Gesellschaft

CSD-Anschlag: Tagesschau-Meldung zu angeblicher russischer Beteiligung ist gefälscht

Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin verbreitet sich online eine vermeintliche Tagesschau-Meldung, wonach Russland an der Tat beteiligt gewesen sei. Doch die Meldung ist gefälscht.

von Kimberly Nicolaus

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Menschen trauern nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin und legen Blumen im Tiergarten nieder (Foto: Christian Ditsch / EPD-Bild / Picture Alliance)
Behauptung
Die Tagesschau habe berichtet, dass Behörden nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin davon ausgingen, dass Russland an der Tat beteiligt gewesen sei.
Bewertung
Manipuliert. Den vermeintlichen Tagesschau-Beitrag gibt es nicht, es handelt sich um eine Fälschung. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen zu dem Anschlag auf den CSD in Berlin übernommen und geht von einem islamistischen Tatmotiv aus.

Bei dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) am 25. Juli in Berlin wurde eine Person getötet, mehr als 30 weitere wurden verletzt. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen, der mutmaßliche Täter Abdul B. ist inzwischen tot. 

In mehreren Sozialen Netzwerken heißt es zu dem Anschlag, Sicherheitsbehörden gingen davon aus, dass Russland an der Tat beteiligt gewesen sei. Die Behauptung wird in Form eines Bildes verbreitet, das den Eindruck erweckt, als handle es sich um eine Tagesschau-Meldung.

Der mutmaßliche Erstverbreiter veröffentlichte die Behauptung auf Tiktok. Dort wurde der Beitrag als KI-generiert gekennzeichnet. Bei der weiteren Verbreitung ging dieser Hinweis verloren. (Quelle: Tiktok; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Der mutmaßliche Erstverbreiter veröffentlichte die Behauptung auf Tiktok. Dort wurde der Beitrag als KI-generiert gekennzeichnet. Bei der weiteren Verbreitung ging dieser Hinweis verloren. (Quelle: Tiktok; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Tagesschau-Meldung zu angeblich russischer Beteiligung am CSD-Anschlag in Berlin ist gefälscht

Kommentare zu den Beiträgen deuten darauf hin, dass manche Nutzerinnen und Nutzer die angebliche Meldung für echt halten, andere sprechen von Fake News.

Tatsächlich findet sich über Stichwort-Suchen keine solche Meldung außerhalb der Beiträge in Sozialen Netzwerken. Diese tragen zwar das Logo der Tagesschau, doch auf deren offiziellen Webseite und auf den Tagesschau-Kanälen in Sozialen Netzwerken findet sich die angebliche Meldung nicht.

Die Pressestelle des NDR bestätigte uns auf Nachfrage: „Der Beitrag wurde nicht von der Tagesschau erstellt.“ Zudem sei es ohne Zustimmung des Markeninhabers nicht erlaubt, das Tagesschau-Logo zu verwenden. Der NDR habe einen externen Dienstleister mit der Abschaltung des Beitrags beauftragt.

Gefälschte Tagesschau-Meldung offenbar mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt

Die gefälschte Tagesschau-Meldung wurde mutmaßlich erstmals auf Tiktok veröffentlicht. Dort wurde der Beitrag von der Plattform automatisch als KI-generiert gekennzeichnet. 

Das passt zu der Bewertung von OpenAI, laut der die Fälschung ein digitales Wasserzeichen enthält, das auf die Nutzung der eigenen Künstlichen Intelligenz hinweist. Auf unsere Nachfragen dazu reagierte das Tiktok-Profil bis zur Veröffentlichung nicht. 

CSD-Anschlag in Berlin: Bundesanwaltschaft geht von islamistischer Tatmotivation aus 

Im Rahmen der Ermittlungen soll ein Video mit einer vermummten Person auf dem Handy des Tatverdächtigen gefunden worden sein. Darin soll dieser sich am Tag des Anschlags zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bekannt haben, wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) schreibt. Zuvor berichtete die Bild-Zeitung

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat die Tat als islamistischen Terroranschlag bezeichnet. Auf Nachfrage sagte uns auch die Bundesanwaltschaft, dass sie von einer islamistischen Tatmotivation ausgehe. 

Hans-Jakob Schindler ist Mitglied des Beraterkreises Islamismusprävention und -bekämpfung der Bundesregierung und arbeitet bei der gemeinnützigen Organisation Counter Extremism Project (CEP). Gegenüber dem ZDF sagte er, es würden keine Hinweise vorliegen, dass Russland oder russische Stellen an dem Anschlag beteiligt gewesen seien. 

Redigatur: Max Bernhard, Matthias Bau