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Blumes Umbaupläne scheitern im VW-Aufsichtsrat
Vier Werke will VW-Chef Oliver Blume schließen und über 100.000 Jobs streichen. Der Aufsichtsrat stimmte am Donnerstag gegen die Pläne.
Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat dem geplanten Radikalumbau des Autobauers eine Absage erteilt. In der Sitzung am Donnerstag haben 12 von 19 Aufsichtsratsmitgliedern gegen die Pläne von Konzernchef Oliver Blume gestimmt, wie CORRECTIV aus dem Umfeld des Aufsichtsrats erfuhr. Der Vorstand um Blume hatte dem Aufsichtsrat ein Konzept vorgelegt, das die Schließung der Standorte Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau sowie den Abbau von bis zu 70.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2030 vorsah. Die Streichung von 50.000 Jobs war bereits zuvor beschlossen worden.
Das Vorhaben, noch mehr Stellen abzubauen, scheiterte am „Nein“ des Betriebsrats und des Landes Niedersachsen, das nach der Familie Porsche/Piëch der zweitgrößte Aktionär von Volkswagen ist. Die Arbeitnehmer haben zehn Sitze im Aufsichtsrat und das Land stellt zwei Mitglieder, darunter Ministerpräsident Olaf Lies (SPD). Niedersachsen und die Arbeitnehmervertreter stimmen sich in der Regel vor wegweisenden Entscheidungen im Aufsichtsrat ab.
Lies hatte nach Angaben aus dem Umfeld des Aufsichtsrats einen Kompromiss vorgeschlagen, um die Lage zu entschärfen. Die Mitglieder des Gremiums sollten zumindest zur Kenntnis nehmen, dass Einsparungen bei VW nötig seien, sagte er. Auf diese Formel hätten sich die Aufsichtsräte aber nicht einigen können, hieß es. So kam es den Kreisen zufolge zur Kampfabstimmung, die mit dem „Nein“ endete.
VW-Chef: Lage ist „existenzbedrohend“
Das Unternehmen äußerte sich nicht zur Abstimmung. Angelegenheiten des Aufsichtsrats seien vertraulich, sagte ein VW-Sprecher auf Anfrage.
Bereits im Vorfeld war abzusehen, dass das Land und der Betriebsrat dem Sparpaket nicht zustimmen würden. „Tatsächlich dann aber die Abstimmung durchzuziehen, hat vor allem Blume selbst geschadet“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Er sei nun als Vorstandschef geschwächt, da klar sei, dass seine Pläne nicht mehrheitsfähig seien. Auch habe Blume es nicht geschafft, einen Kompromiss unter den einzelnen Fraktionen auszuhandeln.
Hinter dem Umbau stehen die Vertreter der Familie Porsche/Piëch, die sich um die Zukunft des größten Industriekonzerns Europas sorgen. Intern hatte Vorstandschef Blume davor gewarnt, dass der Konzern ohne Einschnitte ab dem Jahr 2030 in die Verlustzone abrutschen könnte. Die Lage sei „existenzbedrohend“.
Nächster Schritt: Hauptversammlung?
Der Vorstand um Blume kündigte nach der Niederlage im Aufsichtsrat an, den Umbau dennoch angehen zu wollen. Einige Maßnahmen, wie die Halbierung der Angebotspalette auf 73 Modelle, kann der Vorstand auch ohne Zustimmung umsetzen. Anders ist es bei den geplanten Einschnitten beim Fabriknetz und der Belegschaft: Die lassen sich ohne grünes Licht des Aufsichtsrats nicht umsetzen.
Eine Möglichkeit für das Management, die Pläne doch noch durchzusetzen, wäre das Sparpaket über eine außerordentliche Hauptversammlung durchzudrücken. Nach dem Aktiengesetz kann ein Vorstand bei einer Ablehnung durch den Aufsichtsrat die Anteilseigner zur Entscheidung zusammenrufen. Voraussetzung dafür ist eine existenzbedrohende Lage, in der sich das Unternehmen befinden muss. Diesen Zustand hat Blume intern bereits ausgerufen.
Redigatur & Faktencheck: Lena Köpsell
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