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Was es alles zu gutem Datenjournalismus braucht

Bunte Grafiken und Diagramme können viele. Bei unserem Meetup haben wir vor allem darüber diskutiert, was eine Veröffentlichung sonst noch braucht, um wirklich gut zu werden.

von Simon Wörpel

Natürlich gibt es dafür keine eindeutige Antwort, kein klares Rezept. Doch dank unserer drei Speaker sind uns einige Punkte klargeworden. Christina Elmer, Team-Lead für Datenjournalismus bei Spiegel Online, erklärte anhand einiger Learnings aus der bisherigen Arbeit ihres Datenteams, was es braucht, um mit ddj-Geschichten etwas Durchschlagskraft zu erzielen.

Wichtig ist demnach die Präsenz bei Lagen, also die (tages-)aktuelle Begleitung eines wichtigen Themas. Dazu muss die Datenredaktion natürlich genug Personal haben – nicht nur Redakteuer oder Programmierer, auch Designer, Datenanalysten und Projektplaner müssen alle zusammen arbeiten können. Christina sprach hier von der Verzahnung strategischer Bereiche.

Ohne Story kein Dataviz

Das Wichtigste bleibt aber natürlich eine gute Geschichte! Denn sonst bringt die schönste Datenvisualisierung nichts – Christina brachte es so auf den Punkt: „Ohne Story kein Dataviz, ohne Ressorts kein Wumms“.

Auch Alsino Skowronnek zeigte anhand seines für den Grimme-Online-Award nominierten Projekts airbnbvsberlin.com über die Auswirkungen von Airbnb auf Berliner Mietpreise, was für den Erfolg eines solchen Projekts wichtig ist. Bei uns blieben vor allem zwei Sachen hängen: Erstens, wie auch bei dem airbnb-Projekt, eine seperate, monothematische Website bauen. Die Süddeutsche Zeitung hat das zum Beispiel auch mit den Panama Papers so gemacht. Das löst zwar den Wiedererkennungswert zum eigenen Medium etwas, spricht aber auch ganz neue Zielgruppen an, zudem lässt sich so eine eigene Domain besser teilen und bewerben.

Zudem ermutigte uns Alsino, einfache Zusammenhänge mit einfachen Charts darzustellen. Auch wenn sich das auf den ersten Blick langweilig anfühlt: Für die User ist es wichtig, die Informationen schnell und unkompliziert erfassen zu können.

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Alsinos Gedanken, visualisiert von unserem Daten-Fellow Phil Ninh

E-Government als Datenquellen für lokale Geschichten

„Eine moderne öffentliche Verwaltung als Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands“ – so sieht das zumindest die Bundesregierung, und versucht daher in jüngerer Zeit, vermehrt Verwaltungs-Dienstleistungen, vor allem auf kommunaler Ebene, online anzubieten.

Ernesto Ruge beschäftigt sich unter anderem genau damit – und kommt zu dem Schluss, dass E-Government zwar „super Möglichkeiten hat“, aber noch viel zu wenig von den Kommunen bisher angeboten wird. Um das genauer herauszufinden, hat er die Plattform behoerden-online-dienste.de gestartet, die zeigt, welche Behörden bisher welche Dienste anbieten – und, ob die entsprechende Website dabei verschlüsselt ist oder nicht.

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Die komplexe Thematik E-Government – ganz einfach aufgemalt von Phil Ninh

Immerhin, in Städten wie Bochum, Moers, Köln oder Berlin funktioniert E-Government schon auf einer anderen Ebene: Die jeweiligen „Ratsinformationssysteme“, also die Schnittstellen, die Dokumente aus Stadträten oder Rathäuser zur Verfügung stellen, sind soweit digital, dass Ernestos Projekt politik-bei-uns.de (zusammen mit der Open Knowledge Foundation) sie gesammelt anzeigen kann. Für die regional fokussierten Datenjournalisten unter euch ist diese Quelle ein Muss!