Gesellschaft

Video zeigt nicht Angriff auf den CSD in Berlin, sondern Salsa-Festival in Kanada

Anders als online behauptet, zeigt ein Video nicht den Angriff auf den CSD in Berlin am 25. Juli, sondern entstand bei einem Angriff auf ein Salsa-Festival in Kanada. Das lässt sich anhand öffentlicher Quellen nachweisen.

von Matthias Bau

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Bei einem Angriff auf ein Salsa-Festival in Toronto, Kanada, wurden zwei Menschen getötet. Online wird ein Video, das in diesem Kontext entstand, fälschlich als Video vom CSD in Berlin ausgegeben. (Cole Burston / Zumapress / Picture Alliance)
Behauptung
Ein Video zeige den Angriff auf den CSD in Berlin am 25. Juli 2026.
Bewertung
Falsch. Das Video zeigt einen Angriff auf ein Salsa-Festival in Kanada. Mit dem CSD in Berlin hat es nichts zu tun.

Bei dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) am 25. Juli in Berlin wurde ein Mensch getötet, mehr als 30 weitere wurden verletzt. Der Tatverdächtige Abdul B. soll mit einem Auto in eine Menschenmenge am Rande des CSD-Festivalgeländes gefahren sein und danach Menschen mit einer Stichwaffe verletzt haben. Am Sonntag wurde der Tatverdächtige bei einem Polizeieinsatz getötet.

Am Tag nach dem Angriff verbreitete sich in Sozialen Netzwerken ein Video, das beim CSD entstanden sein soll. Auf Tiktok erreicht es allein auf einem Kanal rund 230.000 Aufrufe. Daneben verbreitete es sich auf X, teils in türkischer, französischer und chinesischer Sprache. 

Doch das Video stammt nicht aus Berlin, es zeigt einen Angriff auf ein Salsa-Festival im kanadischen Toronto Mitte Juli, bei dem zwei Menschen starben.

Dieses Tiktok-Video soll den Angriff auf den CSD in Berlin zeigen, doch das ist nicht der Fall
Dieses Tiktok-Video soll den Angriff auf den CSD in Berlin zeigen, doch das ist nicht der Fall (Quelle: Tiktok / primofor3ver; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Öffentliche Quellen belegen: Video zeigt Angriff auf ein Salsa-Festival in Kanada

Durch eine Bilder-Rückwärtssuche fanden wir ein Video auf Tiktok, das denselben Vorfall zeigt. Betitelt ist es mit „the moment of the tragedy at salsa on st Claire“ („Der Moment, in dem sich die Tragödie beim Salsa auf der St. Claire ereignete“). 

Mit diesen Informationen fanden wir eine Pressemitteilung der Polizei im kanadischen Toronto vom 13. Juli 2026. Darin heißt es, es sei in Umgebung der St. Clair Avenue West und Arlington Avenue zu einer Schießerei gekommen, durch die zwei Menschen getötet worden seien. 

In ihrer Pressemitteilung verlinkt die Polizei den Ort des Geschehens, er entspricht demjenigen, der in dem Video auf Tiktok zu sehen ist. Das konnten wir durch den Abgleich mit weiteren Videos in Sozialen Netzwerken verifizieren.

Unmittelbar in der Nähe des Ortes, den die Polizei Toronto in ihrer Pressemitteilung als Ort des Geschehens (roter Kreis) angibt, befindet sich die Northern Karate School (rotes Rechteck), vor der das Video entstand.

Die Angaben der Polizei lassen eine exakte Rekonstruktion des Aufnahmeortes zu
Die Angaben der Polizei lassen eine exakte Rekonstruktion des Aufnahmeortes zu (Quelle: Google Maps; Screenshot und Markierungen: CORRECTIV.Faktencheck)

Von dort wurde ein Video aufgenommen, das sowohl die Karate-Schule als auch die gegenüberliegenden Wohngebäude zeigt (gelber Pfeil). 

In einem Video über das Salsa-Festival ist diese Karateschule zu sehen, die sich auf Google Maps leicht finden lässt
In einem Video über das Salsa-Festival ist diese Karateschule zu sehen, die sich auf Google Maps leicht finden lässt (Quelle: Tiktok / primofor3ver, Google Maps; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Die Wohngebäude entsprechen denen, die in dem Video zu sehen sind, das nun fälschlicherweise mit dem CSD in Berlin in Verbindung gebracht wird. Neben dem Aussehen der Gebäude ist das an der Anordnung und der Anzahl der Funkmasten auf den Dächern zu erkennen (gelbe Markierung).

Ein Vergleich der Wohngebäude lässt keinen Zweifel offen: Das Video entstand in Toronto und zeigt nicht den Angriff auf den CSD in Berlin
Ein Vergleich der Wohngebäude lässt keinen Zweifel offen: Das Video entstand in Toronto und zeigt nicht den Angriff auf den CSD in Berlin (Quelle: Tiktok / primofor3ver; Screenshot und Markierungen: CORRECTIV.Faktencheck)

Krisenereignisse sind stets auch ein Anlass für Desinformation. Häufig wird in diesem Kontext veraltetes Bildmaterial oder Material in falschem Kontext geteilt. Fachleute wie Digital-Expertin Ingrid Brodnig raten dazu, gerade in emotionalisierenden Situationen zu überlegen, „ob es sich um wirklich gesicherte Information handelt und ob es schlau ist, wenn ich das teile.“ Ansonsten laufe man Gefahr, Tätern in die Hände zu spielen oder zu noch mehr Unsicherheit beizutragen.

Redigatur: Steffen Kutzner, Gabriele Scherndl