Giftmüll vor der Haustür
Eine illegale Deponie voller Giftmüll – und die Behörden sehen kein Problem. Was ist da in Gelsenkirchen los?

Liebe Leserinnen und Leser,
im nordrhein-westfälischen Gelsenkirchen liegt eine riesige, illegale Mülldeponie: Rund eine Million Tonnen Müll lagert dort seit Jahren.
Die Behörden sehen offenbar kein so ganz großes Problem darin. Unser Reporter Michael Billig ist auf den Müllberg geklettert, hat Proben genommen – und herausgefunden, dass dort viele giftige Stoffe lagern. Mehr dazu im Thema des Tages.
Außerdem heute bei uns: Der Weltklimarat IPCC hat sein düsterstes Klimaszenario etwas abgeschwächt. Einige politische Kräfte behaupten deshalb, es sei alles doch gar nicht so schlimm. Warum das nicht richtig ist, lesen Sie im Faktencheck.
Hier noch ein wichtiger Hinweis in eigener Sache: Bald sind ja wieder in mehreren Bundesländern Landtagswahlen. Wussten Sie, dass es keine offiziellen Überprüfungen für all die Kandidatinnen und Kandidaten gibt? Also, ob die Angaben stimmen, die diese über sich selbst und ihre Vergangenheit machen – Lebensläufe, Titel oder berufliche Stationen?
Diese Lücke wollen wir füllen. Deshalb haben wir das Team CORRECTIV.Sunlight aufgebaut – das systematisch die Lebensläufe und Hintergründe der Kandidierenden checkt. Und dafür brauchen wir Ihre Unterstützung: Wir haben eine Spendenaktion speziell für das Sunlight-Team gestartet.

In den nächsten vier Wochen wollen wir 300.000 Euro sammeln, um Kandidierenden-Checks als neuen demokratischen Standard aufzubauen. Schon eine Spende von fünf Euro hilft. Damit Sie als mündige Bürgerinnen und Bürger informierte Wahlentscheidungen treffen können. Mehr Informationen zur Spendenaktion finden Sie hier: correctiv.org/unterstuetzen/sunlight.
Und wenn Sie Recherchehinweise haben, schreiben Sie mir wie immer gern: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Giftmüll vor der Haustür
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Warum sind Tickets so teuer?
Faktencheck: Klimawandel: Warum das Worst-Case-Szenario abgeschwächt wurde
CORRECTIV ganz persönlich: Einblicke in meine Reise nach Armenien – ein Land im Umbruch
Grafik des Tages: Tag der Frauengesundheit: Warum Frauen öfter an einem Herzinfarkt sterben
In Gelsenkirchen ist es eines der bestimmenden Stadtgespräche seit Jahren: Wie kann es sein, dass ein riesiger Müllberg auf einem alten, stillgelegten Betriebsgelände lagert – und niemand sich zuständig fühlt, ihn aufzulösen?
CORRECTIV-Reporter Michael Billig beschäftigt sich schon länger mit dem Gelsenkirchener Berg, ebenso unser Team SPOTLIGHT Gelsenkirchen. Heute haben wir unsere neue Story dazu veröffentlicht.

Was sich herausgestellt hat:
Die illegale Deponie am Hafen Grimberg ist offenbar mit gesundheits- und umweltgefährdenden Stoffen belastet. Das zeigen die Müll- und Wasserproben, die wir vor Ort genommen haben.
Ein Fachlabor hat sie für uns untersucht und herausgefunden, dass der Müll tatsächlich giftig ist: In den Proben finden sich Schwermetalle, die Krebs verursachen und das Grundwasser verunreinigen können.
Und jetzt?
Jetzt passiert offenbar erstmal trotzdem nichts.
Sowohl die Stadt Gelsenkirchen als auch die RAG Aktiengesellschaft (ehemals Ruhrkohle AG), der das betroffene Grundstück gehört, sehen keinen Grund zur Sorge:
„Die Analysen bestätigen, dass keine Gefahren für Mensch und Umwelt von den Massen ausgehen.“
RAG-Sprecherin
Sie beruft sich bei ihrer Aussage auf ein aktuelles Gutachten über den Müllberg, das die RAG in Auftrag gegeben habe. Details daraus nannte sie nicht.
Warum das Thema nicht nur für Gelsenkirchen relevant ist:
Illegale Mülldeponien gibt es überall im Land. Wie viele genau, ist schwer zu sagen – denn wären sie angemeldet, wären es ja keine illegalen Deponien.
Der NDR hatte vor drei Jahren mal ausführlicher zu dem Thema recherchiert und herausgefunden, dass es allein in Norddeutschland mindestens 60 richtig große illegale Müllhalden gibt.
Und auf vielen lagert, wie auf dem Berg von Gelsenkirchen, giftiger Müll, der in die Erde sickert. In vielen Orten gibt es jahrelangen Zank, wer den Müll beseitigen sollte – und während Grundstücksbesitzer und Behörden noch streiten, sickert weiter munter Gift in die Böden.
Wenn Sie das Thema interessiert …
… dann empfehle ich Ihnen auch noch diese Recherche unseres Reporters Marius Münstermann.

Er beschreibt darin, wie deutsche Firmen hoch belasteten Bauschutt illegal in Tschechien entsorgen.
Gemeinsame Erklärung gegen die Bildungspläne der AfD in Sachsen-Anhalt
In Sachsen-Anhalt haben sich knapp 20 Bildungsorganisationen gegen die Bildungspläne der AfD positioniert. Dabei geht es vor allem um die politischen Eingriffe in Schule und Unterricht, die die Partei in ihrem Wahlprogramm aufführt. Die Unterzeichner lehnen beispielsweise die Aufweichung der Schulpflicht ab und die Abschaffung von Inklusion in Schulen. Das Bündnis habe das Ziel, die Bildungslandschaft vor politischer Vereinnahmung zu schützen.
mdr.de
EU: Strafzahlung für Temu
Die Online-Plattform Temu muss 200 Millionen Euro wegen illegaler Produkte zahlen. Die EU-Kommission verhängte eine Strafe gegen das chinesische Unternehmen, da es die Risiken und Schäden für Verbraucher nicht ordnungsgemäß bewertet habe. Temu hat nun Zeit, einen Plan vorzulegen, um Mängel zu beheben, sonst könnten weitere Strafzahlungen folgen.
zdfheute.de
Israelische Angriffe auf den Libanon
Im Libanon sind laut staatlichen Angaben nahe der Küstenstädte Sidon und Tyrus mehrere Menschen bei israelischen Angriffen ums Leben gekommen. Nach israelischen Angaben wurde auch ein Vorort der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Israel meldet Attacken der Hisbollah und eine getötete Soldatin.
tagesschau.de

Wer euch bei Konzerttickets wirklich abzockt, das beleuchtet in dieser Folge der Musiker Fatoni.
tube.funfacts.de

Das bisherige Worst-Case-Klimaszenario gilt mittlerweile als unrealistisch. Die AfD und die US-Regierung instrumentalisieren das Thema und lassen dabei Kontext weg. Fachleute gehen dagegen weiterhin von schweren Klimafolgen aus.
correctiv.org
Endlich verständlich
Unter Menschen auf der Flucht gibt es Gruppen, die besonders gefährdet sind – etwa queere Menschen und trans Personen. Sie leben unter Umständen, die in den Medien kaum vorkommen. Dieser Artikel von CORRECTIV.Exile gibt ihnen eine Stimme und thematisiert ihre Hoffnungen und Ängste.
correctiv.org
So geht’s auch
China stößt mehr CO2 aus als jedes andere Land. Dennoch gibt es gute Nachrichten aus dem Reich der Mitte: Laut einem neuen Bericht von BloombergNEF befindet sich China auf einem guten Weg, seine Emissionen über die eigenen Klimaziele hinaus zu reduzieren.
utopia.de
Fundstück
Ob Wutausbrüche oder lustige Streiche – in der DDR trauten sich einige Bürgerinnen und Bürger, dem Geheimdienst am Telefon ordentlich die Meinung zu geigen. Der Deutschlandfunk hat kuriose Aufnahmen zusammengestellt und zeigt, dass die Stasi oft nicht wusste, wie sie damit umgehen sollte.
deutschlandfunkkultur.de
Armenien im Südkaukasus, mit kaum drei Millionen Einwohnern, seit mehr als 30 Jahren isoliert, 2.700 Kilometer entfernt – es ist eines der Länder, das in der Berichterstattung kaum vorkommt. Kanzler Friedrich Merz ließ sich nicht blicken, als die EU kürzlich in Armenien ein Treffen mit mehr als 40 Staats- und Regierungschefs abhielt.
Merz verpasste damit nicht nur wichtige Gespräche, sondern auch eine Region im Umbruch. Jetzt kann ein jahrzehntelanger Konflikt zwischen Armenien und seinem Nachbarn Aserbaidschan zur Ruhe kommen und den Menschen das Potenzial der Region zwischen Europa und Asien öffnen. Am 7. Juni stimmt die armenische Bevölkerung bei einer Parlamentswahl darüber ab, wer für sie darüber entscheiden soll.
Deshalb wollte ich wieder vor Ort sein – wie oft in den vergangenen fast 20 Jahren, in denen ich über die Region berichte. Gelegenheit ergab sich mit einer Reise für 15 Journalisten, ausgerichtet von der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Wir fuhren bis in den letzten Ort vor der Grenze zum Iran und entlang der mit Schützengräben und Militärposten übersäten Grenze zu Aserbaidschan. Wir sprachen mit vielen Menschen über ihre Ängste und Hoffnungen und mit Parteivertretern über ihre Vorhaben. Wir sahen Wahlkampfauftritte und Vorbereitungen auf eine Militärparade. In den nächsten Tagen werde ich darüber berichten.

Männer erleiden häufiger einen Herzinfarkt als Frauen. Doch die Wahrscheinlichkeit, ihn zu überleben, liegt für die Herren deutlich höher. Warum? Nicht zuletzt, weil Medizin und Forschung lange Zeit vor allem auf den männlichen Körper ausgerichtet waren, auch bei der Herzgesundheit. So fällt wohl den meisten Menschen bei plötzlichen, starken Brustschmerzen, Atemnot und Schweiß sofort der Verdacht „Herzinfarkt“ ein. Dabei äußert er sich bei Frauen oftmals anders – etwa mit Rücken- und Oberbauchschmerzen (mehr dazu hier). Die Folge: Vor allem bei älteren Patientinnen und Patienten werden Frauen meist deutlich später in die Klinik eingeliefert als Männer. Das mindert die Überlebenschancen enorm.
Genau auf solche Probleme soll der heutige Tag der Frauengesundheit aufmerksam machen. Auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) forderte anlässlich dessen mehr geschlechtsspezifische Medizin.
stern.de
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Till Eckert, Sebastian Haupt und Elena Müller.
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