Video, das AfD-Demo in Köln zeigen soll, zeigt Pride-Parade in Budapest
Ein Video einer großen Demonstration soll angeblich 25.000 Menschen für die AfD in Köln zeigen. Tatsächlich zeigt es eine Demonstration für die Rechte queerer Menschen in Budapest.
Ein Video, das auf Tiktok verbreitet wird, zeigt angeblich die „größte AfD-Demonstration jemals“: 25.000 Menschen sollen sich in Köln versammelt haben. Das Video zeigt mehrere Szenen auf einer großen Brücke und in den Straßen einer Stadt. Aber der Fluss ist nicht der Rhein und die Stadt nicht Köln.
Die Aufnahmen zeigen schon auf den ersten Blick eine Pride-Parade: Es sind Regenbogenfahnen zu sehen und etliche Sonnenschirme in den Regenbogenfarben. Neben der Beschriftung des Videos, sieht man zu Beginn auch die Markierung eines Tiktok-Accounts: @sinkobalazs. Auf diesem Profil finden sich die Aufnahmen vom 28. Juni 2025: eindeutig als Pride-Veranstaltung in Budapest ausgewiesen. Aufnahmen der Szene auf der Brücke sind auch in einem Bericht der Tagesthemen von Juni 2025 zu sehen.

Aufnahmen zeigen Budapest 2025, der Ton gehört nicht zum Video
Die AfD-Sprechchöre, die im Video zu hören sind, gehören nicht zu der Veranstaltung in Budapest. Auf Tiktok kann man mit der Tonspur fremder Videos auch eigene erstellen, sodass Manipulationen sehr leicht möglich sind. Dieselbe Tonspur ist auch in einem Video zu hören, das eine Demonstration in Neu-Münster im Januar 2025 zeigen soll.
Dass es sich auch bei den anderen Szenen nicht um Köln, sondern um die Demonstration in Budapest handelt, ist unter anderem an den ungarischen Flaggen im Video zu erkennen. In einer Szene ist neben einem Hotel auch ein Sushi-Restaurant mit dem Schriftzug „Kaiteki Restaurant“ zu sehen. Die Facebook-Seite des Restaurants verrät die Adresse und Google Street View bestätigt: Es handelt sich um Budapest. Das Hotel neben dem Sushi-Restaurant heißt Hotel Budapest Center.

Regenbogen-Parade in Budapest 2025 gegen den Willen Orbáns
Der damals, also im Juni 2025, noch amtierende ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hatte die Pride Parade verboten; der Rechtsnationalist propagierte ein ultrakonservatives Familienbild, in dem Kinder nicht mit Homo- oder Transsexualität in Berührung kommen sollten. Laut des ARD-Berichts hatte der Bürgermeister von Budapest, Gergely Karacsony, die Queer-Demonstration in eine Freiheitsdemonstration umfirmiert; dafür brauchte es keine gesonderte Genehming. Den Veranstaltern zufolge kamen etwa 200.000 Menschen.
Demonstrationen als beliebtes Thema in Falschbehauptungen
Das Tiktok-Konto afd.fans hatte das Video zusammen mit der Falschbehauptung unserer Recherche nach als erstes geteilt. Auf eine Anfrage erhielten wir keine Antwort. In der Profilbeschreibung bezeichnet der Account seine Videos als Satire. Weitere Konten, die das Video geteilt hatten, verwenden diese Bezeichnung nicht.
Immer wieder werden in den sozialen Netzwerken Demonstrationen als Pro-AfD-Demos dargestellt, sogar wenn es sich eigentlich um Kundgebungen gegen Rechtsextremismus handelte. Wir berichteten etwa hier und hier darüber.
Redigatur: Sara Pichireddu, Gabriele Scherndl
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