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CORRECTIV bleibt auch nach der ersten Veröffentlichung einer Geschichte am Thema dran. Wir recherchieren weiter, wir aktualisieren und veröffentlichen Einzel- oder Folgeartikel. Diese finden Sie hier.

© Nigel Trebelin / AFP

Fußballdoping

Dopingkontrollen bei der Wm: Die PR-Nummer

Alle Spieler werden vor der WM mindestens ein Mal getestet, hatte die FIFA angekündigt. Das ist nicht passiert. 62 Spieler wurden vor der WM nicht getestet, von diesen Spielern nahm die FIFA nach eigenen Angaben während des Turniers Nachtests. Dazu reisten die Dopingkontrollen deutlich länger, als kalkuliert. Ein positiver Test hätte gravierende Konsequenzen gehabt. Es lohnt sich genau hinzuschauen, um die Schwachstellen zu entdecken.

von Daniel Drepper , Jonathan Sachse

Die FIFA verkaufte ihre Arbeit als Erfolg: 91,5 Prozent der angestrebten Proben seien genommen worden. Doch Fakt ist: 62 Spieler wurden vor dem Turnier nicht getestet. Wir hatten vor der WM dazu aufgerufen, gemeinsam die FIFA-Kontrollen zu verfolgen. Ein Blick auf die gemeinsam erstellte Tabelle zeigt, dass es in vielen Ländern Spieler gab, die bei der ersten großen Kontrolle nicht anzutreffen waren.

Aus “personlichen Gründen” nicht zur Dopingkontrolle

Ein Fall verdeutlicht, wie einfach das Kontrollsystem der FIFA zu umgehen war: Bei Deutschlands-Finalgegner Argentinien war bei der Dopingkontrolle am 27. Mai zum Beispiel Ezequiel Lavezzi nicht vor Ort. Lavezzi soll kurz bevor die FIFA-Kontrolleure auftauchten das argentinische Trainingscamp verlassen haben, aus “persönlichen Gründen”. Argentiniens Fußball-Präsident sagte im Anschluss, er habe die Entschuldigung für Lavezzi persönilch unterzeichnet, sein Spieler habe ein persönliches Problem zu klären gehabt. Das alles habe nichts mit Doping zu tun.

Da die meisten FIFA-Kontrollen vor Turnierbeginn noch im Mai durchgeführt wurden, verpassten zum Beispiel auch zahlreiche Spieler von Real Madrid und Atletico Madrid die Trainingskontrollen. Die FIFA nannte auf unsere Anfrage hin Mitte Juni keine Namen, antwortete aber: „In accordance with FIFA anti-doping regulations, the remaining players can and will be tested at any time during the competition“.

Keine überraschende Kontrolle für 62 Spieler

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Wenige Tage später gab die FIFA auf einer Pressekonferenz am 7. Juli bekannt, dass die 62 fehlenden Spieler mittlerweile nachgetestet worden seien. Ob dies wirklich geschah und welche Spieler alles betroffen gewesen sind, können wir nicht sagen. Sicher ist, dass fünf Spieler von Costa Rica im Vorfeld der WM nicht getestet wurden. Die FIFA holte diese Tests nach dem Vorrundenspiel gegen Italien nach und bat neben zwei regulär ausgelosten Spielern fünf weitere Teammitglieder zu einer gezielten Kontrolle. Diese Tests hat die FIFA als Trainings-Kontrolle kommuniziert, sie waren faktisch aber eine berechenbare Wettkampf-Kontrolle. Damit wurden offenbar zumindest einige der 62 Spieler, die sich der einzigen Trainingskontrolle vor der WM entzogen haben, im Anschluss von der FIFA nicht mehr im Training überrascht. Für sie war es ein Kontrollsystem ohne Überraschungseffekt, es gab für sie keine unangekündigten Kontrollen abseits der Spiele.

Wir haben alle 23 Nationalmannschaften konfrontiert, bei denen laut unserer Auswertung eine Möglichkeit besteht, dass Spieler vor Turnierbeginn nicht von der FIFA kontrolliert wurden. Wir wollten wissen, ob das der Fall war und falls ja, welche Spieler das betraf und ob diese Spieler während der WM nachgetestet wurden. Mit Australien meldete sich nur eine einzige Nation zurück: “All members of our 30 man provisional squad were tested before we departed Australia and we have had regular testing after every match. Outside that it’s not appropriate to discuss individuals.“

Dopingtransport noch länger als erwartet

Die untersuchten Urin- und Blutproben der 674 WM-Spieler, die vor Turnierstart getestet wurden, waren übrigens alle negativ. Ebenso waren Proben bis zum Halbfinale negativ, die während der WM aus den Spielstätten unter Zeitdruck nach Lausanne transportiert wurden. Ein Glücksfall für die FIFA: Hätte es eine positive Probe gegeben, wäre die rechtzeitige Auswertung bis zum nächsten Spiel extrem schwierig gewesen. Wir hatten die Transportwege und -zeiten vor der WM detailliert aufgeschlüsselt.

Zum Transport der Proben äußerten sich die beiden FIFA-Mediziner Jiri Dvorak und Michel D’Hooghe am 7. Juli mit interessanten Details: Im Schnitt seien die Proben 37 Stunden lang unterwegs gewesen. Das ist sogar noch deutlich länger, als von uns kalkuliert. Schon bei unserer Rechnung mit einer Transportzeiten von etwa 24 Stunden wäre es kaum möglich gewesen, nach einer positiven Probe vor dem nächsten Anpfiff ein finales Ergebnis vorliegen zu haben.

Die FIFA hat erneut eine WM ohne Dopingfall abgeschlossen – vorausgesetzt das Finale birgt nicht noch eine Überraschung. Seit 1994 hat es keinen Dopingfall mehr bei einer WM gegeben. Immer mehr Menschen halten diese weiße Weste für zu rein. Darunter auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière. “Es fällt auf, dass es keine positiven Dopingfälle gibt – trotz der Hitze, trotz des begeisternden Fußballs. Schon die Wahrscheinlichkeit und die Analogie zu großen Sportereignissen spricht dagegen.”

Analyse in einem Pariser Anti-Doping-Labor: ein neues Leak enthält viele Details zu ihrer Arbeit.© FRANCK FIFE / AFP

Fußballdoping

Womöglich über 200 Dopingfälle im Fußball im Jahr 2016

Ein neues Leak der russischen Hackergruppe „Fancy Bear“ dürfte die Fußballwelt erst einmal in Atem halten. In den Dokumenten finden sich womöglich hunderte unveröffentlichte Dopingfälle. Vier deutsche Nationalspieler sollen bei der WM 2010 dank Ausnahmegenehmigungen umstrittene Substanzen genommen haben. Unklar ist, ob sämtliche Daten echt sind. Wenn ja, bieten sie den bislang tiefsten Einblick in ein Dopingkontrollsystem, das im Fußball zahlreiche Lücken aufweist.

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von Jonathan Sachse

Die Gruppe „Fancy Bear“ hat am Dienstag drei Dokumente auf der eigenen Website veröffentlicht.

Darin sind 229 positive Dopingproben von Fußballern erfasst, die Labore im Jahr 2016 entdeckt haben. Dazu finden sich Details zu fast 10.000 Dopingproben, die seit 2015 weltweit in Laboren analysiert wurden. Namentlich werden 25 Nationalspieler genannt, die bei der WM 2010 medizinische Ausnahmegenehmigungen für teilweise verbotene Substanzen erhalten haben sollen.

Dokument 1: Medizinische Ausnahmegenehmigung für WM-Nationalspieler

Unter einem Logo des Fußball-Weltverbandes Fifa stehen in einer Liste die Namen von 25 Nationalspielern aus 13 Nationen, die bei der WM 2010 in Südafrika teilweise verbotene Substanzen für den eigenen Gebrauch ausgewiesen haben sollen. Darunter vier deutsche Nationalspieler.

Demnach sicherten sich die Nationalspieler Ausnahmegenehmigungen, um „Salburtamol“ nutzen zu dürfen. Das ist ein Mittel, das Asthma-Patienten einnehmen, um die Atemwege zu verbessern und das gerade unter Radsportlern sehr beliebt ist. Obwohl sie schier unmenschliche Höchstleistungen bringen, bezeichnen sich zum Beispiel viele Fahrer bei dem Radrennen Tour de France als Asthma-Patienten. Das ermöglicht die Einnahme von mehr leistungssteigernden Substanzen.

Auch bei der argentinischen Nationalmannschaft tauchen in der Liste der russischen Hacker fünf Nationalspieler auf, die alle die Verwendung von „Betamethasone“, ebenfalls ein Asthmamittel, angemeldet haben sollen.

Die deutsche Anti-Doping-Agentur (Nada) hat keine Informationen für die genannten deutschen Fußballer vorliegen, verweist aber auf Anfrage darauf, dass vor einigen Jahren Sportverbände die Anwendung von Asthma-Wirkstoffen noch häufig „für vier Jahre am Stück“ genehmigt hätten. Die in der Liste erfassten Nationalspieler könnten somit vor der WM die Medikamente deklariert haben. Heute hat sich der Ablauf verändert. Viele der damals angemeldeten Substanzen können heute frei verwendet werden, solange die Sportler definierte Tageshöchstdosen nicht überschreiten würden. 

Die Fifa reagierte zunächst nicht auf Anfragen. Der DFB nur teilweise:

Update 14:11 Uhr am 24.8.: Als Reaktion auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung hat der DFB in einer Stellungnahme die Echtheit der TUE-Angaben zu den eigenen vier Nationalspielern bestätigt. 

Dokument 2: Über 200 Dopingfälle im Jahr 2016

Am interessantesten im neuen Leak ist eine Tabelle, in der über 9.500 Dopingproben von Fußballern erfasst sind. Diese sollen zwischen 2015 und Februar 2017 in Laboren analysiert worden sein. Nach Angaben von „Fancy Bear“ sollen diese Daten von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) stammen.

Die WADA wird vermutlich erst im November in einem jährlichen Bericht veröffentlichen, wie viele Fußballer im Jahr 2016 positiv getestet wurden. Bestätigen sich die Angaben in dem Leak von „Fancy Bear“, gab es 229 positive Fälle im Jahr 2016 und noch zwei weitere positive Befunde im ersten Quartal 2017. Das wäre ein deutlicher Anstieg verglichen mit den 160 positiven Tests im Jahr zuvor.

Unklar ist, aus welchen Nationen die positiven Fälle kommen. In der Tabelle sind lediglich die Labore aufgeführt, die für die Analyse der Proben zuständig waren. In einem Kölner Labor wurden demnach 15 positive Proben entdeckt. In einem Labor in Dresden gab es vier auffällige Proben. Da die deutschen Labore auch Dopingproben andere Länder untersuchen, müssen dies nicht deutsche Sportler seien.

Interessant ist ein zweiter Reiter in der Tabelle. Darin sind 4.937 Dopingproben mit zahlreichen Detailangaben aufgeführt, die im Jahr 2015 analysiert wurden. Diese Daten – vorausgesetzt sie sind echt – bieten einen tiefen Einblick in das Kontrollsystem und dessen eklatante Lücken im Fußball.

Die Daten bieten Hinweise, welche Sportverbände und Anti-Doping-Behörden über einen positiven Fall informiert werden. In weiteren Spalten stehen die Dopingsubstanzen, auf die eine Probe analysiert wurde. Sprich: Daraus wäre auch erkennbar, welche Dopingmittel in der Regel nicht untersucht werden und bei welchen Substanzen somit die Chancen groß sind, selbst bei einer Dopingkontrolle unentdeckt davon zu kommen.

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Vollständig ist dieser Datensatz auf keinen Fall. Den Jahresberichten der WADA ist zu entnehmen, dass über 30.000 Dopingproben im Jahr 2015 im Fußball untersucht wurden. Der Leak hat aber nur knapp 5.000 Proben in diesem Jahr erfasst. Für die Echtheit der Daten spricht, dass die Angaben sehr detailliert sind und teilweise Kommentare jeweils in den Landessprachen der Labor-Standorte enthalten.

Dokument 3: Neue Details zu bekannten positiven Fällen aus dem Jahr 2015

Die Hacker schreiben noch ein weiteres Dokument der WADA zu. In einer Tabelle sind 160 anonymisierte Dopingproben von Fußballern erfasst, die im Jahr 2015 positiv getestet wurden. Jeder positiven Probe sind Details zugeordnet, wie das Labor, was die Analyse durchgeführt hat, welche verbotene Substanz gefunden wurde und welcher Verband für die Kontrolle verantwortlich gewesen ist.

Für die Echtheit dieser Zusammenstellung spricht, dass die WADA in ihrem jährlichen Bericht „Anti-Doping Testing Figures“ wie im Leak genau 160 positive Dopingfälle im Fußball für das Jahr 2015 auflistet. Die Zahl ist also schon vor dem Leak bekannt gewesen und keinesfalls verheimlicht worden, wie die Hackergruppe andeutet. Zudem ist die Aussage der Hackergruppe irreführend, es würde sich bei jeder positiven Probe auch um einen Dopingfall handeln.

Tatsächlich beginnen mit einem positiven Test erst die eigentlichen Untersuchungen. Ein Athlet kann noch freigesprochen werden, wenn zum Beispiel Proben verschmutzt gewesen sind, eine Ausnahmegenehmigung nachgewiesen werden kann oder der Sportler nachweisen kann, dass er eine Substanz nicht bewusst eingenommen habe.

Auch ein deutscher Fall taucht in der Tabelle auf. Im Mai 2015 wurde ein Fußballer auf „Prednisolon“ getestet. Ein Kortison, was entzündungshemmend wirkt und im Wettkampf verboten ist, aber im Training erlaubt. Derselbe Fall taucht bereits im Jahresbericht der NADA zum Jahr 2015 auf. Auf Anfrage teilt die NADA mit, dass der Fall vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) ohne Sanktion eingestellt wurde. Weitere Details könne die NADA nicht nennen und verweist auf den DFB, der über Sanktionen im Fußball entscheide. Bis zur Veröffentlichung hat der DFB unsere Fragen zu dem Fall nicht beantwortet.

Zu den einzelnen Proben finden sich in dem Leak neue Details. So kann jetzt nachvollzogen werden, welches Labor die Proben für welches Länder untersucht. Das brasilianische Anti-Doping Labor verlor bereits vor Jahren seine Lizenz. Seit 2015 untersuchen daher Labore in den USA und Kolumbien das Urin der brasilianischen Fußballer. Sie stießen auf elf positive Proben.

Auch die Dopingsubstanzen lassen sich in der Tabelle erstmals  für jeden einzelnen Fall zuordnen. In Mexiko zählten die Labore gleich 30 positive „Clenbuterol“ Fälle. In Kanada wurde im Januar 2016 gleich in vier Fälle Substanzen aus der Wirkstoffgruppe „SARM“ bei Fußballern entdeckt. Fußballer können damit gezielt bestimmtes Gewebe wie Knochen, Knochenhaut und Muskeln stärken. 

Die WADA teilte auf Anfrage von CORRECTIV mit, dass der Leak mit den 25 WM-Nationalspielern nicht aus den WADA-Systemen stammen würde und ihr System „sicher sei“. Die Behörde verurteile die Veröffentlichung von personenbezogenen Daten, ging aber gleichzeitig nicht auf Fragen zu den restlichen Leaks aus den Laboren ein.

Update 17:30 Uhr am 24.8.: Der Europäische Fußballverband Uefa hat die Echtheit aller fünf positiven Fälle bestätigt, die im Leak die Uefa als zuständige Behörde ausweisen. 

Wer steckt hinter dem Leak?

Die Hackergruppe „Fancy Bear“ hat in den letzten Monaten immer wieder neue Datensätze aus Sportverbänden veröffentlichen, meist mit Dopingbezug. Die Hacker, die auch unter der Bezeichnung APT28 bekannt sind, schreiben sich selbst dem führungslosen Internet-Kollektiv Anonymous zu. Diese Angaben sind irreführend. Die Initiative Wirtschaftsschutz, der auch Bundesnachrichtendienst und Bundesamt für Verfassungsschutz angehören, verschickte Ende August eine Warnung, in der es hieß: “Bei APT28 bestehen Indizien für eine Steuerung durch staatliche Stellen in Russland.”

Dafür spricht auch, dass „Fancy Bear“ erst mit den Veröffentlichungen begann, nachdem in den letzten zwei Jahren Recherchen der ARD nach und nach ein flächendeckendes Dopingsystem in Russland aufdeckten. Russland steht im Verdacht, eigene Athleten systematisch zu dopen und mit Hilfe des russischen Geheimdiensts Dopingproben bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotchi manipuliert zu haben. Als Konsequenz durften russische Leichtathleten nicht an den Olympischen Spielen 2016 in Brasilien teilnehmen. Aktuell wird diskutiert, ob die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland ausgetragen werden sollte.

Stimmt die Annahme deutscher Behörden über die Regierungsnähe der Hacker, liegt ihr Motiv auf der Hand: die Leaks machen mehr als deutlich, dass Doping im internationalen Sport nicht auf Russland beschränkt ist. 

Trotz des fragwürdigen Hintergrunds der Hacker bieten die Dokumente einen spannenden Einblick in das Dopingproblem des Fußballs.

Undercover-Aufnahmen in der Praxis: Der Arzt Júlio César Alves berät Sportler zu Doping.© Screenshot ARD-Dokumentation „Geheimsache Doping - Brasiliens schmutziges Spiel"

Fußballdoping

Dieser Arzt prahlt, die Oberschenkel von Roberto Carlos seien sein Werk

Eine ARD-Dokumentation beleuchtet erstmals, wie verbreitet Doping in Brasilien ist. Im Zentrum steht dabei der Verdacht, dass sich Fußball-Weltmeister Roberto Carlos von einem dubiosen Doktor hat behandeln lassen. Der Arzt, der Sportlern verbotene Substanzen verkauft, macht selbst vor Kinderdoping nicht Halt.

von Jonathan Sachse

Die Dokumentation „Geheimsache Doping — Brasiliens schmutziges Spiel“ ist auf Deutsch und Englisch in der Mediathek der ARD abrufbar.

Im Mittelpunkt der TV-Doku steht ein Dossier, das die brasilianische Anti-Doping-Agentur ABCD im Herbst 2015 an die Staatsanwaltschaft von São Paulo übergeben habe. Auf hunderten Seiten gehe es um die zweifelhaften Praktiken des Arztes Júlio César Alves. Behandlungsbelege, Rezepte und Zeugenaussagen. Auf zahlreichen Seiten sollen sich Dopingbezüge finden, erklären die ARD-Reporter. Ein Patient dieses Arztes habe Fussballstar Roberto Carlos im Juli 2002 in der Praxis gesehen. Wenige Tage nachdem Brasilien mit Carlos das deutsche Team im Finale in Yokohama besiegte. Die Seleção wurde zum fünften Mal Weltmeister.

Konsequenzen hatte der Bericht für Alves und seine Patienten keine. Die Staatsanwaltschaft selber gibt gegenüber der ARD an, den Stand des Verfahrens nicht zu kennen. Die Journalisten nehmen die Spuren des Berichts auf und zeigen in ihrer Dokumentation, wie schwerwiegend die Vorwürfe sind.

Verdeckte Aufnahmen in einer Praxis

Die Journalisten treffen sich gleich mehrmals undercover mit Alves. Sie nutzen dabei verschiedene Identitäten. Sie geben sich aus als an Doping interessierte Sportler und Berater europäischer Profifußballer. Dem vermeintlichen Sportler stellt Alves ein Dopingprogramm zusammen. Vor den Beratern beginnt der Mediziner über seine Kunden zu plaudern.

So gehörten Tour-de-France-Radsportler ebenso zu seinen „Patienten“ wie Profi-Fußballer. Auch aus Europa. Er spricht davon, dass unter seinen Patienten 2013 „zwei Spieler aus der brasilianischen Fußball-Nationalmannschaft“ gewesen seien.

In einer Skype-Schalte mit den vermeintlichen Kunden prahlt er von der Zusammenarbeit mit Roberto Carlos. „Er kam schon mit 15 Jahren zu mir. Ich habe seine Oberschenkel entwickelt“, behauptet Alves. Neben der Zeugenaussage im Dossier, was an die Staatsanwaltschaft ging, ist diese Aussage ein weiterer Beleg, dass der Arzt den Spitzenfußballer Carlos behandelte.

Fußballer Carlos selber wollte sich zu den Vorwürfen gegenüber der ARD nicht äußern und meldete sich erst nach dem Bericht auf seiner Facebook-Seite zu Wort. Er kenne den Arzt nicht und habe sich zu keinem Zeitpunkt künstlich einen Vorteil gegenüber anderen Sportlern verschafft, sagt Carlos.

Hat Alves Kinder gedopt?

Alves scheint selbst vor Kinderdoping nicht zu scheuen. Das beste Alter sei 13 bis 14 Jahre, um mit einer Behandlung anzufangen, sagt Alves im Gespräch mit den verdeckten Reportern. Er verzögere die Pubertät mit Antiöstrogenen. „Dann entwickele ich die Muskeln“, sagt Alves in der Dokumentation. Antiöstrogene werden in der legalen Medizin eigentlich genutzt, um bei Krebspatienten das Wachstum von Tumoren zu hemmen. Eine ehemalige Leichtathletin berichtet, wie sie von Alves gedopt wurde und als 19-jährige die Südamerika-Meisterschaft gewann. Alves hätte ihr auch beigebracht, wie sie Dopingproben verfälsche.

Welche negativen Auswirkungen Doping gerade bei Kindern und im Jugendalter haben kann, verschweigt der Arzt.

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Die Journalisten berichten zudem über eine Fabrik in Paraguay, die sich auf die Produktion von Dopingmitteln spezialisiert hat. Wieder ist eine Scheinidentität der Türöffner. Als „Vertreter europäischer Profifußballer“ bekommen sie eine Führung durch die Produktionsstätte und sehen wie Pillen und Dopingflüssigkeiten im Sekundentakt übers Laufband rollen. Der Geschäftsführer erklärt, zu seinen Kunden würden auch Fußballer aus Brasilien und Argentinien zählen. Physiotherapeuten würden für eine ganze Mannschaft einkaufen. Gerade in der Aufbauphase nach Verletzungen seien die Mittel der Dopingfabrik gefragt.

Der Film zeigt auch, wie löchrig das Kontrollsystem in Brasilien ist. Ein weltweites Problem im Fußball. Auf fussballdoping.de haben wir berichtet, wie lückenhaft die Kontrollen bei der Weltmeisterschaft 2014 und Europameisterschaft 2016 waren. Besonders schlampig scheint es dabei in den höchsten brasilianischen Fußballligen zuzugehen. Die ARD-Journalisten beobachten den Ablauf einer Dopingkontrolle nach einem Spiel des Erstligisten Palmeira. Nach dem Abpfiff können Spieler unbeobachtet zum Kontrollraum laufen, werden während der Kontrolle von Betreuern besucht und bekommen von ihnen Getränke und Essen gereicht. Viele Lücken, die den Fußballern Chancen eröffnen, ihre Probe zu manipulieren.

Obwohl mangelhaft kontrolliert wird, wurden in den vergangenen Jahren immer wieder auch Fußballer positiv getestet. Seit 2003 flogen mindestens zehn Fußballer in den brasilianischen Top-Ligen auf. Darunter prominente Namen, wie Champions League Sieger Deco.

Inzwischen melden Medien, die Welt-Anti-Doping-Agentur habe nach der Ausstrahlung der Dokumentation eine Untersuchung eingeleitet.


Auf fussballdoping.de berichten wir seit 2012 über Doping im Fußball. Haben Sie Hinweise? Kennen Sie Missstände im Sport, die an die Öffentlichkeit gehören? Oder Ideen für Recherchen im Fußball? Dann kontaktieren Sie unseren Reporter Jonathan Sachse.

E-Mail: jonathan.sachse@correctiv.org

Für verschlüsselte E-Mails. Key-ID 00912CB2 und Fingerabdruck FCB0 E910 FF7C E61E F001 867B D455 3098.

Alternativ können Sie auch anonym ein Dokument hochladen

Post schicken: CORRECTIV, z. Hd. Jonathan Sachse, Singerstr. 109, 10179 Berlin

Oder anrufen: 0151 285 966 09

 

Nicht nur im Radsport. Nicht nur bei den Profis. Doping ist auch im Breitensport verbreitet.© Fritz Huber

Fußballdoping

„Jeder Neunte dopt“

Doping ist ein Massenproblem. Längst haben die leistungssteigernden Mittel auch den Amateur- und Breitensport erreicht. Laut Dopingforscher Perikles Simon dopen allein im Kraftsport rund eine Million Menschen in Deutschland. Doch Sportverbände, Staatsanwälte und Polizisten schauen weg.

von Leonie Weigner

Es begann vor zehn Jahren. Da genügte ihm das Training im Fitnessstudio nicht mehr. Er wollte an Bodybuilder-Wettkämpfen teilnehmen. Dafür würde er Doping brauchen. Das sagten ihm alle. Nur seine Frau war dagegen. Benedikt Worms* las sich ein in das Thema und nahm sich vor, dass es eine einmalige Sache sein sollte. Einmal ausprobieren und so vielleicht Deutscher Meister werden.

Worms entschied sich zunächst für Testosteron. Ein körpereigener Stoff, durch den der Muskelaufbau beschleunigt werden kann. Es war einfach, sich den Stoff zu beschaffen.

Es blieb nicht bei dem einen Mal. „Wenn die Tür einmal auf ist, ist der Schritt über die Schwelle nicht mehr ganz so schwierig“, sagt Worms heute. Inzwischen ist er Mitte 30. „Anfangs nimmt man eine Ampulle à ein Milliliter, später dann alle fünf Tage zwei.“ Wichtig sei, dass man es mindestens für zwölf Wochen mache, sonst bringe es nichts. Vor dem Wettkampf spritze man sich täglich. Bald habe er ausgesehen „wie ein Michelin-Mann“, deshalb kombinierte Worms andere Stoffe dazu, zur Entwässerung beispielsweise. Außerdem habe er seine Ernährung drastisch umgestellt. Die Dosierungen und Abläufe gehen ihm leicht über die Lippen. Er erzählt es so, wie andere von einem Kochrezept erzählen. 

Doping – eine Straftat   

Seit dem 10. Dezember 2015 gilt in Deutschland das Anti-Doping-Gesetz. Bis dahin fiel Doping unter das Arzneimittelgesetz, nun wurde auch „das Inverkehrbringen, der Erwerb und Besitz von Dopingmitteln“ verboten. Ebenso Selbstdoping. Seitdem können Sportler, die verbotene Substanzen schlucken, und Hintermänner, die sie besorgen, gleichermaßen belangt werden, mit Haftstrafen von bis zu zehn Jahren.

Wie wenig der Dopingbereich beleuchtet wird, zeigt ein Blick auf die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS)**. 986 Dopingfälle gab es demnach im Jahr 2015 in Deutschland. Rund 90 Prozent davon betrafen den Besitz und Erwerb von Dopingmitteln, bei Rest ging es um das „Inverkehrbringen“. Die meisten Fälle gab es in Baden-Württemberg. Auffällig viele Fälle gab es außerdem in Chemnitz und Stuttgart. Vergleicht man die Zahlen des Jahres 2015 mit denen des Jahres 2016 fällt auf, dass die Situation sich sogar verschärft hat. Insgesamt ist die Zahl der Doping-Straftaten auf 1.109 gestiegen. 

Da die PKS eine Eingangsstatistik ist, bleibt offen, ob die steigenden Zahlen an der verbesserten Arbeit der Ermittler liegt, oder daran, dass mehr gedopt wird. Auch, ob die Ermittler ihre Ermittlungen stärker auf die Händler-Netzwerke konzentrieren und es dadurch dort „Erfolge“ zu verzeichnen gibt, kann auf Grundlage der rohen Zahlen nicht analysiert werden.

CORRECTIV hat bei den Landeskriminalämtern aller 16 Bundesländer nach einer detaillierten Aufschlüsselung der Dopingfälle gefragt. Wie viele der Verstöße fallen in den Leistungsbereich, wie viele in den Breitensport? Was wurde gefunden? Das Resultat ist ernüchternd: Ein wirksames, einheitliches Verfahren zur Verfolgung von Dopingdelikten gibt es im Breitensport nicht.

„Vieles ist ganz einfach Zufall, wenn man zum Beispiel Hausdurchsuchungen macht, findet man immer mal Tabletten und Medikamente“, sagt Olaf Schremm, Dezernatsleiter für Arznei und Rauschgiftkriminalität beim LKA Berlin. Er erzählt auch, dass es für Dopingmittel eine ähnliche Bandenkriminalität gebe wie beim Rauschgifthandel. Man könne der Sache kaum beikommen. Es fehle das Personal.

In den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg versucht man, mit Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Doping dieses schwer zu überblickende Feld zu kontrollieren. Auch in den anderen 14 Bundesländern wird aktuell überlegt, solche Spezialzuständigkeiten einzurichten. 

Christoph Frank leitet die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Freiburg. Doping sei ein soziales Problem, sagt er: „Es gibt einen gesellschaftlichen Wunsch nach Erfolg der nationalen Sportler, und auch die finanzielle Sportförderung des Innenministeriums richtet sich nach Wettkampfergebnissen.“ Ein Teufelskreis. Denn um den Erfolg bis in den Profisport bieten zu können, werde schon auf niedrigen Niveaus gedopt. Wer aufsteigen will, hilft nach.

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Gesundheit von dopenden Breitensportlern besonders gefährdet

Das sei bei Breitensportlern besonders riskant. Profis werden von Ärzten betreut, die über Risiken aufklären und den Unterschied zwischen gepanschten Präparaten und Originalen erkennen. Amateure hingegen betreiben „Eigenmedikation“: Sie spritzen und dosieren auf eigene Verantwortung.

Laut Dopingforscher Perikles Simon dopen allein im Kraftsport rund eine Million Menschen in Deutschland. Das ist jeder Neunte. Und da sind Sportarten wie Fußball, Marathon und Triathlon noch nicht eingerechnet. Simon leitet seit 2009 die Abteilung für Sportmedizin der Universität Mainz leitet. Für ihn liegt das Problem in der Priorisierung. „Das Thema Doping muss stärker in den gesellschaftlichen Fokus rücken“, sagt er. Bisher habe sich die öffentliche Aufmerksamkeit vor allem auf Drogen gerichtet.

Das neue Gesetz sei ein richtiger Schritt, um dem Dopingproblem mehr Beachtung zu verschaffen. „Aber viel wichtiger ist die Prävention“, findet Simon. Es müsse ein Bewusstsein entwickelt werden, schon bei den Jugendlichen. Auch für Substanzen, die zwar legal sind, aber trotzdem gefährlich sein können: zum Beispiel Schmerzmittel. Nicht nur, weil sie abhängig machen können. Die Präparate wirken sich auch auf die allgemeine Leistungsfähigkeit aus. Damit ist ein Sportler zwar nicht offiziell gedopt, aber auch nicht wirklich „sauber“.

Orientierung im Dschungel der verbotenen und halb oder noch legalen Substanzen zu finden, ist bisweilen kompliziert. Robert Petzold hält es lieber einfach: Doping lehnt er komplett ab. Der 27-Jährige hat sich auf Radmarathons und 24-Stunden-Rennen spezialisiert. Er hält den Weltrekord im Höhenmeter-Radfahren. Von seinem Sport leben kann er aber nicht. „Um im Profiradsport mitzufahren, fehlen die letzten fünf bis zehn Prozent, und die würde ich nur mit Zusatzstoffen erreichen“, meint er. Petzold findet Dopen „das Allerletzte“ und spricht dementsprechend offensiv Sportkollegen an, von denen er glaubt, dass sie dopen. Er fragt sie ganz direkt per Email oder in den sozialen Medien, manchmal auch während sie sich gemeinsam einen Berg hinauf quälen. Die meist aggressiven bis beleidigenden Reaktionen sprächen für sich, meint Petzold. Keiner gebe zu, dass er dope. „Ich würde für niemanden die Hand ins Feuer legen, außer für mich selbst“, sagt er.

Bodybuilder Worms hoffte damals, genau wie unzählige andere: Dass sie sich mit ein bisschen Doping einen großer Vorteil verschaffen können. Jahrelang sei es möglich gewesen, sich im Internet Dopingsubstanzen selbst zu organisieren, erzählt Worms. Dafür habe man noch nicht mal in die Tiefen des Internets gemusst, ins so genannte „Darknet“. Man bekam „die Originale ganz einfach über eine normale Internetbestellung“ per DHL. Mit „Original“ meint Worms Stoffe, die nicht gepanscht oder gestreckt wurden.

Auch Worms hat sich seine Spritzen selbst verabreicht. Zwar habe er regelmäßig Untersuchungen machen lassen, doch Hinweise oder Warnungen, seine erhöhten Testosteronwerte betreffend, habe es von seinem Arzt nie gegeben. Was hätte der Arzt auch sagen sollen? Wie genau die Folgen von Doping aussehen, ist kaum erforscht. Auch das mag ein Hinweis auf das mangelnde Interesse der zuständigen Instanzen sein. Zahlen zu Arbeitsunfähigkeit oder bleibenden Schäden gibt es nicht. Nachgewiesen ist immerhin, dass Anabolika beispielsweise zu Unfruchtbarkeit, Leberschäden oder auch Krebs führen können.

Benedikt Worms bereut seine Dopingvergangenheit nicht. Aber seinen echten Namen will er in diesem Zusammenhang lieber doch nicht im Internet lesen. Er ist stolz auf das, was er erreicht hat und sieht sein Dopen nicht als illegal an.

CORRECTIV hat bei der größten Bodybuildervereinigung, dem Deutschen Bodybuilding- und Fitness-Verband, angefragt, wie mit Dopingfällen, sowohl im Profi- als auch im Breitensport, umgegangen wird und welche Kontrollen es seitens der Verbände gibt. Auf die Bitte um Stellungnahme hat der Verband auch nach mehrfacher Nachfrage noch nicht mal reagiert.

*Name von der Redaktion geändert.

**Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist eine Eingangsstatistik, in der jegliche Straftaten und Gesetzesverstöße, die die jeweiligen LKAs in einem Jahr finden, festgehalten werden. Sie ist nach Schlüsseln, sowie Unterkategorien aufgebaut. Für jedes Bundesland, jeden Kreis und jede Stadt kann die PKS runtergebrochen werden. Seit 2015 gibt es erstmals einen Schlüssel für Doping.

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Fußballdoping

Auf ein tolles 2014!

Wir haben das Gefühl, dass das Thema Doping im Fußball in den Medien von Jahr für Jahr präsenter wird. In diesem Jahr gab es einige Aufreger. Zu Jahresbeginn bestimmte der Fuentes-Prozess die Schlagzeilen, im Sommer und Herbst waren es die Lücken im Kontrollsystem und der dünne Start der Blutkontrollen in der Bundesliga.

von Daniel Drepper

Eine unserer größeren Geschichten im Jahr 2013 war unsere Recherche zu Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Die Texte “Hinter der Fassade von Müller-Wohlfahrt” und “Müller-Wohlfahrt: Medizin und Werbung” gehören zu den zehn meist gelesenen Texten des Jahres. Viel diskutiert wurde auch unser Stück für Spiegel-Online über hohe Blutwerte in der Bundesliga. Nationalmannschafts-Arzt Tim Meyer hatte diese in einer Studie in der Saison 2008/2009 gemessen.

Die Top 3 der meist gelesenen Beiträge bei fussballdoping.de waren jedoch andere:

1) Unsere Reportage “Von Kreisliga bis Champions League”
2) Eufemiano Fuentes bestätigt die Betreuung von Fußballern
3) Die Frage, ob der Fußball Geld für Blutkontrollen hat (natürlich hat er das)

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Jonathan Sachse und ich freuen freuen uns auf ein tolles Jahr 2014 mit Euch. Hier im Blog und noch regelmäßiger mit Links und Kommentaren bei Twitter und Facebook.

Wir sehen diese Seite und die dazu gehörigen Kanäle in den sozialen Netzwerken auch als eine Gemeinschaft von Interessierten. Häufig werden wir von Euch Lesern auf interessante Beiträge und Quellen hingewiesen, die wir sonst später oder gar nicht entdeckt hätten. Einmal mehr: Danke dafür.

Zum Jahresende deshalb ein Aufruf: Meldet Euch mit Tipps, Ideen und Wünschen bei uns. Wo sollen wir hingucken? Was wollt ihr lesen? Wir versuchen, dem im neuen Jahr nachzugehen.

Hinweise könnt ihr uns per Mail, auf Twitter oder Facebook zukommen lassen. Wir nehmen gerne auch verschlüsselte Dokumente entgegen, zum Beispiel über unsere anonyme Upload-Plattform.

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Fußballdoping

Positive Dopingprobe beim 1. FC Saarbrücken

Bei Drittligist 1. FC Saarbrücken hat es offenbar eine positive Dopingprobe gegeben. Im Urin des Franzosen Francois Marque haben Kontrolleure eine Kortison-Substanz gefunden. Das bestätigte der Fußballklub der ARD-Sportschau, nachdem zuvor der Saarländische Rundfunk berichtet hatte.

von Daniel Drepper

Die Kontrolleure fanden die verbotene Substanz am 31. 30. November nach einem Spiel gegen RB Leipzig im Urin von Francois Marque. Sowohl die A-, als auch die B-Probe sind positiv. Der DFB will sich bei einer Anhörung am kommenden Montag mit dem Fall befassen.

Laut ARD-Sportschau soll die positive Probe auf eine kortisonhaltige Salbe zurückzuführen sein. Für solche Salben muss eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden, jeder Gebrauch muss angezeigt werden. Der 1. FC Saarbrücken geht der ARD zufolge von einem Formfehler aus. Vermutlich meint der Verein damit die fehlende Angabe auf dem Formular.

Kortison wird in der Medizin bei Schmerzen und zur Wundheilung eingesetzt, kann im Sport aber besonders in Kombination mit anderen Mitteln auch den Muskelaufbau und die Regeneration fördern. Besonders in den 70er und 80er Jahren waren Corticosteroide eines der meistgenutzten Dopingmittel.

Abwehrspieler Marque spielt seit Mitte Oktober für Saarbrücken. Am 25. Oktober zog sich Marque einen Muskelfaserriss zu. Das Spiel gegen RB Leipzig, in dem er positiv getestet wurde, fand am 31. November statt. Es war das zweite Spiel von Marque nach seiner Verletzungspause.

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Hier gibt es unsere Übersicht zu den bisher bekannt gewordenen Dopingfällen im deutschen Fußball: Zeitleiste

Update: Jonathan Sachse wird morgen früh um 11 Uhr im Sportradio360 über den Fall Marque sprechen.

Update, 4. Februar: Im Fall Francois Marque gibt es immer noch keine Entscheidung. Eine Schutzsperre gab es nicht. Er spielte am 1. Februar gegen den VfB Stuttgart II.

Wir werden Euch in den nächsten Tagen hier auf dem Laufenden halten.

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Fußballdoping

Kortison-Befund Marque: Gibt es eine Ausnahmegenehmigung?

Gab es eine therapeutische Ausnahmegenehmigung für Marque? Für die NADA ist diese Frage für die Bewertung der positiven Dopingproben von zentraler Bedeutung, um über eine Sanktion für den Drittliga-Spieler entscheiden zu können. Die Entscheidung des DFB erwartet Sie in Kürze.

von Jonathan Sachse

Gestern haben wir hier über die positive A- und B-Probe im Urin des Saarbrücker-Abwerhspielers Francois Marque berichtet. In einem Gespräch beim Sportradio360 hatten wir die Gelegenheit kurz Dr. Andrea Gotzmann, Vorstandsvorsitzende der NADA, dazu zu befragen.

Die getestete Substanz sei ein Kortison-Abkömmling, bestätigte Gotzmann. Eine Substanz, die nur im Wettbewerb verboten sei. “Man kann therapeutische Ausnahmegenehmigung (TUE) stellen. Man muss jetzt klären, ob das in diesem Fall stattgefunden hat. Das wird bei der Anhörung beim DFB stattfinden, sodass man diesen Fall einordnen kann”, beschrieb Gotzmann den Ablauf. Da es sich um eine „spezifische Substanz” handle, würden man auch beim Strafmaß differenzieren. “Das ist jetzt Aufgabe des DFB.“

Nachdem das zuständige Labor den DFB über den positiven Befund informierte, lag dem DFB sehr wahrscheinlich bei seiner Erstprüfung kein TUE für den Spieler Marque vor. Sonst wäre kein Ergebnismanagementverfahren vom Fußballverband eröffnet worden. Der genaue Ablauf des Verfahrens ist kompliziert und würde bis zu einem Dopingverstoß durch mehrere Instanzen gehen, die in der Rechts- und Verfahrensordnung (pdf) des DFB geregelt sind. Sollte es soweit kommen, entscheidet am Ende das DFB-Sportgericht über das genaue Urteil, was anschließend von der NADA theoretisch angefochten werden dürfte.

In welcher Form der Wirkstoff Kortison verabreicht im Wettkampf und Training verabreicht werden darf, ergibt eine einfache Abfrage in der Medikamentendatenbank der NADA. Die NADA verweist bei Anfragen zur genauen Substanz an den DFB, da dieser für das Ergebnismanagement zuständig ist. Vom DFB haben wir aktuell noch keine Antwort erhalten.

Update 15:45 Uhr, Antwort DFB-Sprecher:
“Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt in dieser Angelegenheit. Bitte haben Sie daher Verständnis, dass wir zu laufenden Verfahren auch in Bezug auf die Dauer des Verfahrens keine Angaben machen können.”

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Update 16:43 Uhr, Telefonat mit Dr. Rainer Koch, Vorsitzender DFB-Anti-Doping-Kommission:
Der Fall liege aktuell beim DFB-Kontrollausschnuss. Dieser prüfe nun wegen einer möglichen Ausnahmegenehmigung. Mit der NADA habe es bereits im Dezember ein Gespräch diesbezüglich gegeben. Danach würde entschieden werden, ob ein Verfahren eingeleitet wird, was durch mehrere Instanzen bis zum DFB-Sportgericht gehen könnte.

Von Gotzmann wollten wir wissen, ob die NADA bei einer positiven Wettbewerbskontrolle, die der DFB selbst durchführt, direkt vom Labor das Ergebnis erfährt. “Die NADA wird immer parallel informiert. Das Labor ist verpflichtet die Ergebnisse anonym über die Codenummer an die WADA, als auch an die NADA zu berichten”, beschreibt Gotzmann die Kommunikation. Wann genau der DFB und die NADA das erste Mal über die positiven Proben von Marque gesprochen haben, beantwortete sie nicht, sagte aber: “Wir sind im engen Austausch mit dem DFB. Da wird nichts unter den Teppich gekehrt.”

Neben Gotzmann wurde von Moderator Johannes Knuth (SZ) auch noch der Ex-Radprofi Jörg Jaksche dazu geschaltet, ein geständiger Ex-Kunde bei Dopingdoktor Fuentes. In etwa einer halben Stunde haben wir auch grundsätzlich über die Lücken im Doping-Kontrollsystem gesprochen. International “herrscht wenig wenig Harmonisierung”, meinte Gotzmann. Sie sprach konkret Brasilien an, wo gegenwärtig keine Dopingkontrollen im Training durchgeführt werden. Sie hofft auf positive Veränderungen mit dem neuen WADA-Code im Jahr 2015. “Dort wird es dann auch technische Dokumente und Vorschriften geben, welche Zusatzuntersuchungen zum normalen Standardverfahren in Wettkampf- und auch Trainingskontrollen durchzuführen sind.”

Jetzt könnt Ihr das komplette Gespräch hier Nachhören:

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ADRIAN DENNIS / AFP
Fußballdoping

Europäische Kontrollsysteme: Portugal mit Rekordzahlen in Europa

Über 100 Dopingfälle wurden in den vergangenen zehn Jahren im portugiesischen Fußball aufgedeckt. Ein echter Ausreißer in Europa. Wo liegen die Gründe für diese Quote? Eine Antwort findet sich im dortigen Kontrollsystem.

von Jonathan Sachse

Im Dezember haben wir die ersten Ergebnisse unserer Recherche über die Dopingkontrollen im europäischen Fußball online gestellt. Jetzt vertiefen wir das Ganze mit einer Analyse der unterschiedlichen Systeme. Los geht’s mit Portugal.

Wie und wo wird kontrolliert?

Die portugiesische Anti-Doping Agentur ADoP führt alle Kontrollen durch. Pro Spieltag werden mindestens zwei Spiele in der ersten Liga und ein Spiel in der zweiten Liga ausgelost. Außerhalb des Wettkampfes werden pro Saison nur in jedem Team aus der ersten Liga drei Tests genommen und eine Liga darunter zwei Kontrollen durchgeführt.

Kontrolleure nehmen in Portugal im Vergleich mit den anderen europäischen Ländern ungewöhnlich viele Kontrollen im nicht professionellen Fußball, Futsal und Frauenfußball. Von etwa 1.000 Dopingproben im Jahr 2012 (745 IC/ 252 OOC) wurden nur rund zwei Drittel in den obersten beiden Ligen genommen.

Das von der Welt-Anti-Doping Agentur WADA akkreditierte Labor in Lissabon analysiert alle Proben.

Why are there more than 100 positives?

Concerning to Luis Horta, especially amateurs get caught. Horta, the ADoP chairman, claims that is due to using what he calls „social drugs“ like marihuana, cocaine or other party drugs. Therefore, Horta doesn’t think Portuguese football has a doping problem.

Horta says, there are quite a lot tests in football. He believes that the rate of positive tests would rise the less tests are carried out. The testing system discourages many footballers, writes Horta. However, Horta is well aware of the amount of money as well as the various interests that are present in football.

Due to privacy laws Horta refuses to hand out more information about the positive tests like the age of the player or the substance he was tested positive for. Without that itemisation we are not able to give a more profound analyses of those doping cases.

What’s the standard of the national testing system?

Blood testing only take splace out-of-competition, but the numbers are almost ridiculous. In 2012, there were 33 blood tests, but only 15 were analysed for CERA and 18 for HGH. As in Germany the players are not asked for a blood test after matches.

In 2012, the Lisbon lab only analysed 42 urin samples for EPO. In our opinion, that is far too little concerning the popularity of the substance.

However, there is something that works better than in Germany. All players of the first and second division are obliged to name a time slot of 60 minutes to be available for testing outside the usual training. For privacy reasons, the ADoP doesn’t use the official ADAMS system implemented by WADA but a different software where also lower division players need to register.

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How could the system be improved?

Competition testing costs about 165.000 euros and is financed by the Portuguese football federation. That means the federation has full control over the amount of testing. The more they pay, the more testing there is. At least out-of-competition testing (120.000 euros) is funded by the tax money of the ADoP.

Right now, there is not enough in-competition testing. The main focus in-competition testing with 75 per cent of the tests carried out there. Between match days there is a lot of opportunity to manipulate.

Where there popular doping cases?

Just before the 2002 world cup two players were banned from the national team after positive tests. Substitute goalkeeper Joaquim „Quim“ Silva was banned for six months after he was tested positive for Nandrolone. A couple of hours before the final squad nomination, the positive test of Daniel Kenedy was published. Kenedy was caught for using the blood thinner Furosemide. He received a ban for 18 months which was later reduced to five months.

Another Nandrolone case was Nuno Assis of Benfica after a first division match against CS Maritimo in 2005. The ban was quite unusual as it was parted into two parts, one to be served in the remainder of the 2005/06 season the other one in the 2006/07 season. There was a longer discussion between the World Anti-Doping Agency (WADA), the player Assis and also the portuguese football federation (FPF) about the doping ban period. WADA wanted to ban Assis with the standard period of two years. At the end the parties couldn’t reach an agreement. The Court of Arbitration for Sport (CAS) spoke the final word in this case and reduced it to the half of time (.pdf file with CAS decision).

There was another at least interesting story before the 2012 world cup as team manager Carlos Queiroz allegedly prevented an out-of-competition test of his team. Queiroz was banned for six months by ADoP but the ban was later annulled by a CAS decision (.pdf file with CAS decision).

Where’s the data from?

We exchanged a decent number of emails with ADoP chairman Luis Horta. We draw further information from the annual ADoP report and the 2012 WADA analyses. We were also able to filter a couple of doping cases from the anti-doping database ADDB.

Do you have further information on Portugal?

Are you an expert on Portuguese football? Do you have further information on the national testing system? Are you aware of doping cases we haven’t mentioned? Do you know players, managers, coaches, doctors or other persons in Portuguese football that we should take a closer look on?

We are also going to analyse the bigger European football nations in the upcoming weeks. We’ll take a closer look on England, Spain, Italy, France and a couple of smaller nations. We gladly welcome any support fort the analyses.

If you prefer to contact us anonymously we offer a encrypted data transfer one the upper right side of this page.

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Fußballdoping

Dopingfall Marque: Sechs Spiele Sperre

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat heute im Fall Francois Marque ein Urteil gesprochen: Seine positiven Proben sind als Dopingvergehen zu werten. Dennoch muss der Drittliga-Spieler nur bei den kommenden sechs Pflichtspielen zuschauen, da kein klassisches Mittel zur Leistungssteigerung eingesetzt worden sei.

von Jonathan Sachse

Vor zwei Tagen haben wir noch mit dem Pressesprecher des 1. FC Saarbrücken ohne Ergebnis telefoniert. Zu einem “laufenden Verfahren” könne er keine Auskunft geben. Heute veröffentlicht der DFB das Urteil zum Dopingfall Marque in einer Reihe von vielen anderen aktuellen Meldungen auf seiner Website.

Die Chronologie von der positiven Dopingprobe bis zum DFB-Urteil fassen wir hier noch einmal zusammen.
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Nach einem Ligaspiel gegen RB Leipzig am 30. November 2013 wird Marque für die Urinprobe ausgelost. Etwa eine Woche später wird der DFB vom Analyselabor über einen positiven Befund aus der Substanzgruppe der Glukokortikoide (Kortison) informiert. Ein Mittel, was im Training erlaubt ist, aber im Wettbewerb nur mit einer therapeutische Ausnahmegenehmigung (TUE) verwendet werden darf. In diesem Fall lag kein TUE vor. Da der DFB der Eigentümer der Proben ist, kann nur dort der Name des Spielers identifiziert werden.

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Am 12. Dezember kommt es zu einem Treffen zwischen Dr. Andrea Gotzmann, Vorstandsvorsitzende der NADA, und Dr. Rainer Koch, Vorsitzender der DFB-Anti-Doping-Kommission. Beim Treffen wird auch über die positive Probe gesprochen. Zwischen Weihnachten und Neujahr passiert in den nächsten Wochen vermutlich nichts. Der Fall wird aufs neue Jahr vertagt.

Kurz vor einer Anhörung beim DFB-Kontrollausschuss am 20. Januar 2014, an der zwei Vertreter des Vereins teilnahmen, gelangt der Dopingfall Marque durch einen Bericht des Saarländischen Rundfunks an die Öffentlichkeit. Der Spieler beantragt die Öffnung der B-Probe. Anfang Februar bestätigt das Labor: Beide Proben sind positiv. “Das DFB-Sportgericht hat heute im Einzelrichter-Verfahren das Urteil gefällt”, schreibt uns der DFB auf Anfrage.

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In der eigenen Meldung wird die kurze Sperre von sechs Spielen begründet, da die Substanz “nicht zu den klassischen Wirkstoffen zur Steigerung von Kraft- und Ausdauerleistung gehört.” Marque kann ab dem 32. Spieltag gegen den MSV Duisburg wieder eingesetzt werden. Dann bleiben ihm immerhin noch sieben Spiele, um im Abstiegskampf mitzuwirken.
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Im Jahr 2007 verhandelte der DFB bereits in zwei anderen Fällen nach Glukokortikoid-Proben. Der Spieler Marc Lerandy (SC Pfullendorf) wurde damals ebenfalls für sechs Spiele gesperrt und Daniel Gunkel (1. FSV Mainz 05) kam mit einer Verwarnung davon. In anderen Sportarten entschied die zuständigen Instanzen in der Vergangenheit mit einem ähnlichen Strafmaß; meist um die zwei Monate. Einzig ein Faustkämpfer musste Ende 2012 gleich ein ganzes Jahr pausieren. Aus unserer Sicht bleiben noch einige Fragen offen, die wir an die Pressestelle des DFB, des 1. FC Saarbrücken und der NADA versendet haben. Über die Antworten werden wir hier informieren (Update: siehe unten). Eine Auswahl:

● Welcher Arzt hat den Spieler Marque behandelt? Warum wurde keine TUE gestellt?
● Wird die NADA das Urteil anfechten?
● Warum wurde die B-Probe so spät geöffnet? Ein Verstoß gegen §15 in den Anti-Doping Richtlinien des DFB (.pdf), welcher eine schnellere Analyse der zweiten Probe vorschreibt?

Der 1. FC Saarbrücken möchte uns die Frage nicht beantworten, warum keine TUE gestellt wurde, womit genau und von wem der Spieler behandelt wurde. “Jetzt im Nachklang einen Schuldigen zu suchen oder zu benennen, ist aus unserer Sicht nicht zielführend”, schreibt uns Pressesprecher Christoph Heiser und meint, dass sie eigenen Spieler in Zukunft “vielleicht noch ein Stück mehr sensibilisieren müssen.”

Antwort der NADA: Sie werden die Entscheidung des DFB nicht anfechten. Der lange Zeitraum zwischen der Analyse der A-Probe und dem zweiten Test würde den Vorgaben des NADA-Codes und dem internationalen Standard für Labore (ISL) entsprechen, teilt uns die Pressesprecherin Eva Bunthoff mit.

Auch der DFB hat sich mittlerweile zurückgemeldet. In einer längeren E-Mail schrieb uns Dr. Rainer Koch seine Begründung, warum sich der Zeitraum zwischen der Öffnung der A-Probe und der Zweitanalyse beinahe zwei Wochen hingezogen hat. Zunächst wäre geprüft worden, ob keine Ausnahmegenehmigung vorlag. Das sei bei einem Treffen mit der NADA am 17.12. in Frankfurt am Main geschehen. Danach sei die Öffnung der B-Probe beantragt wurde. Das Labor in Kreischa hätte diese noch vor Weihnachten 2013 bestätigt. Dennoch fand die Anhörung von Marque und die anschließende Öffnung der B-Probe erst vielen Wochen später statt, “da zuvor die Spieler des 1. FC Saarbrücken im Trainingslager waren“, schreibt uns Dr. Koch.

Nach der Argumentation der beteiligten Parteien bleiben Fragen offen. Welche Priorität muss einem möglichen Dopingvergehen gegeben werden? Wäre es nicht möglich gewesen den Spieler für einen Tag aus dem Trainingslager zur Anhörung zu schicken?

Überhaupt nicht geklärt ist, warum Marque überhaupt mit Kortison getestet werden konnte? Wer gab Ihm das Medikament? Die Antwort des Vereins macht deutlich, dass das Umfeld nicht aufgeklärt werden soll.

Wir haben in den letzten Wochen den Dopingfall Marque im Blog begleitet:
15.1. Positive Dopingprobe beim 1. FC Saarbrücken
22.1. Kortison-Befund Marque: Gibt es eine Ausnahmegenehmigung?

Haben Sie Anmerkungen oder Hinweise zum Dopingfall Marque? Oder andere Informationen über den Dopingkontrollablauf beim DFB und den teilnehmenden Institutionen? Dann schreiben Sie uns in den Kommentaren, per E-Mail oder nutzen Sie die anonyme Kontaktmöglichkeit.

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Fußballdoping

Neu: Blutkontrollen nach Bundesliga-Spielen

Ab der Saison 2014/15 sollen die ersten Blutkontrollen in DFB-Wettbewerben eingeführt werden. Dafür wird das Budget leicht erhöht. Eine kleine Verbesserung in der Anti-Doping Arbeit. Zentrale Lücken im deutschen Kontrollsystem bleiben aber bestehen.

von Jonathan Sachse

Eine Einführung von Blutkontrollen in Wettbewerben hat der DFB schon länger angekündigt. Gestern wurde Rainer Koch (DFB-Vizepräsident) etwas konkreter. Der DFB möchte 100.000 Euro zusätzlich für Anti-Doping Maßnahmen ausgeben. Damit erhöht sich das gesamte Budget auf etwa 800.000 Euro und bewegt sich weiterhin im Promille-Bereich, setzt man die Investition ins Verhältnis zu den alljährlichen Rekordumsätzen im deutschen Fußball.

Wie viele Blutkontrollen wird es in der kommenden Saison in Wettbewerben geben?
Laut einer SID-Agenturmeldung sprach Koch von 120 zusätzlichen Blutkontrollen. Gleichzeitig soll er gesagt haben, dass sich dadurch die Anzahl der Blutkontrollen etwa verdoppelt. Diese Rechnung ist für uns nicht nachvollziehbar. Bislang hat die NADA etwa 75 Blutkontrollen im Training durchgeführt (siehe Update unten).

Wir fragen nach und werden diesen Text aktualisieren, sobald uns die konkreten Zahlen vorliegen. Dann wissen wir hoffentlich auch, bei wie vielen Spielen pro Spieltag das Blut von Spielern kontrolliert werden soll. Unklar ist auch, wann konkret die ersten Blutkontrollen im Wettbewerb genommen werden. Der Rahmenvertrag zwischen DFB und NADA läuft bis Ende 2014. Sollte dieser nicht vorläufig aktualisiert werden, könnten die neuen Kontrollen erst 2015 beginnen.

Der DFB schreibt uns, dass “das DFB-Präsidium in seiner letzten Sitzung die Anti-Doping-Richtlinien entsprechend geändert” habe. Der Rahmenvertrag spiele dabei keine Rolle, da dieser nur die Durchführung der Trainingskontrollen im Wettbewerb betreffe. Deswegen würden die Trainingskontrollen “ab Beginn der Spielzeit 2014/2015” eingeführt werden.

Uns gegenüber hat der DFB die oben genannte Zahl von Koch leicht nach oben korrigiert. Insgesamt sollen in der nächsten Saison “rund 140-150 Wettkampfblutkontrollen” genommen werden. In den ersten beiden Bundesligen würden dadurch im Schnitt vier Blutproben genommen werden (136 Proben pro Saison). Dazu würde an vier Spieltagen in der 3. Liga und bei vereinzelten Spielen im DFB-Pokal kontrolliert werden.

Durch die Einführung der Blutkontrollen wird der DFB seine medizinische Personalstruktur anpassen müssen. Im Gegensatz zu den Kriterien für “Urin-Kontrolleure” darf das Blut nur von ausgebildeten Ärzten oder anerkannten Heilpraktikern entnommen werden, die für die Kontrollen zusätzlich geschult werden müssen (siehe NADA-Regelwerk unter G.3).

Der DFB schreibt uns, dass die Wettkampfkontrollen “seit Beginn der Kontrollen im Jahr 1988 AUSSCHLIESSLICH (sic) von approbierten Ärzten durchgeführt” werden würden und deswegen das Personal für die Blutkontrollen kein Problem darstellen würde.

[Update 2: Ende]

Der DFB bewegt sich, aber zentrale Lücken im Anti-Doping System bleiben bestehen. Diese Probleme haben wir zum Beispiel hier benannt. An dieser Stelle wiederholen wir nur drei Punkte:

● Die NADA darf nur im Training kontrollieren. In den Wettbewerben übernimmt der DFB die Kontrollen. Das soll sich in der kommenden Saison auch nicht ändern.
● Der DFB finanziert die Dopingkontrollen der NADA. Der Verband bestimmt dadurch die Quantität der Kontrollen. Außerdem ist er für das Ergebnismanagement zuständig. Das ist kein unabhängiges Anti-Doping System.
● Insgesamt werden Bundesliga-Spieler zu selten kontrolliert. Wenn Kontrollen stattfinden, sind diese zu berechenbar. Nur Nationalspieler können zu Hause kontrolliert werden.

Gestern fand in Frankfurt am Main eine Podiumsdiskussion zum Thema Doping im Fußball statt. In diesem Rahmen soll sich Koch zu den Blutkontrollen geäußert haben. Wir konnten den Livestream auf HR Online leider nicht verfolgen. Habt Ihr die Diskussion gesehen? Wurden Koch oder Gotzmann (NADA-Vorsitzende) dort konkreter? Und wurden weitere Dinge gesagt, die Ihr wichtig findet?

Update: Die Diskussion steht mittlerweile online zur Verfügung und kann hier angeschaut werden.

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Fußballdoping

Die lange Reise der WM-Dopingproben

Die Dopingkontrollen bei Fußball-Weltmeisterschaft sind extrem uneffektiv. Bei den letzten vier Weltmeisterschaften wurde kein einziger Spieler positiv getestet. In Brasilien könnte sich das System noch verschlechtern, sollten die Dopingproben nicht rechtzeitig analysiert werden.

von Jonathan Sachse

Jeden Abend wird aus Sao Paulo ein Flieger nach Lausanne starten. Die wichtigste Ware an Board: Gekühlte Dopingproben. Mal fliegen die Proben von portugiesischen und deutschen Nationalspielern zusammen. An einem anderen Tag wird Blut und Urin von spanischen und niederländischen Kickern in die Schweiz transportiert. Es sind über 20 lange Reisen, die eine von der FIFA beauftragte Transportfirma durchführen wird.

Die Vorgeschichte: Das brasilianische Labor in Rio de Janeiro hat im letzten Jahr seine WADA-Akkreditierung verloren, nachdem Proben fälschlicherweise positiv analysiert wurden. Die FIFA suchte nach einer Alternative und entschied sich für das weit entfernte, aber wohlvertraute, Labor in Lausanne. Der Fußballweltverband entschied sich gegen nähere WADA-Labore in den USA, Kanada oder anderen südamerikanischen Ländern. Mittlerweile gibt die FIFA zu, dass durch die langen Reisewege ernsthafte logistische Probleme entstehen könnten.

Das Thema hat HR INFO letzte Woche durch eine Presseanfrage bei der FIFA neu aufgegriffen. Darin wiederholte die Fifa ein Problem, welches bereits im April vom Fußballweltverband benannt wurde, als der FIFA-Chefmediziner Michel D’Hooghe in einem Interview mit der Agentur AP zugab: Er sei sich „nicht ganz sicher“, ob die Analyse-Ergebnisse immer rechtzeitig zum nächsten Spiel einer Mannschaft feststehen werden.

Wir haben ebenfalls bei der FIFA nachgefragt. Unter anderem wollten wir wissen, um welche Zeit der fast tägliche „Dopingkontroll-Flieger“ starten soll und wie lange jeder Transport den FIFA-Berechnungen zufolge dauern wird. Diese Details möchte die FIFA nicht bekanntgeben, teilt uns ein Sprecher des Weltverbandes mit. Stattdessen wiederholt er das allgemeingültige Kontrollziel: „Das Labor in Lausanne ist darauf eingestellt 24 Stunden pro Tag zu arbeiten mit dem Ziel, dass die Resultate vor dem nächsten Spiel der entsprechenden Teams bereitstehen.“

Schauen wir uns die Transportroute und die Analyse-Zeit der Proben im Detail an.

Nach dem Spiel werden jeweils zwei Spieler aus jedem Team kontrolliert. Die Abendspiele werden in der Regel zwischen 17-18 Uhr Ortszeit abgepfiffen. Anschließend brauchen die Spieler oftmals eine Weile, bis sie pinkeln können. Parallel wird den Spieler Blut abgenommen. Wenn die FIFA eine zeitliche Reserve aufschlägt, müsste sie mindestens drei bis vier Stunden einplanen, bis die Probe zum Transport verpackt wurde. Die Abfahrt vom Stadion könnte dann erst am späten Abend beginnen.

Der Blick auf die Landkarte zeigt wie sehr die Stadien im Land verteilt sind. Die Proben werden immer von Sao Paulo aus nach Europa geflogen.

WM-Spielorte 2014

In diesen Städten wird die Weltmeisterschaft 2014 ausgetragen. Von dort fliegen die Dopingproben in die Schweiz.

CORRECTIV

Bei den Distanzen und der Infrastruktur in Brasilien darf davon ausgegangen werden, dass die Proben aus den Stadien nach Sao Paulo geflogen werden müssen. Die ungefähre Flugzeit kann in der folgenden Tabelle eingesehen werden.

WM 2014: Transportlängen der Dopingkontrollen von Spielorten in die Schweiz

Stadt Anzahl Spiele Entfernung nach SaoPaulo (km) Reisezeit Auto nach SaoPaulo (h) Reizeit Flug nach SaoPaulo (h)
Sao Paulo 6,0 0,0 0,0 0,0
Natal 4,0 2.885,0 41,0 3,25
Fortaleza 6,0 2.880,0 41,0 3,25
Manaus 4,0 3.850,0 55,0 3,75
Bras’lia 7,0 1.000,0 14,0 1,25
Recife 5,0 2.600,0 37,0 3,25
Salvador 6,0 1.930,0 27,0 2,25
Cuiaba 4,0 1.540,0 21,0 1,75
Porto Alegre 5,0 1.130,0 15,0 1,25
Rio de Janeiro 7,0 430,0 6,0 0,75
Curitiba 4,0 400,0 6,0 0,75
Belo Horizonte 5,0 580,0 8,0 1,0

Eigene Erhebung

Am weitesten ist die Amazonas-Metropole Manaus entfernt – ein Direktflug dauert vier Stunden. Ein Weitertransport mit dem täglichen Transportflug um 22:50 Uhr am gleichen Tag ist dann ausgeschlossen. Die Proben müssen also gelagert und vor Zugriff gesichert werden. Mindestens zwölf Stunden dauert der zweite Flug in die Schweiz.

Im Labor angekommen will die FIFA eine positive Probe in 48 Stunden liefern. Zwischen den WM-Spielen liegen aber oft nur vier Tage. Deshalb ist es extrem unwahrscheinlich, dass eine positive A-Probe vor dem nächsten Spiel veröffentlicht werde. Auch ein Protest im Nachhinein ist dann kaum möglich: Laut FIFA-Regelwerk müssen Proteste schriftlich bis zwei Stunden nach Spielende eingereicht werden, sonst würden sie nicht berücksichtigt.

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Neu ist bei dieser Weltmeisterschaft, dass alle gesammelten Dopingproben in den Biologischen Pass der FIFA einfließen. Der Pass ist ein positive Entwicklung, die aber im gegenwärtigen Zustand noch kaum Aussagekraft hat (siehe alter Blogeintrag). Im Zusammenhang mit den logistischen Schwierigkeiten bei der kommenden Weltmeisterschaft, wäre es eine Überraschung, wenn in diesem Jahr ein WM-Spieler positiv getestet werden sollte.

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Fußballdoping

FIFA-Dopingproben: Helft uns bei der Recherche

Die FIFA möchte in diesem Jahr jeden WM-Spieler vor Beginn des Turniers testen. Die gesammelten Urin- und Blutwerte sollen in den biologischen Pässen des Weltverbandes gespeichert werden. Uns interessiert, ob diese Ankündigung eingehalten wird und wie diese Kontrollen genau ablaufen. Dabei könnt Ihr uns helfen.

von Jonathan Sachse

Hier findet Ihr ein offenes Google-Dokument, indem wir alle FIFA-Kontrollen sammeln, die gegenwärtig in den weltweit verteilten Trainingslagern der Nationalmannschaften durchgeführt werden. Seit dem 1. März und bis spätestens zum 11. Juni müsste hier jede Nation drin stehen, wenn die FIFA sich an den eigenen Zeitplan hält und wir mit Eurer Hilfe alle Proben erfassen können.

Diese Übersicht soll helfen verschiedene Dinge zu verstehen. Zum Beispiel: Wann werden die Proben genommen? Alle in einem ähnlichen Zeitraum und wie weit vom Turnier entfernt? Werden die Nationalspieler nachträglich kontrolliert, wenn sie beim ersten großen Text nicht vor Ort gewesen sind?

Wie Ihr helfen könnt:
(1) Teilt diese Nachricht bzw. den Link zum Dokument mit euren (gerne internationalen) Netzwerken.
(2) Kommentiert hier, schreibt uns auf Facebook & Twitter oder ergänzt direkt im Dokument eure Ergebnisse.

Vielen Dank vorab an alle Helfer und an alle Personen, die uns seit gestern bereits unterstützt haben!

Wer die schwierigen Rahmenbedingungen rund um die Dopingkontrollen bei der Weltmeisterschaft noch nicht kennt, dem empfehlen wir unsere erste Doping-WM-Vorschau.

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Fußballdoping

CORRECTIV übernimmt fussballdoping.de

von Daniel Drepper

CORRECTIV bekommt Zuwachs: Ab sofort wird fussballdoping.de offizieller Teil unseres Projektes. Die Seite geht dem Missbrauch von Dopingsubstanzen und Schmerzmitteln im Fußball langfristig auf den Grund.

Die Recherche-Plattform fussballdoping.de war im Frühjahr 2012 von Daniel Drepper als Blog-Projekt des Ressort Recherche der damaligen WAZ-Gruppe gegründet worden und ein Jahr später für den Grimme Online Award nominiert. Seit dem vergangenen Sommer wird Drepper von Jonathan Sachse unterstützt. Beide arbeiten seit Anfang Juli als Reporter für CORRECTIV. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung hat das Blog vor einiger Zeit freigegeben. Nun kann fussballdoping.de von CORRECTIV weiter betrieben werden.

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Die Reporter sollen unter dem Dach von CORRECTIV wieder mehr Zeit für eigene Recherchen haben. Fussballdoping.de ist langfristig angelegt, die Recherchen zum Thema können im Zweifel noch Jahre andauern. Damit passt die Plattform perfekt in die gemeinnützige Struktur von CORRECTIV, die nicht Profite erwirtschaften will, sondern langfristig strukturelle Probleme aufdeckt, um die Gesellschaft zum Positiven zu verändern.

Die Plattform fussballdoping.de hat in der Vergangenheit mit etablierten Medien wie dem Deutschlandfunk, Spiegel-Online oder Zeit-Online gearbeitet. Die Seite lebt auch von der Beteiligung seiner Nutzer. Über einen verschlüsselten Datei-Upload, per E-Mail und in den sozialen Medien beteiligen sich immer mehr Menschen an dem Projekt. Fussballdoping.de ist auch auf Englisch verfügbar und ist zudem bei Twitter und Facebook zu erreichen.