Berliner Konferenz mit Trump-Fans soll wieder stattfinden
Bei einer Veranstaltung in Berlin vernetzten sich in den vergangenen Jahren Trump-Fans und Orbán-Unterstützer. In den letzten Monaten wurde es still um den Organisator. Nun kündigte er an, das Event in diesem Herbst wieder zu organisieren.
Auf der Website der Kampagnen-Agentur The Republic erscheint gerade „404 – Page not found“. Es sieht so aus, als habe die Organisation ihre Arbeit eingestellt. In den vergangenen Jahren lud sie unter dem Titel Berlin Campaign Conference Anhänger von US-Präsident Trump und Personen aus dem Netzwerk des rechtsautoritären Viktor Orbán nach Berlin ein. Fokus der Konferenz war die erfolgreiche Organisation von politischen Kampagnen.
Doch auf Anfrage von CORRECTIV beschwichtigt The Republic-Gründer Armin Petschner-Multari: Seine Organisation arbeite „unverändert im gewohnten Umfang“. Auch die Berlin Campaign Conference sei erneut für den Frühherbst geplant. Hierzu sei man sowohl mit Partnern aus den vergangenen Jahren als auch mit neuen Partnern im Austausch.
„Diese Konferenzen sind so spannend, weil dort Kräfte miteinander reden können, die offiziell noch nicht viel miteinander zu tun haben“, sagt Sozialwissenschaftler Dieter Plehwe. Hier werde mitentschieden, wie stark konservative Parteien in Deutschland und international nach Rechts rücken. Plehwe forscht am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung unter anderem zu Klimapolitik und Netzwerken von Denkfabriken.
Unions-nahe Denkfabriken im Gespräch mit MAGA
In den vergangenen Jahren brachte The Republic Gruppen aus dem autoritären bis rechtspopulistischen Spektrum zusammen. Organisiert wurde die Konferenz gemeinsam von The Republic und der Union Stiftung aus dem Saarland, die beide der Union nahe stehen. Auf Anfrage von CORRECTIV antwortete die Union Stiftung bis Redaktionsschluss nicht. Ein weiterer Partner war die International Democracy Union (IDU), deren Vizepräsident CDU-Fraktionschef Jens Spahn ist. Die IDU verbindet weltweit konservative bis rechtskonservative Politiker. 2024 trat die Kampagnen-Managerin Christine Carboni von CDU-Kanzler Friedrich Merz auf – heute ist sie Kommunikationschefin im Wirtschaftsministerium unter Ministerin Katherina Reiche.
Auch Organisationen aus dem MAGA-Lager von Donald Trump waren Partner der Konferenz. Darunter die Heritage Foundation, die sein inoffizielles Regierungsprogramm „Project 2025“ schrieb und mehrere Mitarbeiter seiner aktuellen Regierung stellt. Sie setzt sich für eine restriktive Migrationspolitik ein und baut Klimaschutzmaßnahmen radikal zurück. „Heritage ist der best finanzierte Akteur mit großem Einfluss innerhalb des MAGA Spektrums der Republikanischen Partei“, sagt Dieter Plehwe.
„Es ist nicht auszuschließen, dass auch The Republic bald im Auftrag der Trump-Regierung arbeitet“, sagt Dieter Plehwe. Die Agentur hält sich bezüglich ihrer eigenen Finanzierung und zur Finanzierung der Berlin Campaign Conference bedeckt. Wie die Financial Times im Februar berichtete, plant die US-Regierung, europäische Denkfabriken zu unterstützen, die sich für die Werte von MAGA und die „freie Meinungsäußerung“ einsetzen. Nach Recherchen von CORRECTIV erhielt Petschner-Multari selbst schon mehrfach finanzielle Förderungen von Trump-nahen Organisationen.
Veranstalter weiterhin im Austausch mit Orbán-naher Stiftung
Bislang pflegte The Republic auch gute Kontakte in das ungarische Lager von Viktor Orbán. Dieser gilt vielen als Vorbild für die Politik von Donald Trump. Noch 2025 antwortete Petschner-Multari auf eine Anfrage von CORRECTIV, dass für eine westliche Transformation gerade bei der Migrationspolitik „die Ansätze von Donald Trump und Viktor Orbán durchaus Vorbildcharakter“ hätten.
Nachdem Orbán im April dieses Jahres abgewählt wurde, hält sich Petschner-Multari nun zurück. Er gratuliere dem neuen ungarischen Premierminister Péter Magyar und wünsche ihm viel Erfolg und „Gottes Segen“. Er denke über eine Präsenz der neuen ungarischen Regierungspartei auf der Berlin Campaign Conference nach. Bei den vorherigen Konferenzen kooperierte The Republic mit dem Danube-Institut. Dieses hatte unter Orbán laut Informationen einer ungarischen NGO staatliche Gelder erhalten. Es „bestünden weiterhin Kontakte“ zum dem Institut, sagt Petschner-Multari. Für ihn sei es eine „transatlantisch und westlich orientierte“ Denkfabrik. Über den Stand möglicher Kooperationen will Petschner-Multari jedoch keine Auskunft geben.