Debatte um AfD-Verbot

AfD als gesichert rechtsextrem eingestuft – wie reagieren Deutschlands Fernsehsender?

Nachdem der Verfassungsschutz die Partei als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft hat, haben wir die Fernsehsender gefragt: Werden AfD-Politiker wie bisher in Talkshows eingeladen?

von Samira Joy Frauwallner

Markus Lanz (li.) mit Tino Chrupalla 02/24 her Markus Lanz (li...
AfD-Chef Tino Chrupalla im vergangenen Jahr bei Markus Lanz. Quelle: picture alliance / teutopress | –

Die AfD ist jetzt offiziell ein Fall für den Verfassungsschutz: Seit dem 2. Mai 2025 gilt sie als gesichert rechtsextrem. Damit ist staatlich bestätigt, dass die Partei in ihrer Gesamtausrichtung klar gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung steht. Wie gehen Talkshows, Nachrichtensendungen und Interviewformate damit um?

CORRECTIV hat bei öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern nachgefragt. Die Antworten zeigen: Während einige Sender ihren Kurs überdenken, bleiben andere ihrem Weg treu.

ZDF: „Erneute Reflexion“ – aber keine klare Absage

Das ZDF will seinen Umgang mit der AfD überdenken. Auf Anfrage erklärt ein Sprecher, man nehme die neue Einstufung des Verfassungsschutzes „zum Anlass, den eigenen Umgang erneut zu reflektieren“. Eine „kritische, journalistisch fundierte Auseinandersetzung mit der AfD, ihren Vertreterinnen und Vertretern sowie ihren Positionen“ sei „vor diesem Hintergrund geboten“, heißt es.

Dabei greife das ZDF auch auf die Erfahrungen aus den Bundesländern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt zurück, in denen die AfD bereits länger als gesichert rechtsextremistisch eingestuft ist. „Die ZDF-Redaktionen prüfen im Rahmen der publizistischen Verantwortung fortlaufend und im Einzelfall, in welchem Rahmen und in welcher Form Vertreterinnen und Vertreter der AfD im Programm zu Wort kommen“, heißt es vonseiten des Sprechers. Keine klare Absage an AfD-Auftritte, jedoch eine inhaltliche Schärfung.

ARD: „Zur Abbildung verpflichtet“

Auch die ARD hat sich bereits zu ihrem künftigen Umgang mit der AfD in ihren Talk-Formaten geäußert. Der Senderverbund teilte mit: „Nach der Neubewertung des Bundesamtes für Verfassungsschutz werden wir in unserer politischen Berichterstattung an geeigneter Stelle darauf hinweisen, dass es sich bei der AfD um eine Partei handelt, die als gesichert rechtsextremistisch eingestuft ist.“

Zugleich gelte: „Die AfD ist eine demokratisch gewählte Partei, die im Deutschen Bundestag sowie in nahezu allen Landesparlamenten vertreten ist. Wir sind als öffentlich-rechtlicher Rundfunk grundsätzlich verpflichtet, sie im Rahmen unserer politischen Berichterstattung abzubilden – dies ergibt sich aus unserem Auftrag.“ Ob und inwieweit sich daran durch die Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz etwas ändert, prüfe die ARD derzeit.

ProSiebenSat.1: „Wir berichten über Politik, aber machen sie nicht“

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Anders ProSiebenSat.1. Chefredakteur Sven Pietsch sagt: „Die Einstufung der AfD verändert nichts an unserer journalistischen Grundhaltung.“ Man berichte faktenbasiert und objektiv über jede Partei, so Pietsch.

Falschaussagen würden – unabhängig von Quelle, Institution oder Partei – eingeordnet. Auch investigative Formate wie Thilo Mischkes „Rechts. Deutsch. Radikal.“ werde es weiterhin geben. Der Grundsatz: „Wir berichten über Politik, machen aber keine Politik.“

RTL: Abwarten

Vorsichtiger zeigt sich RTL. Eine Sprecherin erklärt, dass die internen Diskussionen noch laufen. „Wir haben die Fragen zum zukünftigen Umgang mit der Partei und ihren Vertretern im Haus noch nicht abschließend geklärt“, heißt es. Eine Entscheidung über den künftigen Kurs steht also noch aus.

Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.

Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!

Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.

Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.