Bei dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) am 25. Juli in Berlin wurde eine Person getötet, mehr als 30 weitere wurden verletzt. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen, der mutmaßliche Täter Abdul B. ist inzwischen tot.
In mehreren Sozialen Netzwerken heißt es zu dem Anschlag, Sicherheitsbehörden gingen davon aus, dass Russland an der Tat beteiligt gewesen sei. Die Behauptung wird in Form eines Bildes verbreitet, das den Eindruck erweckt, als handle es sich um eine Tagesschau-Meldung.

Tagesschau-Meldung zu angeblich russischer Beteiligung am CSD-Anschlag in Berlin ist gefälscht
Kommentare zu den Beiträgen deuten darauf hin, dass manche Nutzerinnen und Nutzer die angebliche Meldung für echt halten, andere sprechen von Fake News.
Tatsächlich findet sich über Stichwort-Suchen keine solche Meldung außerhalb der Beiträge in Sozialen Netzwerken. Diese tragen zwar das Logo der Tagesschau, doch auf deren offiziellen Webseite und auf den Tagesschau-Kanälen in Sozialen Netzwerken findet sich die angebliche Meldung nicht.
Die Pressestelle des NDR bestätigte uns auf Nachfrage: „Der Beitrag wurde nicht von der Tagesschau erstellt.“ Zudem sei es ohne Zustimmung des Markeninhabers nicht erlaubt, das Tagesschau-Logo zu verwenden. Der NDR habe einen externen Dienstleister mit der Abschaltung des Beitrags beauftragt.
Gefälschte Tagesschau-Meldung offenbar mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt
Die gefälschte Tagesschau-Meldung wurde mutmaßlich erstmals auf Tiktok veröffentlicht. Dort wurde der Beitrag von der Plattform automatisch als KI-generiert gekennzeichnet.
Das passt zu der Bewertung von OpenAI, laut der die Fälschung ein digitales Wasserzeichen enthält, das auf die Nutzung der eigenen Künstlichen Intelligenz hinweist. Auf Nachfrage antwortete die Person hinter dem Tiktok-Profil, dass der Beitrag von Meta-Plattformen stamme. Sie habe damit nichts in die Welt setzen, sondern für Unterhaltung sorgen und damit „Meinungen und die Wahrheiten“ herausfinden wollen.
CSD-Anschlag in Berlin: Bundesanwaltschaft geht von islamistischer Tatmotivation aus
Im Rahmen der Ermittlungen soll ein Video mit einer vermummten Person auf dem Handy des Tatverdächtigen gefunden worden sein. Darin soll dieser sich am Tag des Anschlags zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bekannt haben, wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) schreibt. Zuvor berichtete die Bild-Zeitung.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat die Tat als islamistischen Terroranschlag bezeichnet. Auf Nachfrage sagte uns auch die Bundesanwaltschaft, dass sie von einer islamistischen Tatmotivation ausgehe.
Hans-Jakob Schindler ist Mitglied des Beraterkreises Islamismusprävention und -bekämpfung der Bundesregierung und arbeitet bei der gemeinnützigen Organisation Counter Extremism Project (CEP). Gegenüber dem ZDF sagte er, es würden keine Hinweise vorliegen, dass Russland oder russische Stellen an dem Anschlag beteiligt gewesen seien.
Redigatur: Max Bernhard, Matthias Bau
Update, 4. August 2026: Wir haben die Antwort des mutmaßlichen Erstverbreiters ergänzt, die uns nach Veröffentlichung erreichte.
Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.
Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!
Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.
Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.

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