
Hier finden Sie unseren neuen Podcast „Was zählt“, der das Wichtigste des Tages für Sie jetzt auch zum Hören aufbereitet. Er ist auch auf Spotify, Amazon Music, Deezer und Apple Podcasts abrufbar.
Liebe Leserinnen und Leser,
sicher haben Sie längst vom Begriff „hybride Kriegsführung“ gehört. Er beschreibt verdeckte Angriffe, Sabotage, Spionage oder Repression, immer knapp unter der Schwelle eines tatsächlichen kriegerischen Angriffs. Manche sprechen deshalb auch von einem „Schattenkrieg“.
Wir bei CORRECTIV beschäftigen uns seit Jahren mit diesem Thema und bilden es als Schwerpunkt auf unserer Webseite ab. Heute haben wir eine neue Recherche dazu veröffentlicht: Es geht um die Arbeit der Sicherheitsbehörden im Gemeinsamen Abwehrzentrum Hybrid, kurz GAZH, das Mitte Juni eingeführt wurde und solche Attacken vereiteln soll. Mehr dazu im Thema des Tages.
Außerdem im SPOTLIGHT: Meine Kollegin Anna Kassin beschreibt, warum bei den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche noch längst nicht alles klar und daher weitere Aufklärung nötig ist – und wo Sie den CORRECTIV-Dokumentarfilm dazu sehen können.
Schicken Sie Hinweise, Tipps, Feedback gerne an: till.eckert@correctiv.org
Thema des Tages: Angriffe auf Deutschland
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Cartoon-Arena: Rechtsextreme stellen Landtagspräsidenten
Faktencheck: Verkürztes Zitat verkehrt Aussage von Polizeipräsident ins Gegenteil
CORRECTIV ganz persönlich: Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche: Weiter Aufklärung nötig
Grafik des Tages: So viele Menschen verüben (keine) Gewalttaten
Der versuchte Anschlag auf den Leipziger Flughafen im August dürfte vielen Menschen im Land erneut gezeigt haben, wie ernst die Lage ist: Russland führt nicht nur einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, sondern attackiert zunehmend weitere europäische Länder.
Es ist nicht nur Russland, das mit solchen Methoden knapp unterhalb der Schwelle eines kriegerischen Akts agiert. Auch China oder der Iran führen einen „Schattenkrieg“. Deutsche Sicherheitsbehörden gründeten deshalb im Sommer ein gemeinsames Abwehrzentrum dagegen. Interne Papiere, die wir recherchierten, zeigen: Die Nachrichtendienste und Ermittler dort arbeiten bereits an Hunderten Fällen. Es geht darum, schneller Urheber zu finden und zur Rechenschaft ziehen zu können.
Was sehen die Dienste?
„Die hybride Bedrohungslage in Deutschland ist seit geraumer Zeit dauerhaft hoch und zunehmend komplex“, heißt es in dem Lagebild, das vom Bundeskriminalamt erstellt wurde und Vorfälle aus mehreren Wochen dieses Sommers zusammenfasst. Es werden zudem Gesamtzahlen bis zum Stichtag 19. August 2026 genannt.
Bis zu diesem Tag habe es 2026 demnach insgesamt 163 Sabotageverdachtsfälle gegeben. Das Bundeskriminalamt registrierte dem Lagebild zufolge zudem 1.034 Drohnenüberflüge über kritische Infrastrukturen, militärische Einrichtungen und Rüstungsunternehmen.
Erstmals Zahlen zu neuen Phänomenen:
Zu zwei Phänomenfeldern gab es bislang keine Zahlen, die einen Rückschluss auf die Gefahrenlage zulassen würden. Mit der neuen Recherche liegen nun erstmals Daten vor. Da wäre zum einen die sogenannte Proliferation. Damit bezeichnet man die illegale Beschaffung von Technik und Know-how für Massenvernichtungswaffen im Auftrag fremder Staaten. Das Zollkriminalamt hat seit Beginn des Jahres bis zum Stichtag zwölf solcher Vorgänge registriert.
Auch zum Angriffsmuster der transnationalen Repression war bisher keine seriöse Gefahreneinschätzung möglich. Damit sind Vorfälle gemeint, in denen fremde Staatsbürger oder deutsche Staatsbürger von fremden Mächten ausgespäht, eingeschüchtert oder verfolgt werden.
Deutsche Behörden zählten vom 16. Juni bis zum Stichtag 19. August bislang 20 Vorfälle. Neun der Fälle können auf Iran zurückgeführt werden, drei auf Russland, einer auf China. Bei vier Fällen werden die möglichen Urheber nicht weiter benannt.

Weitere Details, etwa zu den Ländern hinter den jeweiligen Angriffen, welche Bundesländer davon besonders betroffen sind und zur Kritik an dem Abwehrzentrum, lesen Sie in unserer heute veröffentlichten Recherche.
Offenbar Leak bei der AfD
Die AfD ist offenbar Opfer eines E-Mail-Leaks geworden. Mehr als 421.000 parteiinterne E-Mails sollen am Montag auf einer Internetseite aufgetaucht sein. Die AfD hat mittlerweile bestätigt, dass bei einem Hackerangriff auf einen Hosting-Dienstleister im September E-Mail-Postfächer kopiert worden seien, sprach aber von „einigen wenigen“. Wer hinter dem Leak steckt, ist bisher nicht bekannt. Fachleute sehen Medienberichten zufolge Hinweise darauf, dass die Mails echt sein könnten.
taz.de / sueddeutsche.de
Gerichtsurteil: Google muss Luftaufnahmen löschen
Eigentümer von Privathäusern dürfen der Veröffentlichung von Luftaufnahmen bei Google Maps und Google Earth widersprechen. Das hat das Landgericht in Frankfurt entschieden. Niemand müsse hinnehmen, dass Aufnahmen seines bewohnten Grundstückes ohne Zustimmung weltweit öffentlich verbreitet werden. Das gelte besonders, wenn Grundstücksbereiche abgebildet werden, die öffentlichen Blicken entzogen seien, heißt es in der Urteilsbegründung. Geklagt hatte ein Mann aus Frankfurt, gegen das Urteil kann aber noch Berufung eingelegt werden.
zeit.de
EU-Parlament einigt sich auf Aus vom Verbrenner-Aus
Ab dem Jahr 2035 sollen Neuwagen 95 Prozent weniger CO2 ausstoßen als im Vergleich zum Jahr 2021 – Ausnahmen gibt es, wenn im Auto klimaschonender Stahl verbaut ist. Darauf haben sich nach übereinstimmenden Medienberichten Unterhändler der konservativen Europäischen Volkspartei, der sozialdemokratischen S&D und der liberalen Renew in der Nacht geeinigt. Die bisherige Regelung sah vor, dass ab 2035 keine Neuwagen mehr zugelassen werden sollten, die CO2 ausstoßen.
tagesschau.de

Warum fühlt sich die Lage in Deutschland oft schlechter an, als sie tatsächlich ist? Wissenschaftsjournalist Jacob Beautemps erklärt den Negativity Bias und richtet den Blick auf Forschung, Innovationen und kleine Erfolgsgeschichten, ohne die bestehenden Probleme schönzureden:
tube.funfacts.de

Cartoon-Arena

Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt bewegt viele Menschen. Inzwischen stellt die rechtsextreme Partei den Landtagspräsidenten. Kommt ab Dezember auch ein AfD-Ministerpräsident hinzu? Eine Woche lang kommentiert die Cartoon-Arena karikaturistisch die neue politische Landschaft in Sachsen-Anhalt. Heute mit einem Beitrag von Katharina Greve.
Diesen Cartoon teilen:

Wuppertals Polizeipräsident Markus Röhrl soll laut einem Video empfohlen haben, zum Schutz vor Anschlägen zu Hause zu bleiben. Das Gegenteil ist der Fall.
correctiv.org
So geht’s auch
Die Abholzung des brasilianischen Regenwalds ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 1988 gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr wurde fast 42 Prozent weniger Waldfläche gerodet. Das größte tropische Regenwaldgebiet ist als CO₂‑Senke von herausragender Bedeutung für den weltweiten Klimaschutz. Der brasilianische Präsident Lula da Silva führt die gesunkene Abholzung auf seine Umweltpolitik zurück und will mit einer Wiederwahl illegale Rodungen bis 2030 beenden. Ob er diesen Kurs jedoch weiterführen kann, bleibt offen: Im ersten Wahlgang lag er hinter seinem ultrarechten Gegenkandidaten Flávio Bolsonaro. Die Stichwahl am 25. Oktober entscheidet über die Präsidentschaft.
tagesschau.de
Endlich verständlich
Die Bilder der teilweise gewaltvollen Proteste in Europa gehen derzeit um die Welt. In immer mehr Ländern gehen Menschen auf die Straße – von Frankreich über Italien und Portugal bis nach Albanien. Die Gründe sind vielfältig: steigende Lebenshaltungskosten, die Wohnungskrise, Kritik an der Bildungspolitik und Unzufriedenheit mit den Regierungen treiben gerade junge Menschen auf die Straße. Doch welche konkreten Anliegen stehen in den einzelnen Ländern im Mittelpunkt? Der Deutschlandfunk gibt einen Überblick über die aktuellen Proteste und erklärt, worum es den Demonstrierenden geht.
deutschlandfunk.de
Fundstück
Wer den Gelsenkirchener Kiosk „WerkBude“ betritt, bleibt oft erst einmal verdutzt stehen. Denn vor den Zigaretten- und Kaugummireihen erwartet die Kundinnen und Kunden die Nonne Birgit Baier. Der von der Pfarrei St. Urbanus betriebene Kiosk ist mehr als eine gewöhnliche Verkaufsstelle. Die Idee ist es, hier niedrigschwellig mit den Menschen in Kontakt zu kommen, die sonst keinen Bezug zur Kirche haben. Und wer anschließend neugierig geworden ist, findet die Kirche gleich auf der anderen Straßenseite.
zeit.de
Nachdem wir unseren Dokumentarfilm „Akten des Missbrauchs“ veröffentlicht haben, gingen wir anschließend auf eine kleine Tour durch Deutschland. Das war nicht nur für uns ein Geschenk, weil wir die seltene Möglichkeit hatten, die direkte Reaktion des Publikums zu erleben. Auch für die Zuschauenden und anwesende Betroffenen war es eine Möglichkeit, sich angeregt auszutauschen und Fragen zu stellen.
Die häufigsten waren unter anderem: „Wann und wo kann ich den Film online sehen?“ Und: „Das Thema ist seit 2010 berichtet, was ist daran neu?“ Die erste Frage lässt sich endlich beantworten: Unter diesem Link können Sie den Film ausleihen und sieben Tage anschauen.
Zur zweiten Frage kann ich sagen, dass mir während der Tour und durch unseren CrowdNewsRoom (unsere eigene Umfrageapp) erneut bewusst geworden ist, dass das Thema nach wie vor sehr relevant ist. Nicht nur, weil wir mit unserer Recherche zum ersten Mal die Verantwortung über die Bischöfe hinaus bis in den Vatikan nachzeichnen konnten. Wir konnten auch zeigen, wo die meisten Akten zu Missbrauchsfällen wohl zentral gesammelt werden. Denn die meisten Betroffenen wird es wohl für den Rest ihres Lebens begleiten; viele kämpfen nach wie vor mit Trauma und um Anerkennung durch die Kirche.
Dazu kamen mehrere Menschen zu uns, die sich vor Ort in Kirchen engagieren oder dort arbeiten und bestätigten, dass es dort aktive Täter gebe und der Umgang mit Vorwürfen (auch vergangenen) fragwürdig sei.
Solange es Fälle von Missbrauch gibt und dessen Aufarbeitung behindert wird, ist das Thema noch nicht vorbei.

Auch wenn es Populisten gern anders darstellen: Nur ein sehr kleiner Anteil der Zugewanderten wird kriminell auffällig. Das zeigt etwa die Auswertung zur Gewaltkriminalität. Mehr als 99 Prozent begehen keine registrierten Gewaltstraftaten. Richtig ist: Der Wert für die nicht-deutsche Bevölkerung ist dennoch etwas erhöht. Vor allem die soziale Lage sowie schwierige Bildungs- und Aufstiegschancen sind hier wesentliche Ursachen. Mehr Hintergründe zu den Zahlen liefert der Mediendienst Integration:
mediendienst-integration.de
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Minou Becker, Jacob Gehring und Elena Müller.
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