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Screenshot des Bildes, das auf Facebook kursiert. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)

von Kathrin Wesolowski

Auf einem in den Sozialen Netzwerken geteilten Bild wird behauptet, dass Mundschutz für Kleinkinder gefährlich sei. Es drohe eine Atemlähmung. Diese Behauptungen sind falsch.

Auf Facebook kursiert seit mehreren Wochen ein Bild, unter anderem mit der Überschrift Mundschutz: Kleinkinder gar nicht!”. In dem Text dazu wird behauptet, dass Mundschutz für Kinder unter zwölf Jahren ungeeignet und für Kinder unter sechs Jahren gefährlich sei. In dem Bild wird zudem behauptet, Kinder könnten den CO2-Ausstoß nicht kontrollieren und würden nicht merken, wenn sie zu wenig Luft einatmen würden. Zudem führe das wiederholte Einatmen von CO2 zu Atemlähmung.

Das Bild wurde von verschiedenen Personen bei Facebook geteilt, zum Beispiel hier und hier, beide Beiträge wurden am 22. April veröffentlicht. Die Behauptungen darin sind falsch. Das Tragen einer Maske ist für Kinder nur in ganz bestimmten Fällen gesundheitsschädlich. 

Erste Behauptung: Mundschutz sei für Kinder unter zwölf Jahren ungeeignet und für Kinder unter sechs Jahren gefährlich

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin schrieb per E-Mail an CORRECTIV: Für gesunde Kinder, die ein Jahr oder älter sind, sind solche Masken ungefährlich, solange das Kind wach ist und man es nicht zwingt, die Masken auf zu behalten, wenn es diese nicht mehr haben will.“

Da man Kindern den Sinn einer Maske erst ab einem Alter von drei oder vier Jahren erklären könne, ist die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin gegen eine Maskenpflicht von Kindern. Eine passende Altersgrenze sei für die Akademie noch unklar.

E-Mail des Generalsekretärs Hans-Iko Huppertz von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin. (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Diese Behauptung ist größtenteils falsch. 

Zweite Behauptung: Mundschutz führt durch wiederholtes Einatmen von CO2 zur Atemlähmung

Wie wir in einem Faktencheck bereits überprüften, ist auch die Behauptung, Kinder könnten den CO2-Ausstoß nicht kontrollieren und würden nicht merken, wenn sie zu wenig Luft einatmen, falsch. Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin teilte uns per E-Mail mit, dies sei völliger Unsinn, wenn das Kind gesund und wach ist“.

Auszug aus der E-Mail der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin. (Screenshot: CORRECTIV)

Allerdings schrieb uns 3M, ein Hersteller verschiedener Masken, per E-Mail, er rate dringend davon ab, dass Kleinkinder und Säuglinge filtrierende Atemschutzmasken tragen. Dabei drohe Erstickungsgefahr.

RKI: Durch Mundschutz atmet man nicht mehr CO2 ein

In unserem Faktencheck überprüften wird zudem, ob man beim Tragen eines Mundschutzes zu viel CO2 einatme. Eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI) schrieb dazu per E-Mail an CORRECTIV: „Dass man mehr CO2 einatmet stimmt nicht, dass die Atmung behindert wird, schon.“ Wie in unserem Faktencheck berichtet, beschäftigte sich im Jahr 2005 eine Studie an der Technischen Universität München mit der „Rückatmung von Kohlendioxid bei Verwendung von Operationsmasken als hygienischer Mundschutz an medizinischem Fachpersonal“.

Studie von 2005: CO2 könne bei OP-Masken nur teilweise entweichen

Die Studie kam damals zu dem Ergebnis, dass das CO2 beim Ausatmen durch eine OP-Maske nur teilweise entweichen könne. „Dieser Effekt führte zu dem Ergebnis, dass die Probanden Luft einatmeten, deren CO2-Gehalt höher war als derjenige der umgebenden Raumluft“, schrieb die Autorin. Dadurch steige die Kohlendioxid-Konzentration im Blut. (PDF, S. 35)

Das könne zu einer Zunahme der Reaktionszeit und Abnahme der Leistungsfähigkeit führen. Die Autorin der Studie empfahl Herstellern von OP-Masken, ihre Produkte durchlässiger für Kohlendioxid zu machen. (PDF, S. 41 und 42)

Studie bezieht sich nicht auf FFP-Masken oder selbstgenähten Mundschutz

Die Studie beschäftigte sich ausschließlich mit zwei Modellen von OP-Masken, also dem klassischen Mund-Nasen-Schutz (PDF, S.18 bis 20). Das Tragen von filtrierenden Halbmasken (FFP-Masken) oder selbstgenähten Masken wurde nicht untersucht.

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Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) schrieb auf eine Anfrage von CORRECTIV per E-Mail, dass ein Mund-Nasen-Schutz aus Stoff die Zusammensetzung der eingeatmeten Luft nicht ändere. Alle Moleküle der Raumluft, und das sind im wesentlichen Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid, können die Maske passieren und werden nicht abgefiltert.

In den meisten Bundesländern gilt eine Maskenpflicht für Kinder ab sechs Jahren

In einer E-Mail an CORRECTIV schrieb Anja Ströhlein, Pressesprecherin des Herstellers 3M für verschiedene Maskenarten: „Die EN149 Norm setzt klare Grenzen für den Ein- und Ausatemwiderstand von Atemschutzmasken – die Norm 14683 entsprechend für chirurgische Masken.“ Man könne deshalb davon ausgehen, dass es bei der korrekten Handhabung nicht zu einer Ansammlung von Kohlendioxid unter dem Atemschutz komme.

In Deutschland gilt in den meisten Bundesländern die Maskenpflicht erst für Kinder ab sechs Jahren. Einige Bundesländer machen eigene Vorgaben: In Sachsen beispielsweise müssen Kinder Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie dazu in der Lage sind. Das liegt im Ermessen der Eltern. In Sachsen-Anhalt gilt eine Maskenpflicht ab zwei Jahren, bei Verstößen droht aber kein Bußgeld.

Fazit: Ein Mundschutz führt nicht zu Atemlähmungen bei Kindern, wenn sie gesund und wach sind.

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Tragen einer Maske ist für Kinder nicht gefährlich.

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Die US-Regierung hat nicht bestätigt, dass Impfungen zu Autismus führen können. (Symbolbild: Karolina Grabowska/Pexels)

von Kathrin Wesolowski

Im Netz wird immer wieder behauptet, Impfstoffe führten zu Autismus und psychischen Schäden. In einem Artikel, der aktuell wieder auf Facebook geteilt wird, heißt es, die US-Regierung habe diesen Zusammenhang schon vor Jahren bestätigt. Die Behauptungen darin sind jedoch größtenteils falsch.

In den Sozialen Netzwerken wird ein Artikel des Blogs Bewusst-Vegan-Froh geteilt. Der Titel lautet: Regierung gibt zu: Impfungen verursachen Autismus und schwere körperliche/psychische Schäden”. Dabei bezieht sich der Text auf die US-Regierung. Der Artikel wurde bereits am 6. Februar 2018 veröffentlicht, wurde von der Facebook-Seite des Blogs aber im Juni 2020 wieder verbreitet. Die Debatte um Impfungen wird aktuell wegen eines potenziellen Impfstoffs gegen das neuartige Coronavirus wieder laut.

Mittlerweile wurde der Text von Bewusst-Vegan-Froh laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 20.600 Mal auf Facebook geteilt. Das Datum 2018 ist im Beitrag selbst nicht zu sehen.

In dem Artikel wird auf zwei Artikel der US-amerikanischen Online-Zeitung Huffington Post verwiesen. Diese Artikel wurden von der Huffington Post jedoch „im Interesse der öffentlichen Gesundheit“ gelöscht mit dem Hinweis darauf, dass die Texte von Lesern geschrieben worden seien, die ihre eigene Meinung ausgedrückt hätten. Die dort genannten Einzelfälle wurden vor einem US-Gericht verhandelt. 

Ausschnitt aus der Erklärung auf der Webseite der Huffington Post, warum die Artikel gelöscht wurden. (Screenshot: CORRECTIV)

In dem Artikel werden mehrere Behauptungen aufgestellt. Wir haben drei davon überprüft. Das Ergebnis unserer Recherche: Die Behauptungen sind größtenteils falsch und führen in die Irre. Ein Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus wurde nie nachgewiesen. Die US-Regierung hat also auch nie etwas derartiges „zugegeben“.

1. Behauptung: Das US-amerikanische Vaccine Injury Compensation Program und der US Court of Federal Claims räumten ein, dass Impfungen Autismus verursachen

Der US Court of Federal Claims (USCFC) habe eingeräumt, dass Impfstoffe mit dem quecksilberhaltigen Konservierungsstoff Thiomersal Autismus verursachten, behauptet Bewusst-Vegan-Froh

Laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI), dem Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, verhindert Thiomersal die Verkeimung der Impfstoffe und verringert damit das Risiko einer bakteriellen Infektion. Es wird aber kaum mehr verwendet. „Für alle generell empfohlenen Schutzimpfungen sind inzwischen quecksilberfreie Impfstoffe verfügbar“, schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seiner Webseite (Punkt 14). 

Auf der Webseite des PEI wird darauf hingewiesen, dass ein Zusammenhang zwischen Autismus und Thiomersal von der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Institute of Medicine in den USA und der European Medicines Agency (EMEA) untersucht worden sei. Das Ergebnis: „Die epidemiologischen Daten sprechen gegen einen Zusammenhang zwischen Thiomersal in Kinderimpfstoffen und Autismus.“ 

Wie wir bereits in einem Faktencheck überprüften, ist eine geringe Menge von Thiomersal beziehungsweise Ethyl-Quecksilber in Impfstoffen laut RKI und PEI zudem grundsätzlich unbedenklich. Die Weltgesundheitsorganisation schreibt auf ihrer Webseite, dass es keine Belege für eine Toxizität bei Kindern oder Erwachsenen gebe, die Thiomersal in Impfstoffen ausgesetzt waren. 

US-Behörde hat nach eigenen Angaben nie Zusammenhang eingeräumt 

Auch die Organisation Health Resources and Services Administration (HRSA), eine Zweigstelle der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde, zu der das Vaccine Injury Compensation Program (VICP) gehört, schrieb uns per E-Mail: Es gibt keinen glaubwürdigen wissenschaftlichen Beleg für eine Kausalität zwischen Impfungen und Autismus.” Das VICP habe eine solche Verbindung auch nie eingeräumt.

Ausschnitt aus der E-Mail der Health Resources and Services Administration. (Screenshot: CORRECTIV)

Die US-amerikanische Regierung habe zudem noch nie eine Entschädigung auf Grundlage dessen bezahlt, dass eine Impfung angeblich Autismus verursacht habe.

Gericht sieht keine wissenschaftlich erwiesene Verbindung zwischen Thiomersal und Autismus

Die HRSA schrieb zudem, dass in den frühen 2000ern Tausende von Petitionen an das VICP eingereicht wurden, die eine Verbindung zwischen Impfungen und Autismus suggerierten. Diese hätten sich auf eine Publikation des britischen Arztes Andrew Wakefield bezogen, der von der britischen Ärztekammer ein Berufsverbot bekommen hat

Dennoch sei der US Court of Federal Claims (USCFC) auf die Petitionen eingegangen und habe ein fünfjähriges Verfahren eingeleitet, die sogenannten Omnibus Autism Proceedings. Nach Anhörungen und dem Anfertigen von Dokumenten mit 218.000 Seiten habe das Gericht bestätigt, dass es keinen glaubwürdigen Beweis dafür gebe, dass eine Masern-Mumps-Röteln-Impfung in Kombination mit Impfungen mit Thiomersal, oder letztere allein, Autismus verursachen könnten. In dem neuesten Dokument (PDF, Seite 4) von Ende November 2011 des USCFC zu den Omnibus Autism Proceedings ist dies auch zu lesen.

Ausschnitt aus der E-Mail der Health Resources and Services Administration. (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Die Behauptung ist falsch. Weder das Vaccine Injury Compensation Program noch der US Court of Federal Claims haben eingeräumt, dass Impfen Autismus hervorruft. Das ist auch gar nicht nötig. Epidemiologischen Daten sprechen gegen einen Zusammenhang zwischen dem Stoff Thiomersal in Kinderimpfstoffen und Autismus. 

2. Behauptung: Eine Mumps-Masern-Röteln-Impfung löste bei einem Jungen unter anderem eine Gehirnentzündung und Autismus aus

Laut dem Artikel auf Bewusst-Vegan-Froh trat nach einer Mumps-Masern-Röteln-Impfung (MMR-Impfung) bei einem Jungen namens Ryan eine Enzephalitis, eine Gehirn- und Rückenmarksentzündung, auf. Die Familie klagte dem Artikel zufolge vor dem US-Gericht United States Court of Federal Claims (USCFC). Ihr Sohn habe zwischen 2003 und 2005 nach mehreren Impfungen neurologische Dysfunktionen, Asthma und eine Autismus-Spektrum-Störung entwickelt. In dem Artikel wird behauptet, das Gericht habe das bestätigt und die Familie eine Millionen-Dollar-Entschädigung erhalten.

Wie unsere Faktencheck-Kollegen der AFP bereits in einem Faktencheck überprüften, ist diese Behauptung größtenteils falsch. In den Behauptungen geht es mutmaßlich um einen Jungen mit dem Namen Ryan Mojabi.

Das US-Gericht United States Court of Federal Claims (USCFC) bestätigte, dass eine MMR-Impfung eine Enzephalitis bei Ryan Mojabi hervorgerufen habe. Deswegen sollte die Familie eine Entschädigung von fast einer Million Dollar erhalten. Eine Verbindung zwischen den Impfungen und Autismus oder Asthma wurde jedoch nicht bestätigt.

Auszug aus dem Gerichtsurteil des US Court of Federal Claims zu dem Fall Ryan Mojabi. (Screenshot: CORRECTIV)

Laut den US Centers for Disease Control and Prevention ist eine Gehirnentzündung eine mögliche, aber sehr seltene Nebenwirkung einer MMR-Impfung. In einer Studie des österreichischen Bundesministerium für Gesundheit und des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Universität Wien steht, dass das Risiko einer Enzephalitis nach einer Masernimpfung bei 1:1.000.000 liege. Das Risiko einer Enzephalitis durch Masern selbst liege dagegen bei 1:1.000. Auch das Robert-Koch-Institut schreibt auf seiner Webseite, dass sich bei einem von 1.000 Kindern, die an Masern erkranken, eine Enzephalitis entwickele.  

Fazit: Die Behauptung von Bewusst-Vegan-Froh, ein Junge namens Ryan habe nach Impfungen eine Autismus-Spektrum-Störung entwickelt, ist unbelegt. Es handelt sich mutmaßlich um Ryan Mojabi. In dessen Fall hat das US-Gericht den Zusammenhang jedenfalls nicht bestätigt; eine Entschädigung wurde lediglich aufgrund einer Enzephalitis gezahlt. 

3. Behauptung: Ein Mädchen entwickelte durch diverse Impfungen Autismus

Bei Bewusst-Vegan-Froh wird außerdem der Fall eines 15 Monate alten Mädchens namens Emily vorgestellt. Ein US-Gericht habe eingeräumt, dass sie durch diverse Impfstoffe, unter anderem auch gegen MMR, eine Anfallkrankheit und Autismus entwickelt habe. Auch diese Behauptung überprüften unsere Kollegen von AFP. Demnach hieß das Mädchen mutmaßlich Emily Lowrie.  Wie öffentlich einsehbare Dokumente (Seite 1 und 2) zeigen, klagte die Mutter von Emily, Jillian Lowrie, ebenfalls vor dem United States Court of Federal Claims (USCFC). Ihre Tochter habe nach Routineimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis eine Gehirnentzündung (Enzephalopathie) erlitten. Von Autismus war in dem Verfahren nicht die Rede. Das Gericht sprach der Familie eine Entschädigung von über einer Million Dollar zu.

Fazit: Die Behauptung ist in Bezug auf Emily Lowries Fall falsch. Das Mädchen hat als Folge von Impfungen eine Gehirnentzündung entwickelt, keinen Autismus. Für die nachgewiesene Nebenwirkung erhielt sprach ein Gericht ihr eine Entschädigung zu. 

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Die US-Regierung bestätigte keine Verbindung zwischen Impfungen und Autismus.

PCR-Tests
Immer wieder wird behauptet, die PCR-Tests auf SARS-CoV-2 wären nicht zuverlässig. Jetzt sollen sie angeblich verantwortlich sein für die Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen. (Symbolbild: Hendrik Schmidt / dpa-Zentralbild/ZB)

von Alice Echtermann

Stecken hinter der großen Anzahl an Corona-Infizierten in Schlachthöfen falsche Testergebnisse? Unter anderem in Sozialen Netzwerken wird aktuell behauptet, dass dafür eine Kreuzreaktionen auf andere Coronaviren verantwortlich sei, zum Beispiel von Rindern. Das ist falsch.

Unter anderem in einem Video des Youtubers Samuel Eckert vom 21. Juni wird angedeutet, dass die PCR-Tests für SARS-CoV-2 auf andere Arten von Coronaviren, die bei Tieren wie Schweinen oder Rindern vorkommen, anspringen würden. Anlass der Debatte war der Corona-Ausbruch bei dem Schlachtbetrieb Tönnies

Das Video wurde fast 40.000 Mal angeklickt. Eckert bezieht sich darin unter anderem auf den Arzt Wolfgang Wodarg, der bereits vor Wochen mit der Behauptung aufgefallen war, die PCR-Tests seien angeblich nicht zuverlässig. Auf seiner Webseite stellte Wodarg am 18. Juni die Suggestivfrage: „Kann es sein, dass die vielen SARS-CoV-2-PCR-Positiven auf Schlachthöfen eine Folge von Kreuzreaktionen auf die in der Veterinärmedizin üblichen Corona-Impfungen sind?“ Schließlich würden ja Schlacht- und Haustiere gegen verschiedene Coronaviren geimpft. 

Spekulationen über Zuverlässigkeit des PCR-Tests

Ganz ähnlich heißt es auch in einem Facebook-Beitrag (23. Juni): „Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass die Tests fälschlicherweise auf die Rindercoronaviren reagieren, als dass es weltweit Hotspots in Schlachthöfen gibt?“ Und in einem Artikel der österreichischen Seite Mein Bezirk vom 23. Juni über die Schlachthof-Ausbrüche wird über „mögliche Fehldiagnosen von Rinder-Coronaviren“ spekuliert. All diese Behauptungen zielen darauf ab, dass in den Schlachthöfen angeblich kein SARS-CoV-2 ausgebrochen ist und alles auf einem Irrtum beruht. 

CORRECTIV ist der Frage nachgegangen, ob der PCR-Test, der für SARS-CoV-2 verwendet wird, auf andere Coronaviren von Nutztieren positiv reagieren könnte. Sie lässt sich nach übereinstimmender Aussage von Experten mit Nein beantworten. Coronaviren von Rindern, Schweinen oder Hühnern befallen keine Menschen. Sie sind genetisch sehr verschieden von SARS-CoV-2 – deshalb kann der PCR-Test, der aktuell an Menschen verwendet wird, auf sie nicht positiv reagieren. 

Der Facebook-Beitrag vom 23. Juni. (Screenshot am 1. Juli: CORRECTIV)

Nutztiere werden gegen andere Coronaviren geimpft

Es stimmt, dass es viele Coronaviren gibt, die bei verschiedenen Tierarten vorkommen. Einige bekannte Coronaviren lösen auch Erkältungen beim Menschen aus. Die Viren sind genetisch verschieden, obwohl sie zur selben Familie gehören. 

Auf Nachfrage von CORRECTIV teilte die Sprecherin des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI), Elke Reinking, per E-Mail mit, in Deutschland gebe es zugelassene Impfstoffe für Rinder und Geflügel – gegen das Bovine Coronavirus und das Virus der Infektiösen Bronchitis der Hühner. Zudem sei ein Impfstoff gegen das Feline Coronavirus zugelassen, das Katzen befällt. Das FLI ist das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. 

„Die bei Nutztieren vorkommenden Coronaviren sind genetisch weit entfernt von den beim Menschen zu schweren Erkrankungen führenden Coronaviren“, erklärt Reinking. Daher sei eine Übertragung auf Menschen sehr unwahrscheinlich. Schweine und Hühner seien zudem nicht empfänglich für SARS-CoV-2, das hätten mehreren Arbeitsgruppen weltweit, darunter auch am Friedrich-Loeffler-Institut, gezeigt. „Die Empfänglichkeit von Rindern gegenüber SARS-CoV-2 wird derzeit geprüft.“  

Friedrich-Löffler-Institut über PCR-Tests
Die E-Mail der Sprecherin des Friedrich-Löffler-Instituts. (Screenshot: CORRECTIV)

Behörden: PCR-Tests zeigen keine Kreuzreaktionen mit Coronaviren von Nutz- und Haustieren

Beim PCR-Test auf SARS-CoV-2 werden mit Abstrichen Proben direkt aus den Atemwegen eines Menschen entnommen. Dass der PCR-Test auf andere Coronaviren von Nutztieren oder die Impfstoffe reagieren könnte, verneint FLI-Sprecherin Reinking. „Die vorhandenen PCR-Tests erkennen SARS-CoV-2 sehr zuverlässig und spezifisch. Sie zeigen keine Kreuzreaktionen mit anderen Coronaviren der Nutz- und Haustiere.“ 

Gleiches teilte uns Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts, auf unsere Anfrage per E-Mail mit: „Bei PCR-Tests bei Menschen werden Erbgut-Regionen nachgewiesen, die nur bei SARS-CoV-2-Viren vorkommen, nicht bei anderen Coronaviren des Menschen oder bei Tieren. Daher kann es nicht zu falsch-positiven Befunden infolge der Impfung von Tieren gegen Coronaviren kommen.“ 

Virologe: Nachweis von Impfstoff-Viren nicht möglich

Wir wollten es genau wissen und fragten auch beim Institut für Virologie der Universitätsmedizin Mainz nach. Der Molekularbiologe Niels Lemmermann antwortete uns, dass die von der WHO empfohlenen sogenannten Primer (die bei einem PCR-Test genutzt werden, um SARS-CoV-2 nachzuweisen) spezifisch an das Genom dieses Virus binden. Bei einzelnen nah verwandten Fledermausviren könne es tatsächlich Kreuzreaktionen geben, da diese sich genetisch nur zu wenigen Prozent unterscheiden würden. „Dies ist aber anders bei den bekannten pathogenen tierischen Coronaviren und den entsprechenden Impfviren von Kuh, Schwein Katze, Hund und Geflügel. Diese haben deutlich größere Unterschiede in den Nukleotidsequenzen [der genauen Abfolge der Bestandteile des Virus-Erbguts, Anm. d. Red.], so dass die WHO Primer/Sonden nicht an diese binden und daher die entsprechenden Viren auch nicht nachweisen können.“

Darüber hinaus wäre es für einen positiven Nachweis von tierischen Coronaviren beim Menschen nötig, dass sie damit im Nasen- oder Rachenraum infiziert sind, erklärt Lemmermann weiter. Das sei sehr unwahrscheinlich, da diese Viren keine passenden Rezeptoren für Menschen hätten. Geimpfte Tiere seien zudem nicht infektiös – und kranke Tiere wären in der Regel nicht auf Schlachthöfen anzutreffen, da sie nicht transportfähig seien. Auch ein Nachweis von Viren aus Impfstoffen durch den PCR-Test sei nicht möglich, da die Impfungen abgeschwächte Viren oder Proteine beinhalten. In ersterem Fall sei das Genom der Viren schon wenige Tage nach der Impfung nicht mehr im Tier nachweisbar. Und Proteine könnten durch einen PCR-Test rein technisch nicht nachgewiesen werden. 

E-Mail Lemmermann
Auszug aus der E-Mail von Niels Lemmermann vom Institut für Virologie der Universität Mainz an CORRECTIV, in dem er seine Erklärungen kurz zusammenfasst. (Screenshot: CORRECTIV)

Zitat von Christian Drosten falsch interpretiert

Youtuber Samuel Eckert behauptet in seinem Video (ab Minute 3:50), Christian Drosten, der Leiter des Instituts für Virologie der Berliner Charité habe „zugegeben“, dass der PCR-Test Kreuzreaktionen zeige. Er spielt dazu ein Zitat vor, in dem Drosten sagt: „Und rein theoretisch würde dieser Test auch gegen eine ganze Reihe von Fledermaus-Coronaviren reagieren, aber die gibt es auch nicht beim Menschen. […] Es gibt zum Beispiel ein Coronavirus beim Menschen, ein Erkältungs-Coronavirus, da würde der Test auf jeden Fall auch kreuzreagieren, gegen ein Coronavirus des Rindes, das beim Rind Durchfall macht, diese Viren sind sehr ähnlich. Und noch ein anderes, das würde kreuzreagieren gegen ein Coronavirus des Kamels. […]“ 

Dieses Zitat ist jedoch kein Beleg für die These, denn Drosten spricht in Bezug auf das Rinder-Coronavirus eindeutig von einem anderen Test für ein anderes Erkältungs-Coronavirus beim Menschen (NDR-Podcast Folge 16, Transkript Seite 3). Es ist also nicht der PCR-Test auf SARS-CoV-2 gemeint. 

Eckert lässt zudem Drostens vorherige Erklärungen weg, in denen der Virologe betonte: „Dieser Test reagiert gegen kein anderes Coronavirus des Menschen und gegen kein anderes Erkältungsvirus des Menschen.“ Nur auf das alte SARS-Coronavirus und Fledermaus-Coronaviren würde der Test theoretisch reagieren, doch diese kämen nicht oder nicht mehr beim Menschen vor. 

Familie der Coronaviren hat verschiedene Gruppen

Der Test kann nur auf Viren kreuzreagieren, die sehr nah mit SARS-CoV-2 verwandt sind. Elke Reinking vom Friedrich-Löffler-Institut erklärt, die Coronavirus-Familie werde aufgrund ihrer genetischen Eigenschaften in Gruppen von Alpha bis Delta eingeteilt. SARS-CoV-2 gehöre zur Betagruppe, das bei Schweinen vorkommende PEDV (Epidemische Virusdiarrhoe der Schweine) zur Alphagruppe, und Coronaviren bei Vögeln seien der Gamma- und Deltagruppe zuzuordnen. 

Insgesamt gibt es sieben bekannte Coronaviren, mit denen sich Menschen infizieren können, darunter das erste SARS-Virus (SARS-CoV oder SARS1), das MERS-Virus und das aktuelle SARS-CoV-2. Sie sind alle Beta-Coronaviren. Bei SARS wird vermutet, dass die Viren sich von Fledermäusen auf Menschen übertragen haben. Die vier anderen Erkältungs-Coronaviren beim Menschen (229E, NL63, OC43 und HKU1) gehören entweder zur Alpha- oder Beta-Gruppe.  

Eine genetische Einordnung von SARS-CoV-2 in die Familie der Coronaviren auf der Seite Ecohealth Alliance von Januar 2020 zeigt, dass das neue Coronavirus sich nah bei den Fledermaus-Coronaviren befindet, und sehr nah an dem ersten SARS-Virus. Bovine Coronaviren von Rindern dagegen befinden sich in einem ganz anderen Cluster.

Stammbaum der Coronaviren
Analyse der Familie der Coronaviren mit Verortung von SARS-CoV-2 (rot). Bovine Coronaviren, die Rinder befallen, sind demnach genetisch weit von SARS-CoV-2 entfernt (im zweiten Cluster von oben). Nah verwandt sind dagegen Fledermaus-Coronaviren. (Quelle: Ecohealth Alliance, Januar 2020 / Screenshot: CORRECTIV)

Laut der Cluster-Analyse sind Rinder-Coronaviren recht eng verwandt mit einem der anderen Erkältungs-Coronavirus, das Menschen infiziert: HCoV-OC43 (ebenfalls ein Beta-Coronavirus). Einem Artikel im Journal Virus Taxonomy von 2012 zufolge wird vermutet, dass dieses Virus erstmals von Rindern auf Menschen übertragen wurde. Es ist also wahrscheinlich, dass Christian Drosten im Podcast dieses Erkältungs-Virus OC43 meinte, als er von einer Kreuzreaktion mit einem Rinder-Coronavirus sprach. 

Auch von den anderen menschlichen Erkältungs-Coronaviren kann der PCR-Test SARS-CoV-2 übrigens sehr zuverlässig unterscheiden. Das zeigt zum Beispiel ein Ringversuch der Gesellschaft zur Förderung der Qualitätssicherung in medizinischen Laboratorien (Instand) und eine Studie im Journal of Clinical Virology von Juli 2020

Weitere irreführende Aussage im Video zu Rechtsmediziner Klaus Püschel

Um seine Argumentation, die Ausbrüche von SARS-CoV-2 in Schlachthöfen seien kein Grund, sich Sorgen zu machen, insgesamt zu stützen, zitiert Youtuber Samuel Eckert auch noch den Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel: Dieser habe gesagt, dass von den Patienten, die er obduziert habe, „noch keiner an Corona gestorben“ sei (im Video ab Minute 5:46). 

Das hat Püschel so allerdings nicht gesagt, und die Aussage selbst ist auch falsch. Klaus Püschel ist Leiter des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und sagte vor Wochen gegenüber Medien, dass die Patienten aus Hamburg, die er obduziert habe, alle schwere Vorerkrankungen gehabt hätten. Auf der Webseite der Stadt ist aktuell nachzulesen, dass bei 231 Todesfällen Covid-19 „als todesursächlich festgestellt“ worden sei (Stand 30. Juni). Das RKI meldet im Lagebericht für den 30. Juni für Hamburg 259 Todesfälle, somit war die Infektion mit dem Coronavirus bei rund 89 Prozent bisher nachweislich die Todesursache. 

Fazit

Die Spekulationen von Samuel Eckert in seinem Youtube-Video führen also in die Irre, ebenso wie die von Wolfgang Wodarg. Kreuzreaktionen der PCR-Tests mit anderen tierischen Coronaviren sind laut Experten ausgeschlossen. Oder, anders gesagt: Es ist nicht „wahrscheinlicher, dass die Tests fälschlicherweise auf die Rindercoronaviren reagieren, als dass es weltweit Hotspots in Schlachthöfen gibt“, wie es in dem Facebook-Beitrag behauptet wird. Der PCR-Test kann das Virus SARS-CoV-2 von anderen Coronaviren unterscheiden.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die PCR-Tests reagieren nicht positiv auf Coronaviren von Nutztieren.

Puppe Corona
In Sozialen Netzwerken verbreitet sich das Foto einer Puppe, die auf einer Rettungsliege transportiert wird. (Screenshot: CORRECTIV)

von Uschi Jonas

In Sozialen Netzwerken wird ein Foto verbreitet, das den Transport einer Puppe auf einer Rettungsliege zeigt. Facebook-Nutzer behaupten, Medien würden mit diesem Foto Angst vor dem Coronavirus schüren. Diese Behauptung ist unbelegt.

Corona Angstmache geht weiter, die Medien hören nicht auf! Jetzt vergrößert mal das Bald, das ist eine Puppe! mit diesen Worten hat ein Nutzer am 28. Juni ein Foto auf Facebook gepostet. Der Beitrag wurde mehr als 1.600 Mal geteilt.

Auf dem Foto sind zwei Personen in Schutzanzügen zu sehen, die eine Puppe auf einer rollbaren Rettungsliege transportieren. Auf dem Rücken der einen Person ist ein rotes Kreuz zu erkennen mutmaßlich sind die beiden medizinische Fachkräfte. Auf einem gelben Absperrband steht prohibido Spanisch für verboten.

Auf Facebook verbreitet sich das Foto einer Puppe, die auf einer Rettungsliege transportiert wird und angeblich Angst vor Corona schüren soll.
In Sozialen Netzwerken verbreitet sich das Foto einer Puppe, die auf einer Rettungsliege transportiert wird. (Screenshot und Schwärzungen: CORRECTIV)

Der Facebook-Beitrag suggeriert, Medien würden dieses Foto verbreiten, um Angst vor dem Coronavirus zu schüren. Diese Behauptung ist unbelegt. Recherchen von CORRECTIV zeigen, dass das Foto nicht in der medialen Berichterstattung zu finden ist. Es ist nicht klar, was auf dem Bild zu sehen ist, es könnte sich aber um eine medizinische Übung handeln.

Keine Medienberichte zu finden, die mit Puppen Corona-Angst schüren

Eine Bilder-Rückwärtssuche mit verschiedenen Suchmaschinen wie Google, Yandex oder Tineye lässt keine Rückschlüsse auf die Quelle des Bildes zu. Klar ist nach der Suche, dass keine Medien in Deutschland oder anderen Ländern dieses Foto verbreitet haben, um über das Coronavirus zu berichten. 

Stattdessen finden sich zahlreiche Posts mit dem Foto in Sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook, unter anderem auf Russisch, Spanisch oder Polnisch.

Keine Belege für den Ursprungsort oder -zeitpunkt des Fotos

Die Beiträge auf Sozialen Netzwerken tauchten erstmals Anfang Juni 2020 auf. Die Warnung auf dem Absperrband lässt darauf schließen, dass das Foto in einem spanischsprachigen Land entstanden ist. Der älteste Beitrag, den wir mit der Google-Rückwärtssuche fanden, stammt vom 6. Juni aus Mexiko

Corona: Puppe auf Liege und Rettungskräfte
Der älteste Beitrag mit dem Foto, den wir finden konnten, wurde am 6. Juni auf Facebook gepostet. (Screenshot und Schwärzungen: CORRECTIV)

Er zeigt offenbar die vollständige Version des Fotos im Hochformat  Darauf ist im Vordergrund noch ein weißes Auto zu erkennen, doch auch das lässt keine Rückschlüsse darauf zu, wo das Foto gemacht wurde. 

Woher genau das Foto stammt und wann es entstanden ist, ist also unklar.

In den Kommentaren zu den Beiträgen diskutieren Nutzer ebenfalls über die Entstehung des Fotos. Immer wieder wird erwähnt, dass es sich bei der Szene auch um eine medizinische Übung handeln könnte. Dass Puppen für verschiedene medizinische Trainings und Notfallsimulationen für die Aus- und Weiterbildung genutzt werden, ist grundsätzlich international üblich. So gibt es in Deutschland beispielsweise die Gesellschaft zur Förderung der Simulation in der Medizin e.V

Simulationen mit Puppen sind ein Bestandteil der medizinischen Ausbildung

Der Verein erläutert die Frage, wozu es Simulationen braucht, wie folgt: In simulationsgestützten Trainings lernen Gesundheitsfachkräfte, unter Stress optimal zu kooperieren und zu handeln. Dies erhöht die Behandlungsqualität, die Patientensicherheit und die Zufriedenheit des medizinischen Personals.“ Auch Krankenhäuser selbst arbeiten für die Aus- und Weiterbildung medizinischer Fachkräfte mit Simulationen und Puppen, wie zum Beispiel die Berliner Charité.

Fazit: Es gibt keine Belege dafür, dass Medien das Foto einer Puppe verbreiten, um damit Angst vor Corona zu schüren. Das Bild wurde nach unseren Recherchen von keinem Medienunternehmen für die Berichterstattung genutzt. Das Foto findet sich lediglich in Sozialen Netzwerken und wird dort von Privatnutzern verbreitet. Es gibt keine Hinweise, wann und wo es entstanden sein könnte. Es ist aber möglich, dass es eine Übung zeigt. 

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es gibt keine Belege dafür, dass Medien das Foto in Berichten über das Coronavirus verwendet haben. 

Symbolfoto Covid-19
Die Behauptung, dass die WHO unspezifische Corona-Tests empfohlen habe, ist irreführend. (Symbolfoto: Gerd Altmann, Pixabay)

von Kathrin Wesolowski

In einem Online-Artikel wird behauptet, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe empfohlen, bei Corona-Tests nur auf ein „unspezifisches“ Gen zu testen. Damit seien vermutlich weltweit Menschen positiv getestet worden, die gar nicht mit SARS-CoV-2 infiziert seien. Diese Behauptung führt in die Irre.

In den Sozialen Netzwerken kursiert ein Artikel der österreichischen Wochenzeitung Wochenblick mit dem Titel „WHO empfahl völlig unspezifische Corona-Virentests“. Diese Tests seien seit Anfang April angewendet worden. Als Quelle wird eine Mitteilung auf der Webseite des Labors Augsburg MVZ vom 3. April angegeben. 

Der Wochenblick-Artikel wurde am 17. Mai 2020 veröffentlicht und bisher laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 6.500 Mal auf Facebook geteilt. Zentral geht es darin um PCR-Tests auf SARS-CoV-2. PCR steht für Polymerase-Ketten-Reaktion und wird zur Diagnostik von Infektionskrankheiten eingesetzt. Die Behauptung lautet, die WHO habe empfohlen, einen PCR-Test bereits dann als positiv auszuweisen, wenn nur eine bestimmte Gensequenz des Coronavirus nachgewiesen wurde (anstatt zwei Sequenzen). Diese sei aber „nicht spezifisch“ für SARS-CoV-2. Deshalb behauptet Wochenblick, die WHO habe „unspezifische“ Corona-Tests empfohlen und die Tests würden auch für andere Coronaviren positive Ergebnisse anzeigen. Es wird damit impliziert, dass die PCR-Tests unzuverlässig seien und die Fallzahlen weltweit in Wirklichkeit kleiner ausfallen würden. 

CORRECTIV hat die Behauptungen überprüft: Es stimmt, dass die WHO sagte, in Ausnahmefällen sei es ausreichend, nur auf ein Zielgen des Coronavirus zu testen. Größtenteils falsch ist jedoch die Schlussfolgerung, die Tests seien deshalb „völlig unspezifisch“.

Mitteilung auf der Webseite des Labors gelöscht

In dem Artikel wird als Quelle auf die Webseite des Labors Augsburg MVZ verwiesen. Dort war eine Mitteilung zu lesen, die mittlerweile gelöscht wurde. CORRECTIV hat sie aber archiviert

Darin hieß es, man habe PCR-Tests der Firma Roche verwendet und bisher immer die Messergebnisse für beide Zielsequenzen der PCR (ORF1- und E-Gen) getrennt angegeben. „Das ORF1-Gen ist dabei für SARS-CoV-2 spezifisch, während das E-Gen auch in anderen Coronaviren vorkommt […] Unter Berücksichtigung der epidemiologischen Situation und der insgesamt gestiegenen Positivenrate folgen wir ab sofort der WHO-Empfehlung und geben ein Ergebnis bereits dann als ,positiv’ heraus, wenn nur das E-Gen amplifiziert wurde.“ 

Ausschnitt der Mitteilung des Labors Augsburg MVZ. (Screenshot: CORRECTIV)

WHO empfiehlt PCR-Tests zum Testen auf Covid-19

Wir haben bei der WHO nachgefragt, ob sie eine solche Praxis empfohlen hat. Konkret auf unsere Anfrage, ob es ausreiche, bei einem Covid-19-Test auf das E-Gen zu testen, antwortete die WHO nicht direkt. Bei einem PCR-Test wird durch einen Abstrich eine Probe aus den Atemwegen entnommen und dann überprüft, ob Erbgut des Virus vorhanden ist. Die WHO teilte uns mit, dass bei PCR-Tests bisher folgende Gene als Nachweis für SARS-CoV-2 genutzt werden: N, E, S und RdRP.

Bei einem PCR-Test für SARS-CoV-2 soll laut WHO „in Regionen ohne Covid-19-Virus-Zirkulation“ auf mindestens zwei Gen-Zielsequenzen des Virus getestet werden. Davon solle vorzugsweise mindestens eine spezifisch für SARS-CoV-2 sein. „Da gegenwärtig keine anderen SARS-ähnlichen Coronaviren in der menschlichen Bevölkerung zirkulieren, ist es diskutierbar, ob der Test spezifisch für Covid-19 oder einen SARS-ähnlichen Coronavirus sein muss“, schrieb die WHO uns per E-Mail.

Ein Ausschnitt aus der E-Mail der WHO an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

In Gebieten, in denen Covid-19 weit verbreitet ist, sei es jedoch ausreichend, mit dem PCR-Test nur einen Teil des Genoms zu testen, heißt es in einem Empfehlungsschreiben der WHO vom 19. März.

Ein Ausschnitt aus der Empfehlung der WHO vom 19. März. (Screenshot: CORRECTIV)

Es stimmt also, dass die WHO sagte, in Ausnahmefällen sei es ausreichend, nur auf ein Zielgen zu testen. Das Gen wird jedoch nicht genau benannt.

Mitteilung des Labors wurde irreführend interpretiert

Wochenblick interpretiert die Mitteilung des Labors über das „unspezifische E-Gen“ irreführenderweise so, dass die Tests auch auf alle anderen Arten von Coronaviren reagieren. „Patienten auf ,irgendein’ Corona-Virus positiv…“, heißt es in dem Artikel. Das ist jedoch nicht korrekt. Tatsächlich kann der Test laut Experten sowohl auf SARS-CoV-2 als auch auf das erste SARS-Virus anschlagen, das 2003 entdeckt wurde.

In einem anderen Faktencheck haben wir bereits den Virologen Christian Drosten, Leiter des Konsiliarlabors für Coronaviren an der Charité Berlin, zitiert, der mögliche Reaktionen auf andere Coronaviren als das SARS-Virus verneinte. Drosten hatte gemeinsam mit seinem Team den ersten weltweiten Diagnostiktest entwickelt. Im NDR-Podcast sagte er: „Wenn wir eine Patientenprobe testen und die ist positiv, dann ist es dieses neue Coronavirus und auf gar keinen Fall eins der bekannten anderen Coronaviren.“(PDF, Folge 16 des NDR-Podcasts)

Theoretisch sei es zwar möglich, dass der Test gegen das alte SARS-Coronavirus reagieren würde. Allerdings sei dieses Virus seit 16 Jahren nicht mehr beim Menschen aufgetreten. Auch bei einigen Fledermaus-Coronaviren würde der Test theoretisch reagieren. Praktisch sei das jedoch irrelevant, weil auch diese nicht beim Menschen auftreten: „Wir testen mit diesem Test nur das neue Coronavirus beim Menschen“, sagte Drosten im Podcast.

Virologe: SARS-CoV kommt beim Menschen seit Jahren nicht mehr vor

In der Mitteilung des Augsburger Labors stand, das ORF1-Gen sei für SARS-CoV-2 spezifisch, während das E-Gen auch „in anderen Coronaviren“ vorkomme. Wir fragten Bodo Plachter, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie der Universitätsmedizin Mainz an, worum es sich bei dem E-Gen und dem ORF-1-Gen genau handelt. 

Er schrieb uns per E-Mail, dass ein grundsätzliches Problem von Diagnostiken sei, dass Erreger mutieren. Um beim Testen wirklich herauszufinden, um welches Virus es sich handelt, müsse deswegen ein Gen-Abschnitt gefunden werden, der nicht mutiere und immer gleich bleibe. 

Ein solcher Genabschnitt ist laut Bodo Plachter das Hüllprotein E, auch E-Gen genannt, das bei SARS-CoV-2 vorhanden ist. „Ein nahezu identischer Abschnitt findet sich auch im E-Gen von SARS-CoV Virus, dem Erreger, der vor Jahren einen Ausbruch verursacht hat. Da dieser Erreger aber im Augenblick bei uns nicht vorkommt, ist es unerheblich, wenn hier ,Kreuzreaktivität’ vorliegt“, schrieb uns der Virologe. 

Ein Ausschnitt aus der E-Mail des Virologen Bodo Plachter an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Behauptung führt in die Irre

Bodo Plachter schrieb zudem, dass in der Diagnostik üblicherweise ein „Bestätigungstest“ durchgeführt werden würde. ORF1 ist dabei eine andere Genomregion, auf die in einem Coronatest getestet werden kann. „Bei SARS-CoV begibt man sich auf eine sichere Seite und führt in aller Regel zwei NATs in unterschiedlichen Genomregionen durch“, schrieb Bodo Plachter.

Die Behauptung, das E-Gen sei unspezifisch für SARS-CoV-2, ist demnach zwar richtig, führt aber in die Irre. Denn es ist nicht relevant, dass es auch in dem alten SARS-Virus vorhanden ist – dieses tritt aktuell nicht beim Menschen auf. Deshalb weist ein Test auf das E-Gen aktuell bei positivem Ergebnis ausschließlich auf das neue Coronavirus SARS-CoV-2 hin, das die Krankheit Covid-19 verursacht.

Update, 2. Juli 2020: Kurz nach der Veröffentlichung wurden wir auf die entsprechende Empfehlung der WHO von März 2020 hingewiesen. Wir haben daher diesen Teil des Textes überarbeitet und die Quelle ergänzt.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Der PCR-Test ist nicht „unspezifisch“; er könnte zwar auch auf das erste SARS-Virus reagieren, dies hat jedoch keinen Einfluss auf die aktuellen Fallzahlen.

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In Schweden habe es einen Tag lang keine Corona-Toten gegeben, was als „Wendepunkt der Pandemie“ gewertet werden könne, wird in einem Artikel behauptet. Es fehlt jedoch zentraler Kontext. (Symbolbild: Pixabay / Andy H)

von Lea Weinmann

In Schweden habe es einen Tag lang keine neuen Corona-Todesfälle gegeben, wird in mehreren Artikeln behauptet. Tatsächlich haben die schwedischen Behörden Ende Mai für 24 Stunden keine neuen Fälle gemeldet – es gab aber Nachmeldungen. Dass die Zahlen sich noch ändern können, wird in den Berichten nicht erwähnt. Das macht sie irreführend.

„Von wegen ‘gescheiterte Strategie’: In Schweden keine Corona-Todesfälle mehr“ lautet der Titel eines Artikels, der am 2. Juni von Journalistenwatch und auf Pravda publiziert wurde. Laut dem Analysetool Crowdtangle wurden die beiden Texte zusammengenommen fast 3.800 Mal auf Facebook geteilt.

Die Überschrift ist irreführend, da sie eine dauerhafte Entwicklung andeutet. Die Behauptung bezieht sich jedoch nur auf einen Meldezeitraum von einem Tag und stimmt nur teilweise. Es ist richtig, dass die schwedische Gesundheitsbehörde auf ihrer Webseite Ende Mai innerhalb von 24 Stunden keine neuen Corona-Todesfälle meldete. Für den 29. und 30. Mai wurde demnach zunächst kein Fall gemeldet. Die Behörde wies bei der Veröffentlichung der Zahlen jedoch darauf hin, dass es zu Nachmeldungen kommen könnte – was dann auch passierte. Diese Information wird in den Artikeln weggelassen.

Mittlerweile wurden für den 29. und 30. Mai Corona-Todesfälle in Schweden nachgemeldet

Im Vorspann der Texte steht: „Auch Schweden ist nun an dem ultimativen Wendepunkt der Pandemie angelangt […]: Erstmals gab es am Freitag und Samstag dort keinen einzigen Covid-19-assoziierten Todesfall.“ Die Behauptung zum Ausbleiben neuer Corona-Toten wird in dem Artikel als Beleg für den Erfolg des „Sonderwegs“ der schwedischen Regierung in der Corona-Krise interpretiert.

Mit Stand vom 29. Juni geben die schwedischen Gesundheitsbehörden auf ihrer Webseite jedoch 40 neue Corona-Todesfälle für den 29. Mai an und weitere 39 neue Fälle für den 30. Mai. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete Schweden an diesen Tagen 46 (für den 29. Mai) und 84 neue Corona-Todesfälle (für den 30. Mai, Stand: 29. Juni).

Die Statistik der Corona-Todesfälle auf der Webseite der schwedischen Gesundheitsbehörde zeigt für den 29. Mai 40 Corona-Todesfälle. (Quelle: Folkhälsomyndigheten, Screenshot: CORRECTIV)
Die Statistik der Corona-Todesfälle auf der Webseite der schwedischen Gesundheitsbehörde zeigt für den 30. Mai 39 Corona-Todesfälle. (Quelle: Folkhälsomyndigheten, Screenshot: CORRECTIV)

WHO hat andere Zählweise als schwedische Gesundheitsbehörden

Dass die WHO andere Zahlen meldet als die schwedischen Gesundheitsbehörden, hängt mit einer unterschiedlichen Zählweise zusammen, erklärt uns eine Sprecherin der schwedischen Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten per E-Mail: Im Dashboard der schwedischen Behörden werden die Verstorbenen „dem eigentlichen Todesdatum zugeordnet“, schreibt sie. Wenn die WHO also 84 neue Todesfälle für Schweden angibt, bedeute das nicht, dass diese Menschen alle zwischen dem 28. und 29. Mai gestorben seien, sondern dass diese Todesfälle sich über mehrere Tage in der Vergangenheit ereignet hätten.

Per E-Mail erklärt uns eine Sprecherin der schwedischen Gesundheitsbehörde, wie Schweden neue Corona-Todesfälle meldet und zählt. (Screenshot: CORRECTIV)

Mit dem Wissensstand von heute ist es also falsch, dass Schweden am 29. oder 30. Mai keine neuen Corona-Todesfälle meldete. Da die Artikel allerdings schon am 2. Juni veröffentlicht wurden, bezieht sich unser Faktencheck auf den Stand der am 2. Juni verfügbaren Informationen.

Artikel beziehen sich auf ORF-Meldung vom 31. Mai

Eine Quelle für die Behauptung zu den Corona-Todeszahlen in Schweden ist in dem Artikel nicht genannt, sie bezieht sich aber offenbar auf eine verlinkte Meldung des ORF vom 31. Mai. Darin steht tatsächlich, dass in Schweden erstmals seit März innerhalb von 24 Stunden kein neuer Todesfall in Zusammenhang mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 gemeldet worden sei. Das habe die nationale Gesundheitsbehörde „gestern“ (also am 30. Mai) mitgeteilt.

Die Sprecherin der schwedischen Gesundheitsbehörde bestätigt uns diesen Fakt per E-Mail. Die Behörde habe diese Zahlen auf ihrer Webseite veröffentlicht, es habe aber nie eine öffentliche Meldung dazu gegeben. „Wenn verschiedene Regionen in Schweden die Zahlen an die Gesundheitsbehörde melden, gibt es oft Verzögerungen. Deswegen sind die Zahlen ein bisschen unsicher“, schreibt die Sprecherin weiter.

E-Mail der schwedischen Gesundheitsbehörde an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

ORF wies auf Unsicherheiten hin – diese Information fehlt im Artikel

Der ORF macht diese Unsicherheit im darauffolgenden Satz seiner Meldung transparent: „Die Behörden wiesen aber bereits darauf hin, dass sich die Meldung weiterer Opfer über das Wochenende für gewöhnlich verzögere – und damit zu Beginn der Woche noch Todesfälle nachgemeldet werden könnten.“

Das ist in den Tagen darauf auch passiert. Diese Information oder ein Update mit aktualisierten Zahlen fehlen in dem Artikel von Journalistenwatch und Pravda allerdings. Das macht den Artikel für Leser irreführend. Durch die Formulierung, insbesondere des Titels, entsteht der Eindruck, die Meldedaten der schwedischen Behörden seien schon zu diesem Zeitpunkt gesichert gewesen und Änderungen seien nicht mehr zu erwarten gewesen.

Schweden hat vergleichsweise viele Corona-Todesfälle – die Zahl sinkt jedoch

Nichtsdestotrotz ist es richtig, dass die Zahl der neu gemeldeten Corona-Todesfälle in Schweden rückläufig ist: Meldeten die Behörden Mitte Mai täglich noch etwa 50 neue Corona-Todesfälle (46 Fälle am 14. Mai, 57 Fälle am 15. Mai), pendelten sich die Angaben zuletzt im unteren einstelligen Bereich ein (5 Fälle am 28. Juni, 2 Fälle am 29. Juni, Stand: 30. Juni). Auch die Zahl der Intensivpatienten mit Covid-19 sinkt.

Dass seit Anfang Juni die Infiziertenzahlen gleichzeitig steigen, führen die Schweden auf eine Änderung des Testverfahrens zurück: „In Woche 23 wurde die Probenahme in mehreren Regionen auf Personen mit leichten Symptomen ausgeweitet. Dies hat zu einem starken Anstieg der Anzahl neu bestätigter Fälle geführt“, schreibt die schwedische Gesundheitsbehörde auf ihrer Webseite [eigene Übersetzung].

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Die Sprecherin der Gesundheitsbehörde bestätigt CORRECTIV per E-Mail, dass es am 5. Juni dazu einen Erlass der schwedischen Regierung an die Gesundheitsbehörde und die regionalen Verwaltungen gegeben habe. „Es änderte sich dadurch, wer getestet wird“, schreibt sie. „Die meisten Tests vor diesem Datum wurden bei Personen durchgeführt, die Krankenhauspflege benötigen, in Altenheimen leben oder zum Gesundheitspersonal gehören. Jetzt werden auch Menschen mit leichten Symptomen, die keine Krankenhausbehandlung benötigen, getestet – und daher wird die Zahl der positiven Tests zunehmen.“

Per E-Mail bestätigt die schwedische Gesundheitsbehörde, dass sie wegen einer veränderten Teststrategie mit mehr Positiv-Getesteten rechnet. (Screenshot: CORRECTIV)

Im Vergleich zu seinen Nachbarländern verzeichnet Schweden laut ECDC wesentlich mehr Todesfälle im Verhältnis zur Einwohnerzahl: Mit mehr als 52 Corona-Tote pro 100.000 Einwohner liegt die relative Zahl höher als die von Dänemark (10,4), Finnland (5,9) und Norwegen (4,7) zusammengerechnet (Stand: 30. Juni). Deutschland verzeichnet laut ECDC 10,8 Corona-Tote pro 100.000 Einwohner.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Schweden hat am 30. Mai keine neuen Corona-Toten gemeldet, der Grund war jedoch ein Meldeverzug.

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Die Corona-Warn-App der Bundesregierung nutzt keine persönlichen Kontaktdaten. (Symbolfoto: Unsplash/ Kai Pilger)

von Uschi Jonas

In einem Beitrag auf Facebook wird behauptet, dass die Corona-Warn-App der Bundesregierung auf die gespeicherten Kontakte der App-Nutzer zugreife. Sie würden zur Identifizierung und zum Tracking von Personen genutzt. Das ist falsch.

In einem Beitrag auf Facebook fordert ein Facebook-Nutzer Freunde und Bekannte dazu auf, ihn aus ihrer Telefonkontaktliste und von Sozialen Netzwerken zu löschen, sollten sie die Corona-Warn-App der Bundesregierung auf ihrem Smartphone installieren. 

Der Grund: Du hast nicht meine Zustimmung, meine Telefonnummer in Verbindung mit deiner App zur Identifizierung, Tracking oder Standort meiner Person zu verwenden, denn wenn Du diese App hast, werden alle Deine Kontakte bekannt sein.” 

 

Im Facebook-Beitrag ist einmal von der Corona-App” und einmal von der STOPCOVID-App” die Rede. Der Beitrag stammt vom 16. Juni, und der Facebook-Nutzer schreibt: Ab heute wird es in Deutschland die Corona-App zum Download geben”. Da die Corona-Warn-App der Bundesregierung seit dem 16. Juni zum Download bereit stand, ist davon auszugehen, dass sich der Facebook-Beitrag auf diese App bezieht. 

Der Bild-Beitrag suggeriert, dass die Corona-Warn-App der Bundesregierung zur Identifizierung und zum Tracking die gespeicherten Kontakte der App-Nutzer verwende. Das ist falsch. Die Bundesregierung betont, dass die Warn-App in keiner Weise auf die persönlichen Daten der App-Nutzer zugreife. Auch ein Datenschutz-Experte vom Chaos Computer Club bestätigt das gegenüber CORRECTIV.

In einem Facebook-Beitrag wird davor gewarnt, die Corona-Warn-App nutze personenbezogene Daten zur Identifizierung und zum Tracking. Das ist falsch. (Screenshot: CORRECTIV)

Corona-Warn-App nutzt Zufallscodes, Nutzer bleiben laut Regierung anonym

Laut Bundesregierung basiert das Konzept der Corona-Warn-App darauf, lediglich anonymisierte Kontakt-IDs auszutauschen, nicht jedoch Identitäten oder Daten der Handynutzer. Konkret schreibt die Bundesregierung dazu: Die Corona-Warn-App nutzt die Bluetooth-Technik, um den Abstand und die Begegnungsdauer zwischen Personen zu messen, die die App installiert haben. Die Smartphones ‘merken’ sich Begegnungen, wenn die vom RKI festgelegten Kriterien zu Abstand und Zeit erfüllt sind. Dann tauschen die Geräte untereinander Zufallscodes aus. […] Zu keinem Zeitpunkt erlaubt dieses Verfahren Rückschlüsse auf Sie oder Ihren Standort.“

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Darüber hinaus betont die Bundesregierung: Wenn Sie die App nutzen, bleiben Sie jederzeit anonym. Wenn Sie sich in der App anmelden, müssen Sie keine persönlichen Daten (wie E-Mail-Adresse und Name) angeben. […] Alle Daten – beispielsweise zu Begegnungen mit anderen die App nutzenden Personen – werden verschlüsselt und ausschließlich auf dem eigenen Smartphone gespeichert. […] Daten, die eine Person identifizierbar machen, insbesondere Positionsdaten, werden nicht ausgelesen, verwendet oder gespeichert.”

Datenschutz-Experte: Theoretisch ist nur die Identifikation eines als infiziert gemeldeten App-Nutzers möglich

Jochim Selzer ist Mitglied im Chaos Computer Club (CCC), Datenschutzaktivist und ehrenamtlicher Datenschutzbeauftragter zweier Kirchenkreise in NRW. Er beschreibt auf Nachfrage von CORRECTIV, dass es laut einer Analyse der Technischen Universität Darmstadt ein theoretisches Szenario gebe, das unter bestimmten Voraussetzungen die Identifikation einer Person, die sich in der App als infiziert gemeldet hat, ermögliche. Allerdings betreffe das lediglich diesen als infiziert gemeldeten App-Nutzer – keine anderen Nutzer und auch keine gespeicherten Kontakte von anderen Nutzern. 

Selzer betont zudem: Wegen des relativ hohen Aufwands und der Tatsache, dass der Angriff nur innerhalb des Sensorennetzes [Bluetooth, Anm. d. Red.] und auch nur bei sich als infiziert gemeldeten Personen funktioniert, schätze ich die Praxisrelevanz dieses Angriffs als niedrig ein. Eine Überwachung aller Nutzerinnen der Corona-Warn-App ist auf diese Weise nicht möglich.

Ausschnitt aus der E-Mail von Jochim Selzer vom Chaos Computer Club an CORRECTIV (Screenshot: CORRECTIV)

Die Corona-Warn-App speichert oder nutzt keine Kontakte der App-Nutzer

Auf die schriftliche Nachfrage von CORRECTIV, ob die Corona-Warn-App Daten der gespeicherten Kontakte der App-Nutzer in irgendeiner Form nutze, schreibt das Bundesgesundheitsministerium: „Nein.

Ein Ausschnitt aus der E-Mail des Bundesgesundheitsministeriums an CORRECTIV (Screenshot: CORRECTIV)

Datenschutz-Experte Selzer sagte CORRECTIV dazu: „Die […] Corona-Warn-App liegt unter Github Corona Warn App im Quellcode vor und kann jederzeit auf Hintertüren und Schwachstellen untersucht werden. Untersuchungen des Quellcodes fanden von mehreren Stellen statt und erbrachten keine Hinweise auf datenschutzrechtlich unzulässige Funktionen wie beispielsweise Zugriff auf das Adressbuch des Smartphones oder GPS-Koordinaten.“

Ein Ausschnitt der E-Mail von Jochim Selzer an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Behauptungen, laut denen die Corona-Warn-App auf die gespeicherten Kontakte auf dem Handy des Nutzers zugreife und diese zur Identifizierung und zum Tracking von Personen nutze, sind falsch. Nach Angaben von Experten und der Bundesregierung speichert oder versendet die Corona-Warn-App weder personenbezogene Daten der Nutzer der App, noch ihrer gespeicherten Kontakte. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Corona-Warn-App der Bundesregierung speichert keine personenbezogenen Daten ihrer Nutzer oder ihrer Kontakte.

Virus Outbreak Belgium
Ein Labortechniker während der Forschung am Coronavirus in Beerse, Belgien, am 17. Juni 2020. (Symbolbild: AP Photo/Virginia Mayo)

von Cristina Helberg

Weltweit kursiert aktuell die virale Behauptung, das neue Coronavirus SARS CoV-2 sei eigentlich ein Bakterium und kein Virus. Die Patienten würden an nichts anderem als an Thrombosen sterben und Italien habe das Virus besiegt. Diese und weitere Behauptungen sind falsch. Wir erklären, warum.

In einem Text der Webseite Liebe isst Leben vom 30. Mai wird behauptet, italienische Ärzte hätten die Heilung für Covid-19 gefunden: Sie hätten herausgefunden, dass das Coronavirus SARS-CoV-2 eigentlich ein Bakterium sei und kein Virus. Die aus dem Virus entstehende Krankheit, das „sogenannte Covid-19“, sei nichts anderes als eine Thrombose. Das ist falsch. 

Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle insgesamt mehr als 650 Mal auf Facebook geteilt und in mehreren Facebook-Gruppen weiter verbreitet, darunter den Gruppen „Wutbürger, Widerstand leisten ist jetzt Pflicht“ und „Qanon Europa“. 

Die Falschinformation wird aber nicht nur in Deutschland verbreitet. Dieselben Behauptungen, teilweise im Wortlaut identisch, wurden auch von Faktencheckern in Peru, Kolumbien, auf den Philippinen, in Nigeria, Ägypten, Indien, Australien, Kenia, der Türkei und der Ukraine geprüft und für falsch befunden. CORRECTIV kooperiert im Rahmen des International Fact-Checking Network mit Faktencheck-Organisationen weltweit. 

SARS-CoV-2 ist kein Bakterium, sondern ein Virus 

Die erste zentrale Behauptung des Textes lautet: Italienische Ärzte hätten bei Autopsien festgestellt, dass „es sich nicht um einen Virus, sondern um eine Bakterie handelt, die den Tod verursacht“. Das ist falsch. 

Die WHO informiert auf ihrer Webseite regelmäßig über populäre Falschmeldungen rund um das Coronavirus SARS-CoV-2. Am 9. Juni veröffentlichte die Organisation eine Klarstellung zu der Bakterien-Behauptung: „Die Coronavirus-Krankheit (Covid-19) wird durch ein Virus verursacht. NICHT durch Bakterien. Das Virus, das Covid-19 verursacht, gehört zu einer Familie von Viren namens Coronaviridae.“ 

In den vergangenen Monaten kursierte außerdem die Behauptung, Antibiotika würden gegen die durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöste Krankheit Covid-19 helfen. Diese Falschmeldung hängt indirekt auch mit der Frage zusammen, ob es sich um Bakterien oder Viren handelt. Deshalb stellt die WHO weiter klar: „Antibiotika wirken nicht gegen Viren. Einige Menschen, die an Covid-19 erkranken, können als Komplikation auch eine bakterielle Infektion entwickeln. In diesem Fall können Antibiotika von einem Gesundheitsversorger empfohlen werden.“ 

Auch das Robert-Koch-Institut schreibt auf seiner Webseite: „Nicht selten leiden Covid-19-Patienten unter weiteren Infektionen: Bei 5 – 40 Prozent der Patienten kam es zu Co-Infektionen. […] Zudem wurden in einigen Fällen Superinfektionen mit multiresistenten Bakterien […] festgestellt.“

Information auf der Webseite des Robert-Koch-Institutes. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Behauptung ist also falsch. Das Coronavirus ist kein Bakterium. Es kann aber während einer Covid-19-Erkrankung zu zusätzlichen Infektionen mit Bakterien kommen. Diese können, anders als Viren, mit Antibiotika behandelt werden. 

Nein, die WHO hat Autopsien von Corona-Toten nicht verboten 

Weiter wird im Text behauptet, italienische Ärzte hätten gegen ein „Weltgesundheitsgesetz“ der WHO verstoßen, das Autopsien von Coronavirus-Toten verboten habe. Das ist falsch. Im März gab die WHO in einem offiziellen Papier sogar Empfehlungen, was man bei einer Autopsie von Corona-Toten beachten solle.  

Auch italienische Behörden haben Autopsien nicht verboten, jedoch davon abgeraten, wie die italienischen Faktenchecker der Webseite Open im Mai recherchierten. Das Gesundheitsministerium gab dennoch Hinweise, wie Autopsien von Corona-Toten sicher durchgeführt werden können. Allerdings sind in Italien offenbar viele Autopsieräume nicht für diese sichere Durchführung geeignet. Bereits am 22. April wurde eine Studie über die Ergebnisse von Autopsien an 38 verstorbenen italienischen Covid-19-Patienten als Preprint veröffentlicht. 

Die Behauptung ist also ebenfalls falsch. Weder die WHO, noch die italienischen Behörden haben Autopsien verboten. 

Nein, Covid-19 ist nicht gleichbedeutend mit einer Thrombose

Weiter wird im Text behauptet, italienische Ärzte hätten herausgefunden, dass Covid-19 „nichts anderes als […] Thrombose“ sei. 

Auch diese Behauptung ist falsch, aber nicht neu. Bereits im April wurde in einem Whatsapp-Kettenbrief behauptet, Autopsien in Italien hätten gezeigt, dass Covid-19 Patienten nicht an Lungenentzündung, sondern an einer Thrombose sterben würden. Deshalb benötigten Krankenhäuser angeblich weder Beatmungsgeräte noch Intensivstationen. Diese Behauptung greift auch die Seite Liebe isst Leben erneut auf. Warum das nicht stimmt, haben wir in einem Faktencheck recherchiert

In der noch nicht abschließend bewerteten Studie italienischer Ärzte vom 22. April 2020 über die Autopsien von 38 Corona-Patienten steht: „Das vorherrschende Muster von Lungenläsionen bei Covid-19-Patienten ist DAD, wie auch bei den beiden anderen Coronaviren, die den Menschen infizieren, SARS-CoV und MERS-CoV.“ DAD steht für „diffuser Alveolarschaden“, eine Schädigung der Lungenbläschen. 

Weiter steht in dem Preprint: „Unsere Daten unterstützen nachdrücklich die Hypothese, von neueren klinische Studien, dass Covid-19 durch Blutgerinnungsstörung und Thrombose verkompliziert wird, oder eng damit zusammenhängt“ (PDF, Seite 5). Die Autoren beobachteten Thromben – Blutgerinnsel – bei 33 der 38 untersuchten Patienten. Aus diesem Grund werde eine Verwendung von Antikoagulanzien, also gerinnungshemmenden Medikamenten, vorgeschlagen.  

Die Autoren ziehen also keinesfalls den Schluss, dass Patienten mit Covid-19 ausschließlich an Thrombosen starben. Sie warnen jedoch, dass diese offenbar häufig auftreten. 

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Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt neben Lungenentzündungen schon seit Ende Januar Thrombopenie als mögliche Komplikation in kritischen Fällen von Covid-19 auf. (PDF, Seite 3) Thrombozytopenie ist eine deutliche Verminderung der Zahl der Blutplättchen, die das Risiko für eine Thrombose erhöht. Die WHO rät deshalb zur Anwendung von gerinnungshemmendem Heparin bei Patienten, bei denen keine anderen Umstände dagegen sprechen. (PDF, Seite 8)

Auch andere Studien weisen auf die Gefahr von Thrombosen hin, zum Beispiel eine am 10. April erschienene niederländische Studie

Die Behauptung ist also größtenteils falsch. Thrombosen treten bei Covid-19 Patienten offenbar häufig auf. Das heißt aber nicht, dass alle Covid-19 Patienten ausschließlich an Thrombosen sterben. 

Nein, Italien hat das Coronavirus nicht „besiegt“

Weiter wird im Text von Liebe isst Leben behauptet, Italien habe das Coronavirus „besiegt“ und eine Heilung gefunden. Das ist falsch. Die Zahlen sind in Italien zwar deutlich gesunken, am 23. Juni meldete das zuständige Ministerium aber immer noch 122 neue Fälle im Vergleich zum Vortag. 

5G, Aspirin und Zink – ein Mix aus falschen Behauptungen und unbelegten Empfehlungen

Der Artikel endet mit einer Warnung an die Leserinnen und Leser und einer Handlungsempfehlung, die mehrere Falschmeldungen der vergangenen Monate vermischt. 

Eine davon: Angeblich werde das Coronavirus (beziehungsweise das angebliche Bakterium) durch die Strahlung des neuen Mobilfunkstandards 5G verstärkt. Für einen Zusammenhang gibt es jedoch keine Belege. Wir haben mehrere Faktenchecks dazu veröffentlicht. 

Behauptungen zu 5G, Zink und Aspirin in dem Artikel der Webseite Liebe isst Leben. (Screenshot: CORRECTIV)

Außerdem wird in dem Artikel zur Einnahme von Aspirin geraten. Das italienische Gesundheitsministerium haben die Covid-19-Behandlungsprotokolle geändert und verabreiche Patienten nun Aspirin und Apronax. 

Aspirin und Apronax gehören zu den nicht-steroidalen entzündungshemmenden Medikamenten, für die laut WHO bisher weder Vorteile, noch Nachteile für Covid-19 Patienten nachgewiesen sind. 

Die Behauptung, italienische Behörden hätten die Behandlungsprotokolle geändert, ist falsch. Auf der Webseite des italienischen Gesundheitsministeriums steht weiterhin: „Gegenwärtig gibt es keine spezifische Behandlung für die durch das neue Coronavirus verursachte Krankheit. Die Behandlung basiert nach wie vor hauptsächlich auf einem symptomatischen Ansatz, bei dem den Infizierten unterstützende Therapien (z.B. Sauerstofftherapie, Flüssigkeitsmanagement) zur Verfügung gestellt werden, die dennoch hochwirksam sein können.“ 

Die Webseite des Ministeriums verweist außerdem auf eine Übersicht der italienischen Arzneimittelagentur (AIFA) für Medikamente, die aktuell bei COVID-19-Patienten im Rahmen von klinischen Versuchen eingesetzt werden. Aspirin und Apronax tauchen darin nicht auf. 

Auch zu der falschen Behauptung, Aspirin könne Covid-19 heilen, haben wir bereits in der Vergangenheit einen Faktencheck veröffentlicht. 

Verbraucherzentrale warnt vor falschen Heilungsversprechen 

Zusätzlich rät der Text der Webseite Liebe isst Leben zur Einnahme von Zink. Schon seit Beginn der Corona-Pandemie kursieren immer wieder fragwürdige Empfehlungen für Nahrungsergänzungsmittel gegen das Coronavirus. 

Die Verbraucherzentrale warnt: „Es gibt keine Nahrungsergänzungsmittel, die eine Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) verhindern können.“ Auf ihrer Webseite geht die Zentrale detailliert auf verschiedene Nahrungsergänzungsmittel ein. Zu Zink steht dort: „Auch bestimmte Mineralstoffe wie Selen, Zink, Eisen und Kupfer sind wichtig für ein normales Immunsystem. Das funktioniert aber nur, wenn vorher ein Defizit bestanden hat. Ein Zuviel an Mineralstoffprodukten bringt die feinen Regelkreisläufe im Körper durcheinander.“

Auch zur Einnahme von sogenannten Antikoagulantien (Gerinnungshemmern) rät die Webseite. Tatsächlich hat ein Arbeitskreis des RKI am 18. Juni in einem Papier die Möglichkeit erwähnt, Corona-Patienten Gerinnungshemmer zur Thrombosevorbeugung zu verabreichen. Die Autoren warnen aber ausdrücklich vor einem Blutungsrisiko, und die Empfehlung gilt nur für Patienten, die stationär im Krankenhaus behandelt werden und unter der Aufsicht von Ärzten stehen (PDF, Seite 7).

Die Empfehlungen der Webseite für Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel führen also alle in die Irre. Aspirin und Apronax haben laut WHO keinen Effekt im Zusammenhang mit dem Virus. Laut dem italienischen Gesundheitsministerium gibt es gegenwärtig keine spezifische Behandlung für Covid-19. Die Einnahme von Zink ist nur sinnvoll, falls ein Defizit besteht. Die Einnahme von Gerinnungshemmern birgt Risiken wie Blutungen und sollte ausschließlich mit Ärzten beraten werden.

Unsere Bewertung:
Falsch. Das SARS-CoV-2 ist kein Bakterium, Italien hat das Coronavirus noch nicht besiegt und Thrombosen sind nicht die alleinige Todesursache von Corona-Patienten.

Hunde-Impfstoff
Mit diesem Foto wird in einem Facebook-Beitrag suggeriert, das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 sei schon seit 20 Jahren bekannt. Das ist falsch. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Das Foto einer Impfdosis für Hunde gegen Coronaviren führen Nutzer in Sozialen Netzwerken als Beweis heran, dass das aktuelle Coronavirus schon lange bekannt sei. Das ist falsch. Die Familie der Coronaviren kennen Wissenschaftler schon seit den 60er-Jahren.

In einem Facebook-Beitrag wird ein Foto einer angeblichen Coronavirus-Impfdosis geteilt. Über dem Foto ist zu lesen: „Im Jahre 2001 gab es einen Impfstoff für Haustiere gegen Corona. Glaubste nicht? Ist aber so.“ Und darunter: „[…] etwas stimmt nicht, die halten die Leute wirklich für Idioten“. Der Nutzer, der das Foto geteilt hat, schrieb dazu: „Vor 20 Jahren“. So wird suggeriert, der aktuelle Coronavirus SARS-CoV-2 sei gar nicht neu, sondern schon seit Jahrzehnten bekannt und einen Impfstoff gebe es längst. Das ist falsch. Der Beitrag wurde mehr als 10.000 Mal geteilt. 

Dieser Facebook-Beitrag suggeriert, das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 sei schon seit 20 Jahren bekannt. Das ist falsch. (Screenshot: CORRECTIV)

Richtig ist: Die Familie der Coronaviren ist in der Wissenschaft schon seit Mitte der 1960er-Jahre bekannt, wie das Robert-Koch-Institut auf seiner Webseite schreibt. Auch bei SARS und MERS handelt es sich um Coronaviren. Bei SARS-CoV-2 wird daher von Experten auch von einem „neuartigen“ Coronavirus gesprochen. Da es lange keinen eigenen Namen hatte, setzen viele Menschen SARS-CoV-2 offenbar mit dem Begriff „Coronavirus“ gleich. 

Zu Beginn der Pandemie Anfang 2020 kursierte eine ähnliche Falschmeldung. In Sozialen Netzwerken teilten Nutzer ältere Fotos von Desinfektionsmittelflaschen, auf denen zu lesen war, dass sie gegen Coronaviren wirksam seien. Daraus leiten Facebook-Nutzer ab, dass das neuartige Coronavirus schon lange bekannt sei. Das stimmt nicht. Die Details haben wir in einem Faktencheck erklärt. 

Impfstoff für Hunde ist nicht für SARS-CoV-2 geeignet

Aber was genau ist auf dem aktuell kursierenden Bild zu sehen? Auf dem lilafarbenen Etikett der Impfdosis ist die Bezeichnung „Canine Coronavirus Vaccine“ und die Bezeichnung „Nobivac“ zu lesen. „Canine“ ist eine englische Bezeichnung für Hund – es handelt sich um eine Impfdosis für Hunde. 

Das US-amerikanische Pharmaunternehmen Merck Animal Health vertreibt den Wirkstoff unter dem Namen Nobivac und weist auf seiner Webseite extra darauf hin, dass es sich nicht um einen Impfstoff gegen das aktuelle Coronavirus SARS-CoV-2 handelt. 

Hinweis auf der Seite des Pharmaunternehmens, dass diese Impfstoffe nichts mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu tun haben. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Die zwei Coronaviren CCov und CRCoV für die das Pharmaunternehmen Impfstoffe für Hunde anbietet, können bei den Tieren schwere Infektionen auslösen.  

CORRECTIV ist spendenfinanziert
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Auch in anderen Ländern kursieren ähnliche Falschmeldungen im Zusammenhang mit Hundeimpfstoffen gegen lange bekannte Coronaviren. Die Behauptungen wurden unter anderem von Faktencheckern in Spanien, den USA und Brasilien geprüft. Das Ergebnis: In allen Fällen handelt es sich um Impfstoffe gegen lange bekannte Coronaviren, jedoch nicht gegen das neuartige SARS-CoV-2. CORRECTIV kooperiert im Rahmen des Internationalen Fact-Checking-Netzwerks mit Faktencheckern weltweit. 

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Das Bild zeigt keinen Hunde-Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2, sondern gegen ältere bekannte Coronaviren.

Screenshot Titelbild
In einem Interview mit Sucharit Bhakdi werden teilweise falsche Behauptungen aufgestellt. (Screenshot: CORRECTIV)

von Kathrin Wesolowski

In einem Youtube-Interview behauptet der Mediziner Sucharit Bhakdi unter anderem, der Impfstoff gegen Covid-19 sei sinnlos und Corona nicht gefährlicher als ein Grippevirus. Die meisten seiner Aussagen sind unbelegt.

Sucharit Bhakdi, ehemals Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene  der Universitätsmedizin Mainz, behauptet in einem Video-Interview auf Youtube über das neuartige Coronavirus unter anderem, dass Tote mit Corona kaum obduziert würden, alle gestorbenen Patienten Vorerkrankungen gehabt hätten und eine Impfung keinen Sinn mache, weil das Virus mutieren könne. 

Das Interview mit dem Titel „Impfung gegen Covid-19 sinnlos“ wurde am 25. April auf dem Youtube-Kanal Punkt.Preradovic der ehemaligen RTL-Moderatorin Milena Preradovic veröffentlicht. Es wurde bisher mehr als 271.000 Mal aufgerufen. Preradovic teilte es auch auf ihrem Facebook-Kanal. Hier wurde es bisher mehr als 46.000 Mal aufgerufen und mehr als 1.000 Mal geteilt. 

Während des Interviews (ab Minute 3:58 bis Minute 9:40) bezieht sich der Arzt immer wieder auf eine Studie von John P. A. Ioannidis, einem Medizinprofessor der Stanford University. Laut Medienberichten wurde die Studie von Ioannidis jedoch von anderen Experten kritisiert – unter anderem weil dort Antikörpertests verwendet wurden, die noch unzuverlässig seien. 

Bhakdi argumentiert anhand der Daten dieser Studie, dass die Wahrscheinlichkeit, im Alter von über 80 Jahren an Covid-19 zu sterben, in Deutschland geringer sei als die Wahrscheinlichkeit, zum Beispiel an Herzerkrankungen oder Krebs zu sterben. Er begründet damit seine Meinung, dass die Lungenerkrankung Covid-19 nicht wirklich gefährlich sei.   

Um diese These weiter zu stützen, stellt Bhakdi in dem Interview auch mehrere Tatsachenbehauptungen auf und bestätigt Aussagen der Moderatorin Milena Preradovic. Sieben dieser konkreten Behauptungen hat CORRECTIV überprüft. Das Ergebnis: Die meisten sind unbelegt, zwei sind richtig und zwei falsch. 

1. Behauptung: Es wird nicht differenziert, ob ein Covid-19-Toter mit oder an dem Virus verstorben ist 

Diese Behauptung stellt Sucharit Bhakdi ab Minute 1:45 im Video auf. In der Statistik des Robert-Koch-Instituts (RKI) werden die Covid-19-Todesfälle gezählt, bei denen ein Nachweis des Erregers SARS-CoV-2 vorliegt. Das RKI schreibt dazu auf der eigenen Webseite, dass es in der Praxis häufig schwierig zu entscheiden sei, inwieweit die Corona-Infektion direkt zum Tode beigetragen habe. 

„Sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung verstorben sind (‘gestorben an’), als auch Personen mit Vorerkrankungen, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren und bei denen sich nicht abschließend nachweisen lässt, was die Todesursache war (‘gestorben mit’), werden derzeit erfasst”, heißt es dort.

Fazit: Die Behauptung ist richtig.

2. Behauptung: Italien verkündete offiziell, dass 88 Prozent der Verstorbenen mit Covid-19 nicht an Corona gestorben seien

Diese Behauptung stellt Bhakdi ab Minute 11:48 auf. In dem Text zu dem Youtube-Video steht, dass sich Sucharit Bhakdi bei seinen Behauptungen zu Italien auf ein Interview des Professors Walter Ricciardi in der britischen Tageszeitung The Telegraph beziehe. Ricciardi ist Mitglied des European Advisory Committee on Health, eines Gesundheitskomitees der WHO. Laut italienischem Gesundheitsministerium arbeitet er auch mit der Regierung Italiens während der Corona-Krise zusammen.

Screenshot des Textes zum YouTube-Video von Punkt.Preradovic. (Screenshot: CORRECTIV)

In dem Artikel von The Telegraph vom 23. März wird Ricciardis Aussage zitiert, eine Re-Evaluierung des italienischen Gesundheitsministeriums habe gezeigt, dass nur zwölf Prozent der Todesfälle eine direkte Kausalität zu der Infektion mit dem Coronavirus gezeigt hätten. 88 Prozent der Toten hätten mindestens eine Vorerkrankung gehabt. Dass sie nicht an Corona gestorben seien, sagte er in dem Interview nicht. 

Screenshot der Behauptung von Walter Ricciardi in einem Artikel des Telegraph. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf unsere Anfrage schrieb uns Walter Ricciardi, dass seine Aussage in dem Interview korrekt sei – einen Beleg schickte er uns allerdings nicht. Die Gesundheitsbehörde Italiens reagierte nicht auf unsere Presseanfrage.

Fazit: Die Behauptung ist unbelegt.

3. Behauptung: In Deutschland und Italien sind kaum Autopsien durchgeführt worden

Ab Minute 12:05 stellt die Moderatorin Milena Preradovic diese Behauptung auf, die der Arzt Bhakdi Sucharit daraufhin bestätigt. 

Auf unsere Presseanfrage verweist der Bundesverband Deutscher Pathologen auf ein Interview seines Präsidenten Karl-Friedrich Bürrig mit der Ärztezeitung vom 14. Mai. Darin werden Bürrigs Aussagen zitiert, dass eine Obduktionsquote von um die 30 Prozent statistische Aussagen zulassen würde. In einem Infokasten am Ende des Textes steht, dass bislang erst um die 200 mit Covid-19 infizierte Verstorbene obduziert worden seien. 

Auszug aus dem Interview mit Karl-Friedrich Bürrig in der Ärztezeitung. (Screenshot: CORRECTIV)

Die Zahl 200 könnte sich auf Hamburg beziehen, wo alle mit Covid-19 gestorbenen Menschen obduziert werden. Am 14. Mai waren dies 228 Personen, bei 205 wurde bis dahin die Infektion mit dem Coronavirus laut Pathologie als Todesursache festgestellt. Da es keine bundesweite Statistik gibt, ist die genaue Anzahl aller Obduktionen in Deutschland aber unklar. 

Auch aus Italien gibt es keine offiziellen Zahlen zu den Obduktionen von Verstorbenen mit Covid-19. Die Faktenchecker von Pagella Politica erklärten uns auf Anfrage, dass sie keine Statistik dazu finden konnten. 

Fazit: Unbelegt. Wie viele Obduktionen in Italien und Deutschland durchgeführt werden, ist unklar.

4. Behauptung: In Hamburg hatten alle Verstorbenen mit Covid-19 Vorerkrankungen

Diese Behauptung stellt die Moderatorin Milena Preradovic auf (ab Minute 12:19) und bezieht sich dabei auf den Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel. Sucharit Bhakdi bestätigt ihre Aussage. In einem früheren Faktencheck überprüften wir bereits eine ähnliche Behauptung. 

Da das Youtube-Interview am 25. April 2020 veröffentlicht wurde, bezieht sich Sucharit Bhakdi auf Daten im April. In einem Hamburger Lagebericht vom 24. April heißt es: „Nach den Angaben des Robert-Koch-Instituts sind in Hamburg 122 Personen mit einer COVID-19-Infektion verstorben. Laut Angaben des Instituts für Rechtsmedizin konnte zum jetzigen Stand bei 116 Personen die COVID-19 Infektion als todesursächlich festgestellt werden.”

In verschiedenen Medienberichten, beispielsweise des NDR, berichtete Klaus Püschel, der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin, Ende April, dass alle Toten mit dem Coronavirus in Hamburg Vorerkrankungen gehabt hätten. Auf unsere Anfrage schrieb uns das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf jedoch, dass „fast alle“ Verstorbenen mit Covid-19 eine Vorerkrankung vorwiesen. Dies ist auch in einer Pressemitteilung vom 8. Mai zu lesen. Genaue Zahlen wollte die Pressestelle uns nicht mitteilen. 

Eine Vorerkrankung heißt außerdem nicht, dass die Menschen nicht an Covid-19 gestorben sind. Bisher (Stand 17. Juni) bestätigte das Institut für Rechtsmedizin bei 228 Todesfällen in Hamburg die Covid-19-Infektion als Todesursache. Das ist der überwiegende Teil der Personen, die in der Gesamtstatistik des RKI auftauchen. Denn laut RKI sind in Hamburg bisher 257 Menschen mit Covid-19 gestorben.           

Fazit: Die Behauptung ist so pauschal falsch. Fast alle Verstorbenen mit Covid-19 in Hamburg hatten Vorerkrankungen.

5. Behauptung: Auch in Italien hatten alle Toten Vorerkrankungen

Diese Behauptung wird von Bhadki ab Minute 12:20 im Interview aufgestellt.

Das italienische Istituto Superiore de Sanità, die Gesundheitsbehörde, die ähnlich wie das Robert-Koch-Institut in Deutschland Handlungsempfehlungen an die Bevölkerung und die Regierung Italiens ausgibt, veröffentlicht regelmäßig eine Auswertung der Patientendaten. Da das Interview am 25. April erschienen ist, schauen wir uns die Version vom 23. April an, für die 23.188 gestorbene Corona-Patienten untersucht wurden. Bei einer Stichprobe von 2.041 dieser Patienten wurden die Vorerkrankungen aufgeschlüsselt: 74 hatten keinerlei Vorerkrankungen. Das entspricht einem Anteil von 3,6 Prozent.

Fazit: Die Behauptung ist so pauschal falsch.

6. Behauptung: Der Erreger ist nicht gefährlicher als ein Grippevirus

Diese Behauptung stellt Sucharit Bhakdi ab Minute 12:50 auf. Wie wir bereits in einem Faktencheck überprüften, sind die Influenzaviren und SARS-CoV-2 nicht vergleichbar.

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Es ist richtig, dass beide Virentypen Atemwegserkrankungen auslösen und schnell von Person zu Person übertragbar sind. Abgesehen davon seien SARS-CoV-2 und die saisonalen Grippeviren aber „sehr unterschiedlich“, schreibt das Europäische Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC)

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verbreitet sich Influenza wegen ihrer kürzeren Inkubationszeit schneller als Covid-19. Gleichwohl deuteten die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse an, dass es bei Covid-19 mehr schwere Infektionsverläufe gebe als bei einer Influenza-Infektion. 

Hinzu kommt laut WHO, dass es im Gegensatz zu Influenza gegen Covid-19 keine Impfstoffe gibt. Da es ein neuer Virus sei, sei außerdem niemand gegen die Krankheit immun, schreibt das ECDC. Das bedeute: „Theoretisch ist die gesamte menschliche Bevölkerung potenziell für eine Infektion mit Covid-19 anfällig.”

Letalität von Influenza und Coronavirus bisher nicht vergleichbar

Die Gefährlichkeit eines Virus wird meist anhand der Sterberate beurteilt. Für SARS-CoV-2 gibt es aber hierzu noch gar keine gesicherten Erkenntnisse. Die registrierten Todesfälle sind nicht mit Influenza vergleichbar, weil die Zahlen unterschiedlich gemessen werden

Das ECDC erklärt, an der saisonalen Grippe würden in Europa wegen der hohen Zahl der Ansteckungen jedes Jahr geschätzt zwischen 15.000 und 75.000 Menschen sterben. Dies sei etwa einer von 1.000 Infizierten (0,1 Prozent).

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ZUM SCHWERPUNKT

Laut Robert-Koch-Institut gibt es über die Letalität – also den Anteil der Verstorbenen an den tatsächlich Erkrankten – für SARS-CoV-2 noch keine verlässlichen Daten (unter Punkt 12), weil nicht klar ist, wie viele Menschen momentan infiziert sind. Bei den aktuell verfügbaren Daten liege der Fall-Verstorbenen-Anteil in Deutschland bei 4,7 Prozent.

Auch ob die sogenannte Übersterblichkeit durch das Coronavirus insgesamt höher sein wird als durch die saisonale Influenza, kann noch nicht ermittelt werden. Dennoch waren die Gesamt-Sterbefallzahlen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt im April 2020 höher als im Durchschnitt der Vorjahre. 

Fazit: Die Behauptung, SARS-CoV-2 sei nicht gefährlicher als eine Grippe, ist unbelegt. 

7. Behauptung: Der Erreger verändert sich, und damit ist eine Impfung sinnlos

Diese Behauptung stellt Sucharit Bhakdi ab Minute 14:40 im Video auf. Er sagt, die Voraussetzung, dass eine Impfung funktioniere, sei, dass das Ziel – also das Virus – sich nicht dauernd verändere. Deshalb werde Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19 scheitern. 

Auf unsere Anfrage antwortete das Paul-Ehrlich-Institut, auch Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel genannt, per E-Mail: „Grundsätzlich haben insbesondere RNA-Viren wie das SARS-CoV-2 die Eigenschaft, im Laufe vieler Replikationszyklen im Wirt Mutationen in ihrem Genom zu akkumulieren.“ Das Ausmaß der Mutation sei dabei je nach Virus unterschiedlich. 

Eine potenzielle Herausforderung für die Impfstoffentwicklung stellten jedoch nur solche Mutationen dar, die es einem Virus erlauben, einer Impfstoff-induzierten Immunität zu entkommen. Hierzu seien aber in aller Regel mehrere akkumulierte Mutationen notwendig.

Ausschnitt aus der E-Mail des Paul-Ehrlich-Instituts. (Screenshot: CORRECTIV)
Weiterer Ausschnitt aus der E-Mail des Paul-Ehrlich-Instituts. (Screenshot: CORRECTIV)

Bei der Impfstoffentwicklung werde daher beabsichtigt, ihn so zu entwickeln, dass er auch gegen leicht veränderte Virusvarianten wirksam sei. So werde beispielsweise bei der Grippeimpfung jährlich eine Stammanpassung vorgenommen, um einen wirksamen Schutz vor der Grippeerkrankung zu gewährleisten. Eine Impfung ist deswegen laut Paul-Ehrlich-Institut nicht grundsätzlich sinnlos, nur weil der Erreger mutieren kann.

Bisher gibt es laut RKI allerdings keinen Impfstoff gegen das Coronavirus, weshalb alle Aussagen dazu Spekulationen und Zukunftsprognosen sind.

Fazit: Diese Behauptung ist unbelegt. Es gibt bisher keinen Impfstoff, daher ist unklar, wie wirksam er sein wird. Laut Paul-Ehrlich-Institut bedeuten Mutationen eines Erregers nicht per se, dass Impfstoffe unwirksam sind.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Sucharit Bhakdi stellt in dem Interview mehrere unbelegte Behauptungen auf. Zwei Aussagen sind richtig, zwei falsch.

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Andreas Ludwig Kalcker gilt als einer der führenden Köpfe der MMS-Szene. (Quelle: lbry.tv, Screenshot: CORRECTIV)

von Lea Weinmann

Chlordioxid heile Covid-19-Patienten – das sei das Ergebnis einer Studie aus Ecuador, wird in einem Blog-Artikel behauptet. Die Publikation ist allerdings nicht seriös, ihr angeblicher Autor ist kein Wissenschaftler und zudem als Mitglied der Chlordioxid-Szene bekannt. Auch vier weitere Behauptungen in dem Text sind falsch oder irreführend.

Die Seite Die Unbestechlichen verbreitet in einem Artikel irreführende und gefährliche Behauptungen über die angebliche Heilkraft von Chlordioxid bei Corona-Patienten. Der Text vom 26. Mai wurde laut dem Analysetool Crowdtangle bisher fast 900 Mal auf Facebook geteilt.

Der Artikel besteht zum Großteil aus der Übersetzung eines englischsprachigen Textes auf der Seite Natural News. Lediglich die ersten Absätze des Textes sind selbst formuliert. Der übersetzte Teil enthält die meisten irreführenden Behauptungen. Zudem sind mehrere verschwörungstheoretische Aussagen zu Pharma-Kartellen und angeblich korrupten Regierungen enthalten, die sich nicht mit Fakten belegen oder widerlegen lassen.

Unser Faktencheck bezieht sich sowohl auf den ersten Teil des Artikels von Die Unbestechlichen als auch auf einige der Behauptungen in dem Teil, der aus dem Englischen übersetzt wurde. Die fünf Behauptungen, die CORRECTIV geprüft hat, sind allesamt irreführend, unbelegt oder ihnen fehlt wichtiger Kontext.

Erste Behauptung: Chlordioxid heile Covid-19

Im Titel des Artikels steht: „Corona-Zwangsimpfung überflüssig: Desinfektionsmittel heilte 100 Patienten in nur 4 Tagen“. Durch den Teaser des Textes wird klar: Hier wird auf eine angebliche Studie aus Ecuador Bezug genommen, geleitet von Andreas Ludwig Kalcker, der Doktor und „Chlordioxid-Experte“ sei. Dieser will mehr als 100 Covid-19-Patienten mit intravenös verabreichtem Chlordioxid innerhalb von vier Tagen geheilt haben – er verspreche eine Heilungsquote von 100 Prozent, heißt es zudem in dem Artikel. Es handele sich um „vorläufige Daten aus einer klinischen Studie“.

Tatsächlich hat Kalcker auf seiner Webseite Videos in spanischer, englischer und deutscher Sprache verlinkt, in denen er diese Behauptung aufstellt. Sie ist jedoch sehr zweifelhaft. Die Artikel lassen zentralen Kontext zu Chlordioxid, Andreas Kalcker und seiner angeblichen Studie aus

Chlordioxid (Summenformel: ClO2) entsteht bei einer chemischen Reaktion von Natriumchlorit (Summenformel: NaCl2) und Säure. Es wird als Desinfektionsmittel (in streng kontrolliertem Umfang auch für die Trinkwasserdesinfektion) oder industriell zum Beispiel zum Bleichen von Textilien verwendet. Das Problem: Die Chemikalie wirkt unspezifisch; sie greift nicht nur potenzielle Krankheitserreger an, sondern alles, womit sie in Berührung kommt.

Trinklösungen mit Chlordioxid werden Miracle Mineral Supplement, Master Mineral Solution oder Miracle Mineral Solution (MMS) genannt. Das Gerücht, diese Lösungen würden verschiedene Krankheiten heilen, hält sich im Internet hartnäckig. Die US-amerikanische Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA warnte im Dezember 2019 vor der Einnahme und schrieb, die Versprechen einer angeblichen Heilung von Autismus, Krebs, HIV, Hepatitis, Grippe oder anderen Krankheiten seien falsch.

Auch deutsche Gesundheitsbehörden wie die Verbraucherzentrale (2019), das Bundesamt für Risikobewertung (2012) und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2014) warnen seit Jahren vor Trinklösungen mit Chlorbleiche.

Angebliche Studie wurde nur privat publiziert

Jetzt soll Chlordioxid – intravenös oder oral verabreicht – angeblich auch Covid-19 heilen, behauptet Andreas Kalcker. Er gilt laut zahlreichen Medienberichten seit Jahren als einer der „führenden Köpfe der MMS-Szene“ (beispielsweise hier und hier). Hinweise auf einen  Doktorabschluss Kalckers, den er laut Die Unbestechlichen angeblich haben soll, konnte CORRECTIV nicht finden. Auch er selbst bezeichnet sich weder in den Videos, noch in Kurzbiografien auf verschiedenen Webseiten (hier und hier) als Doktor. Zu seiner Ausbildung sind dort keine Informationen zu finden.

In dem deutschsprachigen Video behauptet Kalcker, bei seinen Ergebnissen handele es sich um eine Vorstudie, die von der angeblichen Ärztevereinigung „AEMEMI“ aus Ecuador durchgeführt worden sei (ab Minute 00:35 in deutscher Videofassung).

Wie die spanischen Faktenchecker von Maldita in einem Artikel vom 21. Mai schreiben, gibt es in der Publikation zahlreiche wissenschaftliche Ungereimtheiten. Darunter, dass laut der Publikation nicht nur Covid-19-positiv-Getestete an der Untersuchung teilnahmen, sondern auch Personen, die nur Symptome der Krankheit oder Kontakt mit anderen Infizierten hatten (PDF, Seite 15). Maldita zitiert zudem Experten der spanischen Gesellschaft für Mikrobiologie sowie der spanischen Gesellschaft für Notfallmedizin. Diese kritisieren unter anderem, dass es in der Studie keine Kontrollgruppe gebe und die Auswahl der Probanden willkürlich sei.

Eine Publikation der angeblichen Studie in einer seriösen Quelle konnte CORRECTIV nicht finden. Eine Stichproben-Recherche in den bekannten medizinischen Fachzeitschriften The Lancet, New England Journal of Medicine und Science lieferte keine Ergebnisse. Auch bei einer Suche über Google Scholar finden wir keine Hinweise auf Veröffentlichungen eines Andreas Kalcker. Man findet das spanischsprachige Papier, von dem Kalcker offensichtlich als „Vorstudie“ spricht, lediglich auf dem privaten Kanal von Kalcker auf der Videoplattform lbry.tv.

WHO und FDA: Chlordioxid ist kein Behandlungsmittel gegen Covid-19

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) informierte in einem „Myth Buster“ darüber, es schütze nicht vor Covid-19, wenn man Bleiche oder andere Desinfektionsmittel zu sich nehme – im Gegenteil sei die Einnahme „gefährlich“. Wir haben bereits im Februar und im Mai Faktenchecks dazu veröffentlicht.

Myth Buster WHO
Die WHO warnt in einem ihrer „Myth Busters“ zur Corona-Pandemie vor der Einnahme von Bleichmittel wie Chlor. (Quelle: WHO, Screenshot: CORRECTIV)

Auch die US-amerikanische FDA und die deutsche Verbraucherzentrale warnten vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie kürzlich nochmals davor, Trinklösungen mit Chlordioxid zu konsumieren, um die Infektionskrankheit zu heilen. All diese Warnungen bleiben in dem Artikel von Die Unbestechlichen jedoch unerwähnt.

Fazit: Unbelegt. Seriöse Belege für die Wirksamkeit von Chlordioxid bei der Behandlung von Covid-19 gibt es nicht.

Zweite Behauptung: Weitere Studie zu Chlordioxid und Covid-19 werde von US-Nationalbibliothek dokumentiert

Im Artikel wird noch eine weitere angebliche Studie genannt, die die orale Aufnahme von Chlordioxid zur Behandlung von Covid-19 untersuche. Diese sei von der U.S. National Library of Medicine (NLM) auf der Seite ClinicalTrials.gov veröffentlicht worden.

Die Studie ist auf dieser Seite tatsächlich gelistet und untersucht laut Kurzbeschreibung, ob und wie der Einsatz der Chlorbleiche bei der Behandlung von Covid-19-Patienten hilfreich sein könnte. Die Studie wird nach eigenen Angaben an 20 Patienten in Bogotá (Kolumbien) und Madrid durchgeführt. Anfang Juni 2020 solle die Untersuchung abgeschlossen sein. Bisher wurden aber noch keine Ergebnisse veröffentlicht (Stand: 17. Juni).

Studie ist mit Warnhinweisen versehen

Die NLM hat sich jedoch mit Warnhinweisen auf der Seite von der Studie distanziert: „Die Sicherheit und wissenschaftliche Validität dieser Studie liegt in der Verantwortung des Studiensponsors und der Ärzte. Dass eine Studie hier gelistet wird, bedeutet nicht, dass sie von der US-Bundesregierung geprüft wurde.“

Als Sponsor der Studie ist die Genesis Foundation in Bogotá angegeben, zu der sich im Netz keine verlässlichen Informationen finden lassen. Der Ansprechpartner dieser Stiftung, Eduardo Insignares Carrione, ist nach eigenen Angaben in einem Labor in Bogotá tätig, das angibt, unter anderem an homöopathischen Medikamenten zu forschen.

Fazit: Größtenteils richtig, aber es fehlt Kontext. Auf der Seite ClinicalTrials.gov ist eine solche Studie aufgeführt. Das heißt aber nicht, dass sie von der Regierung geprüft und anerkannt wurde. Es gibt außerdem Anzeichen dafür, dass die Untersuchung nicht seriös ist. Zudem wurden bislang keine Ergebnisse veröffentlicht.

Dritte Behauptung: Covid-19 sei keine Atemwegserkrankung

In dem Artikel von Die Unbestechlichen wird zudem behauptet, Covid-19 sei „vermutlich keine akute Atemwegserkrankung, sondern eine Entzündungs- und Blutgerinnungserkrankung, die dazu führt, dass das Blut keinen Sauerstoff mehr transportieren kann und Patienten trotz Beatmung der Tod durch Ersticken droht“. In der Übersetzung des Artikels von Natural News weiter unten steht noch deutlicher: „Es stellt sich heraus, dass Covid-19 keine akute Atemwegserkrankung ist.“ Das stimmt nicht.

Covid-19 ist eine Infektionskrankheit, die durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöst wird. SARS steht für „Severe Acute Respiratory Syndrome“, übersetzt also „Schweres Akutes Atemwegssyndrom“. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind die häufigsten Symptome unter deutschen Covid-19-Patienten Husten (49 Prozent), Fieber (41 Prozent) und Schnupfen (21 Prozent).

Berichte über Thrombosen als Folgekomplikation im Krankheitsverlauf

Wie das RKI mitteilt (unter Punkt 5), wird jedoch in Folge von Covid-19-Erkrankungen „zunehmend“ auch über verschiedene Herz-Kreislauf-Komplikationen und Folgeerkrankungen berichtet. Insbesondere bei schweren Infektionen der Atemwege führe die Sauerstoffunterversorgung bei einer „Reihe von Patienten“ zu Erkrankungen, die das Herz und die Gefäße betreffen. Dazu gehörten auch „venöse thromboembolische Ereignisse“, also Thrombosen, die dann entstehen, wenn sich ein Blutgerinnsel in einem Blutgefäß bildet. Das sei die Schlussfolgerung zweier wissenschaftlicher Übersichtsarbeiten, auf die das RKI verweist.

Auch in einer niederländischen Studie vom 10. April, die Intensivpatienten mit durch Covid-19 bedingten Lungenentzündungen untersuchte, und von Seiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird vor dem Risiko von Thrombosen gewarnt und dazu geraten, vorbeugend gerinnungshemmende Medikamente einzusetzen (PDF, Seite 8).

Fazit: Die Behauptung ist größtenteils falsch. Thrombosen, womit wohl die im Artikel genannten „Blutgerinnungserkrankungen“ gemeint sind, treten bei Covid-19 Patienten als Folgekomplikation offenbar häufig auf. Das heißt aber nicht, dass Patienten ausschließlich an Thrombosen sterben. Es handelt sich bei Covid-19 primär um eine Erkrankung der Atemwege, bis hin zu einer schweren Lungenentzündung.

Vierte Behauptung: 88 Prozent der beatmeten Patienten sterben, weil Beatmung die falsche Behandlung sei

Die Unbestechlichen schreiben in dem Artikel zudem, dass 88 Prozent der Patienten, die Beatmungsgeräte tragen, sterben würden: „Sie sterben, weil die Beatmungsbehandlung die falsche Behandlung ist“, steht in dem Text. Auch das ist so nicht richtig.

Die Frage, wie viele der beatmeten Patienten sterben, ist bisher nicht ausreichend geklärt. Die in dem Artikel genannten 88 Prozent werden nicht mit einer Quelle belegt. Sie stammen aber offensichtlich aus einer New Yorker Studie, die im April im Journal of the American Medical Association veröffentlicht worden war. Sie beschäftigte sich mit dem Krankheitsverlauf von Covid-19-Patienten, die zwischen dem 1. März und dem 4. April 2020 in New Yorker Krankenhäuser eingeliefert worden waren.

Prozentzahl aus Studie wurde irreführend zitiert

Die Studie führt gibt an, dass von den 5.700 untersuchten Patienten insgesamt 1.151 beatmet werden mussten. Von den beatmeten Patienten waren zum Ende der Studie 282 Personen gestorben und 38 hatten das Krankenhaus lebend verlassen. Insgesamt waren das 320 Personen. Der Großteil der Patienten, nämlich 72,2 Prozent (831 Personen), befand sich weiterhin in Behandlung. Diese wurden bei der Berechnung der 88 Prozent offensichtlich außen vor gelassen.

Die 88 Prozent beziehen sich also lediglich auf diejenigen 320 Personen, die zum Ende des Betrachtungszeitraums entweder gestorben (282 Personen, 88 Prozent) oder gesund entlassen worden waren (38 Personen, 12 Prozent). Die Behauptung, dass 88 Prozent aller beatmeten Patienten sterben, lässt sich demnach aus den Studienergebnisse nicht ableiten. Auch in der Studie selbst ist die Todesrate unter allen beatmeten Patienten nicht mit 88 Prozent, sondern mit 24,5 Prozent angegeben.

Die US-amerikanischen Faktenchecker von Politifact haben dazu bereits einen Artikel veröffentlicht – ebenso wie die Tagesschau. Das Ergebnis der Recherche: Die Studie wird irreführend zitiert.

Richtig ist jedoch: Es gibt Hinweise darauf, dass ungewöhnlich viele Covid-19-Patienten trotz maschineller Beatmung sterben. Einer Untersuchung des britischen Intensive Care National Audit and Research Center (ICNARC, PDF im ersten Textabschnitt der Webseite abrufbar) vom 5. Juni zufolge sind die Behandlungsergebnisse bei beatmeten Covid-19-Patienten schlechter als bei anderen Viruspneumonien. 42,4 Prozent der Covid-19-Patienten in „kritischer Behandlung“ starben – in einer anderen Kohorte, die an einer anderen Art der Lungenentzündung litt, starben nur 21,4 Prozent (PDF, Seite 19).

ICNARC
Auszug aus der Untersuchung des ICNARC mit Stand vom 5. Juni 2020. (Quelle: ICNARC, Screenshot: CORRECTIV)

Deutsche Gesellschaft für Pneumologie: Beatmung von Covid-19-Patienten sei bei schweren Verläufen „unabdingbar“

Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass die Beatmung von Covid-19-Patienten die falsche Behandlung ist. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hat dazu im April ein Positionspapier veröffentlicht, in dem sie sich auch mit möglichen Schäden beschäftigt, die bei der Beatmung entstehen könnten.

„Eine künstliche Beatmung löst nicht grundsätzlich bleibende Gesundheitsschäden an der Lunge aus“, sagt Torsten Bauer, stellvertretender Präsident der DGP und Mitautor des Positionspapiers, in einer Pressemitteilung vom 21. April. Zwar gebe es Patienten, bei denen der Heilungsprozess nach einer solchen Beatmung länger dauere. Bei schweren Verläufen von COVID-19 sei die Beatmung aber unabdingbar: „Sie ist eine lebensrettende Maßnahme für Menschen mit einer sehr schweren COVID-19-Erkrankung“, heißt es in der Mitteilung.

Fazit: Die Behauptung ist größtenteils falsch.

Fünfte Behauptung: Es gebe einen Zusammenhang zwischen dem neuen Mobilfunkstandard 5G und dem Coronavirus

Im weiteren Verlauf des Artikels von Die Unbestechlichen wird außerdem behauptet, es gebe in Bezug auf das Coronavirus „auch einen direkten Zusammenhang mit den Strahlungsschäden, die von 5G-Masten verursacht werden“. Zudem werden Verbindungen zwischen den Corona-Todesfällen in Wuhan (China) und dem dortigen 5G-Netz genannt.

Für dieses Gerücht, das seit Monaten im Netz kursiert, gibt es keine Belege – zahlreiche offizielle Stellen haben ihm mittlerweile aber widersprochen.

Bundesamt für Strahlenschutz und WHO widersprechen den Behauptungen

Das Bundesamt für Strahlenschutz weist auf seiner Webseite zudem Berichte über einen Zusammenhang zwischen der Verbreitung des Coronavirus und 5G zurück: „Es gibt keinen wissenschaftlichen Hinweis darauf, dass Mobilfunkstrahlung eine Wirkung auf die Ausbreitung von Viren haben könnte. Dies gilt auch für 5G.“

Der für den Mobilfunk genutzte Frequenzbereich sei mittlerweile „sehr gut erforscht“. Die einzige nachgewiesene Wirkung von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern sei demnach eine Erwärmung des Körpergewebes – und diese sei „gesundheitlich unproblematisch“.

Auch die WHO stellte in einem ihrer Myth Buster klar, dass sich Viren weder über Radiowellen, noch über Mobilfunknetze verbreiten. Die Krankheit Covid-19 verbreite sich auch in vielen Ländern, in denen es keine 5G-Mobilfunknetze gebe. Dazu haben wir ebenfalls einen Faktencheck veröffentlicht.

Fazit: Die Behauptung ist unbelegt.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Die Wirksamkeit der Behandlung von Covid-19 mit Chlordioxid ist nicht belegt. Der Konsum kann zu schweren Gesundheitsschäden führen. Weitere Behauptungen im Text sind irreführend.

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In einer Rede im Stuttgarter Landtag sprach Sozialminister Manne Lucha (Grüne) übers Impfen. Er forderte aber nicht, wie behauptet, eine Zwangsimpfung mit giftigem Formaldehyd. (Quelle: Youtube / Screenshot: CORRECTIV)

von Lea Weinmann

In einem Artikel wird behauptet, der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha fordere eine Zwangsimpfung mit giftigem Formaldehyd. Das hat er nicht gesagt. Ein Video der AfD mit den Aussagen Luchas ist zudem irreführend zusammengeschnitten.

In einem Artikel vom 6. Juni wird auf der Seite Einreich behauptet, der baden-württembergische Sozialminister Manfred „Manne“ Lucha (Grüne) fordere „im Zuge der Corona-Pandemie Zwangsimpfungen, die das hochgiftige Desinfektionsmittel Formaldehyd enthalten“.

Das stimmt nicht. Luchas Aussagen wurden aus dem Kontext gerissen und verdreht. Das Youtube-Video, auf das sich der Artikel bezieht, stammt von der AfD-Landtagsabgeordneten Christina Baum. Es ist irreführend zusammengeschnitten.

In dem Video sieht man Lucha, der im Stuttgarter Landtag den US-Präsidenten Donald Trump für seine Spekulation zur Injektion von Desinfektionsmittel gegen Covid-19 kritisiert. Die AfD-Abgeordnete Baum stellt daraufhin ihre Zwischenfrage, die Lucha kurz bejaht. Danach, so stellt es das Video dar, forderte Lucha angeblich nochmal dazu auf, sich impfen zu lassen. „Frecherweise hat er dann sogar noch für eine solche Impfung geworben“, sagt Baum in dem Video.

Artikel und Video beziehen sich auf Sitzung vom 7. Mai

Der Artikel und das Video beziehen sich auf die Plenarsitzung im Stuttgarter Landtag vom 7. Mai. Die Sitzung ist auf der Webseite der Landesregierung Baden-Württemberg als Video und Plenarprotokoll dokumentiert. Im Protokoll findet sich die Wortmeldung von Christina Baum auf Seite 7.344. Tatsächlich antwortet Lucha auf die Frage der Abgeordneten zu Formaldehyd in Impfstoffen: „Das weiß ich“ und „Ja“.

Lucha Protokoll
Ausschnitt aus dem Protokoll der Plenarsitzung vom 7. Mai, Seite 7.344 (Screenshot: CORRECTIV).

Im Youtube-Video von Christina Baum wird jedoch der Teil weggelassen, in dem Manne Lucha im Anschluss ausführlicher auf die Frage antwortet.

Video ist verkürzt und irreführend geschnitten

Nach Baums Wortmeldung bestätigte Lucha, dass es in Impfstoffen „natürlich eine Vielzahl an Substanzen“ gebe. „Aber Herr Trump hat sich sicherlich nicht damit beschäftigt, dass Formaldehyd ein Bestandteil eines multiplen Impfstoffs mit Trägersubstanzen ist, sondern hat die Vorstellung, dass dann, wenn das Virus in zehn Sekunden durch Desinfektionsmittel weggeht, es vielleicht auch dann weggeht, wenn ich ein solches Mittel spritze.“ Und weiter: „Ich wollte ja nur sagen, dass die Vereinfacher dieser Welt mit ihren Vereinfachungsrezepten in Schwarz-Weiß die Krise nicht gelöst haben.“ (Protokoll Seite 7.344).

Lucha Protokoll Teil 2
Ausschnitt aus dem Protokoll der Plenarsitzung vom 7. Mai, Seite 7.344 (Screenshot: CORRECTIV).

In dem Artikel von Einreich und dem Youtube-Video von Christina Baum wird es so dargestellt, als habe Lucha nach diesem Wortwechsel fürs Impfen geworben.  „Lucha warb danach plötzlich sogar massiv im Landtag dafür, sich impfen zu lassen“, schreibt Einreich. Das ist falsch.

Lucha forderte vor Baums Wortmeldung dazu auf, sich impfen zu lassen – nicht danach

Luchas Aufforderung sich gegen Masern, Influenza und Pneumokokken impfen zu lassen, fand, anders als in dem Youtube-Video dargestellt (ab Minute 01:40), vor der Zwischenfrage der AfD-Abgeordneten statt – und nicht danach. Im Plenarprotokoll ist diese Stelle auf Seite 7.343 dokumentiert.

Auf Anfrage von CORRECTIV hat das baden-württembergische Sozialministerium den Behauptungen in dem Artikel auch widersprochen: Lucha habe keine Zwangsimpfung mit Formaldehyd gefordert, sondern „appellierte […] an die Bürgerinnen und Bürger, sich gegen Pneumokokken und Influenza impfen zu lassen, um das Risiko zu senken, im Falle einer Corona-Infektion gleichzeitig auch noch an einer anderen Virusinfektion zu erkranken, die den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen könnte“, schreibt ein Sprecher des Ministeriums per E-Mail.

Zur Erklärung schrieb der Sprecher weiter: „Ja, auch in manchen Impfstoffen ist Formaldehyd enthalten. Die geringe, für den Menschen ungefährliche Dosis innerhalb eines medizinischen Impfstoffes, ist absolut nicht vergleichbar mit dem, was US-Präsident Trump vorgeschlagen hat.“

Sozialministerium BW Mail
Auszug aus der E-Mail des baden-württembergischen Sozialministeriums, das Manne Lucha unterstellt ist. (Screenshot: CORRECTIV)

RKI: Formaldehyd in „äußerst geringer Konzentration“ in einigen Impfstoffen enthalten

Formaldehyd ist eine Chemikalie, die beim Einatmen die Schleimhäute reizen und Krebs im Nasenrachenraum auslösen kann und unter anderem in Desinfektionsmitteln enthalten ist. Die schädliche Wirkung sei aber konzentrationsabhängig, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts ist Formaldehyd in einigen Impfstoffen enthalten – allerdings in „äußerst geringen Konzentrationen (weit unterhalb toxikologischer Grenzwerte)“. Die Substanz diene dazu, Impfviren abzutöten.

Fazit: Der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha sprach sich bei der Plenarsitzung am 7. Mai vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie für eine Impfung gegen Masern, das Influenzavirus und Pneumokokken aus. Die spätere Zwischenfrage der AfD-Abgeordneten Baum, ob er wisse, dass in vielen Impfstoffen Formaldehyd enthalten sei, bejahte er. Daraus zu schlussfolgern, Lucha fordere eine „Zwangsimpfung mit hochgiftigem Formaldehyd“ ist irreführend und falsch.

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Sozialminister Manne Lucha warb nicht fürs Impfen, nachdem er darauf hingewiesen wurde, dass viele Impfstoffe Formaldehyd enthalten.

Vesna_Pixi Pixabay
Ungeimpfte Kinder sind nicht gesünder als geimpfte. (Symbolbild: Vesna_Pixi/Pixabay)

von Steffen Kutzner

In einem Online-Artikel wird behauptet, geimpfte Kinder wären häufiger krank als Kinder, die nicht geimpft wurden. Der Autor stützt sich primär auf einen mehr als zehn Jahre alten Gegenentwurf zu einer Studie des Robert-Koch-Instituts, den eine Impfkritikerin erstellt und dabei Rechenfehler gemacht hatte.

Die schweizerische Webseite Legitim hat am 18. Februar 2019 einen Gastbeitrag veröffentlicht, in dem behauptet wird, dass ungeimpfte Kinder seltener unter Krankheiten und Allergien leiden würden. Das hätten „verschwiegene Studien“ enthüllt. „In diesem Artikel möchte ich anhand von sehr guten Statistiken zeigen, wie schädlich Impfungen sind und welche Folgen sie haben können“, schreibt der Autor. Der Text wurde laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 3.700 Mal auf Facebook geteilt, zuletzt im Februar 2020. 

Dabei handelt es sich bei der von Legitim zitierten Auswertung weder um eine eigene Studie, noch wurde etwas verschwiegen. Zudem war die Auswertung auch inhaltlich laut Robert-Koch-Institut (RKI) falsch.

Der Beitrag von Legitim bezieht sich primär auf eine Auswertung von Angelika Müller (die früher Angelika Kögel-Schauz hieß). Sie betreibt die impfkritische Webseite „Eltern für Impfaufklärung und ist nach eigenen Angaben Informatikerin. Sie hatte die öffentlichen Ergebnisse des ersten Teils der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS), einer Studie des RKI, neu ausgewertet und dabei laut RKI mehrere Rechenfehler gemacht. 

Bei der ersten KiGGS-Umfrage wurden von Mai 2003 bis Mai 2006 bundesweit repräsentative Gesundheitsdaten von insgesamt 17.641 Kindern und Jugendlichen erhoben. Müller stützt sich auf diese Daten und behauptet, sie würden zeigen, dass ungeimpfte Kinder gesünder seien als geimpfte. Geimpfte Kinder bekämen angeblich häufiger Krankheiten wie Skoliose, Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, Heuschnupfen, Neurodermitis oder eine Nickelallergie. 

Der Artikel wurde in Ausgabe 14/2009 des Magazins Mehr wissen besser leben veröffentlicht. Der Text ist auch auf der Seite der Union deutscher Heilpraktiker Hessen zu finden. Die Behauptung von Legitim, es handele sich um eine „verschwiegene Studie“, ist also falsch.

Berechnungen laut RKI falsch

Das RKI schrieb uns, dass in der Auswertung von Müller „grundlegende Standards der wissenschaftlichen Datenanalyse nicht eingehalten“ und eine „zwingend notwendige Gewichtung der Daten unterlassen“ wurden. Deshalb seien „alle berechneten Häufigkeitswerte falsch“ gewesen.

Auszug der E-Mail des RKI. (Screenshot: CORRECTIV)

Im Februar 2011 veröffentlichte Müller eine zweite, überarbeitete Version des Textes unter dem Titel „Ungeimpfte Kinder sind gesünder“ auf der Webseite Eltern für Impfaufklärung. Hier sind einige Ergebnisse anders als in der ersten Veröffentlichung. So wird der Prozentwert für geimpfte Kinder, die an Heuschnupfen erkranken, beispielsweise in der ersten Fassung mit 16,2 Prozent (Seite 3 im Dokument) angegeben, in der zweiten Fassung mit 16,8 Prozent (Seite 2 im Dokument). Auch bei den anderen Erkrankungen und Allergien gibt es solche Abweichungen. Erklärt werden die Unterschiede nicht. 

Das RKI kommentiert uns gegenüber, dass die Auswertungen nun zwar mit gewichteten Daten vorgenommen wurden, aber „nach wie vor nicht korrekt“ seien. Unter anderem, weil Kinder, die wegen häufiger Krankheit nicht geimpft wurden, sowie Kinder im ersten Lebensjahr und solche mit Migrationshintergrund, bei denen die Impfangaben unklar seien, nicht von der Analyse ausgeschlossen wurden.

Laut Legitim hatte Müller bei ihrer Gegenauswertung diese „Tricks“ absichtlich weggelassen, weil sie der Meinung war, dass sie die Statistik verfälschen.

Auszug der E-Mail vom RKI. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

RKI sieht „keine signifikanten Unterschiede“ beim Gesundheitszustand von geimpften und ungeimpften Kindern

Das RKI hatte als Reaktion auf die Auswertung den Gesundheitszustand von geimpften Kindern im Vergleich zu ungeimpften Kindern untersucht und die Ergebnisse 2011 im Ärzteblatt veröffentlicht. Das RKI schrieb uns dazu: „Unsere Nachprüfungen haben ergeben, dass bei korrekter Auswertung keine signifikanten Unterschiede zwischen geimpften und ungeimpften Kindern nachweisbar sind.“ 

In der Auswertung des RKI von 2011 heißt es, die Bedenken mancher Eltern, aber auch Ärzte, dass das Immunsystem von geimpften Kindern schwächer auf andere Erkrankungen reagiere und sie deshalb häufiger an Erkältungen, Bronchitis oder Magen-Darm-Infektionen leiden würden, ließen sich mit den Daten nicht bestätigen. Zudem ergebe die Studie auch in Bezug auf Allergien, Herzkrankheiten, Epilepsie oder ADHS keine signifikanten Unterschiede zwischen geimpften und ungeimpften Kindern.

Die Aussage, dass es keine Unterschiede gebe, bezieht sich jedoch nur auf Krankheiten, gegen die nicht geimpft wird, wie grippale Infekte. In der Untersuchung des RKI heißt es dazu: „Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die schon einmal Keuchhusten, Masern, Mumps und/oder Röteln hatten, ist bei ungeimpften wesentlich größer als bei ausreichend gegen die jeweilige Krankheit geimpften Kindern und Jugendlichen.“

Auch andere Quellen des Beitrags nicht belastbar

Als weitere Quelle für die Behauptung von Legitim wird die von einem Homöopath und Naturheilpraktiker namens Andreas Bachmair betriebene Webseite „Impfschaden.infogenannt. Dort werden jedoch keine Studien angeführt, sondern eine eigene Umfrage gemeinsam mit einer englischen Initiative namens „Vaccine Injury“ und eine weitere Auswertung der KiGGS-Studie des RKI. Diese werden mit einer Untersuchung des Homöopathen und Impfkritikers Rolf Kron verglichen.

Die Aufstellung ist fragwürdig. Teils handelt es sich nicht um offizielle und geprüfte Studien oder Umfragen, teils sind die Auswertungen viele Jahre alt. Da die Daten alle unterschiedlich erhoben wurden, sind die Ergebnisse nicht vergleichbar. Zudem widersprechen die dargestellten Ergebnisse zur KiGGS-Studie der Untersuchung des RKI. So wird auf „Impfschaden.info“ etwa behauptet, die KiGGS-Studie habe ergeben, dass geimpfte Kinder doppelt so häufig an Mittelohrentzündungen erkrankten wie ungeimpfte. Wie das RKI in dem Artikel im Ärzteblatt explizit erklärte, gebe es jedoch für das Auftreten von Mittelohrentzündungen „keine wesentlichen Unterschiede“ bei geimpften und ungeimpften Kindern.

Fazit: Es gibt keine Belege für die Behauptung, dass ungeimpfte Kinder gesünder seien als geimpfte. Das RKI kommt zu dem Schluss, dass Krankheiten wie grippale Infekte, Mittelohrentzündungen oder Bronchitis weder wesentlich häufiger noch seltener bei geimpften Kindern auftreten. Die angeblich „verschwiegenen Studien“ sind nicht belastbar. Bezogen auf impfbare Kinderkrankheiten wie Mumps, Röteln, Keuchhusten oder Masern erkranken nicht geimpfte Kinder zudem laut RKI deutlich häufiger als geimpfte.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Der Beitrag bezieht sich auf eine laut RKI fehlerhafte Auswertung und nicht belastbare Quellen.