Faktencheck

Nein, diese Fotos beweisen nicht, dass die Corona-Pandemie angeblich inszeniert sei

Weil ein und derselbe Mann auf mehreren Fotos mit Bezug zur Coronavirus-Pandemie auftaucht, suggerieren einige Nutzer, dass die Pandemie inszeniert sei. Der Behauptung fehlt jede Grundlage: Es handelt sich lediglich um Fotos einer Bildagentur.

von Steffen Kutzner

Collage ohne Titel
Der Beweis für eine Inszenierung sei ein Mann, der auf mehreren Fotos mit Bezug zur Coronavirus-Pandemie zu sehen ist, wird auf Facebook behauptet. (Quelle: Facebook / Collage und Schwärzung: CORRECTIV)
Behauptung
Anhand mehrerer Fotos eines Mannes wird suggeriert, die Corona-Pandemie sei inszeniert.
Bewertung
Falscher Kontext
Über diese Bewertung
Falscher Kontext. Es handelt sich um Bilder einer Fotoagentur; der Mann ist ein Fotomodell.

Die Welt sei eine Bühne, heißt es in mehreren Beiträgen auf Facebook und Telegram, in denen eine Foto-Collage zu sehen ist. Abgebildet ist jeweils ein älterer Mann in verschiedenen Situationen, die – so scheint es – alle mit der Corona-Pandemie in Verbindung stehen. Die Beiträge wurden insgesamt mehr als 1.000 Mal auf Facebook geteilt und mehr als 2.700 Mal auf Telegram angesehen.

Die Bilder zeigen den Mann beim Rachenabstrich, mit Mund-Nasen-Bedeckung beim Betrachten eines Röntgenbildes und in einem Krankenhausbett liegend, während er offensichtlich beatmet wird. In den Beiträgen wird suggeriert, dass es sich um einen Schauspieler handelt, und dies sei ein Hinweis, dass die Pandemie inszeniert sei. 


Dabei wird jedoch ein falscher Kontext konstruiert: Der Mann ist zwar – in gewissem Sinne – tatsächlich Schauspieler, nämlich ein Fotomodell. Aber das beweist nicht, dass die Pandemie inszeniert wäre. Es handelt sich lediglich um sogenannte „Stock Photos“, also um gestellte Bilder. Gewöhnlich werden solche Fotos über Bildagenturen verkauft, so auch in diesem Fall.

Kein Medium hat die Fotos verwendet und behauptet, sie würden reale Ereignisse bebildern

Bildagenturen verkaufen solche Symbolfotos beispielsweise an Redaktionen, die ihre Artikel damit bebildern – auch CORRECTIV verwendet für einige Artikel Symbolfotos als Titelbilder, zum Beispiel hier, hier oder hier. Die Verwendung von Symbolbildern wird in der Bildunterschrift entsprechend erwähnt, um deutlich zu machen, dass es sich nicht um tatsächliche Bilder des jeweiligen Ereignisses handelt, sondern um gestellte oder beispielhafte Bilder, die nur der Veranschaulichung dienen. 

Die in der Collage verwendeten Fotos finden sich alle auf der Seite der Bildagentur shutterstock.com. Veröffentlicht wurden sie von dem Nutzer „PKK_studio“. Der weißhaarige Mann taucht auf mehreren dutzend Fotos dieses Studios auf, sowohl mit Corona-Bezug, als auch ohne. Der abgebildete Mann ist also kein „Experte in allen Belangen“, wie es auf Facebook heißt, sondern ein Fotomodell. 

Wir haben die Fotos des Mannes außerdem einzeln jeweils durch fünf verschiedene Bilder-Rückwärtssuchen laufen lassen (Google, Bing, Yandex, Tineye, Baidu) und dabei keinen einzigen Medienartikel finden können, in dem sie verwendet und als Bilder eines realen Ereignisses dargestellt wurden.

Collage kursiert auch in Polen

Der Behauptung aus den Facebook-Beiträgen fehlt damit jede Grundlage: Es handelt sich nicht um einen vermeintlichen Beweis für eine Inszenierung der Pandemie. Die Fotos sind auch kein Beweis dafür, dass der Mann an Covid-19 erkrankt war oder ist. Solche Fotos bilden nicht die Realität ab, sondern stellen Situationen nach. 

Zum gleichen Ergebnis kam bei einem Faktencheck auch ein TV-Sender aus Polen, wo die Collage offenbar ebenfalls kursiert.  

Redigaturen: Sarah Thust, Till Eckert

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