2 Milliarden – einfach weg

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat das größte Bauprojekt in der Geschichte der Marine gestoppt. Leider recht spät.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

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Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser, 

es sollte das größte Bauprojekt in der Geschichte der deutschen Marine werden: 18 Milliarden Euro, um sechs riesige Fregatten zu bauen. Jetzt hat Verteidigungsminister Boris Pistorius das Projekt ziemlich spontan einkassiert. Das Problem: Zwei Milliarden Euro wurden schon ausgegeben – und die Bauteile kann man jetzt wahrscheinlich für nichts anderes mehr benutzen. Mehr im Thema des Tages.

Jetzt noch mal zur Rente: Seit gestern Abend haben mich mehr als 100 E-Mails von Ihnen dazu erreicht. Ich kann zwar leider nicht alle beantworten, habe sie aber gelesen – hier eine kurze Zusammenfassung. Viele von Ihnen fanden gut, dass wir die Pläne nicht gleich kommentiert und zerredet haben. Einige sind der Ansicht, eine große Reform müsse nun mal sein – aber vor allem müsse die Regierung doch dafür sorgen, dass künftig ALLE ins gesetzliche Rentensystem einzahlen. Zum Beispiel auch Beamte. 

Und ein paar von Ihnen wiesen zu Recht darauf hin, dass ich die „abschlagsfreie Rente ab 63“ nicht ganz korrekt dargestellt habe. Denn ganz so abschlagsfrei ist sie ohnehin jetzt schon nur für ganz wenige, wie etwa hier nachzulesen ist.

Haben Sie eigentlich schon unseren neuen Podcast gehört, „CORRECTIV Was zählt“ – und haben Sie Feedback dazu? Dann schicken Sie es gern an diese Adresse: waszaehlt@correctiv.org. Übrigens: Wenn Sie unseren Podcast gut finden, dann helfen Sie uns sehr, wenn Sie ihm bei Spotify oder einer anderen Plattform mit fünf Sternen bewerten – denn Sie wissen ja bestimmt: „Likes“ sind die Währung unserer Zeit 🙂

Thema des Tages: 2 Milliarden – einfach weg

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

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Gute Sache(n): Wo war es ungewöhnlich warm? • Mitteleuropäisches Bündnis wird wiederbelebt • Forscher finden unberührte Maya-Stätte

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Grafik des Tages: Immer mehr Sabotageakte

Die Leute auf der Veranstaltung wurden blass, erzählte Martin heute in unserer Morgenkonferenz – denn der Stopp des Projekts bedeutet einen empfindlichen Schlag für die deutsche Wirtschaft. Es geht um das Fregatten-Projekt F126.

Geplant war Folgendes:
Insgesamt sechs riesige Fregatten sollten gebaut werden – die größten Kampfschiffe Europas. An der ersten davon, der Fregatte „Niedersachsen“, wird schon seit Anfang 2024 gebaut – darüber berichtete die Bundeswehr hier (damals war der Plan noch, vier solcher Schiffe zu bauen, danach wurden die Pläne ausgeweitet). 

Und genau das ist das Problem:
Der Baustopp jetzt – Jahre nach der Entscheidung für das Projekt und mitten im Bau – bedeutet nämlich für uns Steuerzahlende: Wir bleiben auf den bereits getätigten Ausgaben sitzen. Das sind gut zwei Milliarden Euro. Gerade erst vergangene Woche wurden 145 Millionen Euro vom Bund an die Werft gezahlt.

Um welche Bauteile es dabei genau geht, weshalb man damit nichts Sinnvolles mehr wird anfangen können, und wie es überhaupt zu Pistorius’ recht spontaner Entscheidung kam, steht in unserem aktuellen Text.

Foto: Stefan Sauer/picture alliance/dpa

Wie es nun weitergeht:
Das Verteidigungsministerium will nun statt der Riesenfregatten etwas kleinere Schiffe bauen lassen: acht Fregatten des Typs Meko-200. Was genau das ist, erklärt das Verteidigungsministerium hier. Schon Anfang des Jahres hatte der Bundestag zugestimmt, dass die Marine vier dieser kleineren Fregatten bauen lassen sollte – weil damals schon absehbar war, dass die oben genannten Riesen-Schiffe viel länger im Bau brauchen als ursprünglich geplant.

Ist Pistorius ein Sparfuchs?
Es ist schon das zweite Großprojekt, das der Verteidigungsminister innerhalb weniger Tage stoppen ließ. Zuletzt verkündete er das Ende des gemeinsamen Kampfjet-Entwicklungsprojekts FCAS. Dabei ging es allerdings noch um sehr viel mehr Geld, und zwar 500 Milliarden Euro. 

Mit dem Aus für die Mega-Fregatten reagiert er nun unseren Informationen zufolge darauf, dass es Bau-Verzögerungen gab – und auch darauf, dass die Kosten immer weiter aus dem Ruder liefen. 

Störung bei der Deutschen Bahn führt bundesweit zum Stillstand 
Am Dienstagabend standen die Züge der Deutschen Bahn bundesweit zwei Stunden lang still. Ursache war eine Störung im digitalen Bahnfunksystem – womöglich ausgelöst durch ein fehlerhaftes Software-Update. 
tagesspiegel.de / tagesschau.de

Zahl der antimuslimischen Vorfälle gewachsen 
Das zivilgesellschaftliche Bündnis CLAIM zählte im vergangenen Jahr über 4.000 antimuslimische Vorfälle in Deutschland – 1.000 mehr als im Jahr zuvor. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher sein. Betroffene berichten, man relativiere ihre Erfahrungen oder nehme sie nicht ernst. Berlins Sozial- und Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) zeigte sich schockiert über die Zahlen.
deutschlandfunk.de

Die deutsche Tochter des russischen Staatskonzern Gazprom hatte ihren Sitz in Berlin. Inzwischen heißt der Konzern SEFE und ist im Besitz der Bundesrepublik. Foto: picture alliance / NurPhoto | Emmanuele Contini
Eine Frau auf einer Demo hält ein Schild mit der Aufschrift "Weg mit der Regierung“
Foto: Michael Kappeler / DPA / Picture Alliance

Endlich verständlich 
Der Sommer hat begonnen, und schon erlebt Deutschland eine Hitzewelle. Heute erreichen die Temperaturen Werte, die in den 1990er Jahren selten waren. Bereits in der gesamten letzten Woche waren die Temperaturen im historischen Vergleich ungewöhnlich warm. Das zeigt die Süddeutsche Zeitung. Sie analysierte die Daten zahlreicher Wetterstationen in ganz Deutschland. Auf der interaktiven Karte können Sie nun vergleichen, wie heiß es heute im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten ist. 
sueddeutsche.de

So geht’s auch 
Die Regierungschefs von Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn wollen die Visegrád-Gruppe neu beleben – ein informelles Regionalbündnis. Gestern traf sich das Bündnis erstmals seit über zwei Jahren. Die vier Staaten planen nun eine engere kulturelle, zivilgesellschaftliche und politische Zusammenarbeit. Die diplomatischen Beziehungen hatten zuvor unter der pro-russischen Haltung des ungarischen Regierungschefs Orbán gelitten. 
deutschlandfunk.de / euronews.com

Fundstück 
Archäologen entdeckten eine bislang unberührte Maya-Stätte in Mexiko. Der Ruinenkomplex aus der Zeit zwischen 600 und 900 nach Christus erstreckt sich über 15 Hektar und umfasst palastartige Gebäude, Altäre, Wasserkanäle und einen 13 Meter hohen Pyramidentempel. Das Forscherteam kämpfte sich mit Macheten durch den Regenwald, um die Stätte zu erreichen. Passend dazu nannten sie die Stätte Minanbé, was in der Maya-Sprache „Es gibt keinen Pfad“ bedeutet.
spiegel.de


Während manche direkt erkennen, dass ein Video KI-generiert ist, denken andere beim Thema Desinformationen ausschließlich an Werbung, in der ein Produkt als besser dargestellt wird, als es tatsächlich ist.

Die heute veröffentlichte Handlungsempfehlung zum Thema „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ möchte diese Unterschiede ausgleichen. Seit September beraten Fachleute aus Bereichen wie Medizin, Pädagogik oder Kriminologie, darüber, wie Minderjährige online besser geschützt und im Umgang mit Medien gestärkt werden sollen. 

Sie schlagen zum Beispiel vor, dass Jugendliche erst ab 13 Jahren Zugang zu sozialen Medien erhalten. Familienministerin Karin Prien möchte das mit einem Bann auf europäischer Ebene durchsetzen. Darüber hinaus soll das Design der Plattformen für Minderjährige so angepasst werden, dass es weniger süchtig macht.

Maßnahmen soll es aber auch schon vor dem 13. Lebensjahr geben. Jugendliche sollen vorher unbedenkliche Inhalte in Safer Spaces sehen können. Außerdem sollen Eltern dafür sensibilisiert werden, dass die Bindung darunter leidet, wenn Bildschirme Teil des Familienalltags sind. Unsere Salon5-Jugendreporterinnen und -reporter haben genau zu dem Thema Memes erstellt.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Tristan Devigne, Sebastian Haupt, Pamela Kaethner, Lea Messerschmidt und Elena Müller.