Gesellschaft

CSD Dresden: Video für Desinformation über Teilnehmendenzahl genutzt

Beiträge in Sozialen Netzwerken behaupten, die Stadt Dresden und Medien hätten bei der Teilnehmendenzahl des Christopher Street Days übertrieben. Belegen soll das ein Video. Warum die Behauptung in die Irre führt.

von Paulina Thom

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Die Haupt-Demonstration des Christopher Street Days in Dresden fand am 6. Juni 2026 statt (Foto: Jürgen Lösel / DPA / Picture Alliance)
Behauptung
Die Stadt Dresden und Medien hätten für den Christopher Street Day (CSD) 250.000 Teilnehmende gemeldet, doch ein Video vom 5. Juni von dort zeige deutlich weniger Besucher.
Bewertung
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Größtenteils falsch. Weder die Stadt Dresden noch Medien haben 250.000 Teilnehmende gemeldet. Laut dem Veranstalter stammt das Video vom Christopher Street Day am 5. Juni. An dem großen Umzug am 6. Juni nahmen laut Medien und Veranstalter tausende Menschen teil. Aufnahmen davon stimmen mit der Angabe überein.

Wegen eines Videos zweifeln Personen in Sozialen Netzwerken an der Teilnehmerzahl des Christopher Street Days (CSD) in Dresden. Der CSD fand vom 4. bis 6. Juni auf dem Altmarkt im Stadtzentrum statt. Online heißt es, Medien und die Stadt hätten 250.000 Besucherinnen und Besucher gemeldet, in einem Video seien aber viel weniger Menschen zu sehen.

Die Beiträge stammen teilweise von Accounts, die ihre Inhalte als Satire bezeichnen. Einige Kommentare darunter sind queerfeindlich. Zu den Verbreitern der Behauptung zählt auch der österreichische Verschwörungssender Auf1

Doch weder hat irgendwer 250.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für den diesjährigen CSD in Dresden gemeldet, noch zeigt das Video die Hauptveranstaltung. Weitere Aufnahmen zeichnen ein anderes Bild.

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X-Beitrag mit der Behauptung
Dass Medien, wie hier behauptet, von einer Viertelmillion Besucher beim diesjährigen CSD in Dresden berichteten, ist falsch (Quelle: X; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

CSD Dresden: Veranstalter und Medien berichteten von tausenden Teilnehmenden

Die Stadt Dresden schreibt uns auf Nachfrage weder sie noch die Polizei hätten die Zahl von 250.000 Menschen auf dem CSD gemeldet. Auch Online-Suchen danach liefern keine entsprechenden Treffer.

In Artikeln des MDR und der Sächsischen Zeitung ist von „tausenden Menschen“ die Rede – der MDR bezieht sich auf Angaben der Polizei und des Veranstalters. Anderweitige Angaben sind online nicht auffindbar. Anders als behauptet, haben also weder die Stadt noch Medien über eine Viertelmillion Besucher berichtet.

Tatsächlich wäre diese Zahl auch außergewöhnlich hoch, wie die Teilnehmerzahlen der vergangenen Jahre zeigen. So schreibt der Veranstalter auf seiner Webseite: An den Demonstrationen hätten seit 1994 insgesamt etwa 260.000 Menschen teilgenommen, das ebenfalls im Rahmen des CSD stattfindende politische Straßenfest verzeichne seit 2004 insgesamt 310.000 Besuchende.

Auf1 antwortete auf eine Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck zu der Teilnehmendenzahl nicht.

Video zeigt nicht die CSD-Hauptdemonstration in Dresden am Samstag

Und was hat es mit dem Video auf sich? Die Aufnahme zeigt, wie ein Demo-Wagen von nur wenigen Menschen auf den Altmarkt in Dresden begleitet wird. Der Ort ist anhand des Kulturpalastes im Hintergrund identifizierbar.

Das Video kursiert mindestens seit dem Vormittag des 6. Juni im Netz und soll demnach Szenen vom CSD am Vortag zeigen. Der Veranstalter des CSD bestätigt uns gegenüber, dass die Aufnahme am Abend des 5. Juni entstanden sei und eine kurzfristig angekündigte Demo zeige.

Dazu muss man wissen: Der CSD in Dresden ging insgesamt über drei Tage, vom Morgen des 4. Juni bis zur Nacht des 6. Juni. Wie es auf der Webseite des Veranstalters heißt, fanden an den ersten beiden Tagen jeweils einstündige Demo-Aufzüge statt, die große Demonstration war aber erst am Samstag, dem 6. Juni, von 12 bis 16 Uhr.

Aufnahmen des großen Demo-Umzugs am Samstag zeigen deutlich mehr Umzugswagen und Menschen – auch am Altmarkt, wo die Demos starteten und endeten.

Während Rechtsstreit meldete CSD-Veranstalter in Dresden zusätzliche Demos für andere Tage an

Der Veranstalter hatte die einstündigen Demonstrationen infolge eines vorherigen Gerichtsstreits mit der Landesdirektion Sachsen kurzfristig angemeldet. Diese hatte verfügt, dass nur die große Demonstration, nicht aber das Straßenfest als Versammlung einzustufen war. So hätte der Veranstalter die Kosten für die Sicherheit und die Organisation des Festes tragen müssen.

Nach Anmeldung der zusätzlichen Demonstrationen am 4. und 5. Juni stellte das Sächsische Oberverwaltungsgericht die Versammlungsfreiheit nach einer Interessenabwägung höher als die potenzielle Gebührenumgehung und so wurde der gesamte CSD in Dresden als Versammlung eingestuft.

Redigatur: Kimberly Nicolaus, Steffen Kutzner