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Wieso ein früherer CDU-Minister heute auf einer Konferenz für deutsche Konservative und Trump-Fans auftritt

Bei der Berlin Campaign Conference in Berlin tauschen sich deutsche Konservative mit Strategen aus dem US-amerikanischen MAGA-Lager aus. Mit dabei ist in diesem Jahr auch ein prominenter Christdemokrat.

von Annika Joeres, Elena Kolb

Gipfel der Jungen Unternehmer in Berlin
Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) spricht bei der Konferenz in Berlin. (Foto: picture alliance / Flashpic | Jens Krick)

Bislang war diese rechtskonservative Konferenz nur wenigen Menschen bekannt, aber das könnte sich in diesem Jahr ändern: Im Herzen von Berlin findet vom 3. bis 4. September die „Berlin Campaign Conference“ statt. Und zum ersten Mal tritt auch ein prominenter Christdemokrat auf – der langjährige CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Eigentlich ein Politiker, der sich stark vom rechten Außenrand der CDU abgrenzt. „Ich habe während meiner politischen Tätigkeit und auch seither unzählige Vorträge gehalten, auch bei Organisationen, deren Auffassungen konservativer oder progressiver waren als meine, beispielsweise bei Grünen, Linken und den britischen Tories“, sagt Altmaier im Gespräch mit CORRECTIV.

Von internationaler Seite ist etwa Kevin Gentry dabei, ein ehemaliger Spitzenmanager der Koch Brothers. Denjenigen also, die mit Öl, Treibstoffen und Pipelines zu Milliardären wurden. In deren Fahrwasser wurde Gentry 2012 einer der Verwaltungsräte von Cato, einem libertären Thinktank, der Klimapolitik bekämpft.

Die Webseite der Berliner Konferenz nennt als Ziel, führende „Mitte rechts“-Strategen zusammenzubringen und „erfolgreiche Kampagnen“ zu besprechen. Von deutscher Seite nimmt auch Fabian Beine teil. Der CDU-Politiker leitete die Kampagne „TEAM MERZ 2025“ für die Bundestagswahl 2025. Auf eine Anfrage von CORRECTIV dazu, was er sich von der Teilnahme an der Konferenz erhofft, hat Beine nicht geantwortet.

Altmaier redet also vor Menschen, die die Merkel-Jahre scharf als angeblich zu links kritisieren – und bis heute die Nähe zu rechtsautoritären Gruppen suchen.

Auch Trump-Unterstützer tummeln sich auf der Konferenz

So trifft Altmaier auf der Konferenz auch auf Vordenker aus dem US-amerikanischen MAGA-Lager. Offizieller Partner der Berlin Campaign Conference ist das US-amerikanische Leadership Institut. Laut eigener Website trainiert das Institut Konservative, um sie dann in Politik und Medien zu „platzieren“. Das Leadership Institut ist auch einer der Unterstützer für das Project 2025, das als Handbuch für die aktuelle Regierungszeit von Donald Trump gilt. Das Ziel: Mehr Macht den Märkten, staatliche Eingriffe und Organisationen wie die Umweltbehörde EPA zurückdrängen und in der Migrationspolitik rücksichtslos durchgreifen. Enthalten waren darin auch: Umwelt- und Klimaschutz weitgehend abschaffen und die Öl- und Gasförderung in den USA ausbauen. Genau das geschieht seit Trumps Regierungsantritt.

Die Berlin Campaign Conference findet in diesem Jahr bereits zum dritten Mal statt. In der Vergangenheit waren die offiziellen Partner der Konferenz noch enger mit Vorfeld-Organisationen von autoritären Regierungen verknüpft. Partner war auch die Heritage Foundation, die das Trump-Regierungsprogramm „Project 2025“ verfasste. Außerdem gab es über weitere Partner-Organisationen Verbindungen zum Umfeld des ehemaligen Ministerpräsidenten von Ungarn, Viktor Orbán. Der Geschäftsführer der Organisation, die die Konferenz ausrichtet, Armin Petschner-Multari, schrieb 2025 an CORRECTIV, die Ansätze von Trump und Orbán hätten für ihn „Vorbildcharakter“. In diesem Jahr ist lediglich ein Vertreter eines Orbán-nahen Institutes dabei.

Altmaier: Keine Kompromisse mit der AfD

Die Gesellschaft, die die Berliner Konferenz ausrichtet, heißt The Republic. Sie wurde 2021 von Petschner-Multari in Hannover gegründet. Auf der Website hieß es damals, man wolle sich dem „politischen Linksdrift entgegenstellen“. Gegenüber der Welt bezeichnete sich Petschner-Multari als „CSU bis zum Umfallen“. Für die Berlin Campaign Conference kooperiert The Republic mit der saarländischen Union Stiftung. Der Stiftungsvorsitzende Hans-Georg Warken gilt als CDU-„Urgestein“, wie CORRECTIV recherchierte. Er war rund zehn Jahre im Bundesvorstand der Jungen Union. Seine Schwiegertochter ist wiederum bundesweit bekannt: Nina Warken. Sie war unter Bundeskanzler Merz zuerst Gesundheitsministerin und ist seit Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramts.

Auf die Anfrage von CORRECTIV hat weder Armin Petschner-Multari noch die Union Stiftung geantwortet.

Der Union Stiftung ist Peter Altmaier „seit vielen Jahrzehnten verbunden”, sagt er. Schließlich stammt er auch aus dem Saarland. Der AfD will sich der Christdemokrat nicht annähern – im Gegensatz zu manchen Organisatoren wie Petschner-Multari. Dieser erklärte die Brandmauer als gescheitert – zumindest in Ostdeutschland. Altmaier hingegen verteidigt sie auch wenige Tage vor der Landtagswahl. „An meiner langjährigen Haltung, keine Kompromisse mit der AfD zu machen, weder mit ihr zu verhandeln noch sich von ihr dulden zu lassen, hat sich nichts geändert. Der Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU aus dem Jahre 2018 gilt nach wie vor.“

Redigat und Faktencheck: Stella Hesch