Chinas langer Arm nach Aachen

Die chinesische Führung greift Wissen von unseren Hochschulen ab – in Aachen und anderswo. Weshalb uns das alle angeht.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser, 

am Mittwoch spielten sich an mehreren Hochschulen im Land außergewöhnliche Szenen ab: In fünf Bundesländern durchsuchten Beamte Räume an Unis, außerdem Wohnungen und Arbeitsstätten. Wir wurden hellhörig – weil wir das Thema, um das es dabei geht, schon lange mit unseren Recherchen verfolgen: chinesische Spionage.

Im Thema des Tages geht es heute darum, weshalb das für uns alle relevant ist.

Unser Faktencheck-Team hat heute außerdem eine Story veröffentlicht, die ich Ihnen gern empfehlen möchte: In den Niederlanden sind zwei IT-Unternehmer festgenommen worden. Sie sollen gegen EU-Sanktionen verstoßen haben. Im Fokus der Ermittlungen steht ein Unternehmen, über dessen Rolle in Russlands hybridem Krieg CORRECTIV berichtet hatte.

Dann noch ein Aufruf: Heute können Sie wieder über die Gewinnerin oder den Gewinner unserer Cartoon-Arena abstimmen. Wer soll die Karikaturisten-Krone für den besten Kommentar zur Union und der Brandmauer aufgesetzt bekommen? Hier die Karikaturen noch mal im Überblick. Stimmen Sie hier ab:

Und zu guter Letzt noch von meiner Seite vor Pfingsten: Wussten Sie, dass mit Pfingsten die Osterzeit endet – die Phase im Kirchenkalender, in der die Christinnen und Christen besonders angehalten sind, sich auf christliche Werte zu besinnen? Aus diesem Anlass: Wir haben eine Beteiligungsrecherche gestartet, in der Sie uns helfen können, das Ausmaß des Missbrauchs in der katholischen Kirche zu bestimmen. Hier können Sie teilnehmen.

Und wenn Sie zum Feiertag noch etwas positive Stimmung mitnehmen möchten: Schauen Sie sich das Musikvideo zum Kirchenlied an, das die Band RUHAMA zu unserer Recherche geschrieben hat.

Thema des Tages: Chinas langer Arm nach Aachen

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Missbrauchsfälle in der Kirche: Melden Sie sich, wenn Sie Hinweise haben • Razzien wegen Sanktionsverstoß bei IT-Firmen in den Niederlanden

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Sommer, Sonne, Faschismus

Cartoon-Arena: Hält die Brandmauer? Wählen Sie Ihren Lieblingscartoon

CORRECTIV Events: Chancen und Grenzen eines AfD-Verbotsverfahrens • Schmutzige Machenschaften in Gelsenkirchen

Faktencheck: Luxusyacht gekauft? Kreml-Medien und AfD-Politiker Krah verbreiten Fake zu EU-Kredit für Ukraine

Gute Sache(n): Sonderstatus für die Ukraine? Wissenswertes zum Merz-Vorschlag • Wie Jugendliche beim Umweltschutz mitbestimmen können • Was ist eigentlich das Pfingstfest?

CORRECTIV ganz persönlich: Deutschland verfehlt Klimaziele – again

Grafik des Tages: So wenige Wohnungen gebaut wie seit über zehn Jahren nicht mehr

Erneut wurden zwei Deutsche mit chinesischen Wurzeln wegen mutmaßlicher Spionage festgenommen. (Symbolfoto: picture alliance/dpa | Hannes P Albert)

Wer sind die Verdächtigen?
Die Eheleute Xuejun C. und Hua S., Deutsche mit chinesischen Wurzeln. Sie sollen in den vergangenen Jahren Kontakte zu Wissenschaftlern an Hochschulen und Forschungseinrichtungen aufgebaut haben, und zwar vor allem in den Bereichen Luft- und Raumfahrttechnik, Informatik und Künstliche Intelligenz.

Das mutmaßliche Agenten-Ehepaar tarnte sich offenbar teils als Dolmetscher oder Mitarbeiter eines Automobilherstellers. Sie sollen unter anderem einige deutsche Forschende nach China gelockt haben – unter dem Vorwand, dass diese dort gegen Honorar Vorträge vor einem zivilen Publikum halten sollten. Tatsächlich sprachen sie dann aber vor staatlichen Rüstungsunternehmern.

Weshalb das ein Sicherheitsproblem ist, dazu gleich mehr.

Welche Hochschulen sind besonders betroffen?
Unter anderem die RWTH Aachen. Das ist deshalb spannend, weil unser Reporter Till Eckert zu eben dieser Hochschule schon vor zwei Jahren ausführlich recherchiert hat – unter anderem auch zu diesem Komplex. 

Er nahm akribisch unter die Lupe, wie in Aachen Professoren nebenbei gutes Geld verdienen, dabei eben auch Geld aus China. Die ganze Recherche können Sie hier nachlesen.

(Collage: Niklas König / CORRECTIV)

Bei den Ermittlungen geht es jetzt konkret um zwei Online-Vorträge eines RWTH-Forschers, die dieser vor Vertretern von chinesischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen gehalten hat. 

Der Professor führt einen Lehrstuhl, an dem unter anderem zu High-Tech-Drohnen geforscht wird. CORRECTIV hatte 2024 in einem anderen Kontext schon einmal über diesen Wissenschaftler berichtet. Mit Kontakten nach China war der Forscher – anders als etliche seiner Professoren-Kollegen an der Uni – allerdings nicht aufgefallen. 

Was dahinter steht:
Die mutmaßlichen Spione sind Teil einer breit angelegten Kampagne: Peking will Kontrolle im Ausland, und es will Wissen aus der ganzen Welt einsammeln. Dafür hat der Regierungsapparat Netzwerke in Deutschland und anderen westlichen Staaten aufgebaut, um seine Bürger auch im Ausland kontrollieren zu können – und nicht nur das: Wichtiger ist, dass China Zugriff auf Technologien erhalten will.

Warum das Ganze?
China hängt bis heute technologisch etwa bei Satelliten und Halbleitern zurück. „Diese Lücke will das Land durch Spionage füllen“, sagte ein hochrangiger Vertreter eines Nachrichtendienstes zu CORRECTIV.

Welche Rolle spielen die deutschen Hochschulen dabei?
Hier wird an Technologien geforscht, die China militärisch nutzen kann, wenn es Insider-Wissen absaugt.

Das Land kann damit sein Militär stärken – und diese neue Macht zum Beispiel nutzen, um gewaltsam gegen Taiwan vorzugehen. China droht schon lange, Taiwan anzugreifen. 

Vor Nato-Außenminister-Treffen: Trump kündigt mehr US-Soldaten für Polen an 
US-Präsident Donald Trump will zusätzlich 5.000 US-Soldaten nach Polen entsenden. Das kündigte er auf der Plattform Truth Social an. Ob dafür in Deutschland stationierte Truppen ins Nachbarland abgezogen werden, war zunächst unklar. Am Rande des Nato-Gipfels im schwedischen Helsingborg, bei dem sich heute die Außenminister der Mitgliedstaaten treffen, sorgte die Ankündigung für Diskussionen.
tagesspiegel.de  

Hacker stehlen Daten zehntausender Klinikpatienten
Name, Geburtsdatum und Adresse – teilweise auch Diagnose und Behandlungsart: Bei einem Hacker-Angriff auf einen externen Dienstleister haben Unbekannte Daten zehntausender Klinik-Patienten gestohlen. Betroffen sind mehrere Unikliniken in Deutschland.
stern.de

Cyberangriffe und Desinformation: Razzien wegen Sanktionsverstoß bei IT-Firmen in den Niederlanden
In den Niederlanden wurden Geschäftsräume durchsucht und zwei IT-Unternehmer verhaftet, weil diese gegen EU-Sanktionen verstoßen haben sollen. Im Fokus der Ermittlungen steht ein sanktioniertes Unternehmen, über dessen Rolle in Russlands hybridem Krieg CORRECTIV zuvor berichtet hatte.
correctiv.org

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Schmutzige Müllgeschäfte und der Tatort Gelsenkirchen, Gelsenkirchen
Gelsenkirchen als Drehkreuz illegaler Müllgeschäfte? Beim Diskussionsabend im SPOTLIGHT Gelsenkirchen am 28. Mai spricht unser Reporter Michael Billig über seine Recherchen zu schmutzigen Deponien, millionenschweren Geschäften und die Frage, wie tief die Müll-Mafia in NRW vernetzt ist.
Anmeldung

Symbolbild: Robert Poorten / Image Broker / Picture Alliance

So geht’s auch
Junge Menschen werden oft nicht ernst genommen und nicht an politischen Prozessen beteiligt. Beim Jugendumweltrat der Hamburger Bürgerstiftung ist das anders: Hier bestimmen sie darüber, welche Umwelt- und Klimaschutz-Projekte Fördermittel erhalten. Die Projekte werden von jungen Menschen selbst initiiert und durchgeführt. Mehr dazu erfahren Sie im Salon5-Interview:
salon5.correctiv.net 


Überraschend ist dieses Ergebnis nicht. Der Expertenrat für Klimafragen bestätigt im Grunde nur, was sich seit Jahren abzeichnet: Deutschland wird seine Klimaziele verfehlen, weil die Politik weiter hinter den eigenen Versprechen zurückbleibt. Besonders deutlich wird das bei Gebäuden und Verkehr – also genau dort, wo die Bundesregierung zuletzt eher gebremst als beschleunigt hat.

Verschärft wird das Problem zusätzlich durch die neuen Pläne von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) für das Gebäudeenergiegesetz, das vor allem auf „Technologieoffenheit“ setzt und bisherige Vorgaben aufweicht. Der Expertenrat weist selbst darauf hin, dass mögliche Folgen der geplanten Reformen in den bisherigen Projektionen noch nicht einmal vollständig eingerechnet sind.

„Insbesondere in den Sektoren Energiewirtschaft und Gebäude müssten die Annahmen, die den Berechnungen zugrunde liegen, aktualisiert werden“, so die Vorsitzende des Expertenrats Barbara Schlomann. „Für beide Sektoren gehen wir davon aus, dass die tatsächlichen Emissionen höher ausfallen dürften als ausgewiesen.“

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Till Eckert, Sebastian Haupt und Elena Müller.