Sicherheit und Verteidigung

Baustopp deutscher Kriegsschiffe: Milliardenschwere Schadensersatzforderung droht

Wegen drohender Lieferverzögerungen und Mehrkosten stoppte Boris Pistorius das teuerste Marine-Projekt der Bundeswehr. Die betroffene Werft will sich wehren: Nach CORRECTIV-Informationen soll die geplante Schadensersatzforderung im Milliardenbereich liegen.

von Till Eckert , Martin Murphy

Kiellegung der Fregatte F126
Boris Pistorius (SPD), Bundesverteidigungsminister, spricht zur Kiellegung der Fregatte F126 "Niedersachsen" auf der Peene-Werft. (Foto: picture alliance/dpa | Stefan Sauer)

Die Stornierung des Kriegsschiff-Projektes F126 hat ein juristisches Nachspiel für Verteidigungsminister Boris Pistorius. Derzeit prüfen die betroffenen Werften nach CORRECTIV-Informationen, wie hoch die Schadensersatzforderung an das Beschaffungsamt der Bundeswehr ausfallen soll. Es geht dabei unter anderem um die Frage, ob die vertraglich vereinbarte Summe zumindest in Teilen ausgezahlt werden müsste. Laut Branchenkreisen bewegt sich die Summe im Milliardenbereich. 

Offenbar sollen damit auch Zulieferer entschädigt werden. SPD-Minister Pistorius hatte das teuerste Marine-Projekt der Bundeswehr vor wenigen Wochen überraschend abgebrochen. Ursprünglich sollten sechs Fregatten des Typs F126 gebaut werden; sie sollten die kampfstärksten Schiffe der Marine werden. Die vom Abbruch betroffene Damen-Werft erhebt jetzt schwere Vorwürfe. 

Der Anwalt der Werft spricht in Schreiben an das Verteidigungsministerium und das Bundeswehr-Beschaffungsamt, die CORRECTIV vorliegen, von einer „überstürzten und willkürlichen politischen Entscheidung“, die ohne „rechtliche Begründung“ erfolgt sei. Bis kurz vor dem Ende des Projektes sei der Werft signalisiert worden, den Bau der Fregatten der F126-Klasse fortführen zu wollen. Eine Warnung sei nicht erfolgt. 

Für das gescheiterte Projekt sollen insgesamt bereits zwei Milliarden Euro geflossen sein – auch Bund prüft Schadensersatzforderung

Auch der Haushaltsausschuss des Bundestags wurde über die „rechtlichen Einwendungen“ gegen „die Verfahrensweise der Bundesregierung“ informiert. Das Schreiben liegt CORRECTIV ebenfalls vor.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagt gegenüber CORRECTIV, dass die Beendigung des Vertrages „nach intensivem Austausch mit allen Beteiligten“ und basierend auf vertraglichen Rechten erfolgte. Unberechtigte Ansprüche gegen den Bund würden abgewehrt. Weiterhin prüft das Ministerium seinerseits Schadensersatzforderungen: „Der Bund wird die ihm zustehenden Ansprüche infolge der Beendigung des Projekts F126 uneingeschränkt geltend machen.“

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Bei einem Besuch der Heimatschutzdivision und dem Wachbataillon in Berlin führte Minister Pistorius das weiter aus. Die Grundlage der Beendigung sei „Schlechtleistung des Auftragnehmers“. „Die Damen-Werft weiß, dass es auch von unseren Seiten Schadensersatzforderungen von rund 2,3 Milliarden Euro geben könnte“, sagte der Minister. Es handele sich daher möglicherweise um einen „prophylaktischen Gegenangriff“ im Vorfeld: „Ich sehe das ehrlich gesagt gelassen.“

Bisher sollen für das jetzt beendete Projekt bereits zwei Milliarden Euro geflossen sein, wie CORRECTIV kürzlich berichtete. Der tatsächliche finanzielle Schaden könnte durch die Schadensersatzforderung auch höher ausfallen. 

Redaktion und Faktencheck: Elena Kolb

Update, 16. Juli 2026, 11 Uhr:
Wir haben den Artikel um Aussagen eines Sprechers des Verteidigungsministeriums sowie des Ministers Pistorius ergänzt.