzen Sache haben wir heute Morgen einen weiteren Text veröffentlicht

Hans-Holger Malcomeß von der Seite zu sehen. Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV; Foto: picture alliance;
Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV; Foto: picture alliance;

Unser Team hat nachgeforscht, welche Rolle Malcomeß bei der Sache mit dem teils verschwundenen Goldschatz spielt. Und sich einmal genauer dessen Vergangenheit angeschaut – in der es auch schon um Goldgeschäfte ging.

Weshalb das alles relevant ist:
Je mehr Vermögen eine Partei hat, umso mehr Geld kann sie in Dinge wie Eigenwerbung in Sozialen Netzwerken stecken. 

Grundsätzlich finanzieren sich Parteien vor allem auf drei Arten: 

Die AfD nahm 2024 laut offizieller Auskunft insgesamt gut 36 Millionen Euro ein. Davon waren 12,8 Millionen Euro staatliche Zuschüsse. 

Es geht hier um die jährlichen Einnahmen, nicht das Vermögen (zu dem der Goldschatz zählt). Diese Vergleichszahlen zeigen aber, dass das geerbte Gold einen großen Anteil dessen ausmacht, über wie viel Geld die Partei insgesamt verfügt. Und nicht zuletzt: Nach geltendem Parteienrecht darf sie mit dem Gold auch handeln – und so ihren Reichtum weiter vermehren.

Steuerreform: Spahn will Subventionen um fünf Prozent kürzen 
Unionsfraktionschef Jens Spahn spricht sich für Kürzungen bei Subventionen und Steuervergünstigungen aus. Er will pauschal fünf Prozent der Subventionen und Steuervergünstigungen abbauen, um die Steuerreform zu finanzieren. Außerdem will er kleine Förderprogramme im Haushalt streichen. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) bekräftigt seine Forderung, Spitzenverdiener stärker zu besteuern. In der CDU sieht man das mit Argwohn. 
zeit.de

Nigerianische Armee bombardiert Markt: 72 Tote 
Die nigerianische Armee soll am Wochenende einen Markt bombardiert haben. Dabei wurden 72 Menschen getötet. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International spricht sogar von 100 Toten. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums dementiert den Bericht. Der Luftschlag habe sich gegen „Banditen“ gerichtet. Die Angaben ließen sich nicht überprüfen. Seit Jahren kämpft das nigerianische Militär im Nordwesten des Landes gegen „Banditen“ und im Nordosten in einem seit 17 Jahren andauernden islamistischen Aufstand. 
spiegel.de

Merz auf einer Bühne am Tag des Lokaljournalismus

So geht’s auch
Apotheken werden zum Zufluchtsort für Jugendliche. Die Initiative der Jugendorganisation OurGenerationZ macht Apotheken zur ersten Anlaufstelle für junge Menschen mit psychischen Problemen. Sie ersetzen keine psychologische Beratung, bieten aber durch ihre Vernetzung im Gesundheitssystem wertvolle Unterstützung. Die Apotheken sollen passende Hilfsangebote wie Selbsthilfegruppen oder Psychiater vermitteln. Bundesweit beteiligen sich 40 Apotheken. 
zdfheute.de

Fundstück
Die EU strebt eine größere Unabhängigkeit von Medikamenten-Lieferketten an. Letztes Jahr kamen 80-90 Prozent der Medikamente aus Asien, vor allem aus China. Das führte zu zeitweisen Engpässen, unter anderem bei Schmerzmitteln und Antibiotika. Künftig sollen bei öffentlichen Aufträgen Medikamente bevorzugt werden, die in Europa produziert werden.
tagesschau.de


Die noch leeren Räumlichkeiten des ersten Salon5-Büros in Bottrop im Jahr 2020. (Foto: Hatice Kahraman / CORRECTIV)

Damals, im Mai 2020, lief unser Salon5-Webradio das erste Mal. Nachdem wir wochenlang das Podcast-Studio aufgebaut, Sprechtraining absolviert und Themen erarbeitet hatten, erinnere ich mich noch sehr gut an den Tag, an dem das Radio zum ersten Mal über unsere Lautsprecher im Büro lief: Hüdaverdi und ich sprachen über unseren Einstieg in den Journalismus, über das Ruhrgebiet und über Vorurteile. 

Heute, sechs Jahre später, läuft unser Radio immer noch: jeden Tag, 24 Stunden. Hunderte Jugendliche reden darüber, was sie erleben, wovor sie Angst haben. Sie diskutieren politische Prozesse, holen Experten zu Rate und stellen unbequeme Fragen. All das, während sie an unseren – mittlerweile – fünf Standorten Medienkompetenz und Journalismus lernen. Salon5 ist jetzt sechs Jahre alt geworden. 

In diesem Sinne: Auf viele weitere Jahre mit der coolsten Jugendredaktion Deutschlands!

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Tristan Devigne, Till Eckert, Rose Mintzer-Sweeney, Elena Müller und Alexandra Ringendahl.