Faktencheck

5G und Coronavirus: Es gibt keine Belege für einen Zusammenhang

Das Gerücht, es gebe eine Verbindung zwischen 5G und dem Coronavirus, verbreitet sich momentan vielfach in Sozialen Netzwerken. Auch ein Artikel auf Transinformation griff die Behauptung auf und vermischte sie mit Verschwörungsmythen. Es gibt aber keine Belege dafür.

von Lea Weinmann

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Ein Zusammenhang zwischen 5G-Netz und dem Coronavirus? Das Gerücht hält sich hartnäckig – es ist aber völlig unbelegt. (Symbolbild: Pixabay / stux)
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Unbelegt. Es gibt keine Belege für einen Zusammenhang zwischen 5G und dem Coronavirus.

„Es gibt eine Verbindung zwischen dem Coronavirus und 5G“, heißt es in einem Artikel auf der Webseite Transinformation. Die Behauptung kursiert seit Monaten im Netz. Dafür gibt es jedoch keinerlei Belege; verschiedene offizielle Stellen haben bereits widersprochen.

Der Artikel von Transinformation wurde am 5. März veröffentlicht und bisher laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 1.000 Mal auf Facebook geteilt. Der englische Originaltext ist schon am 19. Februar auf der Seite Humans are free erschienen.

Der Artikel enthält viele Verschwörungsmythen und nicht überprüfbare Behauptungen. So sei das Coronavirus angeblich eine Biowaffe (dazu gibt es bereits einen Faktencheck von uns), die Pandemie sei unter anderem von Bill Gates geplant worden (Faktencheck) und 5G diene angeblich als eine Art „gerichtete Energiewaffe“.

Zusammenhang zwischen 5G und dem Coronavirus?

Die zentrale Behauptung ist jedoch, dass es eine Verbindung zwischen 5G und dem Coronavirus gebe: „Verschiedene unabhängige Forscher“ hätten diese im Internet hervorgehoben, heißt es in dem Artikel. Zudem hätten „viele wissenschaftliche Dokumente über die gesundheitlichen Auswirkungen von 5G verifiziert, dass es grippeähnliche Symptome verursacht“. Genaue Quellen werden nicht genannt.

Wie wir bereits in einem früheren Faktencheck berichtet haben, ist die Behauptung weder neu, noch gibt es Belege dafür. Verschiedene Organisationen und Behörden, wie zum Beispiel das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO), haben einem Zusammenhang zwischen 5G und dem Coronavirus widersprochen. Zwar waren nicht alle Stellungnahmen schon veröffentlicht, als der Artikel von Transinformation erschien. Die Autoren haben den Text bisher aber auch nicht um neue Informationen ergänzt.

Bundesamt für Strahlenschutz: „5G verursacht weder Zellabbau noch grippeähnliche Symptome“

5G steht für die fünfte Mobilfunkgeneration. Sie soll Daten schneller übertragen und weniger Strom verbrauchen. Das wird laut BfS zu einem „deutlichen Ausbau der Sendeanlagen“ führen. Einige Menschen gingen davon aus, dass dadurch die Strahlenbelastung steigen und gefährlich für den Menschen werden könnte, schreibt das BfS. Dafür gibt es aktuell jedoch keine Belege.

Richtig ist, dass sich die Mobilfunkstrahlung mit 5G verändern wird. Grundsätzlich sei die Bevölkerung mehr elektromagnetischen Feldern ausgesetzt, wenn zusätzliche Sendemasten gebaut werden, informiert das Umweltbundesamt (BMU) auf seiner Webseite unter dem Punkt „Gesundheitliche Bewertung“. Die Millimeterwellen würden durch höhere Frequenzen im Unterschied zu den bisherigen Mobilfunkstandards aber weniger weit in den Körper eintreten. „Daher werden nur körperoberflächennahe Gewebe (Haut, Auge) erreicht“, schreibt das BMU.

Die Wirkung der elektromagnetischen Felder im vom Mobilfunk genutzten Frequenzbereich ist laut BMU wissenschaftlich gut untersucht und auch für 5G „weitestgehend aussagekräftig“: „Innerhalb der gültigen Grenzwerte und bei Einhaltung der an Mobiltelefone gestellten Anforderungen gibt es demnach keine bestätigten Belege für eine gesundheitliche Wirkung des Mobilfunks.“ Das Amt betont aber auch, dass weitere Untersuchungen notwendig seien.

Schon im Januar fragte CORRECTIV für einen Faktencheck beim BfS nach möglichen Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung auf den Körper. Eine Sprecherin gab per E-Mail Entwarnung: „5G verursacht weder Zellabbau noch grippeähnliche Symptome. 5G kann (wie alle Felder von Mobilfunksendeanlagen, also auch 2G, 3G, 4G) höchstens eine geringfügige, nicht wahrnehmbare Erwärmung verursachen, die sich vor allem auf die Körperoberfläche beschränkt (und die Lunge nicht erreicht).“

BfS Mail
Aus der E-Mail des Bundesamts für Strahlenschutz im Januar 2020. (Screenshot: CORRECTIV)

Das BfS weist mittlerweile auch auf seiner Webseite Berichte über einen Zusammenhang zwischen der Verbreitung des Coronavirus und 5G zurück: „Es gibt keinen wissenschaftlichen Hinweis darauf, dass Mobilfunkstrahlung eine Wirkung auf die Ausbreitung von Viren haben könnte. Dies gilt auch für 5G.“ Die einzige nachgewiesene Wirkung von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern sei demnach eine Erwärmung des Körpergewebes – und diese sei „gesundheitlich unproblematisch“.

WHO: „Viren können sich nicht über mobile Netzwerke verbreiten“

Fraglich bleibt zudem, wie sich Coronaviren über das 5G-Netz verbreiten sollen. Das neuartige Coronavirus verbreitet sich hauptsächlich über Tröpfchen, die beim Husten und Niesen entstehen und vom Gegenüber über die Schleimhäute (in Mund, Nase oder Augen) aufgenommen werden, schreibt das Robert-Koch-Institut. Bisherige Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Viren auch über Aerosole übertragen werden können und eine Übertragung durch kontaminierte Oberflächen zumindest nicht ausgeschlossen wird.

Auch die WHO stellte in einem ihrer Myth Buster klar, dass sich Viren weder über Radiowellen, noch über Mobilfunknetze verbreiten. Die Krankheit Covid-19 verbreite sich auch in vielen Ländern, in denen es keine 5G-Mobilfunknetze gebe.

WHO Myth Buster
In einem Sharepic macht die WHO deutlich, dass 5G-Mobilfunknetze nicht zur Verbreitung von Covid-19 beitragen. (Quelle: WHO).

Wie bereits in einem anderen Faktencheck erläutert, ist ein Beispiel dafür Brasilien. Die Online-Karten „nPerf“ und „Ookla“ von „Speedtest“ werden von privaten Unternehmen betrieben und verfolgen die aktuelle weltweite 5G-Abdeckung. Nach ihren Angaben gibt es in Brasilien bisher sehr wenige 5G-Masten (Stand: 17. Juni). Diese befinden sich zudem noch in der Testphase. Jedoch hat Brasilien nach Angaben der WHO viele Covid-19-Erkrankte (4.179 bestätigte Fälle pro eine Million Einwohner am 17. Juni) und auch zahlreiche Corona-Todesfälle (201 pro eine Million Einwohner).

Die meisten Fälle pro Kopf gibt es in Brasilien laut Daten der New York Times (Quelle: Gesundheitsministerium Brasilien) in der Region Amapá im Norden und im Amazonasgebiet im Nordwesten – wo bisher nicht ein 5G-Mast steht. Das Gleiche gilt für Indien: 257 bestätigte Corona-Fälle pro eine Million Einwohner am 17. Juni, aber kein 5G-Netz (siehe hier und hier).

5G: Schon lange Thema der Desinformation

Der weltweite 5G-Ausbau ist schon lange ein Thema der Desinformation. Obwohl die aktuelle Faktenlage wenig Anlass für Alarmismus bietet, wird er auch im deutschsprachigen Raum immer wieder befeuert.

Tatsächlich gibt es auch bei offiziellen Stellen noch leise Vorbehalte gegenüber der Technologie: So sieht das BfS weiteren Forschungsbedarf bei der mit 5G geplanten Nutzung zusätzlicher Frequenzbänder im Zenti- und Millimeterwellenlängenbereich. Es gebe wissenschaftliche Unsicherheiten bezüglich der Langzeitwirkung intensiver Handynutzung. Auch sei die Technologie noch zu jung, um den möglichen Einfluss auf Krebserkrankungen oder Kinder zu beurteilen, dafür brauche es 20 bis 30 Jahre.

Einigkeit besteht darin, gewisse Vorsicht bei der Nutzung von Mobiltelefonen walten zu lassen. Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt folgende Hinweise, die allerdings nur wenige Menschen berücksichtigen dürften: „Auf ausreichenden Abstand des Smartphones zum Körper achten und beim Telefonieren Freisprecheinrichtungen und Headsets nutzen.“