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Warum wir unseren Eis-Konsum in Spreadsheets erfassen sollten

Beim letzten ddj-Meetup in diesem Jahr lernten wir über die Vorzüge von Tabellen in unserem Alltag, dass Leser und Nutzer völlig egal ist, wie viel Arbeit wir in ein Projekt stecken und sprachen über Wahlberichterstattung.

von Simon Wörpel

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Sandhya Kambhampati, Open-News-Fellow aus den USA, liebt Tabellen. Und zwar so sehr, dass sie fast alles, was sie in ihrem Alltag tut, in Tabellen erfasst. Von Reisen, Workshops über Kino-Besuche bis dahin, wann sie wo in Berlin Eis gegessen hat. Und sie forderte uns in ihrem kleinen Workshop auf, es ihr gleich zu tun – also ebenfalls Spreadsheets als unsere digitalen Notitzen zu benutzen. Warum? So gewöhnen wir uns ganz alltäglich an die Arbeit mit Tabellenkalkulations-Programmen und fangen an, „saubere“ Tabellen zu erstellen und ein gutes Gefühl dafür zu kriegen.

Eine gute Idee, die wir uns von Sandhya abschaueen sollten: Wer in der Lage ist, in einer Excel- oder Google-Tabelle den Überblick über seinen Netflix-Konsum zu behalten, braucht sich auch keine Sorgen mehr um schwer lesbare Statistiken bei seiner Arbeit als Datenjournalist zu machen.

Die Folien zu Sandhyas Talk bei uns in Essen gibt es übrigens hier.

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Was kann man bei einer Wahl anders machen, um aus den vielen Hauptstadtmedien hervorzustechen? Das hat sich das Daten-Team vom Tagesspiegel gefragt und ist zu einer Antwort gekommen: Wir wollen die schnellsten sein. Und das waren sie auch – dank spezieller Technologien, wie uns Philipp Bock berichtete. Unter anderem bauten sie eine Extra-Seite, die nicht in das normale Redaktionssystem eingebunden war und somit unabhängiger und viel schneller funktionierte. Außerdem schrieben sie ein kleines Skript, das die einkommenden E-Mails von den neuen Hochrechnungen automatisch in eine Datenbank einspeiste. Ganz abgesehen davon, dass die ganze Infrastruktur auf Push-Technologie basierte und so die Daten und Visualisierungen automatisch im Browser aktualisiert wurden…

Es zeigt sich also: Wer aus der Masse herausstechen will, kann das auch dadurch erreichen, mal etwas Zeit und Ressourcen in das Ausprobieren und Anwenden neuer Technologien zu stecken.

Den datenjournalistischen Blick aus der Schweiz lieferte uns an diesem Abend Felix Michel, Journalist und Coder beim Basler Online-Medium TagesWoche. Anhand aktueller Projekte, darunter zum Beispiel das Erbschafts-Tool oder ein interaktives Kulturbudget-Spiel, zeigte er uns, wie man auch in einem winzigen Team solche Projekte realisieren kann. Der Trick unter anderm: Auf möglichst viele Online-Tools zurückgreifen, die einem die Arbeit abnehmen können.

Dabei als Mini-Newsroom überlegen, welche Daten, Technologien und Workflows sich wiederholen und für neue Projekte anwenden lassen, um Zeit und Aufwand zu sparen. Denn, das zeigte sich bei den Projekten aus Felix‘ Team bisher: Den Lesern ist ziemlich egal, wie viel Mühen in eine Veröffentlichung gesteckt wurden, denn teilweise waren die besonders aufwändig gestalteten Stücke bei der TagesWoche am wenigsten erfolgreich. Worauf es nach wie vor ankommt im Datenjournalismus: Eine gute Story. Wenn das Thema die Leser fesselt, ist egal, ob man eine Datenvisualisierung mit viel Aufwand selbst programmiert hat oder ein praktisches Online-Tool benutzt hat, das nicht ganz so schick aussieht.