NSDAP-Kartei ohne Bezahlschranke
CORRECTIV und KATAPULT haben die Kartei der NSDAP-Mitglieder frei zugänglich gemacht.

Liebe Leserinnen und Leser,
was haben Ihre Großväter, Urgroßväter, was hat Ihre Oma oder Uroma, was haben Ihre Familie und andere Familien in der Nazizeit gemacht? Waren sie Teil der Unterdrückungsmaschine?
Anfang 2026 hat das US-Nationalarchiv alle noch vorliegenden Mitgliederkarteien der NSDAP ins Netz gestellt. Seit Kurzem ist die Suche im Bestand des US-Nationalarchivs möglich, aber nicht nutzerfreundlich. Andere Medien bieten aufbereitete Datenbanken an, allerdings bezahlpflichtig.
Wir von CORRECTIV und unser Partnermedium KATAPULT haben in den letzten Tagen mit Hochdruck daran gearbeitet, die Daten kostenlos und damit für alle Interessierten zugänglich zu machen. Denn wir finden: Erinnerungskultur ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Gerade haben wir unsere Suchfunktion veröffentlicht. Sie finden Sie hier auf der CORRECTIV-Seite – und hier bei KATAPULT. Helfen Sie uns gern, die Links zu verbreiten, damit gemeinschaftliche Aufklärung gelingt.

Im Thema des Tages geht es heute um die AfD. Die Partei erbte vor rund acht Jahren von einem Millionär einen Goldschatz, den größten in der deutschen Parteiengeschichte. Derzeit wird vor Gericht verhandelt, ob sie den Schatz an die Erben zurückgeben muss. Das könnte allerdings schwierig werden, weil ein Großteil irgendwie, nun ja, verschwunden ist. Mehr dazu im Thema des Tages.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend! Schreiben Sie mir gern Ihr Feedback: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Der verschwundene Goldschatz der AfD
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Retten verboten?
Faktencheck: Was hinter dem Vorwurf zu Merz’ Gehaltserhöhung steckt
2018 verstarb der Millionär Reiner Strangfeld – und vermachte der AfD ein beträchtliches Gold-Vermögen. Es war eines der größten Geschenke der deutschen Parteiengeschichte: 278 Kilo Gold, in Barren und Krugerrand-Münzen. Nach heutigem Wert wäre das Gold rund 36 Millionen Euro wert.
Wieso „wäre“?
Zum einen ist nicht klar, ob die Partei das Gold behalten darf. Eine Großcousine des Millionärs hat schon vor Jahren vor dem Amtsgericht im niedersächsischen Bückeburg beantragt, dass die AfD es zurückgeben soll. Die Entscheidung des Gerichts steht noch aus.
Allerdings: Selbst, wenn das Gericht gegen die AfD entscheiden sollte, ist nicht gesagt, dass das Gold tatsächlich zurückkommt. Denn ein erheblicher Teil ist irgendwie weg. Was genau dort los ist, haben wir in unserem heute erschienenen Text rekonstruiert.

Wie wichtig ist das Gold für die AfD-Finanzen?
Sehr wichtig: Nach ihrem jüngsten Rechenschaftsbericht für das Jahr 2024 hat sie 40,9 Millionen Euro Parteivermögen – ohne, dass das Gold bereits eingerechnet wäre. Beim aktuellen Wert von 36 Millionen Euro wäre die Partei also fast doppelt so vermögend, wenn sie das Gold offiziell behalten dürfte.
Deshalb wacht ein wichtiger Mann über den Goldschatz:
Seinen Namen hat außerhalb der Partei wahrscheinlich bislang kaum jemand gehört, innerhalb der AfD ist er aber eine große Nummer: Hans-Holger Malcomeß, Leiter der Bundeszentrale der Partei.
Über ihn und seine Rolle in der ganzen Sache haben wir heute Morgen einen weiteren Text veröffentlicht.

Unser Team hat nachgeforscht, welche Rolle Malcomeß bei der Sache mit dem teils verschwundenen Goldschatz spielt. Und sich einmal genauer dessen Vergangenheit angeschaut – in der es auch schon um Goldgeschäfte ging.
Weshalb das alles relevant ist:
Je mehr Vermögen eine Partei hat, umso mehr Geld kann sie in Dinge wie Eigenwerbung in Sozialen Netzwerken stecken.
Grundsätzlich finanzieren sich Parteien vor allem auf drei Arten:
- Mitgliedsbeiträge,
- Zuschüsse vom Staat (abhängig von Wahlergebnissen und Mitgliederzahlen),
- Zuwendungen wie Spenden – oder, wie in diesem Fall, Erbschaften.
Die AfD nahm 2024 laut offizieller Auskunft insgesamt gut 36 Millionen Euro ein. Davon waren 12,8 Millionen Euro staatliche Zuschüsse.
Es geht hier um die jährlichen Einnahmen, nicht das Vermögen (zu dem der Goldschatz zählt). Diese Vergleichszahlen zeigen aber, dass das geerbte Gold einen großen Anteil dessen ausmacht, über wie viel Geld die Partei insgesamt verfügt. Und nicht zuletzt: Nach geltendem Parteienrecht darf sie mit dem Gold auch handeln – und so ihren Reichtum weiter vermehren.
Kontroverse um Integrationskurs-Einsparungen beigelegt: Kompromiss gefunden
Die umstrittene Kürzung bei den Integrationskursen soll zurückgenommen werden. Das Bundesinnenministerium und Vertreter der SPD-Fraktion einigten sich auf einen Kompromiss. Demnach wird es ein Kontingent für freiwillige Teilnehmer geben, die die Kurse kostenlos besuchen können. Wie groß das Kontingent ist, hängt vom jeweiligen Haushalt ab. Vorrang haben Schutzsuchende und EU-Bürger, die für den Arbeitsmarkt wichtig sind. Außerdem sollen die Erstorientierungskurse deutlich ausgebaut werden.
tagesschau.de
Steuerreform: Spahn will Subventionen um fünf Prozent kürzen
Unionsfraktionschef Jens Spahn spricht sich für Kürzungen bei Subventionen und Steuervergünstigungen aus. Er will pauschal fünf Prozent der Subventionen und Steuervergünstigungen abbauen, um die Steuerreform zu finanzieren. Außerdem will er kleine Förderprogramme im Haushalt streichen. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) bekräftigt seine Forderung, Spitzenverdiener stärker zu besteuern. In der CDU sieht man das mit Argwohn.
zeit.de
Nigerianische Armee bombardiert Markt: 72 Tote
Die nigerianische Armee soll am Wochenende einen Markt bombardiert haben. Dabei wurden 72 Menschen getötet. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International spricht sogar von 100 Toten. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums dementiert den Bericht. Der Luftschlag habe sich gegen „Banditen“ gerichtet. Die Angaben ließen sich nicht überprüfen. Seit Jahren kämpft das nigerianische Militär im Nordwesten des Landes gegen „Banditen“ und im Nordosten in einem seit 17 Jahren andauernden islamistischen Aufstand.
spiegel.de

Während wir den nächsten Italien-Urlaub planen, spielt sich vor Europas Küsten eine humanitäre Katastrophe ab. 2026 bricht bereits jetzt traurige Rekorde: Fast 1.000 registrierte Tote bis April – und die Dunkelziffer ist gewaltig. In dieser Fokusfolge nehmen Till Rummenhohl und Kim Adam die größten Mythen der Seenotrettung auseinander.
tube.funfacts.de

Eine Frau kritisierte Friedrich Merz dafür, dass er versucht habe, sich eine Gehaltserhöhung von 64.000 Euro im Jahr zu geben. Merz dementierte, doch ein inzwischen überarbeiteter Gesetzentwurf lässt eine Frage offen.
correctiv.org
Endlich verständlich
Die Nürnberger Prozesse lassen sich jetzt in einem Computerspiel erleben. In „Tribunal 45 – Working on Justice“ schlüpfen Nutzer in die Rolle der französischen Anklägerin Aline Chalufour. Sie sichern Beweise, befragen historische Figuren und befassen sich mit dem Völkerstrafrecht. Auf der Fachmesse Learntec erhielt das Spiel den undotierten Delina Award in der Kategorie „Gesellschaft und lebenslanges Lernen“.
deutschlandfunkkultur.de
So geht’s auch
Apotheken werden zum Zufluchtsort für Jugendliche. Die Initiative der Jugendorganisation OurGenerationZ macht Apotheken zur ersten Anlaufstelle für junge Menschen mit psychischen Problemen. Sie ersetzen keine psychologische Beratung, bieten aber durch ihre Vernetzung im Gesundheitssystem wertvolle Unterstützung. Die Apotheken sollen passende Hilfsangebote wie Selbsthilfegruppen oder Psychiater vermitteln. Bundesweit beteiligen sich 40 Apotheken.
zdfheute.de
Fundstück
Die EU strebt eine größere Unabhängigkeit von Medikamenten-Lieferketten an. Letztes Jahr kamen 80-90 Prozent der Medikamente aus Asien, vor allem aus China. Das führte zu zeitweisen Engpässen, unter anderem bei Schmerzmitteln und Antibiotika. Künftig sollen bei öffentlichen Aufträgen Medikamente bevorzugt werden, die in Europa produziert werden.
tagesschau.de
Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen ersten Tag bei Salon5 – damals vor sechs Jahren, zu Beginn der Corona-Pandemie, mitten in der Bottroper Innenstadt. Der damalige Redaktionsleiter Hüdaverdi Güngör führte mich durch das leere Büro und deutete auf eine Ecke, in der Baumaterial lag: „Hier soll das Podcast-Studio hinkommen.“
Ich war damals Volontärin und die erste Salon5-Mitarbeiterin. Dass dieses leere Büro, eine Baustelle, zu einer Jugendredaktion mit mehr als 100 Jugendreportern und mehr als 30 Mitarbeitenden werden würde, konnte ich mir damals nicht vorstellen. Was ich jedoch wusste, war, dass wir diesen leeren Raum mit Leben füllen könnten. Dass wir damals Radio machen wollten: ein Radio für und von jungen Menschen zwischen 13 und 18 Jahren. Ein Radio, in dem Jugendliche über ihre Sorgen, Ängste und Herausforderungen sprechen. Ein Radio, das jungen Menschen eine Stimme gibt.

Damals, im Mai 2020, lief unser Salon5-Webradio das erste Mal. Nachdem wir wochenlang das Podcast-Studio aufgebaut, Sprechtraining absolviert und Themen erarbeitet hatten, erinnere ich mich noch sehr gut an den Tag, an dem das Radio zum ersten Mal über unsere Lautsprecher im Büro lief: Hüdaverdi und ich sprachen über unseren Einstieg in den Journalismus, über das Ruhrgebiet und über Vorurteile.
Heute, sechs Jahre später, läuft unser Radio immer noch: jeden Tag, 24 Stunden. Hunderte Jugendliche reden darüber, was sie erleben, wovor sie Angst haben. Sie diskutieren politische Prozesse, holen Experten zu Rate und stellen unbequeme Fragen. All das, während sie an unseren – mittlerweile – fünf Standorten Medienkompetenz und Journalismus lernen. Salon5 ist jetzt sechs Jahre alt geworden.
In diesem Sinne: Auf viele weitere Jahre mit der coolsten Jugendredaktion Deutschlands!

Die häufigsten Abiturnoten im Abitur 2024/25 waren 2,6 und 2,8. Jeweils 13.582 Schülerinnen und Schüler hatten sie auf ihrem Zeugnis stehen. Die deutschlandweite Durchschnittsabiturnote war 2,3. Während insgesamt 8.255 Schülerinnen und Schüler mit der Spitzennote 1,0 abschnitten, stand die schlechteste Note 4,0 deutschlandweit lediglich auf zwölf Zeugnissen.
kmk.org
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Tristan Devigne, Till Eckert, Rose Mintzer-Sweeney, Elena Müller und Alexandra Ringendahl.
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